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Tuesday, February 21, 2023

Wer will, kann für Social Media bezahlen

Meta hat angekündigt, ein monatliches Abonnement für seine Facebook- und Instagram-Plattformen einzuführen (vorerst in Australien und Neuseeland).

Der blaue Haken hat sich zum Symbol für Social-Media-Verifikation entwickelt.
Bild Wikimedia Commons
Meta Verified soll Konten schützen und sicherstellen, dass der Kontoinhaber derjenige ist, der er vorgibt zu sein. Ausserdem verspricht Meta mehr Kundensupport und eine bessere Reichweite für bezahlende Mitglieder. Wer sich anmeldet, erhält ein verifiziertes Zeichen auf dem Konto, muss aber seine Identität mit einem amtlichen Ausweis nachweisen. Meta will etwas mehr als 10 Euro pro Monat für die Verifikation. Der Grund für die Initiative von Meta ist ziemlich offensichtlich; die Umsätze sinken, der Geldfluss muss stabilisiert werden:

«Der Umsatz von Meta war im vergangenen Quartal um vier Prozent gesunken. Neben der allgemeinen Abkühlung des Onlinewerbemarktes machen Facebook und Instagram auch weiterhin Apples Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre auf dem iPhone zu schaffen. App-Entwickler müssen Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis fragen, wenn sie zur Personalisierung der Werbung ihr Verhalten quer über verschiedene Anwendungen und Dienste nachverfolgen wollen. Da viele dies ablehnten, gerieten Onlinewerbemodelle durcheinander…» (spiegel.de)

Auch Twitter unter Elon Musk versucht mit Abonnements mehr Einnahmen zu generieren. Wer zahlt (in Europa acht Euro pro Monat) bekommt eine blaue Verifikations-Check-Mark und die Möglichkeit, längere Videos zu tweeten. 

Monday, October 3, 2022

Facebook und Co. auf Schrumpfkurs?

Facebook, Instagram und WhatApp sind die wichtigsten Services die Meta anbietet. All diese Dienste haben einen enormen Bekanntheitsgrad und sind, seit sie kreiert wurden, ständig nur gewachsen. Doch nun läuft auch bei Meta nicht mehr alles so rund wie auch schon.

Gemäss verschiedenen amerikanischen
soll Meta-Boss Mark Zuckerberg seinen Mitarbeitern mitgeteilt haben, dass Meta seine Budgets kürzen werde. Sparen ist also angesagt, auch was das Personal betrifft. Meta plane einen Einstellungsstopp und es sei auch absehbar, dass in Anbetracht von Umsatzproblemen und zunehmendem Wettbewerb, die Mitarbeiterzahl reduziert werde. Das könnte dazu führen, dass das Unternehmen im Jahr 2023 möglicherweise kleiner sein wird als dieses Jahr.

Die Sparmassnahmen bei Meta sind wohl eine Folge des ersten vierteljährlichen Umsatzrückgangs von Meta, der im Juli dieses Jahres vermeldet wurde. Mark Zuckerberg machte die ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen für diese Massnahmen verantwortlich. Durch den momentanen Rückgang von Werbeeinnahmen wurde für Meta mit Facebook und Instagram eine wichtige Einnahmequelle gedrosselt. "Ich hatte gehofft, dass sich die Wirtschaft bis jetzt stabilisieren würde", sagte Zuckerberg Berichten zufolge. "Aber nach dem, was wir sehen, scheint das noch nicht der Fall zu sein, also wollen wir etwas konservativ planen." Allerdings ist es auch die zunehmende Konkurrenz durch andere Social-Media-Apps welche Metas Einnahmen schmälert, da jüngere Nutzer von Instagram zu dem immer beliebteren TikTok abwandern. Auch wer sich in den letzten Jahren auf Facebook bewegte, hat einen deutlichen Rückgang an Aktivitäten festgestellt. 

Meta beschäftigt in Europa rund 6’000 Mitarbeiter in Irland. Etwa die Hälfte sind auf Vertragsbasis beschäftigt, und viele seien Medienberichten zufolge von Entlassung bedroht.


Tuesday, August 23, 2022

Social Media beeinflussen viele Kaufentscheidungen

Die erwachsene Schweizer Bevölkerung verbringt fast eine Stunde pro Tag auf Social Media. WhatsApp, YouTube, Facebook und Instagram nehmen inzwischen eine sehr wichtige Rolle im Alltag ein. Das ergibt eine aktuelle Studie zum Thema «Social Commerce 2022». Die Untersuchung zeigt, dass 84 Prozent der befragten Bevölkerung bei den Marktführern Galaxus, Digitec und Zalando online einkauft. 24 Prozent der Befragten gaben an, dass YouTube ihnen dabei hilft, Kaufentscheide zu fällen.

Zum Vergrössern bitte anklicken.
 Die Studie der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Zusammenarbeit mit gfs-zürich hatte zum Ziel, die Nutzung von Social Media und die Verschmelzung dieser Medien mit E-Commerce zu Social Commerce, zu verstehen und zu quantifizieren. Die Ergebnisse:

WhatsApp, YouTube, Facebook und Instagram sind die am häufigsten genutzten Social-Media-Plattformen bei der befragten Schweizer Bevölkerung. Frauen und Männer unterscheiden sich in ihrem Verhalten auf Social Media: Frauen nutzen häufiger WhatsApp, Facebook und Instagram, Männer nutzen häufiger YouTube, LinkedIn und Telegram.

TikTok, YouTube, Pinterest, Xing und Twitter werden mehrheitlich passiv genutzt, das heisst Beiträge werden nur gelesen oder angeschaut. Gemäss Selbsteinschätzung verbringen die Befragten 1,7 Stunden täglich am Handy, davon rund die Hälfte auf Social Media.

Auch E-Commerce ist längst in der breiten Bevölkerung angekommen: 84 Prozent der Befragten kaufen online ein, 14 Prozent davon einmal oder mehrmals wöchentlich. Je höher das monatliche Haushaltseinkommen, desto häufiger wird online eingekauft. Am häufigsten werden Modeartikel wie Kleidung, Schuhe oder Schmuck gekauft, gefolgt von technischen Produkten sowie Musik und Büchern. Galaxus, Digitec und Zalando sind die drei am häufigsten genutzten Onlineshops.
24 Prozent der Befragten gaben an, dass YouTube ihnen dabei helfe, Kaufentscheide zu fällen. Auch 
Facebook, Instagram und Pinterest wurden als Hilfe für Kaufentscheidungen genannt, wenn auch in weit geringerem Mass.

Übrigens: 64 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass gar keine Social-Media-Plattform zu ihren Kaufentscheidungen beiträgt
.

Friday, January 28, 2022

Zuckerbergs Kryptogeld vor dem Ende

Vor zwei Jahren wurde sie angekündigt, eine von Facebook gesponserte Kryptowährung, die unter dem Namen Libra gestartet werden sollte (wir haben hier darüber berichtet). Die Verwaltung für das neue Facebook-Geld sollte in Genf angesiedelt werden. Doch nun, nach zahlreichen Schwierigkeiten und grossem Widerstand der weltweiten Regulatoren und Steuerbehörden, scheint der Traum zu platzen.

Diem vor dem Ende: Die Idee, die am Anfang Libra hiess.        Logo meta

Wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet, prüft die von Facebook zur Verwaltung des digitalen Tokens gegründete Diem Association einen Verkauf ihrer Vermögenswerte.
Ganz überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Schon im Dezember 2019 hat zum Beispiel die EU Libra ganz offiziell den Kampf angesagt. In einer gemeinsamen Erklärung hielten die EU-Finanzminister fest, globale Kryptowährungen zu beobachten und gegebenenfalls nicht zulassen zu wollen. Digitalwährungen, so die EU, stellten eine Gefahr für die staatliche Währungssouveränität dar und dürfen erst bewilligt werden, “wenn alle damit verbundenen Sorgen ausgeräumt“ seien. Nun hat anscheinend die  US-Notenbank der Währung den endgültigen Garaus gemacht. Sie übte gemäss Bloomberg Druck auf Silvergate aus, den Bankpartner, mit dem Diem, wie Libra inzwischen heisst, im vergangenen Jahr eine Partnerschaft zur Einführung der Währung eingegangen war. Wenn Diem nun seine Vermögenswerte verkauft, sieht das doch ganz so aus, als ob die Kryptowährung am Ende sei, obwohl sich die Initianten grosse Mühe gaben, den Regulatoren zu gefallen:

