Thursday, August 18, 2022

Arbeitgeber finden Homeoffice nicht mehr so toll

Nicht nur bei Apple, dem trendigen amerikanischen IT-Unternehmen, das bei vielen Entwicklungen den Ton angibt, versucht die Geschäftsleitung seit einigen Monaten, die Homeoffice-Kultur einzudämmen. Auch viele Schweizer KMU haben nach dem Abklingen der Corona-Pandemie Mühe damit, die Mitarbeiter weiterhin von zuhause aus arbeiten zu lassen.

Das Office zuhause: Bei den Mitarbeitern
beliebter als bei den Chefs.    Bild Pixabay
 Im Fall von Apple haben sich einige Mitarbeiter mit Händen und Füssen dagegen gesperrt, sich auf ein sogenanntes Hybrid-Arbeitsmodell einzulassen – jetzt wurde es von der Geschäftsleitung angeordnet:
 «Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende von Apple, informierte die Mitarbeiter diese Woche per E-Mail über die neue Regelung. "Die Teams, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, werden an drei Tagen in der Woche ins Büro kommen, wobei Dienstag und Donnerstag unternehmensweit als feste Tage gelten." Cook betonte, dass dieser Schritt "die Fähigkeit, flexibel zu arbeiten, verbessern und gleichzeitig die persönliche Zusammenarbeit, die für unsere Kultur so wichtig ist, bewahren wird". (The Telegraph)

Im Fall der Schweizer KMU hat eine Studie interessierter Organisationen ergeben, dass bei den Arbeitgebern «eine gewisse Homeoffice-Müdigkeit» Einzug gehalten habe:

«Sie können oder wollen Homeoffice im Mix ihrer Arbeitswelt-Konzepte nicht (mehr) aktiv anbieten. Während Mitte 2020 bei 67 Prozent und Mitte 2021 bei 65 Prozent der befragten KMU alle oder ein Teil der Mitarbeitenden theoretisch von zuhause aus hätten arbeiten können, waren es Anfang 2022 nur noch 61 Prozent. Die Anzahl an homeoffice-tauglichen Stellen sinkt in diesen KMU von durchschnittlich 3.8 in 2020 auf 3.4 in 2021 und 2.9 im Jahr 2022.»

Es könnte sein, dass sich die Einschätzung der Eignung der Arbeitsstellen fürs Homeoffice geändert hat oder die Erfahrungen zeigen, dass die Arbeitsausführung vor Ort optimaler ist – oder dass zumindest davon ausgegangen wird, schreiben die Studienautoren.

Es ist klar, dass viele Mitarbeiter, die sich ans Homeoffice gewöhnt haben, diesen Trend nicht schätzen werden. Es sieht aber im Moment so aus, als ob die Rückkehr in die Firmenbüros im Trend liegt.

Wednesday, August 10, 2022

Computational Storage: Speicher ist nicht gleich Speicher

«Reduziert die Verarbeitungszeit um über 50 Prozent, den Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent und die CPU-Auslastung um bis zu 97% im Vergleich zu herkömmlichen SSD-Laufwerken.» 

Das heisst es auf der Samsung Website. Das Unternehmen hat kürzlich eine Smart SSD der zweiten Generation auf den Markt gebracht. Smart SSDs werden von Speicherspezialisten seit Jahren diskutiert. Jetzt entwickelt sich die Diskussion zum Trend.

Das neue SSD ist als Computational Storage Device (CSD) klassifiziert,
was bedeutet, dass es die Datenverarbeitung an Bord übernimmt
und dadurch Engpässe minimiert, die durch die Notwendigkeit entstehen,
Daten zwischen Speicher und CPU, GPU und RAM zu übertragen.  Bild Samsung
Computational Storage heisst die Idee, die ganz konkrete Produkte und Konzepte hervorgebracht hat nicht nur von Samsung. Dazu gehören die DPUs (Data Processing Units) von Nvidia und die IPUs (Infrastructure Processing Units) von Intel, die darauf abzielen, die Speicher Workloads von den Server-CPUs in den Rechenzentren zu übernehmen. Auch der  Telekomkonzern und Speicherspezialist Huawei entwickelt ein derartiges Speicherkonzept. Dabei gehe es um den «Aufbau einer datenzentrierten, vertrauenswürdigen Speichergrundlage für verschiedenste Anwendungen», wie am 2022 Innovative Data Infrastructure Forum dargelegt wurde. Deshalb werde das Unternehmen der Entwicklung von entkoppelten Speicher-Rechner-Architekturen und der Beschleunigung von Datenanwendungen Priorität einräumen.

Datenverarbeitung und Speicherung sind in Rechenzentren getrennt. Langsam setzt sich aber die Idee durch, dass es ineffizient und aufwendig ist, wenn Daten vom Speicher zu den CPUs hin- und hergeschoben werden, wo sie verarbeitet werden können. Warum sollten die Daten nicht dort verarbeitet werden, wo sie gespeichert sind, um die Latenzzeiten, den Stromverbrauch und die Kosten zu reduzieren, die mit dem Hin- und Herbewegen der Daten verbunden sind? Da die Datenmengen immer grösser werden, wird diese Frage immer wichtiger.

Auf der Webseite der Speicherindustrie-Vereinigung (SNIA) heisst es zum Thema Computational Storage:

"Computational-Storage-Lösungen zielen in der Regel auf Anwendungen ab, bei denen die Nachfrage nach der Verarbeitung ständig wachsender Speicherarbeitslasten die traditionellen Server-Architekturen übersteigt. Zu diesen Anwendungen gehören künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Content Delivery, Datenbanken, maschinelles Lernen (ML) und viele andere, die branchenweit eingesetzt werden."

Die genannten Bereiche weisen allesamt ein grosses Wachstum auf – was wiederum verheissend ist für computational Storage. Die Entwicklung steht aber erst am Anfang – es müssen bei vielen Unternehmen und in Datacenters noch einige Strukturen geändert werden, bevor der Durchbruch gelingt.

