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Sunday, February 12, 2023

 Es konnte ja nicht ewig so weitergehen, schliesslich sind es ja gerade die Amerikaner, die wissen: «There is no such thing as a free lunch». So hat nun also der Streaming-Service Netflix begonnen, für jene Accounts Rechnung zu stellen, die sich ganz einfach einem bezahlten Account angehängt haben. Das sind immerhin rund 100 Millionen Haushalte.

Netflix hat mehr als 230 Millionen bezahlende Abonnenten weltweit.
Screengrab netflix,com 
Das Streaming-Angebot ist in den letzten Jahren enorm gewachsen – und damit auch die Konkurrenz für den Streaming-Platzhirsch Netflix. Der reiche Geldsegen, den die Millionen von Abonnenten in die Kassen des Pioniers gespült haben, ist nicht mehr so reich wie früher, und die Netflix-Aktien sind signifikant billiger geworden. So verwundert es nicht, dass Netflix versucht, die Millionen von Gratiszuschauern zur Kasse zu bitten.

Der Streaming-Riese testet derzeit eine Sperre für die gemeinsame Nutzung von Netflix-Konten in Chile, Peru und Costa Rica und will diese Sperre in Zukunft global einführen. Auf der anderen Seite bietet Netflix den Konteninhabern die Möglichkeit, für zusätzliche Nutzer zu bezahlen. In Europa wird das Angebot vorerst in Spanien und Portugal eingeführt:

«Kunden mit sogenannten Standard- und Premium-Accounts sollen für bis zu zwei weitere Personen bezahlen können, die nicht mit ihnen unter einem Dach wohnen. Offiziell dürfen die Zugänge zum Dienst bisher nur innerhalb des eigenen Haushalts geteilt werden (was Netflix jedoch über Jahre nicht ansatzweise kontrolliert hat). Mit dem Start in Portugal und Spanien zeichnet sich ab, dass die Preise für die Abo-Erweiterung in verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich sein werden. In Portugal sind es 3,99 Euro im Monat pro hinzugefügter Person, in Spanien 5,99 Euro. Jenseits von Europa gilt die neue Regelung ab sofort auch in Neuseeland und Kanada.» (spiegel.de)

Die neue Regelung soll gemäss Netflix in den kommenden Monaten in weiteren europäischen Ländern eingeführt werden.

Monday, June 22, 2020

Das Internet hat die Coronakrise sehr gut überstanden

Die Coronakrise hat auch das Internet gefordert: Die Verlagerung eines signifikanten Teils von Büroarbeitsplätzen ins traute Heim hat zu dieser Belastung beigertragen. Wie auch die Tatsache, dass es ausserhalb der eigenen Wohnung nicht viel zu tun gab, während der Krise. Da musste Netflix als Ersatz herhalten. Die gute Nachricht ist: Das Internet hat den Ansturm sehr gut überstanden.

Die Leitungen und die Server des Internets haben auch während
des krisenbedingten Ansturms standgehalten.                                  Bild Pexels
Für eine Weile war die Panik gross: Zahlreiche Artikel wurden publiziert, in denen daran gezweifelt wurde, ob das Internet den Ansturm der Coronakrise meistern könne, und sogar sein Zusammenbruch wurde vorausgesagt. Diese Sorgen waren unbegründet: Eine Studie von DE-CIX zeigt auf, dass das Internet aus technologischer Sicht, sowohl in den Endkundennetzen als auch insbesondere an den Übergabepunkten, dem Ansturm der letzten Wochen ausgesprochen gut standgehalten hat. Dies sei nicht zuletzt deshalb der Fall, schreiben die Autoren, weil über die vergangenen Jahre ohnehin ein erhebliches globales Wachstum im weltweiten Datenverkehr zu verzeichnen gewesen sei und die Internetindustrie nun lediglich ein kurzfristig aufgetretenes Wachstum habe abfedern müssen. Man könne von einer “beschleunigten Digitalisierung“ sprechen, auch in Hinblick auf die Entwicklungen im Bereich Home-Office oder virtueller Events.
Wer sich im Detail für die Studie interessiert, kann die Zusammenfassung hier im Detail kostenfrei abrufen (sechs Seiten, PDF). Das Fazit möchten wir hier zitieren:
“Eines geht klar und deutlich aus der aktuellen Situation hervor: Das Netz hält! Auch in Phasen der Maximalbelastung wie einem globalen Shutdown. Doch während der weltweiten Pandemie haben sich auch einige Schwachstellen der digitalen Infrastruktur gezeigt, die teilweise direkt beim Nutzer spürbar sind, oder langfristig spürbar werden. Ob es um die Herausforderungen in den Teilnetzen des Internets, an den Netzübergängen oder der letzten Meile (dem Endkundenanschluss) geht: Letztendlich liegt es in der Verantwortung der jeweiligen Betreiber, ausreichend Kapazitäten vorzuhalten und je nach Notwendigkeit vorausschauend auszubauen. Das muss nun, in der aktuellen Krise, unerwartet, schneller als geplant und flächendeckend vonstattengehen. Das wiederum beschleunigt die Digitalisierung stark, mit dem Coronavirus als äußerst ungewöhnlichem Treiber. Disruptive Technologien, wie 5G, werden die Herausforderungen und Ansprüche an das Internet vorantreiben. Nur wenn alle Partizipienten der Internetinfrastruktur auf ihre Art und Weise funktionieren, Innovation vorantreiben und sich ausnahmslos verlässlich zeigen, kann das einst zu Forschungszwecken vor Jahrzehnten aufgebaute Netz von Teilnetzen den Ansprüchen der Menschen auch in Zukunft gerecht werden.“