“Ursprünglich sollte Libra ein digitaler Token sein, der durch einen Korb von Währungen aus der ganzen Welt gestützt wird, aber die Regulierungsbehörden haben diese Idee schnell gestoppt. Daraufhin wurde ein vereinfachtes Design entwickelt, bei dem ein neu gebrandeter Diem-Token an den US-Dollar gekoppelt wurde. Offenbar war auch das nicht gut genug.“ (The Verge)

Dabei war die Idee eigentlich bestechend (wenn auch nicht neu – siehe Bitcoin). Doch Die Initianten haben offensichtlich den Gegenwind der Staaten unterstützt, die nicht weniger, sondern mehr Kontrolle der internationalen Geldflüsse anstreben. Dabei haben die amerikanischen Behörden schon vor zwei Jahren bekanntgegeben, was sie von der Idee halten:

“Egal ob Bitcoin, Ethereum oder Libra – unsere Botschaft ist die gleiche und gilt für alle: Massnahmen zur Vermeidung von Geldwäsche und zur Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung müssen von Anfang an bei der Konzeptionierung berücksichtigt und integriert werden […] Die digitale Währungsindustrie hat der Entwicklung der zugrunde liegenden Technologie große Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei haben die meisten Firmen zu wenig an die Anti-Geldwäsche-Richtlinien gedacht. Sie haben zu wenig darauf geachtet, sicherzustellen, dass Terroristen Geld nicht verstecken, waschen oder bewegen können…“

 

Friday, February 19, 2021

Facebook will nicht für News bezahlen

Facebook ist weltweit so mächtig geworden, dass es sich längst nicht nur Millionen Freunde, sondern auch sehr viele Feinde gemacht hat. Dazu gehören seit dieser Woche auch viele Australier, denen es gar nicht gefällt, dass Facebook für seine User plötzlich keine australischen News mehr zulässt. Vor allem die Medien, welche seit Jahren darüber reklamiert haben, dass Facebook mit ihren Inhalten Geld verdiene, sind jetzt düpiert und wieder nicht zufrieden.

News auf Facebook: Symbiotische Beziehung oder Abriss?
                                                                                                                        Screengrab Facebook

Australien will in Kürze ein Gesetz verabschieden, das Facebook und Google dazu zwingt, Verlage zu bezahlen, wenn deren Inhalte auf ihren Websites auftauchen. Das Gesetz ist eine Reaktion auf jahrelange Beschwerden der Medien über den Niedergang des Journalismus im Internetzeitalter und die Rollen die Google und Facebook dabei gespielt haben. Die beiden Unternehmen haben auf das vorgeschlagene Gesetz unterschiedlich reagiert: Google macht (nach wochenlangen Drohungen) jetzt doch Verträge mit einzelnen australischen Verlagen. Facebook hingegen blockiert sämtliche News (genau wie das Unternehmen übrigens schon im letzten Sommer angekündigt hatte). Das heisst: Facebook macht es ab sofort unmöglich, Links zu australischen Nachrichtenquellen zu teilen; australischen Publikationen können keine eigene Inhalte mehr auf Facebook publizieren und australischen Nutzern ist es untersagt, Newslinks zu teilen. In einer wütenden Stellungnahme sagte der australische Premierminister Scott Morrison, Facebooks Schritt mache die Verabschiedung des Gesetzes nur noch wahrscheinlicher. Morrison geht davon aus, dass auch andere Länder ähnliche Massnahmen ergreifen werden.

Wie der Streit für ausgehen wird, ist momentan unklar. Facebook lässt nämlich mitteilen, die Verlage und ihre Inhalte seien gar nicht wichtig für das Facebook-Geschäftsmodell; News-Links machten durchschnittlich weniger als vier Prozent der Inhalte im Facebook-News Feed aus. Zuckerbergs Imperium fühlt sich aber trotzdem im Recht und argumentiert damit, dass die Verlage von Facebook profitieren, weil sie dadurch Millionen von Leser auf ihre eigenen Websites locken können. Gratiswerbung auf Facebook, sozusagen. 

Wenn die Streitenden stur bleiben, ist es möglich, dass auch User in anderen Ländern bald keine kommerziellen News mehr in ihrem Feed finden. Vielleicht werden sie diese gar nicht vermissen – umso mehr, als die News-Sites im Internet mit einigen zusätzlichen Klicks auch ohne Facebook besucht und gelesen werden können. 


Monday, January 25, 2021

Von WhatsApp zu Telegram: Vom Regen in die Traufe

Es waren hauptsächlich zwei Ereignisse, die während der letzten Wochen zu Unruhe unter Social-Media-Nutzern geführt haben: Die Ankündigung neuer Geschäftsbedingungen für WhatsApp-User führte zu Befürchtungen, dass Facebook bei Zustimmung direkt auf die Daten der WhatsApp-User zugreifen könne. Und in den USA führten die Massnahmen verschiedener Social-Media-Plattformen gegen Donald Trump dazu, dass sich viele seiner Anhänger eine neue Social-Media-Heimat suchen. 

     
     Von WhatsApp zu Telegram: aus der Datenschutzperspektive
       wahrscheinlich kein weiser Umzug.                Logo Telegram

Tatsächlich führten diese Ereignisse zu Verschiebungen bei den Social-Media-Nutzern. Die Google-Alternative DuckDuckGo verzeichnete mehr als 100 Millionen tägliche Suchanfragen. Diese Zahl ist allerdings im Vergleich zu Google nicht beeindruckend: Google verzeichnet fünf Milliarden Suchanfragen pro Tag. Ähnlich hoffnungslos sieht es für Facebook-Konkurrenten aus:MeWe hat ganze 15.5 Millionen Mitglieder, was im Vergleich zu den Milliarden von Facebook-Nutzern schlicht nicht ins Gewicht fällt. Die App-Analyse der Firma Sensor Tower verzeichnete gemäss Medienberichten immerhin ein Wachstum der WhatsApp-Konkurrenz:

“Die Downloads von WhatsApp fielen zwischen dem 5. und 12. Januar im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 2 Millionen auf 10,6 Millionen. Im Vergleich dazu sah Signal 17,8 Millionen Downloads, während Telegram 15,7 Millionen verzeichnete..."

Die beiden WhatsApp-Alternativen geben an, dass sie Millionen von neuen Usern hätten – im Falle von Telegram habe man 500 Millionen Benutzer erreicht.

Doch ist der Abschied von WhatsApp aus Datenschutzgründen eine gute Sache? Matthias Schwarzer von RND.de ist nicht überzeugt. Denn der beliebteste Zufluchtsort nach dem aktuellen Whatsapp-Boykott scheine nicht die sichere Schweizer Alternative Threema zu sein, oder das von Elon Musk beworbene US-Pendant Signal – sondern ausgerechnet Telegram. Dabei sei nicht einmal der Standort des Unternehmens bekannt:

“Das Entwicklungsteam befindet sich nach eigenen Angaben in Dubai, bei den Gründern handelt es sich um zwei russische Entwickler. Wo genau die Server stehen, ist weitestgehend unklar. Zudem gilt Telegram laut Recherchen des Portals „heise.de“ aus dem November 2020 als Datenschutz-Albtraum.“

Wieso ist denn Telegram trotzdem die bevorzugte WhatsApp-Alternative? Matthias Schwarzer hat eine Antwort: 

“Weil der Datenschutz am Ende augenscheinlich doch eine deutlich geringere Rolle spielt als die tatsächliche Verbreitung des Dienstes. Wer garantiert jemanden per Videochat erreichen will, der setzt – trotz Sicherheitslücken – auf Zoom. Wer garantiert jemanden per Chat erreichen will, nutzt Whatsapp – oder jetzt eben Telegram. […] Dienste wie Threema und Signal dürften zwar in der Techblase boomen – in der Welt von Arbeitskollegen, Nachbarn, Schul- und Kindergartengruppen dürfte jetzt jedoch ausgerechnet ein Messenger zur Alternative herangezogen werden, der die geringste Sicherheit überhaupt bietet. Nämlich Telegram.“


Friday, January 8, 2021

WhatsApp wird mehr Daten mit Facebook teilen – aber nicht in Europa

Gratis um die ganze Welt telefonieren, Texte und Bilder verschicken, chatten: Das alles macht WhatsApp möglich, ohne dass dafür Geld bezahlt werden muss. Kein Wunder dass die Anwendung an der Spitze der App-Hitparade steht. Doch jetzt verlangt WhatsApp von vielen Usern die Zustimmung, deren Daten mit Facebook zu teilen. Das sorgt für Wirbel. Aber zumindest in Europa können WhatsApp-User die neuen Geschäftsbedingungen annehmen, ohne der Datenteilung zuzustimmen.

