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Tuesday, February 21, 2023

Wer will, kann für Social Media bezahlen

Meta hat angekündigt, ein monatliches Abonnement für seine Facebook- und Instagram-Plattformen einzuführen (vorerst in Australien und Neuseeland).

Der blaue Haken hat sich zum Symbol für Social-Media-Verifikation entwickelt.
Bild Wikimedia Commons
Meta Verified soll Konten schützen und sicherstellen, dass der Kontoinhaber derjenige ist, der er vorgibt zu sein. Ausserdem verspricht Meta mehr Kundensupport und eine bessere Reichweite für bezahlende Mitglieder. Wer sich anmeldet, erhält ein verifiziertes Zeichen auf dem Konto, muss aber seine Identität mit einem amtlichen Ausweis nachweisen. Meta will etwas mehr als 10 Euro pro Monat für die Verifikation. Der Grund für die Initiative von Meta ist ziemlich offensichtlich; die Umsätze sinken, der Geldfluss muss stabilisiert werden:

«Der Umsatz von Meta war im vergangenen Quartal um vier Prozent gesunken. Neben der allgemeinen Abkühlung des Onlinewerbemarktes machen Facebook und Instagram auch weiterhin Apples Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre auf dem iPhone zu schaffen. App-Entwickler müssen Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis fragen, wenn sie zur Personalisierung der Werbung ihr Verhalten quer über verschiedene Anwendungen und Dienste nachverfolgen wollen. Da viele dies ablehnten, gerieten Onlinewerbemodelle durcheinander…» (spiegel.de)

Auch Twitter unter Elon Musk versucht mit Abonnements mehr Einnahmen zu generieren. Wer zahlt (in Europa acht Euro pro Monat) bekommt eine blaue Verifikations-Check-Mark und die Möglichkeit, längere Videos zu tweeten. 

Thursday, January 5, 2023

Amazon baut 18'000 Stellen ab

Amazon hat angekündigt, mehr als 18’000 Stellen zu streichen. Als Grund wird die unsichere Wirtschaftslage angegeben. Eine Rolle gespielt habe auch die Tatsache, dass man während der Pandemie so viele neue Mitarbeiter eingestellt habe.


Ist das grösste Warenhaus der Welt ein Wirtschaftsbarometer?
Logo: Amazon

 "Mit den Kürzungen, die wir im November vorgenommen haben, und denjenigen, die wir heute bekannt geben, planen wir, etwas mehr als 18.000 Stellen zu streichen", gab CEO Andy Jassy in einer Erklärung an seine Mitarbeiter bekannt. Schon im November hatte das Unternehmen angekündigt, 10’000 Stellen zu streichen.

Die meisten der Entlassungen werden in den USA stattfinden, aber auch Europa wird betroffen sein. Die Betroffenen Arbeitnehmer sollen ab 18. Januar informiert werden.
Tatsächlich hatte Amazon während der Covid-Pandemie seine Belegschaft verdoppelt. Die Menschen hatten statt im Laden, immer mehr Online eingekauft.

Auch nach den angekündigten Entlassungen wird Amazon immer noch ein riesiger Arbeitgeber sein: Der Konzern beschäftigt weltweit rund anderthalb Millionen Mitarbeiter - Saisonarbeiter, die in Zeiten erhöhter Aktivität, insbesondere während der Ferienzeit, eingestellt werden, nicht mitgerechnet.

Im Übrigen sind auch andere Unternehmen der digitalen Ökonomie von der sich verschlechternden Wirtschaftslage betroffen: Meta, das Unternehmen das Facebook, Instagram und WhatsApp betreibt, will ebenfalls sparen, und kündigte im November den Abbau von 11’000 Arbeitsplätzen an. Das sind rund 13 Prozent der Belegschaft. Und dann ist da noch Twitter, das im Oktober von dem Milliardär Elon Musk gekauft wurde. Der neue Eigentümer entliess sofort etwa die Hälfte der 7’500 Twitter-Mitarbeiter.

Thursday, May 26, 2022

Werbung ohne Zustimmung der User kostet Twitter 150 Millionen

Twitter hat zugestimmt, eine Geldstrafe in Höhe von 150 Millionen Dollar zu zahlen, weil das Unternehmen die Privatsphäre seiner Nutzer verletzt hat. Laut Gerichtsdokumenten hat Twitter zugestanden, Telefonnummern und E-Mail-Adressen seiner Nutzer für Werbezwecke verwendet zu haben, obwohl dafür keine Einwilligungen vorlagen. Das berichten verschiedene amerikanische Medien.

Twitter ist schon wieder in den Schlagzeilen.     Logo: Twitter
Nach Angaben der Federal Trade Commission und des Justizministeriums verstiess Twitter gegen eine Vereinbarung aus dem Jahr 2011, in der es sich verpflichtet hatte, die aus Sicherheitsgründen gesammelten Kontodaten nicht für Werbezwecke zu verwenden. "Twitter erhielt Daten von Nutzern unter dem Vorwand, sie für Sicherheitszwecke zu nutzen, verwendete die Daten dann aber, um Nutzer gezielt mit Werbung anzusprechen", erklärte die FTC-Vorsitzende Lina M. Khan in einer Erklärung. Diese Praxis dauerte mindestens von Mai 2013 bis September 2019 und betraf mehr als 140 Millionen Nutzer.

 Die Informationen sind nicht neu; Twitter hat sich bereits 2019 öffentlich entschuldigt. Die Busse kommt allerdings in einem sehr ungünstigen Moment für Twitter, weil die ganze Affäre in Schlaglicht auf die undurchsichtige Geschäftsführung des Unternehmens wirft.
Elon Musk, der kürzlich ein Kaufangebot für Twitter in Höhe von 44 Milliarden Dollar gemacht hat, findet die Nachricht jedenfalls "sehr besorgniserregende ". "Wenn Twitter hier nicht wahrheitsgemäss war, was ist dann noch nicht wahr?", twitterte Musk. Er wiederholte auch seine früheren Absichten, Twitter in ein Unternehmen zu verwandeln, das mehr auf Abonnements als auf Werbung angewiesen sei. Musk hatte im April ein Übernahmeangebot für Twitter in Höhe von 44 Milliarden Dollar unterbreitet und versprochen, die Plattform von Spambots zu befreien und gleichzeitig die Nutzerbasis und den Umsatz massiv zu steigern. In seiner aktuellen Stellungnahme spielt er wohl darauf an, dass Twitter eine viel grössere Zahl von Bot-Usern hat, als das Unternehmen zugibt. Musk hat bereits angetönt, dass er deshalb weniger für Twitter bezahlen möchte.

Thursday, April 28, 2022

Twitter gewinnt - und verliert Nutzer

Twitter gewann im ersten Quartal dieses Jahres gut 14 Millionen neue User. Damit wuchs die gesamte Nutzerzahl auf 229 Millionen. Dieser Zuwachs kam noch bevor Elon Musk sein 44 Millionen-Dollar-Angebot für den Kurznachrichtendienst machte. Musks Übernahme scheint aber auch eine Nutzerverschiebung bewirkt zu haben: Gemäss verbreiteten amerikanischen Medienberichten haben konservative Twitter-User schlagartig hunderttausende von Follower dazugewonnen, während liberale und linke Twitterer Follower verlieren – im Fall von Barack Obama, dem Twitterer mit den meisten Follower überhaupt, waren es über Nacht 300'000.

Elon Musk      Bild Wikimedia

Twitter meldete heute Gesamteinnahmen und Anzeigenverkäufe, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Das führte dazu, dass die Aktien trotz Nutzerwachstum leicht fielen. Daraus lässt sich die Herausforderung erkennen, der sich Elon Musk bald annehmen muss: Twitter verdient zu wenig Geld. Das Unternehmen erwirtschaftet den Grossteil seiner Einnahmen durch den Verkauf digitaler Anzeigen auf der Website und in der App.  Im Übrigen müsste das Unternehmen bis Ende 2023 in jedem Quartal mindestens 12 Millionen neue Nutzer hinzugewinnen, um seine selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Twitter wird seit langem dafür kritisiert, dass es zu wenig Neuerungen einführt. Elon Musk hat seinerseits vorgeschlagen, die Möglichkeit zur Korrektur von Tweets einzuführen. Ausserdem will er, dass der Twitter-Algorithmus als Open Source freigegeben wird.

Was die Fluktuationen der Follower-Zahlen in den USA betrifft, hat sich ein Trend bestätigt: Linke Twitterer verlieren, rechte gewinnen, schreibt der Economist:

«Innerhalb weniger Stunden nach der Nachricht, dass Elon Musk, ein Serienunternehmer, Twitter in seine Sammlung aufnehmen werde, bemerkten die Nutzer einen merkwürdigen Trend: linksgerichtete Konten verloren Follower, während rechtsgerichtete Nutzer einen Boom erlebten. Der Economist untersuchte das Muster, indem er die Anzahl der Follower der amerikanischen Kongressmitglieder auf Twitter vor und nach der Bekanntgabe des Deals am 25. April aufzeichnete. Die Ergebnisse sind subtil, aber sehr konsistent.»

