Saturday, November 9, 2019

Apple und Disney nehmen es mit Netflix auf

Vorbei sind die Zeiten, als Netflix das Streaming-Geschäft noch unangefochten beherrschte. Immer mehr Unternehmen möchten es dem Unterhaltungsgiganten gleich tun, und mit der Unterhaltung der Bevölkerung über das Internet viel Geld verdienen. Aktuell sind das Apple und Disney. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob da mit gleich langen Spiessen gestreamt wird.

Apple ist bereits am Streamen, Disney folgt diese Woche.  Screengrab Apple+
Unangefochten ist Netflix, wie gesagt, schon lange nicht mehr. Aber beherrschen tut das Unternehmen den Streaming-Markt immer noch. Netflix hat weltweit mehr als 150 Millionen Abonnenten und machte damit im letzten Jahr rund 16 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,2 Milliarden Gewinn. Einen grossen Teil des Erfolgs des Streaming-Unternehmens ist auf seine zahlreichen Eigenproduktionen zurückzuführen - diese Kosten das Unternehmen viel Geld. Aber die Kunden schätzen es: Netflix-Abonnenten verbringen jeden Tag rund 140 Millionen Stunden vor dem Bildschirm, um Netflix-Inhalte anzuschauen.  Was das Internet betrifft, nimmt Netflix 15 Prozent der gesamten globalen Downstream-Bandbreite ein. Am Abend, während der Spitzenzeiten, steigt die Netflixnutzung noch an - bis zu 40 Prozent. Die Zahlen sind beeindruckend. Aber muss Netflix seine neuen Konkurrenten fürchten? Was Apple betrifft, wohl eher nicht. AppleTV+: “Enttäuschendes Debut“ titelt zum Beispiel die NZZ über den neuen Service des iPhone-Konzerns, der seit anfangs November in etwa 100 Ländern auf dem Globus erhältlich ist:
“Angeschaut werden können auf Apple TV+ derzeit nur gerade sieben Serien – drei davon nicht einmal vollständig, sondern mit nur je drei Folgen. Es handelt sich ausschliesslich um Eigenproduktionen, lizenzierte Titel werden nicht angeboten. Für die nötige Zugkraft der Serien sollen Hollywood-Grössen wie etwa Jennifer Aniston und Reese Witherspoon sorgen, die Apple in «The Morning Show» aufeinandertreffen lässt. «Snoopy im All» soll Kinder begeistern. Wer lieber Dokumentarfilme schaut, muss sich mit einem einzigen Titel («Die Elefantenmutter») begnügen. Daneben kommt in den USA noch die beliebte Talkmasterin Oprah Winfrey zu Wort – bis jetzt nur in der «ersten» Folge der Show-Reihe «Oprah’s Book Club». Das Angebot ist sehr überschaubar. Und es ist gewagt, wenn Apples Senior Vice President of Internet Software and Services, Eddy Cue, in einer Medienmitteilung das Angebot als «umfassende Auswahl an beeindruckenden Serien und Filmen» anpreist. Bei der Konkurrenz stehen schliesslich unzählige Serien und Filme in den Online-Kanälen – neben Eigenproduktionen auch Titel grosser Filmstudios. Allein Netflix hat über tausend Serien im Angebot…“
Kein grossartiger Start also, für Apple. Disney wird mit der grösseren Kelle anrichten, wenn es am 12. November in den USA und Kanada den Streaming Service Disney+ startet. (in der Schweiz werden die Fans noch etwas länger warten müssen. Wie lange ist noch nicht klar.) Gemäss Medienberichten wird erwartet, dass Disney+ anfänglich etwa 300 Filme und 7500 Serien-Episoden anbieten wird. Bei mehr als 100 Filmen handle es sich um Neuerscheinungen. Mindestens 25 Serien und 10 Filme seien eigens für Disney+ produzierte Inhalte. Das Angebot von Disney+ soll stets mit neuen Titeln angereichert werden. Disney wolle, so cnet.com, schon bald 50 Serien und zehn neue Filme pro Jahr produzieren.
Es wird uns also an unseren verschiedenen Screens in Zukunft nicht langweilig werden. Das Gleiche gilt für die Chefetagen der Streaming-Provider. Für diese Manager dürften die kommenden Jahre so richtig interessant werden!