WhatsApp: bei Millionen von Usern
ganz vorne auf dem Handy. Bild PfW
Mehr als 100 Milliarden Nachrichten werden täglich per WhatsApp verschickt. Die Chat-App hat mehr als zwei Milliarden monatlich aktive User. Dieser Tage haben diese Anwender in ihrer App die Nachricht bekommen, dass sich die Geschäftsbedingungen geändert hätten – mit der Bitte um Zustimmung. Der Knackpunkt, gemäss unzähliger Medienberichte: Die Änderung beinhaltet den Datenfluss zu Facebook, und wer dem nicht zustimmt wird ab dem 8. Februar ausgesperrt. Die Aufregung war gross – und zumindest in Europa nicht wirklich notwendig. Denn das Update der Geschäftsbedingungen ändert in jenen Ländern, die von WhatsApp aus Irland bedient werden, nichts an den Datentausch-Praktiken mit Facebook, wie das Unternehmen bekanntgab:

"Es gibt keine Änderungen an den Praktiken der Datenweitergabe von WhatsApp in der europäischen Region, die sich aus den aktualisierten Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien ergeben. Um jeden Zweifel auszuschliessen; es gilt nach wie vor, dass WhatsApp keine WhatsApp-Nutzerdaten aus der europäischen Region mit Facebook teilt, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder Werbung nutzen kann."

Doch woher kam die ganze Aufregung? Sie scheint daher zu rühren, dass die Welt in zwei separaten WhatsApp-Regionen aufgeteilt ist. WhatsApp Ireland Limited deckt Länder und Territorien innerhalb der europäischen Region ab, einschliesslich der Länder der Europäischen Union und der Schweiz. Auch das Vereinigte Königreich ist unter den Gebieten aufgeführt, die von diesem Zweig von WhatsApp betreut werden. Die Änderung der Datenschutzrichtlinie gilt zwar weltweit, nicht jedoch für Nutzer in dieser Europäischen Region.
Der Grund für diese Spezialbehandlung scheint offensichtlich zu sein: Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben Facebook den Datenaustausch bereits beim Kauf von WhatsApp untersagt.

Die Liste der Europäischen Länder, die  gemäss jetzigem Stand trotz Update der Geschäftsbedingungen ihre WhatsApp-Daten nicht mit Facebook teilen müssen, ist hier zu finden.

Saturday, February 15, 2020

Das WhatsApp Erfolgsrezept: keine Werbung und Verschlüsselung

WhatsApp hat heute weltweit mehr als zwei Milliarden Nutzer, wie das Unternehmen bekanntgab. 2016 waren es noch eine Milliarde Nutzer gewesen, zwei Jahre später anderthalb Milliarden. Nur Facebook ist erfolgreicher. Zum Vergleich: Facebook hat 2,5 Milliarden registrierte Nutzer, Instagram hatte 2018 eine Milliarde.

WhatsApp hat mehr als zwei Milliarden
Nutzer und wächst weiter.  Bild Pixabay
WhatsApp ist quasi die Verkörperung der Kommunikation im fortgeschrittenen digitalen Zeitalter. Die App ist nämlich total gratis und ermöglicht nicht nur das Versenden von verschlüsselten Nachrichten, sondern auch das weltweite kostenfreie Telefonieren, gewöhnlich in ausgezeichneter Qualität. Eher untypisch für moderne Medien im Internet, belästigt WhatsApp die Nutzer nicht mit Werbung. Diese Tatsache, sowie die Verschlüsselung der Nachrichten tragen viel zum Erfolg der Messaging App bei. Die Verschlüsselung der Nachrichten wird weltweit allerdings von immer mehr Regierungen und Strafverfolgungsbehörden kritisiert - bis anhin allerdings erfolglos. Die Behörden argumentieren, dass die WhatsApp-Verschlüsselung zu illegalen Aktivitäten beitrage. Das ist zweifellos wahr. Aber WhatsApp hat gute Gegenargumente: CEO Will Cathcart sagt, dass das Unternehmen in keiner Weise plant, die Verschlüsselung auf seinem Dienst abzuschaffen.  
"In der gesamten Menschheitsgeschichte konnten die Menschen schon immer privat miteinander kommunizieren, und wir glauben nicht, dass dies in einer modernen Gesellschaft nicht möglich sein soll",
 sagte er dem Wall Street Journal.  Er fügte jedoch hinzu, dass WhatsApp den Behörden Metadaten zur Verfügung stelle, wenn diese für eine Untersuchung hilfreich sei.
WhatsApp hat im Moment eigentlich nur ein, wenn auch ein wichtiges Problem: Wie kann das Unternehmen selbständig Geld verdienen?
“Facebook steckt nun selbst in einem Dilemma. Natürlich weiß man auch in Menlo Park, dem Hauptsitz des Unternehmens: Der Erfolg von Whatsapp beruht darauf, dass es sehr einfach zu nutzen und werbefrei ist. Nur so hat es Whatsapp in der Welt des Internets ganz nach oben geschafft. Eine Welt, in der gilt: Der Gewinner bekommt alles. Zumindest fast. Aber die Tendenz ist schon eindeutig. Wer nicht bei Whatsapp ist, ist von vielem ausgeschlossen… […] Noch unter seinen Gründern hatte das Whatsapp-Team einiges versucht, um wenigstens einen Teil der 22 Milliarden, die Facebook ausgegeben hatte, wieder hereinzuspielen - eine Forderung, mit der Facebook die beiden Gründer mehr und mehr nervte. Doch ein Geschäftsmodell, das mit dem von Facebook vergleichbar wäre, war nicht dabei.“ (sueddeutsche.de)
So gesehen ist der Erfolg von WhatsApp nicht mehr ganz so bewundernswert. Es gibt sicher zahlreiche andere Produkte, die, sofern sie nützlich genug sind, an der Spitze der Konsumentenhitparade landen würden, wenn sie vollkommen gratis wären…



Thursday, December 5, 2019

Die EU will Kryptowährungen das Leben schwer machen

Eigentlich dürfte es niemanden überraschen, dass Staaten, Staatengemeinschaften und Behörden im Allgemeinen keine Freude an Kryptowährungen haben. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Terror- und Verbrechensfinanzierung sind einige der Gründe, die angeführt werden. Klar ist: Die Europäer wollen sich ihre staatlichen Vorrechte bezüglich Geldmitteln nicht von Facebook und Libra oder anderen Kryptowährungen verwässern lassen.

Die Finanzminister der EU und die EU-Kommission haben ihren Widerstand gegen Libra und Co. nun auch offiziell angekündigt. In einer gemeinsamen Erklärung halten sie fest, globale Kryptowährungen zu beobachten und gegebenenfalls nicht zulassen zu wollen.
EU-Finanzminister gegen Libra. Facebooks Kryptogeld hat
ein Problem, bevor es existiert.                                Libra Logo
Damit hat sich eigentlich nichts geändert. Die Einstellung der EU gegenüber digitalem Geld war nämlich noch nie sehr positiv. In einem Report des EU-Finanzministerrats wurde kürzlich festgehalten, dass Digitalwährungen eine Gefahr für die staatliche Währungssouveränität darstellten und erst bewilligt werden dürften, “wenn alle damit verbundenen Sorgen ausgeräumt“ seien. Doch, wie sich jetzt herausstellt, ist man sich bei der EU bewusst, dass Kryptowährungen wohl nicht einfach verboten werden können. Deshalb könnte man ja selber mitmischen, um die digitale Lücke zu füllen:
“Als Antwort auf Libra können sich die EU-Finanzminister auch eine staatliche Digitalwährung vorstellen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sowie weitere Notenbanken der EU sollen laut Medienberichten die Möglichkeit prüfen. Ein EZB-Beamter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, „in seiner ehrgeizigsten Fassung“ könne das Projekt Menschen ermöglichen, elektronisches Geld ohne ein Bankkonto zu nutzen. Das Geld wäre in diesem Szenario direkt bei der EZB hinterlegt. Weitere Zahlungspartner bräuchte es damit nicht.“
Die Einführung von Libra scheint sich zu einem Machtkampf zwischen der Politik und der Finanztechnischen-Industrie zu entwickeln. Vor allem Facebook und die geplante Kryptowährung Libra stehen im Fadenkreuz der staatlichen Finanzminister, die um ihre finanzielle Deutungshoheit bangen und sicher auch mit harten Bandagen darum kämpfen werden. Facebook ist zwar ein mächtiger Konzern. Der Kampf gegen diese Gegner wird aber schwierig werden. Dieser Ansicht sind scheinbar auch prospektive Libra-Partner wie Mastercard, Visa und Paypal , die sich bereits vom Projekt verabschiedet haben.