Wednesday, April 15, 2020

Wie die Schweizer streamen

Musik- und Video-Streaming-Dienste werden auch in der Schweiz rege genutzt. Allerdings gibt es zwischen den verschiedenen Anbietern und Nutzergruppen grosse Unterschiede: Alt und Jung zum Beispiel, streamen nicht gleich. Im Schweizer Markt gibt es drei klare Leader: Netflix dominiert den Schweizer Markt im Bereich Video Streaming, Spotify im Bereich Musik-Streaming. Und dann gibt es natürlich noch Youtube.

The Crown, eine der beliebtesten Serien auf Netflix. Bis im Januar dieses
Jahres wurde sie von 73 Millionen Netflix-Abonnenten gesehen.
                                                                                              Screengrab Netflix
Die Untersuchung über die Schweizer Streaming-Gewohnheiten wurde vom Internet-Vergleichsdienst moneyland.ch mit dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland durchgeführt. Und bevor wir hier auf die ‘echten‘ Streaming-Dienste eingehen, muss gesagt werden, dass Youtube, das technisch ebenfalls in diese Kategorie gehört, alle anderen Anbieter hinter sich lässt. Youtube wird in der Schweiz im Vergleich zu den anderen Streaming-Diensten mit Abstand am meisten genutzt, nämlich von 62 Prozent der Befragten. Besonders beliebt ist Youtube bei jugendlichen Anwendern: 84 Prozent der 19- bis 25-jährigen Befragten nutzen den Service – bei den über 50-Jährigen ist es nur noch jeder zweite Befragte.
Musik-Streaming-Dienste sind in der Schweiz hingegen noch nicht so populär: 64 Prozent der Befragten nutzen gar keine Musik-Streaming-Dienste.
Männer streamen etwas häufiger als Frauen – allerdings sind die Differenzen nicht markant.
Grosse Unterschiede gibt es je nach Altersgruppe: Junge streamen deutlich häufiger als ältere Personen.
Youtube hat sehr hohe Nutzerzahlen - wohl auch, weil das Angebot meistens gratis genutzt wird. Wenn es um bezahltes Streaming geht, sinken die Nutzerzahlen markant. Insgesamt nutzten rund 20 Prozent der User in der Schweiz Netflix; davon zahlen aber nur 65 Prozent für die Nutzung. Rund 35 Prozent der Netflix-Nutzer geben an, dass sie Netflix kostenlos nutzen; 23 Prozent geben zu, dass sie dies via Login von Freunden oder Kollegen tun. Nur rund 13 Prozent aller Befragten nutzen Netflix und bezahlen auch dafür. Damit ist Netflix mit Abstand der meist genutzte Service, für den Schweizer Nutzer zahlen. Weit abgeschlagen folgen Swisscom (Video-on-Demand) und Spotify mit je 8 Prozent, Apple Music mit 6 Prozent sowie AppleVideo (iTunes) mit 5 Prozent. Die Unterschiede je nach Altersgruppe sind markant: Bei den Jungen zwischen 19 und 25 Jahren zahlen 25 Prozent für Netflix, gefolgt von 15 Prozent für Spotify und 14 Prozent für Swisscom (Video-on-Demand).
Dass Video-Streaming-Dienste bei jüngeren Kunden beliebter sind, ist prinzipiell keine Überraschung, allerdings erstaunt das Ausmass: 45 Prozent der Befragten zwischen 19 und 25 Jahren nutzen Netflix, während es bei den über 50-Jährigen gerade einmal 9 Prozent sind. 

