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Monday, February 6, 2023

Die Tech Branche streicht sich zusammen

Nun hat es auch den Computerhersteller Dell erwischt: Das Unternehmen will wegen der rückläufigen PC-Nachfrage 6650 Mitarbeiter entlassen. Das sind rund fünf Prozent der weltweiten Belegschaft. Man sei mit schwierigen Marktbedingungen und einer ungewissen Zukunft konfrontiert, und die bisherigen Kostensenkungsmassnahmen seien nicht genug, gab COO Jeff Clarke in einem Memo bekannt. Dell hat während der Pandemie sehr gute Geschäfte gemacht. Unzählige Schüler und Angestellte mussten mit PC ausgerüstet werden, damit sie ihre Aufgaben zuhause erledigen konnten. Noch im ersten Quartal 2021 wurden rund 70 Millionen Laptops und Desktops ausgeliefert. Seitdem ist jedoch ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen - die Mitarbeiter sind zum grössten Teil wieder im Büro und die Schüler wieder in der Schule.
Den Daten von IDC zufolge hat Dell im letzten Jahr im Vergleich zu seinen wichtigsten Konkurrenten den größten Rückgang bei den Auslieferungen zu verzeichnen. Dell hat im letzten Quartal des vergangenen Jahres 10,8 Millionen Geräte ausgeliefert, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 17,2 Millionen gewesen – das entspricht einem Rückgang von mehr als 37 Prozent.

Dell ist allerdings kein Einzelfall. HP will ebenfalls 6000 Angestellte entlassen. Inflation und eine drohende Rezession belasten die ganze Technologiebranche:

Nach der Pandemie schrumpft der PC-Markt -
und Dell leidet darunter.             Bild dell.com

«Die Google-Mutter Alphabet etwa streicht weltweit 12 000 Stellen, beim Software-Konzern Microsoft sind es 10000 Jobs, die wegfallen. Und die Facebook-Mutter baut 11000 Jobs ab - erstmals überhaupt seit der Firmengründung 2004. […] Bei Salesforce sind es 8000 Jobs. Der SAP-Rivale will zudem auch mehrere Standorte schließen. Der Netzwerkausrüster Cisco hat sich ebenfalls ein Restrukturierungsprogramm auferlegt. In dessen Rahmen könnten bis zu fünf Prozent der Stellen gestrichen werden. Aber auch Europa bleibt nicht verschont. SAP, Europas größtes Software-Haus, hat nach einem Gewinnrückgang den Abbau von 3000 Jobs angekündigt, etwa 2,5 Prozent der SAP-Belegschaft. […] Der Online-Händler Amazon will sogar mehr als 18000 Jobs streichen, vor einigen Monaten hatte ein Insider noch von lediglich 10000 Jobs gesprochen.» (sueddeutsche.de)

Saturday, May 28, 2022

Gefälschte Sterne können richtig teuer werden

Screengrab Amazon
Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach über gefälschte Online-Bewertungen und deren Folgen berichtet; auch über die Massnahmen, die vor allem grosse Unternehmen wie Amazon oder Tripadvisor treffen, um solche Fälschungen auszuschalten. Nun wird das Thema allerdings für alle Online-Anbieter aktuell: Auch in Deutschland ist jetzt ein Gesetz in Kraft getreten, das sich an EU-Richtlinien orientiert und hohe Bussen androht, wenn Online-Händler ihre Bewertungen nicht seriös überprüfen oder zumindest ihren Kunden sagen, dass sie das nicht tun.

Amazon, der grösste Online-Händler der Welt gibt weltweit 700 Millionen Dollar im Jahr aus, um Betrug bei Online-Bewertungen vorzubeugen, beziehungsweise aufzudecken. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen im ersten Corona-Jahr 2020 weltweit mehr als 200 Millionen gefälschte Produktrezensionen auf seinen Webseiten gelöscht. Amazon geht auch verstärkt gerichtlich gegen Agenturen vor, die falsche oder erfundene Bewertungen verkaufen.
In Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Speziellen müssen Online-Händler jetzt den Bewertern von Gesetztes wegen genauer auf die Finger schauen. Die Zeit berichtet:

«Eigentlich kommt das neue Gesetz zu einem guten Zeitpunkt: Der Einkauf im Internet boomt, spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie. Inzwischen geht jeder siebte Euro, den Menschen in Deutschland für Lebensmittel, Elektronik, Möbel und Bekleidung ausgeben, an den Onlinehandel. Bewertungen dienen häufig als zielgerichtete Produktwerbung kurz vor dem Kaufabschluss, das kurbelt die Umsätze ordentlich an. Da wächst auch der Anreiz für Unternehmen, online ein bisschen nachzuschönen, um statt der 3,5 Sterne vielleicht 4 Sterne zu erzielen. Besonders kostspielig ist das nicht, schon ab etwa zehn Euro gibt es eine falsche Bewertung zu kaufen.»

Das neue Gesetzt will also die Konsumenten durch klare Informationspflichten schützen. Es werden Strafen in der Höhe von 50'000 Euro angedroht.

«Online-Marktplätze müssen künftig angeben, ob die von ihnen gelisteten Angebote von einem Unternehmen oder von Verbrauchern stammen. Vergleichsportale und andere Vermittlungsdienste müssen über Kriterien und Gewichtung für das Ranking angebotener Waren und Dienstleistungen informieren. Dabei müssen sie offenlegen, wenn das Ranking durch Werbung oder Zahlungen beeinflusst wird. Veröffentlicht ein Unternehmen Bewertungen, muss es die Kunden darüber aufklären, ob und wie es sicherstellt, dass die Bewertungen tatsächlich echt sind. Gefälschte Bewertungen sind laut Gesetz ausdrücklich verboten […] Käufer, die durch verbotene Geschäftspraktiken geschädigt werden, haben in Zukunft einen Anspruch auf Schadenersatz. Das heißt: Wurden Käufer zu einer geschäftlichen Entscheidung veranlasst, die sie sonst nicht getroffen hätten und infolgedessen einen Schaden erlitten haben, besteht Anspruch.» (bundesregierung.de)

Tuesday, July 6, 2021

Büroarbeit? Zuhause ist's doch einfach schöner...

Auch Arbeitgeber, die für ihr progressives Umfeld und ihre modernen Arbeitsplätze bekannt sind, scheinen Probleme zu haben, Mitarbeiter vom schönen Homeoffice zurück ins Büro zu holen. 

Apples Hauptsitz in Kalifornien - aber zuhause ist es scheinbar noch schöner.     
                                                                                                           Bild piqsels.com
Ein Beispiel dafür ist Apple. Da streitet man sich gemäss Medienberichten mit den Angestellten über die Rückkehr ins Büro. Eigentlich hatte Apple klare Regeln herausgegeben: Die Mitarbeiter sollten mindestens drei Tage pro Woche am Firmenarbeitsplatz erscheinen. In einem Memo an die Angestellten liess Apple verlauten, dass man davon ausgehe, dass Mitarbeiter besser arbeiten, wenn sie im Büro sind. In einer Videobotschaft an die Apple-Belegschaft sagte Deirdre O'Brien, Apples Senior Vice President of Retail and People:

"Wir glauben, dass die persönliche Zusammenarbeit wesentlich für unsere Kultur und unsere Zukunft ist. Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, um über unsere unglaublichen Produkteinführungen im vergangenen Jahr nachzudenken, dann wurden die Produkte und die Durchführung der Einführung auf der Grundlage jahrelanger Arbeit aufgebaut, die wir geleistet haben, als wir noch alle persönlich zusammen waren."

Von den Apple-Mitarbeitern wird deshalb erwartet, dass sie ab September montags, dienstags und donnerstags im Büro arbeiten. Zahlreiche Mitarbeiter werden während der ganzen Woche im Büro erwartet. Das hat Widerstand geweckt; einige Mitarbeiter behaupten sogar, sie würden durch diese Politik gezwungen, ihre Mitarbeit zu kündigen - und eine aktuelle Umfrage unter den Mitarbeitern ergab, dass ganze 90 Prozent die Freiheit möchten, nur dann im Büro zu erscheinen, wenn sie das so möchten.
Apple ist nicht der einzige Tech-Konzern, wo die Führung es plötzlich nicht mehr so toll findet, dass die Mitarbeiter ihre Arbeit von zuhause aus erledigen.  Auch Google und Amazon versuchen, das Personal wieder in die Firmenbüros zurück zu holen. Google hatte versucht, die Mitarbeiter zu zwingen, an drei Tagen pro Woche ins Büro zurückzukehren, gab aber später bekannt, dass 20 Prozent dauerhaft von zu Hause aus arbeiten könnten und 20 Prozent an neuen Bürostandorten. Bei Amazon erwartete man eine Rückkehr zur "bürozentrierten" Arbeit, erlaubte dann aber den Mitarbeitern die Option, zwei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten.

