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Friday, January 25, 2019

Fake-News-Warnung oder Propaganda?

Microsoft will im mobilen Edge-Browser eine App einbauen, die vor unseriösen News-Sites warnt. Momentan funktioniert sie erst im englischen Sprachraum. Allerdings scheinen nicht alle Nutzer die App dankbar anzunehmen; sie wird von vielen als linke Propaganda abgetan.

Fake News oder nicht?                                                                    Bild pixabay
Tatsächlich ist es im Internet-Zeitalter nicht immer leicht abzuschätzen, ob eine Newsquelle seriös ist oder nicht. Ein aktuelles Beispiel für Verirrungen in der Medienlandschaft ist 'Der Spiegel' mit dem Fall Relotius. Da wurden Hunderttausende von Lesern über Jahre hinweg angelogen - und dabei meistens in ihren Vorurteilen (zum Beispiel, was die dumben Amerikaner betrifft)  bestätigt. Die berühmten Faktenchecker des Spiegel liessen die Märchen allesamt als Reportagen durchgehen:
“Es sind Fakten, die nicht immer den Ton der Geschichte prägen, aufmerksame Faktenchecker aber zumindest hätten stutzig machen können. Der Spiegel bezeichnet sie vereinzelt in seinem Text als zum Teil “relativ einfach zu erkennen”. Das lässt vermuten, dass die Dokumentation bei den Texten des preisgekrönten Reporters einiges versäumt hat: Schließlich ist es gerade die Härte und Genauigkeit der Faktenchecker, die der Spiegel stets voranstellte. Selbst die Wetterdaten der Rechercheorte würden genau überprüft, hieß es immer wieder…“ (meedia.de)
Die Frage, die sich jetzt stellt ist: Würde die Fake-News-App von Microsoft auf dem Edge-Browser die Leser davor warnen, die Spiegel Reportagen für bare Münze zu nehmen? Sie die Faktenchecker von NewsGuard besser, als jene im Hause Spiegel? Vor gewissen Verlagen werden die Edge-User jedenfalls klar gewarnt:
“Die New York Times oder der Guardian haben erwartungsgemäß ein grünes Label erhalten. Die britische Boulevardzeitung The Daily Mail dagegen gilt in mehreren Fällen als unglaubwürdig, ebenso Websites mit Verschwörungstheorien wie Infowars oder nachweisliche Fake-News-Portale wie NewsPunch…“ (Die Zeit)
Wie funktioniert die Fake-News-Warnung? Ein grüner Haken bedeutet, dass die Website journalistischen Standards folgt und Haftung übernimmt. Ein rotes Ausrufezeichen bedeutet, dass in der Vergangenheit falsche Nachrichten verbreitet worden sind. Edge ist als Browser allerdings kaum verbreitet, die mobile Version wird nur von 0,07 Prozent aller Nutzer eingesetzt. NewsGuard funktioniert allerdings auch als Erweiterung für populäre Browser wie Google Chrome, Firefox oder Safari.
Auf der Firefox-Website, wo das Add-On heruntergeladen werden kann, sind denn auch viele Kritiken an der App gepostet worden. Viele Anwender bemängeln, dass die Warnungen von “linken Journalisten“ verfasst würden und deshalb nicht vertrauenswürdig seien. Ein (ziemlich triftiger) Anhaltspunkt, der von zahlreichen Kritikern genannt wird: Das umstrittene linke Newsportal BuzzFeed, das in der Vergangenheit mehrmals durch komplette Falschmeldungen aufgefallen ist, erhalte von NewsGuard ein O.K. - das beweise, dass es sich bei der App klar um linke Propaganda handle, schreiben verschiedene Nutzer.
Tatsächlich kommt es wohl (wie immer und überall im Leben) darauf an, wo man als User steht, wenn es um die Bewertung der Fake-News-Warn-App geht. Die liberale Zeit sieht das nämlich ganz anders: 
“Die Initiative von NewsGuard scheint zu wirken, wenn sich manche Menschen allein durch den Versuch, gegen Fake-News vorzugehen, angegriffen fühlen“, schreibt die Autorin in ihrer Schlussfolgerung zum Thema.
Manchmal könnte auch eine App, die vor logischen Fehlschlüssen warnt, nützlich sein!

Wednesday, December 13, 2017

Gefälschte News, gefälschte Restaurants - was ist eigentlich nicht gefälscht?