Thursday, January 23, 2020

Netflix: Der Pionier wird hart verfolgt

Gute 11 Milliarden Franken haben neue Hollywood-Filme dieses Jahr an der Kinokasse in Nordamerika eingenommen. Das Problem ist: Trotz riesigen Hits wie “ Star Wars: The Rise of Skywalker“ sind die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Ein ganz wichtiger Grund sind die weiterhin wachsenden Streaming-Services.

Ein riesiges Angebot für relativ wenig Geld - damit hat Netflix sein Geschäft
erfolgreich aufgebaut. Jetzt gilt es, die Konkurrenz im Griff zu behalten.
                                                                                              Screengrab Netflix
Im letzten Quartal des Jahres 2019 hatte Netflix weltweit über 167 Millionen zahlende Streaming-Abonnenten sowie mehr als 4,6 Millionen Testkunden, die den Streaming-Service vorerst einmal testen.  61 Millionen dieser Abonnenten sind in den Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: 2011 waren es noch gut 21 Millionen Abonnenten gewesen. Einen grossen Teil des Erfolgs des Streaming-Unternehmens ist auf seine zahlreichen Eigenproduktionen zurückzuführen, die sehr teuer sind. Aber der Aufwand lohnt sich: Netflix-Abonnenten verbringen jeden Tag mehr als 140 Millionen Stunden vor dem Bildschirm, um Netflix-Inhalte anzuschauen.  Was das Internet betrifft, nimmt Netflix 15 Prozent der gesamten globalen Downstream-Bandbreite ein. Am Abend, während der Spitzenzeiten, steigt die Netflixnutzung stark an - bis zu 40 Prozent. Das Geschäft läuft also wie verrückt - und genau das führt nicht nur zu aufwärts schiessenden Aktienkursen, sondern auch zu harter Konkurrenz. Die Mitbewerber, sprich Disney und Co., wollen sich eine fette Scheibe des Geschäfts abschneiden. Ob das gelingen wird, bleibe dahin gestellt. Netflix dominiert das Streaming-Geschäft, aber die zusätzliche Konkurrenz wird das Leben der Kunden etwas schwieriger und teurer machen. Netflix Aktien hätten von 2012 bis 2018 um bis zu 4300 Prozent zugelegt, berichtet die NZZ. Seitdem schwanke der Kurs kräftig – ohne weiteren Trend nach oben. Der Grund sei die wachsende Konkurrenz:
“Netflix sei nicht mehr der einzige preisgünstige Anbieter von Streaming-Dienste. Es gebe inzwischen ein halbes Dutzend Konkurrenten, und im kommenden Jahr werde es weitere glaubwürdige Anbieter mit umfangreichen Filmbibliotheken geben, argumentieren manche Investoren. Nicht jeder Kunde werde alle Dienste abonnieren, so dass es zu schwächerem Wachstum oder gar zu einer Abwanderung der Kunden kommen könne, fürchten sie. Sie verweisen auch darauf, dass Netflix in nächster Zeit die seine beiden beliebtesten Shows verlieren wird und gezwungen ist, massiv in Eigenproduktionen zu investieren. Tatsächlich haben die Aufwendungen dafür in den vergangenen Monaten massiv zugenommen. In diesem Rahmen verbrennt das Unternehmen jährlich mehrere Milliarden Dollar und hat beachtliche Verbindlichkeiten angehäuft.“
Für die Netflix-Kunden und auch die althergebrachten TV-Stationen heisst diese Entwicklung, dass ihr Leben etwas schwieriger werden wird (ausser natürlich für staatlich finanzierten Medien, die sich nicht gross um die Konkurrenz kümmern müssen). Viele Kunden werden sich mit der Auswahl verschiedener Streaming-Dienste nicht zurechtfinden und sind auch nicht bereit, mehrere Abonnements zu bezahlen. Es wird deshalb interessant sein zu verfolgen, wie sich Netflix und Co. weiterentwickeln.

Saturday, November 9, 2019

Apple und Disney nehmen es mit Netflix auf

Vorbei sind die Zeiten, als Netflix das Streaming-Geschäft noch unangefochten beherrschte. Immer mehr Unternehmen möchten es dem Unterhaltungsgiganten gleich tun, und mit der Unterhaltung der Bevölkerung über das Internet viel Geld verdienen. Aktuell sind das Apple und Disney. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob da mit gleich langen Spiessen gestreamt wird.

