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Monday, July 25, 2022

Auch in Deutschland: Huawei hat ein «China-Problem»

Der Chinesische Telekommunikations-Gigant Huawei kommt in Deutschland wieder unter Druck: Laut Medienberichten will die Bundesregierung den Netzbetreibern verbieten, für den 5G-Netzausbau «kritische Komponenten» chinesischer Hersteller zu verwenden.

Die Amerikaner unter Trump waren die ersten, die Huawei vom Ausbau der 5G-Netzwerke ausschlossen. Der Grund: Man befürchtete, der chinesischen Regierung und der kommunistischen Partei Chinas den Zugang zu Informationen zu leicht zu machen, wenn Huawei das Telefonnetz baut. Andere Länder folgten, zum Beispiel Kanada, aber auch Australien und Neuseeland. In der Schweiz wird zumindest über das Huawei-China-Risiko diskutiert, Massnahmen erachtet die Regierung aber vorläufig als unnötig. Nun sieht es so aus, als ob sich in Deutschland diesbezüglich etwas tut:

«Die Bundesregierung könnte deutsche Telekommunikationsanbieter schon bald dazu zwingen, chinesische Komponenten aus ihren Mobilfunknetzen zu entfernen. Das Innenministerium behält sich das Recht vor, die Netzbetreiber anzuweisen, kritische Bauteile von „nicht vertrauenswürdigen“ Herstellern auszubauen – selbst dann, wenn diese schon in Betrieb sind. Die Verwendung bereits verbauter Komponenten könne untersagt werden, „wenn der weitere Einsatz die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland voraussichtlich beeinträchtigt, insbesondere, wenn der Hersteller der kritischen Komponente nicht vertrauenswürdig ist“, bestätigte das Ministerium dem Handelsblatt. Eine solche „Ex-post-Untersagung“ könne „auch den Ausbau der jeweiligen Komponenten umfassen.» (Handelsblatt.com)

Da Huawei im Mobilfunknetzt von Deutschland bereits eine wichtige Rolle spielt, käme eine Huawei-Sperre wohl teuer. Ericsson und Nokia sind die einzigen Ausrüster, die das chinesische Unternehmen ersetzten könnten. Die Telekom verweist gemäss Spiegel darauf, dass sie 5G-Komponenten nur auf den bereits verbauten 4G-Komponenten des gleichen Herstellers aufsetzen könne. Deswegen setze man auf die «Bestandslieferanten» Huawei und Ericsson.

Das Handelsblatt weiss auch, wieso das Thema Huawei in Deutschland plötzlich wieder aktuell ist:

«Die Entscheidung, ob kritische Komponenten von Huawei und ZTE nicht vertrauenswürdig sind, ist zwar offiziell noch nicht gefallen. Doch unter dem Eindruck der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Versuche des Kremls, Deutschland mit einer Drosselung der Gaslieferungen zu erpressen, bewertet die Bundesregierung die Risiken wirtschaftlicher Verflechtungen mit Diktaturen neu.»

 


Friday, September 24, 2021

China verbietet ALLE Bitcoin-Aktivitäten

Wir haben keine Ahnung, wie es mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen weitergehen wird, aber eines ist sicher: Wer mit Kryptowährungen investiert – oder spekuliert – kann sich ständig auf neue "aufregende" Entwicklungen freuen. Die neueste betrifft wieder einmal China – eigentlich eine Bitcoin-Supermacht. Dort sind ab sofort alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Bitcoin illegal und strafbar. 

Eine Weltkarte der Bitcoin-Miner, erstellt von der Universität in Cambridge.
Zum Vergrössern bitte anklicken                                    Screengrab cbeci.org
Die chinesische Zentralbank hat heute Freitag alle Transaktionen mit Bitcoin und anderen virtuellen Währungen
und damit ihre Kampagne gegen die Verwendung von inoffiziellem digitalem Geld intensiviert. Die Regierung begründet diese Massnahmen damit, dass digitale Währungen das Finanzsystem stören und für Straftaten verwendet werden. Damit hat sie natürlich nicht ganz Unrecht – und steht auch nicht alleine da. Auch die Finanzbehörden anderer Länder sehen das Wachstum der Kryptowährungen nicht gern: Diese Geldströme entziehen sich zum grössten Teil den Regierungen – und den Steuerbehörden. In den USA hielt der Vorsitzende der Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde fest, dass der  Kryptowährungsmarkt "voll von Betrug, Schwindel und Missbrauch" sei – ein finanzieller "Wilder Westen".

Der Bitcoin-Preis fiel nach der Ankündigung der Chinesen um mehr als 9 Prozent. Ethereum rutschte um fast 10 Prozent ab.