Tuesday, November 5, 2019

Wenn es gilt, nach einer Cyberattacke Brandherde zu löschen, kommt die Cyber-Feuerwehr

Es gibt die Zeit vor dem Cyberangriff - und dann gibt es die Zeit nach einem Cyberangriff. Firmen, die von einer Attacke betroffen wurden, können ein Lied davon singen. Deshalb ist eine rechtzeitige, seriöse abgestützte Vorbereitung mit wirkungsvollen Schutzmassnahmen unabdingbar - auch für kleine Unternehmen. Was aber tun, wenn die Angreifer den Verteidigungswall schon durchbrochen haben?

Die Cyber-Feuerwehr will rechtzeitig 'Brandherde' löschen, die bei einem
Cyberangriff entstehen.                                           Bild Wikimedia Commons
Ein neues Schweizer Unternehmen hat sich genau für diesen Fall organisiert, und stellt sozusagen eine Cyber-Feuerwehr - komplett mit Telefonnummer für den Brandfall - zur Verfügung. Einer der Gründungspartner ist Wolfgang Sidler, ein IT-Security-Spezialist mit vielen Jahren Erfahrung. Er sagt, dass Opfer von Cyberangriffen häufig nicht wüssten, an wen sie sich wenden könnten, um Hilfe zu erhalten. Genau dafür ist die neue Organisation da. Die Swiss Business Protection AG hat ein Kompetenzzentrum für Wirtschaftsschutz eingerichtet, das Beratung sowohl vor, als auch nach einem Ereignis anbietet. Die Kompetenz müsste vorhanden sein: Acht Spezialisten aus der Wirtschaft, der Strafverfolgung und der Forschung haben das Unternehmen gestartet, und stehen im Ernstfall auch persönlich zur Verfügung, wie inside-it.ch berichtet:
“Künftig sollen vor allem KMU zwischen sechs Uhr morgens und Mitternacht anrufen und sich Rat vor und nach einem Angriff einholen können. Pikett haben jeweils zwei der Gründer. Sie bieten dann ein entsprechendes Team aus den bestehenden acht Firmen auf. Kostenpunkt für das Ausrücken der Cyber-Feuerwehr im Schadensfall: 400 bis 500 Franken, so Siedler. Danach werde ein dem Vorfall entsprechendes Team zusammengestellt und nach den gängigen Stundenansätzen berechnet.
 In den Bereichen Infrastruktur, Menschen und Information tritt die Firma als One-Stop-Shop in Sachen Sicherheit auf. So sind auch konventionelle Angriffe wie Erpressung oder der Schutz von Objekten abgedeckt. Im Bereich IT bietet Swiss Business Protect Cyber-Security, Information- und Datenschutz sowie Forensik.
Reto Fanger, der ehemalige Luzerner Datenschützer ist auch mit dabei. In einem ausführlichen Artikel geht er näher auf die Motivation für das Unternehmen ein:
“Neben der Prävention gewinnt die rasche und zielgerichtete Ereignisbewältigung zunehmend an Wichtigkeit. So gaben im Rahmen eines Artikels der Fachzeitschrift IT-Markt vom 29. August 2019 zum CISO-Roundtable 2019 zahlreiche Informationssicherheitsverantwortliche von Schweizer Unternehmen zu Protokoll, sie wünschten sich eine Feuerwehr, die da ist, wenn es brennt. Das Ziel müsse sein, bei einem Vorfall möglichst schnell zu reagieren. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach schweizerischen oder zumindest regionalen Sicherheitsanbietern geäussert, die sich durch ihre Agilität sowie ihre Spezialisten auszeichnen müssten. Erfolgreiche Ereignisbewältigung bedingt denn auch zunächst konzeptionell ähnliche Vorgehensweisen wie im präventiven Bereich, indem die Situation erkannt und beurteilt werden muss, um entsprechende Eindämmungsmassnahmen durchzuführen und dieses Vorgehen anschliessend nochmals zu überprüfen sowie gegebenenfalls anzupassen (Lessons Learned, Korrekturen). Unterschiedlich verhält sich aber der Notfall zur Prävention insbesondere hinsichtlich der zeitlichen Dringlichkeit der Ereignisbewältigung: Der Notfall erfordert rasches und zielgerichtetes Handeln unterschiedlicher Spezialisten, deren Vorgehen bestmöglich zu koordinieren ist, um das angegriffene Unternehmen sowohl intern wie extern bestmöglich unterstützen zu können.“ (blog.hslu.ch)
Geschwindigkeit ist also sehr wichtig, wenn es um die Reaktion auf einen Cyber-Angriff geht. Genau wie bei einem Brandfall. Der Begriff Cyberfeuerwehr dürfte also durchaus gut gewählt sein.

