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Thursday, October 4, 2018

Chinesische Servertechnologie - Spionagechips inbegriffen

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, welche die Story aufgedeckt hat, nennt die Affäre “The Big Hack“. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, was die Journalisten von zahlreichen unabhängigen und Regierungsquellen herausgefunden haben, handelt es sich tatsächlich um eine grosse Sache. Chinesische Hardware, die in zahlreichen grossen Unternehmen als Cloud-Server verbaut wurde, sei ab Fabrik mit Spionage-Chips verseucht gewesen. Die USA beschuldigen die Chinesische Armee.

Wenn die Spionage-Hardware gleich in der chinesischen Chipfabrik in den
Server eingebaut wird, wird es schwierig, mit der Datensicherheit.     Bild CC
Die Bloomberg-Geschichte liest sich wie eine Cyber-Crime-Story, die auf Netflix eine spannende Serie abgeben würde. Sie beginnt mit Amazons Evaluation eines Start-Ups im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Die Firma, genannt Elemental, stellte Video-Kompressionssoftware her, die auch im US-Verteidigungskomplex verbreitet eingesetzt wird. Als es dann darum ging, das Hauptprodukt der Firma zu untersuchen, die teuren Cloud-Server, die Elemental ihren Kunden verkauft, gab es eine böse Überraschung, wie Bloomberg schreibt:
“Auf den Mainboards der Server, fanden die Tester einen winzigen Mikrochip, nicht viel grösser als ein Reiskorn, der nicht Teil des ursprünglichen Designs war. Amazon meldete die Entdeckung den US-Behörden - und ein Schaudern ging durch die Geheimdienste. Die Server von Elemental befinden sich nämlich in den Rechenzentren des Verteidigungsministeriums, den Drohnenoperationen der CIA und den Bordnetzen der Kriegsschiffe der Marine. Und Elemental war nur einer von Hunderten von Supermicro-Kunden. Während der anschliessenden streng geheimen Untersuchung, die mehr als drei Jahre später immer noch offen ist, stellten die Ermittler fest, dass die Chips es den Angreifern erlaubten, eine verdeckte Tür zu jedem Netzwerk zu öffnen, das mit den geänderten Computern ausgestattet war. Mehrere Personen, die mit der Materie vertraut sind, sagen, dass Ermittler herausgefunden haben, dass die Chips in Fabriken eingebaut wurden, die von Subunternehmern in China betrieben werden.“
Die Geschichte wurde natürlich bereits von vielen europäischen Medien aufgegriffen, und man darf davon ausgehen, dass die Affäre auch betreffend der politisch-wirtschaftlichen Verwerfungenen zwischen den USA und China nicht hilfreich sein wird, weil sie dem chinesischen Staat, Spionage und Wirtschaftsspionage genauso vorwirft, wie das auch der amerikanische Präsident zu tun pflegt. Ein Problem gibt es allerdings noch. Die betroffenen Internetgiganten dementieren allesamt:
“Unklar ist, ob die Firmen von den manipulierten Chips wussten. Laut Bloomberg wurden die Spionagechips aus China bereits 2015 von Apple entdeckt, wo es offenbar zu ungewöhnlichen Netzwerkaktivitäten kam. Apple soll die Informationen auch an das FBI weitergeben haben, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Auch Amazon soll den US-Behörden nach der Entdeckung der manipulierten Teile Zugang zu seiner sabotierten Hardware gegeben haben. Die beiden Unternehmen stellen dies aber in Abrede. Man habe keinerlei manipulierte Chips oder Hardware auf Unternehmensservern gefunden, teilten sowohl Amazon als auch Apple mit. Supermicro wollte den Bericht nicht kommentieren.“


Saturday, February 17, 2018

Die Angst vor dem Spion im Smartphone

Eigentlich ist sie ja begründet, die Angst vor einem unbekannten Programm, das im Smartphone oder PC stecken könnte, ohne dass wir eine Ahnung davon haben.  Die amerikanischen Geheimdienste lassen es nicht beim unguten Gefühl bewenden: Sie möchten, dass Anwender in den USA keine Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei verwenden. Sie befürchten, dass die chinesische Regierung mithören und mitlesen könnte. Belege dafür gibt es allerdings keine.