China war und ist eine eigentliche Kryptowährungs-Grossmacht. Noch vor zwei Jahren verbrauchte China allein etwa drei Viertel des gesamten Stroms für Krypto-Mining und damit bei weitem am meisten in der Welt (gemäss Cambridge BitcoinElectricity Consumption Index). Im April dieses Jahres war der Anteil Chinas zwar auf 46 Prozent zurückgegangen, das ist immer noch viel mehr als die USA verbrauchen, die mit 17 Prozent auf dem zweiten Platz stehen.

Thursday, August 6, 2020

TikTok: Aus Spass wird Politik

Vor einigen Jahren war es nur eine kleine App, um kurze Videos zu posten und zu teilen. Eine App, die vor allem von Kindern und Jugendlichen genutzt wurde. Dann wurde die App, die aus China stammt, so richtig erfolgreich – und die Schwierigkeiten mit der Politik begannen. Nun stehen die Tiktok-Erfinder vor der Wahl: Verkaufen oder verlieren. Facebook (Instagram) hat zur Sicherheit schon mal eine sehr ähnliche App auf den Markt gebracht.

Die Zukunft von TikTok ist ungewiss.            Bild pixabay
Am letzten Freitag wurde der amerikanische Präsident Trump ganz konkret: An Bord seiner Boeing-747 erklärte er, er werde die populäre Video-Sharing-Anwendung TikTok in den USA verbieten. Gedroht hatte der Präsident mit dieser Massnahme schon seit etwa einem Monat. Der Grund: Den amerikanischen Behörden gefällt es gar nicht, wie das chinesische Unternehmen amerikanische Benutzerdaten sammelt und – angeblich – weitergibt. Das Wochenende kam, und Präsident Trump sprach dann doch keinen Bann aus, dafür gab es in den Medien eine angeregte Diskussion darüber, ob und weshalb Microsoft TikTok kaufen oder nicht kaufen könnte.
TikTok hat heute 100 Millionen US-User und ist zu einer der am häufigsten heruntergeladenen Apps aller Zeiten geworden – und damit automatisch auch zu einem Konkurrenten von Facebook und Google. Die Übernahme von TikTok müsste sowohl von den US-Aufsichtsbehörden als auch von den Kartellbehörden genehmigt werden, und obwohl es andere Unternehmen oder Investoren geben könnte, die an TikTok interessiert sind, scheint Microsoft in einer guten Position zu sein, sich sowohl TikTok leisten zu können (der Kaufpreis wird auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt) als auch die Genehmigung der US-Regierung zu erhalten.
Allerdings ist die Situation seit Präsident Trumps Bemerkungen nicht mehr ganz klar. Microsoft habe die Verhandlungen pausiert, heisst es. Auf der anderen Seite hat Microsoft bereits klar gemacht, was nach einem etwaigen Kauf des Unternehmens geschehen würde. Man werde dafür sorgen, dass alle US-Benutzerdaten in die USA transferiert und von ausländischen Servern gelöscht würden. Wie Microsoft dieses Ziel erreichen will, wurde nicht erklärt. Microsoft versprach auch, dass die Sicherheit und der Datenschutz der App verstärkt würden. Man sei sich voll und ganz bewusst, wie wichtig es sei, auf die Bedenken des Präsidenten einzugehen, gab das Unternehmen bekannt. Man werde sich jetzt nicht mehr weiter zum Thema äussern, teilte das Unternehmen mit und  bedankte sich beim Präsidenten für seine Einmischung:
“Microsoft schätzt das persönliche Engagement der US-Regierung und von Präsident Trump wenn es darum geht, die USA sicherer zu machen. Diese Gespräche sind vorläufig, und es kann nicht garantiert werden, dass eine Transaktion, an der Microsoft beteiligt ist, durchgeführt wird. Wir haben nicht die Absicht, weitere Informationen zu publizieren, bis ein endgültiges Ergebnis unserer Gespräche vorliegt.“
Für Präsident Trump könnte ein Bann von Tiktok auch politisch negative Folgen haben, schreibt das Wirtschaftsmagazin Forbes, schliesslich stehen im November Wahlen an:
“Die riesige TikTok-Benutzerbasis ist so wertvoll, dass es schwierig ist, sich vorzustellen, dass kein kommerzieller Ausweges gefunden wird. Der politische Rückschlag gegen destruktive Maßnahmen wäre wahrscheinlich schwerwiegend. Nicht nur von den vielen Millionen US-TikTok-Nutzern, sondern auch von den Medien und den grossen Technologieunternehmen, die es nicht gerne sehen würden, wenn ein Technologie/Medienunternehmen auf diese Weise zu Fall gebracht würde.“

Tuesday, June 2, 2020

Huawei 5G: “Die Schweiz fliegt unter dem Trump-Radar“

Der chinesische Technologiegigant Huawei macht weltweit beliebte und qualitativ hochwertige Smartphones. Das ist aber nur ein Teil des Portfolios. Huawei stellt vor allem Telekommunikationsausrüstung her, die im Bereich 5G führend sind. Trotzdem hat das Unternehmen in vielen Ländern der Welt ein Problem: Dass es aus China kommt und sehr eng mit dem chinesischen Staat verbandelt ist, hat zu einem Vertrauensverlust geführt, der dem Geschäftsgang nachhaltig schaden könnte.

