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Thursday, August 29, 2019

Big Brother überwacht Sie - an der Türklingel

Wir werden nicht gerne überwacht - vor allem wenn wir nicht wissen, dass uns jemand beobachtet und abhört. Was wir gemeinhin Privatsphäre nennen, bedeutet uns viel, ist aber im digitalen Zeitalter immer schwieriger zu bewahren, weil die Überwachungsinstrumente immer leistungsfähiger, billiger und zahlreicher werden.

Eine Überwachungsanlage in der Türklingel: die digitale Technik machts
möglich.                                                                               Amazon Screengrab
Überwachung ist nicht nur schlecht: Wir freuen uns, wenn Kriminelle aufgrund von Überwachungsvideos dingfest gemacht werden, und wir haben Verständnis dafür, dass Einkaufsläden ihre Waren mit Kameraüberwachung vor Ladendieben schützen. Bei uns im Westen sind wir noch sehr weit vom totalen Überwachungsstaat entfern, den George Orwell in seinem ewigen Bestseller “1984“ gezeichnet hatte, obwohl ein solcher Staat dank digitaler Technologie inzwischen möglich geworden ist - wie China beweist:
“Die chinesischen Hightech-Überwachungstechnologien und -Systeme verwenden fortgeschrittene Künstliche Intelligenz (KI), um die riesigen Datenmengen, die per Gesichtserkennung, DNA-Proben, Biometrik, GPS, allgegenwärtige, hochauflösende Überwachungskameras, intrusive Apps auf Mobiltelefonen, Computersoftware, Smart-TVs und Drohnen gesammelt werden, zu verarbeiten und zu analysieren […]Die Los Angeles Times berichtet, dass China 176 Millionen öffentliche und private Überwachungskameras installiert hat – für 1,4 Milliarden Einwohner. Darunter auch Kameras an jedem Wohnblock in der Hauptstadt Peking. Allerdings plant China landesweit die Installation von 626 Millionen Kameras bis 2020.“
Videoüberwachung muss aber nicht immer staatlich sein - sie kann privat kommen, sich auf leisen Sohlen bei durchaus gesetztestreuen Bürgern verbreiten und plötzlich zu einem System werden. Wie das jetzt scheinbar in den USA mit Video-Türklingeln der Marke “Ring“ passiert. Video-Türklingeln funktionieren mit WLAN und überwachen nicht nur die Haustür, sondern, per Weitwinkel, auch den Vorhof oder sogar die davor verlaufende Strasse. Sie schalten auf Aufnahme, wenn jemand klingelt oder in den Bereich der Bewegungssensoren gerät und melden sich beim Smartphone des Besitzers. Das ist sehr praktisch, wie bei Amazon nachzulesen ist, wo die Geräte verkauft werden:
  • Die Klingel ermöglicht es Ihnen, Besucher von Ihrem Telefon, Tablet und PC aus zu sehen, zu hören und mit ihnen zu sprechen.
  • Sendet Warnmeldungen, sobald eine Bewegung erkannt wird oder wenn Besucher die Türklingel drücken.
  • Überwacht Ihr Zuhause in 1080HD-Video mit Infrarot-Nachtsicht.
  • Ermöglicht es Ihnen, jederzeit ihr Grundstück zu kontrollieren, mit Live-Video auf Verlangen.
Genau diese Überwachungsfunktionen nutzen nun in den USA auch hunderte von Polizeidienststellen, die dafür immerhin die Erlaubnis der Eigentümer einholen - in Zusammenarbeit mit dem Hersteller der Video-Türklingel. Dieses Überwachungsnetz, das gemäß SFGate jetzt schon im ganzen Land funktioniert und aus Millionen von Kameras besteht, hat die Datenschützer aufgeschreckt, wie verschiedene Medien berichten:
“Rechtsexperten und Datenschutzbeauftragte haben Alarm über die zunehmend enge Beziehung des Unternehmens zur Polizei geäußert und gesagt, dass das Programm die bürgerlichen Freiheiten bedrohe, die Bewohner in Informanten verwandle und unschuldige Menschen erfasse... [...]
"Wenn die Polizei von jedem Bürger verlangen würde, dass er eine Kamera an seiner Tür befestige und der Polizei Zugang zu ihr gewähre, würden wir alle erschrecken", sagte Andrew Guthrie Ferguson, Rechtsprofessor und Autor von "The Rise of Big Data Policing". Indem Ring "ein vermeintliches Bedürfnis nach mehr Selbstüberwachung und die Angst der Verbraucher vor Kriminalität und Sicherheit" nutze, habe das Unternehmen "einen cleveren Workaround für die Entwicklung eines völlig neuen Überwachungsnetzes gefunden, ohne die Aufsicht, die stattfinden würde, wenn ein solches Netz von der Polizei oder Regierung kommen würde."