Saturday, June 26, 2021

Microsoft ist mehr als 2'000'000'000'000 Dollar wert

Cloud Computing ist ein enorm schnell wachsendes und auch rentables Geschäft – und Microsoft ist ganz vorne mit dabei, mit der Azure Cloud. Das hat sich für das Unternehmen und die Aktionäre gelohnt: Microsoft ist seit letzter Woche das zweite US-Unternehmen, das mehr als 2 Billionen Dollar wert ist. Damit hat das Unternehmen Amazon im Rennen um die Börsenkapitalisierung geschlagen und ist jetzt das zweite Mitglied in einem Club, der bisher nur Apple als Mitglied hatte.

Azure, der Cloud-Service von Microsoft: Die Cloud hilft Microsoft beim
Wachstum.                                                     Screengrab Microsoft Azure
2 Billionen sind 2000 Milliarden – eine Zahl mit 12 Nullen also. Analysten führen den steigenden Wert von Microsoft darauf zurück, dass die von der Corona-Pandemie ausgelösten Änderungen im Geschäftsleben, dem Unternehmen grossen Nutzen bringen. Hybride Arbeitsplätze und Homeoffice funktionieren nur mit der Cloud – und da ist Microsoft marktführend.  Auch wenn jetzt viele Angestellte ins Geschäft zurückkehren, darf Microsoft Chef Satya Nadella wohl mit einer anhaltend erhöhten Nachfrage nach seinen Software-Suiten Office 365 und Teams und auch für die Azure Cloud rechnen.Auch Amazon ist mit AWS (Amazon Web Services) im Cloud-Geschäft und profitierte dort, aber natürlich vor allem im Versandhandel, massiv von Corona. Das hilft beim Umsatzwachstum und wird dazu führen, dass das Unternehmen auch bald einen Marktwert von zwei Billionen US-Dollar erreichen wird.
Apple erreichte die 2 Billionen Dollar erstmals am 20. August 2020. Es war die steigende Nachfrage nach Smartphones, die Apples Wert von einer Billion am 2. August 2018 auf 2 Billionen Dollar in 749 Tagen möglich machte.
Bei Microsoft ging es ein paar Tage länger: Es dauerte nur 786 Tage, um von 1 Billion Dollar am 30. April 2019 auf 2 Billionen Dollar am 24. Juni 2021 zu wachsen. Microsoft erreichte die 2-Billionen-Marke nur 308 Kalendertage nach Apple?

Wenn die Prognosen der Experten richtig sind, wird Amazon die 2-Billionen-Marke in weniger als 360 Tagen erreichen. Amazon war am 5. Februar 2020 zum ersten Mal mehr als 1 Billion Dollar wert.


Thursday, April 8, 2021

Vom Homeoffice zurück ins Firmenbüro: Die Stimmung ändert sich

Grosse Techfirmen stellen sich auf die Zeit nach Corona ein und dazu gehört der Rückruf der Mitarbeiter ins Büro.  Es zeichnet sich ab, dass nicht alle Firmen die tägliche Anwesenheit erfordern werden, sondern dass sogenannte “hybride Arbeitsverhältnisse“ akzeptiert werden. Gut für die Karriere, sei das Homeoffice allerdings nicht.

Das Büro im trauten Heim konnte schon bald nicht mehr selbstverständlich sein.
Bild Pixabay
IBM-CEO Arvind Krishna erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass wahrscheinlich etwa 80 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens in solchen hybriden Arbeitsverhältnissen bleiben könnten, aber mindestens drei Tage pro Woche im Büro verbringen".  Der IBM-Boss glaubt ausserdem nicht daran, dass die Arbeit im Homeoffice sich positiv auf die berufliche Laufbahn auswirken wird:

"Wer ein People-Manager werden will, wer mehr Verantwortung bekommen will oder eine Kultur im Team aufbauen will, kann das nicht aus der Ferne machen" erklärt Krishna.

Auch bei Google und Amazon sieht es so aus, als ob die Firmenbüros bald wieder von Mitarbeitern besetzt sein werden. Google will seine 200‘000 weltweiten Mitarbeiter bis zum 1. September vorläufig für mindestens drei Tage pro Woche wieder zurück in die Firma holen. Künftig müssen Google-Mitarbeiter einen Antrag stellen, wenn sie mehr als 14 Tage im Jahr ausserhalb der Firma arbeiten wollen. In einer E-Mail-Nachricht der Personalabteilung an die Google-Mitarbeiter hiess es, dass man sich bewusst sei, dass der Gedanke an die Rückkehr ins Büro gemischte Gefühle hervorrufen könnte und dass die Arbeitsplätze "nicht genauso aussehen werden, wie Sie sie in Erinnerung haben".
Auch andere Firmen möchten die Mitarbeiter wieder näher beim Unternehmen haben -  einige mehr, einige weniger dringend. David Salomon, Chef der Investment Bank Goldman Sachs zum Beispiel, hat Anfang des Jahres Homeoffice als "Irrweg" bezeichnet und betont, er wolle seine Mitarbeiter zurückhaben. Und Amazon hat seine Angestellten wissen lassen, dass sie nach dem Sommer wieder an ihren Schreibtischen im Firmenbüro sitzen werden. In einem Memo, das mit den Arbeitern geteilt wurde, heisst es: "Unser Plan ist es, zu einer bürozentrierten Kultur als unsere Basis zurückzukehren.  Wir glauben, dass es uns am effektivsten ermöglicht, gemeinsam zu erfinden, zusammenzuarbeiten und zu lernen."

Ist es bereits ein Trend, was sich da abzeichnet? Oder liegen Unternehmen wie das globale Beratungsunternehmen PcW richtig, die ihren Mitarbeitern versprechen, dass sie ihre Arbeitszeit auch in Zukunft zwischen der Firma und ihrer Wohnung teilen können? Die Zukunft wird es zeigen.

Tuesday, April 21, 2020

Die Seuche schadet dem Konsum - aber Amazon profitiert

Dass der Einzelhandel in den letzten Wochen durch die Coronakrise in eine beinahe unhaltbare Situation katapultiert wurde, ist klar; wenn die Kunden zuhause bleiben, fallen die Umsätze aus. Doch die Krise betrifft auch den Onlinehandel. Auch Händler wie Zalando sind betroffen und müssen ihre Umsatzprognosen nach unten revidieren. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Amazon legt zu.

Der Handel leidet unter Krise, aber Amazon profitiert. Den
Kartellwächtern gefällt das nicht.                     Grafik Amazon
Einzelne Branchen haben bei den Onlinebestellungen davon profitiert, dass die Menschen zum grossen Teil zuhause bleiben müssen. Da sich viele Käufer trotzdem fit halten wollen, stieg die Nachfrage im Bereich Sportartikel im März um volle 86 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch im Lebensmittelsektor ist ein sprunghafter Anstieg um 85 Prozent zu verzeichnen. Die Arbeit im Home-Office führte ausserdem dazu, dass es zu 65 Prozent mehr Bestellungen im Bereich Software und zu einer Steigerung von 61 Prozent im Bereich Hardware kam. Das zeigt eine Analyse des Digital-Marketing-Unternehmens Bazaarvoice.  Auch Spielzeug wurde vermehrt über das Internet gekauft, da durch die Schliessung der Schulen und Kindergärten viele Kinder zu Hause unterhalten werden müssen. Nicht überraschend ist es, dass es einen Rückgang bei Bestellungen von Taschen und Koffern gab - 40 Prozent weniger wurden verkauft, das fast 100 Prozent weniger gereist wurde.
Am schlimmsten getroffen hat die Krise allerdings den stationären Einzelhandel.  Fachgeschäfte, Boutiquen und Warenhäuser sehen nach wochenlangen Schliessungen keine positiven Geschäftszahlen mehr. Erstaunlicherweise geht es aber vielen kleineren Onlinehändlern ähnlich, wie die Welt berichtet. Branchenweit seien die Umsätze im E-Commerce verglichen mit dem Vorjahresmonat um 20 Prozent eingebrochen, teilte der Onlinehandelsverbands BEVH mit. Viele Onlinehäuser litten massiv unter der miesen Konsumstimmung und hätten Umsatzrückgänge von bis zu 30 Prozent zu verzeichnen. Die Ausnahme ist Amazon:
“In der Corona-Epidemie kann Amazon seine Stärken voll ausspielen. Der Konzern verdrängt nun nicht nur Einzelhändler, sondern zunehmend auch andere Online-Plattformen. Experten gehen davon aus, dass die Welle der Abwanderung von Kaufkraft ins Internet dauerhaft ist. Schon bisher lief etwa die Hälfte des gesamten deutschen Onlinehandels über die Plattform oder die eigenen Kassen des US-Konzerns. Dieser Anteil dürfte sich nun schubartig nochmals erhöht haben. […] Doch diesmal geht es nicht nur um Mengenwachstum, vielmehr spielt der US-Konzern eine qualitativ neue Rolle. „Auch wenn es vielen nicht gefällt und es Handelsexperten schon fast nicht auszusprechen wagen: Schon jetzt ist Amazon systemrelevant“, so der Handelsprofessor. Die Firma habe es Verbrauchern ermöglicht, „Artikel jenseits des Lebensmittelsortiments einzukaufen, die man sonst nirgendwo beziehen konnte. Das ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärte Heinemann.“
Amazon baut sein Macht also aus, und er scheint, als ob die Behörden nicht nur zuschauen wollen. In verschiedenen Ländern haben Wettbewerbshüter das Unternehmen ins Fadenkreuz genommen. Auch die EU-Kommission prüft mögliche Kartellverstösse. So oder so sieht es im Moment so aus, als ob die Coronakrise und Amazon dem Einzelhandel langfristig zu schaffen machen werden
.