Huawei's Hauptsitz in Shenzhen, China                    Bild Wikimedia Commons
Es gibt keinen Zweifel daran, dass Huawei eine enorm erfolgreiche Firma ist. Das Unternehmen wurde vor 33 Jahren in China gegründet, verzeichnete schnelles Wachstum und konnte im letzten Jahr globale Umsätze von 122 Milliarden US-Dollar verbuchen. Doch weil die amerikanische Handelspolitik gegenüber China unter Präsident Donald Trump in den letzten Jahren vor allem durch Rivalität und amerikanischen Protektionismus geprägt war, hat Huawei im Ausland vielerorts mit Gegenwind zu kämpfen. Das letzte Beispiel: Der grösste kanadische Telekommunikationsdienstleister Bell Canada wählte diese Woche das schwedische Unternehmen Ericsson als Lieferant für die 5G-Netzwerkausrüstung aus - Huawei geht trotz führender Technologie leer aus.  Als Land hat Kanada noch nicht entschieden, ob es Huawei Tech generell erlauben wird, 5G-Mobilfunknetze aufzubauen. Kanada ist bezüglich Huawei allerdings in einer sehr speziellen Situation. Huaweis COO Meng Wanzhou sitzt seit etwa einem Jahr in Vancouver fest, wo ein Verfahren für ihre Auslieferung an die USA läuft, wo sie sich einer Anklage wegen Bankbetrugs stellen musst - wenn es je soweit kommen wird. Aber auch in anderen Ländern wird die Luft für Huawei dünner:  Telefonica Deutschland hat Ericsson mit dem Aufbau seines 5G-Kernmobilfunknetzes in Deutschland beauftragt, da die Wahl des schwedischen Anbieters die Sicherheit seiner Dienste der nächsten Generation gewährleisten werde. Deutschlands drei Hauptbetreiber wollen Huawei von ihren Netzkernen fern halten und sich nur noch bei den weniger empfindlichen peripheren Funkzugangsnetzen weiterhin auf den chinesischen Anbieter verlassen. Immerhin: Im Gegensatz zu den USA und Australien hat bis jetzt kein Europäisches Land Huawei formell blockiert, und die meisten der derzeitigen globalen 5G-Verträge des Unternehmens bestehen mit Unternehmen, die innerhalb Europas tätig sind.
Wie es in der Schweiz bezüglich Huawei aussieht, hat die Wirtschaftsagentur Bloomberg kürzlich in einem Artikel zusammengefasst. Titel:  Huawei ist im europäischen 5G-Himmel weil die Schweizer sich Trump widersetzen. Der Untertitel: Die Schweiz wählt Huawei 5G - und fliegt unter dem Trump Radar. Die Geschichte zur Schlagzeile:
“Während sich andere Länder in Europa mit den Befürchtungen der USA auseinandersetzen, dass Huawei sie für chinesische Spionage anfällig machen könnte, baut die Schweiz im Stillen ein Netzwerk mit dem Unternehmen auf. Die Schweizer sind durch das frühe Aufkommen privater und öffentlicher Netzwerke weitgehend unerkannt zu weltweiten Leadern bei der Einführung der 5G-Technologie geworden. Unternehmen vom Flughafen Zürich über den nationalen Postdienst und die Eisenbahn bis hin zum Nahrungsmittelgiganten Nestle SA und der Zürich Versicherungen haben bereits private Netzwerke mit Sunrise, deren Exklusivlieferant Huawei ist, aufgebaut oder planen das…“
Die Schweizer Regierung habe eine sehr neutrale und objektive Bewertung von Huawei durchgeführt und sei zu dem Schluss gekommen, dass es keine signifikanten anderen Risiken in der Technologie und in Huawei als Unternehmen gebe, gab Sunrise-CEO Andre Krause in einem Interview zu Protokoll, schreibt Bloomberg. Und er räumte ein, dass sich der ständige Druck auf Huawei “irgendwann“ auch auf Sunrise auswirken könne.

5G ist eine wichtige Technologie für die IT-Zukunft, und Huawei ist nicht die einzige Hürde, welche in diesem Zusammenhang genommen werden muss. Auch innenpolitisch sind noch nicht alle Weichen gestellt, da der Widerstand in einigen Bevölkerungsgruppen gross ist. Bald wird sich zeigen, welche Hürde die höhere ist.

Monday, September 23, 2019

Der Kampf mit der unfairen chinesischen Konkurrenz

Jahrelang wurde er akzeptiert, wie ein Naturereignis: der unaufhörliche Tsunami an Billigwaren, der von China in die westliche Welt schwappte und dafür sorgte, dass unsere Geräte, Gadgets und Bekleidung immer billiger wurden - in jeder Beziehung. Die Erkenntnis, dass diese Warenflut durchaus auch negative Seiten hat, scheint sich langsam auf breiterer Front durchzusetzen, vor allem auch was den Onlinehandel betrifft.