Wednesday, April 8, 2015

Was Google, Ihr Smartphone und Ihr Auto über Sie wissen

Es tut gut, immer wieder daran erinnert zu werden, dass  wir auf den digitalen Landkarten der Internetgesellschaft fast jederzeit aufzufinden sind – nicht nur symbolisch, sondern auch in Echtzeit.  Drei verschiedene Geschichten, die in den letzten Tagen zu diesem Thema publiziert wurden, sind uns aufgefallen. Das Fazit: Unsere Technikabhängigkeit hat uns dermassen überwachbar gemacht, dass sogar George Orwell staunen würde.

Überwachung im Auto: GM bietet im neuen Malibu ein
Überwachungssystem an, falls Sie den Wagen ausleihen - zum
Beispiel an Ihren Nachwuchs.                      Bild General Motors   
Wie er mit seinem dystopischen Roman “1984“ bewies, hatte George Orwell keine Illusionen, was die Kapazität der Menschheit für gegenseitige Kontrolle betraf. Überrascht hätten ihn aber wohl die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten und die erstaunliche Leichtigkeit, mit der die Bürger der digitalen Gesellschaft sich an ihrer eigenen Überwachung beteiligen. Das beste Beispiel dafür ist wohl Google. Als digitales Tool längst total unabdingbar geworden, eignet es sich hervorragen dazu, vom jeweiligen Anwender ein erstaunlich exaktes Profil zu erstellen, das Lebensstil, Geschmack oder Konsumgewohnheiten definiert. Dieses Profil wiederum kann dann dazu verwendet werden, diesen User digital mit jenen Produkten zu versorgen, die zu ihm passen. Immerhin haben wir die Möglichkeit, diese Informationen bei Google einzusehen – das digitale Zeitalter ist ja nicht umsonst auch das Zeitalter der Datenschutzgesetze. Hier sind also vier Links zur Datensammlung, die Google über Sie hat. Sie wurden von medium.com zusammengetragen.
Was Google über Sie denkt: Ihre Werbeeinstellungen verraten es.
Finden Sie heraus, wo Sie mal waren: Falls Sie Android-Nutzer sind, sendet Ihr mobiles Gerät wahrscheinlich Ihre Aufenthaltsorte an Google.
Google speichert jede Google-Suche – auch Ihre. Ausserdem weiss das Unternehmen auch, welche Google-Anzeigen Sie angeklickt haben.
Google weiss auch, welche Videos Sie im Internet gesucht haben – zumindest auf Youtube.
Diese Liste ist übrigens nicht vollständig; stern.de hat noch mehr Google-Links, die Sie persönlich betreffen.
Google ist natürlich nicht das einzige Unternehmen, das mehr über Sie weiss, als Sie selbst.
Auch Ihr iPhone ist an persönlichen Daten interessiert. Zitat aus einem Bericht der Handelszeitung:
“In den Tiefen des iPhones verborgen speichert das iPhone mehr Daten, als viele Nutzer ahnen: Der Ortungsdienst merkt sich fortlaufend den Standort des Smartphones und identifiziert «Häufige Orte» des Besitzers, sobald sich Verhaltensmuster ergeben.
Vorausgesetzt, der Ortungsdienst bleibt eingeschaltet, markiert das iPhone etwa treffsicher den Ort als Zuhause, an dem der Besitzer häufig übernachtet. Das geschieht ganz ohne dessen Zutun – auch mit anderen oft besuchten Orten, wie etwa dem Arbeitsplatz oder dem Lieblingsrestaurant…“
Da wir schon dabei sind – auch Ihr Auto ist nicht mehr ganz so harmlos, wie es früher einmal war. Viele moderne Autos sind heute mit  sogenannten Blackboxes ausgerüstet, die nach einem Unfall von Spezialisten (dem Autohersteller, der Polizei oder der Versicherung) ausgewertet werden kann. General Motors geht noch weiter. Das neue Chevrolet Malibu Modell ist mit einem
Driver-Tracking-System ausgerüstet, das sämtliche Fahrdaten speichert und auf Wunsch als Report wiedergibt.  General Motors baut das System ein, damit Eltern die Fahrgewohnheiten Ihres Nachwuchses überprüfen können. Es ist anzunehmen, dass es nicht lange dauert, bis andere Einsatzzwecke dafür gefunden werden.