 Während Nutzer wie Michelle Obama, Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez laut Daten des Social-Media-Analytics-Trackers SocialBlade über Nacht mehr als 10'000 Follower verloren, gewannen Konservative wie Ted Cruz, Newt Gingrich und Laura Ingraham Tausende follower dazu.

 Eines ist sicher: Der Streit um Twitter hat gerade erst begonnen.

Monday, February 21, 2022

Bing statt Google, Truth statt Twitter?

Der Mensch, es ist bekannt, ist ein Gewohnheitstier. Wenn er sich einmal eine gemütliche und gut passende Routine zugelegt hat, ist es sehr schwierig, ihn davon abzubringen. Davon weiss auch Microsoft mit der Suchmaschinen-Konkurrenz Bing ein Lied zu singen. Und auch Donald Trump mit seiner brandneuen Twitter-Konkurrenz Truth Social, wird es wahrscheinlich zu spüren bekommen. Immerhin darf der ehemalige Präsident davon ausgehen, dass seine grössten Fans und seine grössten Feinde sich seinem Dienst anschliessen werden.

Twittern wie Donald Trump - auf Truth Social. Wem es um Politik 
geht, der wird sich gerne darauf einlassen.    Screengrab App Store

Es wird viel geschimpft über Google, das Unternehmen. Es sei eine Datenkrake, und sammle Daten ohne Hemmungen, um diese auszuwerten und zu Geld zu machen. Trotzdem nutzen Milliarden Menschen Google jeden Tag, weil man sich eben an die Suchmaschine gewohnt ist und weil sie Resultate produziert. Deshalb ist es eher ungewohnt, jemanden zu treffen, der uns davon überzeugen will, Google mit Bing zu ersetzen:  Warum Bing besser ist als Google, titelt die Computerwoche und führt vier (mehr oder weniger gute) Gründe dafür an. Zum Beispiel:

“Natürlich gibt es in Sachen Suchergebnisse auch Ausnahmen. Aber im Allgemeinen schneidet Bing bei den meisten meiner alltäglichen Suchanfragen mindestens genauso gut ab wie Google. [...] Ähnliches gilt auch für die Bildersuche: Bing war die erste Suchmaschine, die "infinite scrolling" ermöglichte, was für die Nutzer bedeutet, endlos weiterscrollen zu können, ohne jemals das Ende der Ergebnisse zu erreichen. Heute verfügt die Bing-Bildersuche über eine zusätzliche Ebene von Suchfiltern, die Google-Nutzer nur mit Hilfe von Drilldown-Menüs finden können, etwa die Option, nur Bilder mit Gesichtern anzuzeigen oder nur in einem bestimmten Layout. Falls Sie lizensierte Fotos beispielsweise zur Illustration eines Newsletters suchen, sind diese Informationen bei Bing leichter zugänglich als bei Google. Der momentan einzige Grund, die Google-Bildersuche vorzuziehen, ist die Option, nach GIFs zu suchen...“

Was Donald Trump und Twitter betrifft, ist die Vorgeschichte bekannt: Der US-Präsident wurde von Twitter verbannt und hat schon lange versprochen, deshalb einen eigenen Dienst anzubieten. Jetzt ist er in den USA verfügbar und die App kann im App Store heruntergeladen werden. PCMag.com erklärt, weshalb Trump nach Twitter nicht einfach aufgeben will:

"Warum will Trump unbedingt ein eigenes soziales Netzwerk? Ein Grund sind seine Twitter-Followerzahlen. Bevor sein Twitter-Konto gelöscht wurde, hatte Trump fast 90 Millionen Follower (und 34 Millionen Follower auf Facebook, das ihn ebenfalls bis mindestens Januar 2023 gesperrt hat). Wenn es eine Sache gibt, die Trump vor und während seiner Präsidentschaft geliebt hat, dann war es das Posten im Internet. Einem Archiv seiner früheren Tweets zufolge twitterte Trump bis zum Ende seiner Amtszeit durchschnittlich über 30 Mal pro Tag. Nach seinem Verbot kehrte er mit einem kurzlebigen Blog, in dem er Twitter-ähnliche Updates veröffentlichte, ins Internet zurück. Anstatt sich von den Millionen von Menschen, die an jedem seiner Worte hängen, abzuwenden, glaubt Trump, dass er die Kontrolle über die Konversation übernehmen und diese Anhänger zu Truth Social bringen kann..."

 

Thursday, June 18, 2020

Twitter bringt Voice-Tweets

Twitter macht es ab sofort möglich, nicht mehr nur Nachrichten mit 280 Zeichen zu versenden, sondern neu auch 140 Sekunden Audio. Wie sich das auf das jetzt schon oft sehr giftige Twitter-Klima auswirken wird, ist schwer vorauszusagen.

Ab sofort können bestimmte User Voice Tweets versenden.
                                                                                               Screengrab Twitter
Vor allem in der amerikanischen Politik ist Twitter ein vielgenutztes Sprachrohr für Politiker (Donald Trump ist das bekannteste Beispiel) und auch ein sehr geeignetes Instrument, um namentlich und vor allem anonym die Atmosphäre zu vergiften. Für Journalisten ist Twitter ein Geschenk vom Himmel, weil im unendlichen Twitter-Raum immer irgendjemand etwas rauslässt, das die eigene Storyline unterstützt.
Dass Twitter jetzt Audio-Tweets zulässt, kommt einerseits überraschend, andererseits haben andere Social Media dasselbe schon länger möglich gemacht. Sprachnachrichten zu verschicken, auch in Gruppen, ist zum Beispiel mit WhatsApp schon eine Weile möglich, wird allerdings nicht von allen Nutzern geschätzt.
Twitter hat als Unternehmen jetzt schon Mühe, die Zensurbegehren jener Nutzer zu befriedigen, welche die Plattform vor allem als Verstärker ihrer Ideologien und Zensur als Waffe sehen. Wenn es um gesprochene Nachrichten geht, wird es wohl nicht einfacher werden, die Inhalte zu kontrollieren.
Vorläufig sind es denn auch noch nicht alle Nutzer, die in den Genuss des neuen Features kommen. In einem Blog-Beitrag kündigte Twitter an, dass das Erstellen von Sprach-Tweets vorerst nur einer begrenzten Gruppe von iOS-Nutzern zur Verfügung stehen werde. In den kommenden Wochen sollten dann alle Twitter-Nutzer mit einem iPhone in der Lage sein, mit
ihrer Stimme zu twittern.
Manchmal reichten 280 Zeichen nicht aus, und Nuancen der Konversation zu übermitteln, heisst es in der Twitter-Mitteilung. Deshalb teste man die neue Funktion, die der Art und Weise, wie Twitter genutzt werde, eine menschlichere Note verleihe. Das Twittern via Sprache unterscheide sich nicht allzu sehr vom Twittern mit Text, heisst es:
“Um zu beginnen, starten Sie einen Tweet und tippen Sie auf das neue Symbol mit den Wellenlängen. Unten sehen Sie Ihr Profilfoto mit der Aufnahme-Schaltfläche - tippen Sie darauf, um Ihre Stimme aufzunehmen.“
Man hoffe bei Twitter, dass Voice Tweeting den Usern die Möglichkeit gebe, Ihre Sichtweise schnell und einfach mit Ihrer Stimme zu teilen. Man sei gespannt, wie die Menschen dies nutzen würden, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen und "die öffentliche Diskussion zu bereichern".

Thursday, July 20, 2017

Netflix will neue Kinofilme sofort streamen

Es begann als DVD-Mietversand und hatte schon damals viel Erfolg und zahlreiche Nachahmer. Doch das Geschäftsmodell mit den silbernen Scheiben wurde durch den rasanten Ausbau des Internets obsolet – und Netflix war flexibel genug, sich anzupassen. Heute ist der grösste der Internet-Streaming-Dienste äusserst erfolgreich und zählt seit kurzem mehr als hundert Millionen zahlende Nutzer weltweit.