Monday, March 23, 2020

Was notwendig ist - und was nicht

Ungewöhnliche Zeiten fokussieren die Sinne, und da ergibt sich auch die Chance einmal darüber nachzudenken, was wichtig ist und was nicht. Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass uns im digitalen Zeitalter der grösste Internetshop der Welt, Amazon, mindestens einen Teil dieser Entscheidung abnimmt.

Die Gestelle sind fast überall wieder voll, dafür sind merklich weniger Kunden
im Laden.                                                                             Bild Andreas Walker
Einkaufen in Zeiten des Coronavirus‘ scheint für viele Menschen einen besonderen Stellenwert zu haben. Für die meisten von uns ist das Beschaffen von Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Sachen (Toilettenpapier!) plötzlich sehr wichtig geworden; viele Konsumenten haben Hamsterkäufe getätigt, andere lassen sich nur noch beliefern, weil sie sich keinesfalls dem Virenrisiko aussetzen wollen. Die Internet-Lebensmittelhändler haben in den letzten Wochen einen derart gewaltigen Aufschwung erlebt, dass sie das Bestellvolumen kaum mehr bewältigen können. Auch Amazon verzeichnet nach eigenen Angaben eine starke Zunahme der Bestellungen und hat sich deshalb entschieden, in besonders stark vom Virus betroffenen Gebieten nur noch lebenswichtige Produkte zu liefern:
“Das Unternehmen reagiert damit nach Aussagen eines Sprechers auf eine starke Zunahme von Bestellungen und wolle das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus für die Mitarbeiter in den betreffenden Gebieten verringern, berichtet Reuters. Zu den unverzichtbaren Waren zählt Amazon laut Reuters Babyprodukte, Gesundheits- und Haushaltsprodukte, Lebensmittel, Körperpflege- und Schönheitsprodukte sowie Industrie-, Wissenschafts- und Haustierbedarf. Bei anderen Produktgruppen werden man vorübergehend auf der italienischen und der französischen Website keine Bestellungen mehr annehmen, die durch Amazon ausgeliefert werden. Die Maßnahme diene auch dazu, bei der Logistik wieder Kapazität für das Ausliefern von derzeit dringend benötigten Waren zu schaffen.“ (heise.de)
Amazon hat gemäss dem Online-Dienst Digital Music News auch noch andere Einschränkungen getroffen, die vor allem die Musikbranche betreffen:
“Im Bemühen um eine schnellere und effektivere Verteilung von Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern hat Amazon vorübergehend die Massenbestellung von CDs und Schallplatten eingestellt. Die Kaufpause wird voraussichtlich mindestens bis zum 5. April andauern; zu diesem Zeitpunkt will man die Kapazitäten und den Status der Coronavirus-Pandemie neu bewerten. In der Zwischenzeit werden die Käufer noch CDs und Schallplatten kaufen können, die bereits in den Amazon-Lagern vorrätig sind. Diese und andere nicht unbedingt notwendige Bestellungen werden jedoch mit langen Lieferzeiten verbunden sein."

Monday, September 23, 2019

Der Kampf mit der unfairen chinesischen Konkurrenz

Jahrelang wurde er akzeptiert, wie ein Naturereignis: der unaufhörliche Tsunami an Billigwaren, der von China in die westliche Welt schwappte und dafür sorgte, dass unsere Geräte, Gadgets und Bekleidung immer billiger wurden - in jeder Beziehung. Die Erkenntnis, dass diese Warenflut durchaus auch negative Seiten hat, scheint sich langsam auf breiterer Front durchzusetzen, vor allem auch was den Onlinehandel betrifft.

Von 1001 Nacht in die Wirklichkeit: Der Ali-Baba-Hauptsitz in Hangzhou,
China.                                                                                         Bild Wikipedia
Bis jetzt war es vor allem der amerikanische Präsident Donald Trump, der sich mit seiner aggressiven Haltung gegenüber Chinas Handelspraktiken profiliert hat. Dieser Handelsstreit wird so schnell nicht beendet sein und wirkt sich weltweit aus. Unter anderem auch darin, dass jetzt längst nicht mehr nur in den USA davon geredet wird, dass die chinesischen Handelspraktiken oft unfair sind. So berichtet die NZZ am Sonntag in ihrer letzten Ausgabe, über die illegale Methoden Chinesischer Händler, um im deutschsprachigen Raum Kunden zu gewinnen:
“Der Selbstversuch klappt. Über eine Facebook-Gruppe wird man in die nächste eingeladen. Dann ist man plötzlich in einer sogenannten «Produkttester-Gruppe» für Amazon-Produkte drin. Es ist eine Welt voller Gratisangebote. “Testen“ muss man nichts. Es reicht, das Babyfon, den Bürostuhl oder die Koffein-Tabletten beim Online-Marktplatz Amazon zu bestellen. Danach hinterlässt man eine positive Bewertung in deutscher Sprache - das ist so abgemacht. Der chinesische Hersteller, bei dem man bestellt hat, überweist einem dann den Kaufpreis zurück. Oft noch mit einem Sackgeld obendrauf. Das ist illegal. Es täuscht Kunden und verstösst gegen die Amazon-Richtlinien. Die Gruppen in den sozialen Netzwerken existieren deshalb auch nur für ein paar Wochen. Dafür landen die Händler weit vorne in der Amazon-Suche.“
Das Fazit der NZZ: 
“Die Luft ist raus: Europäische Händler auf Amazon kommen gegen die Konkurrenz aus Fernost nicht mehr an.“
Ins gleiche Horn bläst auch das Online-News-Portal heise.de. Unfaire Konkurrenz aus China koste allein die deutsche Onlinehändler bei Elektronikartikeln eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr. Das sei eine massive Schädigung des deutschen Standorts und koste Tausende Arbeitsplätze, sagt Gero Furchheim der Präsident des Verbandes für E-Commerce und Versandhandel. Eines der Probleme sind die niedrigen Postgebühren, die in China bezahlt werden.  Die USA und andere Industrieländer wollen dem nun im Weltpostverein einen Riegel schieben:
“Die niedrigen Tarife gehen auf eine Regelung der Organisation zurück, der seit 1874 den internationalen Postverkehr regelt. Sie waren zur Unterstützung armer Länder gedacht, führen aber angesichts der Flut von Online-Bestellungen in China nun zu Verärgerung. "In Europa zahlen Händler das Zwei- bis Dreifache", sagte Furchheim. […]"Der Handel mit Direktlieferungen aus China wächst mit großer Dynamik", sagte Furchheim. "Wir schätzen, dass allein Elektrogeräte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr direkt aus China an private Haushalte in Deutschland geliefert werden."
Unfair seien aber nicht nur die Postgebühren, monieren lokale Händler: Ausländische Anbieter sparten sich Kosten für Sicherheitstests sowie Steuern und Abgaben. Deshalb kämen massenhaft mangelhafte Geräte auf den deutschen Markt.
Trotzdem sieht es nicht so aus, als ob sich die chinesische Warenflut im Westen bald abschwächen wird. Die Konsumenten lieben die billige Ware viel zu sehr. Es ist deshalb nur logisch, dass Ali Baba, die grösste chinesische Handelsplattform, auch hier immer mehr Marktanzeile gewinnt, wie auch das Magazin Bilanz mit mehr Bewunderung als Verwunderung festhält:
“Mit zuletzt geschätzt 475 Millionen Franken ist Aliexpress hierzulande bereits der viertgrösste Onlinehändler – hinter Zalando, Digitec Galaxus und Amazon. Kunden bestellten erst Ladekabel, Adapter, Handyhüllen und Billigschmuck. Nun werden über die App auch Kleider, Schuhe und Haushaltsgeräte gekauft. Zu Preisen, die Schweizer Händler verzweifeln lassen…“


Thursday, July 18, 2019

Eintritt bezahlen, um kaufen zu dürfen

Für immer mehr Kunden scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, was für andere immer noch undenkbar ist: dafür zu bezahlen, dass man in einem Geschäft einkaufen darf. Das gilt vor allem auch im digitalen Bereich. Eine neue Studie zeigt, dass sogenannte Plattformen bereits fest im Nutzungsverhalten der Konsumenten verankert sind, und zwar so stark, dass diese durchaus bereit sind, eine Gebühr für die Nutzung zu bezahlen.