Apple ist bereits am Streamen, Disney folgt diese Woche.  Screengrab Apple+
Unangefochten ist Netflix, wie gesagt, schon lange nicht mehr. Aber beherrschen tut das Unternehmen den Streaming-Markt immer noch. Netflix hat weltweit mehr als 150 Millionen Abonnenten und machte damit im letzten Jahr rund 16 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,2 Milliarden Gewinn. Einen grossen Teil des Erfolgs des Streaming-Unternehmens ist auf seine zahlreichen Eigenproduktionen zurückzuführen - diese Kosten das Unternehmen viel Geld. Aber die Kunden schätzen es: Netflix-Abonnenten verbringen jeden Tag rund 140 Millionen Stunden vor dem Bildschirm, um Netflix-Inhalte anzuschauen.  Was das Internet betrifft, nimmt Netflix 15 Prozent der gesamten globalen Downstream-Bandbreite ein. Am Abend, während der Spitzenzeiten, steigt die Netflixnutzung noch an - bis zu 40 Prozent. Die Zahlen sind beeindruckend. Aber muss Netflix seine neuen Konkurrenten fürchten? Was Apple betrifft, wohl eher nicht. AppleTV+: “Enttäuschendes Debut“ titelt zum Beispiel die NZZ über den neuen Service des iPhone-Konzerns, der seit anfangs November in etwa 100 Ländern auf dem Globus erhältlich ist:
“Angeschaut werden können auf Apple TV+ derzeit nur gerade sieben Serien – drei davon nicht einmal vollständig, sondern mit nur je drei Folgen. Es handelt sich ausschliesslich um Eigenproduktionen, lizenzierte Titel werden nicht angeboten. Für die nötige Zugkraft der Serien sollen Hollywood-Grössen wie etwa Jennifer Aniston und Reese Witherspoon sorgen, die Apple in «The Morning Show» aufeinandertreffen lässt. «Snoopy im All» soll Kinder begeistern. Wer lieber Dokumentarfilme schaut, muss sich mit einem einzigen Titel («Die Elefantenmutter») begnügen. Daneben kommt in den USA noch die beliebte Talkmasterin Oprah Winfrey zu Wort – bis jetzt nur in der «ersten» Folge der Show-Reihe «Oprah’s Book Club». Das Angebot ist sehr überschaubar. Und es ist gewagt, wenn Apples Senior Vice President of Internet Software and Services, Eddy Cue, in einer Medienmitteilung das Angebot als «umfassende Auswahl an beeindruckenden Serien und Filmen» anpreist. Bei der Konkurrenz stehen schliesslich unzählige Serien und Filme in den Online-Kanälen – neben Eigenproduktionen auch Titel grosser Filmstudios. Allein Netflix hat über tausend Serien im Angebot…“
Kein grossartiger Start also, für Apple. Disney wird mit der grösseren Kelle anrichten, wenn es am 12. November in den USA und Kanada den Streaming Service Disney+ startet. (in der Schweiz werden die Fans noch etwas länger warten müssen. Wie lange ist noch nicht klar.) Gemäss Medienberichten wird erwartet, dass Disney+ anfänglich etwa 300 Filme und 7500 Serien-Episoden anbieten wird. Bei mehr als 100 Filmen handle es sich um Neuerscheinungen. Mindestens 25 Serien und 10 Filme seien eigens für Disney+ produzierte Inhalte. Das Angebot von Disney+ soll stets mit neuen Titeln angereichert werden. Disney wolle, so cnet.com, schon bald 50 Serien und zehn neue Filme pro Jahr produzieren.
Es wird uns also an unseren verschiedenen Screens in Zukunft nicht langweilig werden. Das Gleiche gilt für die Chefetagen der Streaming-Provider. Für diese Manager dürften die kommenden Jahre so richtig interessant werden!

Thursday, July 18, 2019

Eintritt bezahlen, um kaufen zu dürfen

Für immer mehr Kunden scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, was für andere immer noch undenkbar ist: dafür zu bezahlen, dass man in einem Geschäft einkaufen darf. Das gilt vor allem auch im digitalen Bereich. Eine neue Studie zeigt, dass sogenannte Plattformen bereits fest im Nutzungsverhalten der Konsumenten verankert sind, und zwar so stark, dass diese durchaus bereit sind, eine Gebühr für die Nutzung zu bezahlen.

