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Wednesday, February 8, 2023

Bing mit KI: ChatGTP soll Google konkurrenzieren

Microsoft hat eine neue Version der Suchmaschine Bing angekündigt, in der eine grosse Portion Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Es ist die ChatGPT-Technologie von OpenAI, die seit ihrer Einführung im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgt.

Wer hätte das gedacht - eine Warteliste für Bing.
Screengrab Bing.com
Bing antwortet jetzt auf Suchanfragen mit detaillierteren Antworten - nicht nur mit Links zu Websites. Im Gegensatz zu ChatGPT, das nicht in der Lage war, Fragen zu aktuellen Ereignissen zu beantworten, verwendet das aktualisierte Bing die neusten Quellen. Es wird Zugang zu den neuesten Informationen haben. Es wird auch in der Lage sein, Links zur Verfügung zu stellen, um zu zeigen, woher die Antworten kommen, eine Funktion, die nicht Teil von ChatGPT war.
Dieser Schritt von Microsoft ist die bei weitem grösste Bedrohung für Googles Dominanz bei der Websuche - und markiert den Beginn eines KI-Wettrüstens zwischen den Unternehmen. 
Die Nutzer können auch mit dem Bot chatten, um ihre Suchanfragen besser anzupassen. 

Die neue Bing-Suchmaschine soll ab sofort verfügbar sein - mit einer begrenzten Anzahl von Suchanfragen für jede Person. Wer das neue Bing benutzen will, muss sich eine Warteliste setzen und seine PC-Standardeinstellungen auf Microsoft einstellen. Die neue KI-Bing-App kann dann mittels QR-Code installiert werden.  In den kommenden Wochen werde man die Vorschau auf Millionen von Nutzern ausweiten, schreibt Microsoft. 

Techcrunch.com kommentiert: «Microsoft hat offensichtlich eine sehr enge Beziehung zu OpenAI. Nach der anfänglichen Investition in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar hat das Unternehmen kürzlich angekündigt, dass es noch mehr investieren und seine Partnerschaft mit OpenAI ausbauen würde, was wiederum zur heutigen Ankündigung führte. Obwohl Bing schon immer eine kompetente Suchmaschine war (und wohl besser, als die meisten Leute ihr je zugetraut haben), konnte sie sich nie wirklich im Mainstream durchsetzen. Sie war immer gut genug, aber das für die Nutzer nicht genug, zu wechseln. ChatGPT könnte nun dieser Grund sein - zumindest bis auch Google seine Konkurrenz-App einem breiteren Publikum vorstellt.»

Monday, February 21, 2022

Bing statt Google, Truth statt Twitter?

Der Mensch, es ist bekannt, ist ein Gewohnheitstier. Wenn er sich einmal eine gemütliche und gut passende Routine zugelegt hat, ist es sehr schwierig, ihn davon abzubringen. Davon weiss auch Microsoft mit der Suchmaschinen-Konkurrenz Bing ein Lied zu singen. Und auch Donald Trump mit seiner brandneuen Twitter-Konkurrenz Truth Social, wird es wahrscheinlich zu spüren bekommen. Immerhin darf der ehemalige Präsident davon ausgehen, dass seine grössten Fans und seine grössten Feinde sich seinem Dienst anschliessen werden.

Twittern wie Donald Trump - auf Truth Social. Wem es um Politik 
geht, der wird sich gerne darauf einlassen.    Screengrab App Store

Es wird viel geschimpft über Google, das Unternehmen. Es sei eine Datenkrake, und sammle Daten ohne Hemmungen, um diese auszuwerten und zu Geld zu machen. Trotzdem nutzen Milliarden Menschen Google jeden Tag, weil man sich eben an die Suchmaschine gewohnt ist und weil sie Resultate produziert. Deshalb ist es eher ungewohnt, jemanden zu treffen, der uns davon überzeugen will, Google mit Bing zu ersetzen:  Warum Bing besser ist als Google, titelt die Computerwoche und führt vier (mehr oder weniger gute) Gründe dafür an. Zum Beispiel:

“Natürlich gibt es in Sachen Suchergebnisse auch Ausnahmen. Aber im Allgemeinen schneidet Bing bei den meisten meiner alltäglichen Suchanfragen mindestens genauso gut ab wie Google. [...] Ähnliches gilt auch für die Bildersuche: Bing war die erste Suchmaschine, die "infinite scrolling" ermöglichte, was für die Nutzer bedeutet, endlos weiterscrollen zu können, ohne jemals das Ende der Ergebnisse zu erreichen. Heute verfügt die Bing-Bildersuche über eine zusätzliche Ebene von Suchfiltern, die Google-Nutzer nur mit Hilfe von Drilldown-Menüs finden können, etwa die Option, nur Bilder mit Gesichtern anzuzeigen oder nur in einem bestimmten Layout. Falls Sie lizensierte Fotos beispielsweise zur Illustration eines Newsletters suchen, sind diese Informationen bei Bing leichter zugänglich als bei Google. Der momentan einzige Grund, die Google-Bildersuche vorzuziehen, ist die Option, nach GIFs zu suchen...“

Was Donald Trump und Twitter betrifft, ist die Vorgeschichte bekannt: Der US-Präsident wurde von Twitter verbannt und hat schon lange versprochen, deshalb einen eigenen Dienst anzubieten. Jetzt ist er in den USA verfügbar und die App kann im App Store heruntergeladen werden. PCMag.com erklärt, weshalb Trump nach Twitter nicht einfach aufgeben will:

"Warum will Trump unbedingt ein eigenes soziales Netzwerk? Ein Grund sind seine Twitter-Followerzahlen. Bevor sein Twitter-Konto gelöscht wurde, hatte Trump fast 90 Millionen Follower (und 34 Millionen Follower auf Facebook, das ihn ebenfalls bis mindestens Januar 2023 gesperrt hat). Wenn es eine Sache gibt, die Trump vor und während seiner Präsidentschaft geliebt hat, dann war es das Posten im Internet. Einem Archiv seiner früheren Tweets zufolge twitterte Trump bis zum Ende seiner Amtszeit durchschnittlich über 30 Mal pro Tag. Nach seinem Verbot kehrte er mit einem kurzlebigen Blog, in dem er Twitter-ähnliche Updates veröffentlichte, ins Internet zurück. Anstatt sich von den Millionen von Menschen, die an jedem seiner Worte hängen, abzuwenden, glaubt Trump, dass er die Kontrolle über die Konversation übernehmen und diese Anhänger zu Truth Social bringen kann..."

 

Friday, February 4, 2022

Bei Google boomt das Geschäft dank Pandemie-Internet-Boom

Die Pandemie hat dem Google-Geschäft nicht geschadet – im Gegenteil. Diese Woche stiegen die Aktien der Google-Muttergesellschaft Alphabet um volle 8 Prozent an und steigerten damit den Börsenwert des Unternehmens auf zwei Billionen Dollar. Der Grund: Ein äusserst erfolgreicher Quartalsabschluss zum Ende des letzten Jahres. 

Die Google Aktie nach dem Quartalsabschluss.             Screengrab Google
Das Glanzresultat war nicht erwartet worden weil Alphabet und insbesondere Google sich in den USA und vor allem in Europa mit zahlreichen Untersuchungen konfrontiert sieht, die seine Dominanz in der digitalen Werbung unter die Lupe nehmen.  Trotzdem hat das Unternehmen seine Gewinne im letzten Jahr fast verdoppelt. Das hat unter anderem auch mit dem Internetboom zu tun, den die Pandemie ausgelöst hat. Einmal mehr zeigen die Alphabet-Resultate den traditionellen Medienunternehmen, von denen viele im Internetzeitalter um ihre Einnahmen kämpfen müssen, wohin die Werbegelder fliessen, die vor Jahren noch bei ihnen die Kassen klingeln liessen. 

Die Werbeeinnahmen von Alphabet stiegen nämlich im letzten Quartal auf 61,2 Milliarden US-Dollar – im Jahr zuvor waren es noch 46, 2 Milliarden gewesen. Der Umsatz des Unternehmens betrug im entsprechenden Quartal  75,3 Milliarden Dollar (32 Prozent mehr als im Vorjahr). Der Gewinn betrug satte 20,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz für das gesamte Jahr betrug 257,6 Milliarden US-Dollar.

Sundar Pichai, CEO von Alphabet und Google, führt den Unternehmenserfolg unter anderem auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz zurück. KI kommt vor allem bei der Suchmaschine Google zum Einsatz und  verbessert den Umfang und die Qualität der Informationen, die Google liefert.