 

Sunday, June 9, 2013

Wir leben im Jahr 2013 - nicht 1984

George Orwell hat in seinem Roman „1984“ eine düstere Zukunft gemalt; jene des totalen Überwachungsstaates. Wir leben heute mit Sicherheit nicht in jener dystopischen Welt, die Orwell 1949 beschrieben hat. In diesem Sinne ist 1984 nicht 2013. Aber die Überwachung in der digitalen Gesellschaft hat Ausmasse angenommen, über die wahrscheinlich auch Orwell gestaunt hätte.

2013 ist nicht "1984" - eine der düstersten
literarischen Welten überhaupt. Aber die
Überwachungskapazitäten in der digitalen
Gesellschaft haben ein Ausmass angenommen,
über das wohl auch George Orwell gestaunt hätte.
Inzwischen haben Sie es auch schon mitbekommen: Dank eines „Whistleblowers“ wissen wir, dass die Amerikanische NSA (National Security Agency) in gewaltigem Umfang Daten sammelt: Es geht um Telefon- und Handygespräche, aber auch um Einträge auf Facebook, Twitter und YouTube, sowie um Internet-Kommunikationen wie E-Mails. Rund 80 Milliarden Dollar gebe die Obama-Administration jährlich aus, um diese Daten elektronisch zu sichten – alles zum Zwecke der Terrorbekämpfung. Zitat aus der NZZ:
“Die National Security Agency (NSA), die speziell zur Überwachung der elektronischen Kommunikation geschaffen wurde und heute zu einem der grössten Geheimdienste der Welt gewachsen ist, hat auch Zugang zu allen grösseren Internetdiensten und kann dort E-Mails, Nachrichten, Bilder, Kundenverhalten und Chats auswerten. Die «Washington Post» und der «Guardian» berichteten praktisch gleichzeitig und auf der Basis der gleichen Powerpoint-Präsentation über ein bisher geheimes Programm namens «Prism» (Prisma), mit dessen Hilfe die NSA direkt auf die Server von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Youtube, Skype, Apple und anderen zugreifen könne…“
Das war vor einigen Tagen. Heute nun hat sich die Quelle dieser Angaben zu erkennen gegeben. Es handelt sich um Edward Snowden, einen jungen Techniker, der für die NSA tätig war, und sein Wissen über diese Aktionen nicht mehr für sich behalten wollte:
«Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht», sagte Snowden dem «Guardian». «Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles was ich mache und sage aufgenommen wird.» Er beschrieb eine noch grössere Dimension der Datensammlung als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: «Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen.» Damit werde der Grossteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. «Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarteninformationen bekommen...»
Das sind ja tolle Aussichten!
Die gute Nachricht in diesem Szenario ist die Tatsache, dass die grossangelegten Abhöraktionen gemäss US-Regierung bereits einen Terroranschlag in der New-Yorker-U-Bahn verhindert haben.
Die schlechte Nachricht ist die Tatsache, dass es wohl nie mehr gelingen wird, den digitalen Geist in seine Flasche zurückzuschicken – das heisst, den digitalen Überwachungsstaat zurückzubinden. Die fast totale digitale Überwachung ist technisch möglich geworden – also wird es sie auch geben. Vielleicht nicht hier und heute, aber sicher dort - und wenn nicht heute, sicher morgen. Da werden auch Proteste, Gesetze und Gerichtsurteile nichts dagegen ausrichten können.