Saturday, October 12, 2019

Libra: potentielle Weltwährung mit vielen mächtigen Gegnern

Nach PayPal, letzte Woche, haben sich nun auch Visa, Mastercard, Ebay, Stripe und Mercado Pago aus der Libra Association zurückgezogen und den Plänen von Facebook für eine globale Kryptowährung einen Rückschlag versetzt. Die Gründe dafür sind unklar. Libra ist in Schwierigkeiten, bevor das Projekt so richtig begonnen hat.

Es wird nicht einfach sein, Libra als neue Welt-Kryptowährung zu lancieren.
                                                                                                   Bild Maxpixel
Die Rückzüge lassen Libra ohne großen amerikanischen Zahlungsabwickler zurück, ein ernsthaftes Problem für das anspruchsvolle Projekt. Die erste offizielle Sitzung des Libra Council ist für nächste Woche in Genf geplant.
Noch im Juli war das Facebook-Projekt für eine digitalen ‘Weltwährung‘ recht positiv aufgenommen worden - Kritik wurde nicht am Projekt selber, sondern vor allem daran laut, dass Facebook die Idee lanciert hatte. Doch nun bremst die harte Realität das Libra-Projekt. In vielen Machtzentren auf dem Globus sieht man das Libra-Projekt mit viel Misstrauen. Die Zuständigen US-Behörden haben schon im September an einer Pressekonferenz in Bern den Tarif durchgegeben:
“Egal ob Bitcoin, Ethereum oder Libra – unsere Botschaft ist die gleiche und gilt für alle: Massnahmen zur Vermeidung von Geldwäsche und zur Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung müssen von Anfang an bei der Konzeptionierung berücksichtigt und integriert werden […] Die digitale Währungsindustrie hat der Entwicklung der zugrunde liegenden Technologie große Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei haben die meisten Firmen zu wenig an die Anti-Geldwäsche-Richtlinien gedacht. Sie haben zu wenig darauf geachtet, sicherzustellen, dass Terroristen Geld nicht verstecken, waschen oder bewegen können…“
Es sind nicht nur die Amerikaner, die Probleme mit der Idee einer privaten Weltwährung haben. Auch andere Staaten legen Wert darauf, dass der digitale Zahlungsverkehr nicht aus dem Ruder läuft und Schwarzgeldströme sowie Steuerhinterziehung fördert. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat dies an einer OECD-Konferenz klar ausgedrückt: Die monetäre Souveränität der Länder stehe durch eine Privatisierung des Geldes durch einen einzigen globalen Akteur mit mehr als zwei Milliarden Nutzern auf dem Spiel.
Und schliesslich gibt es auch noch die potentiellen Libra-Nutzer. Diese müssten Facebook vertrauen, bevor sie mit dem Unternehmen Geldgeschäfte erledigen. Das könnte problematisch sein:
“Ob Facebooks Libra ein Erfolg wird, hängt aber nicht nur davon ab, ob und welche Politiker und Behörden der Währung trauen, sondern auch von den Nutzern. Manche davon könnten von der Vorstellung abgeschreckt werden, dass das Unternehmen Geldkonten ähnlich schnell und undurchsichtig sperrt wie Nutzerprofile […] - aber vielleicht mit ungleich gravierenderen Folgen.“  (heise.de)

Wednesday, June 5, 2019

Erfolg schafft Feinde - auch im Internet

Die ganz grossen Amerikanischen Technologieunternehmen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, haben sich aber während ihrer letzten erfolgreichen Jahre auch viele Feinde geschaffen. Facebook, Google, Amazon und Apple sind bis jetzt immer reicher und mächtiger geworden - ohne viel Gegenwind. Das ändert sich nun. In den USA gibt es Bestrebungen von links und von rechts, die Macht der Internetgiganten einzuschränken.

Ist Google - zusammen mit anderen Internetgiganten - ein
Unternehmen, dass seine Monopolstellung ausnutzt?
Verschiedene Untersuchungen wollen genau das heraus-
finden.                                                                   Grafik PD
So soll das US-Justizministerium eine Untersuchung zu Google vorbereiten, und ein Kongressausschuss hat eine Untersuchung des Wettbewerbs auf den digitalen Märkten eingeleitet. Gemäss Presseberichten soll die Federal Trade Commission  die Verantwortung für die Untersuchung von Facebook und Amazon übernehmen, während das Justizdepartement Apple und Google unter die Lupe nimmt. Die Untersuchung des Kongressausschusses soll parteiübergreifend sein und prüfen, ob die betreffenden Unternehmen stärker an die Kandare genommen werden sollten. 
Google und Co. bläst der Wind nicht nur ins Gesicht, weil sie als Unternehmen so erfolgreich und gross geworden sind. Politisch haben sich in den letzten Monaten unheilige Allianzen gebildet, die aus ganz unterschiedlichen Gründen das gleiche Endresultat anstreben: Die Macht der Internetriesen soll beschnitten werden. Auf Seiten der Republikaner ist man fest davon überzeugt, dass das Silicon Valley im liberalen Kalifornien ein unfreundlicher Ort für Konservative ist. In der Verlängerung gilt das natürlich auch für die dort ansässigen Unternehmen. Präsident Trump hat sich schon mehrfach zum Thema geäussert und das Weisse Haus hat nun auch eine Initiative gestartet, die es Social-Media-Nutzern ermöglicht, ihre Erfahrungen zu teilen, wenn sie das Gefühl haben, fälschlicherweise zensiert oder auf Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter gesperrt worden zu sein. "Unabhängig von Ihren Ansichten, wenn Sie vermuten, dass politische Voreingenommenheit eine solche Aktion gegen Sie ausgelöst hat, teilen Sie Ihre Geschichte mit Präsident Trump“, heisst es auf einer dazu eingerichteten Website. Druck auf die Internetgiganten kommt aber auch von links: zum Beispiel von  Elizabeth Warren, einer langjährigen Kartellrechtlerin, die jetzt für die demokratische Nominierung zum Präsidenten kandidiert. "Google hat zu viel Macht, und sie nutzen diese Macht, um kleine Unternehmen zu verletzen, Innovationen zu ersticken und das Spielfeld gegen alle anderen zu kippen. Es ist Zeit, sich zu wehren", sagt sie. 
Sicherlich ist die Zeit des unregulierten Wachstums endgültig vorbei. Wie gross die Gefahr für Google wirklich sei, wisse man nicht, schreibt die Handelszeitung, weist aber darauf hin, dass Google von der EU schon dreimal zu einer Milliardenstrafe verurteilt wurde. Als Gründe wurden der Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung auf dem Markt für Online-Werbung, illegale Praktiken bei Android-Mobilgeräten und die unzulässige Vorzugsbehandlung des eigenen Preisvergleichsdiensts angegeben. Ebenfalls geäussert wurde allerdings die Beobachtung, dass Google und Co. für die EU ganz einfach zu einer Geldquelle geworden sei, aus der Milliarden von Bussgeldern geschöpft werden können.
Was heisst das nun für die grossen Internetfirmen? 
Insgesamt weht den Techkonzernen jedenfalls ein härterer Wind entgegen als noch vor ein paar Jahren und eine harte Strafe gegen Google könnte zu weiteren Untersuchungen und Urteilen gegen andere Internetkonzerne führen. Auch Facebook und Amazon haben eine marktbeherrschende Stellung in den USA und stehen zudem wegen «Fake News» und Steuertricks in der Kritik.

Tuesday, April 30, 2019

Keine Likes mehr: immer mehr Verstorbene auf Facebook

Die meisten Facebook-Nutzer kennen Facebook-Profile, deren Eigentümer nicht mehr unter den Lebenden weilen. In vielen Fällen bleibt das Profil dann ganz einfach erstarrt in der Zeit: Für Aussenstehende ist nicht ersichtlich, dass die Person gestorben ist. Diese Problematik könnte sich für Facebook zu einer Herausforderung auswachsen. Wissenschaftler haben nämlich vorhergesagt, dass die Zahl der Toten innerhalb von 50 Jahren die der Lebenden auf Facebook übertreffen könnte.

