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Saturday, October 10, 2020

Das Taxi ohne Fahrer ist bereits unterwegs – und es kommt von Google

Das ist ja schnell gegangen: In Phoenix, im Bundesstaat Arizona, ist es ab sofort möglich, ein Taxi zu bestellen, dass autonom, also ohne Fahrer, unterwegs ist. Allerdings ist auch kein Fahrer da, der dabei hilft, den Koffer in den Kofferraum zu hieven. 

Das fahrerlose Waymo-Taxi wird per App bestellt.
                                                                           Screenshot App Store

Waymo ist eine amerikanische Firma, die sich auf die Entwicklung autonomer Autos spezialisiert hat. Und wie so viele andere Firmen im digitalen Bereich gehört auch Waymo zu Alphabet, der Muttergesellschaft von Google. Wenn also das Taxi in Phoenix anrollt und kein Fahrer drinsitzt, kommt es sozusagen von Google… 
Waymo hat seinen kommerziellen selbstfahrenden Taxidienst in Phoenix, Arizona, schon seit einiger Zeit betrieben – unter dem Namen Waymo One, für ausgewählte Kunden. Nun soll der Service ab sofort der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, wie das Unternehmen mitteilt. Benutzer im Grossraum Phoenix können ihr Taxi mit einer App bestellen, die bei Google Play und im App Store heruntergeladen werden kann. Die Betreiber sind nicht unbescheiden, mit der Beschreibung ihrer Dienstleistung im App Store:

“Geniessen Sie Ihre Reise: Entspannen Sie sich auf dem Rücksitz Ihres privaten, geräumigen und sauberen Autos. Hören Sie Musik, treffen Sie sich mit einem Freund oder machen Sie einfach ein Nickerchen. Sie werden sich auf jede Fahrt freuen.”

Waymo erklärt den potentiellen Fahrgästen auch, wie die autonomen Taxis funktionieren:

“Unsere Kameras, Laser und Radargeräte arbeiten zusammen, so dass der digitale Waymo Driver in alle Richtungen klar sehen kann - bei Tag und bei Nacht. Waymo hat in den letzten 10 Jahren Millionen von Meilen unter allen möglichen Bedingungen zurückgelegt, angefangen in unseren frühen Tagen als Googles Projekt für selbstfahrende Autos. Dazu kommen Milliarden von Meilen, die wir in der Simulation gefahren sind. Der digitale Waymo Driver lernt ständig dazu. Wir lernen mit jedem Kilometer, den wir fahren, dazu, und diese Lektionen werden mit unserer gesamten Fahrzeugflotte geteilt.“

Die ersten Gäste scheinen jedenfalls zufrieden zu sein. Für sie sei das fahrerlose Taxi “ein magisches Erlebnis“ gewesen, heisst es in der Mitteilung des Unternehmens.

Wie so viele anderen Errungenschaften des digitalen Zeitalters, die uns am Anfang “magisch“ erschienen, werden wir uns auch an fahrerlose Autos gewöhnen. Und bald schon wird es eine Generation von Usern geben, die sich nichts mehr anderes vorstellen kann.