Einkauf nur mit Mitgliedschaft: Dieses Konzept hat den Einzelhändler Costco
zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt gemacht.        Bild Costco
Die Studie des IFH Köln befasst sich mit der sogenannten Plattformökonomie und dem Verhalten der Konsumenten. Sie zeigt, dass viele Verbraucher durchaus bereit sind, allein für das Privileg der Nutzung einer Plattform zu bezahlen. Auch Streaming-Plattformen wie Netflix oder Spotify funktionieren auf dieser Basis. Beim Streaming macht es durchaus Sinn. Seltsamer mutet das Modell dann an, wenn es um ganz gewöhnliches Shopping geht. Die Befragten gaben an, dass sie zwischen sieben und elf Euro monatlich bezahlen würden, um bei Amazon bestellen zu dürfen – und zwar ohne spezielle Zusatzleistungen (Prime) zu erhalten. Amazon ist zu einer enormen Handelsplattform geworden. Auch YouTube-Nutzern würden monatlich ein “Eintrittsgeld“ zahlen, um die bisher kostenfreien Inhalte der Videoplattform abrufen zu können. Das erscheint schon ein wenig logischer, da YouTube eine Streaming-Plattform ist, für die es keine echte Alternative gibt. Am höchsten fällt die Zahlbereitschaft aber für die Nutzung von Flug- oder Mietwagenplattformen aus. Bis zu 41 Euro würden potenzielle Kunden hier für das Privileg einer Buchung in die Hand nehmen.
Warum ist das so? Plattformen gelten als praktisch und flexibel und werden von den Kunden bei allen Leistungskriterien besser bewertet als lineare Geschäftsmodelle. Lediglich in Sachen Einfachheit sind lineare Angebote noch konkurrenzfähig – sicherlich auch, weil sich durch die zu grosse Auswahl auf Plattformen die Komplexität für Konsumenten erhöht. Auch der Blick auf den Informations- und Kaufprozess verdeutlicht, welcher Druck gegenwärtig schon von Plattformangeboten ausgeht. So bündeln Flug- und Mietwagenplattformen fast drei Viertel der der Suche nach relevanten Informationen und für die Buchung bleiben dann die potentiellen Kunden der Plattform treu.
Das Plattformmodell gibt es übrigens nicht nur im E-Commerce. Auch die Migros ist in diesem Sinne eine Plattform, wo man sich mit dem Bedarf des täglichen Lebens eindecken kann - fast überall in der Schweiz. Besuche in anderen Läden erübrigen sich häufig. Allerdings müssen Migros-Kunden keinen Eintritt bezahlen - aber auch dieses Modell existiert schon lange. Der Amerikanische Händler Costco ist extrem erfolgreich damit, nur Kunden in seinen Läden einkaufen zu lassen, die eine Jahresgebühr dafür bezahlen und sich an der Kasse jedes Mal mit einer Karte ausweisen müssen.  Costco Wholesale Corporation ist ein amerikanisches multinationales Unternehmen, das 2015 zum zweitgrösste Detailhändler der Welt aufstieg, und dessen Läden sich als Grosshandelsclubs anpreisen. Ab 2016 war Costco der weltweit grösste Einzelhändler von Rindfleisch, Bio-Lebensmitteln, Rotisserie-Huhn und Wein. Costco wird in den Fortune-500-Rankings der grössten US-Unternehmen nach Gesamtumsatz auf Platz 15 geführt. Costco hat auch Läden in Europa: 28 in Grossbritannien, zwei in Spanien, einen Laden in Island und einen in Frankreich.
Die Plattformökonomie ist also nicht ganz so neu. Sie zählt aber weiterhin darauf, dass es ein wichtiges Kundensegment gibt, das unter anderem Loyalität gegenüber einem Händler demonstriert, indem es bereit ist, für den Eintritt in einen Laden oder einen Shop einen Preis zu bezahlen.

Monday, July 8, 2019

Amazons Einfluss auf den gesamten Handel wächst

Vor 25 Jahren gründete Jeff Bezos in seiner Garage in Seattle Amazon - und der Handel  war seither nie mehr derselbe. Heute ist das Unternehmen eines der wertvollsten der Welt - nur Microsoft ist noch teurer. Auch in Europa beeinflusst Amazon viele Branchen. Doch auch Jeff Bezos weiss, dass es mit seinem Unternehmen auch bergab gehen kann.

Egal ob online oder im Wartenhaus (auf dem Bild:
Galeries Lafayette in Paris), Amazon beeinflusst die
Kunden.                                                           Bild Pixabay
Amazon sei nicht zu gross, um zu scheitern, sagte Bezos an einem Treffen Ende des letzten Jahres.  "Wenn man sich große Unternehmen ansieht, beträgt ihre Lebensdauer in der Regel mehr als 30 Jahre, nicht mehr als hundert Jahre." Trotz des Erfolgs und der Marktmacht von Amazon hat der Gründer von Amazon also darüber nachgedacht, dass die Dominanz von Amazon nicht ewig anhalten wird. Allerdings gab er am gleichen Treffen auch bekannt, dass er wisse, wie er den Niedergang verhindern oder zumindest verschieben könne: Die Kunden müssten auch weiterhin von Amazon besessen bleiben, und das Management müsse weiterhin  “Hochgeschwindigkeitsentscheidungen“ treffen und grosse Trends erkennen und berücksichtigen.
Tatsächlich hat es Amazon im letzten Vierteljahrhundert geschafft, nicht nur die eigene Branche sondern auch das Geschäft Millionen anderer Unternehmer aufzumischen. Eine neue Studie des IHF zeigt, dass das Unternehmen allein in Deutschland immer mehr Einfluss auf den gesamten Handel hat:
“Rund 31 Prozent aller Umsätze im Nonfood-Bereich – egal ob online oder stationär – sind schon heute von Amazon abhängig. Ganze sieben Prozent sind Umsatz des Handelsriesen selbst, die übrigen 24 Prozent entfallen auf Umsätze, die direkt von Amazon beeinflusst werden – zum Beispiel durch die Informationssuche auf der Onlineplattform. Selbst in der vermeintlich Amazon-schwachen Fashion-Branche ist rund ein Viertel des Marktvolumens von Amazon abhängig. In anderen Branchen fällt dieser Anteil deutlich höher aus.“
Die Amazon-Abhängigkeit vieler Händler hängt in erster Linie eng mit dem veränderten Informationsverhalten der Konsumenten zusammen. So nutzen immer mehr Verbraucher  sowohl vor dem Onlinekauf als auch vor dem stationären Kauf Amazon als Informationsquelle. Die Studie zeigt: Durchschnittlich 60 Prozent der Onlinekäufe und 27 Prozent aller stationären Käufe geht eine Recherche bei Amazon voraus. Im Bereich Elektronik und Elektro ist dieses Konsumentenverhalten besonders weit verbreitet. Bei rund 67 Prozent der Onlinekäufe und 44 Prozent der Anschaffungen im stationären Handel wird vorab bei Amazon recherchiert. Insgesamt steigt der Anteil der Onlineinformationssuche bei Amazon in der Mehrheit der Branchen teilweise deutlich an. Vor dem Kauf – egal ob online oder im Ladengeschäft – nutzen Verbraucher Amazon vor allem als Preisanker, als Informationsquelle für Produktbewertungen anderer Kunden und für Produktempfehlungen. Vor allem die Kundenbewertungen der Amazon-Community liegen hoch im Kurs: Nur zehn Prozent der Amazonkunden vertrauen nicht auf die Kundenbewertung mit Sternen.
Wessen Produkte oder Dienstleistungen auf Amazon gefunden und gut bewertet werden, der darf also damit rechnen, dass er sie besser verkaufen kann - auch im eigenen Laden.

Monday, May 27, 2019

E-Commerce-Retouren: Im Abfall landet weniger als angenommen

Die E-Commerce-Umsätze sind in die Milliarden gestiegen, die Zahl der versandten Pakete auch. Allerdings ist auch die Zahl der retournierten Artikel sehr hoch. Das gilt vor allem für die Modebranche. Eine neue Untersuchung hat nun bestätigt, dass 40 Prozent aller im Internet bestellten Kleider von den Kunden wieder zurückgeschickt werden. Die gute Nachricht ist, dass 82 Prozent dieser Modeartikel trotzdem wieder verkauft werden können.