Der Video-Streaming-Dienst Netflix hat über 100 Millionen Abonnenten - unter
anderem weil zahlreiche attraktive Eigenproduktionen angeboten werden.
                                                                                                            Bild Netflix
Das Schlüsselwort heisst in diesem Zusammenhang “zahlende" Nutzer, denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Internet Firmen, die mit Millionen von Nutzern angeben können, kann Netflix seine Dienste bei den Anwendern direkt in Rechnung stellen und muss sich nicht auf die Gunst der Werber verlassen. (Wie schwierig es ist, mit einem kostenlosen Angebot im Internet trotz Millionen  von Usern Geld zu verdienen, zeigt der Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Aktien momentan unter dem Ausgabepreis dahindümpeln – aber das ist ein andere Geschichte.) Das Netflixkonzept, mit vielen Eigenproduktionen immer mehr Kunden zu gewinnen, geht jedenfalls auf. Aus dem Handelsblatt:
Rund 5,2 Millionen neue Abonnenten meldeten sich im vergangenen Quartal beim Video-Streaming-Dienst Netflix an. […] Der Umsatz mit 2,8 Milliarden Dollar im Quartal lag 32 Prozent über dem im Vorjahr. Der Nettogewinn mit 66 Millionen nach 44 Millionen Dollar ist ebenfalls gestiegen. “
Der anhaltende und wachsende Erfolg von Netflix und Co. sollte vor allem der Fernsehbranche zu denken geben. Mehr und mehr Medienkonsumenten – vorläufig vor allem in Nordamerika – verzichten ganz auf das althergebrachte Fernsehen, mit vorgegebenem Programm und zuviel lästiger Werbung.  Aber Fernsehzuschauer sind nicht das alleinige Zielpublikum für Netflix – jetzt wird das Kinopublikum von Netflix angepeilt, wie die FAZ berichtet:
Offenbar sieht der 56 Jahre alte Mitgründer und Vorstandsvorsitzende der Online-Videothek Netflix also Kinos in ihrer heutigen Form als ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Bei der Vorlage des Quartalsberichts leistete sich Hastings jetzt einen weiteren Seitenhieb. Videodienste wie Netflix könnten das Filmgeschäft beleben, sagte er, nahm die Filmtheater davon aber ausdrücklich aus. Soll heissen: Netflix will nach der Fernseh- auch die Filmindustrie aufmischen, notfalls auch zu Lasten von Kinos. Das dürfte nicht nur Kinobetreiber alarmieren, sondern könnte auch erhebliche Auswirkungen für Filmliebhaber haben. Wer sich heute einen neuen Kinofilm ansehen will, tut dies üblicherweise auch im Kino. Wenn es nach Netflix geht, sind künftig immer mehr Neuerscheinungen direkt auf dem Smartphone oder dem heimischen Fernseher über das Internet abrufbar…“

Monday, December 19, 2016

Social Bots: Die virtuelle Multiplikation der Propaganda

Fake News hat es in der Geschichte der Medien schon immer gegeben – in Form von voreingenommener Berichterstattung, aber auch in Form von kompletten Falschmeldungen (man erinnert sich an die Stern-Berichterstattung über die gefälschten Hitlertagebücher im Jahr 1983). Früher gab es allerdings keine digitalen Medien, die Falschmeldungen auf tausenden von Kanälen verbreiteten – die traditionellen Medien beherrschten das Feld sowohl der echten als auch der falschen News. Diese Situation hat sich grundlegend verändert – unter anderem auch, weil immer mehr computergenerierte Meldungen auf sozialen Medien publiziert werden.

 Donald Trump nutzt Twitter als Tool und twittert schon fast soviel, wie
 ein Social Bot... 
Social Bots sind computergesteuerte Urheber von Nachrichten, und wenn man den traditionellen Medien glauben darf, gibt es von diesen automatisierten Online-Profilen inzwischen so viele, dass sie unsere Demokratie gefährden. Zitat aus dem Spiegel:
Aktuellen Studien zufolge ließen sich 95 Prozent der befragten Wähler zwar durch soziale Medien nicht in ihren Entscheidungen beeinflussen. "Fünf Prozent können aber das Zünglein an der Waage sein und Wahlen entscheiden", sagt der Simon Hegelich. Der Wissenschaftler rechnet damit, dass der Bot-Boom aus den USA nach Europa herüberschwappt. "Schon heute schalten sich Bots aktiv in Diskussionen um praktisch jedes innenpolitische Thema ein", sagt Hegelich, der selbst auch Bots und ganze Netze enttarnt…“
Inzwischen gibt es bereits Gruppen von Medienschaffenden und Wissenschaftlern, die das Bot-Phänomen erforschen. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, virtuelle User überhaupt zu erkennen. Eine deutsche Gruppe von Forschern, die sich Botswatch nennt, hält sich momentan immer noch an  die Erkenntnisse der University of Oxford, nach denen jeder Account als Bot definiert wird, der durchschnittlich 50 oder mehr Tweets am Tag absetzt oder im gleichen Umfang Likes abgibt. Wer also auf Facebook zu aktiv ist, läuft Gefahr, als Bot eingestuft zu werden. Das soll sich aber schon bald ändern:
“Botswatch arbeitet eigenen Angaben zufolge an genaueren Methoden zur Identifizierung. „Social Bots zu erkennen ist komplex. Sie sind täglich im Wandel“, sagt [Gründerin Tabea] Wilke. „Wir haben uns genau angeschaut, wie sich Social Bots und Botnets im politischen Raum verhalten und welche Eigenschaften sie haben. Daraus haben wir Kriterien definiert und sie in mehreren Testings geprüft und weiterentwickelt.“ Zum Einsatz kommen diese Kriterien bislang nicht. Der Rechenaufwand für ihre Umsetzung ist enorm und sprengt aktuell noch die Kapazitäten des Projekts.“
Auch Kommunikationsfachleute haben ihre liebe Mühe mit Social Bots. So äusserte sich kürzlich der Deutsche Rat für Public Relations zum Thema und erklärte den Einsatz von meinungsmanipulierenden Social Bots für "unvereinbar mit den Grundsätzen verantwortungsbewusster Öffentlichkeitsarbeit":
“Der Einsatz von Social Bots unterläuft das Prinzip, dass hinter jeder öffentlich vorgetragenen Meinung ein Mensch stehen muss", erklärt Professor Günter Bentele, Vorsitzender des Deutschen Rats für Public Relations. "Social Bots, oder Meinungsbots verschleiern auch ihre tatsächlichen Absender. Beides sind Manipulationsversuche und massive Verstöße gegen grundsätzliche Prinzipien der Öffentlichkeitsarbeit", so Bentele.“
Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, die virtuellen Meinungsschleudern zu überschätzen. Zitat aus den Stuttgarter Nachrichten:
Lorena Jaume-Palasí schätzt die Gefahr, dass Social Bots die öffentliche Meinung manipulieren, noch nicht so groß ein. „Das könnten sie nur, wenn der gesamte menschliche Interaktionskontext ausschließlich digital wäre“, sagt die Politikphilosophin der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. „Wir leben in einer digitalen Zeit, aber Social Media hat noch nicht alle anderen Kontexte erreicht.“ Menschen gingen zur Arbeit oder in die U-Bahn, wo sie auf andere Menschen und andere Meinungen treffen. Der sogenannte magnifizierende Effekt des Internets, dessen Gefahren Kommunikationswissenschaftler immer wieder betonen, sei nicht quantifizierbar. Sie will Social Bots auch nicht ganz verteufeln. „Wir versuchen seit je, andere Menschen von unseren Meinungen zu überzeugen“, sagt sie, „wir können nicht Neutralität verlangen und auch nicht, dass Bots abgeschafft werden.“
Der angesprochene “magnifizierende Effekt“ wird aber auch von den traditionellen Medien gerne benutzt - wenn es ihnen denn passt. Deshalb werden Artikel allzu oft mit unzähligen, meist anonymen Twitter-Kommentaren garniert - wenn diese Kommentare zur Tendenz des Artikels passen. Wenn traditionelle Medien und Social Media auf diese Weise in der Echokammer verschmelzen, ist es mit der Sorge über Social Bots dann plötzlich nicht mehr weit her. 

Wednesday, June 22, 2016

Social-Media-Paradox: Lieber teilen als lesen

Und da wundern wir uns, weshalb die digitale Gesellschaft immer oberflächlicher wird: Eine wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass Twitter-Nutzer nur zu gerne Inhalte teilen – meistens allerdings, ohne dass sie die Artikel, die sie empfehlen, auch gelesen haben.

Twitter-Nutzer wissen, dass Teilen einfacher ist als lesen -
und auch noch schneller geht.                 Screenshot Twitter       
Wir alle kennen Social-Media-User, die so viele Artikel teilen, dass wir uns fragen, wann sie denn die Zeit finden, das alles zu lesen. Nun haben wir die Antwort bekommen: Sie lesen sie gar  nicht – der Titel oder die Einleitung reicht ihnen schon aus, um einen Artikel zu teilen. Das  ist das Resultat einer wissenschaftlichen Studie des französischen Forschungsinstituts Inria und der Columbia Universität in New York City. Demnach teilen sechs von zehn Twitter-User Inhalte, ohne dass sie sie gelesen haben. Gerade für Marketingfachleute sind diese Resultate sehr interessant, wie das Marketingmagazin acquisa vermerkt, das über die Studie berichtet:
“Vom Ergebnis zeigten sich selbst die Studienautoren überrascht. Arnaud Legouts Interpretation: Nutzer seien heute eher bereit, einen Inhalt zu teilen als zu lesen. Dies sei typisch für den heutigen Medienkonsum, weil Meinungen vielfach auf Basis von Zusammenfassungen gebildet würden, anstatt tiefer in eine Materie einzusteigen...“ 
Diese oberflächliche Meinungsbildung, die auf Schlagzeilen und Kurzzusammenfassungen beruht, ist natürlich im Interesse von Meinungsmachern und Propagandisten: Kampagnen können mit relativ wenig Aufwand gestartet weden. Die "alten" Medien helfen hier fleissig mit; sie nutzen Twitter gerne als News-Quelle und funktionieren so als Echoraum. Dies erklärt auch, weshalb sogenannte “Shitstorms“ im Internet explosionsartig entstehen. Meinungen werden in wenigen Sekunden gemacht und weiterverbreitet – Hintergründe und komplizierte Erklärungen scheinen viele Twitterer nicht wirklich zu interessieren.
Twitter ist sicher nicht das einzige Medium, wo mehr geteilt und empfohlen, als gelesen wird. Wir warten gespannt auf eine Studie, die Facebook diesbezüglich unter die Lupe nimmt.