Einkauf nur mit Mitgliedschaft: Dieses Konzept hat den Einzelhändler Costco
zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt gemacht.        Bild Costco
Die Studie des IFH Köln befasst sich mit der sogenannten Plattformökonomie und dem Verhalten der Konsumenten. Sie zeigt, dass viele Verbraucher durchaus bereit sind, allein für das Privileg der Nutzung einer Plattform zu bezahlen. Auch Streaming-Plattformen wie Netflix oder Spotify funktionieren auf dieser Basis. Beim Streaming macht es durchaus Sinn. Seltsamer mutet das Modell dann an, wenn es um ganz gewöhnliches Shopping geht. Die Befragten gaben an, dass sie zwischen sieben und elf Euro monatlich bezahlen würden, um bei Amazon bestellen zu dürfen – und zwar ohne spezielle Zusatzleistungen (Prime) zu erhalten. Amazon ist zu einer enormen Handelsplattform geworden. Auch YouTube-Nutzern würden monatlich ein “Eintrittsgeld“ zahlen, um die bisher kostenfreien Inhalte der Videoplattform abrufen zu können. Das erscheint schon ein wenig logischer, da YouTube eine Streaming-Plattform ist, für die es keine echte Alternative gibt. Am höchsten fällt die Zahlbereitschaft aber für die Nutzung von Flug- oder Mietwagenplattformen aus. Bis zu 41 Euro würden potenzielle Kunden hier für das Privileg einer Buchung in die Hand nehmen.
Warum ist das so? Plattformen gelten als praktisch und flexibel und werden von den Kunden bei allen Leistungskriterien besser bewertet als lineare Geschäftsmodelle. Lediglich in Sachen Einfachheit sind lineare Angebote noch konkurrenzfähig – sicherlich auch, weil sich durch die zu grosse Auswahl auf Plattformen die Komplexität für Konsumenten erhöht. Auch der Blick auf den Informations- und Kaufprozess verdeutlicht, welcher Druck gegenwärtig schon von Plattformangeboten ausgeht. So bündeln Flug- und Mietwagenplattformen fast drei Viertel der der Suche nach relevanten Informationen und für die Buchung bleiben dann die potentiellen Kunden der Plattform treu.
Das Plattformmodell gibt es übrigens nicht nur im E-Commerce. Auch die Migros ist in diesem Sinne eine Plattform, wo man sich mit dem Bedarf des täglichen Lebens eindecken kann - fast überall in der Schweiz. Besuche in anderen Läden erübrigen sich häufig. Allerdings müssen Migros-Kunden keinen Eintritt bezahlen - aber auch dieses Modell existiert schon lange. Der Amerikanische Händler Costco ist extrem erfolgreich damit, nur Kunden in seinen Läden einkaufen zu lassen, die eine Jahresgebühr dafür bezahlen und sich an der Kasse jedes Mal mit einer Karte ausweisen müssen.  Costco Wholesale Corporation ist ein amerikanisches multinationales Unternehmen, das 2015 zum zweitgrösste Detailhändler der Welt aufstieg, und dessen Läden sich als Grosshandelsclubs anpreisen. Ab 2016 war Costco der weltweit grösste Einzelhändler von Rindfleisch, Bio-Lebensmitteln, Rotisserie-Huhn und Wein. Costco wird in den Fortune-500-Rankings der grössten US-Unternehmen nach Gesamtumsatz auf Platz 15 geführt. Costco hat auch Läden in Europa: 28 in Grossbritannien, zwei in Spanien, einen Laden in Island und einen in Frankreich.
Die Plattformökonomie ist also nicht ganz so neu. Sie zählt aber weiterhin darauf, dass es ein wichtiges Kundensegment gibt, das unter anderem Loyalität gegenüber einem Händler demonstriert, indem es bereit ist, für den Eintritt in einen Laden oder einen Shop einen Preis zu bezahlen.

Thursday, July 20, 2017

Netflix will neue Kinofilme sofort streamen

Es begann als DVD-Mietversand und hatte schon damals viel Erfolg und zahlreiche Nachahmer. Doch das Geschäftsmodell mit den silbernen Scheiben wurde durch den rasanten Ausbau des Internets obsolet – und Netflix war flexibel genug, sich anzupassen. Heute ist der grösste der Internet-Streaming-Dienste äusserst erfolgreich und zählt seit kurzem mehr als hundert Millionen zahlende Nutzer weltweit.

