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Wednesday, October 7, 2020

Je digitaler die Arbeit, desto unzufriedener die Beschäftigten

Wenn die eigene Arbeit zu stark digitalisiert ist, nimmt die Zufriedenheit der Arbeitnehmer ab. Das ist eines der Resultate des diesjährigen diesjährige Schweizer HR-​Barometer der ETH Zürich. Weitere Erkenntnisse: Die Überwachung am Arbeitsplatz nimmt zu, was die Angestellten natürlich nicht schätzen. Das zeigt sich wiederum in der Verbundenheit mit dem Unternehmen. 

Digitalisierung ist die Zukunft - doch was macht das mit unseren Arbeits-
plätzen?                                                                                         needpix.com

Aus Sicht der Befragten sind die Arbeitgeber in der Schweiz relativ offen gegenüber neuen Technologien. So geben über 74 Prozent der Beschäftigten an, dass ihr Arbeitgeber gewillt ist, digitale Lösungen zu nutzen. Bei den Beschäftigten zeigt sich aber: Je höher der Digitalisierungsgrad des Unternehmens, desto geringer ist die Arbeitszufriedenheit.

In einer digitalisierten Arbeitswelt spielt die Eigenverantwortung der Beschäftigten eine zunehmend wichtige Rolle. Einerseits geben 66 Prozent der Befragten an, dass sie durch ihre Vorgesetzten «voll und ganz» oder zumindest «eher» ermächtigt werden, Entscheidungen selbstständig zu treffen. Andererseits berichten die Befragten auch von elektronischer Überwachung durch Arbeitgeber: Bei 46 Prozent blockiert der Arbeitgeber beispielsweise den Zugriff auf bestimmte Internetseiten, 22 Prozent werden beim Besuchen von Internetseiten überwacht. 20 Prozent der Befragten berichten, dass sie sich entsprechend durch den Arbeitgeber in ihrer Privatsphäre eingeschränkt fühlen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Beschäftigte mit ihrem Unternehmen weniger stark verbunden fühlen, wenn elektronische Überwachung zu oft eingesetzt wird.

Ältere Beschäftigte schätzen die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien tendenziell geringer ein. Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten wirken sich negativ auf die Bereitschaft aus, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Monday, June 29, 2020

Automatisierung: Journalisten durch Software-Roboter ersetzt

Journalisten sind entbehrlich. Das haben tausende Mitglieder dieser Berufsgruppe seit dem Aufkommen des Internets schmerzlich erfahren. Doch auch für viele Journalisten, die heute noch einen Job haben,  ist die Zukunft alles andere als sicher: Die zunehmende Digitalisierung im News-Business führt dazu, dass deren Aufgaben vermehrt von Software-Robotern übernommen werden.

