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Thursday, September 20, 2018

Amazon: Jetzt so richtig ins Lebensmittelgeschäft einsteigen

Amazon, jenes Unternehmen das den E-Commerce in einem grossen Teil der Welt beherrscht, ist noch lange nicht zufrieden und will weiterwachsen. Internationalen Pressemeldungen zufolge, plant der Konzern, so richtig ins Lebensmittelgeschäft einzusteigen - mit der Eröffnung von 3000 neuen Läden.

Die Unruhe, die im Lebensmittelsektor aufkam, als Amazon im Sommer des letzten Jahres die Bio-Lebensmittelkette Whole Foods mit mehr als 400 Filialen übernahm, hat sich kaum gelegt, da kommt die nächste Ankündigung: Das Unternehmen will mit seiner Idee Amazon Go schnell expandieren und 3000 zusätzliche Läden in den USA eröffnen. Wenn alles klappt, wird das selbstverständlich nur der Anfang sein, und Amazon wird mit dem Go-Konzept den Lebensmittelmarkt ernsthaft aufmischen - oder wie es so schön in Neudeutsch heisst, “disrupten“. Zur Erinnerung, so funktioniert Amazon Go - Zitat aus mobilegeeks.de:
“Das Go-Modell ist zwar relativ neu – um nicht weiter auf Kassierer angewiesen zu sein – wurde aber so konzipiert, dass es vertraut ist. Kunden scannen ihr Amazon-Konto mit ihrem Smartphone wenn sie hereinkommen, und von dort aus können sie Sandwiches, Salate, Lebensmittel und Haushaltswaren kaufen. Sensoren und Software – die geschult sind, um zu analysieren und wahrzunehmen, welche Artikel aus den Regalen entfernt werden – können den Warenkorb in Echtzeit aktualisieren, während der Zahlvorgang automatisch erfolgt, sobald der Kunde den Laden verlässt…“
Also fast wie im virtuellen Amazon-Store im Internet.
Die Idee, ohne Personal an der Kasse auszukommen ist ja nicht neu - wir haben an dieser Stelle auch schon darüber berichtet. Selbstbedienungskassen sind vor allem in Nordamerika, aber auch in Europa schon weit verbreitet und werden bei den Kunden immer beliebter. Amazon geht aber noch einen Schritt weiter: Die Waren müssen nicht mal mehr gescannt werden, was weitere Zeitersparnis für die Kundschaft bedeutet.
Es wird sich zeigen, wie schnell Amazon seine Go-Projekte verwirklichen wird. An Geld und Energie fehlt es auf jeden Fall nicht, und die Konkurrenz ist gut beraten, wenn sie sich auf den Neuankömmling aus dem Internet einstellt. Wie das Sortiment in den neuen Amazon Go Shops genau aussehen wird, weiss man allerdings noch nicht genau. Wired Magazin weiss aber, worauf es ankommt:
“Entscheidend für Amazon wird letztlich die Frage sein, welches Angebot die größte Gewinnspanne und den niedrigsten Aufwand bedeutet. Letzteres ist vor allem deshalb wichtig, da die Kosten für jedes Go-Geschäft deutlich höher liegen als bei einem traditionellen Supermarkt. Denn die Regale sind durchweg mit Gewichtssensoren, die Decken mit Dutzenden Kameras und die Eingänge mit Sensoren ausgestattet, die die Kunden durch den Laden verfolgen. Rund eine Million US-Dollar soll sich Amazon eine einzelne Filiale kosten lassen.“

Thursday, August 31, 2017

Wird Amazon zur neuen Migros (oder zum neuen Coop)?

Die Buchhändler haben die frontale Attacke von Amazon schon hinter sich – sie waren nämlich die ersten, die vom fast monopolistischen Online-Händler ins Fadenkreuz genommen wurden (und wir wissen alle, wer die Schlacht gewonnen hat). Nun hat sich Amazon durch den Kauf einer grossen amerikanischen Supermarktkette schlagartig als Lebensmittel-Händler etabliert. Die Konkurrenz freut das nicht, die Kunden können auf (noch) tiefere Preise zählen.