Der Video-Streaming-Dienst Netflix hat über 100 Millionen Abonnenten - unter
anderem weil zahlreiche attraktive Eigenproduktionen angeboten werden.
                                                                                                            Bild Netflix
Das Schlüsselwort heisst in diesem Zusammenhang “zahlende" Nutzer, denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Internet Firmen, die mit Millionen von Nutzern angeben können, kann Netflix seine Dienste bei den Anwendern direkt in Rechnung stellen und muss sich nicht auf die Gunst der Werber verlassen. (Wie schwierig es ist, mit einem kostenlosen Angebot im Internet trotz Millionen  von Usern Geld zu verdienen, zeigt der Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Aktien momentan unter dem Ausgabepreis dahindümpeln – aber das ist ein andere Geschichte.) Das Netflixkonzept, mit vielen Eigenproduktionen immer mehr Kunden zu gewinnen, geht jedenfalls auf. Aus dem Handelsblatt:
Rund 5,2 Millionen neue Abonnenten meldeten sich im vergangenen Quartal beim Video-Streaming-Dienst Netflix an. […] Der Umsatz mit 2,8 Milliarden Dollar im Quartal lag 32 Prozent über dem im Vorjahr. Der Nettogewinn mit 66 Millionen nach 44 Millionen Dollar ist ebenfalls gestiegen. “
Der anhaltende und wachsende Erfolg von Netflix und Co. sollte vor allem der Fernsehbranche zu denken geben. Mehr und mehr Medienkonsumenten – vorläufig vor allem in Nordamerika – verzichten ganz auf das althergebrachte Fernsehen, mit vorgegebenem Programm und zuviel lästiger Werbung.  Aber Fernsehzuschauer sind nicht das alleinige Zielpublikum für Netflix – jetzt wird das Kinopublikum von Netflix angepeilt, wie die FAZ berichtet:
Offenbar sieht der 56 Jahre alte Mitgründer und Vorstandsvorsitzende der Online-Videothek Netflix also Kinos in ihrer heutigen Form als ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Bei der Vorlage des Quartalsberichts leistete sich Hastings jetzt einen weiteren Seitenhieb. Videodienste wie Netflix könnten das Filmgeschäft beleben, sagte er, nahm die Filmtheater davon aber ausdrücklich aus. Soll heissen: Netflix will nach der Fernseh- auch die Filmindustrie aufmischen, notfalls auch zu Lasten von Kinos. Das dürfte nicht nur Kinobetreiber alarmieren, sondern könnte auch erhebliche Auswirkungen für Filmliebhaber haben. Wer sich heute einen neuen Kinofilm ansehen will, tut dies üblicherweise auch im Kino. Wenn es nach Netflix geht, sind künftig immer mehr Neuerscheinungen direkt auf dem Smartphone oder dem heimischen Fernseher über das Internet abrufbar…“

Monday, June 1, 2015

Verstopft Netflix schon bald die Datenautobahn?

Die Erfolgsstory des Videostreaming-Dienstes Netflix ist beeindruckend: In den USA ist das Unternehmen schon fast in jedem zweiten Haushalt, und weltweit beziehen zwischen 60 und 70 Millionen Abonnenten ihre Videos von Netflix. Das seien gerade mal ein Prozent aller Smartphone-User, vermerkt Reed Hasting, Gründer und Miteigentümer des Unternehmens. Das Netflix-Potential ist also absolut enorm – nur schade, dass der Erfolg jetzt schon zu Staus im Internet führt.