Friday, August 5, 2022

Starlink wird langsamer

Elon Musks Starlink Internetservice war vor kurzem noch der globale Star unter den Internet-Providern: Hohe Geschwindigkeiten waren garantiert, auch in Gegenden, wo sich Füchse und Hasen gute Nacht sagen. Doch nun häufen sich Reklamationen von Usern, deren Datendurchsatz sich massiv verringert hat. Es scheint, als ob Starlink zu viele Kunden an Bord genommen hat.

Starlink von SpaceX generiert zu viel Nachfrage.      Screengrab spacex.com
Laut den Daten von Ookla Speedtest sind die Internetgeschwindigkeiten für das Starlink-System von SpaceX für Nutzer in Nordamerika erneut gesunken. Im ersten Quartal dieses Jahres erreichte die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit für Starlink-Nutzer in den USA 90,55 Mbps, gegenüber 104,97 Mbps im vierten Quartal 2021. Die Upload-Geschwindigkeiten sanken von 12,04 Mbit/s auf 9,33 Mbit/s. Das sind natürlich durchschnittliche Geschwindigkeiten – und die sind immer noch ziemlich gut. Der immer noch hohe Durchschnitt setzt sich wohl dadurch zusammen, dass nicht alle Regionen gleich stark von der Überlastung betroffen sind.

Starlink scheint sich jedenfalls bewusst zu sein, dass etwas nicht richtig läuft, wie dieser Mitteilung an einen US-Kunden entnommen werden kann:

 «Wir sind uns bewusst, dass Kunden über eine geringere Download/Upload-Geschwindigkeit berichten. Diese Schwankungen sind auf Überlastungen in bestimmten Gebieten in Spitzenzeiten zurückzuführen. Wir erwarten Verbesserungen, wenn wir unsere Satellitenkonstellation mit zukünftigen Starts vollständig einrichten.»

 Der Techniker und Blogger Jeff Geerling sagt voraus, dass die Geschwindigkeiten mit zunehmender Sättigung der Satelliten und Bodenstationen noch langsamer werden. Das sei zu erwarten gewesen:

 «Starlink hat jetzt wahrscheinlich 500’000 Kunden, und SpaceX stellt derzeit 20’000 neue Terminals pro Woche her. Die Kapazität ist die grösste Herausforderung für SpaceX, und das wird auch mit Zehntausenden von Satelliten in der Luft noch eine Herausforderung sein. Denn trotz Laserverbindungen, mehr Bodenstationen und besserer Software ist die Physik einfach nicht zu schlagen - zumindest nicht kurzfristig.»

 Starlink bedient seit Oktober 2020 Internetkunden. Seitdem hat der Service global rund 500’000 Abonnenten gewonnen, und viele weitere Nutzer warten noch darauf, den Dienst auszuprobieren. 

Tuesday, August 2, 2022

Wie findet man 7’500 Bitcoin (160 Millionen Franken) im Abfall?

Eine Festplatte mit 7’500 gespeicherten Bitcoin, seit neun Jahren in einer britischen Abfallhalde begraben, soll jetzt vom früheren Eigentümer wieder ans Tageslicht gebracht werden. Billig wird die Suchaktion im stinkenden Zivilisationsschutt allerdings nicht – wenn überhaupt eine Bewilligung dafür gesprochen wird. 

Viel Vergnügen bei der Schatzsuche.  Bild Wikimedia Commons
Verschiedene Medien berichten über das Ungeschick des 36jährigen James Howells, der den Stadtrat von Newport ersucht, zehn Millionen Pfund ausgeben zu dürfen und Roboterhunde sowie eine komplizierte, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschine einzusetzen, um eine Festplatte in der dortigen Mülldeponie zu finden, auf der die Bitcoins gespeichert sind. Howells, ein Computertechniker, hatte die Festplatte mit 7500 Bitcoin im Jahr 2013 versehentlich weggeworfen, als er sein altes Büro ausräumte. Die Bitcoin hatte er gemäss eigenen Angaben im Jahr 2009 für sehr wenig Geld erworben. (Tatsächlich war das Krypto-Geld im Jahr 2009 erstmals erhältlich – für weniger als einen Dollar pro Coin. Erst im Jahr 2011 war Bitcoin kurz mehr als einen Dollar wert. In den nächsten Monaten zeigte sich dann zum ersten Mal, was für ein verrücktes Spekulationspotential in Bitcoin steckt: In den nächsten drei Monaten stieg die Krypto-Währung um rund 3'000 Prozent bis zu einem Höchststand von rund 30 Dollar. Im November 2011 landete Bitcoin wieder bei 2 Dollar.)

In den letzten Jahren wurden alle Anträge von James Howells von der Stadtverwaltung von Newport, die für die Deponie zuständig ist, abgelehnt. Der Stadtrat befürchtet, dass das Aufwühlen des Abfalls negative Auswirkungen auf die Umwelt in der Umgebung haben könnte.

Das hat Howells nicht davon abgehalten, ein Team von acht Experten zusammenzustellen, die alle auf Abfallmanagement und Datenextraktion spezialisiert sind. Das Zehn-Millionen-Budget beinhaltet nicht nur die Suche in 110’000 Tonnen Abfall, sondern auch zwei Roboter-Hunde, die abends auf Patrouille gehen um sicherzustellen, dass sich keine anderen Schatzsucher Zugang zum Suchgebiet verschaffen.

Howells hat für die Finanzierung in Höhe von 10 Millionen Pfund Geldgeber aus der Schweiz und Deutschland gefunden, die allerdings nur zahlen, wenn die Bewilligung eintrifft. Der potentielle Schweizer Kapitalgeber ist Hanspeter Jaberg. Er sagte gegenüber Business Insider:

«Es ist offensichtlich eine Nadel im Heuhaufen, und es ist eine sehr, sehr risikoreiche Investition".

