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Tuesday, May 14, 2019

Smartphones: Huawei überholt Apple und verspricht, nicht zu spionieren

China mag mit seiner globalen Handels- und Machtpolitik eine Bedrohung für andere Nationen darstellen - die Konsumenten scheint es nicht zu kümmern. Huawei Technologies Co., jener chinesische Konzern, der vielerorts verdächtigt wird, mit seiner Technologie Spionage zu betreiben (und dies vehement bestreitet), ist jetzt im Smartphone-Sektor grösser als Apple geworden und steht damit auf dem zweiten Rang hinter Samsung.

                                                                                                         Quelle: IDC
Huwai, der Netzwerkriese, sei im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um volle 50 Prozent gewachsen, schätzt Marktforscher IDC. Huawai ist die einzige Marke unter den grossen vier Smartphone-Herstellern, der es gelungen ist, das Verkaufsvolumen zu steigern, obwohl der Gesamtmarkt seit anderthalb Jahren  schrumpft. Huawei ist Apple und Samsung mit einem zunehmend hochwertigen Geräteportfolio auf den Fersen, insbesondere im Heimatmarkt China.
Tatsächlich steht Apple im Moment im Gegenwind - vor allem auch wegen der Unstimmigkeiten im Verhältnis zwischen den USA und China. Das wird es schwierig machen, die Verkaufszahlen zu steigern.
Apple ist besonders anfällig für einen Handelskrieg mit China. Weil eben die iPhones hauptsächlich in China zusammengestzt werden, obwohl Apple auch zahlreiche amerikanische Lieferanten hat. Das heisst, dass das Endprodukt bei der Wiedereinfuhr in die USA genau so verzollt werden muss, wie ein 100prozentig chinesisches Produkt. Experten schätzen, dass ein 25prozentiger Zoll auf dem iPhone zu einer Preiserhöhung von 160 US-Dollar für das iPhone XS führen könnte.Wenn Apple die Zölle absorbieren würde, könnte das im nächsten Jahr zu einem Gewinnrückgang pro Aktie von mehr als 20 Prozent führen. Diese Aussichten haben seit Anfangs Mai bereits zu einem kräftigen Rückgang des Aktienkurses geführt.
Huawei, dessen Exporte in die USA natürlich auch von den amerikanischen Strafzöllen betroffen sind, hat inzwischen eine PR-Offensive gestartet, was den Verdacht der Spionage für die chinesische Regierung betrifft:
“Der Konzern sei bereit, Erklärungen abzugeben, dass mit den Produkten von Huawei keine Spionage betrieben werde, sagte der Konzernvorsitzende Liang Hua. Die [Deutsche] Bundesregierung zeigte sich allerdings skeptisch. "Entscheidend wäre, dass der chinesische Staat bereit ist, so etwas zu unterzeichnen", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. "Dafür sehen wir keine Anzeichen." Die USA fordern den Ausschluss des Konzerns vom Aufbau der Funknetze für den ultraschnellen Mobilfunkstandard 5G. Sie werfen Huawei vor, die Technologie, die weltweit in Mobilfunknetzen eingesetzt wird, zur Überwachung zu nutzen. [...] Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hatte nach eigenen Angaben vor ein paar Jahren Sicherheitslücken in Huawei-Produkten entdeckt. Wie erst im April bekannt wurde, seien die Probleme in den Jahren 2011 und 2012 im italienischen Netzwerk entdeckt worden. Medienberichte zufolge wurden damals "geheime Hintertüren" in der Huawei-Software festgestellt, die den Chinesen Zugang zum italienischen Netzwerk mit Millionen Internetkunden hätten geben können.“ (zeit.de)

Wednesday, March 6, 2019

Was G5, Huawei und kanadischer Raps gemeinsam haben

G5 ist das nächste grosse Ding. Die Fachmedien sind von den ersten Anwendungen begeistert - die Computerwoche spricht gar von einem Datenrausch. Allerdings wird die Geschwindigkeit im Moment ziemlich gebremst - durch politische Macht- und Ränkespiele, in die sogar kanadische Rapsbauern ohne eigenes Verschulden hereingezogen werden.