Tuesday, July 6, 2021

Büroarbeit? Zuhause ist's doch einfach schöner...

Auch Arbeitgeber, die für ihr progressives Umfeld und ihre modernen Arbeitsplätze bekannt sind, scheinen Probleme zu haben, Mitarbeiter vom schönen Homeoffice zurück ins Büro zu holen. 

Apples Hauptsitz in Kalifornien - aber zuhause ist es scheinbar noch schöner.     
                                                                                                           Bild piqsels.com
Ein Beispiel dafür ist Apple. Da streitet man sich gemäss Medienberichten mit den Angestellten über die Rückkehr ins Büro. Eigentlich hatte Apple klare Regeln herausgegeben: Die Mitarbeiter sollten mindestens drei Tage pro Woche am Firmenarbeitsplatz erscheinen. In einem Memo an die Angestellten liess Apple verlauten, dass man davon ausgehe, dass Mitarbeiter besser arbeiten, wenn sie im Büro sind. In einer Videobotschaft an die Apple-Belegschaft sagte Deirdre O'Brien, Apples Senior Vice President of Retail and People:

"Wir glauben, dass die persönliche Zusammenarbeit wesentlich für unsere Kultur und unsere Zukunft ist. Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, um über unsere unglaublichen Produkteinführungen im vergangenen Jahr nachzudenken, dann wurden die Produkte und die Durchführung der Einführung auf der Grundlage jahrelanger Arbeit aufgebaut, die wir geleistet haben, als wir noch alle persönlich zusammen waren."

Von den Apple-Mitarbeitern wird deshalb erwartet, dass sie ab September montags, dienstags und donnerstags im Büro arbeiten. Zahlreiche Mitarbeiter werden während der ganzen Woche im Büro erwartet. Das hat Widerstand geweckt; einige Mitarbeiter behaupten sogar, sie würden durch diese Politik gezwungen, ihre Mitarbeit zu kündigen - und eine aktuelle Umfrage unter den Mitarbeitern ergab, dass ganze 90 Prozent die Freiheit möchten, nur dann im Büro zu erscheinen, wenn sie das so möchten.
Apple ist nicht der einzige Tech-Konzern, wo die Führung es plötzlich nicht mehr so toll findet, dass die Mitarbeiter ihre Arbeit von zuhause aus erledigen.  Auch Google und Amazon versuchen, das Personal wieder in die Firmenbüros zurück zu holen. Google hatte versucht, die Mitarbeiter zu zwingen, an drei Tagen pro Woche ins Büro zurückzukehren, gab aber später bekannt, dass 20 Prozent dauerhaft von zu Hause aus arbeiten könnten und 20 Prozent an neuen Bürostandorten. Bei Amazon erwartete man eine Rückkehr zur "bürozentrierten" Arbeit, erlaubte dann aber den Mitarbeitern die Option, zwei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten.

Thursday, April 8, 2021

Vom Homeoffice zurück ins Firmenbüro: Die Stimmung ändert sich

Grosse Techfirmen stellen sich auf die Zeit nach Corona ein und dazu gehört der Rückruf der Mitarbeiter ins Büro.  Es zeichnet sich ab, dass nicht alle Firmen die tägliche Anwesenheit erfordern werden, sondern dass sogenannte “hybride Arbeitsverhältnisse“ akzeptiert werden. Gut für die Karriere, sei das Homeoffice allerdings nicht.

Das Büro im trauten Heim konnte schon bald nicht mehr selbstverständlich sein.
Bild Pixabay
IBM-CEO Arvind Krishna erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass wahrscheinlich etwa 80 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens in solchen hybriden Arbeitsverhältnissen bleiben könnten, aber mindestens drei Tage pro Woche im Büro verbringen".  Der IBM-Boss glaubt ausserdem nicht daran, dass die Arbeit im Homeoffice sich positiv auf die berufliche Laufbahn auswirken wird:

"Wer ein People-Manager werden will, wer mehr Verantwortung bekommen will oder eine Kultur im Team aufbauen will, kann das nicht aus der Ferne machen" erklärt Krishna.

Auch bei Google und Amazon sieht es so aus, als ob die Firmenbüros bald wieder von Mitarbeitern besetzt sein werden. Google will seine 200‘000 weltweiten Mitarbeiter bis zum 1. September vorläufig für mindestens drei Tage pro Woche wieder zurück in die Firma holen. Künftig müssen Google-Mitarbeiter einen Antrag stellen, wenn sie mehr als 14 Tage im Jahr ausserhalb der Firma arbeiten wollen. In einer E-Mail-Nachricht der Personalabteilung an die Google-Mitarbeiter hiess es, dass man sich bewusst sei, dass der Gedanke an die Rückkehr ins Büro gemischte Gefühle hervorrufen könnte und dass die Arbeitsplätze "nicht genauso aussehen werden, wie Sie sie in Erinnerung haben".
Auch andere Firmen möchten die Mitarbeiter wieder näher beim Unternehmen haben -  einige mehr, einige weniger dringend. David Salomon, Chef der Investment Bank Goldman Sachs zum Beispiel, hat Anfang des Jahres Homeoffice als "Irrweg" bezeichnet und betont, er wolle seine Mitarbeiter zurückhaben. Und Amazon hat seine Angestellten wissen lassen, dass sie nach dem Sommer wieder an ihren Schreibtischen im Firmenbüro sitzen werden. In einem Memo, das mit den Arbeitern geteilt wurde, heisst es: "Unser Plan ist es, zu einer bürozentrierten Kultur als unsere Basis zurückzukehren.  Wir glauben, dass es uns am effektivsten ermöglicht, gemeinsam zu erfinden, zusammenzuarbeiten und zu lernen."

Ist es bereits ein Trend, was sich da abzeichnet? Oder liegen Unternehmen wie das globale Beratungsunternehmen PcW richtig, die ihren Mitarbeitern versprechen, dass sie ihre Arbeitszeit auch in Zukunft zwischen der Firma und ihrer Wohnung teilen können? Die Zukunft wird es zeigen.

Saturday, March 27, 2021

Deshalb stürzen Ihre Android Apps plötzlich ab

Haben Sie ein Android Smartphone und plötzlich ein Problem mit Apps, die geschlossen werden, kaum haben Sie sie geöffnet? Sie sind damit nicht allein.


Die Lösung für die abstürzenden Apps ist im Google Play 
Store zu finden.                                              Logo Google

Probleme mit Gmail und anderen Android-Apps befielen plötzlich unzählige Android-Anwender. Viele Nutzer meldeten sich auf Social Media, wo sie sich  über die abstürzenden Android-Apps beklagten. Es dauerte  glücklicherweise nicht allzu lang, bis sich Google der Sache annahm und bekanntgab, wie man das Problem lösen könne. Die Ursache liegt offenbar in einem Fehler bei einer Version von Android System WebView, einer Systemkomponente, mit der Android-Apps Webinhalte anzeigen können.
Um die Apps auf dem Smartphone wieder zum fehlerlosen Funktionieren zu bringen, ist es notwendig, Android System WebView und Google Chrome zu aktualisieren. Google gibt die folgenden Schritte vor:

1. Öffnen Sie die Play Store-App

2. Suchen Sie nach Android System WebView

3. Wählen Sie die Option "Update".

4. Wiederholen Sie diese Schritte für Google Chrome

Immerhin ist man sich bei Google bewusst, dass Updates, die Ärger verursachen, sehr unangenehm sind. "Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und danken Ihnen für Ihre Geduld und Unterstützung", liess das Unternehmen auf seinem Gmail-Status-Dashboard verlauten.

Wednesday, March 3, 2021

Google will keine Cookies mehr - um “die Zukunft des Internets zu schützen“

 Im Januar 2020 machte die Meldung die Runde, dass auch Google, wie Safari und Firefox, bis in zwei Jahren in seinem Chrome Webbrowser Cookies von Drittanbietern blockieren wolle. Heute, 14 Monate später, macht Google klar, dass man die Cookies nicht einfach durch andere Technologien ersetzen werde, auch wenn dadurch Googles lukratives Werbegeschäft schwieriger wird. In einem Blog-Beitrag erklärt Google, dass es "keine alternativen Identifikatoren erstellen werde, um Personen beim Surfen im Web zu verfolgen".

Google will in Zukunft die richtige Werbung ohne Cookies an die Surfer bringen. Bild Pixabay 

 Man werde, heisst es bei Google, die Webprodukte “mit datenschutzfreundlichen APIs betreiben, die individuelles Tracking verhindern und dennoch Ergebnisse für Werbetreibende und Publisher liefern. Dank technischen Fortschritten sei man nicht mehr auf individuelle Identifikatoren angewiesen. Cookies von Drittanbietern werden in Safari und Firefox übrigens schon länger blockiert. Solche Cookies erlauben es den Werbetreibenden, Surfer im Net zu verfolgen, um deren Interessen zu ermitteln. 