Saturday, November 2, 2019

Online-Bewertungen: Immer mehr Fakes werden herausgefiltert

Schätzungsweise 90 Prozent aller Konsumenten konsultieren Online-Bewertungen, bevor sie Geld ausgeben. Umso grösser sind die Auswirkungen von gefälschten Bewertungen, mit denen potentielle Kunden in die Irre geführt werden. TripAdvisor, zum Beispiel, hat im ersten jährlichen ‘Transparenzreport' bekanntgegeben, dass im letzten Jahr 1,8 Millionen gefälschte Reviews entfernt oder blockiert worden seien.


Sterne im Internet: Zu oft sind sie nicht echt.
Die Zahlen sind tatsächlich beeindruckend: Von den 66 Millionen Bewertungen, die im letzten Jahr bei TripAdvisor eingereicht wurden, waren 2,1 Prozent  als betrügerisch eingestuft worden. Die meisten (73 Prozent) dieser betrügerischen Bewertungen wurde vor der Veröffentlichung identifiziert und blockiert - so dass sie auf TripAdvisor nie sichtbar wurden. Das sind mehr als eine Million betrügerische Bewertungen, die nicht auf die Plattform gelangen konnten. 0,6 Prozent aller eingereichten Bewertungen (immerhin noch 374‘220) schafften es auf die Bewertungsplattform, bevor sie wegen Betrugs entfernt wurden.
Gefälschte Bewertungen können grosse Unternehmen Millionen an entgangenen Einnahmen kosten oder kleine Unternehmen und ihre Eigentümer über Nacht ruinieren. Die Macht, die von solchen Internet-Noten ausgeht, ist enorm, und viele Unternehmen achten deshalb stark darauf, wie sie auf Online-Bewertungen reagieren. "Die Wirkung von gefälschten Bewertungen sollte nicht unterschätzt werden. Insbesondere für Inhaber kleiner Unternehmen und diejenigen, die von ihnen abhängig sind, kann es finanziell und emotional verheerend sein", sagt Dan Raisbeck, Mitbegründer der Cybersmile Foundation, die sich gegen den Missbrauch von Internet-Ressourcen einsetzt. Gefälschte Reviews geben aber nicht nur schlechte Noten - mit erfundenen Berichten über miserablen Kundenservice oder mangelhafte Dienstleistungen, die darauf abzielen, ein Unternehmen zu zerstören. Die meisten der Bewertungen loben die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung, ohne Rücksicht auf die Wahrheit. Wie TripAdvisor berichtet, waren über 90 Prozent der im Jahr 2018 gesperrten oder entfernten Bewertungen gefälschte positive Bewertungen. Aber was ist eigentlich eine gefälschte Bewertung? TripAdvisor definiert sie wie folgt:
“Eine gefälschte Bewertung ist jede Bewertung, die von jemandem verfasst wird, der versucht, die durchschnittliche Bewertung oder das Ranking eines Unternehmens ungerechtfertigt zu manipulieren. Bewertungen, die die Erfahrung eines echten Kunden widerspiegeln, auch wenn Teile davon vom betroffenen Unternehmen bestritten werden, werden nicht als Fälschung eingestuft.“
Um betrügerische Bewertungen zu erkennen, verwendet TripAdvisor  Technologien, die auch von Banken- und Kreditkartenunternehmen eingesetzt werden, mit denen Hunderte von Online-Informationen abgebildet werden, wie beispielsweise IP-Adressen und Gerätespezifikationen. Im Laufe der Jahre hat das System das typische elektronische Verhalten von echten Prüfern identifiziert. Wenn die Technologie ein elektronisches Muster entdeckt, das nicht diesem typischen Überprüfungsmodell entspricht, wird es sofort als potenziell verdächtig gekennzeichnet. Die Rezension kann nicht veröffentlicht werden und wird zur näheren Prüfung an ein Mitglied des Moderationsteams geschickt. Zusätzlich zur Betrugserkennungstechnologie werden erfahrene Betrugsermittler eingesetzt, die sich proaktiv an die Websites, Unternehmen und Einzelpersonen richten, die versuchen, gefälschte Bewertungen zu verkaufen. Diese Ermittler konzentrieren sich darauf, diese Art von Betrug, den bezahlten Betrug, an der Quelle zu unterbinden.

