Thursday, July 18, 2019

Eintritt bezahlen, um kaufen zu dürfen

Für immer mehr Kunden scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, was für andere immer noch undenkbar ist: dafür zu bezahlen, dass man in einem Geschäft einkaufen darf. Das gilt vor allem auch im digitalen Bereich. Eine neue Studie zeigt, dass sogenannte Plattformen bereits fest im Nutzungsverhalten der Konsumenten verankert sind, und zwar so stark, dass diese durchaus bereit sind, eine Gebühr für die Nutzung zu bezahlen.

Einkauf nur mit Mitgliedschaft: Dieses Konzept hat den Einzelhändler Costco
zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt gemacht.        Bild Costco
Die Studie des IFH Köln befasst sich mit der sogenannten Plattformökonomie und dem Verhalten der Konsumenten. Sie zeigt, dass viele Verbraucher durchaus bereit sind, allein für das Privileg der Nutzung einer Plattform zu bezahlen. Auch Streaming-Plattformen wie Netflix oder Spotify funktionieren auf dieser Basis. Beim Streaming macht es durchaus Sinn. Seltsamer mutet das Modell dann an, wenn es um ganz gewöhnliches Shopping geht. Die Befragten gaben an, dass sie zwischen sieben und elf Euro monatlich bezahlen würden, um bei Amazon bestellen zu dürfen – und zwar ohne spezielle Zusatzleistungen (Prime) zu erhalten. Amazon ist zu einer enormen Handelsplattform geworden. Auch YouTube-Nutzern würden monatlich ein “Eintrittsgeld“ zahlen, um die bisher kostenfreien Inhalte der Videoplattform abrufen zu können. Das erscheint schon ein wenig logischer, da YouTube eine Streaming-Plattform ist, für die es keine echte Alternative gibt. Am höchsten fällt die Zahlbereitschaft aber für die Nutzung von Flug- oder Mietwagenplattformen aus. Bis zu 41 Euro würden potenzielle Kunden hier für das Privileg einer Buchung in die Hand nehmen.
Warum ist das so? Plattformen gelten als praktisch und flexibel und werden von den Kunden bei allen Leistungskriterien besser bewertet als lineare Geschäftsmodelle. Lediglich in Sachen Einfachheit sind lineare Angebote noch konkurrenzfähig – sicherlich auch, weil sich durch die zu grosse Auswahl auf Plattformen die Komplexität für Konsumenten erhöht. Auch der Blick auf den Informations- und Kaufprozess verdeutlicht, welcher Druck gegenwärtig schon von Plattformangeboten ausgeht. So bündeln Flug- und Mietwagenplattformen fast drei Viertel der der Suche nach relevanten Informationen und für die Buchung bleiben dann die potentiellen Kunden der Plattform treu.
Das Plattformmodell gibt es übrigens nicht nur im E-Commerce. Auch die Migros ist in diesem Sinne eine Plattform, wo man sich mit dem Bedarf des täglichen Lebens eindecken kann - fast überall in der Schweiz. Besuche in anderen Läden erübrigen sich häufig. Allerdings müssen Migros-Kunden keinen Eintritt bezahlen - aber auch dieses Modell existiert schon lange. Der Amerikanische Händler Costco ist extrem erfolgreich damit, nur Kunden in seinen Läden einkaufen zu lassen, die eine Jahresgebühr dafür bezahlen und sich an der Kasse jedes Mal mit einer Karte ausweisen müssen.  Costco Wholesale Corporation ist ein amerikanisches multinationales Unternehmen, das 2015 zum zweitgrösste Detailhändler der Welt aufstieg, und dessen Läden sich als Grosshandelsclubs anpreisen. Ab 2016 war Costco der weltweit grösste Einzelhändler von Rindfleisch, Bio-Lebensmitteln, Rotisserie-Huhn und Wein. Costco wird in den Fortune-500-Rankings der grössten US-Unternehmen nach Gesamtumsatz auf Platz 15 geführt. Costco hat auch Läden in Europa: 28 in Grossbritannien, zwei in Spanien, einen Laden in Island und einen in Frankreich.
Die Plattformökonomie ist also nicht ganz so neu. Sie zählt aber weiterhin darauf, dass es ein wichtiges Kundensegment gibt, das unter anderem Loyalität gegenüber einem Händler demonstriert, indem es bereit ist, für den Eintritt in einen Laden oder einen Shop einen Preis zu bezahlen.