Laut Google hat diese Praxis dazu geführt, dass die Nutzer dem Internet und den Werbern nicht mehr vertrauen, was die Zukunft des Internets gefährde.
Google will natürlich auch ohne Cookies nicht ohne gezielte Werbung leben – schliesslich ist Werbung ein sehr wichtiger Teil der Umsätze des Suchmaschinengiganten. Aber Google will immerhin die in Verruf geratenen Methoden durch ein neues System ersetzen. Dieses heisst “Privacy Sandbox“ und soll die jeweils angepeilte Zielperson in einer grossen Menge von anderen Usern mit ähnlichen Interessen verstecken, auf die dann die Werbung ausgerichtet wird. So soll das Individuum besser geschützt werden – ohne dass die Werbeeinnahmen leiden.
Google, Facebook und Amazon dominieren den digitalen Werbemarkt. Laut einem Bericht des Marktforschungsunternehmens eMarketer haben die drei Unternehmen im letzten Jahr mehr als 62 Prozent der digitalen Werbeeinnahmen kassiert.

Vielleicht wird die neue Google-Politik dazu führen, dass Cookies langsam aussterben und damit auch die lästigen Cookie-Einwilligungs-Seiten, die einem im Web als Folge der neuen Datenschutzgesetze regelrecht verfolgen...

Friday, February 19, 2021

Facebook will nicht für News bezahlen

Facebook ist weltweit so mächtig geworden, dass es sich längst nicht nur Millionen Freunde, sondern auch sehr viele Feinde gemacht hat. Dazu gehören seit dieser Woche auch viele Australier, denen es gar nicht gefällt, dass Facebook für seine User plötzlich keine australischen News mehr zulässt. Vor allem die Medien, welche seit Jahren darüber reklamiert haben, dass Facebook mit ihren Inhalten Geld verdiene, sind jetzt düpiert und wieder nicht zufrieden.

News auf Facebook: Symbiotische Beziehung oder Abriss?
                                                                                                                        Screengrab Facebook

Australien will in Kürze ein Gesetz verabschieden, das Facebook und Google dazu zwingt, Verlage zu bezahlen, wenn deren Inhalte auf ihren Websites auftauchen. Das Gesetz ist eine Reaktion auf jahrelange Beschwerden der Medien über den Niedergang des Journalismus im Internetzeitalter und die Rollen die Google und Facebook dabei gespielt haben. Die beiden Unternehmen haben auf das vorgeschlagene Gesetz unterschiedlich reagiert: Google macht (nach wochenlangen Drohungen) jetzt doch Verträge mit einzelnen australischen Verlagen. Facebook hingegen blockiert sämtliche News (genau wie das Unternehmen übrigens schon im letzten Sommer angekündigt hatte). Das heisst: Facebook macht es ab sofort unmöglich, Links zu australischen Nachrichtenquellen zu teilen; australischen Publikationen können keine eigene Inhalte mehr auf Facebook publizieren und australischen Nutzern ist es untersagt, Newslinks zu teilen. In einer wütenden Stellungnahme sagte der australische Premierminister Scott Morrison, Facebooks Schritt mache die Verabschiedung des Gesetzes nur noch wahrscheinlicher. Morrison geht davon aus, dass auch andere Länder ähnliche Massnahmen ergreifen werden.

Wie der Streit für ausgehen wird, ist momentan unklar. Facebook lässt nämlich mitteilen, die Verlage und ihre Inhalte seien gar nicht wichtig für das Facebook-Geschäftsmodell; News-Links machten durchschnittlich weniger als vier Prozent der Inhalte im Facebook-News Feed aus. Zuckerbergs Imperium fühlt sich aber trotzdem im Recht und argumentiert damit, dass die Verlage von Facebook profitieren, weil sie dadurch Millionen von Leser auf ihre eigenen Websites locken können. Gratiswerbung auf Facebook, sozusagen. 

Wenn die Streitenden stur bleiben, ist es möglich, dass auch User in anderen Ländern bald keine kommerziellen News mehr in ihrem Feed finden. Vielleicht werden sie diese gar nicht vermissen – umso mehr, als die News-Sites im Internet mit einigen zusätzlichen Klicks auch ohne Facebook besucht und gelesen werden können. 


Monday, January 25, 2021

Von WhatsApp zu Telegram: Vom Regen in die Traufe

Es waren hauptsächlich zwei Ereignisse, die während der letzten Wochen zu Unruhe unter Social-Media-Nutzern geführt haben: Die Ankündigung neuer Geschäftsbedingungen für WhatsApp-User führte zu Befürchtungen, dass Facebook bei Zustimmung direkt auf die Daten der WhatsApp-User zugreifen könne. Und in den USA führten die Massnahmen verschiedener Social-Media-Plattformen gegen Donald Trump dazu, dass sich viele seiner Anhänger eine neue Social-Media-Heimat suchen. 

     
     Von WhatsApp zu Telegram: aus der Datenschutzperspektive
       wahrscheinlich kein weiser Umzug.                Logo Telegram

Tatsächlich führten diese Ereignisse zu Verschiebungen bei den Social-Media-Nutzern. Die Google-Alternative DuckDuckGo verzeichnete mehr als 100 Millionen tägliche Suchanfragen. Diese Zahl ist allerdings im Vergleich zu Google nicht beeindruckend: Google verzeichnet fünf Milliarden Suchanfragen pro Tag. Ähnlich hoffnungslos sieht es für Facebook-Konkurrenten aus:MeWe hat ganze 15.5 Millionen Mitglieder, was im Vergleich zu den Milliarden von Facebook-Nutzern schlicht nicht ins Gewicht fällt. Die App-Analyse der Firma Sensor Tower verzeichnete gemäss Medienberichten immerhin ein Wachstum der WhatsApp-Konkurrenz:

“Die Downloads von WhatsApp fielen zwischen dem 5. und 12. Januar im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 2 Millionen auf 10,6 Millionen. Im Vergleich dazu sah Signal 17,8 Millionen Downloads, während Telegram 15,7 Millionen verzeichnete..."

Die beiden WhatsApp-Alternativen geben an, dass sie Millionen von neuen Usern hätten – im Falle von Telegram habe man 500 Millionen Benutzer erreicht.

Doch ist der Abschied von WhatsApp aus Datenschutzgründen eine gute Sache? Matthias Schwarzer von RND.de ist nicht überzeugt. Denn der beliebteste Zufluchtsort nach dem aktuellen Whatsapp-Boykott scheine nicht die sichere Schweizer Alternative Threema zu sein, oder das von Elon Musk beworbene US-Pendant Signal – sondern ausgerechnet Telegram. Dabei sei nicht einmal der Standort des Unternehmens bekannt:

“Das Entwicklungsteam befindet sich nach eigenen Angaben in Dubai, bei den Gründern handelt es sich um zwei russische Entwickler. Wo genau die Server stehen, ist weitestgehend unklar. Zudem gilt Telegram laut Recherchen des Portals „heise.de“ aus dem November 2020 als Datenschutz-Albtraum.“

Wieso ist denn Telegram trotzdem die bevorzugte WhatsApp-Alternative? Matthias Schwarzer hat eine Antwort: 

“Weil der Datenschutz am Ende augenscheinlich doch eine deutlich geringere Rolle spielt als die tatsächliche Verbreitung des Dienstes. Wer garantiert jemanden per Videochat erreichen will, der setzt – trotz Sicherheitslücken – auf Zoom. Wer garantiert jemanden per Chat erreichen will, nutzt Whatsapp – oder jetzt eben Telegram. […] Dienste wie Threema und Signal dürften zwar in der Techblase boomen – in der Welt von Arbeitskollegen, Nachbarn, Schul- und Kindergartengruppen dürfte jetzt jedoch ausgerechnet ein Messenger zur Alternative herangezogen werden, der die geringste Sicherheit überhaupt bietet. Nämlich Telegram.“


Saturday, October 10, 2020

Das Taxi ohne Fahrer ist bereits unterwegs – und es kommt von Google

Das ist ja schnell gegangen: In Phoenix, im Bundesstaat Arizona, ist es ab sofort möglich, ein Taxi zu bestellen, dass autonom, also ohne Fahrer, unterwegs ist. Allerdings ist auch kein Fahrer da, der dabei hilft, den Koffer in den Kofferraum zu hieven. 