Von 1001 Nacht in die Wirklichkeit: Der Ali-Baba-Hauptsitz in Hangzhou,
China.                                                                                         Bild Wikipedia
Bis jetzt war es vor allem der amerikanische Präsident Donald Trump, der sich mit seiner aggressiven Haltung gegenüber Chinas Handelspraktiken profiliert hat. Dieser Handelsstreit wird so schnell nicht beendet sein und wirkt sich weltweit aus. Unter anderem auch darin, dass jetzt längst nicht mehr nur in den USA davon geredet wird, dass die chinesischen Handelspraktiken oft unfair sind. So berichtet die NZZ am Sonntag in ihrer letzten Ausgabe, über die illegale Methoden Chinesischer Händler, um im deutschsprachigen Raum Kunden zu gewinnen:
“Der Selbstversuch klappt. Über eine Facebook-Gruppe wird man in die nächste eingeladen. Dann ist man plötzlich in einer sogenannten «Produkttester-Gruppe» für Amazon-Produkte drin. Es ist eine Welt voller Gratisangebote. “Testen“ muss man nichts. Es reicht, das Babyfon, den Bürostuhl oder die Koffein-Tabletten beim Online-Marktplatz Amazon zu bestellen. Danach hinterlässt man eine positive Bewertung in deutscher Sprache - das ist so abgemacht. Der chinesische Hersteller, bei dem man bestellt hat, überweist einem dann den Kaufpreis zurück. Oft noch mit einem Sackgeld obendrauf. Das ist illegal. Es täuscht Kunden und verstösst gegen die Amazon-Richtlinien. Die Gruppen in den sozialen Netzwerken existieren deshalb auch nur für ein paar Wochen. Dafür landen die Händler weit vorne in der Amazon-Suche.“
Das Fazit der NZZ: 
“Die Luft ist raus: Europäische Händler auf Amazon kommen gegen die Konkurrenz aus Fernost nicht mehr an.“
Ins gleiche Horn bläst auch das Online-News-Portal heise.de. Unfaire Konkurrenz aus China koste allein die deutsche Onlinehändler bei Elektronikartikeln eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr. Das sei eine massive Schädigung des deutschen Standorts und koste Tausende Arbeitsplätze, sagt Gero Furchheim der Präsident des Verbandes für E-Commerce und Versandhandel. Eines der Probleme sind die niedrigen Postgebühren, die in China bezahlt werden.  Die USA und andere Industrieländer wollen dem nun im Weltpostverein einen Riegel schieben:
“Die niedrigen Tarife gehen auf eine Regelung der Organisation zurück, der seit 1874 den internationalen Postverkehr regelt. Sie waren zur Unterstützung armer Länder gedacht, führen aber angesichts der Flut von Online-Bestellungen in China nun zu Verärgerung. "In Europa zahlen Händler das Zwei- bis Dreifache", sagte Furchheim. […]"Der Handel mit Direktlieferungen aus China wächst mit großer Dynamik", sagte Furchheim. "Wir schätzen, dass allein Elektrogeräte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr direkt aus China an private Haushalte in Deutschland geliefert werden."
Unfair seien aber nicht nur die Postgebühren, monieren lokale Händler: Ausländische Anbieter sparten sich Kosten für Sicherheitstests sowie Steuern und Abgaben. Deshalb kämen massenhaft mangelhafte Geräte auf den deutschen Markt.
Trotzdem sieht es nicht so aus, als ob sich die chinesische Warenflut im Westen bald abschwächen wird. Die Konsumenten lieben die billige Ware viel zu sehr. Es ist deshalb nur logisch, dass Ali Baba, die grösste chinesische Handelsplattform, auch hier immer mehr Marktanzeile gewinnt, wie auch das Magazin Bilanz mit mehr Bewunderung als Verwunderung festhält:
“Mit zuletzt geschätzt 475 Millionen Franken ist Aliexpress hierzulande bereits der viertgrösste Onlinehändler – hinter Zalando, Digitec Galaxus und Amazon. Kunden bestellten erst Ladekabel, Adapter, Handyhüllen und Billigschmuck. Nun werden über die App auch Kleider, Schuhe und Haushaltsgeräte gekauft. Zu Preisen, die Schweizer Händler verzweifeln lassen…“


Thursday, August 29, 2019

Big Brother überwacht Sie - an der Türklingel

Wir werden nicht gerne überwacht - vor allem wenn wir nicht wissen, dass uns jemand beobachtet und abhört. Was wir gemeinhin Privatsphäre nennen, bedeutet uns viel, ist aber im digitalen Zeitalter immer schwieriger zu bewahren, weil die Überwachungsinstrumente immer leistungsfähiger, billiger und zahlreicher werden.

