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Monday, July 25, 2022

Auch in Deutschland: Huawei hat ein «China-Problem»

Der Chinesische Telekommunikations-Gigant Huawei kommt in Deutschland wieder unter Druck: Laut Medienberichten will die Bundesregierung den Netzbetreibern verbieten, für den 5G-Netzausbau «kritische Komponenten» chinesischer Hersteller zu verwenden.

Die Amerikaner unter Trump waren die ersten, die Huawei vom Ausbau der 5G-Netzwerke ausschlossen. Der Grund: Man befürchtete, der chinesischen Regierung und der kommunistischen Partei Chinas den Zugang zu Informationen zu leicht zu machen, wenn Huawei das Telefonnetz baut. Andere Länder folgten, zum Beispiel Kanada, aber auch Australien und Neuseeland. In der Schweiz wird zumindest über das Huawei-China-Risiko diskutiert, Massnahmen erachtet die Regierung aber vorläufig als unnötig. Nun sieht es so aus, als ob sich in Deutschland diesbezüglich etwas tut:

«Die Bundesregierung könnte deutsche Telekommunikationsanbieter schon bald dazu zwingen, chinesische Komponenten aus ihren Mobilfunknetzen zu entfernen. Das Innenministerium behält sich das Recht vor, die Netzbetreiber anzuweisen, kritische Bauteile von „nicht vertrauenswürdigen“ Herstellern auszubauen – selbst dann, wenn diese schon in Betrieb sind. Die Verwendung bereits verbauter Komponenten könne untersagt werden, „wenn der weitere Einsatz die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland voraussichtlich beeinträchtigt, insbesondere, wenn der Hersteller der kritischen Komponente nicht vertrauenswürdig ist“, bestätigte das Ministerium dem Handelsblatt. Eine solche „Ex-post-Untersagung“ könne „auch den Ausbau der jeweiligen Komponenten umfassen.» (Handelsblatt.com)

Da Huawei im Mobilfunknetzt von Deutschland bereits eine wichtige Rolle spielt, käme eine Huawei-Sperre wohl teuer. Ericsson und Nokia sind die einzigen Ausrüster, die das chinesische Unternehmen ersetzten könnten. Die Telekom verweist gemäss Spiegel darauf, dass sie 5G-Komponenten nur auf den bereits verbauten 4G-Komponenten des gleichen Herstellers aufsetzen könne. Deswegen setze man auf die «Bestandslieferanten» Huawei und Ericsson.

Das Handelsblatt weiss auch, wieso das Thema Huawei in Deutschland plötzlich wieder aktuell ist:

«Die Entscheidung, ob kritische Komponenten von Huawei und ZTE nicht vertrauenswürdig sind, ist zwar offiziell noch nicht gefallen. Doch unter dem Eindruck der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Versuche des Kremls, Deutschland mit einer Drosselung der Gaslieferungen zu erpressen, bewertet die Bundesregierung die Risiken wirtschaftlicher Verflechtungen mit Diktaturen neu.»

 


Tuesday, March 24, 2020

5G: die Sorgen von gestern...

Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass vor dem Virus, der neue Mobilfunkstandard G5 eines der wichtigen Themen war, das die Gesundheitsbewussten beschäftigte.  Dazu gibt es jetzt sogar eine Umfrage die zeigt, dass es bezüglich 5G in der Schweiz einen (allerdings nicht sehr tiefen) Röstigraben gibt.

Vor der Krise war 5G für Viele ein wichtiges Thema. Die Mehrheit der Männer
waren dafür, die Mehrheit der Frauen dagegen.                           Bild obs/bonus.ch      
5G spaltet die Schweizer Bevölkerung, aber eine Mehrheit ist gegen die Installation dieser neuen Antennen. So geben 44.2 Prozent der Befragten an, dass sie dagegen sind. Nur 34.8 Prozent sind dafür, während 21 Prozent keine Meinung haben. Wenn man sich nur auf diejenigen konzentriert, die sich bei diesem Thema entschieden haben, gewinnen die Gegner klar, mit 56 Prozent der Stimmen. Fast 60 Prozent der befragten Personen erklären ihre Ablehnung von 5G mit Gesundheitsrisiken. Die Auswirkungen auf die Umwelt ist der zweite Grund, der von den Gegnern genannt wird, während Cybersicherheits- und Datenschutzrisiken 6.8 Prozent der Stimmen ausmachen. Die Befürworter der 5G heben zu 61.5 Prozent den technologischen Fortschritt (miteinander vernetzte Gegenstände, Automatisierung) hervor.
Männer und Frauen sind nicht auf der gleichen Wellenlänge, wenn es um 5G geht. Etwas mehr als 20 Prozent Frauen sagen, dass sie unbedingt dafür oder eher dafür sind, während mehr als 45 Prozent der Männer dafür sind. Wenn man die Befragten, die keine Meinung haben ausnimmt, sind die Zahlen noch extremer. Fast 75 Prozent der Frauen sind gegen 5G, während 56.1 Prozent der Männer dafür sind.
Die Westschweizer sind bei weitem am zurückhaltendsten bei der Installation von 5G-Antennen in der Schweiz. 47 Prozent Prozent unter ihnen äusserte sich ablehnend, verglichen mit nur 30.2 Prozent, die dafür sind. Auf der anderen Seite des Röstigrabens kehrt sich der Trend um: 49.3 Prozent der Deutschschweizer sind dafür, 37.1 Prozent dagegen. In der italienischen Schweiz sind die Meinungen mit 37.7 Prozent für und 36 Prozent gegen geteilt.
Junge Menschen stehen 5G bei weitem am positivsten gegenüber. Sie stellen sogar die einzige Altersgruppe in der Umfrage dar, die klar dafür ist. Den 47.9 Prozent, die sich dafür aussprechen, stehen 39.6 Prozent, die dagegen sind, gegenüber. Die Mehrheit der anderen Altersgruppen ist absolut dagegen oder eher dagegen, wobei die Umfragewerte zwischen 40.1 Prozent und 46.7 Prozent liegen. Ohne die Befragten, die keine Meinung haben, steigt der Anteil der Jugendlichen, die sich für 5G in der Schweiz aussprechen, auf 54.8 Prozent. Am zurückhaltendsten sind die 50- bis 59-Jährigen mit 59.2 Prozent dagegen.
Themen wie 5G werden, wenn die Corona-Krise einmal vorbei ist, wieder in den Vordergrund rücken. Ob die Sorgen darüber dann allerdings immer noch das gleiche Gewicht haben werden, ist eher fraglich.