Das fahrerlose Waymo-Taxi wird per App bestellt.
                                                                           Screenshot App Store

Waymo ist eine amerikanische Firma, die sich auf die Entwicklung autonomer Autos spezialisiert hat. Und wie so viele andere Firmen im digitalen Bereich gehört auch Waymo zu Alphabet, der Muttergesellschaft von Google. Wenn also das Taxi in Phoenix anrollt und kein Fahrer drinsitzt, kommt es sozusagen von Google… 
Waymo hat seinen kommerziellen selbstfahrenden Taxidienst in Phoenix, Arizona, schon seit einiger Zeit betrieben – unter dem Namen Waymo One, für ausgewählte Kunden. Nun soll der Service ab sofort der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, wie das Unternehmen mitteilt. Benutzer im Grossraum Phoenix können ihr Taxi mit einer App bestellen, die bei Google Play und im App Store heruntergeladen werden kann. Die Betreiber sind nicht unbescheiden, mit der Beschreibung ihrer Dienstleistung im App Store:

“Geniessen Sie Ihre Reise: Entspannen Sie sich auf dem Rücksitz Ihres privaten, geräumigen und sauberen Autos. Hören Sie Musik, treffen Sie sich mit einem Freund oder machen Sie einfach ein Nickerchen. Sie werden sich auf jede Fahrt freuen.”

Waymo erklärt den potentiellen Fahrgästen auch, wie die autonomen Taxis funktionieren:

“Unsere Kameras, Laser und Radargeräte arbeiten zusammen, so dass der digitale Waymo Driver in alle Richtungen klar sehen kann - bei Tag und bei Nacht. Waymo hat in den letzten 10 Jahren Millionen von Meilen unter allen möglichen Bedingungen zurückgelegt, angefangen in unseren frühen Tagen als Googles Projekt für selbstfahrende Autos. Dazu kommen Milliarden von Meilen, die wir in der Simulation gefahren sind. Der digitale Waymo Driver lernt ständig dazu. Wir lernen mit jedem Kilometer, den wir fahren, dazu, und diese Lektionen werden mit unserer gesamten Fahrzeugflotte geteilt.“

Die ersten Gäste scheinen jedenfalls zufrieden zu sein. Für sie sei das fahrerlose Taxi “ein magisches Erlebnis“ gewesen, heisst es in der Mitteilung des Unternehmens.

Wie so viele anderen Errungenschaften des digitalen Zeitalters, die uns am Anfang “magisch“ erschienen, werden wir uns auch an fahrerlose Autos gewöhnen. Und bald schon wird es eine Generation von Usern geben, die sich nichts mehr anderes vorstellen kann.


Monday, November 18, 2019

Google will vor langsamen Websites warnen

Google hat an einer Konferenz in den USA angekündigt, dass das Unternehmen erwägt, Internet-User vor Websites zu warnen, die langsam laden. Das könnte geschehen, indem im Chrome-Browser eine Mitteilung angezeigt wird, bevor oder während die entsprechende Seite lädt.

Für die meisten User kann's beim Laden nicht schnell genug gehen - und
Google will da nachhelfen.                                                            pixabay.com
Man glaube bei Google, dass das Web noch viel besser werden könne, war vom Chrome-Team zu hören. Deshalb wolle man alle Entwickler ermutigen, bessere Websites zu bauen. Schlecht gebaute Websites oder solche, die mit alten Methoden programmiert werden, können sich unabhängig von der Internetverbindung der User auf die Ladegeschwindigkeit auswirken. Auf solche Sites möchte Google in Zukunft immer weniger verweisen müssen - und bis es soweit ist, die Anwender wenigstens früh genug davor warnen, dass die Website, die sie ansehen möchten, zu langsam lädt. Das Unternehmen wird dies tun, indem es die durchschnittliche Ladedauer von Websites in der nahen Vergangenheit misst.
In Zukunft möchte man diese Messungen noch erweitern, um zu identifizieren, ob eine Seite für einen Benutzer aufgrund seiner Geräte- und Netzwerkbedingungen zu langsam sei, gab das Unternehmen bekannt.
Google prüft verschiedene Möglichkeiten, dies zu erreichen. In Betracht gezogen wird zum Beispiel ein Splash-Screen, der beim Anklicken eines Links erscheint und die User davor warnt, dass die gewünschte Seite "normalerweise langsam" geladen wird. Schnelle, Websites, auf der andern Seite, sollen mit einer grünen Fortschrittsanzeige ausgezeichnet werden. Man hoffe, die Messlatte so zu setzen, dass die Nutzer ein gutes Erlebnis hätten das gleichzeitig für die Website-Entwickler praktisch machbar sei.
Google ermuntert Webentwickler, nicht mit der Optimierung Ihrer Websites zu warten und bietet eine Reihe von Ressourcen an, um ihre Ladegeschwindigkeit zu verbessern.
Es ist noch nicht klar, wann das neue Warn-Systeme in Chrome erscheinen wird. Man darf davon ausgehen, dass Google auch das Feedback von Web-Entwicklern in die Entscheidung einbeziehen wird.

Wednesday, June 5, 2019

Erfolg schafft Feinde - auch im Internet

Die ganz grossen Amerikanischen Technologieunternehmen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, haben sich aber während ihrer letzten erfolgreichen Jahre auch viele Feinde geschaffen. Facebook, Google, Amazon und Apple sind bis jetzt immer reicher und mächtiger geworden - ohne viel Gegenwind. Das ändert sich nun. In den USA gibt es Bestrebungen von links und von rechts, die Macht der Internetgiganten einzuschränken.

Ist Google - zusammen mit anderen Internetgiganten - ein
Unternehmen, dass seine Monopolstellung ausnutzt?
Verschiedene Untersuchungen wollen genau das heraus-
finden.                                                                   Grafik PD
So soll das US-Justizministerium eine Untersuchung zu Google vorbereiten, und ein Kongressausschuss hat eine Untersuchung des Wettbewerbs auf den digitalen Märkten eingeleitet. Gemäss Presseberichten soll die Federal Trade Commission  die Verantwortung für die Untersuchung von Facebook und Amazon übernehmen, während das Justizdepartement Apple und Google unter die Lupe nimmt. Die Untersuchung des Kongressausschusses soll parteiübergreifend sein und prüfen, ob die betreffenden Unternehmen stärker an die Kandare genommen werden sollten. 
Google und Co. bläst der Wind nicht nur ins Gesicht, weil sie als Unternehmen so erfolgreich und gross geworden sind. Politisch haben sich in den letzten Monaten unheilige Allianzen gebildet, die aus ganz unterschiedlichen Gründen das gleiche Endresultat anstreben: Die Macht der Internetriesen soll beschnitten werden. Auf Seiten der Republikaner ist man fest davon überzeugt, dass das Silicon Valley im liberalen Kalifornien ein unfreundlicher Ort für Konservative ist. In der Verlängerung gilt das natürlich auch für die dort ansässigen Unternehmen. Präsident Trump hat sich schon mehrfach zum Thema geäussert und das Weisse Haus hat nun auch eine Initiative gestartet, die es Social-Media-Nutzern ermöglicht, ihre Erfahrungen zu teilen, wenn sie das Gefühl haben, fälschlicherweise zensiert oder auf Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter gesperrt worden zu sein. "Unabhängig von Ihren Ansichten, wenn Sie vermuten, dass politische Voreingenommenheit eine solche Aktion gegen Sie ausgelöst hat, teilen Sie Ihre Geschichte mit Präsident Trump“, heisst es auf einer dazu eingerichteten Website. Druck auf die Internetgiganten kommt aber auch von links: zum Beispiel von  Elizabeth Warren, einer langjährigen Kartellrechtlerin, die jetzt für die demokratische Nominierung zum Präsidenten kandidiert. "Google hat zu viel Macht, und sie nutzen diese Macht, um kleine Unternehmen zu verletzen, Innovationen zu ersticken und das Spielfeld gegen alle anderen zu kippen. Es ist Zeit, sich zu wehren", sagt sie. 
Sicherlich ist die Zeit des unregulierten Wachstums endgültig vorbei. Wie gross die Gefahr für Google wirklich sei, wisse man nicht, schreibt die Handelszeitung, weist aber darauf hin, dass Google von der EU schon dreimal zu einer Milliardenstrafe verurteilt wurde. Als Gründe wurden der Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung auf dem Markt für Online-Werbung, illegale Praktiken bei Android-Mobilgeräten und die unzulässige Vorzugsbehandlung des eigenen Preisvergleichsdiensts angegeben. Ebenfalls geäussert wurde allerdings die Beobachtung, dass Google und Co. für die EU ganz einfach zu einer Geldquelle geworden sei, aus der Milliarden von Bussgeldern geschöpft werden können.
Was heisst das nun für die grossen Internetfirmen? 
Insgesamt weht den Techkonzernen jedenfalls ein härterer Wind entgegen als noch vor ein paar Jahren und eine harte Strafe gegen Google könnte zu weiteren Untersuchungen und Urteilen gegen andere Internetkonzerne führen. Auch Facebook und Amazon haben eine marktbeherrschende Stellung in den USA und stehen zudem wegen «Fake News» und Steuertricks in der Kritik.