Wednesday, July 27, 2022

Zahlen mit dem Smartphone liegt voll im Trend

Fast jede 15 Zahlung in der Schweiz wird in der Schweiz inzwischen mit dem Smartphone getätigt; Bargeld, Bankkarte und Kreditkarte bleiben bei diesen Transaktionen in der Hosentasche. Volumenmässig haben sich Zahlungen per Bezahl-Apps damit allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verdoppelt.

TWINT, die Schweizerische Bezahllösung fürs Smarthone.

 Gemäss den Daten, die von Monitoring Consumption Switzerland erhoben werden, stieg der volumenmässige Anteil der mobilen Transaktionen an allen bargeldlosen Zahlungen auf 6,5 Prozent nachdem er vor einem Jahr noch knapp 4 Prozent betragen hatte. Im Vergleich dazu betrug der Anteil am Gesamtvolumen der mobilen Zahlungen im ersten Halbjahr 2019 erst 0,8 Prozent. Beim Bezahlen mit dem Smartphone zeigt sich also in der Schweiz ein enormer Wachstumstrend.

Auch für kleine Beträge werden Bezahl-Apps wie
vermehrt genutzt. Die Daten erfassen bargeldlose Zahlungen, die über das Netzwerk des Finanzdienstleisters Worldline in der Schweiz abgewickelt werden.

Die Entwicklung des Zahlens mit dem Smartphone passiert vor dem Hintergrund eines Trends zum Bargeldlosen Zahlen – auch in der Schweiz. Dieser stösst allerdings auch auf Widerstand:

«Die «Cashless»-Gegnerinnen und Gegner argumentieren, dass die bargeldlose Bezahlung nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder und Jugendliche ausschliessen würden. Diese verfügten oftmals nicht über digitale Zahlungsmittel, heisst es beispielsweise. Studien in Deutschland zeigen, dass ausserdem die Mehrheit dem mobilen Bezahlen noch nicht trauen. Ganze 60 Prozent scheinen Sicherheitsbedenken zu haben, wie eine Studie des Branchenverbandes Bitkom zeigte. Rechtlich erhält die «Cashless»-Strategie vom Bundesrat Rückhalt: Im Jahre 2018 schrieb dieser als Reaktion auf eine Interpellation, dass, solange die Veranstalter die potenziellen Käuferinnen und Käufer im Voraus in Kenntnis setzen, die Barbezahlung ausgeschlossen werden darf.» (argoviatoday.ch)

Monday, July 25, 2022

Auch in Deutschland: Huawei hat ein «China-Problem»

Der Chinesische Telekommunikations-Gigant Huawei kommt in Deutschland wieder unter Druck: Laut Medienberichten will die Bundesregierung den Netzbetreibern verbieten, für den 5G-Netzausbau «kritische Komponenten» chinesischer Hersteller zu verwenden.

Die Amerikaner unter Trump waren die ersten, die Huawei vom Ausbau der 5G-Netzwerke ausschlossen. Der Grund: Man befürchtete, der chinesischen Regierung und der kommunistischen Partei Chinas den Zugang zu Informationen zu leicht zu machen, wenn Huawei das Telefonnetz baut. Andere Länder folgten, zum Beispiel Kanada, aber auch Australien und Neuseeland. In der Schweiz wird zumindest über das Huawei-China-Risiko diskutiert, Massnahmen erachtet die Regierung aber vorläufig als unnötig. Nun sieht es so aus, als ob sich in Deutschland diesbezüglich etwas tut:

«Die Bundesregierung könnte deutsche Telekommunikationsanbieter schon bald dazu zwingen, chinesische Komponenten aus ihren Mobilfunknetzen zu entfernen. Das Innenministerium behält sich das Recht vor, die Netzbetreiber anzuweisen, kritische Bauteile von „nicht vertrauenswürdigen“ Herstellern auszubauen – selbst dann, wenn diese schon in Betrieb sind. Die Verwendung bereits verbauter Komponenten könne untersagt werden, „wenn der weitere Einsatz die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland voraussichtlich beeinträchtigt, insbesondere, wenn der Hersteller der kritischen Komponente nicht vertrauenswürdig ist“, bestätigte das Ministerium dem Handelsblatt. Eine solche „Ex-post-Untersagung“ könne „auch den Ausbau der jeweiligen Komponenten umfassen.» (Handelsblatt.com)

Da Huawei im Mobilfunknetzt von Deutschland bereits eine wichtige Rolle spielt, käme eine Huawei-Sperre wohl teuer. Ericsson und Nokia sind die einzigen Ausrüster, die das chinesische Unternehmen ersetzten könnten. Die Telekom verweist gemäss Spiegel darauf, dass sie 5G-Komponenten nur auf den bereits verbauten 4G-Komponenten des gleichen Herstellers aufsetzen könne. Deswegen setze man auf die «Bestandslieferanten» Huawei und Ericsson.

Das Handelsblatt weiss auch, wieso das Thema Huawei in Deutschland plötzlich wieder aktuell ist:

«Die Entscheidung, ob kritische Komponenten von Huawei und ZTE nicht vertrauenswürdig sind, ist zwar offiziell noch nicht gefallen. Doch unter dem Eindruck der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Versuche des Kremls, Deutschland mit einer Drosselung der Gaslieferungen zu erpressen, bewertet die Bundesregierung die Risiken wirtschaftlicher Verflechtungen mit Diktaturen neu.»

 


Wednesday, July 20, 2022

Die Hitze legt die Cloud (teilweise) auf Eis

Wir wissen es: Datenverarbeitung braucht viel Energie und erzeugt Wärme, die ständig abgeführt werden muss. Die sommerliche Hitzewelle der letzten Tage machte die Kühlung dort schwierig, wo es besonders heiss war – zum Beispiel in London, England, und sie zeigte, dass heisses Wetter auch unseren Datenzugriff in der Cloud beeinträchtigen kann.