Analysen der University of Oxford haben ergeben, dass mindestens 1,4 Milliarden Facebook-Mitglieder vor 2100 sterben werden. Schon in 50 Jahren könnten also die nur noch digital existierenden User die Zahl der wirklich noch Lebenden im größten sozialen Netzwerk der Welt übertreffen. Falls Facebook gar weiterhin so weiterwächst wie bisher, könnte die Zahl der toten Nutzer bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu 4,9 Milliarden erreichen. Die Autoren der Studie, Carl Ohman und David Watson, Doktoranden am Oxford Internet Institute, schreiben in ihrer in ihrer Schlussfolgerung :
Facebook auch nach dem Tod: Immer mehr User sind nicht mehr.      Bild PD 
"Wir sind zum Schluss gekommen, dass allein in den nächsten Jahrzehnten Hunderte von Millionen von Totprofilen im Netzwerk erscheinen werden und dass die Zahl der Toten die der Lebenden vor Ende des Jahrhunderts übertreffen könnte, je nachdem, wie sich die globalen Netzerdurchdringungsraten entwickeln. Diese Statistiken werfen neue und schwierige Fragen auf, zum Beispiel, wer das Recht auf all diese Daten hat, wie sie im besten Interesse der Familien und Freunde des Verstorbenen verwaltet werden sollen und wie sie von zukünftigen Historikern genutzt werden können, um die Vergangenheit zu verstehen. Das Management unserer digitalen Überreste wird letztendlich jeden betreffen, der Social Media nutzt, da wir alle eines Tages alle weggehen und unsere Daten zurücklassen werden.“
Die Vorhersagen basieren auf Daten der Vereinten Nationen, welche die erwartete Sterblichkeitsrate und Bevölkerung für jedes Land nach Alter geordnet liefern, und Facebook-Daten, die aus der Audience Insights-Funktion des Unternehmens stammen. 
Es habe noch nie ein so umfangreiches Archiv menschlichen Verhaltens und menschlicher Kultur an einem Ort gegeben, sagt Co-Autor Watson:
"Die Kontrolle dieses Archivs wird in gewisser Weise darin bestehen, unsere Geschichte zu kontrollieren. Es ist daher wichtig, dass wir sicherstellen, dass der Zugang zu diesen historischen Daten nicht auf eine einzige gewinnorientierte Firma beschränkt ist. Es ist auch wichtig sicherzustellen, dass zukünftige Generationen unser digitales Erbe nutzen können, um ihre Geschichte zu verstehen."
Nicht nur in Oxford, auch im Silicon Valley hat man die Problematik zumindest teilweise erkannt. Facebook hat kürzlich bekanntgegeben, dass es künstliche Intelligenz verwenden wird, um Profile von Menschen zu finden, die gestorben sind. Ausserdem will es das Unternehmen Freunden und Familienmitgliedern ermöglichen, in einer neuen Rubrik Beiträge zu schreiben und Fotos austauschen, um sich an ihre Verstorbenen zu erinnern.

Monday, February 4, 2019

Facebook mit 15: ungebremst trotz Gegenwind

Vor 15 Jahren gegründet, in Hollywood schon gross rausgekommen, und von einem Viertel der Weltbevölkerung genutzt: Facebook kann sich über Erfolg nicht beklagen. Heute ist das Unternehmen 485 Milliarden Dollar wert - und wer in der Politik Rang und Namen hat, steht Facebook kritisch gegenüber - denn Erfolg misst sich schliesslich auch daran, wieviel Feinde man sich in kurzer Zeit machen kann. 

“Wenn ein Geschäftsmodell von Täuschung und Apathie abhängt, verdient es zu scheitern“, hat ein profilierter  Datenschützer und Anwalt kürzlich mit Bezug auf Facebook gesagt. Gemeint hat Nate Cardozo damit die Tatsache, dass die Facebook-Nutzer bereitwillig - und zum grössten Teil wohl auch apathisch - ihre Daten teilen, und Facebook damit viel Geld verdient. Über genau diesen Kritiker braucht sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg allerdings momentan keine Sorgen mehr zu machen: Es gelang ihm nämlich, Cardozo als Berater einzustellen. Zuckerberg scheint sich an ein machiavellistisches Erfolgsrezept zu halten: Halte deine Freunde nahe und deine Feinde näher. Das hat er schon mit dem ehemaligen britischen Politiker Nick Clegg demonstriert, der letztes Jahr zum grossen Ärger seiner Gegner vom Facebook-Kritiker (und Wahlverlierer) in England zum Facebook-Manager mit Millionengehalt im Silicon Valley mutierte. Obwohl es, schon rein optisch, seltsam anmutet, Mark Zuckerberg und Machiavelli in einem Atemzug zu nennen, darf doch gesagt werden, dass der Harvard Studien-Abbrecher Zuckerberg, nachdem er am 4. Februar 2004 Facebook aus seinem Schlafsaal in Harvard lanciert hatte, eine enorme Erfolgsstory hingelegt hat, die, wie die Winklevoss Zwillinge belegen können, schon sehr früh machiavellistische Winkelzüge aufwies. Mark Zuckerberg galt schon drei Jahre nach der Gründung als jüngster Selfmade-Milliardär - er war damals 23 Jahre alt. Nur acht Jahre nach der Gründung  gab das Unternehmen an, dass Facebook von einer Milliarde Menschen genutzt werde. 2012  brachte Zuckerberg das Unternehmen an die Börse und wurde noch viel reicher. Heute besitzt der 34jährige ein geschätztes Vermögen von weit über 50 Milliarden Dollar.  
Facebook hat schon seit Jahren zahlreiche und scharfe Kritiker, die immer wieder den mangelnden Schutz der Nutzerdaten, die von Facebook ausgewertet werden, monieren. Allerdings scheint es, dass solche Kritik kaum von Facebook-Nutzern, sondern von Aktivisten und Politikern kommt, die, je nachdem auf welcher Seite des politischen Spektrums sie sich befinden, Facebook in verschiedener Weise zurückbinden möchten. Das war auch nach dem Skandal um Cambridge Analytica der Fall. Facebook hatte dem Unternehmen private Nutzerdaten zur Analyse zur Verfügung gestellt. Ebenfalls ein beliebtes Thema bei Facebook-Kritikern: Fake News und die Rolle, welche die Social Networks dabei einnehmen. Diese Kritik, die von den Massenmedien durchaus verbreitet wird, scheint allerdings die Facebook-Population nicht zu irritieren. Die neusten Zahlen sprechen für sich selbst: Facebook hat mehr als 2,3 Milliarden Nutzer, 1,9 Milliarden Menschen sind täglich dabei. Trotzdem hat Facebook ein Problem, das nicht mit dem Datenschutz, sondern vielmehr mit dem Image des Unternehmens zusammenhängt. Seine Nutzer werden immer älter. Noch 2011 nutzten rund 80 Prozent der 14 bis 19jährigen Facebook. 2017 waren es nur noch knapp über 60 Prozent. Im Gegenzug wuchs die Zahl der Alten (60 Jahre und älter) stark an. 2011 waren es knapp 40 Prozent der Online-Senioren, die Facebook nutzten. 2017 schon über 70 Prozent.
Die Nutzer bleiben Facebook also treu - trotz Skandalen und Quasi-Skandalen. Die Werbeerlöse liegen inzwischen bei fast 17 Milliarden Dollar, und der Aktienkurs hat sich auch wieder erholt. Wer allerdings die Schnelllebigkeit des digitalen Zeitalters kennt, wird mit Bestimmtheit keine Wetten darauf annehmen, wie Facebook im Februar 2034, am dreissigsten Geburtstag dastehen wird.

Monday, October 22, 2018

Politik, Facebook und ein Job, der sich lohnt

Als ob Facebook nicht schon genug Image-Probleme hätte: Jetzt holt sich das Unternehmen auch noch einen früheren britischen Politiker in die Teppichetage. Dieser kam gerne: Verglichen mit seinem früheren Job verdient er beim Social-Media-Konzern ein Vielfaches (von mehr als fünf Millionen US-Dollar pro Jahr ist die Rede) um das Unternehmen in der Öffentlichkeit gut aussehen zu lassen. Die Frage ist nur: Was spricht dafür, dass ihm das gelingen wird.