Sunday, July 14, 2019

Handelsströme oder Handelsapokalypse?

Die Amerikaner haben ein Wort dafür: Sie nennen das Ladensterben, das in den letzten Jahren durch den Handel im Internet ausgelöst wurde, die Detailhandelsapokalypse. Sie haben allen Grund dazu: Zehntausende von Shops sind in den letzten Jahren geschlossen worden, und dieses Jahr beschleunigt sich der Trend noch. Aber auch in der Schweiz haben viele traditionelle Läden in Innenstädten nichts zu lachen.

Geschlossen für immer - und die Wende im traditionellen Handel lässt
weiter auf sich warten.                                     Bild Wikimedia Commons
Beim Retail Marktbericht Schweiz weiss man es ganz genau: Demnach schlossen im Jahr 2018 allein die 200 grössten Ladenketten im Bereich “Non-Food“ insgesamt 541 Filialen. Insgesamt reduzierten 41 Prozent aller “Non-Food“ Ketten die Anzahl ihrer Filialen. In der Bekleidungsbranche ist der Filialenrückgang am deutlichsten ausgeprägt. Mit einem Minus von 265 Filialen beträgt der Anteil rund die Hälfte vom Gesamtrückgang. Auch in der Schuhbranche schlossen 68 Filialen. In der Bücher- und Spielwarenbranche schlossen 52 Filialen. Die Internationalisierung im Schweizer Detailhandel schreitet voran.
Längst stürben die Läden nicht mehr nur im ländlichen Raum. Auch in den Schweizer Städten verschwänden mehr und mehr Geschäfte, schreibt die Handelszeitung zum Thema:
“Selbst grosse Marken reduzieren ihr Netz, weil sie gegen den wachsenden Online-Handel noch immer keine Antworten haben. Schweizer bestellen gern im Internet. 2018 haben sie für 9,75 Milliarden Franken im Internet eingekauft. Wie es im aktuellen E-Commerce-Report Schweiz der Fachhochschule Nordwestschweiz heisst, machen Onlinebestellungen im In- und Ausland damit 10,7 Prozent des Gesamtvolumens des Detailhandels von 91,3 Milliarden Franken aus.Online-Riese Zalando ist in der Schweiz innert sieben Jahren von Null an zum grössten Modehändler aufgestiegen. Vergangenes Jahr kam hierzulande das Berliner Unternehmen auf einen Umsatz von 800 Millionen Franken. Selbst Branchengigant H&M, der stets gewachsen war, reduzierte sein Netz um drei Filialen auf 93 Läden.“ 
Am stärksten vom Ladensterben betroffen seien kleine Städte. Sie hätten zudem das Problem, dass expandierende Ketten kleinere Orte auslassen. Die Folge sei eine Abwärtsspirale. Mit weniger Geschäften kommen weniger Kunden und so kämmen die verbleidenden Geschäft unter Druck,
heisst es im Expertenbericht. Aber nicht nur Kleinstädte seien bedroht: Auch grosse Innenstädte seien gefährdet.

Die gegenwärtige Entwicklung in den USA, wo seit Jahrzehnten die grossen Shopping-Trends gesetzt werden, lässt auch für dieses Jahr keine Wende erwarten. Nach neuen Erkenntnissen wurden in den USA bereits in diesem Jahr mehr Filialschliessungen angekündigt als im gesamten letzten Jahr, nämlich rund 6000. Einige Einzelhändler schliessen ausgewählte Geschäfte, um profitabel zu bleiben, während Ketten wie Payless angekündigt haben, dass sie alle ihre Geschäfte schliessen. Eine Expertenprognose sagt voraus, dass bis 2026 in ganz Nordamerika 75‘000 Läden geschlossen würden, da die Abhängigkeit vom E-Commerce zunimmt.

Bemerkenswert an diesen Zahlen und Berichten ist die Tatsache, dass nirgendwo klare Lösungsansätze genannt werden, die eine Verödung vieler Geschäftsviertel in den nächsten Jahren verhindern könnten. Die Handelsströme scheinen unaufhaltsam umgeleitet zu werden - von den Verbrauchern. Wer erfolgreich bleiben will, muss dort sein, wo sie sich hinbewegen.

Thursday, July 11, 2019

DSGVO: Wer am Ende die Millionenbussen bezahlt

Die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union ist vor gut einem Jahr in Kraft getreten und zeigt auch Wirkung. Gestiegen ist aber nicht nur der Schutzfaktor für Daten sondern auch der Aufwand für die beteiligten Firmen. Bereits wurden Bussen in Millionenhöhe ausgesprochen.