Wer hat Eis? Die Hitze macht die Datenverarbeitung schwieriger.           Bild Pfw
Sowohl die Google Cloud als auch Oracle Corp hatten am Dienstag Probleme in Londoner Rechenzentren, die nicht mehr gekühlt werden konnten. Beide Unternehmen gaben an, dass Probleme mit Kühlsystemen die Ursache für die Ausfälle seien. Die erste Meldung von Oracle erschien am Dienstagnachmittag auf deren Service-Seite und vermeldete, dass die hohen Temperaturen die Cloud- und Netzwerkausrüstung in einer Anlage im Süden Londons beeinträchtigt hätten.

Einige Stunden später meldete Google ein ähnliches Problem an seinem Londoner Standort. Auf einer Kundendienst-Website teilte das Unternehmen mit, dass die Störung eine Gruppe seiner Cloud-Computing-Nutzer betroffen habe. Google erklärte, dass es einige Teile seiner Cloud-Dienste herunterfahre, um Schäden an den Maschinen und einen längeren Ausfall zu vermeiden. Einige Stunden später listete Google immer noch einige seiner Cloud-Dienste in der Region als ausgefallen auf. Gemäss Bloomberg machte der Webhosting-Dienst WordPress den Ausfall von Google dafür verantwortlich, dass sein Dienst gestern in Europa nicht verfügbar war.

Hier sind die Meldungen der zwei betroffenen Unternehmen im Wortlaut (übersetzt):

Oracle: «Aufgrund der für die Jahreszeit untypischen Temperaturen in der Region gab es bei einem Teil der Kühlungsinfrastruktur im Rechenzentrum UK South (London) ein Problem. Infolgedessen können einige Kunden möglicherweise nicht auf die in der Region gehosteten Oracle Cloud Infrastructure-Ressourcen zugreifen oder diese nutzen. Die zuständigen Serviceteams wurden eingeschaltet und arbeiten daran, die betroffene Infrastruktur wieder in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen. Als Vorsichtsmaßnahme sind wir jedoch dabei, Serviceinfrastrukturen zu identifizieren, die sicher abgeschaltet werden können, um weitere Hardwareausfälle zu verhindern. Mit diesem Schritt wollen wir das Potenzial für langfristige Auswirkungen auf unsere Kunden begrenzen».

GoogleCloud: «In einem unserer Gebäude, in dem die Zone europe-west2-a für die Region europe-west2 gehostet wird, kam es zu einem Ausfall der Kühlung. Dies führte zu einem teilweisen Ausfall der Kapazität in dieser Zone, was zu VM-Ausfällen und einem Verlust von Maschinen für eine kleine Gruppe unserer Kunden führte. Wir arbeiten hart daran, die Kühlung wieder in Betrieb zu nehmen und Kapazitäten in dieser Zone zu schaffen. Wir erwarten keine weiteren Auswirkungen in der Zone europe-west2-a, und derzeit laufende VMs sollten nicht beeinträchtigt werden. Ein kleiner Prozentsatz der replizierten Persistent Disk-Geräte läuft im einfachen redundanten Modus. Um Schäden an Maschinen und einen längeren Ausfall zu vermeiden, haben wir einen Teil der Zone abgeschaltet und schränken den Start von GCE Preemptible ein. Wir arbeiten an der Wiederherstellung der Redundanz für alle verbleibenden betroffenen replizierten Persistent Disk-Geräte.»

Friday, July 15, 2022

Elektro Autos: Der Bestseller heisst… BYD

Alle kennen Tesla, aber kaum jemand kennt BYD – zumindest in Europa und in den USA. BYD ist seit kurzem der grösste Hersteller von Elektrofahrzeugen auf dem Globus, nachdem das Unternehmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Tesla überholt hat. Die chinesische Elektrofahrzeugmarke verkaufte in diesem Zeitraum 77’000 Autos mehr als Tesla und verzeichnete ein Wachstum von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der "Tang" kann auf der BYD-Website vorbestellt werden.        Screengrab BYD 
 Der BYD «Tang», ein SUV, ist das erste Elektrofahrzeug des Unternehmens, das in Europa verkauft wird. Das Fahrzeug hat eine Reichweite von über 520 km (immer gemäss Herstellerangaben) mit einer 86,4 kWh-Batterie, die in 30 Minuten von 30 Prozent auf 80 Prozent aufgeladen werden kann. Ein Motor mit bis zu 380 kW Leistung und 680 Nm Drehmoment sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h und eine Beschleunigung von 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Fahrzeug kann in Europa jetzt bestellt werden, nachdem es letztes Jahr in Norwegen bereits für rund 58'000 Euro angeboten wurde.

BYD ist gemäss eigenen Angaben ein Hightech-Unternehmen, das sich technologischen Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität verschrieben hat. BYD wurde im Februar 1995 gegründet. Nach mehr als 20 Jahren schnellen Wachstums spielt das Unternehmen eine bedeutende Rolle in den Bereichen Elektronik, Automobilbau, neue Energien und Schienenverkehr. Von Energieerzeugung und -speicherung bis hin zu Anwendungen widmet sich BYD der Bereitstellung emissionsfreier Energielösungen. Das chinesische Elektroauto-Unternehmen wird übrigens vom amerikanischen Starinvestor Warren Buffet (Berkshire Hathaway) unterstützt, und auch Daimler ist bei BYD involviert.

Friday, July 8, 2022

Nicht nachhaltig: Bitcoin aus dem Kohlekraftwerk

Man schätzt, dass das Bitcoin-Mining für über 70 Megatonnen Kohlendioxidemissionen pro Jahr verantwortlich ist. Das ist ein CO2-Ausstoss, vergleichbar mit jenem von Griechenland. Dieser enorme Energiebedarf hat jetzt dazu geführt, dass im US-Bundesstaat New York einem grossen Kraftwerk die Betriebsbewilligung entzogen wurde.