Mit Netflix schwappt eine Welle amerikanischer "TV-Kultur" auf Europa und die
Schweiz über. Das Angebot braucht viel Platz im Internet.                            Netflix
Auch im Internet gibt es Stosszeiten. Diese entsprechen ziemlich genau jenen Abendstunden, während denen sich die Familie im vordigitalen Zeitalter vor den Fernseher gesetzt hat, um sich anzuschauen, was von den TV-Sendern gerade serviert wurde. Heute sind diese Abendstunden dem Video-Streaming gewidmet – meistens durch Netflix. Eine neue Untersuchung des Networkspezialisten Sandvinezeigt, dass Netflix während dieser Spitzenzeiten in den USA rund 37 Prozent aller Bandbreiten auffrisst. Dazu kommen weitere Streaming-Anbieter, wie zum Beispiel HBO, die zusätzliche vier Prozent der Bandbreite für sich beanspruchen wenn’s brummt – zum Beispiel beim Start der neuen Game-of-Thrones-Saison.   
Was bedeutet dieser enorme Datenverkehr für die Zukunft des Internets?
Wissenschaftler sagen voraus, dass die Daten in etwa fünf Jahren im Stau des Internets stecken bleiben werden – falls die Entwicklung wie bis anhin weitergeht und keine technischen Verbesserungen getroffen werden. Momentan haben die Hauptstränge des weltweiten Internets, auch “Backbone“ genannt, eine Kapazität von rund 100 Terabits pro Sekunde (ein Terabit entspricht 1‘000 Gigabits). Da scheint die Streaming-Kultur jetzt schon manchmal an ihre Grenzen zu stossen.
Bei Netflix nimmt ein einstündiger Film in niedriger Auflösung etwa 1 Gigabyte in Anspruch. Wer sich das Video in HD anschaut verbraucht schon 3 Gygabyte, Ultra-HD braucht 7 Gigabyte. Kein Wunder wenn sich bei diesen Datenbezügen von Millionen von Usern mal was staut. Verschiedene Leser hätten sich nach der Einführung von Netflix über langsamere Verbindungen beklagt, berichtet beispielsweise eine grosse Österreichische Zeitung:
“Ob an den subjektiven Einschätzungen etwas dran ist, konnte nicht festgestellt werden. UPC [ein Provider] wollte auf Anfrage keine Informationen über diese Daten herausgeben. Was man jedoch im Hinterkopf haben sollte: bei Kabelanbietern werden Bandbreiten geteilt. Wenn in einer Gegend also beispielsweise viele UPC-Nutzer in den Abendstunden Netflix nutzen, sinkt die Bandbreite für die einzelnen Kunden. Ihre Internetverbindung wird langsamer.“
Auch Gamer sind von dieser Entwicklung mitbetroffen – und tragen selber dazu bei. Wie nämlich die neue Sandvine-Studie gemessen hat, kann die Neuausgabe eines Computerspiels zu gewaltigen Datenströmen führen. Beim Kriegsspiel “Call of Duty: Advanced Warfare“ nahmen die Gamer am Tag der Veröffentlichung der neusten Folge ganze 12 Prozent der Internet-Kapazitäten in Anspruch.



Monday, May 18, 2015

Das Fernsehen stirbt - es lebe das Video

Die Schweiz stimmt am 14 Juni über die neue Billag-Gebühr ab. Dabei geht es zum grossen Teil um das Fernsehen. Dabei ist dessen Zeit längst abgelaufen. Streaming-Dienste wie Netflix sind gerade dabei, weltweit die Fernsehgewohnheiten der Menschen zu verändern – das Internet macht es möglich. Der Zuschauer schaut genau das an, was er will, genau dann, wann er will.

Streaming-Services verändern dieVideo-Welt und sind der Tod des traditionellen
Fernsehens.
Es sind nur noch bestimmte demographische Gruppen, die Fernsehen so konsumieren, wie es erfunden wurde und vorgesehen war. Statistiken zeigen, dass traditionelle Fernsehzuschauer nicht nur althergebracht, sondern eben auch alt sind: Sowohl bei ARD und ZDF, als auch beim SF sind die meisten Zuschauer über 60 Jahre alt.
Das hat nicht nur mit dem Programm, sondern auch mit der Art des Fernsehkonsums zu tun. Junge und aktive Menschen wollen ihre Inhalte nicht anschauen, wenn sie ihnen serviert werden, sondern wenn es ihnen passt. Technische Möglichkeiten, dies zu verwirklichen, gibt es inzwischen zuhauf. Allerdings sind es nicht Festplattenrecorder oder Replay-TV, wie Zattoo oder Wilmaa, die das traditionelle Fernsehen begraben werden. Es sind Streaming-Services wie Netflix . Das geht es nicht mehr nur um die Wahl des Konsumzeitpunktes, sondern auch um die Auswahl der Inhalte. Genau das ist der Grund dafür, dass das herkömmliche Fernsehen einen langsamen aber sicheren Tod sterben wird. Das wissen auch die TV-Verantwortlichen; deshalb bemühen sich alle grossen TV-Stationen um immer umfassendere digitale Präsenzen.
Reed Hastings, Gründer und Mitbesitzer von Netflix ist deshalb auch ziemlich zuversichtlich, was die Zukunft seiner Firma anbelangt und ziemlich brutal (“ARD und ZDF braucht kein Mensch“), was die Prognosen für das herkömmliche Fernsehen anbelangt, wie er kürzlich in einem Interview mit der FAZ erklärte:
“Ich vergleiche die Sender gerne mit dem Telefon. Natürlich gibt es noch das Festnetz, hier in meiner Hotelsuite steht auch so ein Gerät herum. Aber das benutzt kein Mensch. Alle haben Smartphones. Und so wird es in Zukunft auch mit dem linearen Fernsehen sein. Das bedeutet nicht, dass ARD, ZDF und RTL verschwinden, denn auch diese Sender werden sich zu Internet-TV-Sendern wandeln […]Viele Große haben den Wandel halt verschlafen, wie so oft. Das war unser Glück. In Amerika sind wir mit Netflix mittlerweile in fast jedem zweiten Haushalt. Weltweit haben wir 62 Millionen Kunden, und das ist erst der Anfang. Denn das entspricht nur einem Prozent aller Smartphone-Benutzer…“
Ob die neue Mediensteuer zur Finanzierung der Schweizer Bundesmedien angenommen wird oder nicht, wird sich nicht gross auf die oben beschriebene Entwicklung auswirken. Die Frage ist, wann Streaming-Services wie Netflix als Teil des Service Public angeboten werden – und ob sie dann im Gebührenpreis enthalten sind…