Die Welt macht nur zu gern Geschäfte mit China: Bevölkerungsreichtum und Wirtschaftswachstum sorgen für ein unglaubliches Profitpotential. Aber Amnesty International und andere Organisationen publizieren regelmäßig Berichte zur Missachtung der Menschenrechte in China. Das ist ernüchternder Lesestoff: China hat nicht den Ruf eines Landes, in dem man sich auf den Rechtsstaat verlassen kann.
Das erfahren jetzt die Kanadier.
Angefangen hatte alles mit Huawei und einem plötzlich erkannten Spionagerisiko: Wenn der Chinesische Konzern mit seiner führenden 5G-Technologie zu stark in westliche Mobilfunknetze integriert werde, bestehe die Gefahr, dass die chinesische Regierung mithöre:
“In der Debatte um die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller gerät Huawei international immer stärker unter Druck. Die USA versuchen, heimische Firmen am Kauf von Huawei-Ausstattung zu hindern. Australien und Neuseeland haben den Technologieriesen bereits vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. Andere Länder könnten dem Beispiel folgen – auch in Europa […]Die USA werfen dem Konzern Industriespionage und Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vor. Ende Januar hat das US-Justizministerium offiziell Anklage gegen den chinesischen Konzern erhoben…“ (t-online.de)
Das Rapsgeschäft mit China ist in Kanada Milliarden Wert. Nun wird das
Geschäft plötzlich mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G und Huawai in
Verbindung gebracht.                                                                    Bild Pixabay 
Diese Anklage der USA führte unter anderem zu einem Haftbefehl gegen Meng Wanzhou, Tochter des Huawei-Gründers und Finanzchefin des Konzerns. Diesem internationalen Haftbefehl kam Kanada nach und verhaftete die Gesuchte im Dezember in Vancouver. Nur Tage später verhaftete China zwei Kanadier und verurteilte einen dritten, bereits verurteilten Kanadier in einem plötzlichen Wiederaufnahmeverfahren zum Tode und hob damit eine zuvor verhängte 15-jährige Haftstrafe auf. Diese Massnahmen, deren Tragweite wohl nur die Betroffenen voll spüren, werden in diplomatischen Kreisen allgemein als chinesische Vergeltungsmassnahmen angesehen - genau wie beim kanadischen Raps. In einer Massnahme, die in Europa kaum vermeldet wurde, hat China am Wochenende die Einfuhr von kanadischem Raps blockiert. Einer der größten Getreideverarbeiter Kanadas erklärte am Dienstag, dass China seine Genehmigung zum Export von Raps widerrufen habe. Bei kanadischen Rapsexporten nach China geht es um Milliarden von Dollars. Der Verlust der Frachtgenehmigung kam, nachdem Kanada eine  Auslieferungsanhörung für Huawei CFO Meng Wanzhou durchgeführt hatte.
Wie sich diese Machtspiele auf  die weltweite G5-Entwicklung auswirken werden, ist unklar. Die Computerwoche spekuliert, dass der Druck auf China und Huawei die Einführung verlangsamen könnte:
“Mit oder ohne Huawei-Bauteile - die aktuellen Querelen werden kaum etwas daran ändern, dass 5G als neuer Standard in den nächsten Jahren eingeführt wird und LTE/4G Stück für Stück ablöst. Die Zahlen dahinter sind beeindruckend. 5G soll eine hundertmal höhere Datenrate als LTE bieten. Hinzu kommen eine Kapazitätssteigerung des Netzes um Faktor 1000, zudem die Möglichkeit, mehr als 100 Milliarden Sender weltweit gleichzeitig anzusprechen, dann eine drastische Verringerung des Stromverbrauchs um bis zu 90 Prozent und schließlich bei Bedarf extrem schnelle Reaktionszeiten…“
Huaweis Finanzchefin wurde übrigens schon wenige Tage nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen und darf nun ihre Zeit in einer Villa in Vancouver verbringen, so lange das Auslieferungsverfahren läuft. Die drei kanadischen Verhafteten hingegen stecken in chinesischen Gefängnisszellen. Immerhin haben sich inzwischen eine ganze Reihe von Ländern und Persönlichkeiten für die Verhafteten eingesetzt und China aufgefordert, sie freizulassen.