Der Kampf gegen gefälschte Reviews wird nie ganz zu gewinnen sein. Immerhin scheint es nicht mehr so einfach zu sein, wie noch vor wenigen Jahren, gut organisierte Review-Plattformen wie TripAdvisor zu betrügen.

Monday, October 28, 2019

Nachrichten aus dem dunklen Teil des Internets

Das Darknet hat keinen guten Ruf. Die Schmuddelecke des Internets ist ein Ort, wo sich auch jene User tummeln, die sich mit illegalen Handelswaren wie Drogen oder Waffen, Kinderpornografie und anderer Cyberkriminalität befassen. Das Darknet wird aber weltweit auch von vielen Menschen für die Kommunikation genutzt - in Staaten wo die westlichen Freiheitsrechte keine Gültigkeit haben, und die Staatsmacht Informationen von aussen nicht zulässt. Dies macht sich jetzt auch der britische Staatssender BBC zu Nutzen, der per Tor-Netzwerk und Darknet Informationen in Regionen verbreiten will, wo Informationen zensuriert werden.

Eine Partnerschaft, um Zensur zu umgehen: die BBC und Tor.            Bild PD
Der Tor-Browser ist eine auf die Privatsphäre ausgerichtete Software, die für den Zugriff auf das dunkle Web notwendig ist. Der Browser verbirgt, wer ihn benutzt und auf welche Daten zugegriffen wird, was nicht nur Kriminellen sondern eben auch Menschen helfen kann, die staatlicher Überwachung und Zensur unterworfen sind. Länder wie China, Iran und Vietnam gehören zu den Nationen, die den Zugang zur Website oder zu den Programmen der BBC News blockieren.
Tor ist eine Abkürzung und steht für ‘The Onion Router‘. Die Zwiebel ist der Namensgeber, weil sie ebenfalls vielschichtig ist - genauso wie die Verschlüsselung im Tor Network. Das System wurde von der US Navy entworfen und wird weiterhin von der US-Regierung mitfinanziert. Tor versucht, Standort und Identität einer Person zu verbergen, indem Daten über das Internet auf einem sehr weitläufigen Weg mit mehreren ‘Knoten‘ gesendet werden - was in diesem Zusammenhang bedeutet, dass PCs und Computerservers von Freiwilligen als Verbindungspunkte genutzt werden. Die Verschlüsselung, die entlang dieser Route angewendet wird, macht es letztlich beinahe unmöglich, eine Person mit einer bestimmten Aktivität im Internet in Zusammenhang zu bringen. Auf der Website, die letztendlich die Anfrage erhält, sieht es nämlich so aus, als ob der Datenverkehr vom letzten Computer in der Kette - dem so genannten "Exit-Knoten" - und nicht von der Person kommt, die im Net surft.
Zu den Nutzern von Tor gehören (neben Kriminellen), Militär, Strafverfolgungsbehörden und Journalisten sowie Mitglieder der Öffentlichkeit, die ihre Browseraktivitäten geheim halten möchten.
Was die BBC betrifft, funktioniert der Besuch der Site im Darkweb wie folgt: Anstatt bbc.co.uk/news oder bbc.com/news zu besuchen, können Benutzer des Tor-Browsers die neue Webadresse bbcnewsv2vjtpsuy.onion besuchen. Das Anklicken dieser Webadresse funktioniert in einem normalen Webbrowser nicht.
Die Darknet-Ausgabe der BBC News Website wird die internationale Ausgabe sein, wie sie außerhalb Großbritanniens angesehen werden kann. Diese Ausgabe liefert Fremdsprachendienste wie BBC Arabic, BBC Persion und BBC Russian.
In einer offiziellen Erklärung äusserte sich die BBC wie folgt:
"Die Nachrichteninhalte des BBC World Service sind nun über das Tor-Netzwerk auch für Zuschauer verfügbar, die in Ländern leben, in denen BBC News blockiert oder eingeschränkt wird. Dieser Service steht im Einklang mit der Mission des BBC World Service, vertrauenswürdige Nachrichten auf der ganzen Welt zu liefern.“