Bitcoin-Mining braucht viel Platz und viel Energie.          Bild Wikimedia commons
Es hat sich nämlich ein Trend entwickelt, bei dem ehemalige Kohlekraftwerke in den USA auf Erdgas umgestellt werden, um Bitcoin-Mining-Operationen mit Strom zu versorgen.  Greenidge Generation ist eine solche Anlage, die in den 1930er Jahren als Kohlekraftwerk betrieben wurde, bevor sie 2011 ihren Betrieb einstellte und 2016 eine neue Genehmigung für die Wiederaufnahme des Betriebs als erdgasbefeuerte Anlage erhielt. Bei der Beantragung dieser Genehmigung im Jahr 2016 gab Greenidge an, dass die Anlage ausschliesslich als Spitzenlastkraftwerk betrieben werde, doch seit 2020 nutzt Greenidge die von ihm erzeugte Energie für das Mining von Kryptowährungen vor Ort. Infolge dieser Funktionsänderung sind die Treibhausgasemissionen von Greenidge beträchtlich gestiegen, und das Unternehmen geht davon aus, dass seine Emissionen auch in Zukunft weiter steigen werden.

Bitcoin ist die umweltschädlichste Kryptowährung, nicht nur, weil sie immer noch die beliebteste ist, sondern auch, weil sie sich auf einen besonders energiehungrigen Sicherheitsmechanismus stützt. Um Transaktionen zu überprüfen und im Gegenzug neue Token zu erarbeiten, verwenden Bitcoin-Miner spezielle Computer, die immer komplexere Rechnungsaufgaben lösen müssen.

Die Genehmigungen für die Luftqualität von Greenidge liefen aber im letzten Jahr aus. Das New York State Department of Environmental Conservation hat nun den Antrag des Bitcoin-Mining-Betriebes Greenidge Generation auf die Erneuerung der Zulassung abgelehnt, die für den weiteren Betrieb in New York erforderlich ist. Die Behörden erklärten, dass der Antrag von Greenidge nicht mit den Klimazielen des Bundesstaates übereinstimme, der darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen in New York bis 2050 um mindestens 85 Prozent zu reduzieren.

Die Betreiber des Kraftwerks betonen hingegen, dass das Kraftwerk klimaneutral sei - weil es nämlich für Kohlenstoffkompensationen bezahle, um die Auswirkungen der Luftverschmutzung auszugleichen. Die Ablehnung der New Yorker Umweltbehörde weist darauf hin, dass diese nicht wirklich an derartige Kompensationsgeschäfte glaubt. Sicher ist, dass solche Massnahmen viel Geld auch in staatliche Kassen spülen, jedoch in der Vergangenheit nicht zu einer Lösung des Klimaproblems beigetragen haben.

Monday, July 4, 2022

Zeitmesser für den virtuellen Raum von der Zürcher Bahnhofstrasse

Das mehr als 260 Jahre alte Zürcher Uhren-Unternehmen Beyer Chronometrie produziert jetzt auch virtuelle Uhren. Zusammen mit FTSY8 Fictional Studio, einem Ableger der digitalen Kreativagentur Sir Mary, lancierte das renommierte Zürcher Uhrengeschäft an der Bahnhofstrasse eine einzigartige NFT-Kollektion, die weltweit ihresgleichen sucht. 

Ein virtueller NFT-Zeitmesser von Beyer. Die Uhren sind sehr gefragt und
verkaufen sich im Rekordtempo. Bild Beyer-ch.com

Designer aus unterschiedlichen Disziplinen haben für Beyer die klassischen Uhren neu interpretiert und die physischen Grenzen der Uhrenmacherkunst bewusst verschoben. Die Kreativen liessen sie sich von der Mode-, der Gaming- und der virtuellen Welt inspirieren und schufen faszinierende, fantasievoll-verspielte Unikate.

Unter den Künstlern und Designern befinden sich prominente Namen. Simon Husslein, Professor für Interior Architecture an der Hochschule für Kunst und Design in Genf, hat bereits Uhren für Marken wie Braun, Nomos Glashütte und Ventura entworfen. Niklaus Hodel entwickelt Schuhe und Sneakers für die Modehäuser Louis Vuitton, Givenchy oder Maison Margiela. René Beyer, CEO und Inhaber von Beyer Chronometrie AG, sagt: 

"Nur weil wir das Uhrenbusiness erfunden haben, ruhen wir uns nicht darauf aus. Wir sind seit 1760 auf der Suche, wie wir Tradition und Vision miteinander verbinden können. Mit der NFT-Uhrenkollektion ist dies wieder einmal schön gelungen."

Beim Verkauf der NFT-Kollektion wurde Wert daraufgelegt, nicht nur eine Crypto-affine Zielgruppe anzusprechen. Vielmehr sollten auch technisch weniger versierte Uhrenfans und Neugierige die virtuellen Uhren kaufen können. Der Erwerb einer NFT-Uhr soll so einfach wie möglich sein. Deshalb konnte die erste, limitiert Edition sowohl mit Krypto-Geld als auch ganz traditionell per Kreditkarte erworben werden.

Die NFT-Uhren scheinen tatsächlich auf reges Interesse zu stossen. Die ersten 100 der virtuellen Zeitmesser waren laut Angaben von Beyer nach 7 Minuten ausverkauft.

Wednesday, June 29, 2022

Die Harddisk im Laptop stirbt aus – aber SSD sind sowieso besser

Die größten Laptop-Hersteller der Welt verkaufen keine Laptops mit traditionellen Harddisks mehr - zumindest in den USA.

Eine von TechRadar Pro auf den Verkaufsplattformen von Dell, Lenovo und HP durchgeführte Untersuchung von mehr als 100 Laptop-Modellen ergab, dass Festplattenlaufwerke aus verschiedenen Gründen, vor allem aber wegen mangelnder Nachfrage nach Laptops mit Festplatten und sinkenden Komponentenpreisen (eMMC und SSD) vollständig aus den Produktlinien entfernt wurden.