Thursday, May 23, 2019

Autonome Autos: Akzeptanz und Aggression

Die meisten Konsumenten freuen sich darauf, dass ihnen ihr Auto in Zukunft das Fahren abnehmen wird. Sie versprechen sich davon Vorteile wie Effizienz und Zeitersparnis. Eine neue Studie des Capgemini Research Institute hat ergeben, dass sich die Präferenz der Verbraucher für das Fahren in selbstfahrenden Autos innerhalb der nächsten fünf Jahre verdoppeln wird. Allerdings zeigen praktische Versuche in Kalifornien, dass die Praxis nicht so reibungslos läuft: Viele Verkehrsteilnehmer hassen die autonomen Fahrzeuge wegen ihres Fahrstils, und diese werden manchmal sogar angegriffen.
Die positive Meldung zuerst: eine Studie über selbstfahrende Autos des Capgemini Research Instituts, hat durchaus eine positive Resonanz bei den Verbrauchern ausgemacht. Während nur 25 Prozent der Befragten es vorziehen würden, in 12 Monaten in einem selbstfahrenden Auto gegenüber einem traditionellen Fahrzeug zu fahren, sagen mehr als die Hälfte, dass fahrerlose Autos bis 2024 ihr bevorzugtes Verkehrsmittel sein werden. 56 Prozent der Befragten sagen sogar, dass sie bereit wären, für ein autonomes Fahrzeug bis zu 20 Prozent mehr als für ein Standardfahrzeug zu bezahlen.
Die Ergebnisse deuten auf eine sich ändernde Wahrnehmung von Mobilität hin. Die Verbraucher glauben, dass autonome Autos eine größere Rolle in ihrem täglichen Leben spielen werden, die über den Akt des Fahrens hinausgehen und auch Autonomie bei der Erledigung von Besorgungen und Aufgaben haben. 49 Prozent der Befragten wäre damit einverstanden, dass selbstfahrende Autos in ihrem Namen eine Besorgung durchführen; mehr als die Hälfte würde darauf vertrauen, dass ein autonomes Fahrzeug Freunde und Familienmitglieder absetzt oder abholt, während jeder zweite erwartet, dass selbstfahrende Autos ihnen helfen, Zeit zu sparen, um andere Aktivitäten zu verfolgen.
Tatsächlich gibt es noch nicht viele Orte, wo selbstfahrende Autos unterwegs sind. Einer davon ist Phoenix im amerikanischen Arizona, wo Google unter dem Namen Waymo seine selbstfahrenden Autos im täglichen Verkehr testen kann. Bis jetzt sind die Tests ohne grosse Unfälle oder Schäden durchgeführt worden. Wie aber der London Telegraph berichtet, haben die autonomen Fahrzeuge mit Aggressionen zu kämpfen:
“Berichte vom letzten Jahr reportieren, dass einige der Autos zum Ziel von Angriffen frustrierter Anwohner geworden waren, die Reifen beschädigten und Steine auf die Fahrzeuge warfen. Zwar scheinen die Bürger von Phoenix entsetzt über die Vorstellung, dass die Autos zu Zielen von Gewalt geworden sind. Aber die Frustration über ihren zu  vorsichtigen Fahrstil ist eine häufige Klage, ebenso wie die Angst von Autofahrern, welche die Waymo-Autos unberechenbar finden und nicht davon ausgehen, dass diese sich wie ein menschlicher Fahrer verhalten. In einem Hotel in der Nähe des Phoenix Airport seufzt die Frau am Schreibtisch über die Erwähnung von Waymo. "Ich hasse diese Autos", sagt sie. "Man wartet hinter einem, um links abzubiegen, und es wartet nur, wartet, wartet, wartet, wartet… in einer Zeitspanne, in der vier oder fünf Autos hätten fahren können."
Waymo sagte, dass die Angriffe eine kleine Minderheit der Tausenden von Meilen betrafen, die von den Autos jeden Tag zurückgelegt wurden. Aber das Potenzial für Feindseligkeit in der Öffentlichkeit ist etwas, das selbstfahrende Autofirmen ernst nehmen sollten, sagt John Suh von Hyundai."Wenn etwas keine Gefühle hat und eine Dienerrolle übernimmt, öffnet das Tür und Tor für Missbrauch", sagt er.“
Vertrauen schaffen, scheint also für autonome Fahrzeuge unabdingbar zu sein. Waymo versucht das unter anderem damit, die Leute in ihren Autos fahren zu lassen. Letztes Jahr führte das Unternehmen sogar einen kommerziellen Taxidienst mit seinen Fahrzeugen ein.

Thursday, September 17, 2015

Junge Schweizer: Lieber ein Smartphone als ein Auto

Der Besitz eines eigenen Autos wird vor allem für junge Schweizer immer unwichtiger. Bereits jeder dritte Konsument legt mehr Wert auf moderne Smartphones und Computer als auf ein eigenes Auto - in der Altersgruppe der 18- bis 34Jährigen sind es sogar schon 53 Prozent. Und 41 Prozent der befragten Schweizer können sich ein Leben ganz ohne Führerschein und eigenes Auto vorstellen.

Dass Autos, vor allem bei jungen Menschen,  nicht mehr den selben Stellenwert als
Statussymbol aufweisen, wie früher, passt zum kommenden Zeitalter der selbstfahrenden
Autos - im Bild das Mercedes-Konzept Luxury in Motion.                            Bild Mercedes
Im digitalen Zeitalter scheint auch die Rangliste der Statussymbole sich massiv verändert zu haben:
Das Auto, jahrzehntelang eines der wichtigsten Statussymbole überhaupt, hat für viele schweizer Konsumenten an Reiz verloren und ist offenbar immer weniger Ausdruck des gesellschaftlichen Wohlstandes – vor allem bei der Generation Y, den sogenannten Millennials.  Das sind die zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage der weltweit tätigen Markenberatung “Prophet“ zum Thema "Welche Rolle spielt das Auto in Ihrem Leben", zu dem 250 Schweizer befragt worden sind.
Jeder zweite befragte Schweizer ist der Meinung, dass das Auto in den vergangenen Jahren als Statussymbol an Bedeutung verloren hat. 53 Prozent der Befragten meinten zudem, dass ihnen der Besitz eines Autos zu teuer sei und sie lieber finanziell flexibel bleiben möchten. Als Alternative zum Besitz eines Fahrzeuges sehen immerhin schon 42 Prozent der Schweizer das Carsharing - also die gemeinschaftliche Nutzung.
Dafür schätzen die befragten Schweizer ihre digitalen Gadgets umso mehr: Hochwertige PCs, Laptops oder Smartphones seien ihnen wichtiger, als ein Auto, gaben mehr als die Hälfte der befragten Millennials zu Protokoll.
Die Zukunft der Autoindustrie liege deshalb mehr in der Nutzung eines Autos als in dessen Besitz, bewerten die Autoren die Ergebnisse der Umfrage. Der Kauf eines Autos um dessen Besitz zu unterstreichen, gehöre der Vergangenheit an und die Generation Y werde in Zukunft vermehrt Gebrauchtwagen kaufen, um finanziell flexibel zu bleiben und Geld eher in Elektronik und Reisen investieren.
Die Prioritäten der Millenials passen auch zur gegenwärtig wohl wichtigsten Entwicklung in der Autoindustrie: derv rasanten Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Wenn sich derartige autonome Automobile genügend weit verbreitet haben, wird Carsharing sich noch einfacher werden; Autos können sich dann selbständig dorthin bewegen, wo sie gerade benötigt werden. Das wohl am meisten verbreitete Steuerungsinstrument für derartige Anwendungen wird, soweit das heute absehbar ist, das Smartphone sein – womit sich der Kreis wieder geschlossen hätte.