Nick Clegg: Vom Politiker und Wahlverlierer in die Chefetage von Facebook.
                                                                                      Bild WEF/Moritz Hager
Über Nick Clegg sprach man in Grossbritannien nicht mehr so viel - bis heute. Seine Zeit im Rampenlicht endete nach den Parlamentswahlen im Jahr 2015, als seine Partei, die Liberaldemokraten, die für fünf Jahre eine Regierungskoalition  mit den Konservativen gebildet hatte, 49 von 57 Sitzen verlor. Mr. Clegg verlor als Folge seinen nicht sehr einflussreichen aber doch gut klingenden Titel als Vize-Premier und seine Rolle als Parteivorsitzender. Bei den Wahlen im Jahr 2017 verlor er schliesslich auch noch seinen Sitz im Parlament an eine Vertreterin der Labour-Partei.
Aufgrund dieses Leistungsausweises  scheint also nicht ganz klar zu sein, wieso er seinen hochdotierten PR-Posten bei Facebook bekam - auch wenn verschiedene Europäische Medien es völlig selbstverständlich finden, dass ein hohes Regierungsamt zu einem hochdotierten Posten in der Privatindustrie führt - wie zum Beispiel die Zeit:
“Auf den Liberaldemokraten warten große Aufgaben: Seit Bekanntwerden des Datenskandals, bei dem die Analysefirma Cambridge Analytica die Informationen von 87 Millionen Mitgliedern missbrauchte, um im US-Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump zu unterstützen, steht Facebook in der Öffentlichkeit unter Druck. Immer wieder werden Rufe nach einer schärferen Regulierung laut. Mit der Verpflichtung von Clegg überraschte Facebook die Branche. Wie die BBC berichtet, soll das Engagement des Briten auf Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Vorstandschefin Sheryl Sandberg zurückgehen. Auch die Financial Times schreibt, Clegg sei von Zuckerberg und Sandberg monatelang umworben worden. Der Facebook-Gründer habe ihm schließlich zugesichert, dass er massgeblich die Strategie des Online-Netzwerks mitgestalten wird.“
Es gibt allerdings auch Journalisten, vor allem im Vereinigten Königreich, welche die Angelegenheit etwas kritischer sehen. Der Guardian, zum Beispiel, beschuldigt Clegg, geldgierig zu sein und titelt: “Wenn du den Zuckerberg-Schilling nimmst, lässt du deine Prinzipien hinter dir“. Und weiter:
“Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job. Endlich echte Macht. Was war schon stellvertretender Premierminister. Sie sind jetzt Vizepräsident für globale Angelegenheiten und Kommunikation bei Facebook, einem Unternehmen, das, wie Mark Zuckerberg betont, weniger ein traditionelles Unternehmen als ein ausgewachsener Nationalstaat ist. Und nicht irgendein Nationalstaat - der mächtigste Nationalstaat der Welt, der 2 Milliarden Menschen beherbergt und bei keine unbequeme Wahlen gibt, die den "Fortschritt" bremsen. Wenn Sie dem obersten Anführer in den Arsch kriechen, sind Sie ein gemachter Mann. Betrachten Sie es als eine Art Koalition, gebildet im Jahr 2022 in Pjöngjang…“
So wie es aussieht, hat der zu PR-Mann mutierte Politiker bei Facebook eine schwierige Aufgabe vor sich. Zumindest kann er da nicht abgewählt werden.

Tuesday, October 9, 2018

Die Anwender sind nicht interessiert: Google+ gibt auf

Google gab sich knapp sieben Jahre Zeit mit seinem Social Network Google+. Nach einer Datenpanne, deren Tragweite momentan nicht gut abschätzbar ist, wirft der Internet-Gigant nun das Handtuch - und zwar mit einer Offenheit, die man sich im digitalen Umfeld nicht gewohnt ist.

Google+: Das Bestreben, ganz anders zu sein und eine Datenpanne führten
zum Ende.                                                                                     Bild Google
Die Datenpanne bei Google+ war schon im März dieses Jahres entdeckt worden - diese Woche erstinformierte Google die Öffentlichkeit. Es seien Daten von rund 500‘000 Usern abgreifbar gewesen - ohne dass allerdings ein Datenraub geschehen sei. Man habe das Leck repariert. Dass Google kein grosses Aufhebens über die Panne gemacht hat, ist verständlich. Man weiss inzwischen dass auch nur der Hauch eines Datenmissbrauchs bei einem der Internet-Giganten zu überaufgeregten Presseberichten führt, die wiederum zu Vertrauensverlust bei Anwendern und  zu behördlichen Interventionen führen können.  
Google reagierte mit dem Ziehen der Notbremse - weil damit am wenigsten zu verlieren war, wie Google offen zugab. Zitat aus der NZZ:
“Google Plus werde derzeit von Konsumenten kaum genutzt – und 90 Prozent der Interaktionen dauerten weniger als fünf Sekunden, erklärte der Konzern. Die Einstellung der Konsumentenversion solle nach einer zehnmonatigen Übergangszeit Ende August kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit gesteht Google auch offiziell die bereits klare Niederlage im Wettbewerb der Online-Netzwerke mit Facebook ein. Für die interne Kommunikation in Unternehmen soll Google Plus weiter betrieben werden.“
Dass es so weit gekommen ist verwundert vor allem jene User nicht, die sich irgendeinmal mit Google+ versucht haben. Der Versuch des Konzerns, sich unbedingt von Facebook abzuheben, mündete darin, dass die Anwendung kompliziert und schwerfällig wurde. Wer sich darin umsah, wurde in den meisten Fällen abgeschreckt. So wurde Google+ nie populär, obwohl Google, wie wired.de es formuliert,  versucht habe, das Netzwerk so vielen Nutzern wie möglich aufzuzwingen:
“Wie Web-Designer mehrfach argumentierten, sei es wohl vor allem die Komplexität, unübersichtliche Gestaltung und damit schwerfällige Nutzbarkeit gewesen, die Google+ den Erfolg kostete. Nach Informationen des Forschungsinstitutes Statistic Brain haben über 90 Prozent der Google-Nutzer mit einem Account nie einen Post hinterlassen und gerade einmal 1,5 Prozent mehr als 10 Posts.“



Thursday, July 26, 2018

Ein digitaler Schlüssel, der Phishing verhindert


Ein kleiner USB- Stick, der aussieht wie ein Schlüssel, sorgt dafür, dass Phishing als Bedrohung nicht mehr so brandgefährlich ist. Das Gerät funktioniert als Identifikationsmittel, und sorgt zusammen mit einem Passwort für Zwei-Faktor-Authentifizierung für Nutzerkonten - wie sie zum Beispiel beim Internetbanking schon lange üblich ist.

Ein digitaler Schlüssel am Bund, um erfolgreiche Phishing-Attacken zu ver-
meiden.                                                                          Screengrab amazon.de
Phishing kann sehr weitreichende Folgen haben - das zeigte sich zum Beispiel im letzten Amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Hätte Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta damals einen YubiKey benutzt, um sein Google-Nutzerkonto zu schützen, hätten die Hacker sein E-Mailpasswort nicht mit einer einfachen Phishing-Nachricht in Erfahrung bringen können, viele unschöne  E-Mails  wären geheim geblieben, und die Weltgeschichte hätte vielleicht einen anderen, weniger spektakulären Verlauf genommen.
YubiKey funktioniert ganz einfach, wie dieWelt erklärt:
“Die Idee hinter dem Schlüssel ist simpel: Nutzer müssen zur Anmeldung an einem neuen Computer oder Smartphone den Schlüssel in einen USB-Anschluss ihres Geräts einstecken und können sich erst dann anmelden. Ein Hacker, der ein Passwort per Phishing erobert hat, kommt ohne den physischen Schlüssel seinem Ziel keinen Schritt näher. Umgekehrt funktioniert der Schlüssel nicht ohne das Passwort. Ein gewöhnlicher Dieb, der den Schlüsselbund samt Yubikey klaut, kann damit nichts anfangen. Auch kopieren lässt sich ein Yubikey nicht. Der Standard hinter dem Yubikey heißt U2F. Die Abkürzung steht für „universelles Zwei-Faktor-Verfahren“. Diese Verfahren zum Log-in bei Webseiten, Mailkonten oder Unternehmens-Servern nutzen neben dem Passwort immer eine weitere Sicherung, etwa über ein zweites Gerät oder einen Gegenstand, den der Nutzer bei sich trägt.“
Eine fast todsicher Schutz also - was auch von verschiedenen grossen Firmen bestätigt wird. Zum Beispiel von Google: Seit das System bei Google eingeführt wurde, sei kein einziger Phishing-Fall unter den 85‘000 Mitarbeitern mehr zu verzeichnen gewesen. Gemäß YubiKey wird die Technologie auch bei Facebook und am CERN angewandt. Keine schlechte Bilanz für ein Gerät, das nur gerade 20 Euro kostet.
Der Erfolg von YubiKey scheint auch Google beeindruckt zu haben. So stark, dass man selber mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt kommen will. Das Ding heisst Titan Security Key, wie golem.de berichtet:
“Google versucht schon länger, die Nutzer und Kunden seiner Dienste von der Verwendung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung zu überzeugen. Bisher ist der Erfolg dabei vor allem bei Privatpersonen eher mäßig. Mit dem Titan Security Key, einem eigenen Hardwareschlüssel von Google, der kompatibel zum U2F-Standard der FIDO-Alliance ist, könnte sich das aber zumindest für die Enterprise-Kunden der Google Cloud bald ändern. Laut der Ankündigung stammt die genutzte Firmware der Geräte von Google selbst, um die Integrität der Hardwareschlüssel zu gewährleisten.“
Die Möglichkeit, dass Sie Ihre Nutzerkonnten vor unbefugtem Zugriff schützen können, besteht also schon länger - und kostet nicht mal viel Geld - rund 20 Euro aktuell bei amazon.de. Auch für kleine Unternehmen und Privatpersonen könnte sich dieses Investment durchaus lohnen.