Friday, April 29, 2016

Google ist der wichtigste Nachrichtenlieferant

60 Prozent der befragten User setzen bei der Newssuche auf Google. Immerhin noch knapp die Hälfte gibt an, auch die Websites der News-Provider zu besuchen. Durch die Social-Media-Angeboten der Medienhäuser kommen 28 Prozent der User an Nachrichten; dabei spielt die Trend-App Snapchat als News-Lieferant gar keine Rolle. Auch andere Dienste kommen im Zusammenhang mit der Verbreitung von News ganz schlecht weg: Twitter hat ein riesiges Reichweiteproblem während Google+ nur ältere Semester anspricht.  Das geht aus einer neuen deutschen Untersuchung hervor.

Google News: Der bevorzugte Nachrichtenlieferant für 60 Prozent aller User.
                                                                                          Screenshot Google News
Das waren noch Zeiten, als sich Verlage und Medien damit profilierten, gegen Google zu wettern:  Es sei “Diebstahl in Digitaler Form“, was Google da mit den Inhalten von Medienunternehmen mache, gaben die Schweizer Verleger damals bekannt. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und die Verleger haben sich mit Google zusammengerauft. Zu Recht – wie die Zahlen beweisen. Gemäss einer  Repräsentativumfrage von nextMedia.Hamburg ist die Google-Suche noch vor den Homepages der Medienhäuser der wichtigste Zugriffsort, wenn es um Nachrichteninhalte geht – und das für alle Altersgruppen - auch wenn User, die über 50 Jahre alt sind, etwas stärker darauf setzen, als jene unter 30 Jahren. Deutlich stärker ist der Unterschied bei den sozialen Netzwerken: Während  knapp die Hälfte der jungen User in sozialen Netzwerken auf Nachrichteninhalte von Medien stossen, sind es unter den 50- bis 60-jährigen gerade mal 18 Prozent.
In sozialen Netzwerken ist es Facebook, welches das Nachrichtenmonopol uneingeschränkt innehat.
Danach gefragt, wo man in Social Networks auf Nachrichteninhalte stosse, nennen fast 50 Prozent der Befragten Facebook. YouTube, Google+ und Twitter folgen abgeschlagen mit jeweils unter 10 Prozent. Hier zeigt sich, das vor allem Twitter ein klares Reichweiteproblem hat, obwohl der Kurznachrichtendienst vor allem bei Meinungsmachern wie Journalisten, Politikern oder Kulturschaffenden als wichtige Nachrichtenquelle gilt. Twitter schafft es aber nicht, seine Reichweite auf Herr und Frau Normalverbraucher auszudehnen. Kaum von Bedeutung sind auch Instagram und Pinterest mit jeweils einem Prozent. Und Snapchat? Trotz des Discovery-Tools und der verstärkten Aktivitäten, auch deutscher Medien, verbindet gar niemand diese Trend-App mit Nachrichten. Interessante Randnotiz: Bei den 50- bis 60-jährigen wird Google+ im Zusammenhang mit News gerade noch wahrgenommen, während Google+ bei den 18- bis 29-jährigen keine Rolle spielt.
Etwa ein Viertel der Befragten wünschen sich, dass Medienhäuser den Kontaktweg über Social Media auch weiter ausbauen, um User zukünftig besser mit Nachrichten zu versorgen. Ähnlich beliebt sind Newsletter per Mail  und Messenger-Dienste, etwa über WhatsApp. Spitzenreiter sind jedoch Push-Benachrichtigungen wie Eilmeldungen, von denen sich knapp ein Drittel noch mehr wünscht.
Die Umfrage zeigt zudem, dass es durchaus eine Rolle spielt, woher Nachrichten kommen: Für fast zwei Drittel der Befragten spielt der Anbieter von Nachrichten eine grosse Rolle, nur für neun Prozent ist dieser irrelevant. Medien werden übrigens sowohl stationär als auch mobil konsumiert – wenn auch nicht in dem Umfang, wie angenommen werden könnte: Nur jeder Fünfte User konsumiert seine News primär unterwegs, rund die Hälfte konsumiert digitale Medien sowohl stationär als auch mobil.

Monday, February 15, 2016

Wer interessiert sich eigentlich noch für Twitter?

 Eigentlich sollte es eine der ganz grossen Erfolgsgeschichten der digitalen Kommunikation werden, und eine Zeitlang sah es ganz so aus, als ob Twitter die hochgesteckten Erwartungen erfüllen würde. Die Zahl der Nutzer nahm rasant zu, und nach dem Börsengang stieg auch der Kurs der Aktie. Doch das war einmal; aktuell gibt es keine guten News mehr. Die Nutzerzahlen gehen zurück, und die Manager springen ab. Wer Twitter-Aktien besitzt, die beim Börsengang oder kurz danach gekauft wurden, hat schon mehr als die Hälfte der Investition verloren. Nach der anfänglichen Euphorie stellt sich die Frage, ob Twitter wirklich gebraucht wird.

Eines ist klar: Twitter ist in Nordamerika populärer als in Europa. Allerdings zeigt sich hier und dort, dass Twitter vorwiegend als Kommunikationsforum der Eliten benutzt wird: Politiker, JournalistenKünstler und andere Prominente lieben es, ihre gewichtige Meinung zum Tagesgeschehen in die Welt zu twittern, und sie haben auch Anhänger, die diese Wortmeldungen dankbar aufnehmen. Besonders im Journalismus hat sich Twitter zu einem beliebten Tool entwickelt und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens hilft der Kurznachrichtendienst, leere Seiten zu füllen, indem Prominenten-Tweets ausgeschlachtet und breitgeschlagen werden. Zum Zweiten lässt sich Twitter als Verstärker der journalistischen Meinung  einsetzen, indem entsprechende Tweets wie Echos an Stories gehängt werden.  Genau diese journalistische Praxis ist allerdings nicht überall beliebt und wird inzwischen von vielen Medienkonsumenten auch durchschaut.
Trotzdem hat Twitter zwei grosse Probleme: Erstens hat sich Twitter zu einem Tummelfeld für Trolle entwickelt, die aufgrund ihrer Anonymität auf Twitter oft so richtig die Sau rauslassen. Das generiert dann schon mal negative Werbung, die auf viele potentielle User abstossend wirken kann. Ausserdem interessiert sich die breite Masse der digitalen Konsumenten nicht für den Service und weiss nicht mal, wie er funktioniert (siehe untenstehendes Video). Twitter sei schlicht nicht massentauglich, schreibt die Handelszeitung:
“Die Vorzüge des Angebots, bei dem Nutzer nur Nachrichten mit einer Länge von maximal 140 Zeichen verschicken können, erschliesst sich vielen Menschen nicht. Das belegt auch eine Umfrage unter Passanten im Zürcher Kreis 5. Tatsächlich war es für den Video-Journalisten Pascal Scheiber schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der Twitter nutzt – und dies nur passiv, um den Alltag der Stars zu verfolgen. Selbst Tweets versenden: Fehlanzeige. Die Twitter-Chefs haben das Problem erkannt. Doch Massnahmen greifen nicht oder stossen bereits bei Ankündigung auf Ablehnung. So geschehen vor wenigen Tagen, als bekannt wurde, das Management wolle die chronologische Timeline durch einen Algorithmus ersetzen.“
Twitter hat also ein Relevanzproblem, gerät gar in Gefahr, in der digitalen Versenkung zu verschwinden – der Dienst könnte zum “Bing“ der Social Media werden, schrieb Wired Magazine schon vor einem Jahr. Der Grund:
“Viele Menschen haben Twitter gern, lieben es sogar, sind davon besessen. Aber viele Menschen verstehen das überhaupt nicht, und Twitter hat nie einen guten Grund dafür kommuniziert, den Dienst auszuprobieren…“
Es sieht also nicht super aus für Twitter. Die Aktie steht aktuell bei knappen 16 US-Dollar. Im Mai 2015 waren es noch fast 51 Dollar. Das ist hart für die Investoren. Ansonsten wird der Niedergang von Twitter wohl die allermeisten von uns kalt lassen.