Wednesday, October 23, 2019

Windows war gestern - Microsoft plant den 'Welt-Computer'

Intelligent Edge, heisst das Computer-Konzept, von dem Microsoft Chef Satya Nadella glaubt, das ihm die Zukunft gehört. Bestandteile davon sind sie Cloud, künstliche Intelligenz und Edge Computing - speziell die Microsoft Cloud Azure. Windows hat in diesen Zukunftsplänen nicht mehr viel Platz.

Microsoft am Rheinauhafen in Köln: Das Unternehmen ist
heute an der Börse mehr als eine Billion Dollar wert.    Bild pd
Nadellas Vision schlägt sich in Microsofts Büchern nieder, und zwar äusserst positiv. Microsoft kombiniert Server-Produkte, Cloud-Dienstleistungen und Enterprise Services im Rahmen seines Intelligent-Cloud-Business-Unternehmens. Das Segment trägt bereits 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Im Geschäftsjahr 2019 stieg der Umsatz mit der Intelligent Cloud um 21 Prozent auf 38,9 Milliarden US-Dollar und trägt heute am meisten zum Umsatz und zur Rentabilität von Microsoft bei. Microsoft Azure allein verzeichnete ein Umsatzwachstum von 72 Prozent. Doch der Microsoft Boss will mehr. Er sieht Azure als zukünftigen Welt-Computer:
“Denn die Zukunft gehört nicht den Geräten in unserer Tasche sondern ihrem Zusammenspiel mit der intelligenten Cloud, so Nadella. Lange Zeit mussten unsere Rechner ihre Berechnungen entweder selbst erledigen, oder sie waren auf die Leistung der Cloud angewiesen. Die Intelligent Edge bricht diesen Gegensatz auf - und öffnet so unzählige neue Möglichkeiten. Aus Cloud und Gerät wird ein Zusammenspiel. Die smarten Geräte - Edge genannt - arbeiten im Alltag vor sich hin und sammeln dabei Daten. Die werden dann an die Cloud geschickt und dort von künstlicher Intelligenz weiterverarbeitet. Die dabei entstandenen Verbesserungen der KI werden dann wieder auf die Edge übertragen, die dadurch noch smarter vor Ort agieren kann. So verbessert sich das System ständig selbst.“ (stern.de)
Was es braucht, damit dieses Intelligent-Edge-Konzept funktioniert, weiss Nadella auch. An einer Regierungskonferenz in Washington nannte er Zahlen. Der Schlüssel dazu sei, dass bis in zehn Jahren 50 Milliarden Geräte global vernetzt seien, ob man sie nun Edge-Geräte oder das Internet der Dinge nenne. Diese Geräte würden Unmengen von Daten erzeugen. Nadella nennt diese Datenflut und deren Verarbeitung den Treibstoff für künstliche Intelligenz.
Man darf davon ausgehen, dass auch Amazon, Google und andere Mitbewerber sich Gedanken über Nadellas Vision machen und dabei hart an ihren eigenen Konzepten arbeiten. Microsoft hat sich aber  mit Azure eine sehr solide Geschäftsbasis zurechtgelegt, die auch an der Börse erkannt wird. Seit Nadella im Jahr 2014 ins Chefbüro einzog, stieg die Microsoft Aktie um 280 Prozent, allein dieses Jahr waren es 40 Prozent.