Eine mechanische Harddisk, wie sie in Laptops nur noch selten
zu finden ist.  Bild Wikimedia Commons

Festplatten sind nach wie vor in Desktop-PCs eingebaut, wo sie oft in einem grösseren Format (3,5 Zoll) angeboten werden und nicht mit den gleichen Nachteilen zu kämpfen haben wie in Laptops. Festplatten für Laptops sind gegenüber SSDs zurückgefallen, weil sie langsamer, empfindlicher und grösser sind, aber auch weil sie mehr Strom verbrauchen. Die Popularisierung der Cloud hat grosse Speicherkapazitäten in Laptops unwichtig gemacht. Das erklärt gemäss TechRadar Pro auch, warum so viele Laptops nur mit 64-GB- und 128-GB-SSDs ausgestattet sind, vor allem im unteren Marktsegment.
Solid-State-Laufwerke (SSD) haben, weil sie ganz ohne empfindliche Mechanik auskommen, auch andere Vorteile. Zwar können auch sie nur eine begrenzte Anzahl von Schreib- oder Löschvorgängen durchführen, bevor sie fehlerhaft werden. Allerdings kann eine hochwertige SSD eine sehr grosse Anzahl solcher Vorgänge bewältigen, bevor sie unbrauchbar wird. Ein Test mit sechs SSDs ergab, dass die Hälfte der getesteten Geräte ein ganzes Petabyte an Daten schreiben konnte, bevor Abnutzungserscheinungen auftraten (die andere Hälfte lief weiter). Ein Petabyte ist tausend Terabyte oder eine Million Gigabyte. Wer täglich 100 Gigabytes Daten auf seine SSD schreibt, könnte das also 27 Jahre lang tun, bis es problematisch werden kann.

Sunday, June 26, 2022

Mehr Datenschutz beim Fliegen - aber nicht viel mehr

Auch die EU ist eine Datenkrake – wenn sie nicht von den Gerichten gebremst wird. Das ist nun auch mit dem EU-Regelwerk über die Weitergabe von EU-Passagierdaten geschehen. Fluggesellschaften müssen ab sofort keine Passagierdaten mehr an Länder der Europäischen Union weitergeben, zumindest nicht bei Flügen innerhalb der Mitgliedstaaten, entschied das oberste Gericht der EU am Dienstag. Datenschutz-Experten hätten allerdings weitergehende Einschränkungen erwartet. 

Der Europäische Gerichtshof bremst das Sammeln von Daten über Flupassagiere -
aber nur ein bisschen.   Bild Wikimedia Commons

Das Urteil bestimmt, dass die Mitgliedstaaten die Übermittlung von Daten für den innereuropäischen Reiseverkehr nur dann anordnen können, wenn eine reale Bedrohung durch Terroranschläge besteht. Die Richter stellten ferner fest, dass die PNR-Richtlinie unbestreitbar schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre und die Datenschutzrechte der EU mit sich gebracht habe. Die Richter sahen jedoch trotzdem davon ab, das Regelwerk vollständig zu kippen.

 In derMitteilung zum Urteil heisst es:

"Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass die in der Richtlinie vorgesehene Übermittlung, Verarbeitung und Speicherung von Fluggastdatensätzen als auf das zur Bekämpfung von terroristischen Straftaten und schwerer Kriminalität unbedingt erforderliche Maß beschränkt angesehen werden kann, sofern die in der Richtlinie vorgesehenen Befugnisse restriktiv ausgelegt werden."

 Etwa 62 Länder weltweit, darunter auch die Länder der Europäischen Union, haben Stellen eingerichtet, die diese Informationen über Fluggäste verarbeiten.

Fluggastdatensätze (PNR) werden verwendet, um Terroristen oder Personen zu identifizieren, die in illegale Geschäfte verwickelt sind. Dadurch können die Polizeibeamten detaillierte Informationen über die Reisebewegungen der Passagiere erhalten und auch Muster für polizeiliche Ermittlungen erkennen.

Friday, June 17, 2022

Bitcoin & Co.: Wann geht's wieder aufwärts?

Bitcoin und Co. Haben ein paar wilde Wochen hinter sich. Die Kurse sind extrem volatil, haben aber vorwiegend abwärts gezeigt. Natürlich gehen die Meinungen der sogenannten Experten auseinander, was die Zukunft der Kryptowährungen betrifft: Die einen haben den Absturz schon lange kommen sehen, die anderen glauben auch jetzt noch an eine Kaufgelegenheit und extremes Kurspotential. 

Bitcoin Chart: Die Kurve geht in die falsche Richtung.             Screengrab Google               
Zu den Letzteren gehört Antoni Trenchev, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter der Kryptoplattform Nexo, der trotz allem in einem Interview mit Bloomberg-TV sagt, dass Bitcoin innerhalb von 12 Monaten 100.000 Dollar erreichen könnte.

Realistischer sieht der amerikanische Star-Investor  Kevin O'Leary die Situation, der auf dem Höhepunkt der Dot-Com-Blase ein Vermögen gemacht hat. Er glaubt nicht, dass der Tiefpunkt bereits erreicht ist, wie er gegenüber forbes.com erklärt:

«O'Leary ist der Meinung, dass die grosse Säuberung noch nicht vorbei ist, weil wir noch nicht wirklich eine Kaskade von Panik-Ereignissen gesehen haben, die seiner Meinung nach den Tiefpunkt definieren werden. Er glaubt, dass mehr Krypto-Assets auf den Nullwert zusteuern. "Panikereignisse definieren Tiefpunkte", sagt O'Leary. "In der Kryptowelt brauchen wir jemanden, der auf Null geht", bevor die Kryptowährung wieder auf die Beine kommt.»