Wednesday, March 6, 2019

Was G5, Huawei und kanadischer Raps gemeinsam haben

G5 ist das nächste grosse Ding. Die Fachmedien sind von den ersten Anwendungen begeistert - die Computerwoche spricht gar von einem Datenrausch. Allerdings wird die Geschwindigkeit im Moment ziemlich gebremst - durch politische Macht- und Ränkespiele, in die sogar kanadische Rapsbauern ohne eigenes Verschulden hereingezogen werden.

Die Welt macht nur zu gern Geschäfte mit China: Bevölkerungsreichtum und Wirtschaftswachstum sorgen für ein unglaubliches Profitpotential. Aber Amnesty International und andere Organisationen publizieren regelmäßig Berichte zur Missachtung der Menschenrechte in China. Das ist ernüchternder Lesestoff: China hat nicht den Ruf eines Landes, in dem man sich auf den Rechtsstaat verlassen kann.
Das erfahren jetzt die Kanadier.
Angefangen hatte alles mit Huawei und einem plötzlich erkannten Spionagerisiko: Wenn der Chinesische Konzern mit seiner führenden 5G-Technologie zu stark in westliche Mobilfunknetze integriert werde, bestehe die Gefahr, dass die chinesische Regierung mithöre:
“In der Debatte um die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller gerät Huawei international immer stärker unter Druck. Die USA versuchen, heimische Firmen am Kauf von Huawei-Ausstattung zu hindern. Australien und Neuseeland haben den Technologieriesen bereits vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. Andere Länder könnten dem Beispiel folgen – auch in Europa […]Die USA werfen dem Konzern Industriespionage und Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vor. Ende Januar hat das US-Justizministerium offiziell Anklage gegen den chinesischen Konzern erhoben…“ (t-online.de)
Das Rapsgeschäft mit China ist in Kanada Milliarden Wert. Nun wird das
Geschäft plötzlich mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G und Huawai in
Verbindung gebracht.                                                                    Bild Pixabay 
Diese Anklage der USA führte unter anderem zu einem Haftbefehl gegen Meng Wanzhou, Tochter des Huawei-Gründers und Finanzchefin des Konzerns. Diesem internationalen Haftbefehl kam Kanada nach und verhaftete die Gesuchte im Dezember in Vancouver. Nur Tage später verhaftete China zwei Kanadier und verurteilte einen dritten, bereits verurteilten Kanadier in einem plötzlichen Wiederaufnahmeverfahren zum Tode und hob damit eine zuvor verhängte 15-jährige Haftstrafe auf. Diese Massnahmen, deren Tragweite wohl nur die Betroffenen voll spüren, werden in diplomatischen Kreisen allgemein als chinesische Vergeltungsmassnahmen angesehen - genau wie beim kanadischen Raps. In einer Massnahme, die in Europa kaum vermeldet wurde, hat China am Wochenende die Einfuhr von kanadischem Raps blockiert. Einer der größten Getreideverarbeiter Kanadas erklärte am Dienstag, dass China seine Genehmigung zum Export von Raps widerrufen habe. Bei kanadischen Rapsexporten nach China geht es um Milliarden von Dollars. Der Verlust der Frachtgenehmigung kam, nachdem Kanada eine  Auslieferungsanhörung für Huawei CFO Meng Wanzhou durchgeführt hatte.
Wie sich diese Machtspiele auf  die weltweite G5-Entwicklung auswirken werden, ist unklar. Die Computerwoche spekuliert, dass der Druck auf China und Huawei die Einführung verlangsamen könnte:
“Mit oder ohne Huawei-Bauteile - die aktuellen Querelen werden kaum etwas daran ändern, dass 5G als neuer Standard in den nächsten Jahren eingeführt wird und LTE/4G Stück für Stück ablöst. Die Zahlen dahinter sind beeindruckend. 5G soll eine hundertmal höhere Datenrate als LTE bieten. Hinzu kommen eine Kapazitätssteigerung des Netzes um Faktor 1000, zudem die Möglichkeit, mehr als 100 Milliarden Sender weltweit gleichzeitig anzusprechen, dann eine drastische Verringerung des Stromverbrauchs um bis zu 90 Prozent und schließlich bei Bedarf extrem schnelle Reaktionszeiten…“
Huaweis Finanzchefin wurde übrigens schon wenige Tage nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen und darf nun ihre Zeit in einer Villa in Vancouver verbringen, so lange das Auslieferungsverfahren läuft. Die drei kanadischen Verhafteten hingegen stecken in chinesischen Gefängnisszellen. Immerhin haben sich inzwischen eine ganze Reihe von Ländern und Persönlichkeiten für die Verhafteten eingesetzt und China aufgefordert, sie freizulassen.