Die Schlagzeilen ähneln sich alle paar Monate: Im Internetshopping-Bereich würden grosse Mengen von returnierten Waren vernichtet, weil es zu umständlich sei, diese für die Wiederverwertung aufzubereiten. So sorgten letztes Jahr Berichte verschiedener Medien für Aufsehen, in denen behauptet wurde, bei Amazon würden auch funktionstüchtige, neue Produkte zerstört.  Eine Untersuchung des Deutschen EHI Retail Institute wartet jetzt mit genaueren Zahlen auf, die zwar nicht Amazon-spezifisch sind, aber einen guten Überblick gewährleisten. Ein Ergebnis:  Auch wenn Kleidungsstücke zu den meist retournierten Versandprodukten gehören, ist Mode mit 82 Prozent das Segment mit dem höchsten Anteil an Weiterverkäufen als sogenannte A-Ware. Allerdings kostet die Bearbeitung eines retournierten Artikels den Onlinehändler rund 10 Euro.
Branchenunabhängig können etwa 70 Prozent der retournierten Artikel als A-Ware für den Kundenversand wiederverwendet werden. Besonders gross ist dieser Anteil in den Bereichen Fashion & Accessoires (82 Prozent) sowie Sport & Freizeit (70 Prozent). Nur wenige Händler können gar keine oder nur vereinzelt Artikel wieder verkaufen. Dazu zählen logischerweise Produkte aus dem Nahrungs- und Genussmittelbereich, in dem Retouren kaum vorkommen.
Die Gründe, weshalb Retouren nicht als A-Ware wiederverwendet werden können, sind mehr oder weniger offensichtlich: Die Artikel sind qualitativ zu sehr beeinträchtigt sind und eine Aufbereitung ist nicht möglich oder zu aufwendig. Darüber hinaus gibt es Artikel, wie zum Beispiel Matratzen oder Kopfhörer, die nach einer Retournierung aus hygienischen Gründen nicht mehr als Neuware vertrieben werden.
Was geschieht nun aber mit Produkten, die nicht mehr neuwertig sind?
Sollten Artikel es nicht als A-Ware in den Wiederverkauf schaffen, gibt es für Händler unterschiedliche Optionen. Solche Produkte werden mit Rabatten als B-Ware, in speziellen Outlets oder sogar an das eigene Personal verkauft. Manchmal werden diese Artikel auch  gespendet, an die Lieferanten zurückgeschickt oder recycelt - aber nur selten komplett im Abfall entsorgt.
Das sind gute Neuigkeiten.
Genaue Zahlen, was Retouren im Online-Handel betrifft, sind allerdings nicht bekannt, weil sich die meisten Händler nicht in die Karten blicken lassen. Branchenunübliche Transparenz praktiziert das Deutsche Online-Modehaus Zalando:
“Das Berliner Unternehmen hat 300.000 Artikel von 2000 verschiedenen Marken im Sortiment und verschickte 2017 über 90 Millionen Sendungen in 15 europäische Länder. Bekleidung und Schuhe werden besonders häufig zurückgeschickt: "Über alle Märkte liegt die Retourenquote bei durchschnittlich 50 Prozent", sagt eine Sprecherin.“ (stern.de)
Für einen einzigen Händler sind das also in nur einem Jahr etwa 45 Millionen Pakete, von denen viele über hunderte von Kilometer transportiert und zugestellt werden - und später wieder auf dem gleichen Weg zurückgeschickt werden…

Friday, February 15, 2019

Online Umsätze machen - ohne eigene Kunden

Ein riesiger Erfolgsfaktor von Amazon sind die Händler, die auf der Handelsplattform ihre Waren anpreisen. Das bringt zwar Umsatz (für Amazon und die Händler) von nachhaltigem Wachstum profitiert aber nur der Grosskonzern.

Long Island City, New York, wird auf das neue Amazon Hauptquartier
verzichten müssen.
                                                                                  Bild Wikimedia Commons
Allein die Probleme, die Amazon-Gründer Jeff Bezos in den letzten Tagen  in seinem Privatleben hatte, würden einen ganzen Artikel füllen. Aber um den reichsten Mann der Welt soll es hier nicht gehen, sondern vielmehr um sein Geschäft. Dieses hat einen grossen Teil des Wachstums unzähligen kleineren Händlern zu verdanken, welche auf der Amazon-Handelsplattform ihre Waren anpreisen. Das hat zahlreiche Vorteile - vor allem für Amazon. Für die kleinen Händler sieht die Sache schon differenzierter aus. Darauf weist auch das deutsche Beratungsunternehmen Commerce& hin (das zum Thema ein E-Book anbietet). Der Verkauf über Amazon werde von vielen Händlern zunehmend kritisch angesehen. Aus verschiedenen Gründen:
“Zum einen begeben sich Händler in eine ungewollte Abhängigkeit. Wenn ein Großteil des Umsatzes über Amazon generiert wird, kann dies bei Unstimmigkeiten oder technischen Problemen zu teilweise existenzbedrohlichen Situationen führen. Denn Amazon sitzt immer am längeren Hebel. Zum anderen steigt die Unsicherheit. Teilweise willkürlich anmutende Veränderungen der Bedingungen oder technischen Möglichkeiten durch Amazon sorgen häufig für Verzweiflung. Auch der extrem zunehmende Wettbewerbsdruck setzt vielen zu. Laut einigen Schätzungen haben sich in 2018 täglich 2‘000 bis 3‘000 neue Händler bei Amazon registriert, überwiegend aus Fernost. Preiskämpfe sind da vorprogrammiert. Eines der am häufigsten vernachlässigten Probleme beim Handel über Amazon ist die fehlende Kundenbeziehung. Um diese aufzubauen, sind Kundendaten notwendig. Als Amazon-Händler erhalten Sie darauf keinen Zugriff und verkaufen quasi an Unbekannte. Sie werden also nie Bestandskunden aufbauen, denen Sie weitere Produkte verkaufen können…“
Man darf davon ausgehen, dass Amazon weiterhin einen knallharten Wachstumskurs verfolgen wird. Die  kritischere Einstellung der Kunden, der Mitbewerber und der Politik werden aber sicher dazu führen, dass dem Unternehmen in Zukunft ein stärkerer Wind entgegen blasen wird.  Auch ein Laden der im letzten Quartal einen Rekordgewinn von über drei Milliarden Dollar gemacht hat (bei einem Umsatz von 72 Milliarden Dollar) ist nicht immer und überall willkommen. Oder wie der Spiegel titelt: “Annahme verweigert“. Der Versandhändler wollte in Long Island bei New York City ein neues Headquarter bauen, für mehr als 20 Milliarden. Die Antipathie vieler New Yorker hat jetzt allerdings zu einem Rückzug geführt. Auch für Amazon gilt: Erfolg bringt nicht nur Freunde.

Tuesday, November 27, 2018

Der Onlinehandel wächst, Läden dürfen optimistisch sein, und Amazon überragt alle

Der Onlinehandel wächst weiter - das ist eigentlich keine Überraschung. Neue Zahlen zeigen, dass die Wachstumsraten sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland bei vollen zehn Prozent liegen. Dabei trägt Amazon weiterhin entscheidend zum Wachstum bei und ist massgeblich an einer Mehrheit aller Onlinekaufentscheidungen beteiligt. Die wichtigen Verkaufstage nach Thanksgiving in den USA generierten auch gute Nachrichten für den stationären Handel.

Der Onlinehandel boomt weiter.                                         Bild Pixabay
Beim Onlinewachstum in Deutschland ist kein Ende in Sicht. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 57,6 Milliarden Euro online umgesetzt. Dies entspricht einem Wachstum von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch im laufenden Jahr geht’s weiter: Experten prognostizieren einen Onlineumsatz von rund 63 Milliarden Euro für das Jahr 2018. Weitere Ergebnisse der neuen IFH-Studie "Branchenreport Onlinehandel 2018“ zeigen: Während im Zeitraum zwischen 2012 und 2017 die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland um rund 12 Prozent und der Einzelhandelsumsatz um 15 Prozent wuchsen, konnte der Onlinehandel im selben Zeitraum um 74 Prozent zulegen. Bis 2018 wird dieser Zuwachs rund 92 Prozent betragen. In der Schweiz sieht es ganz ähnlich aus: Die Verlagerung des stationären zum Online-Handel geht weiter, der grenzüberschreitende Online-Handel gewinnt massiv an Bedeutung. 2017 kaufen Schweizer Konsumenten für 8,6 Milliarden Franken Waren und Güter online, eine Steigerung von zehn Prozent gegenüber 2016. Die Online-Käufe im Ausland haben sich dabei seit 2011 verdreifacht.
Der Trend zum Online-Shopping geht also ungebremst weiter, das zeigen auch die Zahlen zur grossen Shopping-Orgie die üblicherweise nach Thanksgiving in den USA - und immer mehr auch in Europa - über die Bühne geht. Laut Adobe Analytics, das die Online-Ausgaben verfolgt, lagen die Verkäufe am Schwarzen Freitag rund 24 Prozent über dem Vorjahresniveau und erreichten einen Rekordwert von 6,2 Milliarden US-Dollar. Interessant dabei ist, dass auch die stationären Shops vom Boom profitiert haben.
Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass, obwohl das Online-Shopping für viele eine Präferenz bleibt, die Käufer doch noch in den Laden strömen. Die Rückgänge des Kundenverkehrs in “echten“ Läden beginne, sich abzuflachen, berichtet die Marktforschungsfirma ShopperTrak, und das Marktforschungsunternehmen NPD Group glaubt, dass sich der stationäre Handel wieder relevanter gemacht habe.
Auf der Online-Seite zeigt sich, dass der Online-Riese Amazon in den vergangenen Jahren seine Vormachtstellung nicht nur über sein eigenes Handelsgeschäft weiter ausgebaut hat, sondern aktuell vor allem vom florierenden Marktplatzgeschäft. So macht allein Amazon's Marketplace gemäss IFH rund 25 Prozent des gesamten deutschen Onlinehandels aus, während das Eigenhandelsgeschäft rund 21 Prozent ausmacht. Lediglich ein Viertel der Onlineumsätze sind noch völlig unabhängig von Amazon. Genutzt als Produktesuchmaschine und zum Informations- und Preisvergleich, beeinflusst Amazon heute rund 29 Prozent der Onlineumsätze.