Marriott soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 110 Millionen Busse
bezahlen.                                                                          Wikimedia Commons
Die neuste Busse im Zusammenhang mit der Datenschutzverordnung trifft den Hotelkonzern Marriott International, der für den mangelhaften Umgang mit Kundendaten in einem Tochterunternehmen 110 Millionen Euro Busse bezahlen soll:
“Nach einer umfassenden Untersuchung hat die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office (ICO) mitgeteilt, dass sie beabsichtigt, den Hotelkonzern Marriott International wegen Verstößen gegen die Allgemeine Datenschutzverordnung (DSGVO) mit einer Geldbuße von 99.200.396 Pfund (110 Millionen Euro) zu belegen. Die Geldbuße bezieht sich auf einen Cyber-Vorfall, der dem ICO von Marriott im November 2018 gemeldet wurde. Eine Vielzahl von personenbezogenen Daten, die in rund 339 Millionen Gästeprofilen weltweit enthalten sind, wurden durch den Vorfall preisgegeben…“ (ZDNet.de)
Eine weitere Busse in Millionenhöhe war in England schon letzte Woche angekündigt worden. British Airways soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 183 Millionen Pfund (204 Millionen Euro) bezahlen. Die Geldbusse bezieht sich auf einen Sicherheitsvorfall, der dem ICO von British Airways im September 2018 gemeldet wurde. British Airways hatte damals eingeräumt, dass bei einem Hackerangriff die Adress- und Kreditkartendaten von 380‘000 Kunden kompromittiert wurden. Betroffen waren Kunden, die zwischen dem 21. August und dem 5. September eine Online-Buchung vorgenommen hatten.
Die Bussen scheinen einen Trend festzulegen. Nach einem Jahr DSGVO waren schon im Frühling dieses Jahres über 200'000 Verstösse gemeldet und Bussen in Höhe von knapp 56 Millionen Euro verteilt worden. Der teuerste Strafzettel in Höhe von knackigen 50 Millionen ging damals an Google. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten ihrer Gültigkeit 206'326 Verstösse gegen die DSGVO gemeldet. Bei 65'000 davon handelt es sich um Selbstanzeigen von Datenschutzbeauftragten der Firmen, die Datenlecks meldeten. Bei 95'000 handelt es sich um eigentliche Verstösse gegen die neue Verordnung, wie einem Bericht der EU zu entnehmen ist.

Verbraucher sollten bei derartigen Meldungen gemischte Gefühle haben: Einerseits zeigen die riesigen Bussen, dass die DSGVO tatsächlich ernst genommen werden muss und damit dem Datenschutz in der Wirtschaft einen neuen Stellenwert gibt. Auf der anderen Seite ist klar, wer am Ende die vielen Bussen bezahlt, die mit Sicherheit in den bodenlosen Kassen des behördlichen Verwaltungsapparates versickern werden: Es sind die Verbraucher. Bussen sind Kosten, und Kosten werden auf die Preise umgelegt. Deshalb sind solch hohe Bussbeträge durchaus nicht nur für die betroffenen Firmen eine Strafe, sondern eine zusätzliche Steuer für die Kunden der gestraften Unternehmen, die am Ende höhere Preise bezahlen müssen.

In der Wirtschaft gibt es durchaus auch nach einem Jahr DSGVO noch kritische Stimmen. Zwar lobt der Bundesverband der deutschen Industrie BDI gemäss Medienberichten die DSGVO als wichtigen Grundstein für einen gemeinsamen Markt in der EU, betont aber auch, dass die Verordnung teuer für die Unternehmen sei. Auch der BDI fordert mehr Rechtssicherheit ein. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) ermittelte in einer Befragung unter seinen Mitgliedern sogar spürbare negative Auswirkungen. So rechneten 39 Prozent der Digitalexperten in den 237 Mitgliedsunternehmen mit Umsatzeinbußen. 32 Prozent haben demnach ihre digitalen Aktivitäten eingeschränkt - was wohl nicht das Ziel der Datenschutzgesetze war.