Thursday, May 23, 2019

Autonome Autos: Akzeptanz und Aggression

Die meisten Konsumenten freuen sich darauf, dass ihnen ihr Auto in Zukunft das Fahren abnehmen wird. Sie versprechen sich davon Vorteile wie Effizienz und Zeitersparnis. Eine neue Studie des Capgemini Research Institute hat ergeben, dass sich die Präferenz der Verbraucher für das Fahren in selbstfahrenden Autos innerhalb der nächsten fünf Jahre verdoppeln wird. Allerdings zeigen praktische Versuche in Kalifornien, dass die Praxis nicht so reibungslos läuft: Viele Verkehrsteilnehmer hassen die autonomen Fahrzeuge wegen ihres Fahrstils, und diese werden manchmal sogar angegriffen.
Die positive Meldung zuerst: eine Studie über selbstfahrende Autos des Capgemini Research Instituts, hat durchaus eine positive Resonanz bei den Verbrauchern ausgemacht. Während nur 25 Prozent der Befragten es vorziehen würden, in 12 Monaten in einem selbstfahrenden Auto gegenüber einem traditionellen Fahrzeug zu fahren, sagen mehr als die Hälfte, dass fahrerlose Autos bis 2024 ihr bevorzugtes Verkehrsmittel sein werden. 56 Prozent der Befragten sagen sogar, dass sie bereit wären, für ein autonomes Fahrzeug bis zu 20 Prozent mehr als für ein Standardfahrzeug zu bezahlen.
Die Ergebnisse deuten auf eine sich ändernde Wahrnehmung von Mobilität hin. Die Verbraucher glauben, dass autonome Autos eine größere Rolle in ihrem täglichen Leben spielen werden, die über den Akt des Fahrens hinausgehen und auch Autonomie bei der Erledigung von Besorgungen und Aufgaben haben. 49 Prozent der Befragten wäre damit einverstanden, dass selbstfahrende Autos in ihrem Namen eine Besorgung durchführen; mehr als die Hälfte würde darauf vertrauen, dass ein autonomes Fahrzeug Freunde und Familienmitglieder absetzt oder abholt, während jeder zweite erwartet, dass selbstfahrende Autos ihnen helfen, Zeit zu sparen, um andere Aktivitäten zu verfolgen.
Tatsächlich gibt es noch nicht viele Orte, wo selbstfahrende Autos unterwegs sind. Einer davon ist Phoenix im amerikanischen Arizona, wo Google unter dem Namen Waymo seine selbstfahrenden Autos im täglichen Verkehr testen kann. Bis jetzt sind die Tests ohne grosse Unfälle oder Schäden durchgeführt worden. Wie aber der London Telegraph berichtet, haben die autonomen Fahrzeuge mit Aggressionen zu kämpfen:
“Berichte vom letzten Jahr reportieren, dass einige der Autos zum Ziel von Angriffen frustrierter Anwohner geworden waren, die Reifen beschädigten und Steine auf die Fahrzeuge warfen. Zwar scheinen die Bürger von Phoenix entsetzt über die Vorstellung, dass die Autos zu Zielen von Gewalt geworden sind. Aber die Frustration über ihren zu  vorsichtigen Fahrstil ist eine häufige Klage, ebenso wie die Angst von Autofahrern, welche die Waymo-Autos unberechenbar finden und nicht davon ausgehen, dass diese sich wie ein menschlicher Fahrer verhalten. In einem Hotel in der Nähe des Phoenix Airport seufzt die Frau am Schreibtisch über die Erwähnung von Waymo. "Ich hasse diese Autos", sagt sie. "Man wartet hinter einem, um links abzubiegen, und es wartet nur, wartet, wartet, wartet, wartet… in einer Zeitspanne, in der vier oder fünf Autos hätten fahren können."
Waymo sagte, dass die Angriffe eine kleine Minderheit der Tausenden von Meilen betrafen, die von den Autos jeden Tag zurückgelegt wurden. Aber das Potenzial für Feindseligkeit in der Öffentlichkeit ist etwas, das selbstfahrende Autofirmen ernst nehmen sollten, sagt John Suh von Hyundai."Wenn etwas keine Gefühle hat und eine Dienerrolle übernimmt, öffnet das Tür und Tor für Missbrauch", sagt er.“
Vertrauen schaffen, scheint also für autonome Fahrzeuge unabdingbar zu sein. Waymo versucht das unter anderem damit, die Leute in ihren Autos fahren zu lassen. Letztes Jahr führte das Unternehmen sogar einen kommerziellen Taxidienst mit seinen Fahrzeugen ein.

Thursday, February 7, 2019

Vorteil und Nachteil: Gmail-Post kommt auch an, wenn die Adresse nicht genau stimmt

Wir haben uns seit Jahren darüber gewundert, weswegen E-Mails in unserem Postfach landen, die eigentlich gar nicht an uns adressiert sind. Die Adresse der fraglichen Mails ist zwar ähnlich, aber nicht dieselbe - es fehlt ein Punkt. Jetzt ist das Rätsel gelöst.

Das G-Mail-Logo: E-Mail-Adressen für Googles Gmail-Dienst
werden auch zugestellt, wenn nicht alles punktgenau stimmt.  
Eigentlich war es gar kein Rätsel. Wenn wir nämlich die Geschäftsbedingungen von Gmail an voller Länge durchgelesen hätten - was wir selbstverständlich nicht mal versucht haben - hätten wir schnell herausgefunden, was Sache ist. Deswegen teilen wir unsere Erkenntnis an dieser Stelle gern, da wir davon ausgehen, dass es viele Gmail-Nutzer gibt, die mit dem gleichen Rätsel konfrontiert sind.
Gmail ist ein sehr leistungsstarker E-Mail-Service aus der Google-Cloud, der viele Features bietet, von denen die meisten allerdings den meisten Usern unbekannt sind. Eines dieser Features, das Google aus Datenschutzgründen eingeführt hat, besteht darin, dass  Gmail Punkte im ersten Teil der E-Mail-Adresse ignoriert.  Mails an DigitalSocietyReport@gmail.com kommen also auch dann an, wenn die Adresse Digital.Society.Report@gmail.com lautet. Andere Gmail-User haben keine Möglichkeit, eine E-Mail-Adresse zu registrieren, die sich nur durch einen oder zwei Punkte vom Original unterscheidet. Ein Name ist bei Gmail ein Name - und er gehört dem ersten User, der ihn registriert.  Oder wie es ZDNet formuliert:
“Eine Besonderheit von Gmail ist, dass es „Punkte“ in Kontonamen ignoriert. Registriert ein Nutzer beispielsweise die Adresse johndoe@gmail.com, können andere Nutzer Adressen wie john.doe@gmail.com nicht in Anspruch nehmen. Darüber hinaus stellt Google aber auch Nachrichten, die eben an john.doe@gmail.com oder an jo.hn.doe@gmail.com verschickt wurden, an das Postfach von johndoe@gmail.com zu…“
ZDNet berichtet aber auch darüber, dass diese Funktion von Kriminellen missbraucht wird:
“Eine Möglichkeit, diese Funktion zu missbrauchen, ist die Registrierung bei kostenlosen Online-Diensten. Da diese zwischen johndoe und john.doe unterscheiden, kann ein Nutzer also beispielsweise mit der Adresse johndoe@gmail.com auch auf john.doe oder john.d.oe registrierte Konten eines anderen Diensts verwalten, ohne ein neues E-Mail-Konto anlegen zu müssen[…] Auf weitere Betrugsmaschen macht aktuell der Sicherheitsanbieter Agari am Beispiel einer Gmail-Adresse aufmerksam, für die insgesamt 56 „Dot“-Varianten angelegt wurden. Sie wurden benutzt um 56 Anträge für Kreditkarten zu stellen, was den Betrügern eine Kreditsumme von mindestens 65.000 Dollar einbrachte. In 13 Fällen konnten sie zudem erfolgreich Steuerrückzahlungen beantragen…“
Was tun? Google wird seine Politik bezüglich Punkten in E-Mail-Adressen kaum ändern. Für Gmail-User heisst es, ihre Post genau zu lesen - vor allem wenn Bestätigungen für Registrierungen erfragt werden. Denn wenn die E-mail-Adresse nicht ganz genau stimmt - mit oder ohne Punkt - ist die Post wahrscheinlich für diese Adresse nicht relevant.  