Huawei liefert schöne und leistungsstarke Smartphones (im Bild das Mate 10 Pro). Die
amerikanische Regierung traut aber dem Unternehmen nicht.                     Bild Huawei
Spionage-Apps existieren ja nicht nur in Agenten-Filmen, sondern sind längst in der Realität angekommen. Eingesetzt werden sie meistens von Privatpersonen, die sie installieren, um jemanden zu überwachen. Über die Möglichkeiten, die ein Hersteller von Kommunikationselektronik hätte, versteckte Spionage-Features in ein digitales Gerät einzubauen, kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich wäre das technisch kein Problem. Auf jeden Fall fürchten sich die amerikanischen Geheimdienste genau vor dieser Möglichkeit und davor, dass chinesische Firmen sich Schlüsselpositionen in amerikanischen Kommunikationsnetzwerken sichern könnten. Angesprochen und betroffen sind die LTE-Infrastruktur-Dienstleister Huawei und ZTE, wie verschiedene Medien berichtet haben:
“Nachdem sich zunächst bereits die US-Regierung deutlich gegen einen Eintritt von Smartphone-Hersteller Huawei in den US-Markt ausgesprochen hatte und diesen wohl somit verhinderten, sprechen sich nun auch die großen Nachrichtendienste des Landes gegen den chinesischen Hersteller aus.Aber woher kommt das Misstrauen? Gerade NSA, CIA und Co. befürchten, dass Huawei in den Staaten Spionage betreiben könnte - viele wie FBI-Direktor Chris Wray befürchten sogar: Im Namen der chinesischen Regierung. Daher raten die Vertreter der Nachrichtendienste Amerikanern dazu, die Dienste und Produkte des Herstellers vorerst nicht zu nutzen, wie CNBC berichtete.“
In den USA scheint sich unter der Trump-Administration die Erkenntnis festzusetzen, dass China zumindest auf wirtschaftspolitischer Ebene als Gegner betrachtet werden muss, der mit allen Mitteln dafür kämpft, gegenüber den USA wirtschaftliches Terrain zu gewinnen. Allerdings legen die amerikanischen Geheimdienste keine Belege dafür vor, dass China seine Staatsmacht für die Korrumpierung  chinesischer Technologie verwendet. Zitat aus der Presse:
“Huawei ist nicht börsenkotiert und hat in seinen Anfangsjahren die Medien und Öffentlichkeit gescheut. Das habe Gerüchten und Unwahrheiten Tür und Tor geöffnet, heisst es heute. Eines davon ist die komplizierte Eigentümerstruktur. Huawei [...] gehört 65‘000 chinesischen Mitarbeitern, die auch den Verwaltungsrat wählen [...] Ausser dem Konzernchef hält angeblich kein Manager oder Verwaltungsrat mehr als 1 Prozent. Den Handel mit den Anteilen untersagt die Firma. Einen Börsengang, der für Kritiker mehr Transparenz bedeuten würde, lehnt Huawei bisher ab.“
 Huawai selber argumentiert damit, dass seine Produkte weltweit in über hundert Ländern sehr verbreitet sind. Das gilt natürlich auch für die Schweiz und Deutschland, wo der chinesische Hersteller Präsenz markiert und zahlreiche Kunden hat, die sich offensichtlich nicht vor eingebauten Spionagegefahren fürchten. Ob ihre Furchtlosigkeit begründet ist, wissen wir nicht.

Thursday, March 9, 2017

Unsere Geräte können uns ausspionieren - was tun?

Die neuste Nachrichtenschwemme von Wikileaks lässt uns irgendwie in der Luft hängen: Die Geheimdienste können Smartphones als Wanzen benutzen, Kommunikation abhören bevor sie verschlüsselt wird und den Smart-TV im Wohnzimmer als Überwachungsgerät einsetzen. Ganz so unerwartet kommen ja diese Enthüllungen nicht, und trotzdem wissen wir nicht wirklich, wie wir uns der allgegenwärtigen Bedrohung anpassen können – und ob sie uns überhaupt betrifft.

