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Sunday, April 29, 2018

Erinnern Sie sich an den Facebook-Datenskandal?

Da war doch was, vor einigen Tagen - oder ist es schon einige Wochen her? Falls Ihnen der Umgang mit den Nutzerdaten bei Facebook keine schlaflosen Nächte bereitet - weil Sie sich diesbezüglich nicht mehr so genau erinnern, sind Sie nicht allein. Wenn man die neusten Geschäftszahlen des Konzerns sieht, könnte man sogar annehmen, der  Facebook-Datenskandal habe gar nie stattgefunden.

In zwei Jahren von 1,7 Milliarden auf fast 5 Milliarden Nettogewinn - das
Facebook-Datengeschäft lohnt sich offensichtlich.                                                  
Es ist noch nicht lange her, dass die Schlagzeilen der Massenmedien tagelang von den Enthüllungen über das Geschäftsgebaren bei Facebook dominiert wurden. Aber in unserer schnelllebigen digitalen Gesellschaft lösen sich die skandalträchtigen Überschriften so schnell auf, wie sie erschienen sind. “Facebook informiert die Betroffenen - gehören Sie dazu?“ fragte der Spiegel noch vor drei Wochen ganz aufgeregt. Seither ist es ruhiger geworden - bis jetzt die neusten Facebook-Geschäftszahlen veröffentlicht worden sind. Und die sehen hervorragend aus, Skandal hin oder her, wie derAktionär.de berichtet:
Im ersten Quartal legten die Erlöse um 49 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar zu und lagen damit deutlich über den Erwartungen der Analysten von 11,40 Milliarden Dollar. Die stärksten Zuwächse konnte der Konzern in Europa erzielen – hier wuchsen die Umsätze um satte 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch auch im Heimatmarkt überzeugt Facebook mit einem Wachstum von 43 Prozent. Der wichtigste Wachstumsmarkt für Facebook liegt jedoch nicht mehr in den USA. Hier erreicht Facebook fast jeden möglichen Nutzer und erzielt mit jedem Einzelnen 23,59 Dollar im Quartal. In Europa liegt der Umsatz je Nutzer bei 8,12 Dollar – hier gilt es noch zahlreiche mögliche Nutzer für sich zu gewinnen. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer steigt auch im ersten Quartal weiter an. Mittlerweile sind es unglaubliche 2‘196 Millionen. Jedoch ist festzuhalten, dass die Geschwindigkeit des Nutzerwachstums abnimmt. Stieg die Anzahl vor einem Jahr noch um 17 Prozent – ist aktuell nur ein Anstieg von 13 Prozent festzustellen. Diesem Trend ist die positive Entwicklung der beiden Plattformen Instagram und WhatsApp entgegenzuhalten.“
Es sieht also so aus, als ob die Rufe nach einem Facebook-Boykott ungehört in der digitalen Wüste verhallt sind. Das hat unter anderem mit dem sogenannten Netzwerk-Effekt zu tun, wie die Zeit erklärt:
“Je mehr Nutzer in dem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto attraktiver wird die Teilnahme für andere, die sich auch selbst darstellen, untereinander austauschen und alte und neue Freunde finden wollen. Das heisst allgemeiner gesagt: Wer als erster Anbieter eine kritische Masse erreicht, der geniesst in einem solchen Markt einen nur schwer auslöschbaren Vorteil – einen Vorteil, der sogar immer noch wächst.“
Was nicht heisst, dass der Skandal gar keiner war. Vielleicht ist aber die grosse Mehrheit der Facebook-User gar nicht daran interessiert, was genau mit ihren Daten passiert. Und das wiederum könnte eine Veranlassung für die Behörden sein, strengere Regeln einzuführen. Ganz so unerheblich wird der Skandal für Facebook also wahrscheinlich nicht sein - auch wenn die grosse Mehrheit der Anwender sich dadurch auch in Zukunft nicht davon abhalten lassen wird, ihre persönlichen Daten und Lebensumstände mit möglichst vielen “Freunden“ auf Facebook zu teilen und die Facebook-Kassen weiter klingeln zu lassen.

Thursday, March 22, 2018

Facebook, Politik und Hysterie


Der Wirbel ist beträchtlich: Facebook hat vielleicht dazu beigetragen, dass Donald Trump in den USA im letzten Jahr die Wahlen gewonnen hat - dazu noch mit Daten, die wahrscheinlich (man ist sich noch nicht sicher) gar nicht hätten verwendet werden dürfen. Nun ruft die Konkurrenz dazu auf, Facebook in Zukunft ganz einfach zu meiden.