Eine Überwachungsanlage in der Türklingel: die digitale Technik machts
möglich.                                                                               Amazon Screengrab
Überwachung ist nicht nur schlecht: Wir freuen uns, wenn Kriminelle aufgrund von Überwachungsvideos dingfest gemacht werden, und wir haben Verständnis dafür, dass Einkaufsläden ihre Waren mit Kameraüberwachung vor Ladendieben schützen. Bei uns im Westen sind wir noch sehr weit vom totalen Überwachungsstaat entfern, den George Orwell in seinem ewigen Bestseller “1984“ gezeichnet hatte, obwohl ein solcher Staat dank digitaler Technologie inzwischen möglich geworden ist - wie China beweist:
“Die chinesischen Hightech-Überwachungstechnologien und -Systeme verwenden fortgeschrittene Künstliche Intelligenz (KI), um die riesigen Datenmengen, die per Gesichtserkennung, DNA-Proben, Biometrik, GPS, allgegenwärtige, hochauflösende Überwachungskameras, intrusive Apps auf Mobiltelefonen, Computersoftware, Smart-TVs und Drohnen gesammelt werden, zu verarbeiten und zu analysieren […]Die Los Angeles Times berichtet, dass China 176 Millionen öffentliche und private Überwachungskameras installiert hat – für 1,4 Milliarden Einwohner. Darunter auch Kameras an jedem Wohnblock in der Hauptstadt Peking. Allerdings plant China landesweit die Installation von 626 Millionen Kameras bis 2020.“
Videoüberwachung muss aber nicht immer staatlich sein - sie kann privat kommen, sich auf leisen Sohlen bei durchaus gesetztestreuen Bürgern verbreiten und plötzlich zu einem System werden. Wie das jetzt scheinbar in den USA mit Video-Türklingeln der Marke “Ring“ passiert. Video-Türklingeln funktionieren mit WLAN und überwachen nicht nur die Haustür, sondern, per Weitwinkel, auch den Vorhof oder sogar die davor verlaufende Strasse. Sie schalten auf Aufnahme, wenn jemand klingelt oder in den Bereich der Bewegungssensoren gerät und melden sich beim Smartphone des Besitzers. Das ist sehr praktisch, wie bei Amazon nachzulesen ist, wo die Geräte verkauft werden:
  • Die Klingel ermöglicht es Ihnen, Besucher von Ihrem Telefon, Tablet und PC aus zu sehen, zu hören und mit ihnen zu sprechen.
  • Sendet Warnmeldungen, sobald eine Bewegung erkannt wird oder wenn Besucher die Türklingel drücken.
  • Überwacht Ihr Zuhause in 1080HD-Video mit Infrarot-Nachtsicht.
  • Ermöglicht es Ihnen, jederzeit ihr Grundstück zu kontrollieren, mit Live-Video auf Verlangen.
Genau diese Überwachungsfunktionen nutzen nun in den USA auch hunderte von Polizeidienststellen, die dafür immerhin die Erlaubnis der Eigentümer einholen - in Zusammenarbeit mit dem Hersteller der Video-Türklingel. Dieses Überwachungsnetz, das gemäß SFGate jetzt schon im ganzen Land funktioniert und aus Millionen von Kameras besteht, hat die Datenschützer aufgeschreckt, wie verschiedene Medien berichten:
“Rechtsexperten und Datenschutzbeauftragte haben Alarm über die zunehmend enge Beziehung des Unternehmens zur Polizei geäußert und gesagt, dass das Programm die bürgerlichen Freiheiten bedrohe, die Bewohner in Informanten verwandle und unschuldige Menschen erfasse... [...]
"Wenn die Polizei von jedem Bürger verlangen würde, dass er eine Kamera an seiner Tür befestige und der Polizei Zugang zu ihr gewähre, würden wir alle erschrecken", sagte Andrew Guthrie Ferguson, Rechtsprofessor und Autor von "The Rise of Big Data Policing". Indem Ring "ein vermeintliches Bedürfnis nach mehr Selbstüberwachung und die Angst der Verbraucher vor Kriminalität und Sicherheit" nutze, habe das Unternehmen "einen cleveren Workaround für die Entwicklung eines völlig neuen Überwachungsnetzes gefunden, ohne die Aufsicht, die stattfinden würde, wenn ein solches Netz von der Polizei oder Regierung kommen würde."


Friday, March 22, 2019

Gesichtserkennung macht das digitale Netz engmaschiger

Gesichtserkennung könnte der nächste grosse Schritt im digitalen Alltag werden - dafür gibt es klare Anzeichen. Computer-Power und künstliche Intelligenz führen dazu, dass heute sogar gewisse Smartphones in der Lage sind, Gesichter zu erkennen. Die Technologie ist zwar unheimlich praktisch, birgt aber auch viele Gefahren, was den Schutz der persönlichen Freiheit betrifft.