Monday, July 8, 2019

Amazons Einfluss auf den gesamten Handel wächst

Vor 25 Jahren gründete Jeff Bezos in seiner Garage in Seattle Amazon - und der Handel  war seither nie mehr derselbe. Heute ist das Unternehmen eines der wertvollsten der Welt - nur Microsoft ist noch teurer. Auch in Europa beeinflusst Amazon viele Branchen. Doch auch Jeff Bezos weiss, dass es mit seinem Unternehmen auch bergab gehen kann.

Egal ob online oder im Wartenhaus (auf dem Bild:
Galeries Lafayette in Paris), Amazon beeinflusst die
Kunden.                                                           Bild Pixabay
Amazon sei nicht zu gross, um zu scheitern, sagte Bezos an einem Treffen Ende des letzten Jahres.  "Wenn man sich große Unternehmen ansieht, beträgt ihre Lebensdauer in der Regel mehr als 30 Jahre, nicht mehr als hundert Jahre." Trotz des Erfolgs und der Marktmacht von Amazon hat der Gründer von Amazon also darüber nachgedacht, dass die Dominanz von Amazon nicht ewig anhalten wird. Allerdings gab er am gleichen Treffen auch bekannt, dass er wisse, wie er den Niedergang verhindern oder zumindest verschieben könne: Die Kunden müssten auch weiterhin von Amazon besessen bleiben, und das Management müsse weiterhin  “Hochgeschwindigkeitsentscheidungen“ treffen und grosse Trends erkennen und berücksichtigen.
Tatsächlich hat es Amazon im letzten Vierteljahrhundert geschafft, nicht nur die eigene Branche sondern auch das Geschäft Millionen anderer Unternehmer aufzumischen. Eine neue Studie des IHF zeigt, dass das Unternehmen allein in Deutschland immer mehr Einfluss auf den gesamten Handel hat:
“Rund 31 Prozent aller Umsätze im Nonfood-Bereich – egal ob online oder stationär – sind schon heute von Amazon abhängig. Ganze sieben Prozent sind Umsatz des Handelsriesen selbst, die übrigen 24 Prozent entfallen auf Umsätze, die direkt von Amazon beeinflusst werden – zum Beispiel durch die Informationssuche auf der Onlineplattform. Selbst in der vermeintlich Amazon-schwachen Fashion-Branche ist rund ein Viertel des Marktvolumens von Amazon abhängig. In anderen Branchen fällt dieser Anteil deutlich höher aus.“
Die Amazon-Abhängigkeit vieler Händler hängt in erster Linie eng mit dem veränderten Informationsverhalten der Konsumenten zusammen. So nutzen immer mehr Verbraucher  sowohl vor dem Onlinekauf als auch vor dem stationären Kauf Amazon als Informationsquelle. Die Studie zeigt: Durchschnittlich 60 Prozent der Onlinekäufe und 27 Prozent aller stationären Käufe geht eine Recherche bei Amazon voraus. Im Bereich Elektronik und Elektro ist dieses Konsumentenverhalten besonders weit verbreitet. Bei rund 67 Prozent der Onlinekäufe und 44 Prozent der Anschaffungen im stationären Handel wird vorab bei Amazon recherchiert. Insgesamt steigt der Anteil der Onlineinformationssuche bei Amazon in der Mehrheit der Branchen teilweise deutlich an. Vor dem Kauf – egal ob online oder im Ladengeschäft – nutzen Verbraucher Amazon vor allem als Preisanker, als Informationsquelle für Produktbewertungen anderer Kunden und für Produktempfehlungen. Vor allem die Kundenbewertungen der Amazon-Community liegen hoch im Kurs: Nur zehn Prozent der Amazonkunden vertrauen nicht auf die Kundenbewertung mit Sternen.
Wessen Produkte oder Dienstleistungen auf Amazon gefunden und gut bewertet werden, der darf also damit rechnen, dass er sie besser verkaufen kann - auch im eigenen Laden.

Thursday, July 4, 2019

Wie Sie Ihre Ferien sicher online buchen

Der absolut grösste Teil aller Reisen wird über das Internet gebucht - weil es praktisch und übersichtlich ist und schnell geht. Allerdings gilt es einige Regeln zu beachten, damit man als Reisekunde nicht an unseriöse Anbieter gerät. Worst-Case-Szenario: Die Reise ist bezahlt, das Angebot existiert nicht. Teuer kann es auch werden, wenn online mit günstigen Preisen gelockt wird, bei der Buchung aber plötzlich  intransparente Mehrkosten dazu kommen.