Tuesday, January 29, 2019

DSGVO: Bussen als Geldquelle und “globaler Standard“

Die Datenschutz-Grundverordnung der EU ist seit sieben Monaten in Kraft - und die meisten Anwender werden davon nichts bemerkt haben. Ganz im Gegensatz zum Internetriesen Google, der von der Französischen Datenschutzbehörde CNIL aufgrund der neuen EU-Vorschriften zu 50 Millionen Euro Busse verknurrt wurde (und prompt Einsprache eingelegt hat).  Gesamthaft gesehen hat die DSGVO dazu geführt, dass viele, vor allem grosse Unternehmen, auch ausserhalb der EU, ihre Datenschutzregeln angepasst haben.

Seit sieben Monaten in Kraft: die Europäische Datenschutzver-
ordnung.                                                                 Bild Pixabay
Noch ist nicht klar, wieviel die DSGVO wirklich für den Datenschutz der einzelnen Nutzer tut. Für die Bussenkassen der einzelnen EU-Länder könnte sich die Verordnung jedenfalls zu einer rentablen Einnahmequelle entwickeln. Allein in Deutschland sind in den letzten Monaten 41 Bussen verhängt worden, die höchste davon kostet 80‘000 Euro. Viele zusätzliche Verfahren seien noch hängig, meldet das Handelsblatt. Google hat es da mit 50 Millionen Euro schon schlimmer getroffen:
“Frankreichs Datenschutzbehörde (CNIL) begründet die Busse damit, dass Google den Nutzern nicht vollständig mitgeteilt habe, wie ihre persönlichen Daten erfasst werden und was mit ihnen geschieht. Google habe zudem keine rechtlich fundierte Zustimmung der Nutzer eingeholt, um personalisierte Anzeigen zu schalten, so die Behörde. Damit liefen die Geschäftspraktiken von Google der Datenschutzverordnung zuwider, so die CNIL in einer Mitteilung. Angesichts der Marktdominanz von Android in Frankreich und der Vielzahl von Google-Services sei es aber zentral, dass Google die DSGVO einhalte, so die Datenschützer.“  (Inside-it.ch)
Google wiederum fühlt sich von den französischen Datenschutzbehörden unfair behandelt:
“Google legt Einspruch gegen die Datenschutzstrafe von 50 Millionen Euro in Frankreich ein. Man habe hart an einem Zustimmungsverfahren für personalisierte Werbung gearbeitet, das möglichst transparent sein sollte und auf Empfehlungen der Regulierer basierte, sagte der Internetkonzern zur Begründung gestern.“ (orf.at)
Die DSGVO wird wahrscheinlich noch zahlreiche andere Unternehmen teuer zu stehen kommen - wobei angenommen werden darf, dass sich die Behörden vorerst vor allem auf grosse Firmen konzentrieren werden, denen auch viel höhere Bussen aufgebrummt werden können und auf welche die Bestimmungen auch zugeschnitten sind. Es sei für kleinere Firmen viel schwieriger, die DSGVO-Anforderungen zu erfüllen, schrieb die Handelszeitung im letzten Jahr.  Viele KMU könnten sich das gar nicht leisten. Ohnehin gelte: Je kleiner das Unternehmen, desto grösser sei der Aufwand, um die IT der DSGVO anzupassen. Für die Unternehmen sei die DSGVO “eine grosse Geldvernichtungsmaschine“. 

Die NZZ freut sich auf jeden Fall daran, dass die DSGVO sich “zum globalen Standard mausert“, obwohl das Gesetz “nicht ideal“ sei:
“Das seit Mai 2018 scharf gestellte neue Datenschutzgesetz der EU (Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO) ist der Hebel der Europäer, sich auch international für den Schutz personenbezogener Daten einzusetzen. Obwohl nicht ideal, so ist das Gesetz immerhin geeignet, einen quasi globalen Standard zu schaffen, wie weit Unternehmen und Behörden persönliche Daten ihrer Bürger verwenden dürfen und wo die Privatsphäre des Einzelnen beginnt. Die globale Relevanz zeigt sich nicht zuletzt darin, dass auch die USA, Kanada und Indien den 28. Januar als Data Privacy Day feiern und die EU und die USA die Bestimmungen zum gegenseitigen Datenaustausch (Privacy Shield) Ende 2018 zum zweiten Mal verlängert haben.“

Thursday, December 6, 2018

Autonome Autos mit Notfall-Chauffeur: Google fährt Taxi

Jetzt kommen sie also, die fahrerlosen Taxis, allerdings erst in den USA und immer noch mit Notfall-Chauffeur - im Falle eines Falles. Aber immerhin. In Phoenix im Bundesstaat Arizona ist es jetzt tatsächlich möglich, eine Taxifahrt in einem selbstfahrenden Fahrzeug zu buchen.

Ein autonomer Waymo-Van, wie er auch für den Taxibetrieb verwendet werden
soll, bei einer Testfahrt in Kalifornien.                                        Bild Wikimedia
Waymo gehört zu Alphabet, ist also eine Firma die zum gleichen Konzern gehört wie Google. Momentan können einige hundert Beta-Tester im Grossraum Phoenix eine Fahrt in einem fahrerlosen Taxi mit Waymo-Technologie buchen und bezahlen. Waymo One ist natürlich ein Konkurrent von Uber - oder will zumindest einer werden. Kunden buchen Fahrten und bestätigen ihren Standort durch eine App. Waymo wählt die beste Route und den besten Aussteigepunkt, was bedeuten kann, dass der Passagier einige Minuten zu Fuss zu seinem endgültigen Ziel geht, ähnlich wie bei einem Discountservice, den Uber anbietet. Waymo liefert sogar ein Preisangebot zum Zeitpunkt der Buchung und verwendet die "Upfront Pricing"-Methode, die Uber 2016 als Alternative zum traditionellen Taxameter eingeführt hat.
In diesem Zusammenhang ist eine Aussage interessant, die Waymo-Chef John Krafcik kürzlich an einer Konferenz gemacht hat:
“Er sagte, dass es der Industrie wohl niemals gelingen werde, Autos zu bauen, die zu jeder Jahreszeit und bei allen Wetterlagen autonom fahren können. […] “Autonomie wird immer ein paar Einschränkungen haben“, sagte Krafcik. […] Das größte Potential für autonome Fahrzeuge sieht Krafcik derzeit im Speditionsbereich, wo schon in den nächsten Jahren die ersten selbstfahrenden Lastwägen auftauchen würden. Derzeit werden in den USA etwa 50‘000 Brummifahrer gesucht, wobei der Bedarf an Truckern in den nächsten Jahren auf bis zu 275‘000 steigen soll. Für solche Fahrten seien autonome Systeme sehr gut geeignet: „Güter größtenteils auf Autobahnen von Lager zu Lager zu transportieren ist ziemlich simpel“, sagte Krafcik.“
Der Waymo-Boss ist also trotz praktischer Fortschritte im autonomen Fahren vorsichtig mit seinen Prognosen. Da ist er nicht der Einzige. Der Deutsche Automobilclub ADAC hat kürzlich eine Studie zum Thema machen lassen, die versucht, gewisse Zeitrahmen und Erwartungen abzustecken. Sie sagt voraus, dass Automatisierungsfunktionen ab 2020 zuerst auf Autobahnen funktionieren werden. Bis zum Jahr 2050 könnten dort etwa 40 Prozent aller gefahrenen Kilometer automatisiert zurückgelegt werden. Allerdings wird auf Autobahnen nur ein Drittel der Fahrleistungen erbracht. Systeme, die auch den Stadtverkehr beherrschen und erst recht solche, die auf allen Strassenarten funktionieren, werden laut der Prognos-Studie erst deutlich später auf den Markt kommen. Gerade auf Landstrassen würden Automatisierungsfunktionen jedoch die grösste Wirkung entfalten. Hier wird knapp die Hälfte der Fahrleistungen erbracht, hier sind aber auch mit einem Anteil von 60 Prozent die meisten Verkehrstoten zu beklagen. Entsprechende Systeme für Landstrassen würden aber vermutlich erst gegen 2040 verfügbar sein.“

Wir werden also in den nächsten Jahren viel von autonomen Autos hören. Waymo ist erst der Anfang. Bis die Autos aber wirklich selber fahren lernen, werden noch viele Fahrzeuge von Menschen gelenkt über die Autobahnen brausen. Da vor allem auf Landstrassen schwere Unfälle passieren, also dort, wo die Automatisierung noch länger nicht greifen wird, ist das Potenzial des automatisierten Fahrens für die Verkehrssicherheit vorläufig geringer als allgemein erwartet wird. Gleichzeitig können sicherheitsorientierte Assistenzsysteme, wie Notbrems- und Spurhalteassistenten, schon heute deutliche Steigerungen der Sicherheit bewirken.