Wer ist wer? Digitale Gesichtserkennung kann diese Frage in vielen Fällen
beantworten.                                                                    Wikimedia Commons
Dass Gesichtserkennung auch zur Einschränkung persönlicher Freiheiten genutzt werden kann, zeigt sich in China, wo der Staat ein digitales Überwachungssystem aufbaut, mit dem alle Bürger kontrolliert werden sollen - und zwar in so gut wie allen Lebensbereichen. Dazu setzen die Behörden auch Gesichtserkennung ein - um gute und schlechte Bürger zu identifizieren. Personen, die mit ihrem Verhalten nicht den Erwartungen des Staates entsprechen, müssen mit Konsequenzen rechnen: Sie können zum Beispiel keine Tickets für Flüge oder Hochgeschwindigkeitszüge kaufen oder in bestimmten Hotels logieren. Gesichtserkennung ist in China auch sonst im Mainstream angekommen: In der Tech-Metropole Shenzhen wird der Kauf von U-Bahn-Fahrten aufgrund von Gesichtserkennung getestet, wie die South China Morning Post kürzlich berichtet hat.
Auch im Westen ist Gesichtserkennung im Alltag angekommen - ohne dass wir es gemerkt haben. So wird die Technologie vor allem zur Rechtsdurchsetzung benutzt, wie wir an dieser Stelle schon berichtet haben:
“Detailhandelsgeschäfte seien heute in der Lage, durch den Einsatz digitaler Gesichtserkennung einen registrierten Ladendieb zu erkennen, bevor er zwei Schritte in einen Laden getan hat. Registrierte Gesichter sind  in diesem Fall solche, die bereits einmal gesetzlich oder privat für einen solchen Diebstahl belangt worden sind.  Es dauere nicht einmal eine Sekunde, ein von einer Kamera erfasstes Gesicht automatisch mit einen Datenbank, die Bilder von 25 Millionen Menschen enthalte, abzugleichen, sagt Peter Trepp, CEO der kalifornischen Firma FaceFirst.“
Gesichtserkennung habe “ungeahnte Folgen“, titelt heise online. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Überwachungssysteme der Polizei zugänglich mache, nehme ständig zu:
“Würde die Polizei selbst überwachen, bräuchte sie einen Anlass und häufig einen Gerichtsbeschluss. Diese Schranken kann sie umgehen, wenn sie auf Kameras und Gesichtserkennung Privater zugreift. Auch an US-Grenzen gibt es immer mehr Gesichtserkennung, und selbst dort ist nicht geregelt, wie hoch die Erkennungssicherheit sein muss, bevor ein gemeldeter Treffer als zuverlässig akzeptiert werden darf.
"Wenn wir diese Technik nicht wirklich einschränkten, laufen wir Gefahr, unsere alltägliche Freiheit zu verlieren – uns anonym fortzubewegen, ohne verfolgt und identifiziert zu werden", sagte Neema Singh Guliani, Anwalt der Bürgerrechtsorganisation ACLU …“
Das Samsung Galaxy S10+ bietet bereits Gesichtserkennung für die Entsperrung des Smartphones. Allerdings lasse sich das System gemäß Medienberichten relativ leicht in die Irre führen. Die Gesichtserkennungstechnologie ist also noch nicht total zuverlässig, wird aber trotzdem schon von staatlichen und privaten Ordnungskräften eingesetzt. Umso notwendiger scheint es, in freiheitlichen Gesellschaften den ungeregelten Einsatz der Technologie einzuschränken. Denn, wie heise.de berichtet, können auch gesetzestreue Bürger im digitalen Netz hängenbleiben:
“Eine US-Ladenkette sucht bereits automatisch nach Personen, die in irgend einer Filiale des Ladendiebstahls beschuldigt wurden, wie Cnet berichtet. Meldet das Kamerasystem einen Treffer, werden Sicherheitskräfte alarmiert. Auf eine Verurteilung der Person kommt es nicht an, zudem kann es sich um einen Fehlalarm handeln. Der Systemlieferant bietet schon ein Cloudsystem an, über das verschiedene Unternehmen ihre schwarzen Listen mit Gesichtern Verdächtiger miteinander teilen könnten. Wer einmal auf einer solchen Liste landet, könnte bald erhebliche Schwierigkeiten beim täglichen Einkauf bekommen. Zudem können auch Unverdächtige später in unabsehbarer Weise ausgewertet werden: Manche Systeme rastern und speichern grundsätzlich jedes Gesicht, das sie vor die Linse bekommen…“

Thursday, October 4, 2018

Chinesische Servertechnologie - Spionagechips inbegriffen

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, welche die Story aufgedeckt hat, nennt die Affäre “The Big Hack“. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, was die Journalisten von zahlreichen unabhängigen und Regierungsquellen herausgefunden haben, handelt es sich tatsächlich um eine grosse Sache. Chinesische Hardware, die in zahlreichen grossen Unternehmen als Cloud-Server verbaut wurde, sei ab Fabrik mit Spionage-Chips verseucht gewesen. Die USA beschuldigen die Chinesische Armee.