Thursday, October 4, 2018

Chinesische Servertechnologie - Spionagechips inbegriffen

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, welche die Story aufgedeckt hat, nennt die Affäre “The Big Hack“. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, was die Journalisten von zahlreichen unabhängigen und Regierungsquellen herausgefunden haben, handelt es sich tatsächlich um eine grosse Sache. Chinesische Hardware, die in zahlreichen grossen Unternehmen als Cloud-Server verbaut wurde, sei ab Fabrik mit Spionage-Chips verseucht gewesen. Die USA beschuldigen die Chinesische Armee.

Wenn die Spionage-Hardware gleich in der chinesischen Chipfabrik in den
Server eingebaut wird, wird es schwierig, mit der Datensicherheit.     Bild CC
Die Bloomberg-Geschichte liest sich wie eine Cyber-Crime-Story, die auf Netflix eine spannende Serie abgeben würde. Sie beginnt mit Amazons Evaluation eines Start-Ups im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Die Firma, genannt Elemental, stellte Video-Kompressionssoftware her, die auch im US-Verteidigungskomplex verbreitet eingesetzt wird. Als es dann darum ging, das Hauptprodukt der Firma zu untersuchen, die teuren Cloud-Server, die Elemental ihren Kunden verkauft, gab es eine böse Überraschung, wie Bloomberg schreibt:
“Auf den Mainboards der Server, fanden die Tester einen winzigen Mikrochip, nicht viel grösser als ein Reiskorn, der nicht Teil des ursprünglichen Designs war. Amazon meldete die Entdeckung den US-Behörden - und ein Schaudern ging durch die Geheimdienste. Die Server von Elemental befinden sich nämlich in den Rechenzentren des Verteidigungsministeriums, den Drohnenoperationen der CIA und den Bordnetzen der Kriegsschiffe der Marine. Und Elemental war nur einer von Hunderten von Supermicro-Kunden. Während der anschliessenden streng geheimen Untersuchung, die mehr als drei Jahre später immer noch offen ist, stellten die Ermittler fest, dass die Chips es den Angreifern erlaubten, eine verdeckte Tür zu jedem Netzwerk zu öffnen, das mit den geänderten Computern ausgestattet war. Mehrere Personen, die mit der Materie vertraut sind, sagen, dass Ermittler herausgefunden haben, dass die Chips in Fabriken eingebaut wurden, die von Subunternehmern in China betrieben werden.“
Die Geschichte wurde natürlich bereits von vielen europäischen Medien aufgegriffen, und man darf davon ausgehen, dass die Affäre auch betreffend der politisch-wirtschaftlichen Verwerfungenen zwischen den USA und China nicht hilfreich sein wird, weil sie dem chinesischen Staat, Spionage und Wirtschaftsspionage genauso vorwirft, wie das auch der amerikanische Präsident zu tun pflegt. Ein Problem gibt es allerdings noch. Die betroffenen Internetgiganten dementieren allesamt:
“Unklar ist, ob die Firmen von den manipulierten Chips wussten. Laut Bloomberg wurden die Spionagechips aus China bereits 2015 von Apple entdeckt, wo es offenbar zu ungewöhnlichen Netzwerkaktivitäten kam. Apple soll die Informationen auch an das FBI weitergeben haben, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Auch Amazon soll den US-Behörden nach der Entdeckung der manipulierten Teile Zugang zu seiner sabotierten Hardware gegeben haben. Die beiden Unternehmen stellen dies aber in Abrede. Man habe keinerlei manipulierte Chips oder Hardware auf Unternehmensservern gefunden, teilten sowohl Amazon als auch Apple mit. Supermicro wollte den Bericht nicht kommentieren.“


Thursday, September 20, 2018

Amazon: Jetzt so richtig ins Lebensmittelgeschäft einsteigen

Amazon, jenes Unternehmen das den E-Commerce in einem grossen Teil der Welt beherrscht, ist noch lange nicht zufrieden und will weiterwachsen. Internationalen Pressemeldungen zufolge, plant der Konzern, so richtig ins Lebensmittelgeschäft einzusteigen - mit der Eröffnung von 3000 neuen Läden.

Die Unruhe, die im Lebensmittelsektor aufkam, als Amazon im Sommer des letzten Jahres die Bio-Lebensmittelkette Whole Foods mit mehr als 400 Filialen übernahm, hat sich kaum gelegt, da kommt die nächste Ankündigung: Das Unternehmen will mit seiner Idee Amazon Go schnell expandieren und 3000 zusätzliche Läden in den USA eröffnen. Wenn alles klappt, wird das selbstverständlich nur der Anfang sein, und Amazon wird mit dem Go-Konzept den Lebensmittelmarkt ernsthaft aufmischen - oder wie es so schön in Neudeutsch heisst, “disrupten“. Zur Erinnerung, so funktioniert Amazon Go - Zitat aus mobilegeeks.de:
“Das Go-Modell ist zwar relativ neu – um nicht weiter auf Kassierer angewiesen zu sein – wurde aber so konzipiert, dass es vertraut ist. Kunden scannen ihr Amazon-Konto mit ihrem Smartphone wenn sie hereinkommen, und von dort aus können sie Sandwiches, Salate, Lebensmittel und Haushaltswaren kaufen. Sensoren und Software – die geschult sind, um zu analysieren und wahrzunehmen, welche Artikel aus den Regalen entfernt werden – können den Warenkorb in Echtzeit aktualisieren, während der Zahlvorgang automatisch erfolgt, sobald der Kunde den Laden verlässt…“
Also fast wie im virtuellen Amazon-Store im Internet.
Die Idee, ohne Personal an der Kasse auszukommen ist ja nicht neu - wir haben an dieser Stelle auch schon darüber berichtet. Selbstbedienungskassen sind vor allem in Nordamerika, aber auch in Europa schon weit verbreitet und werden bei den Kunden immer beliebter. Amazon geht aber noch einen Schritt weiter: Die Waren müssen nicht mal mehr gescannt werden, was weitere Zeitersparnis für die Kundschaft bedeutet.
Es wird sich zeigen, wie schnell Amazon seine Go-Projekte verwirklichen wird. An Geld und Energie fehlt es auf jeden Fall nicht, und die Konkurrenz ist gut beraten, wenn sie sich auf den Neuankömmling aus dem Internet einstellt. Wie das Sortiment in den neuen Amazon Go Shops genau aussehen wird, weiss man allerdings noch nicht genau. Wired Magazin weiss aber, worauf es ankommt:
“Entscheidend für Amazon wird letztlich die Frage sein, welches Angebot die größte Gewinnspanne und den niedrigsten Aufwand bedeutet. Letzteres ist vor allem deshalb wichtig, da die Kosten für jedes Go-Geschäft deutlich höher liegen als bei einem traditionellen Supermarkt. Denn die Regale sind durchweg mit Gewichtssensoren, die Decken mit Dutzenden Kameras und die Eingänge mit Sensoren ausgestattet, die die Kunden durch den Laden verfolgen. Rund eine Million US-Dollar soll sich Amazon eine einzelne Filiale kosten lassen.“

Wednesday, September 19, 2018

Ein digitales Paradox: Wir misstrauen den Grossen, aber bleiben ihnen treu

Die grossen Digitalkonzerne haben ein Problem, das sich langfristig sehr negativ auf ihre bis anhin sehr lukrativen Geschäfte auswirken könnte: Sie verlieren das Vertrauen der User. Vor allem junge Menschen trauen den Internet-Giganten immer weniger und glauben, dass die Konzerne besser reguliert werden sollten.

In nur 20 Jahren zur fast totalen Marktbeherrschung - aber Google hat ein
Imageproblem.                                                            flickr/creative Commons
Eigentlich ist es ja nicht überraschend: Die meisten Menschen reagieren misstrauisch auf beinahe uneingeschränkte Marktmacht, auch wenn dies oft günstigere Preise zur Folge hat. Das gilt auch und besonders im digitalen Sektor, wo Skandale und Datenmissbrauch in regelmässigen Abständen für Schlagzeilen sorgen. Eine aktuelle Umfrage (von Civey, durchgeführt für NEXT Conference) bei  5000 Internetnutzern in Deutschland hat nun wieder gezeigt, dass Google, Facebook oder Amazon zwar intensiv genutzt werden, aber nicht auf das Vertrauen der Anwender zählen können. Vier Fünftel der jungen Anwender haben wenig oder gar kein Vertrauen in die globalen Digitalkonzerne und meinen, dass der Staat diese Giganten unter die regulatorische Knute nehmen sollte. Allerdings hat dieses fehlende Vertrauen so gut wie keine Konsequenzen - unter anderem weil die digitalen Konsumenten zu bequem sind, andere Anbieter zu nutzen. Ausserdem halten viele User kleinere Anbieter für schlechter.
Dieses digitale Paradox hat viele Wurzeln. Da gab es Cambridge Analytica, Datenmissbräuche allenthalben, und dann sind da noch die so elegant benannten Shitstorms und alle anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der digitalen Kommunikationsformen. Die grossen Digitalkonzerne bieten in diesem Zusammenhang auch die grösste Angriffsfläche - nicht immer mit Berechtigung. Aber gerade Google, jener Konzern, der dieses Jahr 20 Jahre alt wurde und doch bereits den Alltag des grössten Teils der Menschheit beeinflusst, stösst immer mehr an - weil der Konzern zu einer gewaltigen Datenkrake geworden ist. Zitat aus svz.de:
“Die Sammelwut von Google kennt keine Grenzen. Das Unternehmen zapft dafür all seine Produkte, vom Email-Dienst über das Videoportal bis zum Betriebssystem an. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender das eigentlich gar nicht nicht möchten. Das Bundesjustizministerium kritisiert daraufhin Googles Datenschutzpraxis in einem Brief an die oberste Führungsetage des Unternehmens.Vor allem in Europa wird inzwischen auch die Marktmacht von Google kritisch gesehen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es wegen dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Google habe „seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft“, hieß es damals. Im Juli 2018 folgte eine weitere Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Der Grund: Google verlangt von Handyherstellern unter anderem, dass sie bestimmte Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorinstallieren, wenn sie Android verwenden wollen. Ein weiterer Wettbewerbsverstoß.“
Vorläufig können die Internetgiganten mit ihrer Unbeliebtheit leben. Auf die Dauer könnte sich aber daraus ein echtes Problem entwickeln.