Monday, October 21, 2019

Digitale Anlageberater haben Mühe, bei den Kunden anzukommen

Die Automatisierung, so hören und lesen wir fast täglich, ist unaufhaltsam. Roboter und andere digitale Kreationen werden schon in wenigen Jahren Millionen von Aufgaben übernehmen, die gestern und heute noch von Menschen - gegen Bezahlung - erledigt werden. Wenn es darum geht, das eigene Geld anzulegen, scheinen sich diese Voraussagen allerdings (noch) nicht zu bewahrheiten. Digitale Anlageberater, sogenannte Robo-Advisor, sind sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Automatische Vermögensverwaltung: Es gibt sie, aber die Investoren reissen
sich nicht darum                                                                             Bild Pixabay
Die Automatisierung ist zum einen im Alltag schon ganz klar erkennbar - am Flughafen, beim Einkaufen, im Nahverkehr. Zum andern müssen wir uns, was die Zukunft betrifft, diesbezüglich auf die Prognosen von Spezialisten verlassen - und diese sind durchaus nicht sehr menschenfreundlich:
“Jack Ma, Chef des chinesischen E-Commerce-Konzerns Alibaba, erwartet, dass Computermaschinen in den nächsten drei Jahrzehnten bis zu 800 Millionen Jobs weltweit überflüssig machen. Und das Global Institute von McKinsey sagt, bis zu einem Drittel der deutschen Berufstätigen müsse bald eine neue Beschäftigung finden. Zu einem noch radikaleren Ergebnis kam ein viel gelesener Wirtschaftstheoretiker: Karl Marx. Im Maschinenfragment sagte der Vater des Kommunismus voraus, die unausweichliche Automation werde alle menschliche Arbeitskraft ersetzen – und damit zum Zusammenbruch des Kapitalismus führen…“ (zeit.de)
Ganz so weit sind wir noch nicht, und gerade was den buchstäblichen Kapitalismus betrifft, will die Automatisierung nicht so recht Fuss fassen, wie sowohl in der Schweiz, als auch in Deutschland berichtet wird. Die Rede ist von sogenannten Robo-Advisors, die seit einigen Jahren von Finanzinstituten als Dienstleistung angeboten werden. Beim Robo-Advisor gibt es allerdings keine Beratergespräche, sondern massgeschneiderte Anlageprogramme, die nach den Anlagewünschen und den Verhältnissen des Kunden zusammengestellt und verwaltet werden. Der Vorteil: Der Gang zum Berater ist nicht mehr notwendig, die Steuerung erfolgt Online. Obwohl das System praktisch ist und auch schon mehrfach getestet wurde, verkauft es sich nicht sehr gut. Nur gerade 0,01 Prozent der verwalteten Vermögen in der Schweiz werden von einem Robo-Advisor verwaltet, wie die NZZ berichtet. Die Gründe haben mehr mit Gebühren als mit der Angst vor der Automatisierung zu tun:
“Der Grund für das mangelnde Interesse der Schweizer Anleger sind vor allem die hohen Kosten. Als weitere Gründe für die Zurückhaltung von Schweizer Kunden gegenüber Robo-Advisory-Lösungen kommen mangelndes Vertrauen und Trägheit hinzu. Zahlreiche Kunden scheinen sich zwar für Robo-Advisory zu interessieren, sind jedoch gegenüber wenig bekannten Namen und Startup-Unternehmen kritisch eingestellt. «Viele Vermögensverwaltungskunden möchten sich um gar nichts kümmern – nicht einmal um das Vergleichen der Gebühren oder das Onboarding», sagt Manz. Ausserdem sei für viele, gerade ältere Kunden, noch der direkte zwischenmenschliche Kontakt wichtig.“
Die Schweizer sind übrigens nicht die einzigen, die ihr Geld lieber einem Menschen als einem Roboter anvertrauen. Auch in Deutschland meiden die meisten Anleger die digitale Variante. Das habe aber viel mit den bestehenden Strukturen zu tun und damit, dass die Banken lieber eigene Produkte verkaufen:
“Nach Ansicht der Experten der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman haben sich die Hoffnungen der Robo-Branche nicht erfüllt. Viele Anbieter von digitalen Vermögensverwaltern, darunter Start-ups, hätten die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für Kundenakquise unterschätzt. Zudem würden sich Robo-Advisors an eine Nische von Kunden richten, die gerne Internet-Angebote nutzten und zugleich an Wertpapieren interessiert seien. Die Kombination sei aber selten. Der Teufelskreis ist nur, dass solche erfahrenen Anleger in aller Regel gleich selbst ein ETF-Portfolio zusammenstellen würden…“

Friday, October 18, 2019

Digitalisierung im Laden macht immer mehr Kunden zu Kassierern

Hunderte von Ladengeschäfte bieten sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ihren Kunden die Möglichkeit, nach dem Einkauf selber abzurechnen. Das kundeneigene Scannen der Artikel - an der Kasse oder mobil am Regal - wird als zusätzlicher Kundenservice angepriesen, primär um Wartezeiten zu verkürzen.  