Die Frage, die sich viele Investoren und Spekulanten stellen, ist: Warum gerade jetzt? Schliesslich wurde Bitcoin von vielen Fans als Krisen-Investition angepriesen. Dem ist nicht so, wie die letzten Tage und Wochen gezeigt haben. Die BBC erklärt:

«Es droht eine Rezession, die Inflation schießt in die Höhe, die Zinssätze steigen und die Lebenshaltungskosten werden immer höher. Auch die Aktienmärkte wackeln, und der amerikanische S&P 500 befindet sich in einer Baisse (20 % Rückgang gegenüber seinem jüngsten Höchststand). Das hat zur Folge, dass selbst Grossanleger weniger grosszügig mit ihrem Geld umgehen. Und viele gewöhnliche Anleger - nicht reiche Hedge-Fonds-Besitzer oder Unternehmen - haben weniger Geld, um zu investieren. Gerade Kryptowährungen sind in dieser Situation zu volatil und unberechenbar für viele Investoren. Kryptowährungen sind nicht reguliert und werden von den Finanzbehörden nicht geschützt. Wenn Sie also Ihre Ersparnisse in Kryptowährungen anlegen und diese an Wert verlieren oder Sie den Zugriff auf Ihre Krypto-Brieftasche verlieren, ist Ihr Geld weg…»

Monday, June 13, 2022

Von England nach Nordamerika: MAS400 ist in Kanada gelandet

Die Reise dauerte etwas länger als geplant – und sie ging nicht reibungslos vor sich. Aber die neue Mayflower MAS400 hat es schliesslich geschafft: Das Schiff ist in Halifax angekommen.

Die Zukunft der Schifffahrt: Autonom unterwegs, wie MAS400.                   Bild IBM

Ohne menschlichen Kapitän und ohne Besatzung an Bord ist MAS400, das erste selbstgesteuerte Schiff mit einer Technologie, die skalierbar und erweiterbar ist, über den grossen Teich geschippert. MAS wurde von der gemeinnützigen Meeresforschungsorganisation ProMare entwickelt und gebaut, IBM fungierte dabei als führender Technologie- und Wissenschaftspartner. Die Automatisierungs-, KI- und Edge-Computing-Technologien von IBM versorgen den virtuellen Kapitän des Schiffes mit künstlicher Intelligenz, er steuert das Schiff und trifft auf See Entscheidungen. An Bord des Schiffes befinden sich sechs KI-gesteuerte Kameras, mehr als 30 Sensoren und 15 Edge-Geräte, die alle in umsetzbare Empfehlungen einfliessen, die der KI-Kapitän interpretieren und analysieren kann. Auf diese Weise kann der Kapitän das Seerecht einhalten und gleichzeitig in Sekundenbruchteilen wichtige Entscheidungen treffen, zum Beispiel das Umfahren von Gegenständen oder Tieren - ohne jegliche menschliche Interaktion.

Ganz ohne menschlichen Eingriff ging es allerdings nicht: Nach dem Start des Schiffes vor ziemlich genau einem Jahr (wir haben darüber berichtet) lief zwar für ein paar Tage alles bestens, bis dann an einem Generator eine kleine mechanische Panne auftrat. Das Team beschloss daraufhin, das Schiff nach Grossbritannien zurückkehren zu lassen, um eine Reparatur durchzuführen. Wegen des Wetters verzögerte sich der erneute Start bis zum Frühling 2022. Diesmal lief das Experiment besser: MAS400 musste dann mitten im Atlantik auf den Azoren einen kurzen Zwischenhalt einlegen, weil ein Schalter überprüft werden musste. Dann ging es weiter Richtung Nordamerika. Am Wochenende vom 28. und 29. Mai trat bei MAS400 ein Problem mit dem Ladestromkreis für die Starterbatterien des Generators auf. Am 30. Mai musste das Team auf den Backup-Navigations-PC umschalten. ProMare entschied sich deshalb, das Schiff nach Halifax im kanadischen Nova Scotia reisen zu lassen, um diese Probleme zu untersuchen und zu beheben. Hier legte es dann vor einigen Tagen auch an. Das angestrebte Ziel wäre eigentlich Provincetown an der amerikanischen Ostküste gewesen.

Wie IBM mitteilt, habe der KI-Kapitän aus den gesammelten Daten gelernt, schlage alternative Möglichkeiten vor, bewerte und optimiere Entscheidungen, verwalte Risiken und verfeinere sein Wissen durch Rückmeldungen. Darüber hinaus gebe es eine transparente Aufzeichnung des Entscheidungsprozesses des KI-Kapitäns, die uns Menschen helfen könne zu verstehen, warum der Kapitän bestimmte Entscheidungen getroffen habe:

«Für IBM uns sind die Herausforderungen des Mayflower Autonomous Ship - Zeit- und Kostenersparnis, verlässliche Vorhersagen und die Lösung komplexer Datenprobleme - nicht einzigartig. MAS steht dafür, was möglich ist, wenn man die Macht der Daten (und der kontinuierlichen, autonomen Datenerfassung) nutzt - und wie Technologie wie KI-gestützte Automatisierung intelligente Daten nutzen kann, um fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen, ganz gleich in welcher Branche.»

Wednesday, June 8, 2022

Armee, Bund und Polizei: Threema populär bei Sicherheitsorganisationen

Nach der Schweizerischen Bundesverwaltung, der Schweizer Armee sowie zahlreichen Stadtverwaltungen und Gemeinden hat sich nun auch die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten dafür entschieden, in Zukunft mit der Schweizer Chat App Threema zu kommunizieren, um ihre Kommunikationsbedürfnisse datenschutzkonform erfüllen.

Threema: 100 Prozent made in Switzerland.
Bei der Polizei wird Threema Work zum Einsatz kommen, eine speziell für die Nutzung in Unternehmen konzipierte Version von Threema, die umfangreiche Administrationsmöglichkeiten, Schnittstellen und Broadcast-Funktionen bietet. Threema Work wird weltweit bereits von über 7'000 Unternehmen eingesetzt. Auf der Threema Website wird erklärt, was die App attraktiv macht:

«Dank modernster Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann niemand ausser dem vorgesehenen Empfänger übermittelte Nachrichten lesen oder mithören, auch nicht Threema als Dienstbetreiber. Für die Nutzung ist keine Angabe personenbezogener Daten erforderlich: Auf Wunsch lässt sich Threema völlig anonym, ohne Preisgabe der eigenen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse nutzen. Weiter ist Threema von vornherein auf Datenvermeidung ausgelegt, weshalb nur so wenige Metadaten wie zwingend nötig anfallen.»