Sunday, October 25, 2015

Social Media: Totgesagte leben länger!

Sie haben es sicher auch schon gelesen: Mit Twitter läuft’s nicht so recht, sogar Stellen werden gestrichen. Facebook ist auch nicht mehr, was es einmal war; Jugendliche finden die Plattform nicht mehr spannend, seitdem sich auch ihre Eltern dort tummeln. Obwohl diese Trends nicht falsch sind, sieht die Social-Media-Wirklichkeit aber immer noch extrem positiv aus. Digitale Kommunikationsplattformen sind quicklebendig, und fressen jedes Jahr mehr User-Zeit.

Wir verbringen immer mehr Zeit mit Social Media.   Quelle GlobalWebIndex
Wer negative Schlagzeilen über Social Media sucht, findet diese auch: “Überalterung: Junge flüchten aus Facebook“ ist eine solche Story, die immer wieder mal in den Medien auftaucht und sicher nicht nur einen wahren Kern, sondern auch eine positive Seite hat. Denn, wie zum Beispiel  auf diepresse.com erklärt wird:
Während die Jungen aus Facebook fliehen, ist die Zahl der über 55-Jährigen in den vergangenen drei Jahren um über 80 Prozent angestiegen. Mittlerweile tummeln sich drei Mal so viele ältere Semester als Teenager im Netzwerk. In Grossbritannien ist Facebook […] bei den Jüngeren bereits komplett abgemeldet. Spätestens wenn die erste Freundschaftsanfrage der Mutter kommt, ist es für viele Teens an der Zeit, das Kapitel Facebook wieder zu schliessen…“
Auch Twitter hat nach dem Hype des Börsengangs mit negativer Berichterstattung (hier auf welt.de) zu kämpfen:
Der Kurznachrichtendienst Twitter steckt in der Krise: Das enttäuschende Wachstum an Nutzern drückt den Aktienkurs. Jetzt steuert der neue Chef Jack Dorsey gegen. […]Twitter-Mitgründer Jack Dorsey setzt nach wenigen Tagen als ständiger Konzernchef einen massiven Stellenabbau in Gang. Wegfallen sollen rund acht Prozent der Belegschaft, das wären maximal 336 Jobs…“
Doch diese negativen Schlagzeilen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Phänomen der Social Media immer noch quicklebendig ist und weiter zulegt. Das zeigen auch die neusten Zahlen von GlobalWebIndex. Die Erhebung unter 170‘000 Nutzern hat herausgefunden, dass durchschnittliche User fast ein Drittel ihrer gesamten Internetzeit auf Social Media verbringen. Das sind jeden Tag fast 1,8 Stunden. Vor allem junge Nutzer lieben ihre Netzwerke: 16- bis 24-Jährige investieren  2,7 Stunden täglich in Social Media, die 25- bis 34-Jährigen knapp 2,2 Stunden. Die Plattformen werden zu Zeitfressern (siehe Grafik); andere Online-Aktivitäten wie etwa Online Videos oder News liegen weit hinter den Social Networks zurück, was den täglichen Zeitaufwand der User betrifft.

Die enorme Popularität sozialer Networks zeigt sich auch in deren Nutzerzahlen. So gibt es rund 2,1 Milliarden aktive Social-Media-Nutzer, davon allein 1,3 Milliarden mobile Facebook Nutzer. Mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen sollen Facebook-Nutzer sein. Ebenfalls beeindruckend: 60 Millionen neue Fotos werden jeden Tag auf Instagram geladen. Bei YouTube sind es pro Minute mehr als 300 Stunden (!) neues Videomaterial. 

Friday, May 1, 2015

Protzen und Schwindeln: Facebook & Co. und das gefälschte Leben

Golfen in der Toscana, ein toller Flirt oder ein spontaner Trip - glaubt man den Beiträgen in sozialen Netzwerken, geht  jedes Wochenende die grosse Party ab. Aber ist das wirklich so? Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von lastminute.de hat jeder dritte Deutsche schon ähnliche Geschichten über Wochenend-Erlebnisse erfunden, und bei den 18- bis 24-jährigen gibt sogar knapp die Hälfte an, sich durch erschwindelte Aktivitäten interessanter zu machen . Deutschland ist somit im Europavergleich absoluter Spitzenreiter der "Wochenend-Schwindler" vor Spanien, Italien, England und Frankreich. (Die Schweiz war in der Umfrage nicht eingeschlossen.) Der Grund für das gefälschte Leben: die Angst davor, langweilig zu wirken oder mit den Aktivitäten der Freunde nicht mithalten zu können.

Da haben wir in England ein paar Tage mit Freunden verbracht - oder etwa doch
nicht?                                                                                                            Bild PfW 
Am Wochenende mutieren Facebook, Twitter und Co. zur digitalen Scheinwelt und zum Wettbewerb der Eitelkeiten.  Einer von sechs deutschen Usern gibt nämlich zu, schon mal einen oder mehrere Beiträge auf Social-Media-Kanälen über eine grossartige Wochenend-Aktivität gefälscht zu haben, oder aber mit seinen Beiträgen und Bildern bewusst zu protzen. Und es scheint sogar zu funktionieren: Jeder zehnte User wird nämlich gemäss eigenen Angaben neidisch, wenn er die Beiträge über aufregende Aktivitäten der anderen Nutzer in sozialen Netzwerken sieht.
Wer auf den zahlreichen verfügbaren Social-Media-Kanälen die Aktivitäten von echten und Möchtegern-Prominenten verfolgt, könnte schon mal unzufrieden werden: So ein Leben in der Mietwohnung mit 40-Stundenwoche und einem beschränkten Budget ist nun mal nicht mit dem Leben der Stars in Hollywood zu vergleichen. Da kann schon das Bedürfnis aufkommen, die Freizeit mit Action und Abenteuern vollpacken zu müssen. So überrascht es nicht, dass die häufigste Wochenendlüge der Deutschen der spontane und aufregende Wochenendtrip ist, den sich immerhin fast jeder Vierte schon einmal ausgedacht hat, um Freunde und Kollegen zu beeindrucken. Sage und schreibe vier Prozent dieser Schwindler haben sich am Sonntagabend nach eigenen Angaben noch schnell einen Selbstbräuner aufgetragen, um Montagmorgen vorgeben zu können, auf Reisen gewesen zu sein.
Und was geben die Schwindler für Gründe für Ihre Lügen an?
Ein Viertel von ihnen “möchte nicht, dass jemand denkt, sie wären langweilig“. Fast ein Viertel findet dass ihre Wochenenden im Vergleich zu Freunden und Bekannten nicht gut genug seien. Jeder sechste möchte bei den tollen Wochenend-Stories ihrer Freunde mitmachen können, und zehn bis zwölf Prozent möchten sich beliebter machen oder sehnen sich ganz einfach nach einem aufregenderen Leben. Facebook und Co. üben also, wie schon in früheren Studien nachgewiesen, viel sozialen Druck aus und können durchaus auch unzufrieden machen. 
Wir sind lastminute.de dankbar für diese Umfrage – nicht weil die Marketing-Strategie Sinn macht, sondern weil die Resultate einen lange gehegten Verdacht bestätigt haben. Um den schwerreichen Bernie Ecclestone zu zitieren: “ Jeder ist so ehrlich, wie er es sich leisten kann“ – das gilt auch für Facebook, Twitter und Instagram. 

Sunday, March 29, 2015

Internet-Trolle, Anonymität und Ehrlichkeit

Das Internet liebt die Anonymität. Aber Anonymität führt zu schlechtem Benehmen, Oft zu sehr, sehr schlechtem Benehmen. Das wiederum führt dazu, dass sogenannte Trolle in Kommentarspalten oder auf Twitter die Sau raus lassen und damit anständige User vertreiben. Was tun? Twitter will das Problem mit einer Filtersoftware lösen.