Coop Migros und Lidl sind in der Schweiz
Self-checkout im Laden: nicht überall beliebt, aber nicht aufzuhalten.
                                                                                               Bild SchuminWeb
dabei, wenn es um die Digitalisierung im Einkaufsladen geht. Eine neue Studie zeigt, dass der Trend auch in Deutschland unaufhaltsam ist: Schon gegen 1000 Läden bieten ihren Kunden die Möglichkeit, den Scan- und Bezahlvorgang selbst in die Hand zu nehmen. Dazu gibt es in 903 Geschäften stationäre Self-Checkout-Kassen, also Selbstbedienungskassen, und in weiteren 96 Geschäften wird das sogenannte Self-Scanning angeboten. Einige Geschäfte bieten ihren Kunden mehrere Variationen des Self-Checkouts an. Bei den installierten Self-Checkout-Systemen in 903 Märkten kommen derzeit gegen 5000 solche Kassen zum Einsatz. Die Schweiz, wo Migros und Coop die Digitalisierung an der Kasse vorantreiben,  liegt mit ihren Zahlen wohl nicht weit hinter Deutschland - wenn überhaupt.
Am weitesten Fortgeschritten ist der Trend aber in Nordamerika, wo in den USA und Kanada Tausende solcher Kassen zum Einsatz kommen. Diese Digitalisierung bringt den Ladengeschäften grosse Einsparungen, vernichtet aber auch Arbeitsstellen von Kassierern und Kassiererinnen. Eine Studie der Universität Bern zeigt, dass die Umstellung tatsächlich  Konfliktpotential birgt:
“Detailhandelsangestellten berichten von einem höheren Konfliktpotenzial an den Self-Scanning-Kassen. Vor allem die Frauen seien vermehrt dem «aggressiven und unangemessenen Verhalten der Kundschaft» exponiert. Die Mitarbeiter fühlten sich als «Inventar» oder gar als «Teil der Maschine».
Die Angst der Angestellten um ihre Stelle werde geschürt. Sie befürchten, dass auch die Schweizer Detailhändler vollautomatisierte Supermärkte anstreben.“ (watson.ch)
Und die Kassen tragen auch dazu bei, dass die Diebstähle zunehmen. So nahm im Jahr 2018 die Zahl der Ladendiebstähle stark zu, was gemäß einem Polizeisprecher auf die Self-Check-Out Kassen bei Migros und Coop zurückzuführen sei.
Die Ladengeschäfte sparen also Lohnkosten und die Kunden sparen Zeit an der Kasse - oder etwa nicht?
“Es lasse sich nicht belegen, dass Kunden mit Self-Checkout und Scanning schneller seien als an der klassischen Kasse […]. Dennoch seien gemäss einer Deloitte-Umfrage 70 Prozent der Kunden der Meinung, dass sie Zeit sparten. Weil die Kunden die Dauer des Bezahlprozesses beim Self-Check-out selber bestimmen könnten, hätten sie wohl das Gefühl, schneller zu sein.“ (blick.ch)
Ganz ohne Kassierer wird es in grossen Läden wohl auch in naher Zukunft nicht gehen: Kunden, die bar bezahlen wollen, können die digitalen Kassen nicht benutzen, da diese nur Karten akzeptieren. Allgemein darf man aber davon ausgehen, dass sich der Trend zu den automatischen Kassen eher beschleunigen als verlangsamen wird. Genauso zum Beispiel, wie an den Flughäfen beim Einchecken und an den Ticketautomaten der Verkehrsbetriebe. Jüngere Leser werden sich nicht daran erinnern: Es ist noch nicht so lange her, dass diese Aufgaben von Menschen erledigt wurden.