Eigentlich hat das Internet das Potential, den Zugang zu echten Informationen zu erleichtern. Leider funktioniert es für viele Anwender  nicht so - wie die Fake-News Diskussion zeigt. Aber im Net werden nicht nur News gefälscht: Wie sich jetzt herausstellt, war jenes Londoner Restaurant mit den besten Bewertungen auf Tripadvisor einfach nur eine Fälschung - es hat gar nie existiert.  

Das Logo gibt es immer noch - und auch die Facebook-Seite. Auf
Tripadvisor ist das Restaurant allerdings nicht mehr zu finden.   Bild FB
Tim-Berners Lee, der allgemein als Erfinder des Internets angesehen wird, hat keine Freude am heutigen Zustand der digitalen Informationsmaschinerie, wie er in einem Interview mit dem Guardian zum Besten gab:
“Wir sind so daran gewöhnt, manipuliert zu werden, dass man glaubt, so funktioniere das Internet eben“, sagt Berners-Lee. “Wir müssen darüber nachdenken, wie es sein sollte."
Das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben - dem Erfinder des Internets ist seine Idee längst entglitten. Neben regulären Nutzern wird der digitale Raum von so vielen  Irren, Betrügern, Perversen und Idioten bevölkert, dass man sich fast in der richtigen Welt wähnt. Genau das scheint das Problem zu sein: Die digitale Welt verstärkt sowohl negative als auch positive Eigenschaften  und macht es möglich, mit wenig Aufwand enorm viele Menschen zu erreichen. Dieses Publikum hat aber allen Grund, immer Misstrauischer zu werden - wie auch die Geschichte vom gefälschten Londoner Restaurant beweist. In diesem Fall geht es nicht um gefälschte News, sondern um gefälschte Bewertungen. Ein Londoner Journalist schaffte es, mit gefälschten Kritiken sein Gartenhäuschen auf dem Bewertungsportal Tripadvisor zum besten Londoner Restaurant zu machen:
“Für seine Verifizierung bei Tripadvisor brauchte Butler sich nur eine Website einzurichten, eine Telefonnummer angeben und darauf zu achten, dass er keine ganz konkrete Adresse verwendete. Eröffnung des Restaurants „The shed at Dulwich“ war im April, im Mai dann schon wurde Butler bei Tripadvisor aufgenommen, auf Platz 18'149. Doch seine Freunde halfen mit Fakebewertungen mit und bis Ende August war bereits Platz 156 erreicht. Alle Foodfotos waren gefälscht, so nahm er beispielsweise eine angemalten Schwamm, den er online als Nachtisch verkaufte oder ein Spiegelei, welches er auf seinem nackten Fuß präsentierte. Als daraufhin zahlreiche Reservierungsanfragen eingingen, welche Butler natürlich ablehnen musste, ging alles wie von selbst. Durch das Absagen aller Anfragen und die guten Kritiken auf Tripadvisor bekam die Gartenlaube ein derart exklusives Flair, dass auch die Zahl der Suchanfragen auf Google in die Höhe schoss. Schon im November war es dann so weit. „The shed at Dulwich“ war das am besten bewertete Londoner Restaurant…“
Oobah Butler, der Londoner Journalist, der den Beschiss aufzog, weiss auch warum die Sache so gut funktionierte (und die Begründung des Fälschers tönt ganz ähnlich, wie die Klage des Internetgründers Berners-Lee):
“Wir leben doch in Zeiten der allgegenwärtigen Fehlinformation. Die Menschen sind gewillt, völligen Bullshit zu glauben.“
Wo er recht hat, hat er recht. Und wir werden bei unserer nächsten Reise etwas genauer hinschauen, bevor wir buchen. Bei den Artikeln in den Newsmedien machen wir das schon länger so.

Monday, December 19, 2016

Social Bots: Die virtuelle Multiplikation der Propaganda

Fake News hat es in der Geschichte der Medien schon immer gegeben – in Form von voreingenommener Berichterstattung, aber auch in Form von kompletten Falschmeldungen (man erinnert sich an die Stern-Berichterstattung über die gefälschten Hitlertagebücher im Jahr 1983). Früher gab es allerdings keine digitalen Medien, die Falschmeldungen auf tausenden von Kanälen verbreiteten – die traditionellen Medien beherrschten das Feld sowohl der echten als auch der falschen News. Diese Situation hat sich grundlegend verändert – unter anderem auch, weil immer mehr computergenerierte Meldungen auf sozialen Medien publiziert werden.