Wenn die Spionage-Hardware gleich in der chinesischen Chipfabrik in den
Server eingebaut wird, wird es schwierig, mit der Datensicherheit.     Bild CC
Die Bloomberg-Geschichte liest sich wie eine Cyber-Crime-Story, die auf Netflix eine spannende Serie abgeben würde. Sie beginnt mit Amazons Evaluation eines Start-Ups im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Die Firma, genannt Elemental, stellte Video-Kompressionssoftware her, die auch im US-Verteidigungskomplex verbreitet eingesetzt wird. Als es dann darum ging, das Hauptprodukt der Firma zu untersuchen, die teuren Cloud-Server, die Elemental ihren Kunden verkauft, gab es eine böse Überraschung, wie Bloomberg schreibt:
“Auf den Mainboards der Server, fanden die Tester einen winzigen Mikrochip, nicht viel grösser als ein Reiskorn, der nicht Teil des ursprünglichen Designs war. Amazon meldete die Entdeckung den US-Behörden - und ein Schaudern ging durch die Geheimdienste. Die Server von Elemental befinden sich nämlich in den Rechenzentren des Verteidigungsministeriums, den Drohnenoperationen der CIA und den Bordnetzen der Kriegsschiffe der Marine. Und Elemental war nur einer von Hunderten von Supermicro-Kunden. Während der anschliessenden streng geheimen Untersuchung, die mehr als drei Jahre später immer noch offen ist, stellten die Ermittler fest, dass die Chips es den Angreifern erlaubten, eine verdeckte Tür zu jedem Netzwerk zu öffnen, das mit den geänderten Computern ausgestattet war. Mehrere Personen, die mit der Materie vertraut sind, sagen, dass Ermittler herausgefunden haben, dass die Chips in Fabriken eingebaut wurden, die von Subunternehmern in China betrieben werden.“
Die Geschichte wurde natürlich bereits von vielen europäischen Medien aufgegriffen, und man darf davon ausgehen, dass die Affäre auch betreffend der politisch-wirtschaftlichen Verwerfungenen zwischen den USA und China nicht hilfreich sein wird, weil sie dem chinesischen Staat, Spionage und Wirtschaftsspionage genauso vorwirft, wie das auch der amerikanische Präsident zu tun pflegt. Ein Problem gibt es allerdings noch. Die betroffenen Internetgiganten dementieren allesamt:
“Unklar ist, ob die Firmen von den manipulierten Chips wussten. Laut Bloomberg wurden die Spionagechips aus China bereits 2015 von Apple entdeckt, wo es offenbar zu ungewöhnlichen Netzwerkaktivitäten kam. Apple soll die Informationen auch an das FBI weitergeben haben, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Auch Amazon soll den US-Behörden nach der Entdeckung der manipulierten Teile Zugang zu seiner sabotierten Hardware gegeben haben. Die beiden Unternehmen stellen dies aber in Abrede. Man habe keinerlei manipulierte Chips oder Hardware auf Unternehmensservern gefunden, teilten sowohl Amazon als auch Apple mit. Supermicro wollte den Bericht nicht kommentieren.“


Monday, May 14, 2018

Einkaufen im grossen weiten Internet kann Ihre Gesundheit gefährden


Die Schweizer kaufen gern im Ausland ein - und zwar nicht nur im benachbarten Ausland. Die Umsätze fernöstlicher Internetshops mit Schweizer Kunden steigen rasant an: Online-Shopping-Umsätze im Ausland haben sich seit sieben Jahren verdreifacht. Das kann zu Problemen führen, die nicht nur den Schweizerischen Detailhandel betreffen, sondern auch die betroffenen Konsumenten.