Thursday, April 26, 2018

Die tiefen Preise haben ihren Preis

Um die 600‘000 Mitarbeiter beschäftigt der Internet-Gigant Amazon weltweit - vor 10 Jahren waren es noch 20‘000 gewesen. Den Konsumenten brachte dieses enorme Wachstum günstige Preise und ein riesiges Angebot im Internetshop, und Jeff Bezos, der Gründer des Ladens, wurde Multimilliardär. Umstritten ist, wie viel dieser reichen Ernte für die Mitarbeiter abfällt - wie sich auch bei der Verleihung des Axel Springer Preises für Jeff Bezos in Berlin wieder zeigte.

Verpacken muss schnell gehen im Amazon Warehouse.  Bild Scott Lewis Flickr
 Mit der Auszeichnung würdige Axel Springer das visionäre Unternehmertum Jeff Bezos‘ in der Internetwirtschaft, gab der Verlag bekannt - wohl im Wissen, dass die Feierlichkeiten nicht nur mit Lob und Freude über die Bühne gehen würden. Die politische Kritik kam von der linken Seite im Deutschen Bundestag von der SPD-Chefin Andrea Nahles, die festhielt, das "innovative Unternehmertum" des Amazon Gründers zeige sich vor allem darin, dass er "Weltmeister im Steuervermeiden" sei. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland seien schlecht, ein Tarifvertrag werde verweigert. Natürlich gab es auch eine Demo gegen Bezos.
Nun kann man diese Protestaktivitäten als den üblichen Lärm abtun, der immer dann von linker Seite kommt, wenn ein Unternehmer und Kapitalist gefeiert wird. Doch ganz so einfach ist die Geschichte mit Amazon nicht. Dafür gibt es zu viele unschöne Berichte, die den Alltag bei Amazon glaubhaft schildern - und dieser Arbeitsalltag scheint oft sehr unangenehm zu sein, vor allem  für jene Kategorie von Arbeiterbienen, die unsere schönen Amazon-Bestellungen zusammenstellen. Seit Jahren gibt es Berichte von Angestellten, Undercover-Reportern und anderen Whistleblowern, die über teilweise lausige Arbeitsbedingungen berichten. heise.de berichtet im Zusammenhang mit der Preisverleihung an Jeff Bezos gar vom “Widerstand gegen das Modell Amazon“ und eine Deutsche change.org Internet-Petition, die Jeff Bezos dazu auffordert, die Mitarbeiter und Mittarbeiterinnen fair zu behandeln, hat mehr als 73‘000 Unterzeichner gefunden. Die neusten Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen des Internethändlers kommen nun aus Grossbritannien, wo sich wieder einmal ein Journalist  im Amazon Lagerhaus hat anstellen lassen und von ganz konkreten Problemen berichtet:
“Für die von uns, die im obersten Stockwerk arbeiteten, lagen die nächsten Toiletten vier Treppen weiter runter. Dieser Weg ist im Laufe einer Schicht nicht wieder einzuholen. Die Leute haben in Flaschen gepinkelt, weil sie ständig Angst vor Disziplinierungsmaßnahmen haben und fürchten, ihre Arbeit zu verlieren, nur weil sie einmal zum Klo mussten."
Bei Amazon werde jeder Arbeiter permanent kontrolliert und überwacht. Den Journalisten habe das Lager mehr an ein Hochsicherheits-Gefängnis mit Sicherheitsscannern erinnert als an ein Lagerhaus. Amazon ist im Übrigen nicht der einzige Star der digitalen Unternehmerszene, der betreffend Mitarbeitern mit einem Imageproblem kämpft. Auch Tesla, dessen Boss Elon Musk ebenfalls ein gefeierter Unternehmer ist, scheint diesbezüglich Probleme zu haben, wie ein Bericht des amerikanischen Rates für betriebliche Sicherheit aufzeigt. Zitat futurezone.at:
Das National Council of Occupational Safety and Health (NC) führt eine Liste der gefährlichsten Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Diese basiert nicht auf offiziellen Angaben, sondern auf Berichten aus Betrieben und dokumentierten Verstößen gegen Richtlinien, wie engadget schreibt. Zum "dreckigen Dutzend" gehören demnach auch Amazon und Tesla. Beide Firmen scheinen auf der Liste auf, weil es in ihren Lagerhäusern und Produktionsstätten zu überdurchschnittlich vielen Verletzungen kommt. Zudem wird den Unternehmen vorgeworfen, unnötige Risiken einzugehen und nicht auf die diesbezüglichen Sorgen ihrer Mitarbeiter einzugehen. Seit 2013 sind sieben Mitarbeiter in Amazon-Lagerhäusern in den USA gestorben. Das NC stellt in seinem Bericht fest, dass es gnadenlose Vorgaben gebe, Bestellungen abzuarbeiten, was zu harschen Arbeitsbedingungen führe. Amazon überlege sogar, Mitarbeiter mit smarten Armbändern auszustatten, um selbst geringste Abweichungen von den Vorgaben erkennen zu können…“

Thursday, April 19, 2018

Die Amazonisierung des Handels geht (vorläufig) gnadenlos weiter


Der Onlinegigant Amazon nimmt eine immer grössere Rolle im Online-Shopping ein. In Deutschland, zum Beispiel,  kauft jeder zehnte Amazon-Kunde heute online ausschliesslich bei Amazon. Ausserdem wird der Amazon-Webshop als Suchmaschine eingesetzt, was  Angebot, Preise und Bewertungen betrifft - auch von Kunden, die beabsichtigen, an einem anderen Ort zu kaufen.

Wie lange kann der Gigant noch weiterwachsen, ohne dass die Kartellbehörden
einschreiten?                                                                  Bild Creative-Commons
Jeder zweite deutsche Online-Shopper klickt sich mindestens einmal die Woche durch das Angebot von Amazon. Für den restlichen Handel ist Amazon eine Bedrohung - oder zumindest sehr relevant, das zeigt eine aktuelle Studie des ECC Köln. Denn Amazon legt häufig schon den Grundstock für die Kaufentscheidung. Knapp 58 Prozent der befragten Konsumenten haben sich vor ihrer letzten Onlinebestellung bei Amazon informiert – unabhängig davon, in welchem Online-Shop sie anschliessend gekauft haben. Fast zwei Drittel jener Konsumenten, für die das Smartphone die zentrale Rolle im Alltag spielt, haben sich vor dem Onlinekauf bei Amazon informiert.
Amazon ist längst zum grössten Kaufhaus der Welt geworden - es scheint nichts zu geben, das dort nicht gefunden werden kann. Zudem sind die wichtigen Produktinformationen transparent und leicht zugänglich, so dass Amazon nicht mehr nur Shop, sondern auch Produktsuchmaschine geworden ist. Knapp 83 Prozent der Konsumenten, die Amazon zur Information genutzt haben, informieren sich vor einer Onlinebestellung über Preise. Auch die Kundenbewertungen einzelner Produkte stehen hoch im Kurs: 65 Prozent der Konsumenten nutzen die Amazon-Kundenbewertungen, um sich vor dem Kauf über ein Produkt zu informieren. Für rund ein Drittel der Konsumenten sind diese Informationen kaufentscheidend. Selbst die Markenauswahl wird durch Amazon beeinflusst.
Vor allem die Orientierungsfunktion bei Preisen und Marken habe Konsequenzen für andere Händler und Hersteller. Onlinepreise, die signifikant über den Amazon-Preisen lägen, seien schlichtweg im Netz nicht konkurrenzfähig, schliessen die Autoren der Studie.
Wie stark Amazon im Kaufverhalten bereits verankert ist, zeigt ein Blick auf die Amazon-User. Jeder zehnte Amazon-Käufer kauft online bereits heute ausschliesslich dort ein. Die Branchenauswertung verrät: Fast 64 Prozent der Amazon-Käufer kaufen Elektronikprodukte ausschliesslich oder hauptsächlich bei Amazon – im Bereich Sport und Hobby sind es 62 Prozent.
In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der bei Amazon bestellten Artikel (in Deutschland) innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Fast 50 Prozent aller Online-Umsätze laufen über Amazon.