Monday, May 7, 2018

Facebook: Dating, ohne die Freunde zu belästigen


Eigentlich drängt sich die Idee geradezu auf: Ein Netzwerk, in dem es vorwiegend darum geht, Kontakte zu pflegen, müsste sich doch hervorragend dazu eignen, echte Beziehungen anzuknüpfen - Menschen zu verkuppeln, sozusagen. Genau das hat Facebook jetzt vor.
Facebook-Dating: Vernetzt heisst nicht vernetzt; Facebook will Paare zusam-
menbringen, die auf Facebook noch nicht verbunden sind.          Bild Pixabay
Dating heisst das Schlagwort, mit dem Facebook kürzlich wieder Schlagzeilen gemacht hat - diesmal nicht im Zusammenhang mit dem miserablen Cambridge-Analytica-Datenskandal. Dating hat im Englischen verschiedene Bedeutungen: Jemanden treffen, mit jemandem ausgehen, oder eben mit jemandem eine Liebesbeziehung haben. Doch wie soll man in einem Umfeld digital flirten und dabei die Privatsphäre wahren, wo sich schon der ganze Bekannten- und Verwandtenkreis tummelt? Regel Nummer eins: Bereits verbundene Personen sollen selbst dann nicht verkuppelt werden, wenn sie eigentlich zusammenpassen könnten. Golem.de erklärt:
“Um zum Dating zu gelangen, müssen die Nutzer auf ihrem Profil ein Herzchen anklicken, das sie zu einer speziellen Profilseite führt. Dort können Mann und Frau dann unter Verwendung ihres Vornamens allerlei Angaben zu sich und ihren Vorlieben machen sowie zu Gruppen und zu Veranstaltungen, die sie besuchen wollen. Facebook will vor allem die Gruppen und Veranstaltungen nutzen, um die Teilnehmer von Dating in Kontakt zu bringen. Wenn die Algorithmen der Auffassung sind, dass zwei Personen zusammenpassen könnten und beide etwa das gleiche Konzert oder Sportereignis besuchen, sollen sie schon im Vorfeld miteinander chatten und sich für eine Begegnung auf der Veranstaltung verabreden können. Facebook macht das nach eigenen Angaben auch, um bewährte Methoden zur Partnersuche aufzugreifen, für die ja auch oft Veranstaltungen in der echten Welt dienen. Für den Austausch der ersten Nachrichten soll Dating ein eigenes System verwenden, und nicht Whatsapp oder den Facebook Messenger. Dort sollen nur Texte ausgetauscht werden können, aber keine Bilder - und somit auch keine schlüpfrigen oder sonstwie problematischen Fotos. Die Aktivierung eines Dating-Profils sollen Freunde und Verwandte nicht mitbekommen, es wird auch in der Timeline nicht angezeigt.“
Facebook drängt also ins Flirt- und Partnersuchbusiness - und die Investorengemeinde zweifelt nicht daran, dass es dem Unternehmen gelingen wird: Unmittelbar nach der Ankündigung verloren die Aktien der Firma Match Group, die verschiedene Datingportale betreibt  (zum Beispiel Tinder und Match), mehr als 20 Prozent an Wert. Die NZZ führt dies auf den “Amazon-Effekt“ zurück:
“Facebooks Ankündigung sendet derzeit Schockwellen durch die Dating-Branche. Die Aktien von Match Group und dessen Hauptaktionär, IAC, sind eingebrochen. Es ist der «Amazon-Effekt», der hier spielt: Wann immer der Online-Detailhändler in eine neue Branche vorstiess, nahmen die Anleger bei den anderen Anbietern Reissaus. Sowohl bei Amazon als nun auch bei Facebook steht dahinter die Annahme, dass die Tech-Giganten dank ihrer finanziellen Potenz und ihrem Know-how alles in Gold verwandeln, was sie anfassen…“
Facebook Chef Mark Zuckerberg hat gute Daten um ins Dating-Business einzusteigen: 200 Millionen Facebook-Nutzer gäben aktuell an, dass sie alleinstehend seien - “es gibt hier also ganz klar etwas zu tun“, erklärte er.

Sunday, April 29, 2018

Erinnern Sie sich an den Facebook-Datenskandal?

Da war doch was, vor einigen Tagen - oder ist es schon einige Wochen her? Falls Ihnen der Umgang mit den Nutzerdaten bei Facebook keine schlaflosen Nächte bereitet - weil Sie sich diesbezüglich nicht mehr so genau erinnern, sind Sie nicht allein. Wenn man die neusten Geschäftszahlen des Konzerns sieht, könnte man sogar annehmen, der  Facebook-Datenskandal habe gar nie stattgefunden.

In zwei Jahren von 1,7 Milliarden auf fast 5 Milliarden Nettogewinn - das
Facebook-Datengeschäft lohnt sich offensichtlich.                                                  
Es ist noch nicht lange her, dass die Schlagzeilen der Massenmedien tagelang von den Enthüllungen über das Geschäftsgebaren bei Facebook dominiert wurden. Aber in unserer schnelllebigen digitalen Gesellschaft lösen sich die skandalträchtigen Überschriften so schnell auf, wie sie erschienen sind. “Facebook informiert die Betroffenen - gehören Sie dazu?“ fragte der Spiegel noch vor drei Wochen ganz aufgeregt. Seither ist es ruhiger geworden - bis jetzt die neusten Facebook-Geschäftszahlen veröffentlicht worden sind. Und die sehen hervorragend aus, Skandal hin oder her, wie derAktionär.de berichtet:
Im ersten Quartal legten die Erlöse um 49 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar zu und lagen damit deutlich über den Erwartungen der Analysten von 11,40 Milliarden Dollar. Die stärksten Zuwächse konnte der Konzern in Europa erzielen – hier wuchsen die Umsätze um satte 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch auch im Heimatmarkt überzeugt Facebook mit einem Wachstum von 43 Prozent. Der wichtigste Wachstumsmarkt für Facebook liegt jedoch nicht mehr in den USA. Hier erreicht Facebook fast jeden möglichen Nutzer und erzielt mit jedem Einzelnen 23,59 Dollar im Quartal. In Europa liegt der Umsatz je Nutzer bei 8,12 Dollar – hier gilt es noch zahlreiche mögliche Nutzer für sich zu gewinnen. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer steigt auch im ersten Quartal weiter an. Mittlerweile sind es unglaubliche 2‘196 Millionen. Jedoch ist festzuhalten, dass die Geschwindigkeit des Nutzerwachstums abnimmt. Stieg die Anzahl vor einem Jahr noch um 17 Prozent – ist aktuell nur ein Anstieg von 13 Prozent festzustellen. Diesem Trend ist die positive Entwicklung der beiden Plattformen Instagram und WhatsApp entgegenzuhalten.“
Es sieht also so aus, als ob die Rufe nach einem Facebook-Boykott ungehört in der digitalen Wüste verhallt sind. Das hat unter anderem mit dem sogenannten Netzwerk-Effekt zu tun, wie die Zeit erklärt:
“Je mehr Nutzer in dem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto attraktiver wird die Teilnahme für andere, die sich auch selbst darstellen, untereinander austauschen und alte und neue Freunde finden wollen. Das heisst allgemeiner gesagt: Wer als erster Anbieter eine kritische Masse erreicht, der geniesst in einem solchen Markt einen nur schwer auslöschbaren Vorteil – einen Vorteil, der sogar immer noch wächst.“
Was nicht heisst, dass der Skandal gar keiner war. Vielleicht ist aber die grosse Mehrheit der Facebook-User gar nicht daran interessiert, was genau mit ihren Daten passiert. Und das wiederum könnte eine Veranlassung für die Behörden sein, strengere Regeln einzuführen. Ganz so unerheblich wird der Skandal für Facebook also wahrscheinlich nicht sein - auch wenn die grosse Mehrheit der Anwender sich dadurch auch in Zukunft nicht davon abhalten lassen wird, ihre persönlichen Daten und Lebensumstände mit möglichst vielen “Freunden“ auf Facebook zu teilen und die Facebook-Kassen weiter klingeln zu lassen.