 Donald Trump nutzt Twitter als Tool und twittert schon fast soviel, wie
 ein Social Bot... 
Social Bots sind computergesteuerte Urheber von Nachrichten, und wenn man den traditionellen Medien glauben darf, gibt es von diesen automatisierten Online-Profilen inzwischen so viele, dass sie unsere Demokratie gefährden. Zitat aus dem Spiegel:
Aktuellen Studien zufolge ließen sich 95 Prozent der befragten Wähler zwar durch soziale Medien nicht in ihren Entscheidungen beeinflussen. "Fünf Prozent können aber das Zünglein an der Waage sein und Wahlen entscheiden", sagt der Simon Hegelich. Der Wissenschaftler rechnet damit, dass der Bot-Boom aus den USA nach Europa herüberschwappt. "Schon heute schalten sich Bots aktiv in Diskussionen um praktisch jedes innenpolitische Thema ein", sagt Hegelich, der selbst auch Bots und ganze Netze enttarnt…“
Inzwischen gibt es bereits Gruppen von Medienschaffenden und Wissenschaftlern, die das Bot-Phänomen erforschen. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, virtuelle User überhaupt zu erkennen. Eine deutsche Gruppe von Forschern, die sich Botswatch nennt, hält sich momentan immer noch an  die Erkenntnisse der University of Oxford, nach denen jeder Account als Bot definiert wird, der durchschnittlich 50 oder mehr Tweets am Tag absetzt oder im gleichen Umfang Likes abgibt. Wer also auf Facebook zu aktiv ist, läuft Gefahr, als Bot eingestuft zu werden. Das soll sich aber schon bald ändern:
“Botswatch arbeitet eigenen Angaben zufolge an genaueren Methoden zur Identifizierung. „Social Bots zu erkennen ist komplex. Sie sind täglich im Wandel“, sagt [Gründerin Tabea] Wilke. „Wir haben uns genau angeschaut, wie sich Social Bots und Botnets im politischen Raum verhalten und welche Eigenschaften sie haben. Daraus haben wir Kriterien definiert und sie in mehreren Testings geprüft und weiterentwickelt.“ Zum Einsatz kommen diese Kriterien bislang nicht. Der Rechenaufwand für ihre Umsetzung ist enorm und sprengt aktuell noch die Kapazitäten des Projekts.“
Auch Kommunikationsfachleute haben ihre liebe Mühe mit Social Bots. So äusserte sich kürzlich der Deutsche Rat für Public Relations zum Thema und erklärte den Einsatz von meinungsmanipulierenden Social Bots für "unvereinbar mit den Grundsätzen verantwortungsbewusster Öffentlichkeitsarbeit":
“Der Einsatz von Social Bots unterläuft das Prinzip, dass hinter jeder öffentlich vorgetragenen Meinung ein Mensch stehen muss", erklärt Professor Günter Bentele, Vorsitzender des Deutschen Rats für Public Relations. "Social Bots, oder Meinungsbots verschleiern auch ihre tatsächlichen Absender. Beides sind Manipulationsversuche und massive Verstöße gegen grundsätzliche Prinzipien der Öffentlichkeitsarbeit", so Bentele.“
Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, die virtuellen Meinungsschleudern zu überschätzen. Zitat aus den Stuttgarter Nachrichten:
Lorena Jaume-Palasí schätzt die Gefahr, dass Social Bots die öffentliche Meinung manipulieren, noch nicht so groß ein. „Das könnten sie nur, wenn der gesamte menschliche Interaktionskontext ausschließlich digital wäre“, sagt die Politikphilosophin der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. „Wir leben in einer digitalen Zeit, aber Social Media hat noch nicht alle anderen Kontexte erreicht.“ Menschen gingen zur Arbeit oder in die U-Bahn, wo sie auf andere Menschen und andere Meinungen treffen. Der sogenannte magnifizierende Effekt des Internets, dessen Gefahren Kommunikationswissenschaftler immer wieder betonen, sei nicht quantifizierbar. Sie will Social Bots auch nicht ganz verteufeln. „Wir versuchen seit je, andere Menschen von unseren Meinungen zu überzeugen“, sagt sie, „wir können nicht Neutralität verlangen und auch nicht, dass Bots abgeschafft werden.“
Der angesprochene “magnifizierende Effekt“ wird aber auch von den traditionellen Medien gerne benutzt - wenn es ihnen denn passt. Deshalb werden Artikel allzu oft mit unzähligen, meist anonymen Twitter-Kommentaren garniert - wenn diese Kommentare zur Tendenz des Artikels passen. Wenn traditionelle Medien und Social Media auf diese Weise in der Echokammer verschmelzen, ist es mit der Sorge über Social Bots dann plötzlich nicht mehr weit her.