Wikileaks erklärt uns, wie die Spione unsere alltäglichen digitalen Tools
anzapfen können - und kaum jemand regt sich darüber auf.  Screengrab Wikileaks
Da wir uns von morgens bis abends mit digitaler Elektronik umgeben, die das Potenzial hat unsere Tätigkeiten aufzuzeichnen und gleich übers (drahtlose) Internet weiterzuleiten, ist es eigentlich nicht überraschend, dass es Spione gibt, die diese riesige globale Infrastruktur ausnutzen. Gewisse Leute haben es schon immer geahnt – und sind dafür als paranoid verschrien worden. Zum Beispiel Facebook-Milliardär Mark Zuckerberg, der dabei ertappt wurde, dass er die Kamera und den Mikrofonstecker seines Laptops abgeklebt hat. Zuckerberg war schon damals nicht der Einzige, der ein Spionagepotential erkannt hatte. Zitat aus der Zeit, vom Juni 2016:
Zuckerbergs mutmassliche Paranoia lässt sich also ebenso leicht nachvollziehen wie das Bedürfnis, die eigene Webcam abzukleben. Kaum etwas dürfte Computernutzer so sehr verunsichern wie die Vorstellung, ein Unbekannter könnte einem jederzeit heimlich zugucken, ob nun auf der Arbeit oder während des abendlichen Serienguckens im Bett. Selbst FBI-Direktor James Comey gab im April am Rande einer Veranstaltung zu, seine Webcam abzukleben.“
Wahrscheinlich hat Mr. Comey schon damals mehr gewusst, als wir. Aber müssen wir nun, aufgrund der neuen Informationen, auch noch die Kamera und das Mikrofon unseres Smartphones abkleben?
Wohl kaum. Tatsächlich hat die neuste Wikileaks Lawine erstaunlich wenig  Aufregung ausgelöst. Wired.de glaubt zu wissen, weshalb das so ist:
“Während die Snowden-Leaks und die daraus folgende NSA-Affäre im Sommer 2013 noch für vergleichsweise grosse Empörung sorgten, scheinen die Leser (und so manche Redaktion) des Themas überdrüssig geworden zu sein. Dazu kommen die klassischen Argumente: Ich habe nichts zu verbergen und Das betrifft mich sowieso nicht. Andere wünschen sich angesichts von Terrorismus sogar mehr Überwachung, der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt ist noch keine vier Monate her. Einige dürften aber auch einfach von der Komplexität der Materie und der schieren Informationsmenge überfordert sein.“
Allerdings gibt es schon weitergehende Bedenken, was das Spionagepotential unserer digitalen Alltagsgeräte betrifft. Der Stern weist darauf hin, dass die Werkzeuge der Staatsspione in noch falschere Hände gelangen könnten:
“Dass ein Geheimdienst eines demokratischen Staates in einem solchen Ausmass Zugriff auf die Technologie der Weltbevölkerung hat, ist gruselig genug. Der Durchschnittsbürger dürfte in der Regel aber nicht ins Visier der Schnüffler geraten. Wenn die Cyberwaffen in falsche Hände gelangen, sieht das schon deutlich anders aus. Von korrupten Autokratien bis zu kleinen Kriminellen gibt es weltweit jede Menge Abnehmer für das digitale Einbruchswerkzeug. Und je weiter es sich verbreitet, desto günstiger könnte es zu bekommen sein.“
Was tun?
Dran bleiben, mit bewusst sicherem Verhalten und leistungsfähigen Antivirus-Programmen. Und wenn Sie etwas wirklich Vertrauliches zu besprechen haben, den Smart-TV ausstecken und das Smartphone auf grösstmögliche Distanz halten. Das gilt vor allem auch für Business-Meetings, während denen vertrauliche Themen besprochen werden.
Wer seine digitalen Geräte weiter nutzen will, hat momentan leider kaum eine andere Option.