Thursday, October 4, 2018

Chinesische Servertechnologie - Spionagechips inbegriffen

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, welche die Story aufgedeckt hat, nennt die Affäre “The Big Hack“. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, was die Journalisten von zahlreichen unabhängigen und Regierungsquellen herausgefunden haben, handelt es sich tatsächlich um eine grosse Sache. Chinesische Hardware, die in zahlreichen grossen Unternehmen als Cloud-Server verbaut wurde, sei ab Fabrik mit Spionage-Chips verseucht gewesen. Die USA beschuldigen die Chinesische Armee.

Wenn die Spionage-Hardware gleich in der chinesischen Chipfabrik in den
Server eingebaut wird, wird es schwierig, mit der Datensicherheit.     Bild CC
Die Bloomberg-Geschichte liest sich wie eine Cyber-Crime-Story, die auf Netflix eine spannende Serie abgeben würde. Sie beginnt mit Amazons Evaluation eines Start-Ups im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Die Firma, genannt Elemental, stellte Video-Kompressionssoftware her, die auch im US-Verteidigungskomplex verbreitet eingesetzt wird. Als es dann darum ging, das Hauptprodukt der Firma zu untersuchen, die teuren Cloud-Server, die Elemental ihren Kunden verkauft, gab es eine böse Überraschung, wie Bloomberg schreibt:
“Auf den Mainboards der Server, fanden die Tester einen winzigen Mikrochip, nicht viel grösser als ein Reiskorn, der nicht Teil des ursprünglichen Designs war. Amazon meldete die Entdeckung den US-Behörden - und ein Schaudern ging durch die Geheimdienste. Die Server von Elemental befinden sich nämlich in den Rechenzentren des Verteidigungsministeriums, den Drohnenoperationen der CIA und den Bordnetzen der Kriegsschiffe der Marine. Und Elemental war nur einer von Hunderten von Supermicro-Kunden. Während der anschliessenden streng geheimen Untersuchung, die mehr als drei Jahre später immer noch offen ist, stellten die Ermittler fest, dass die Chips es den Angreifern erlaubten, eine verdeckte Tür zu jedem Netzwerk zu öffnen, das mit den geänderten Computern ausgestattet war. Mehrere Personen, die mit der Materie vertraut sind, sagen, dass Ermittler herausgefunden haben, dass die Chips in Fabriken eingebaut wurden, die von Subunternehmern in China betrieben werden.“
Die Geschichte wurde natürlich bereits von vielen europäischen Medien aufgegriffen, und man darf davon ausgehen, dass die Affäre auch betreffend der politisch-wirtschaftlichen Verwerfungenen zwischen den USA und China nicht hilfreich sein wird, weil sie dem chinesischen Staat, Spionage und Wirtschaftsspionage genauso vorwirft, wie das auch der amerikanische Präsident zu tun pflegt. Ein Problem gibt es allerdings noch. Die betroffenen Internetgiganten dementieren allesamt:
“Unklar ist, ob die Firmen von den manipulierten Chips wussten. Laut Bloomberg wurden die Spionagechips aus China bereits 2015 von Apple entdeckt, wo es offenbar zu ungewöhnlichen Netzwerkaktivitäten kam. Apple soll die Informationen auch an das FBI weitergeben haben, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Auch Amazon soll den US-Behörden nach der Entdeckung der manipulierten Teile Zugang zu seiner sabotierten Hardware gegeben haben. Die beiden Unternehmen stellen dies aber in Abrede. Man habe keinerlei manipulierte Chips oder Hardware auf Unternehmensservern gefunden, teilten sowohl Amazon als auch Apple mit. Supermicro wollte den Bericht nicht kommentieren.“


Saturday, February 17, 2018

Die Angst vor dem Spion im Smartphone

Eigentlich ist sie ja begründet, die Angst vor einem unbekannten Programm, das im Smartphone oder PC stecken könnte, ohne dass wir eine Ahnung davon haben.  Die amerikanischen Geheimdienste lassen es nicht beim unguten Gefühl bewenden: Sie möchten, dass Anwender in den USA keine Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei verwenden. Sie befürchten, dass die chinesische Regierung mithören und mitlesen könnte. Belege dafür gibt es allerdings keine.