Einkaufen in Shanghai ohne dass man die schlechte Luft einatmen muss: Das
Internet hat es möglich gemacht.                                   Bild Creative Commons
In der Schweiz gibt es ein mit einem sperrigen Namen ausgestattetes Amt, das elektronische und elektrische Produkte unter die Lupe nimmt, die direkt importiert werden: Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI). Die Prüfer haben gute Gründe, vor billigen Geräten zu warnen. Im letzten Jahr mussten volle 14 Prozent der kontrollierten Geräte bemängelt werden. In der Folge wurden 108 Verkaufsverbote verfügt. Besonders betroffen waren portable Haushaltgeräte, Stecker und Adapter, Zeitschaltuhren, Akkus und Ladegeräte von Laptops und Smartphones, sowie verschiedenste Produkte mit unzulässigen Steckern. Das ESTI warnt ausdrücklich vor Online-Einkäufen von billigen elektrischen Geräten direkt aus Fernost. Vielfach seien solche Geräte Nachahmer-Produkte, welche im längeren Betrieb durch den Einbau von elektrisch mangelhaften Komponenten  und einer rudimentären Bauweise unsicher werden könnten.
Ob sich diese Warnung auf die Einkäufe bei Chinesischen Onlineshops auswirken wird, darf bezweifelt werden. Im letzten Jahr flossen 1,6 Milliarden Franken an Online-Umsätzen ins Ausland. Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV), das Marktforschungsunternehmen GfK und die Schweizerische Post gehen davon aus, dass die Online-Einkäufe im Ausland weiterhin überdurchschnittlich wachsen werden, vor allem auch in China. Seit 2015 habe eine erste Welle an Direktimporten aus China die Schweiz erfasst, teilten die Organisationen anfangs Jahr mit. Man gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung bis 2020 fortsetze und zusätzlichen Preisdruck im Markt erzeugen werde.
Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) hat denn auch einen guten Ratschlag für Internet-Shopper, die sich in Zukunft in China mit billiger Elektronik eindecken möchten:
“Das ESTI empfiehlt Konsumentinnen und Konsumenten, beim Kauf von elektrischen Geräten auf Anbieter mit einem erreichbaren und kompetenten Kundendienst in der Schweiz zu setzen und auf aussagekräftige Bedienungsanleitungen sowie auf dem Gerät angebrachte Prüfzeichen zu achten. Ein anerkanntes Schweizer Prüfzeichen ist beispielsweise das Sicherheitszeichen des ESTI. Geräte mit dem Sicherheitszeichen sind unter www.esti.admin.ch veröffentlicht…“
Ein Kundendienst der “erreichbar und kompetent“ ist, kann auch in der Schweiz Glückssache sein. Genauso wie "aussagekräftige Bedienungsanleitungen"...

Wednesday, September 1, 2010

Wird "made in China" zu teuer?

Mein MP3-Player, mein Laptop und mein Hemd haben etwas gemeinsam: Sie alle haben irgendwo “made in China“ aufgedruckt. Doch nun scheint sich eine gegenläufige Entwicklung abzuzeichnen.

Made in China - und trotzdem Amerikanisch...?
Bild: Bill Bradford
Man darf wohl sagen, dass der Chinesische Boom entscheidend zur Popularisierung unzähliger Gadgets im globalen digitalen Zeitalter beigetragen hat. Niedrigste Löhne und kaum vorhandene Sozialleistungen machten es möglich, extrem billig zu exportieren. In letzter Zeit haben nun aber chinesische Arbeitnehmer in verschiedenen grossen Fabriken begonnen, sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu wehren. Das hat zu steigenden Löhnen im Reich der Mitte beigetragen:
Hinter den Kulissen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht mit ihren schillernden Wachstumszahlen brodelt es gewaltig. China stößt mit seinem Modell der Billigwerkstatt an seine Grenzen. Viele Flüsse und Seen sind infolge der Billigproduktion, die auf die Umwelt keine Rücksicht nahm, verunreinigt. Immer häufiger kommt es zu Streiks und Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten und teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen fordern Fabrikarbeiter höhere Löhne. Mit Erfolg. Höhere Löhne sind auch ein Zeichen, dass der wirtschaftliche Aufschwung bei der Bevölkerung ankommt. Das ist ganz im Interesse der Regierung, die darauf baut, dass die Kaufkraft im Land steigt. Für Schlagzeilen sorgte jüngst eine Selbstmordserie beim Elektronik-Hersteller Foxconn. Die meisten Provinzen und Städte mussten in den vergangenen Monaten ihre Mindestlöhne in die Höhe schrauben.
Mit anderen Worten: Produkte aus China, vor allem Elektronik und Kleider, werden teurer. Das sieht auch ein Wirtschaftsbericht der Credit Suisse so, der im Übrigen davon ausgeht, dass die höheren Preise nicht vollständig auf die Konsumenten überwälzt werden können, was die Margen der Firmen, die in China herstellen lassen, schmelzen lassen wird.
Doch wohin gehen jene Firmen, denen China langsam zu teuer wird? General Electric, ein riesiger Amerikanischer Konzern, will gewisse Produktionsstätten wieder von Asien nach Kentucky verlegen – zwar sind die Löhne dort höher, dafür kann man Transportkosten sparen. Standorte, die tiefere Löhne als China bieten, liegen ebenfalls in Asien, wie der Telegraph berichtet:
“Credit Suisse's survey of executives found that 55pc of foreign firms in China could relocate plant to Bangladesh, Vietnam, Indonesia or other low-cost regions relatively easily, though it would be costly…”
Der Preiskampf im Elektronikbereich wird also weitergehen und der Lebensstandard in China hoffentlich weiter ansteigen. Zu stark sollte man allerdings nicht auf eine uneingeschränkte Fortsetzung des Booms zählen. Jedenfalls sind die Zahlen, die China Daily kürzlich gemeldet hat, beunruhigend: Mehr als die Hälfte aller Wohnungen in Chinesischen Grossstädten stünden leer – finanziert wurden sie durch Spekulanten, auch aus dem Westen.