Amazon kauft den Bio-Markt - die Verschmelzung von On- und Offline beginnt
auch im Lebensmittelhandel.                            
Momentan darf man die Frage, die wir im Titel stellen, noch mit “nein“ beantworten. Der Angriff an der Lebensmittelfront erfolgt nämlich vorwiegend in den USA, wo Amazon den Einstieg ins Lebensmittelgeschäft durch den Kauf der Bio-Kette “Whole Foods“ gestartet hat. Da wir aber wissen dass der Konzern alles andere als lokal ist, dürften sich auch europäische Unternehmen jetzt schon Gegenstrategien überlegen. Grund dazu haben sie.
Whole Foods Market hat 456 Filialen, die sich vor allem in den USA befinden. Laut cash.ch soll Amazon für dieses Netz 13,7 Milliarden US-Dollar bezahlt haben. Der Handel drückte die Aktienkurse zahlreicher grosser Lebensmitteleinzelhändler, während Amazons Marktkapitalisierung um mehr als den Kaufwert anstieg.
Auch in der Schweiz macht man sich über diese Transaktion Gedanken. Zitat aus einem Artikel des Schweizer Bauer:
“Bereits am ersten Tag nach der milliardenschweren Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods lässt Amazon die Preise purzeln: Avocados kosten plötzlich 1,49 statt 2,99 Dollar und das Pfund Wildlachs aus Alaska 9,99 - das sind fünf Dollar weniger als bisher. «Das ist nur der Anfang», verkündet das Werbeschild in der Filiale in Brooklyn, New York. Ein Versprechen, das Kunden erfreut - aber zugleich eine Kampfansage, die Konkurrenten erschaudern lässt […] Für die heimischen Supermarkt-Schwergewichte kommt die Attacke zur Unzeit. Die Abwanderung der Kundschaft ins Internet macht der Branche ohnehin schon zu schaffen, nun greift Amazon - die treibende Kraft hinter dem Online-Trend - auch noch mit Macht im Ladengeschäft an…“
Die Süddeutsche berichtet über die kommende “Verschmelzung“ des On- und Offline-Handels, welche durch den Amazon-Kauf ausgelöst werde:
“Wenn etwas deutlich wurde in diesen ersten Stunden, dann dass Amazon mit dem Einstieg ins Supermarktgeschäft weit mehr anstrebt als nur den Aufbau eines zusätzlichen Standbeins. Online- und Offline-Handel sollen vielmehr voneinander profitieren, sich gegenseitig befruchten, ja, miteinander verschmelzen. Gleich am Markteingang, direkt vor den Erdbeeren, können Whole-Foods-Kunden jetzt den "Echo" in den Einkaufswagen legen, jenen stimmgesteuerten Elektro-Assistenten für daheim, der Fragen beantwortet, Nachrichten vorliest, Musik spielt und - geht es nach Amazon - zum Mittelpunkt des Alltags werden soll. Anstatt 179 Dollar kostet das Wundergerät im Supermarkt nur noch 99 Dollar.“
Handelsexperten sehen das ganz ähnlich, wie cash.ch berichtet:
“Genaugenommen könnte der durch "Alexa" gesteuerte Lautsprecher - der sich durchaus noch in einer recht frühen Entwicklungsphase befindet - für die meisten Menschen zum persönlichen Heimassistenten werden. Im Laufe der Zeit könnte er sämtliche Haushaltsbedürfnisse übernehmen, indem er Einkaufslisten online bestellt und daran erinnert, dass man bald wieder Milch, Kaffee, Äpfel oder andere Artikel braucht. Und warum sollte er in diesem Fall nicht die Marken Amazons vorschlagen, die rein zufällig auch die günstigsten wären? Und für all das benötigt man nicht mehr als lediglich den Klang der eigenen Stimme…“
Dass Amazon genau die Biofoodkette Whole Foods gekauft hat, ist auch marketingtechnisch sicher kein Zufall. Unter den anspruchsvollen Kunden dieser Läden hat es sicher viele, die keine Fans des riesigen Unternehmens sind. Nun gehört das Unternehmen plötzlich auch zur Bio-Sphäre, in der sich diese Kunden bewegen. Da wird deren Einkauf bei Amazon in Zukunft trotz ethischer Bedenken vielleicht weniger unbehaglich werden…