Bezahlen, um zu kommentieren. Eine Methode, um Trolle auszubremsen.
Trolle, also Internet-User, die sich nicht zu benehmen wissen und andere Teilnehmer im Internet unter dem Deckmantel der Anonymität beschimpfen und bedrängen, sind schon lange ein Problem. Nicht nur auf Twitter, wo vor allem prominente User oft belästigt werden, sondern auch in den Kommentarspalten zu News-Artikeln, wo die Anwürfe oft sehr persönlich werden. Um die Diskussionen im Web auf einem zivilisierten Niveau zu halten, haben verschiedene Anbieter verschiedene Massnahmen getroffen. Zahlreiche Zeitungen verlangen zum Beispiel von ihren Lesern, dass sie ihren echten Namen angeben, wenn sie kommentieren wollen (z.B. die NZZ) und moderieren die Beiträge auch noch. Das führt zu zwei Problemen: Es werden falsche Namen angegeben, und es dauert zu lange, bis die Kommentare im Web erscheinen. Die Massnahmen funktionieren also nur beschränkt.
Eine bessere Idee hatten die Betreiber des Internet Magazins Tablet: Sie verlangen Geld von jenen Lesern, die ihre Artikel kommentieren möchten. Die Kosten werden abgestuft: Einen Tag lang zu kommentieren kostet 2 Dollar, einen Monat 18 und ein Jahr 180 Dollar.
Ist das vielleicht ein Geschäftsmodell für die leidenden Internet-Medien?
Wir zweifeln daran. Immerhin ging die Anzahl der Kommentare bei Tablet Magazine stark zurück – und das Troll-Problem ist wohl gelöst.
Nun hat auch Twitter einen Lösungsansatz gegen Trolle präsentiert. Dieser basiert allerdings nicht darauf, dass Twitter-Nutzer sich zu erkennen geben müssen, sondern auf einem Software-Filter, der beleidigende und Anstössige Tweets ganz einfach entfernen soll. Zitat aus heise.de:
“Wie genau diese Filteroption funktioniert, ist noch nicht bekannt. Dass Twitter aber verstärkt gegen Beschimpfungen und Trolle vorgehen will, wurde schon vor Wochen angekündigt. Hintergrund sind in jüngster Zeit bekannt gewordene öffentliche Kampagnen gegen einzelne Nutzer oder Nutzergruppen. Beispielsweise hatte die Tochter des verstorbenen Schauspielers Robin Williams Twitter verlassen, nachdem sie dort zum Teil übel beleidigt worden war…“
Natürlich gibt es auch User, denen derartige Massnahmen nicht gefallen – und zwar nicht deshalb, weil sie selber Trolle sind. Bei der NZZ befürchtet zum Beispiel Adrienne Fichter, dass sich derartige Filter als Gefahr für Whistleblower herausstellen, die unlauteres geschäftliches Gebaren von Unternehmen vermelden…“.
Als ob das nur anonym möglich wäre.
Tatsächlich wird verbreitet für die Anonymität im Internet argumentiert  - oft nicht schlüssig und oft auch abstrus. So schreibt zum Beispiel Maik Werther im Tagesspiegel:
“Auch in der Anonymität kann Ehrlichkeit liegen, ein User bietet ein Abbild seiner selbst an. Wie realistisch das im Abgleich zur wirklichen Person ist, wird auch ein Klarname nicht ändern können. Nicknames haben eine lang anhaltende Tradition, insbesondere innerhalb der Newsgruppen- und Chatkultur. Grundsätzlich muss daher unterschieden werden zwischen Anonymität und Pseudonymität.
Ein Kommentarschreiber, der unter Pseudonym schreibt, gibt seine reale Person zwar nicht preis, ist jedoch nicht zwingend anonym. Vielmehr kreiert er in einer virtuellen Gesprächsrunde eine alternative Identität, mit der er sich sowohl als Realperson schützt als auch klar Position beziehen kann und sich gleichzeitig die Chance offenhält, sein Agieren mit kreativen Möglichkeiten zu versehen, die er im Realen nicht hat…“
Ob sich der Twitter-Filter bewährt, wird sich zeigen. Sicher ist aber, dass auch weiterhin massenweise User mit einer “alternativen Identität“ im Internet unterwegs sein werden.


Monday, March 23, 2015

Social-Media-Selfie: Facebook wächst, Twitter stagniert, Meerkat explodiert

Sie sind mit grosser Vorsicht zu geniessen, die Social-Media-Trends, die regelmäßig das Absterben des Facebook-Booms oder die kommende Twitter-Tsunami voraussagen. Abgesehen davon, dass seit den Börsengängen dieser Firmen immer auch handfeste finanzielle Interessen hinter solchen Prognosen stehen, sind es immer nur Momentaufnahmen – sozusagen Social-Media- Selfies – die mit solchen Zahlen präsentiert werden. Trotzdem sind sie momentan sehr interessant – vor allem wenn ihnen Millionen von Verlinkungen und Klicks als Basis zugrunde liegen.

Zu füh den Niedergang vorhergesagt: Facebook geht es gut!
Genau so ist das beim Bitley-Index, der zu diesem Zweck monatlich mehr als 600 Millionen  Links im Web und acht Milliarden Klicks auf diese Links auswertet. Die neusten Zahlen zum Thema Social Media, veröffentlicht im Februar dieses Jahres, betreffen das vierte Quartal des letzten Jahres und fallen einigermassen überraschend aus. Das wichtigste Ergebnis: Der vielerorts vorausgesagte Niedergang von Facebook hat sich in eine kräftige Wachstumsrate verwandelt, die vor allem durch mobile Anwender getrieben wird. Twitter hingegen, schon immer eine mobile App, scheint das Interesse der Anwender weniger zu fesseln als auch schon.
Das sind die genauen Zahlen:
Facebook konnte einen totalen Nutzungszuwachs von 8,6 Prozent verzeichnen, bei den mobilen Nutzern betrug der Zuwachs sogar 30,2 Prozent. Die Facebook-Nutzung am Desktop-PC ging um 20 Prozent zurück, am Tablet blieb sie sich gleich.
Ganz anders bei Twitter.
Da fiel die Gesamtnutzung um ganze 4,9 Prozent, mobil um 2,5 Prozent, am Desktop und am Tablet um je gute 10 Prozent.
Für Twitter ist das ein herber Rückschlag. Er kommt allerdings nicht ganz unerwartet, wenn man die Twitter-Nutzerprofile und die Entwicklung der vergangenen Monate berücksichtigt. So hat die Fotoplattform Instagram (übrigens eine Facebook-Tochter) Twitter schon im letzten Jahr überholt, was die Zahl der User betrifft.
Twitter lässt das Versenden von Nachrichten zu, die nicht länger als 140 Zeichen sind und wird vorwiegend von Menschen benutzt, die den Dienst dazu benutzen, ihre (kurz gefasste) Meinung zu allem und jedem in die Welt heraus zu twittern. Politiker, Künstler und vor allem Journalisten lieben Twitter – unter anderem deshalb, weil die Plattform es erlaubt, Meinungen im digitalen Raum zu verbreiten und mittels digitalem Echo zu verstärken – und zwar in ungemein kurzer Zeit. Bei weitem am populärsten ist Twitter in den USA, während die Nutzerzahlen in der Schweiz und in Deutschland hinterherhinken. Wer auf Twitter eine grosse Fangemeinde hat, kann diese mit dem Dienst schnell und unkompliziert erreichen – ganz ähnlich wie auf Facebook . Facebook-Einträge sind in der Regel länger und weniger vergänglich als Tweets, und es scheint, als ob Facebook-User loyaler sind, als Twitter-User.
Wie gesagt: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Momentaufnahmen. Neue Dienste werden kommen, und die althergebrachten in den Schatten stellen – oder weiter wachsen lassen. Wie zum Beispiel die Video-App Meerkat, die es erlaubt, auf einfachste Weise Live-Videostreams zu versenden. Die Anwendung scheint einzuschlagen wie eine Bombe  – Twitter allerdings scheint sich eher davon bedroht zu fühlen und hat den Zugriff der App auf die Twitter-Plattform vorläufig eingeschränkt.

Was die Rendite von Twitter betrifft, sieht es trotz hohen Aktienpreisen eher düster aus: Einige Analysten prognostizieren, dass Twitter in diesem Jahr profitabel werden könnte – wenn man optimistische Annahmen zugrunde legt. Facebook ist da schon weiter: Die Anleger freuen sich über kräftige Gewinne, was sich auch in den Aktienpreisen niederschlägt.


Sunday, August 24, 2014

Unsocial Media

Twitter und Facebook sind schön und gut, wenn wir damit mit Freunden und Bekannten kommunizieren können. Wenn dann auf unseren Kanälen plötzlich sogenannte “Trolle“ auftauchen, die bösartige Posts platzieren und damit das angenehme Klima vergiften, kann das Soziale plötzlich sehr unsozial werden.