In den USA hat sich Präsident Trump kürzlich zu Amazon geäussert und dabei, wie üblich, kein Blatt vor den Mund genommen: Amazon zahle wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen, und benutze das Postsystem als Botenjungen, schrieb Trump auf Twitter. Dadurch entstünden den Vereinigten Staaten enorme wirtschaftliche Schäden. Viele Tausend Einzelhändler würden aus dem Geschäft gedrängt. Der Präsident ist nicht der einzige, der Amazon kritisiert. Die Europäischen Kartellbehörden haben auch schon kritische Töne von sich gegeben - allerdings nicht sehr laute. Möglicherweise wird das weitere Wachstum des Unternehmens und die Amazonisierung des Handels in Zukunft nicht mehr ganz so reibungslos ablaufen, wie bisher.

Tuesday, March 13, 2018

Autonome Fahrzeuge: Waren statt Passagiere

Bis wir uns von autonomen Autos herumfahren lassen, wird es noch eine Weile dauern; das Auto ohne Fahrer wird in naher Zukunft auch ein Auto ohne Passagier sein. Dafür werden wir schon bald unsere Pakete aus dem Online-Shop vom Fahrzeug ohne Chauffeur liefern lassen.

Wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg vorrechnet, existiert ein riesiger Markt für Lieferwagen, die ohne Chauffeur unterwegs sind - ganz einfach weil sie so viel billiger sind und statt einem Achtstundentag ununterbrochen unterwegs sein können. Online-Shopping ist immer noch voll im Aufwärtstrend; die Kurve ist so steil, dass Mall-Investoren weltweit nicht mehr ruhig schlafen können. Allein Amazon, der grösste der Online-Händler, hat im letzten Jahr rund 178 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und viele Milliarden Pakete verschickt. Jede einzelne dieser Lieferungen musste innerhalb nützlicher Frist beim Kunden oder bei der Kundin ankommen - eine logistische Leistung, die oft nicht ganz reibungslos abzuwickeln ist und viel Geld kostet. Gemäss dem Marktforscher McKinsey kostete die Lieferung von solchen Waren schon im Jahr 2015 weltweit über 70 Milliarden Euro. Könnte die Zustellung von Online-Waren automatisiert werden, könnten diese Kosten gemäss Schätzungen halbiert werden. Genau deshalb, so prognostizieren die McKinsey-Experten, würden schon in weniger als zehn Jahren 80 Prozent aller Paketlieferungen mit autonomen Fahrzeugen vorgenommen werden.
Tatsächlich ist die Entwicklung und Erprobung von autonomen Lieferfahrzeugen in vollem Gang; verschiedene Autohersteller arbeiten mit Hochdruck daran, die damit verbundenen Probleme zu lösen. Ford zum Beispiel unternimmt gegenwärtig einen Versuch in den USA, in Miami. Vor der Integration autonomer Lieferfahrzeuge in den öffentlichen Strassenverkehr müssen jedoch noch einige Fragen geklärt werden: Wie sehen rationelle Prozesse aus, bei denen Mitarbeiter von Unternehmen selbstfahrende Fahrzeuge beladen und programmieren? Wie werden die Kunden mit dem Fahrzeug interagieren, um beispielsweise Lebensmittel zu erhalten? Werden Kunden bereit sein, ihre Häuser zu Fuss zu verlassen, um ihre Lieferungen entgegen zu nehmen?
"In Bezug auf den Einsatz von autonomen Fahrzeugen für innerstädtische Lieferdienste gibt es für uns natürlich noch einiges zu lernen", sagt Sherif Marakby, der zuständige Ford Manager. Aber man sehe jetzt schon jetzt Vorteile für den Verkehrsfluss. Ein selbstfahrendes Fahrzeug suche sich zum Beispiel immer einen vorschriftsmässigen Parkplatz und werde daher durch unbotmässiges Parkieren keinen Stau verursachen…
Übrigens will auch Uber, bekannt für seine Taxidienste, mit autonomen Trucks Geld verdienen - aber in einer grösseren Klasse, wie wired.de berichtet:
 “Uber nutzt seine teilautonomen LKW bislang ähnlich, wie anderorts Züge verwendet werden: Ein regulärer Truck bringt den Anhänger in das Logistikzentrum des Fahrdienstanbieters. Dort wird dieser dann an den selbstfahrenden Sattelschlepper angehängt. Dieser fährt die Fracht auf einer vorgegebenen Autobahnstrecke in ein entferntes Logistikzentrum in Zielnähe, wo sie wieder von einem regulären Lkw übernommen wird, der die letzte Strecke zum Empfänger zurücklegt.“
Unterwegs sind diese Lieferfahrzeuge in Arizona - und keine Angst, es sind nicht Geistertrucks; zur Sicherheit fährt immer noch ein Mensch mit.

Monday, March 5, 2018

Die EU plant eine Umsatzsteuer für Apple, Google, Amazon und Co.


Giganten wie Google, Apple und Amazon sollen in Europa künftig Steuern auf ihre Umsätze bezahlen, damit sie Gewinnsteuern nicht mehr umgehen können. Die Idee ist nicht ganz neu, scheint jetzt aber Formen anzunehmen.

Die EU will die High-Tech-Steuersparer nicht mehr akzeptieren.   Bild Flickr
Der Abschied der Briten von der Europäischen Union wird dort - unter anderem - eine zweistellige Milliardenlücke hinterlassen. Die verbleibenden Nettozahler der EU möchten wenn immer möglich verhindern, dass sie diese Finanzlücke füllen müssen. Der gewinnträchtige Digitalsektor hingegen drängt sich geradezu auf, um das fehlende Geld einzutreiben. Riesige gewinnträchtige Unternehmen wie Apple, die zwar in Europa ausgezeichnet Geschäfte machen, aber in den Augen der Bürokraten viel zu wenig Steuern bezahlen - und gleichzeitig im Ausland riesige Vermögen anhäufen. Das Thema treibt die EU-Finanzverwalter schon lange zur Weissglut: Apple zum Beispiel hat jahrelang in Irland weniger als ein Prozent Unternehmenssteuern bezahlt. Das war den Iren genug, den Europäern reichte es nicht. Sie verlangen 13 Milliarden Dollar in Steuernachzahlungen. (Apple hat in Europa allein in den letzten drei Monaten 21,5 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert.)
Derartige Auseinandersetzungen will man in der EU zukünftig vermeiden - indem man für grosse Technologiekonzerne, deren Hauptsitz sich nicht in Europa befindet, eine spezielle Umsatzsteuer am Standort des Kunden erhebt, unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Wie der Französische Finanzminister Bruno Le Maire in einem Gespräch mit Le Journal du Dimanche kürzlich bekanntgab, soll der Steuersatz zwischen zwei und satten sechs Prozent liegen. Zitat aus einem Bericht von ZDNet.de:
“Ziel der Steuer ist es, Massnahmen zu vereiteln, mit denen multinationale Konzerne vollkommen legal Gewinne ins Ausland verlagern, um sie dort zu versteuern. Dabei nutzen sie in der Regel die niedrigeren Steuersätze sogenannter Steueroasen. Ein Tochterunternehmen beispielsweise auf den Bermudas kann einer Niederlassung in der EU erhebliche Rechnungen für die Nutzung von geistigem Eigentum des Mutterunternehmens ausstellen, die praktisch alle Gewinne auffressen. Als Folge sinkt das Steueraufkommen solcher Unternehmen in der EU auf ein Minimum – in Einzelfällen reduziert sich der Unternehmenssteuersatz von Firmen wie Amazon, Apple oder Google auf unter ein Prozent.“
Falls es der EU gelingen würde, eine derartige Steuerregelung einzuführen, könnten wohl auch die digitalen Giganten nicht mehr ganz so einfach Steuern sparen. Einfach wird es aber nicht sein, wie die Zeit analysiert:
“Künftig einfach den Umsatz zu besteuern ist eine verblüffende Idee. Sie hätte den Vorteil, dass sich Umsätze im Vergleich zu Gewinnen einfacher schätzen und einzelnen Ländern zuordnen liessen […]Bislang tun sich EU-Länder jedoch schwer, Abgaben auch tatsächlich einzutreiben. Zum einen, weil Mitgliedsstaaten wie Irland (aber auch Luxemburg) ihre niedrigen Steuersätze bewusst als Standortvorteil betrachten und eine Benachteiligung anderer Länder in Kauf nehmen. Zum anderen gewährt das Recht bisher kaum Ansatzpunkte, wirksam dagegen vorzugehen. Das musste erst kürzlich der französische Fiskus erfahren, der von Google eine Milliarde Euro an Steuern nachfordert. Ein Gericht stoppte das Vorhaben…“
Ob Google, Apple oder Amazon: Die neuen Wirtschaftsgiganten unseres digitalen Zeitalters werden früher oder später höhere Steuersätze bezahlen müssen, als sie das heute tun. Ob die EU und ihre Mitgliedsländer unter dem Strich davon profitieren werden, wird sich zeigen. Da die grössten angesprochenen Unternehmen alle aus den USA stammen, wäre es nicht überraschend, wenn eine neue, auf den digitalen Sektor zielende Europäische Umsatzsteuer zu wirtschaftlichen Reaktionen der Amerikaner führen würde.