Saturday, December 18, 2010

Bringt der Video-Tsunami das Internet ins Schleudern?

Videos, heute oft in High-Definition, pumpen enorme Datenmengen durch die Datenleitungen des Internets. Megabytes reichen da längst nicht mehr um mitzuhalten. 30 Gigabytes sind schnell erreicht, wenn ein Film heruntergeladen wird.

Videoservices für Smartphones gehören ebenfalls zu den schnell
 wachsenden Angeboten, die viel Bandbreite beanspruchen.
Weihnachtszeit ist auch Entertainmentzeit – und Filme gehören da dazu. Längst sind es jedoch nicht mehr nur DVDs die unter dem Weihnachtsbaum liegen. Video-Inhalte werden immer häufiger über das Internet auf PC und/oder TV und Smartphone geladen – ein physikalischen Speicher ist höchstens noch notwendig, um den Film zuhause für eine Weile abzulegen und vielleicht nochmals anzuschauen. Videos per Internet zu mieten und auch zu transportieren ist heute kein Problem mehr, und das bringt grosse Belastungen für das Internet. Wie stark die Datenflut in den letzen Jahren angewachsen ist, zeigen Zahlen des Netzwerkunternehmens Cisco. Noch vor vier Jahren wurden monatlich 5 Exabytes durchs Net gepumpt (ein Exabyte entspricht einer Milliarde Gigabytes oder 1018 Bytes). Dieses Jahr sind es ungefähr 22 Exabytes im Monat – also mehr als viermal mehr. Laut Cisco-Schätzungen wird die Datenmenge bis in weiteren vier Jahren nochmals gewaltig anwachsen, nämlich auf monatlich 64 Exabytes. 90 Prozent dieser Daten werden Videodaten sein - unter anderem deshalb, weil viele Filmfans ihre Movies von der Onlinevideothek nicht mehr per Post erhalten, sondern durchs Web direkt in den PC oder das TV-Gerät oder das Smartphone streamen lassen. Kein Wunder gibt es Fachleute, die sich zu fragen, ob dieser Video-Tsunami das Internet ins Schleudern bringen könnte. Businessweek titelte gar einen Artikel zum Thema: “Will Netflix kill the Internet?" Netflix ist der grösste Amerikanische Video-On-Demand Lieferant auf dem Markt. Der Autor des Artikels prognostiziert, dass User in Zukunft für das Absaugen grosser Datenmengen vermehrt zur Kasse gebeten werden. Zitat:
“The issue is as much about economics as technology. For the same $40 monthly broadband fee, consumers can send 1-kilobyte e-mails—or watch the 30-gigabyte director's cut of a Hollywood thriller on their large-screen PC. Unlike with power or water bills, there's no meter to keep gorgers in check. A study from Juniper Networks (JNPR) highlights this "revenue-per-bit" problem. The report predicts that carriers such as AT&T (T) and Comcast (CMCSA) will see Internet revenues grow by 5 percent a year through 2020. Meanwhile, traffic will surge by 27 percent annually, and carriers will need to increase their investments by 20 percent a year to keep up with demand. By this math, the carriers' business models break down in 2014, when the total investment needed exceeds revenue growth.”
Viele Anwender, die ihre Kommentare zu diesem Artikel abgegeben haben, sind allerdings von diesen Argumenten gar nicht beeindruckt und sehen darin nur eine Ausrede der Provider, mehr Geld zu kassieren… Andere User weisen darauf hin, dass immer wieder neue Technologien im Markt erscheinen, die das Potential haben, das Bandbreitenproblem zu entschärfen.