Thursday, March 22, 2018

Facebook, Politik und Hysterie


Der Wirbel ist beträchtlich: Facebook hat vielleicht dazu beigetragen, dass Donald Trump in den USA im letzten Jahr die Wahlen gewonnen hat - dazu noch mit Daten, die wahrscheinlich (man ist sich noch nicht sicher) gar nicht hätten verwendet werden dürfen. Nun ruft die Konkurrenz dazu auf, Facebook in Zukunft ganz einfach zu meiden.

Facebook hat ein Problem - das Geschäftsmodell und der Datenschutz
vertragen sich nicht sehr gut.                         Source Flickr Creative Commons
Was ist eigentlich passiert? Sollten wir schockiert sein, dass Facebook unsere Daten dafür nutzt, sehr gezielt Werbung zu verkaufen?
Es war eine Quiz-App, die ein Professor der Universität Cambridge im Jahr 2014 auf Facebook anbot, die den Stein ins Rollen brachte. Die App wurde von 270‘000 Usern heruntergeladen, die sich im Kleingedruckten auch damit einverstanden erklärten, dem App-Anbieter neben den eigenen Daten auch jene ihrer Freunde anzubieten - ohne dass diese etwas davon wussten. Diese Daten machten dann ihren Weg - wahrscheinlich ohne das Wissen von Facebook - in den Amerikanischen Vorwahlkampf, wo sie scheinbar von der Trump-Kampagne genutzt wurden. Für den Wahlkampf selber wurden die Daten gemäß CBS-News allerdings nicht eingesetzt, da sie nicht gut genug gewesen seien. Facebook selber verteidigt sich, wird aber in den Medien fast durchgehend als Bösewicht dargestellt. Zitat aus der Zeit:
“Mittlerweile dürfte auch dem Letzten klar werden: Facebook schützt die Daten seiner Nutzerschaft nicht ausreichend, es überprüft externe Anbieter nicht sorgfältig und informiert die Öffentlichkeit unzureichend darüber, was eigentlich alles mit ihren Profilinformationen passiert. Medien, Politikerinnen und Politiker und selbst Investoren sind sich in dieser Kritik einig wie nie. […] "Nichts wurde gestohlen, niemand gehackt. Wir sind die Opfer! Wir wurden betrogen und belogen!" Das ist zusammengefasst die bisherige Verteidigungsstrategie des Konzerns. Die Nutzerinnen und Nutzer, erklärt Facebook, hätten damals, 2014, doch ihre Zustimmung zur Weitergabe ihrer Daten gegeben. Zumindest an den Wissenschaftler Aleksandr Kogan und seine Firma SCL, die über eine Psychotest-App Daten gesammelt und sie dann wohl an Cambridge Analytica weitergegeben haben. Zitat aus dem Facebook-Blog: "Menschen gaben wissentlich ihre Informationen weiter, es wurden keine Systeme infiltriert und keine Passwörter oder sensiblen Informationen gestohlen oder gehackt."
 Facebook hat ein Problem. Würde das Unternehmen tatsächlich echten Datenschutz betreiben, bliebe vom Facebook-Geschäftsmodell nicht viel übrig. Deshalb hält man sich im Hauptquartier in Menlo Park mit Versprechungen zurück. Wer bei Facebook mitmacht und dort persönliche Daten deponiert, darf nicht erwarten, dass diese Daten ungenutzt bleiben. Das sind sich die meisten Nutzer durchaus bewusst, auch wenn jetzt Medien und Politik das Gegenteil behaupten. Das zeigt auch eine Leser-Diskussion im Online-Forum der Zeit unter dem Titel: Like it or leave it? Der Eintrag von ‘Betrand‘ spricht für viele:
“Ich sehe ja an der Werbung wie nah FB und Google an meinen wirklichen Interessen und Käufen sind […]. Also ist vollkommen klar, welche individualisierten Ansprachen der Daten-Hort ermöglicht. Dass diese Möglichkeiten nicht nur zum Verkauf von Produkten genutzt werden, war mir klar.Rege mich also auch nicht so auf.“
Die gegenwärtige Hysterie hat viel mit Politik zu tun und wird durch das gegenwärtige politische Klima in den USA befeuert. Tatsächlich ist nämlich die Nutzung von Apps auf Facebook zum Abgreifen von User-Informationen für politische Zwecke nicht ganz neu. Im Jahr 2012 machte die Obama-Kampagne genau das gleiche, nur im grösseren Ausmass. Die App war allerdings nicht als Persönlichkeitsquiz ausgelegt, sondern von Anfang als politisches Tool ausgelegt. Auch hier wurden Daten von bis zu 190 Millionen Menschen von der Obama-Kampagne abgegriffen, die nichts davon ahnten - sie waren nur Facebook-Freunde jener Million User, die die App heruntergeladen hatten. Die Medien fanden das damals durchgehend ganz toll - und feierten die Tatsache, dass Social Media von Obamas Team auf derartig geniale Weise genutzt wurde.     
Die Zeiten haben sich geändert - und der Amtsinhaber im Weissen Haus ebenfalls. Das hat zum Stimmungsumschwung beigetragen.

Tuesday, February 13, 2018

Facebook für Alte - Snapchat für Seitensprünge?

Inmitten all der Schlagzeilen, für die Facebook immer wieder gut ist, stellt sich die Frage, welche Rolle das Unternehmen in der Zukunft spielen wird. Trotz grosser Börsengewinne und beeindruckenden Benutzerzahlen,  scheint die Nutzung der Plattform nicht mehr ganz so unabdingbar zu sein, wie auch schon. In den USA gehen die Nutzerzahlen bei der jungen Generation auf jeden Fall zurück. Dafür steigt die mittelalterliche Generation bei Snapchat ein - und weiss genau warum.

Snapchat: Ein Spielplatz für
Seitenspringer?       Logo Snapchat      
Man braucht sich nicht lange auf Facebook zu tummeln, um zu merken, dass die Plattform prinzipiell eine Zeitvernichtungsmaschine ist - wem es langweilig ist, der ist auf Facebook gut aufgehoben.  Wie produktiv die Beschäftigung mit Facebook wirklich ist, hängt wohl vom einzelnen User ab. Und genau hier zeichnet sich ein Problem für das Unternehmen ab. Das Marktforschungsunternehmen eMarketer hat nämlich errechnet, dass in den USA 2018 rund zwei Millionen Nutzer die jünger sind als 25 Jahre, von der Facebook-Plattform abspringen werden. Denen ist es wohl zu langweilig geworden, nachdem der Reiz des Neuen verblasst war. Sie melden sich ab, genau wie jene 1,4 Millionen 12 bis 17jährigen, die im letzten Jahr verschwunden sind.
Gemäß eMarketer wird sich die jährliche Abwanderung der jungen Anwender 2018 klar über der Fünfprozentmarke bewegen. Dass junge Menschen Facebook nicht mehr cool finden, ist nicht ganz neu. Bis jetzt konnte aber Facebook die Schrumpfung wieder als Wachstum verbuchen - auf der ebenfalls firmeneigenen Social-Media-Plattform Instagram.  Dort rechnet man auch dieses Jahr mit einem Zuwachs von 1,6 Millionen jungen Usern. Das Problem: Die Konkurrenz, in diesem Fall besonders Snapchat, schläft auch nicht. Dort prognostiziert man für die nächsten 12 Monate nämlich fast zwei Millionen Neuzugänge, die jünger sind als 25 Jahre.
Snapchat kann aber nicht nur bei den ganz jungen Anwendern Zuwächse verbuchen. Auch die Gruppe der mittelalterlichen User wächst rasant. Immer mehr 45 bis 54jährige nutzen gemäss einem Bericht in der Britischen Zeitung Telegraph Snapchat als ideales Tool, um Nachrichten zu verstecken, die der Ehepartner oder die Freundin nicht sehen soll. Mit anderen Worten: Snapchat eignet sich scheinbar gut als Kommunikationsmittel für Eskapaden und Affären - schliesslich verschwinden die Nachrichten spurlos, nachdem sie beim Lover angekommen sind.

Die Frage ist, ob mit der Zeit auch Snapchat den Facebook-Effekt spüren wird: Die jugendlichen User springen nämlich auch deshalb ab, weil sich Ihre Eltern ebenfalls dort tummeln. Zumindest beweist die  steigende Snapchat-Nutzung dieser älteren Anwendergruppe, dass es auch im Social-Media-Zeitalter viel bessere Beschäftigungen gibt, als Facebook.