Es ist kein Zufall, dass es diesen Button auf Facebook nicht gibt. Niemand wird
gerne kritisiert - schon gar nicht wenn es alle anderen sehen.
Privatpersonen, die sich nicht in der Öffentlichkeit exponieren, müssen sich glücklicherweise selten mit Bosheiten dieser Art herumschlagen. Prominente und solche, die es gerne sein möchten, können hingegen sehr schnell ins Visier digitaler Trollegeraten – nicht immer ganz unverschuldet, wie der Fall des Badener Stadtammans Geri Müller zeigt. Dieser musste in den Tagen nach der Veröffentlichung seiner exhibitionistischen Tweets viel einstecken. Die Häme der Medien, sozial und unsozial, ergoss sich über dem Politiker, den zum Beispiel Blick-Online schadenfreudig in sechs verschiedensten Artikelüberschriften nur noch “Grüsel Geri“ nannte, eine Bezeichnung die von Social-Media-Usern freudig aufgenommen, weiterverarbeitet und verbreitet wurde.
Freilich können aus Social Media auch Unsocial Media werden, wenn es überhaupt nicht angebracht ist. So wurde zum Beispiel die Tochter des kürzlich verstorbenen Robin Williams nach dessen Tod auf Twitter dermassen belästigt, dass sie bekanntgab, sich als User zu verabschieden. Twitter will versuchen, solche Vorfälle in Zukunft zu unterbinden: Zitat aus der NZZ:
“Die Betreiber des Kurznachrichtendiensts kündigten an, dass man etwas unternehmen wolle. Nun hat Twitter in seiner Support-Datenbank dargelegt, wie Angehörige gegen Belästigungen vorgehen können. Die entsprechenden Zeilen am Ende des Dokuments finden sich allerdings erst auf der englischen Page. «Um den Wünschen von Hinterbliebenen zu entsprechen, entfernt Twitter Bildmaterial von Verstorbenen unter bestimmten Umständen.» Nahe Familienmitglieder oder «andere befugte Personen» können demnach über die E-Mail-Adresse privacy@twitter.com an das Social Network gelangen und die Löschung von Bildern oder Videos verlangen.“
Ob Twitter oder Facebook – wenn es der Umgang rau wird, wird es für die meisten Menschen unangenehm. Man will geliebt werden – nicht kritisiert oder gar belästigt. Nicht umsonst gibt es auf Facebook neben dem “Gefällt-mir-Knopf“ keinen “Das-ist-ja-doof-Knopf“.

Die einzigen, die sich wirklich damit abfinden müssen, dass es auf Social Media hart zugehen kann, sind jene, die sie für PR-Zwecke benutzen – zum Beispiel Politiker. Für alle anderen User gilt es, Privates so privat wie möglich zu halten und nur mit Menschen zu teilen, die sie kennen. Damit aus Facebook nicht plötzlich Hatebook wird.


Friday, May 2, 2014

Twitter: Liebling der quasselnden Klasse

Man gibt sich vielerorts überrascht darüber: Twitter, das Medium für Wort gewordene Geistesblitze, die nicht länger als 140 Zeichen sein dürfen, scheint plötzlich nicht mehr ganz so populär zu sein, wie auch schon (zum Beispiel vor dem Börsengang, im November 2013). Das Wachstum stockt, der Dienst wird von den registrierten Usern weniger benutzt, und die Aktienkurse brechen ein. Ist der Reiz des Neuen schon am Abklingen, oder ist die Twitter-Nische der quasselnden Klasse schon voll ausgeschöpft?

Noch zwitschert das Vöglein, aber Twitter schrumpft - zumindest an der Börse.
Den Begriff „quasselnde Klasse“ haben wir übrigens nicht selber erfunden, sondern nur übersetzt: Im Englischen heissen diejenigen, die ständig zu jedem Thema eine Meinung haben und diese auch unbedingt kundtun müssen,“the Chattering Classes“. Dazu gehören natürlich die allermeisten Politiker und politische Aktivisten, echte und möchtegern, aber auch so gut wie alle Journalisten. Und genau diese sind es auch, die Twitter zu einem fulminanten Start mit überteuertem Börsengang verholfen haben. Twitter wurde in den Medien so oft genannt und immer wieder als Kommunikationsmittel gelobt, dass es gar nicht anders konnte, als  abheben. Dabei haben Politiker und Aktivisten, wie auch Prominente, die gerne prominent bleiben möchten, gute Gründe auf Twitter abzufahren, sie können damit die Öffentlichkeit sozusagen kostenlos mit ihrer Meinung zu jedwedem Thema eindecken - zumindest jene Öffentlichkeit, die ihre 140-Zeichen-Ergüsse abonniert hat.
Den Rest erledigen dann die Journalisten.
Für diese hat es Twitter nämlich so einfach wie nie gemacht, ihre Thesen bestätigen zu lassen. Will heissen: Man schreibt einen Artikel, stellt eine These auf und garniert diese dann mit Tweets, die man im Internet so einfach finden kann, wie Sand am Strand. Dadurch erreicht man zwei Ziele: Erstens verstärkt man seinen eigenen Artikel in der digitalen Echokammer, und zweitens gewinnt man in gewissen Kreisen sogar noch an Glaubwürdigkeit - schliesslich belegen die publizierten Tweets, dass man nicht der einzige ist, der so denkt.
Eine weitere Entwicklung, die wahrscheinlich dem Journalismus nicht zu mehr Ansehen verhelfen wird, ist die Tatsache, dass gewisse Medien auch Tweets selber als wichtige News behandeln, solange sie von einem prominenten Twitterer abgesetzt worden sind.
Es scheint nun allerdings, dass die meisten Menschen doch nicht zur quasselnden Klasse gehören und Twitter unter anderem deshalb an seine Grenzen stösst. Zitat aus der NZZ:
“ Experten waren zuletzt durchaus davon ausgegangen, dass Twitter sich zu einer Branchengrösse wie Facebook entwickeln könnte. Das hatte den Börsenwert im Dezember bis auf 46 Mrd. $ getrieben, bei einem Umsatz von gerade einmal 665 Mio. $ im Jahr 2013. Ab Februar ging es für die Aktie steil bergab, sie hat seitdem knapp 50% ihres Wertes verloren. Alleine am Mittwoch verliert das Papier bis zu 12%. Im Mai läuft zudem bei vielen Aktionären eine Haltefrist aus. Dann könnten bis zu 489 Mio. Twitter-Aktien verkauft werden – rund 83% aller ausstehenden Papiere.“
Wir glauben nicht daran, dass Twitter sterben wird. Aber es wird an seine Grenzen stossen, genau deshalb, weil es in vielen Fällen nur als gigantische Echokammer genutzt wird. In der Zwischenzeit wird es interessant sein, die Kurse des Unternehmens an der Börse zu verfolgen.


Tuesday, December 3, 2013

Das Twitter-Dilemma: Wer ist echt, wer ist gefälscht?

Twitter ist ein beliebtes und inzwischen auch eines der grössten sozialen Netzwerke der Welt - ein perfektes Tool, um das digitale Ego aufzubauen und zu streicheln. Je mehr Follower, desto besser das Selbstgefühl, desto interessanter, beliebter und bekannter der Twitter-User und die Twitter-Userin. Doch diese Gleichung stimmt immer weniger. Auf Twitter gibt’s unzählige gefälschte Accounts, die genau das tun, was auch echte Anwender machen: Sie folgen, retweeten und versenden Nachrichten.

Der Twitter-Hauptsitz in San Francisco, Kalifornien.                      Bild Twitter
Man weiss es schon seit längerem: Wer will, kann sich seine Followers auf sozialen Medien kaufen. Da Berühmtheit heutzutage eng mit Beliebtheit zusammenhängt, und die digitalen Massen sowohl im Showbusiness als auch in der Politik leicht instrumentalisiert werden können, ist es nicht schwierig, Abnehmer für gefälschte Followers zu finden.  Laut Twitter sind es “nur“ fünf Prozent der 230 Millionen Accounts, die unecht sind. Italienische Forscher haben allerdings schon vor einigen Monaten behauptet, dass es rund 20 Millionen solcher Accounts geben soll, dass also  mindestens neun Prozent aller Twitter-Accounts gefälscht seien.
Nun hat auch das Wall Street Journal das Thema aufgegriffen. Unter anderem wird ein amerikanischer Geschäftsmann porträtiert, der im Fake-Account-Geschäft tätig ist. Zitat:
“Vidmar steht für die dunkle Seite von Twitter – für Fake-Accounts und rechnerbasierte Systeme. In seinem Haus steht ein Dutzend Computer herum. Der Blick aus dem Fenster fällt auf einen Golfplatz in der Nähe des bekannten Las Vegas Strip. Bereits seit sechs Jahren ist Vidmar im Geschäft. Der Kauf von gefälschten Accounts und die Verbreitung auf Twitter – davon lebt er. Mittlerweile beaufsichtigt Vidmar etwa 10‘000 automatisierte Accounts für um die 50 Kunden. Sie bezahlen ihn, und er verschafft ihnen zumindest oberflächlich mehr Beliebtheit und Einfluss.“
Genau darum geht es, um Beliebtheit und Einfluss. Und über wen geredet und  getweetet wird, gewinnt an beidem - so glauben wenigsten die Twitter-Apostel.
Für Twitter selber könnten sich die falschen Follower allerdings zu einem echten Problem auswachsen. Dazu nochmals das Wall Street Journal:
“Auch nach dem erfolgreichen Börsengang von Twitter hängen die Fake-Accounts wie eine dunkle Wolke über dem Unternehmen. „Viele Menschen werden über Twitter mit Nachrichten versorgt", sagt Sherry Turkle, Leiterin einer MIT-Initiative. „Sollte etwas, das dort gerade bestimmendes Thema ist, vorgetäuscht sein, müssen die Menschen darüber informiert werden. Das wird und muss sonst die Glaubwürdigkeit unterwandern."
Das Wachstum der falschen Accounts hängt unter anderem damit zusammen, dass es Twitter seinen Nutzern im Gegensatz zu Facebook nicht verbietet, mehr als ein Profil pro Person anzulegen. Darüber hinaus gibt es keine Echtnamen-Pflicht…“

Thursday, July 11, 2013

Schweizer Firmen tun sich schwer mit Facebook & Co.