Tuesday, May 12, 2015

Selbstfahrende Autos und reisserische Schlagzeilen

Autos, die ihren Weg selber finden und sicher auf der Strasse unterwegs sind, ohne dass sie von einem Menschen gesteuert werden, sind seit einigen Monaten prominent in den Medien anzutreffen. Eines der bekanntesten Projekte wird von Google entwickelt, dessen selbstlenkende Autos seit längerer Zeit in Kalifornien unterwegs sind. Nun hat Google einen Report veröffentlicht, demzufolge Google Cars 11mal in kleine Unfälle verwickelt waren. 

Ein selbstfahrender Toyoto Prius Google Car auf einem Test-Parcour. Bei den Google
Cars, die in Kalifornien unterwegs sind, handelt es sich um Lexus-Geländewagen.
                                                                      Bild Wikimedia Commons, Steve Jurvetson
Google hat inzwischen 20 selbstfahrende Autos, die schon mehr als 2,7 Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Über eine Gesamtdistanz von 1,6 Millionen Kilometer haben sich die Google Cars selbst gesteuert. In den letzten sechs Jahren kam es dabei zu elf kleinen Unfällen.
Das Wichtigste, aus menschlicher Sicht, zuerst: Bei keinem der kleinen Unfälle sei ein Mensch zu Schaden gekommen, und es seien nur kleinste Sachschäden entstanden, teilt Google mit. 
Das Wichtigste, aus technischer Sicht: Keiner der 11 Unfälle war durch eines der selbstfahrenden Autos verursacht worden. Zitat aus dem Stern:
“Sieben Mal seien andere Fahrer auf die Google-Wagen aufgefahren. Ansonsten seien sie an der Seite gestreift worden und bei einem Zusammenstoß sei ein anderes Auto an einem Stoppschild vorbeigerollt. Insgesamt habe es nur leichte Schäden an den Wagen und keine Verletzten gegeben.
"Wenn man genug Zeit auf der Straße verbringt, werden Unfälle passieren, egal, ob man in einem Auto oder einem selbstfahrenden Fahrzeug sitzt", resümierte Projektleiter Chris Urmson.“
Es sieht also ganz so aus, als ob sich die autonomen Autos von Google sicherer auf der Strasse fortbewegen, als Autos, mit menschlichen Lenkern. Trotzdem führte der Google-Bericht über die elf Blechschäden zu einigen seltsamen Schlagzeilen: “Google-Car - Autonom fahrende Autos bauen Unfälle“, titelte zum Beispiel auto-motor- und-sport.de, um sich dann im darauffolgenden Artikel selbst zu korrigieren und darauf hinzuweisen, dass es eigentlich die Anderen waren, welche die Unfälle “gebaut“ haben. Auch die Nachrichtenagentur AP titelte ihre Story ähnlich irreführend: “Google gibt 11 Unfälle mit selbstfahrenden Autos zu“, überschrieb die Agentur ihren ersten Bericht zum Thema. In einer späteren Version wurde der Titel dann abgeändert: “Selbstfahrende Autos können Unfällen auf Kaliforniens Strassen nicht ausweichen“ hiess es da, schon etwas treffender.
Tatsächlich dürfen alle selber lenkenden Autofahrer davon ausgehen, dass die autonomen Autos sehr sicher sind, wenn sie auf der Strasse anzutreffen sind. In den USA sind tausende von Anwälten dafür gerüstet, dass eines der selbstfahrenden Google Autos einen Unfall baut – um dann millionenschweren Schadenersatz vom Millionenkonzern Google zu verlangen.
Wie es sich so anfühlt, in einem selbstfahrenden Auto mitzufahren – und zwar in Zürich, beschreibt der Tagesanzeiger in einem Bericht über das Projekt, an dem auch die Swisscom beteiligt ist. Der Titel sagt eigentlich schon alles: “ Ruckelig, defensiv, Grün abwartend“. Diese Fahrweise könnte unserer Ansicht nach zum Problem werden, so lange in den andern Fahrzeugen auf der Strasse noch (oft gehetzte) Menschen am Steuer sitzen.