Tuesday, November 13, 2012

Sex, Lügen und Gmail

Die Wahlen sind vorbei, der bisherige Präsident darf im Weissen Haus bleiben – und schon pfuscht der erste Skandal der neuen alten Regierung  ins Konzept. Die Geschichte hat alles, was der Medienzirkus liebt: Sex, schöne Frauen, mächtige Männer und unzählige Verschwörungstheorien. Aber der Skandal zeigt auch, wie die digitalen Medien beim Betrügen helfen – und wie schwierig es ist, digitale Spuren zu verwischen.

Terroristen, Generäle und wir benutzen Gmail - den Email-Service
von Google.
Inzwischen weiss es die ganze Welt: Ein früherer General und jetziger CIA-Chef, äussert angesehen und geachtet, wird beim Fremdgehen erwischt und tritt zurück. Das Verhältnis mit seiner Biografin kommt direkt nach den Präsidentschaftswahlen an die Öffentlichkeit. Der US-Sicherheitsapparat war den beiden allerdings schon lange auf der Spur. Dass in diesem Zusammenhang nun auch noch der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan (ISAF) beim virtuellen Fremdgehen erwischt wurde, macht die Geschichte natürlich nur noch spannender…
In unserem Blog interessieren wir uns aber nicht für die vulgären, sondern für die digitalen Details der Geschichte – und die sind auch ganz interessant. Die Akteure haben nämlich demonstriert, wie schwierig es ist, per E-Mail zu kommunizieren und keine Spuren zu hinterlassen, auch wenn man sich dessen bewusst ist und verschiedenste Verschleierungsmethoden angewandt hat. Zitat aus dem Spiegel:
“Das FBI erhält verschiedene IP-Adressen. Einige davon gehören zu bestimmten Hotels. Wer war zu dem Zeitpunkt dort, wer kann die E-Mails über diese Internetverbindung abgeschickt haben? Nach mehreren Wochen, so berichtet es das "Wall Street Journal", stoßen die Ermittler schließlich auf Paula Broadwell, die Petraeus-Biografin.
Sie haben nun einen Verdacht und beantragen bei einem Gericht einen Durchsuchungsbeschluss, um sich in sämtliche E-Mail-Konten Broadwells einzuklinken. So gelangen sie auch an einen anonymen E-Mail-Account bei Google - es liegt nahe, dass es der Account ist, von dem die Drohungen an Kelley geschickt wurden. Wie auch immer: Das FBI liest nun alles mit.Die Ermittler stoßen in dem anonymen Google-Account auf "anzügliche" E-Mails, die sich Broadwell mit einem zunächst unbekannten Mann schreibt. Auch dieser Mann nutzt einen Account bei Google. Zum Teil, so berichtet es dieNachrichtenagentur AP, schicken sich die beiden nicht einmal E-Mails. Stattdessen loggen sie sich nacheinander im selben Account ein, schreiben eine Nachricht, speichern sie aber nur im Entwürfe-Ordner, ohne sie abzuschicken. Loggt sich dann später der jeweils andere ein, kann er die Nachricht dort lesen.
Das ist ein gängiger Trick, um verräterische Spuren im Web zu vermeiden. Es gibt dann keine E-Mails, die irgendwo landen und deren Header man auf IP-Adressen überprüfen könnte. Im Prinzip ist es eine alte Spionagetechnik: ein toter Briefkasten, ins Internet übersetzt. Mit Hilfe anonymer E-Mail-Accounts und nicht abgeschickter, sondern nur im Entwürfe-Ordner gespeicherter Nachrichten sollen auch Qaida-Terroristen wie 9/11-Chefplaner Chalid Scheich Mohammed mit ihren Gefolgsleuten kommuniziert haben.“
Alles schlau ausgedacht, aber umsonst. Die Katze ist aus dem Sack und die Affäre in der Öffentlichkeit. Bemerkenswert erscheint uns die Tatsache, dass der ebenfalls im Netz der Ermittler hängen gebliebene General John Allen seiner Verehrten (dabei handelt es sich nicht um die gleiche Dame, wie im Falle Petraeus) über 20‘000 E-Mails in zwei Jahren geschickt hat – das wären dann so zwischen 20 und 30 E-Mails am Tag… Auch Generäle scheinen viel Zeit am PC und am Smartphone zu verbringen.