Es gilt, bei der Online-Buchung einige Fragen zu stellen, bevor Sie die Zeit an
Ihrem Traumstrand geniessen können.                                                 Bild PfW
Die Anbieter des Online-Gütesiegels Trusted Shops haben zur Reisezeit eine Checkliste erstellt, die es sich lohnt, bei der Online-Buchung zu beachten. Stellen Sie sich vor der Buchung Ihrer Ferien die folgenden Fragen:
Sind die Angaben zum Angebot vollständig? Dazu gehören — je nach gewählter Reise — die wesentlichen Leistungen, wie Reiseorte, die Anzahl der Übernachtungen, die Transportmittel, Zeitangaben zur Anreise und Abreise, Ihre Unterkunft, Mahlzeiten und etwaige Ausflüge. Der Veranstalter muss Sie zudem über die allgemeinen Pass- und Visumerfordernisse des Bestimmungslands informieren — auch die Fristen für die Formalitäten und benötigte Impfungen gehören dazu. Sie sollten auch über Ihre Rechte aufgeklärt werden, zum Beispiel über den Zeitpunkt, bis zu dem Sie die Rücktrittserklärung des Reiseveranstalters erhalten haben müssten.
Wer ist der Anbieter? Ist der Anbieter auch Reiseveranstalter oder nur -vermittler? Erst dann ist klar, wer für die gebuchte Reise haftet. Das wird bei Mängeln, Buchungsfehlern oder einer Insolvenz relevant. Ein Reisevermittler vermittelt Ihnen lediglich Leistungen eines Dritten. Daher haften bei der Buchung durch einen Reisevermittler die jeweiligen Anbieter der Leistungen und sind Ihre Ansprechpartner.
Existiert ein vollständiges Impressum? Es müsste die Rechtsform des Unternehmens, den Namen des Vertretungsberechtigten, die vollständigen Adresse und die Handelsregisternummer enthalten. Auch Kontaktmöglichkeiten wie die Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse müssen vorhanden sein. Wichtig: Ihr Der Kontakt sollte Sie in Ihrer Sprache beraten können. Sitzt der Vertragspartner im Ausland, kann es schwierig werden, rechtliche Ansprüche durchzusetzen.
Was geschieht mit Ihren Daten? In der Datenschutzerklärung Ihres Reiseanbieters müssen Sie über die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung Ihrer Daten informiert werden. Nur Daten, die im direkten Zusammenhang mit Ihrer Buchung stehen, dürfen erhoben werden. Bei allen zusätzlichen Daten, muss der Anbieter Sie darauf hinweisen, dass es sich um freiwillige Angaben handelt. Lesen Sie also die Datenschutzerklärung, bevor Sie private Daten preisgeben.
Ist der Buchungsablauf verständlich? Während der der Buchung sollte für Sie ersichtlich sein, bei welchem Vorgang Sie sich gerade befinden. Achten Sie darauf, ob kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Mietwagen vorgewählt sind. Es gibt zum Beispiel Zuschläge für Sitzplatzreservierungen, die bei der direkten Buchung bei der Airline nicht berechnet werden. Über einen eindeutigen Bestell-Button mit dem Hinweis einer Zahlungspflicht schließen Sie den Kauf ab und erhalten eine Buchungsbestätigung per E-Mail. Diese beinhaltet Ihre Reisedaten und den Gesamtpreis.
Sind die Preisangaben transparent? Auch Online-Anbieter von Reisen müssen den Endpreis samt Steuern, Gebühren oder der Kosten für Nebenleistungen nachvollziehbar angeben. Sie müssen auch darüber informiert werden, wann Sie die Zahlung leisten müssen oder, ob es sich um Teilzahlungen handelt. Nutzen Sie diese Angaben, um Preise verschiedener Anbieter zu vergleichen. Beachten Sie auch die Gebühren für Stornierungen und Umbuchungen. Kartenzahlungen sollten keine zusätzlichen Gebühren verursachen. Beachten Sie, dass Sie bei Zahlungen mit Ihre Kreditkarte oder per Lastschriftverfahren Ihr Geld zur Not zurückholen können.
Werden Ihre Daten verschlüsselt? Achten Sie auf eine sichere Übertragung Ihrer Daten. Überprüfen Sie hierfür, ob das Schloss-Symbol in Ihrem Browser geschlossen ist oder die URL mit „https“ beginnt. Unverschlüsselt können Ihre persönlichen Daten von Kriminellen abgefangen werden.
Wir wünschen Ihnen eine gute Reise und schöne Ferien!