Threema ist 100prozentig Swiss made. Auch die Threema-Server stehen in Schweizer Rechenzentren. Im Gegensatz zu amerikanischen Diensten ist Threema vollständig DSGVO-konform. Mit Threema OnPrem können Organisationen mit hohen Sicherheitsanforderungen Threema Work auf ihren eigenen Servern betreiben – getrennt von Threemas Infrastruktur.

Wie Threemas Sicherheits- und Verschlüsselungsaspekte in die zukünftige EU-Gesetzgebung passen werden, wird sich zeigen. Um gegen Kriminelle vorzugehen, schlägt die EU vor, dass alle Plattformen Überwachungsschnittstellen einrichten müssen – was die Verschlüsselung so gut wie obsolet machen würde. Ausserdem ist eine Vorratsdatenspeicherung grosser Datensätze mit privaten Chats geplant.


Sunday, June 5, 2022

Mit «Oldies» den Fachkräftemangel bekämpfen

Der Fachkräftemangel verschärft sich deutlich. Im IT-Bereich hat der Mangel schon vor Monaten Vor-Corona-Niveau erreicht. Dabei gäbe es ein Reservoir an älteren Mitarbeitern, die vielen Firmen aus der Patsche helfen könnten. 

Stephen Hawkins konnte sich ein Leben ohne
Arbeit nicht vorstellen.               Bild Pixabay

Im letzten Jahr gab es in der Schweiz 1,66 Millionen Senioren – Menschen über 65 Jahre alt. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent in nur zehn Jahren. Aber leider werden ältere Mitarbeiter oft als weniger leistungsfähig, weniger anpassungsfähig und weniger bereit für Neues gesehen, als Ihre jungen Kollegen. Bis im Jahr 2025 wird ein Viertel der Arbeitnehmer über 55 Jahre alt sein. Diese Gruppe von Arbeitnehmern wächst in fast allen Ländern am schnellsten. Gleichzeitig hat es in vielen industrialisierten Ländern mehr offenen Stellen als Bewerber.
Was also tun? 
Die angesehene Harvard Business Review hat sich des Themas angenommen und argumentiert gegen die aktuellen Pensionierungsregeln:

«Wir plädieren dafür, dass die Unternehmen ältere Menschen wieder in die Arbeitswelt einbeziehen und ihnen sinnvolle und wichtige Aufgaben übertragen. Der von der Rentenindustrie propagierte Mythos besagt, dass Menschen über 65 in Rente gehen sollten. Trotz der Milliarden von Dollar, die dafür ausgegeben werden, uns davon zu überzeugen, dass unsere "goldenen Jahre" aus Reisen, Golfspielen und am Pool sitzen bestehen sollten, zeigt die Forschung, dass Menschen, die aufhören zu arbeiten und sich zur Ruhe setzen, häufig unter Depressionen, Herzinfarkten und einem allgemeinen Unwohlsein leiden, weil sie nicht mehr so viel Sinn in ihrem Leben haben. Viele Menschen, insbesondere diejenigen, die eine lange und sinnvolle Karriere hinter sich haben, arbeiten gerne. Um es mit den weisen Worten von Stephen Hawking zu sagen: "Arbeit gibt dir Sinn und Zweck, und ohne sie ist das Leben leer.»

Das Magazin zitiert verschiedene Studien, die belegen, dass der Erfahrungsschatz älterer Mitarbeiter sich für Unternehmen auszahlt. Wenn es darum gehe, neue Dinge zu lernen, gebe es keine Altersgrenze, und je intellektuell engagierter die Menschen im Alter blieben, desto mehr würden sie zum Arbeitsmarkt beitragen. Der beste Weg zur Maximierung von Teamergebnissen bestehe darin, die kognitive Vielfalt zu erhöhen, was wesentlich wahrscheinlicher sei, wenn man Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenarbeiten lasse.

 Die Autoren haben konkrete Vorschläge, wie vermehrt ältere Menschen gewonnen werden können:  

·         Geben Sie älteren Menschen Titel und Aufgaben, bei denen sie ihr Fachwissen einbringen können. Sie können dies tun, ohne notwendigerweise höhere Gehälter anzubieten (um zu verhindern, dass sie durch "billigere" junge Leute ersetzt werden). 

·         Bieten
Sie Möglichkeiten für flexibles Arbeiten. Dazu gehören besser zugängliche Arbeitsplätze mit mehr Licht, größere Schriftarten und andere Dinge, die dazu beitragen können, die Bedürfnisse von Menschen in allen Altersgruppen zu erfüllen.

·         Betrachten Sie die Lohngleichheit nach Stelle und Stufe, nicht nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. Die Dauer der Betriebszugehörigkeit ist kein nützlicher Massstab für die Vergütung, es sei denn, sie spiegelt sich direkt in Erfahrung und Fähigkeiten wider, die für das Unternehmen wertvoll sind. Es ist in Ordnung, wenn eine ältere Person weniger Geld verdient als eine jüngere, wenn sie neu im Job ist. Das ist sogar fair.

·         Machen Sie Altersvielfalt zu einem Teamfaktor. Eine Deloitte-Studie zeigt, dass sich altersgemischte Teams psychologisch sicherer und innovativer fühlen.  

·         Übertragen Sie älteren Arbeitnehmern Führungs-, Aufsichts- und Mentor-Funktionen. In diesen Positionen können diese ihr langjähriges Fachwissen oder ihre Betriebszugehörigkeit einbringen.

·         Stellen Sie ältere Menschen ein. Laden Sie sie ein, aus dem Ruhestand zurückzukehren, und erzählen Sie Ihnen von den Erfolgen älterer Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen.


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