Das Geschäft mit den News wurde die Digitalisierung der Gesellschaft gewaltig
aufgemischt - und die Rewvolution hat erst begonnen.                    Bild Pixabay
Nun ist es also Microsoft mit seinem Medienunternehmen MSN, das dafür sorgt, dass wieder mal eine ganze Reihe von Mitarbeitern im Newsgeschäft auf der Strasse stehen. Sie werden schlicht nicht mehr gebraucht; ein Computer kann das auch, was sie bisher gemacht haben. Genau dieses Phänomen ist zufällig das Thema eines aktuellen Artikels in der Computerwoche unter dem Titel “Automatisierungsschub: Knowledge-Worker-Jobs in Gefahr“. Die CW basiert ihren Bericht auf einer Forrester-Studie, welche die Corona-Krise als Auslöser für eine solche Automatisierungswelle sieht, die Menschen durch Maschinen ersetzen werde.  Knowledge Worker mit eher einfachen Aufgaben soll es demnach besonders hart treffen. Im Falle von MSN ist es vorwiegend die Auswahl von News, die jetzt von Software übernommen werden soll, wie die Zeit berichtet:
“MSN gehört zu Microsoft, der Konzern beauftragte zuletzt externe Agenturen, Artikel zu kuratieren. Deren Redakteure und Redakteurinnen wählten Texte von Medienpartnern aus – für die deutschsprachige Plattform zum Beispiel Beiträge von ZEIT ONLINE, dem Spiegel oder auch der Gala –, texteten neue Überschriften, fügten Bilder ein. Nun sollen diese Verträge auslaufen…“
Betroffene gibt es weltweit – auch in Europa:
“Allein bei der wunder media production GmbH, einer digitalen Redaktionsagentur, verlieren laut einer Mitarbeiterin viele Kolleginnen und Kollegen zum Monatsende ihren Job. Die Agentur war bisher für das MSN-Newsportal in Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern zuständig. "Die Ankündigung kam für uns alle sehr überraschend. Erst seit einer Woche wissen wir, dass unsere Verträge nicht verlängert werden. Ab dem ersten Juli sind wir arbeitslos", sagte sie gegenüber ZEIT ONLINE. Auf Anfrage hat sich die Agentur bislang nicht zu den genauen Gründen und der Zahl der Mitarbeiter geäußert.“
Tatsächlich erledigt Software bereits viel ‘journalistische‘ Arbeit:
“ Mario Haim, Juniorprofessor für Datenjournalismus an der Universität Leipzig, versteht die Aufregung um Kuration durch Software nicht ganz: "Ähnliche Portale wie Google News, Apple News oder Yahoo News greifen schon lange auf automatisierte Programme zurück, die die Artikel für die jeweilige Plattformen kuratieren, aber da verlief die Umstellung offensichtlich diskreter als bei MSN." 
Den Kommentaren nach zu beurteilen, die  im Artikel der Zeit zu diesem Thema publiziert wurden, weinen viele Leser den betroffenen Schreibern keine Tränen nach. Ein Leser namens Hai kommentiert:
“Auch Journalisten nutzen vermehrt automatisierte Texte. Werden sie ersetzbar?" Das will ich doch stark hoffen! Eine KI wird vielleicht mehr Wert auf Fakten als auf Meinung und Moral legen…“

Tuesday, March 17, 2020

Der Virus, die Lebensmittel, das Internet und die Digitalisierung

Der Coronavirus hat massive Auswirkungen, und es sieht so aus, als ob er auch im digitalen Bereich langfristig Spuren hinterlassen wird. So haben die Internet-Einkäufe von Lebensmitteln massiv angezogen, weil viele Kunden nicht mehr selber in den Lebensmittelladen gehen wollen. Ausserdem wird der verstärkte Einsatz von Homeoffice-Mitarbeitern dazu führen, dass auch die Digitalisierung einen Sprung nach vorne machen wird - wenn denn die Krise innert nützlicher Frist überwunden werden kann.
Es sieht so aus, als ob die Menschen im Allgemeinen weniger Geld ausgeben, in Zeiten der Krise: Ausser dem Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln, der aus offensichtlichen Gründen im Moment so richtig boomt, leidet scheinbar  der andere Onlinehandel in der Viruskrise, wie eine deutsche Umfrage ergeben hat:
“Statt im Büro zu arbeiten, sind wir im Homeoffice, statt im Laden um die Ecke einzukaufen, bestellen wir online. Denn: Beim Klicken durch Onlineshops ist die Angst vor einer Ansteckung gleich null. Onlinehändler sollten demnach aktuell Hochkonjunktur haben. Haben sie aber nicht. Die Realität sieht anders aus: Bei knapp 41 Prozent der Unternehmen nehmen die Bestellungen der Kundinnen und Kunden ab. Zu dem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel. Und auch in den nächsten Monaten wird die Nachfrage wahrscheinlich weiter abnehmen, schätzen etwa 58 Prozent der Befragten. Sie rechnen mit weniger Bestellungen.“
Coop at Home kommt mit dem Liefern nicht mehr nach, und auch bei der
Migros ist die bestehende Online-Infrastruktur am Anschlag.
                                                                                           Screengrab Coop
Dass die Lebensmittelverkäufe im Internet stark angestiegen sind, merken die Grossverteiler in Europa. Und die Experten glauben, dass sich dieser Trend auch nach der Krise fortsetzen wird:
“Die Unsicherheit über das neuartige Coronavirus breche gewohntes Einkaufsverhalten auf, fasste Handelsforscherin Eva Stüber die Ergebnisse einer Studie des Kölner IFH-Instituts zusammen. „Vor allem ältere Menschen werden jetzt auf den Onlinehandel aufmerksam, auch bei Lebensmitteln. Das wird bleiben. Die Leute gewöhnen sich daran und merken: Das funktioniert…“ welt.de
Ins kalte Wasser geworfen wurden durch die Viruspanik auch viele Unternehmen, die jetzt ihre Digitalisierung zumindest auf tiefem Niveau rasant vorantreiben müssen. Das zeigt die stark verstärkte Nutzung von Kollaborationstools, die durch die vielen Homeoffice-User ausgelöst wurde:
“Microsoft hat eine Versechsfachung der Nutzung seines Tools "Teams" verbuchen können. Manche Software-Unternehmen nutzen Corona auch als Anlass, um die Preise ihrer Produkte zu senken oder bestimmte Funktionen, die sonst nur Premiumnutzern vorbehalten sind, umsonst anzubieten. Kein Wunder: Große US-Techkonzerne haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, aber auch in Deutschland sehen sich Betriebe dazu gezwungen, ihrer Belegschaft Heimarbeit zu verordnen. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft liebäugeln drei Viertel der Befragten mit einer Homeoffice-Lösung wegen des Corona-Viruses und 58 Prozent wünschen sich Heimarbeit ausdrücklich.“ (br.de)
Die neue Lage führt natürlich dazu, dass sich der Datenstrom im Internet stark vergrössert: nicht nur wegen Homeoffice-Arbeitern, sondern auch wegen Netflix und Co. Bis jetzt versichern die Infrastrukturbetreiber, dass sie alles im Griff hätten. Wir hoffen, dass das stimmt!