Sunday, June 30, 2019

Geld aus der Firmenkasse für kriminelle Erpresser?

Man sollte Kriminelle im Allgemeinen und Erpresser im Besonderen nicht bezahlen, weil das deren Geschäft nur weiter ankurbelt. Diese Regel ist nicht immer einfach zu befolgen, wenn es um Ransomware-Attacken geht. Manchmal ist die Zahlung eines Lösegelds das beste Mittel, um eine Organisation am Laufen zu halten.

Ransomware: Gute Vorbereitung ist entscheidend.                          Bild Pixabay
Diese These wurde kürzlich in einem aktuellen Forschungsbericht von Forrester Research dargelegt. Die Zahlung von Lösegeldern für erpresserische Forderungen, die durch Ransomware ausgelöst wurden, sei durchaus eine praktikable Option. Manager sollten bei der Entscheidungsfindung genauso vorgehen, wie bei anderen
Geschäftsentscheidungen, schreiben die Autoren. Tatsächlich gibt es immer mehr Organisationen, die genau diesen Weg gehen; zwei aktuelle Fälle sind die Städte Lake City und Riviera City in Florida. Ransomware gibt es aber nicht nur in den USA; auch in der Schweiz passieren derartige Angriffe. Allerdings empfehlen die Behörden, nicht auf solche Forderungen einzugehen, wie die NZZ berichtet:
“Offiziell rät die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) des Bundes dringend davon ab, Lösegeld zu bezahlen. Damit unterstütze man nicht nur Kriminelle und ermögliche es diesen, ihre Infrastruktur auszubauen und weitere Opfer zu erpressen. Es gebe darüber hinaus keine Garantie dafür, dass die Angreifer wie versprochen die Schlüssel für die Dekodierung der Dateien lieferten. Aus der Perspektive der Allgemeinheit mag diese Mahnung überzeugen. Gingen die Urheber der Schadsoftware stets leer aus, lohnte sich deren Mühe nicht mehr. Damit verschwänden zumindest jene Angreifer von der Bildfläche, die von finanziellen Motiven getrieben sind. Doch für betroffene Firmen hat das eigene Wohl Vorrang, nicht Generalprävention. Sind die Dateien einmal blockiert, kann sich eine «Investition» in eine Lösegeldzahlung durchaus lohnen. Denn die Verschlüsselung lässt sich – wenn überhaupt – oftmals nur mit beträchtlichem Aufwand knacken. Im Vergleich dazu kann die als Lösegeld geforderte Summe gering erscheinen…“
Auch die Experten bei Forrester vertreten die Meinung, dass sich das Zahlen von Lösegeld lohnen kann. Schliesslich könne es sehr teuer werden, wenn Ransomware die Aktivitäten eines Unternehmens für Tage oder gar Wochen blockiert. So schreiben die  Forrester-Analysten Josh Zelonis und Trevor Lyness in ihrem Forschungsbericht:
“Wir empfehlen, dass Sie, selbst wenn Sie das Lösegeld nicht bezahlen, es zumindest als eine praktikable Option betrachten sollten. Der durchschnittliche Ransomware-Angriff dauert 7,3 Tage, und währenddessen kommt der tägliche Geschäftsbetrieb zum Stillstand, und Sie werden feststellen, dass Ihr Unternehmen neue Wege finden muss, um seine Kernaufgaben zu erfüllen, was jeden einzelnen Mitarbeiter belastet. Dieses Problem ist kompliziert, sogar wenn Sie über gute Backups verfügen, die den Angriff überlebt haben. Viele Unternehmen unterschätzen das Ausmass der möglichen Störungen, für die sie planen müssen, oder sind zu optimistisch, welche Funktionalität nach einem Angriff weiterhin bestehen wird.“
Die Analysten halten fest, dass Ransomware-Akteure manchmal sogar offen für Rabatte sein könnten. Auf jeden Fall müssen Unternehmen bereit sein für den Fall einer Attacke. Dazu gehören Investitionen in Cybersicherheit, eine entsprechende Versicherung sowie die Fähigkeit, nach dem Backup hundertprozentig wieder herstellen zu können. Es schadet auch  nicht, wenn Unternehmen wissen, wie sie Kryptowährung kaufen und anwenden können. Lösegeld wird nämlich meistens in Bitcoin bezahlt.

