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Wednesday, September 19, 2018

Ein digitales Paradox: Wir misstrauen den Grossen, aber bleiben ihnen treu

Die grossen Digitalkonzerne haben ein Problem, das sich langfristig sehr negativ auf ihre bis anhin sehr lukrativen Geschäfte auswirken könnte: Sie verlieren das Vertrauen der User. Vor allem junge Menschen trauen den Internet-Giganten immer weniger und glauben, dass die Konzerne besser reguliert werden sollten.

In nur 20 Jahren zur fast totalen Marktbeherrschung - aber Google hat ein
Imageproblem.                                                            flickr/creative Commons
Eigentlich ist es ja nicht überraschend: Die meisten Menschen reagieren misstrauisch auf beinahe uneingeschränkte Marktmacht, auch wenn dies oft günstigere Preise zur Folge hat. Das gilt auch und besonders im digitalen Sektor, wo Skandale und Datenmissbrauch in regelmässigen Abständen für Schlagzeilen sorgen. Eine aktuelle Umfrage (von Civey, durchgeführt für NEXT Conference) bei  5000 Internetnutzern in Deutschland hat nun wieder gezeigt, dass Google, Facebook oder Amazon zwar intensiv genutzt werden, aber nicht auf das Vertrauen der Anwender zählen können. Vier Fünftel der jungen Anwender haben wenig oder gar kein Vertrauen in die globalen Digitalkonzerne und meinen, dass der Staat diese Giganten unter die regulatorische Knute nehmen sollte. Allerdings hat dieses fehlende Vertrauen so gut wie keine Konsequenzen - unter anderem weil die digitalen Konsumenten zu bequem sind, andere Anbieter zu nutzen. Ausserdem halten viele User kleinere Anbieter für schlechter.
Dieses digitale Paradox hat viele Wurzeln. Da gab es Cambridge Analytica, Datenmissbräuche allenthalben, und dann sind da noch die so elegant benannten Shitstorms und alle anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der digitalen Kommunikationsformen. Die grossen Digitalkonzerne bieten in diesem Zusammenhang auch die grösste Angriffsfläche - nicht immer mit Berechtigung. Aber gerade Google, jener Konzern, der dieses Jahr 20 Jahre alt wurde und doch bereits den Alltag des grössten Teils der Menschheit beeinflusst, stösst immer mehr an - weil der Konzern zu einer gewaltigen Datenkrake geworden ist. Zitat aus svz.de:
“Die Sammelwut von Google kennt keine Grenzen. Das Unternehmen zapft dafür all seine Produkte, vom Email-Dienst über das Videoportal bis zum Betriebssystem an. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender das eigentlich gar nicht nicht möchten. Das Bundesjustizministerium kritisiert daraufhin Googles Datenschutzpraxis in einem Brief an die oberste Führungsetage des Unternehmens.Vor allem in Europa wird inzwischen auch die Marktmacht von Google kritisch gesehen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es wegen dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Google habe „seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft“, hieß es damals. Im Juli 2018 folgte eine weitere Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Der Grund: Google verlangt von Handyherstellern unter anderem, dass sie bestimmte Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorinstallieren, wenn sie Android verwenden wollen. Ein weiterer Wettbewerbsverstoß.“
Vorläufig können die Internetgiganten mit ihrer Unbeliebtheit leben. Auf die Dauer könnte sich aber daraus ein echtes Problem entwickeln.

Thursday, February 2, 2017

Neid, Depression und Stress – und alles wegen Facebook

Wir stecken mittendrin im Zeitalter der digitalen Kommunikation; unsere digitale Evolution hat aber, zumindest auf der emotionalen Ebene, noch nicht stattgefunden. So kann man die Ergebnisse einer (weiteren) Studie zum menschlichen Umgang mit den Social Networks werten. Diese zeigt, dass Facebook und Co. die Nutzer viel zu oft in negative Gefühlslagen treibt: Depression, Neid und Stress sind die Folge.

Die einen sagen, Facebook mache unglücklich, die andern haben herausgefunden,
dass es "engstirnig" macht. Und trotzdem hat die Social Media Platform gegen
zwei Milliarden User.         
Für viele Internetnutzer sind Soziale Netzwerke ideal, um Kontakte zu pflegen und mit Freunden ihre Aktivitäten zu teilen. Doch die Realität sieht oft anders aus, wie eine aktuelle Studie, die von Kaspersky Lab in 18 Ländern durchgeführt wurde, zeigt. Auf der Jagd nach Gefällt mir-Klicks und sozialer Anerkennung geraten viele Nutzer unter Druck. Die Folge: bleiben Like-Erfolge aus, führt das zu Frustration. So behauptet zum Beispiel ein Viertel der Befragten in Deutschland, dass Social-Media-Nutzung bei ihnen schon zu Niedergeschlagenheit geführt habe und Neid auf Freunde ausgelöst habe, die mehr Likes bekommen.
Negative Gefühle werden auch durch unerwünschte Meldungen im News-Feed ausgelöst: Weil viele User mit Social Media vor allem Kontakte pflegen und Spass und Unterhaltung suchen, werden sie von Werbeeinblendungen oder Nachrichten aus Wirtschaft und Weltpolitik genervt.
Schlechte Gefühle, Like-Neid und Angst vor sozialer Isolation sind bei vielen Nutzern an der Tagesordnung. So belastet es mehr als die Hälfte der Befragten, wenn Freundschaften gekündigt werden. Kritische Kommentare zu eigenen Posts bringen die Hälfte in eine schlechte Stimmung. Führen Freunde ein scheinbar besseres Leben als man selbst, kann sich knapp die Hälfte nicht daran freuen. Und mangelnde Likes eigener Posts machen fast die Hälfte der User unglücklich - was einmal mehr beweist, dass auch Facebook-User vor allem geliebt werden wollen.
Besonders ironisch scheint die Tatsache, dass fast drei Viertel der Anwender sich manchmal sogar selber beneiden, wenn sie durch eigene Posts aus der Vergangenheit stöbern; dann beschleicht sie das Gefühl, das Leben sei früher besser gewesen, als heute...

Der Cyberneid hat gemäss Kaspersky nicht nur Folgen für das persönliche Wohlbefinden, sondern auch für die Datensicherheit: Einige Anwender werden nämlich beim Suchen digitaler Annerkennung leichtsinnig und posten immer mehr persönliche, auch sensible Informationen. Dieser Leichtsinn spielt Cyberkriminellen, beispielsweise für Phishing-Attacken, in die Hände.