Thursday, October 25, 2018

Google will mit Ihnen noch persönlicher werden

Google ist der mächtigste der mächtigen Internet-Giganten - und möchte das auch in Zukunft bleiben. Damit sich weiterhin während jeder Minute viele Millionen Menschen mit ihren Fragen an die grösste aller Suchmaschinen wenden - die in Tat und Wahrheit schon längst ein Monopol hat - will Google in nächster Zeit massive Änderungen einführen. KI wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Discovery - um die User länger
zu fesseln.              Bild Google
Viele hundert Milliarden Internet-Seiten hat Google gemäß eigenen Angaben indexiert, damit die Google-Suche in mehr als 150 Sprachen und über 190 Ländern angeboten werden kann. Aber Google will mehr, als nur Fragen beantworten. Die Suchmaschine will ihre Nutzer und deren Bedürfnisse kennenlernen und sie mit Informationen versorgen, noch bevor sie eine Frage stellen. Der erste Schritt zu diesem Ziel war der sogenannte Google-Feed, der auf der Startseite erscheint - wenn er vom User nicht unterdrückt wird. Google hat aber weit grössere Ambitionen; mit künstlicher Intelligenz und neuen personalisierten Angeboten. Gemäss Google-Blog könne man jetzt die Sprache der User verstehen, wie nie zuvor:
“Jetzt aber haben wir den Punkt erreicht, an dem neuronale Netze uns einen entscheidenden Schritt weiterhelfen, wenn es darum geht, nicht nur Worte zu verstehen, sondern Konzepte. Mit sogenannten “Neural Embeddings”, einer Form neuronaler Netze, können wir Worte in allgemeinere Darstellungen der zugrundeliegenden Konzepte verwandeln. Diese Konzepte können wir in der Suchanfrage mit den Konzepten der Websites abgleichen. Diese Methode nennt man “Neural Matching” […] Ob es darum geht, potenziell durch eine Überflutung gefährdete Gebiete vorauszusagen oder euren Traumjob zu finden: Mithilfe von KI können wir viel besser und schneller die passenden Informationen liefern.“
Tatsächlich funktioniert Google heute weniger wie eine Suchmaschine, sondern mehr wie eine gigantische und allwissende Auskunftsagentur. Sie beantwortet Fragen und ist fast nie um eine Antwort verlegen. Die neue Google-Strategie will aber viel mehr, wie die SZ erklärt:
“Statt Nutzer möglichst schnell wegzuschicken, sollen sie künftig so lang wie möglich bleiben. Dann kann Google mehr Werbung einblenden und mehr Daten sammeln. Denn darum geht es: Google wettet darauf, dass es mehr über seine Nutzer weiß als Facebook und ihnen zum richtigen Zeitpunkt die passenden Inhalte anzeigen kann. Der Suchverlauf verrät Interessen, Pläne und heimliche Vorlieben, von denen nicht einmal die engsten Freunde wissen: das nächste Reiseziel, das Geburtstagsgeschenk für den Partner, manchmal sogar Schwangerschaften, noch bevor es die Frau selbst ahnt. Google kennt die E-Mails von knapp anderthalb Milliarden Gmail-Nutzern und kann über Chrome und Android, den größten Browser und das dominierende Smartphone-Betriebssystem, weitere wertvolle Daten sammeln. Googles Werbenetzwerke und Tracking-Werkzeuge durchziehen das gesamte Netz wie digitale Wanzen, die Information über fast alle Klicks an Google übertragen. Diesen gewaltigen Datenschatz nutzt das Unternehmen, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Nun soll er auch als Grundlage für individuell zugeschnittene Inhalte dienen. Diese kuratierten Inhalte, die Google bald auf der mobilen Webseite standardmäßig anzeigen will, wurden jahrelang getestet. 2012 startete Google Now, später wurde daraus der Google-Feed, ab sofort heißt der Nachrichtenstrom Discover. “
Googles Anstrengungen, mit seinen Nutzern noch persönlicher zu werden, kommen nicht überall gut an. Immer wieder wird davor gewarnt, dass das Unternehmen durch seine Datensammlung zu viel Macht (und Geld) anhäuft. So argumentiert zum Beispiel aktuell die schweizerische Handelszeitung, der Staat müsse Google und Co. endlich “bändigen“:
“Das Digi-Oligopol diktiert. Sodass sich heute ein jeder für die FANG-Algorithmen zu optimieren sucht. Doch wie Google sucht, Facebook informiert oder Amazon handelt, bleibt nebulös. Ihre Algorithmen sind Geschäftsgeheimnis. Sie entziehen sich jeglicher demokratischen Kontrolle. Obgleich ihre Handlungsvorschriften uns die Welt (ausserhalb unserer physischen) überhaupt erst ordnen und vermitteln. Eine gigantische Wirkungsmacht, die es endlich rechtsstaatlich zu bändigen gilt.“

Wednesday, September 19, 2018

Ein digitales Paradox: Wir misstrauen den Grossen, aber bleiben ihnen treu

Die grossen Digitalkonzerne haben ein Problem, das sich langfristig sehr negativ auf ihre bis anhin sehr lukrativen Geschäfte auswirken könnte: Sie verlieren das Vertrauen der User. Vor allem junge Menschen trauen den Internet-Giganten immer weniger und glauben, dass die Konzerne besser reguliert werden sollten.

In nur 20 Jahren zur fast totalen Marktbeherrschung - aber Google hat ein
Imageproblem.                                                            flickr/creative Commons
Eigentlich ist es ja nicht überraschend: Die meisten Menschen reagieren misstrauisch auf beinahe uneingeschränkte Marktmacht, auch wenn dies oft günstigere Preise zur Folge hat. Das gilt auch und besonders im digitalen Sektor, wo Skandale und Datenmissbrauch in regelmässigen Abständen für Schlagzeilen sorgen. Eine aktuelle Umfrage (von Civey, durchgeführt für NEXT Conference) bei  5000 Internetnutzern in Deutschland hat nun wieder gezeigt, dass Google, Facebook oder Amazon zwar intensiv genutzt werden, aber nicht auf das Vertrauen der Anwender zählen können. Vier Fünftel der jungen Anwender haben wenig oder gar kein Vertrauen in die globalen Digitalkonzerne und meinen, dass der Staat diese Giganten unter die regulatorische Knute nehmen sollte. Allerdings hat dieses fehlende Vertrauen so gut wie keine Konsequenzen - unter anderem weil die digitalen Konsumenten zu bequem sind, andere Anbieter zu nutzen. Ausserdem halten viele User kleinere Anbieter für schlechter.
Dieses digitale Paradox hat viele Wurzeln. Da gab es Cambridge Analytica, Datenmissbräuche allenthalben, und dann sind da noch die so elegant benannten Shitstorms und alle anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der digitalen Kommunikationsformen. Die grossen Digitalkonzerne bieten in diesem Zusammenhang auch die grösste Angriffsfläche - nicht immer mit Berechtigung. Aber gerade Google, jener Konzern, der dieses Jahr 20 Jahre alt wurde und doch bereits den Alltag des grössten Teils der Menschheit beeinflusst, stösst immer mehr an - weil der Konzern zu einer gewaltigen Datenkrake geworden ist. Zitat aus svz.de:
“Die Sammelwut von Google kennt keine Grenzen. Das Unternehmen zapft dafür all seine Produkte, vom Email-Dienst über das Videoportal bis zum Betriebssystem an. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender das eigentlich gar nicht nicht möchten. Das Bundesjustizministerium kritisiert daraufhin Googles Datenschutzpraxis in einem Brief an die oberste Führungsetage des Unternehmens.Vor allem in Europa wird inzwischen auch die Marktmacht von Google kritisch gesehen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es wegen dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Google habe „seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft“, hieß es damals. Im Juli 2018 folgte eine weitere Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Der Grund: Google verlangt von Handyherstellern unter anderem, dass sie bestimmte Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorinstallieren, wenn sie Android verwenden wollen. Ein weiterer Wettbewerbsverstoß.“
Vorläufig können die Internetgiganten mit ihrer Unbeliebtheit leben. Auf die Dauer könnte sich aber daraus ein echtes Problem entwickeln.