Huawei liefert schöne und leistungsstarke Smartphones (im Bild das Mate 10 Pro). Die
amerikanische Regierung traut aber dem Unternehmen nicht.                     Bild Huawei
Spionage-Apps existieren ja nicht nur in Agenten-Filmen, sondern sind längst in der Realität angekommen. Eingesetzt werden sie meistens von Privatpersonen, die sie installieren, um jemanden zu überwachen. Über die Möglichkeiten, die ein Hersteller von Kommunikationselektronik hätte, versteckte Spionage-Features in ein digitales Gerät einzubauen, kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich wäre das technisch kein Problem. Auf jeden Fall fürchten sich die amerikanischen Geheimdienste genau vor dieser Möglichkeit und davor, dass chinesische Firmen sich Schlüsselpositionen in amerikanischen Kommunikationsnetzwerken sichern könnten. Angesprochen und betroffen sind die LTE-Infrastruktur-Dienstleister Huawei und ZTE, wie verschiedene Medien berichtet haben:
“Nachdem sich zunächst bereits die US-Regierung deutlich gegen einen Eintritt von Smartphone-Hersteller Huawei in den US-Markt ausgesprochen hatte und diesen wohl somit verhinderten, sprechen sich nun auch die großen Nachrichtendienste des Landes gegen den chinesischen Hersteller aus.Aber woher kommt das Misstrauen? Gerade NSA, CIA und Co. befürchten, dass Huawei in den Staaten Spionage betreiben könnte - viele wie FBI-Direktor Chris Wray befürchten sogar: Im Namen der chinesischen Regierung. Daher raten die Vertreter der Nachrichtendienste Amerikanern dazu, die Dienste und Produkte des Herstellers vorerst nicht zu nutzen, wie CNBC berichtete.“
In den USA scheint sich unter der Trump-Administration die Erkenntnis festzusetzen, dass China zumindest auf wirtschaftspolitischer Ebene als Gegner betrachtet werden muss, der mit allen Mitteln dafür kämpft, gegenüber den USA wirtschaftliches Terrain zu gewinnen. Allerdings legen die amerikanischen Geheimdienste keine Belege dafür vor, dass China seine Staatsmacht für die Korrumpierung  chinesischer Technologie verwendet. Zitat aus der Presse:
“Huawei ist nicht börsenkotiert und hat in seinen Anfangsjahren die Medien und Öffentlichkeit gescheut. Das habe Gerüchten und Unwahrheiten Tür und Tor geöffnet, heisst es heute. Eines davon ist die komplizierte Eigentümerstruktur. Huawei [...] gehört 65‘000 chinesischen Mitarbeitern, die auch den Verwaltungsrat wählen [...] Ausser dem Konzernchef hält angeblich kein Manager oder Verwaltungsrat mehr als 1 Prozent. Den Handel mit den Anteilen untersagt die Firma. Einen Börsengang, der für Kritiker mehr Transparenz bedeuten würde, lehnt Huawei bisher ab.“
 Huawai selber argumentiert damit, dass seine Produkte weltweit in über hundert Ländern sehr verbreitet sind. Das gilt natürlich auch für die Schweiz und Deutschland, wo der chinesische Hersteller Präsenz markiert und zahlreiche Kunden hat, die sich offensichtlich nicht vor eingebauten Spionagegefahren fürchten. Ob ihre Furchtlosigkeit begründet ist, wissen wir nicht.