Facebook hat ein Problem - das Geschäftsmodell und der Datenschutz
vertragen sich nicht sehr gut.                         Source Flickr Creative Commons
Was ist eigentlich passiert? Sollten wir schockiert sein, dass Facebook unsere Daten dafür nutzt, sehr gezielt Werbung zu verkaufen?
Es war eine Quiz-App, die ein Professor der Universität Cambridge im Jahr 2014 auf Facebook anbot, die den Stein ins Rollen brachte. Die App wurde von 270‘000 Usern heruntergeladen, die sich im Kleingedruckten auch damit einverstanden erklärten, dem App-Anbieter neben den eigenen Daten auch jene ihrer Freunde anzubieten - ohne dass diese etwas davon wussten. Diese Daten machten dann ihren Weg - wahrscheinlich ohne das Wissen von Facebook - in den Amerikanischen Vorwahlkampf, wo sie scheinbar von der Trump-Kampagne genutzt wurden. Für den Wahlkampf selber wurden die Daten gemäß CBS-News allerdings nicht eingesetzt, da sie nicht gut genug gewesen seien. Facebook selber verteidigt sich, wird aber in den Medien fast durchgehend als Bösewicht dargestellt. Zitat aus der Zeit:
“Mittlerweile dürfte auch dem Letzten klar werden: Facebook schützt die Daten seiner Nutzerschaft nicht ausreichend, es überprüft externe Anbieter nicht sorgfältig und informiert die Öffentlichkeit unzureichend darüber, was eigentlich alles mit ihren Profilinformationen passiert. Medien, Politikerinnen und Politiker und selbst Investoren sind sich in dieser Kritik einig wie nie. […] "Nichts wurde gestohlen, niemand gehackt. Wir sind die Opfer! Wir wurden betrogen und belogen!" Das ist zusammengefasst die bisherige Verteidigungsstrategie des Konzerns. Die Nutzerinnen und Nutzer, erklärt Facebook, hätten damals, 2014, doch ihre Zustimmung zur Weitergabe ihrer Daten gegeben. Zumindest an den Wissenschaftler Aleksandr Kogan und seine Firma SCL, die über eine Psychotest-App Daten gesammelt und sie dann wohl an Cambridge Analytica weitergegeben haben. Zitat aus dem Facebook-Blog: "Menschen gaben wissentlich ihre Informationen weiter, es wurden keine Systeme infiltriert und keine Passwörter oder sensiblen Informationen gestohlen oder gehackt."
 Facebook hat ein Problem. Würde das Unternehmen tatsächlich echten Datenschutz betreiben, bliebe vom Facebook-Geschäftsmodell nicht viel übrig. Deshalb hält man sich im Hauptquartier in Menlo Park mit Versprechungen zurück. Wer bei Facebook mitmacht und dort persönliche Daten deponiert, darf nicht erwarten, dass diese Daten ungenutzt bleiben. Das sind sich die meisten Nutzer durchaus bewusst, auch wenn jetzt Medien und Politik das Gegenteil behaupten. Das zeigt auch eine Leser-Diskussion im Online-Forum der Zeit unter dem Titel: Like it or leave it? Der Eintrag von ‘Betrand‘ spricht für viele:
“Ich sehe ja an der Werbung wie nah FB und Google an meinen wirklichen Interessen und Käufen sind […]. Also ist vollkommen klar, welche individualisierten Ansprachen der Daten-Hort ermöglicht. Dass diese Möglichkeiten nicht nur zum Verkauf von Produkten genutzt werden, war mir klar.Rege mich also auch nicht so auf.“
Die gegenwärtige Hysterie hat viel mit Politik zu tun und wird durch das gegenwärtige politische Klima in den USA befeuert. Tatsächlich ist nämlich die Nutzung von Apps auf Facebook zum Abgreifen von User-Informationen für politische Zwecke nicht ganz neu. Im Jahr 2012 machte die Obama-Kampagne genau das gleiche, nur im grösseren Ausmass. Die App war allerdings nicht als Persönlichkeitsquiz ausgelegt, sondern von Anfang als politisches Tool ausgelegt. Auch hier wurden Daten von bis zu 190 Millionen Menschen von der Obama-Kampagne abgegriffen, die nichts davon ahnten - sie waren nur Facebook-Freunde jener Million User, die die App heruntergeladen hatten. Die Medien fanden das damals durchgehend ganz toll - und feierten die Tatsache, dass Social Media von Obamas Team auf derartig geniale Weise genutzt wurde.     
Die Zeiten haben sich geändert - und der Amtsinhaber im Weissen Haus ebenfalls. Das hat zum Stimmungsumschwung beigetragen.