Thursday, July 26, 2018

Ein digitaler Schlüssel, der Phishing verhindert


Ein kleiner USB- Stick, der aussieht wie ein Schlüssel, sorgt dafür, dass Phishing als Bedrohung nicht mehr so brandgefährlich ist. Das Gerät funktioniert als Identifikationsmittel, und sorgt zusammen mit einem Passwort für Zwei-Faktor-Authentifizierung für Nutzerkonten - wie sie zum Beispiel beim Internetbanking schon lange üblich ist.

Ein digitaler Schlüssel am Bund, um erfolgreiche Phishing-Attacken zu ver-
meiden.                                                                          Screengrab amazon.de
Phishing kann sehr weitreichende Folgen haben - das zeigte sich zum Beispiel im letzten Amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Hätte Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta damals einen YubiKey benutzt, um sein Google-Nutzerkonto zu schützen, hätten die Hacker sein E-Mailpasswort nicht mit einer einfachen Phishing-Nachricht in Erfahrung bringen können, viele unschöne  E-Mails  wären geheim geblieben, und die Weltgeschichte hätte vielleicht einen anderen, weniger spektakulären Verlauf genommen.
YubiKey funktioniert ganz einfach, wie dieWelt erklärt:
“Die Idee hinter dem Schlüssel ist simpel: Nutzer müssen zur Anmeldung an einem neuen Computer oder Smartphone den Schlüssel in einen USB-Anschluss ihres Geräts einstecken und können sich erst dann anmelden. Ein Hacker, der ein Passwort per Phishing erobert hat, kommt ohne den physischen Schlüssel seinem Ziel keinen Schritt näher. Umgekehrt funktioniert der Schlüssel nicht ohne das Passwort. Ein gewöhnlicher Dieb, der den Schlüsselbund samt Yubikey klaut, kann damit nichts anfangen. Auch kopieren lässt sich ein Yubikey nicht. Der Standard hinter dem Yubikey heißt U2F. Die Abkürzung steht für „universelles Zwei-Faktor-Verfahren“. Diese Verfahren zum Log-in bei Webseiten, Mailkonten oder Unternehmens-Servern nutzen neben dem Passwort immer eine weitere Sicherung, etwa über ein zweites Gerät oder einen Gegenstand, den der Nutzer bei sich trägt.“
Eine fast todsicher Schutz also - was auch von verschiedenen grossen Firmen bestätigt wird. Zum Beispiel von Google: Seit das System bei Google eingeführt wurde, sei kein einziger Phishing-Fall unter den 85‘000 Mitarbeitern mehr zu verzeichnen gewesen. Gemäß YubiKey wird die Technologie auch bei Facebook und am CERN angewandt. Keine schlechte Bilanz für ein Gerät, das nur gerade 20 Euro kostet.
Der Erfolg von YubiKey scheint auch Google beeindruckt zu haben. So stark, dass man selber mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt kommen will. Das Ding heisst Titan Security Key, wie golem.de berichtet:
“Google versucht schon länger, die Nutzer und Kunden seiner Dienste von der Verwendung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung zu überzeugen. Bisher ist der Erfolg dabei vor allem bei Privatpersonen eher mäßig. Mit dem Titan Security Key, einem eigenen Hardwareschlüssel von Google, der kompatibel zum U2F-Standard der FIDO-Alliance ist, könnte sich das aber zumindest für die Enterprise-Kunden der Google Cloud bald ändern. Laut der Ankündigung stammt die genutzte Firmware der Geräte von Google selbst, um die Integrität der Hardwareschlüssel zu gewährleisten.“
Die Möglichkeit, dass Sie Ihre Nutzerkonnten vor unbefugtem Zugriff schützen können, besteht also schon länger - und kostet nicht mal viel Geld - rund 20 Euro aktuell bei amazon.de. Auch für kleine Unternehmen und Privatpersonen könnte sich dieses Investment durchaus lohnen.

Monday, March 5, 2018

Die EU plant eine Umsatzsteuer für Apple, Google, Amazon und Co.


Giganten wie Google, Apple und Amazon sollen in Europa künftig Steuern auf ihre Umsätze bezahlen, damit sie Gewinnsteuern nicht mehr umgehen können. Die Idee ist nicht ganz neu, scheint jetzt aber Formen anzunehmen.

Die EU will die High-Tech-Steuersparer nicht mehr akzeptieren.   Bild Flickr
Der Abschied der Briten von der Europäischen Union wird dort - unter anderem - eine zweistellige Milliardenlücke hinterlassen. Die verbleibenden Nettozahler der EU möchten wenn immer möglich verhindern, dass sie diese Finanzlücke füllen müssen. Der gewinnträchtige Digitalsektor hingegen drängt sich geradezu auf, um das fehlende Geld einzutreiben. Riesige gewinnträchtige Unternehmen wie Apple, die zwar in Europa ausgezeichnet Geschäfte machen, aber in den Augen der Bürokraten viel zu wenig Steuern bezahlen - und gleichzeitig im Ausland riesige Vermögen anhäufen. Das Thema treibt die EU-Finanzverwalter schon lange zur Weissglut: Apple zum Beispiel hat jahrelang in Irland weniger als ein Prozent Unternehmenssteuern bezahlt. Das war den Iren genug, den Europäern reichte es nicht. Sie verlangen 13 Milliarden Dollar in Steuernachzahlungen. (Apple hat in Europa allein in den letzten drei Monaten 21,5 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert.)
Derartige Auseinandersetzungen will man in der EU zukünftig vermeiden - indem man für grosse Technologiekonzerne, deren Hauptsitz sich nicht in Europa befindet, eine spezielle Umsatzsteuer am Standort des Kunden erhebt, unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Wie der Französische Finanzminister Bruno Le Maire in einem Gespräch mit Le Journal du Dimanche kürzlich bekanntgab, soll der Steuersatz zwischen zwei und satten sechs Prozent liegen. Zitat aus einem Bericht von ZDNet.de:
“Ziel der Steuer ist es, Massnahmen zu vereiteln, mit denen multinationale Konzerne vollkommen legal Gewinne ins Ausland verlagern, um sie dort zu versteuern. Dabei nutzen sie in der Regel die niedrigeren Steuersätze sogenannter Steueroasen. Ein Tochterunternehmen beispielsweise auf den Bermudas kann einer Niederlassung in der EU erhebliche Rechnungen für die Nutzung von geistigem Eigentum des Mutterunternehmens ausstellen, die praktisch alle Gewinne auffressen. Als Folge sinkt das Steueraufkommen solcher Unternehmen in der EU auf ein Minimum – in Einzelfällen reduziert sich der Unternehmenssteuersatz von Firmen wie Amazon, Apple oder Google auf unter ein Prozent.“
Falls es der EU gelingen würde, eine derartige Steuerregelung einzuführen, könnten wohl auch die digitalen Giganten nicht mehr ganz so einfach Steuern sparen. Einfach wird es aber nicht sein, wie die Zeit analysiert:
“Künftig einfach den Umsatz zu besteuern ist eine verblüffende Idee. Sie hätte den Vorteil, dass sich Umsätze im Vergleich zu Gewinnen einfacher schätzen und einzelnen Ländern zuordnen liessen […]Bislang tun sich EU-Länder jedoch schwer, Abgaben auch tatsächlich einzutreiben. Zum einen, weil Mitgliedsstaaten wie Irland (aber auch Luxemburg) ihre niedrigen Steuersätze bewusst als Standortvorteil betrachten und eine Benachteiligung anderer Länder in Kauf nehmen. Zum anderen gewährt das Recht bisher kaum Ansatzpunkte, wirksam dagegen vorzugehen. Das musste erst kürzlich der französische Fiskus erfahren, der von Google eine Milliarde Euro an Steuern nachfordert. Ein Gericht stoppte das Vorhaben…“
Ob Google, Apple oder Amazon: Die neuen Wirtschaftsgiganten unseres digitalen Zeitalters werden früher oder später höhere Steuersätze bezahlen müssen, als sie das heute tun. Ob die EU und ihre Mitgliedsländer unter dem Strich davon profitieren werden, wird sich zeigen. Da die grössten angesprochenen Unternehmen alle aus den USA stammen, wäre es nicht überraschend, wenn eine neue, auf den digitalen Sektor zielende Europäische Umsatzsteuer zu wirtschaftlichen Reaktionen der Amerikaner führen würde.