Monday, June 24, 2019

Herausfinden, wo der Hass anfängt

Man müsse den Social Media Zügel anlegen, sie müssten viel stärker reguliert werden. Das ist eine Forderung, die von vielen Politikern und erstaunlicherweise auch von vielen Medien gestellt wird. Allerdings ist die Zensur der User auf Facebook, Twitter und Co. nicht ganz einfach: nicht immer ist klar, wo der Hass anfängt, und die Normalität aufhört.

Wenn man der Medienberichterstattung glauben darf, sind es zuerst einmal die arme Seelen, die zu Tausenden für Facebook-Subunternehmer arbeiten, um die unakzeptablen Inhalte auszusortieren, die wissen, was Hass wirklich heisst. Sie werden direkt mit dem Abscheulichsten konfrontiert, was die digitalisierte Menschheit zu bieten hat, und das hat Folgen:
“Zuerst störte es mich nicht - aber nach einer Weile fing es an, mich negativ zu beeinflussen", sagte Michelle Bennetti, eine ehemalige Mitarbeiterin im Büro Tampa. "Ich fühlte eine Wolke - eine Dunkelheit - über mir. Ich fing an, deprimiert zu werden. Ich bin normalerweise ein glücklicher, aufgeschlossener Mensch, doch ich zog mich zurück. Meine Angst stieg. Es war schwer, das jeden Tag zu überstehen. Es fing an, mein Privatleben zu beeinflussen." Die Einzelheiten des Berichts [über den Moderatorenjob] sind bestenfalls eine düstere Darstellung der schmutzigen und chaotischen Bedingungen am Arbeitsplatz und schlimmstenfalls ein beunruhigender Einblick in die psychologische Belastung durch den Job.“ (gizmodo.com)
Aber neben diesen Auswüchsen, die sogar jene Menschen krank machen, die sie zensurieren müssen, wie können hasserfüllte Postings erkannt und gelöscht werden? Und ist dies überhaupt notwendig?
Die zweite Frage wird in Europa viel eher mit einem klaren Ja beantwortet, als in den USA, wo die Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in der Verfassung festgeschrieben ist.  Aktuell hat gerade der Autor Daniel Friedman auf Quillette.com ein ausführliches Essay zum Thema publiziert - unter dem Titel: How Free Speech Dies Online (wie die Redefreiheit Online stirbt). Europa hingegen lauscht dieser Tage, was der frühere stellvertretende britische Premier Nick Clegg zum Thema zu sagen hat (siehe untenstehendes Video), der inzwischen zum vielfach besser bezahlten aber nicht minder undankbaren Job eines Facebook-Öffentlichkeitsbeauftragten und in die USA gewechselt hat:
“Facebook will reguliert werden", sagte Cheflobbyist Nick Clegg bei einer Podiumsdiskussion in Berlin. Deshalb werde gerade ein unabhängiges Aufsichtsgremium entwickelt. Wie das konkret aussehen soll und wer Teil des Gremiums sein wird, hat Clegg nicht weiter ausgeführt. Aber er sprach davon, dass es "transparente und bindende" Entscheidungen treffen soll. Nach Informationen des ZDF könnten in diesem Gremium in Zukunft 40 Mitglieder aus der ganzen Welt sitzen, darunter auch Wissenschaftler und Journalisten. Sie sollen strittige Fragen beantworten, die ihnen Facebook-Nutzer stellen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob Hasskommentare konsequent gelöscht werden sollen oder ob sie online bleiben, aber mit einem Warnhinweis versehen werden sollen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Kommentaren Reichweite zu entziehen, in dem sie kaum noch Nutzern angezeigt würden. Um sich über ein mögliches Gremium auszutauschen, gab es laut Clegg Experten-Treffen rund um den Globus, unter anderem in Singapur, Nairobi, Mexiko, New York und Berlin. "Die fundamentale Frage ist: Wie soll das Internet aussehen? Das ist eine der entscheidenden gesellschaftlichen Debatten", sagte Nick Clegg, der von 2010 bis 2015 britischer Vize-Premierminister war. Die Welt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. In einer neuen Welt, brauche es auch neue Regeln.“ (heise.de)
Es ist anzunehmen, dass auch die pluralistisch zusammengestellten neuen Regeln für die schöne neue digitale Welt das Hauptproblem nicht lösen werden: Wo soll der Zensurhebel angesetzt werden - und wer bestimmt,  wo diese Grenzen liegen, ohne dass mit politischen Ellen gemessen wird?