Schweizer Unternehmen setzen bei Social Media und mobilen Angeboten vor allem auf Präsenz. Die weitergehenden Kommunikationsmöglichkeiten beider Technologien werden nicht voll genutzt. Dies ist ein Ergebnis der Studie, die von Capgemini Consulting im Frühling 2013 durchgeführt wurde. Ein weiteres Ergebnis, das eher überraschend erscheint, ist die Tatsache, dass sich Schweizer Firmen weniger intensiv mit Social Media beschäftigen als noch vor einem Jahr.

Weshalb sich die untersuchten Unternehmen weniger intensiv mit Facebook und Co. beschäftigen, als noch im letzten Jahr, ist der Capgemini-Studie nicht zu entnehmen. Das Verhalten entspricht allerdings einem nicht mehr ganz neuen Trend, der, zumindest bei Facebook, auch auf andere Nutzer zutrifft. Vielleicht ist auch nur der Reiz des Neuen verflogen, oder der Nutzen ist für viele Unternehmen nicht klar ersichtlich.
Gemäss der Studie, sind Schweizer Firmen durchschnittlich in drei Social-Media-Kanälen präsent, allerdings mangle es an einer erkennbaren Strategie, die über klassisches Marketing hinausgeht.  Es gehe heute um mehr, als nur Reichweite zu generieren, sagt Guido Kaman von Capgemini. Nicht genutzt werde vor allem das Potential in den Bereichen, Personal, Vertrieb, Innovation und Interaktion mit Kunden.
Twitter und Facebook bleiben in der vorliegenden Studie die bei Schweizer Unternehmen populärsten Kanäle, wie im Vorjahr. Etwa Dreiviertel der untersuchten Unternehmen sind dort präsent. Knapp dahinter folgt YouTube (70 Prozent), wohingegen bei XING, dem sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte, mit 51 Prozent nur gut die Hälfte der Unternehmen einen eigenen Auftritt hat. Eine genauere Untersuchung der Nutzungsintensität, mit Kriterien wie Qualität der Inhalte, Frequenz der Beiträge, Einbeziehung der Kunden sowie Marktpenetration, zeigt: Am intensivsten nutzen Unternehmen immer noch Facebook, gefolgt von Twitter, YouTube und XING. 
Ähnlich sieht die Situation bei mobilen Angeboten der Unternehmen aus. Durchschnittlich bieten sie Apps für zwei mobile Plattformen an. Dabei liegt iOS mit etwa 80 Prozent der Unternehmen vorne, gefolgt von Android mit 46 Prozent (obwohl es natürlich mehr Android als Apple-User gibt). Im Fokus stehen dabei Anwendungen, die den Kunden und User im Alltag nutzbringend unterstützen, hinzu kommen in einigen Branchen Apps für besseren Kundenservice und stärkere Interaktion. Es werden auch Technologien wie Augmented Reality eingesetzt, beispielsweise um Kunden zur nächsten Filiale zu leiten oder um Produkte in ihrem geplanten Einsatzgebiet einzublenden. In den Bereichen Recruiting und Open Innovation sind dagegen bisher kaum mobile Lösungen im Einsatz.

Die Studie zeigt auch, dass selbst die Unternehmen, die in ihrer Nutzung von Social Media und Mobile die höchsten Punktzahlen aufweisen, noch weit davon entfernt sind, das Potenzial von Social Media oder Mobile vollumfänglich auszunutzen. Guido Kamann: 
"Social Media und mobile Angebote sind zwei zentrale Treiber der digitalen Transformation. Hierbei geht es um den nachhaltigen Veränderungsprozess hin zu digitalen Geschäftsmodellen. In der Untersuchung wird deutlich, dass Schweizer Unternehmen bisher diese Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft haben.“ 

Monday, November 5, 2012

Wie einflussreich sind Sie?

Wer nicht vernetzt ist, ist niemand und das scheint die Karrierezukunft  im digitalen Zeitalter zu bestimmen. Gemeint sind natürlich nicht die “alten“ Netzwerke, wie Schule, Militär oder Sportverein, sondern Facebook, Twitter und Co.

Ist die Klout-Punktzahl bald wichtiger für Ihre Karriere, als Ihre Kontakte im
richtigen Leben?
Die beiden Artikel sind fast gleichzeitig erschienen, aber sie beschreiben zwei verschiedene Welten. Die Computerwoche veröffentlichte in der Karrieresektion einen Artikel über die Einstellung von IT-Fachkräften. Solche Spezialisten sind nach wie vor extrem gesucht; Firmen geben sich deshalb entsprechend Mühe, diese Mitarbeiter richtig zu behandeln – machen aber, so schreibt zumindest die Computerwoche, immer noch vieles falsch. Zitat:
“In den ersten Monaten sollten auch regelmäßige Treffen zwischen dem Neuen und seinem Vorgesetzten stattfinden, in denen sich beide darüber austauschen, welche Erfahrungen der Mitarbeiter bisher gesammelt hat und was er noch benötigt. Solche Gespräche finden in den meisten Betrieben nicht statt. Dabei wären sie für die Unternehmen fruchtbar, denn die Neuen sind noch nicht betriebsblind. Sie haben noch einen unverstellten Blick auf die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Also können sie viele Anregungen für Verbesserungen geben. Eines sollten sich Vorgesetzte vor Augen führen: Je begehrter ein IT-Spezialist ist, desto stärker wird er seine Probezeit auch als Probezeit für das Unternehmen betrachten. Verfestigt sich in dieser Zeit bei ihm das Gefühl "Ich habe mich falsch entschieden", ist er, da er noch nicht emotional an das Unternehmen gebunden ist, schnell zu einem erneuten Arbeitgeberwechsel bereit.“
Doch IT-Spezialisten sind die Ausnahme. Die Jobsuche ist für viele Menschen schwieriger geworden – heikel sein liegt oft gar nicht mehr drin. Die Handelszeitung hat nun kürzlich einen Artikel dem “Vorsprung der Vernetzten“ gewidmet. Kurz gesagt: Wer im Web 2.0 aktiv und vernetzt ist, hat (vorerst noch in den USA) die besseren Chancen, einen guten Job zu finden. Zitat:
Die sogenannteKlout-Punktzahl zeigt an, wie gross der Einfluss einer Person in der di­gitalen Welt ist. Wie viele Freunde hat sie auf Facebook? Wie viele Menschen lesen ihre Wortmeldungen auf Twitter? Wie oft ­äussert sie sich im Netz? Was steht über einen im Online-Lexikon ­Wikipedia? All diese ­Daten werden aufgrund des weit­gehend automatischen Messungsdienstes der Unternehmung Klout aus San Francisco gezählt und darauf mithilfe einer geheimen Formel in eine Zahl destilliert.
Null Punkte kassiert der total rückständige Offliner, bis zu 100 Zähler kann ein beliebter Meinungsführer im Netz erreichen […]Was nach einer harmlosen Ego-Spielerei der Netzgemeinde klingt, entwickelt sich jenseits des Atlantiks zu einem handfesten Einstellungskriterium. Müssen sich in Zukunft auch hierzulande Jobsuchende Sorgen machen, wenn sie nicht aktiv in den sozialen Netzwerken mitmischen?“
Der Autor des Artikels kommt zum beruhigenden Schluss, dass in der Schweiz noch nicht nach Facebook-Ranglisten eingestellt wird. Der richtige Umgang mit Social Media kann aber durchaus ein Einstellungskriterium sein.  Und digitale Opinion-Leader können durchaus auch ausserhalb ihres Arbeitsplatzes von ihren Aktivitäten profitieren. Nochmals die Handelszeitung:
“Mund-zu-Mund-Propaganda heisst die Zauberwaffe im Marketing. Nur kommt sie heute aus dem Netz und nicht mehr aus dem Café um die Ecke. Wie man sie einsetzt, zeigt zum Beispiel Cathay Pacific. Die Fluggesellschaft aus Hongkong lässt seit Neuestem nicht nur Vielflieger in ihre Lounge am Flughafen in San Francisco, sondern jeden, der einen Klout-Score von über 40 nachweisen kann. Das Kalkül: Die elektronische Elite soll in ihrem Online-Freundeskreis von den Annehmlichkeiten der Warteräume schwärmen – und damit Reklame für Cathay Pacific ­machen. Solche Werbeaktionen werden immer mehr Unternehmen in Zukunft starten. Genau hier kommt wieder die Personalauswahl ins Spiel. Um das Netzwerk-Marketing von morgen zu betreiben, braucht die Wirtschaft Mitarbeitende, die wissen, wie Networking im Internet funktioniert.“