Monday, February 3, 2020

Schweizer KMU und die Digitalisierung: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Viele Schweizer KMU fürchten sich vor der steigenden Cyberkriminalität, die meisten dieser Unternehmen sehen sie als ernstzunehmende Gefahr. Mehr als die Hälfte der Firmenmanager finden aber, ihre eigene Firma sei nicht wichtig genug, um von Cyberkriminellen angegriffen zu werden. Aber auch, wenn es um die Digitalisierung in den Schweizer KMU geht, glaubt (oder hofft) ein Viertel der Umfrageteilnehmer, die Digitalisierung werde spurlos an ihren Geschäftsaktivitäten vorbeigehen. Jeder dritte Unternehmer  ist sich ausserdem sicher, dass die Digitalisierung in seiner Branche keine besonderen Veränderungen herbeiführen wird!

Vor allem in kleineren Firmen glauben immer noch viele Unternehmer, die
Digitalisierung werde an ihnen vorübergehen.                               Bild pixabay
Wie die Gefahr der Cyberkriminalität in kleinen und mittelgrossen Schweizer Unternehmen eingeschätzt wird, war nur eine der Fragen, die das KMU-Stimmungsbarometer für das Jahr 2020 zu beantworten suchte. Die Umfrage wurde von von localsearch (Swisscom Directories AG) durchgeführt. Sie zeigt, dass die KMU, die bekanntlich das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden, in bester Verfassung sind. 64 Prozent der befragten Unternehmen rechnen 2020 mit einem positiven Geschäftsergebnis und 42 Prozent davon erwarten gar einen höheren Gewinn als noch im Vorjahr. Sorgen bereiten vielen Schweizer KMU die mit der Digitalisierung einhergehenden Risiken. So sind 79 Prozent der Firmen davon überzeugt, dass die Cyber-Kriminalität auch für KMU eine ernstzunehmende Gefahr darstellt. Die Swisscom bestätigt diese Einschätzung. Sie geht in ihrem neusten Cyber-Security-Bericht davon aus, dass gezielte Angriffe wahrscheinlicher werden und die verfügbaren technischen Mittel oft nicht ausreichen, um mit den Fähigkeiten professioneller Cyber-Akteure mithalten zu können. Auch der im Januar 2020 erschienen Allianz-Risk-Barometer konstatiert: Cyber-Vorfälle sind das grösste Geschäftsrisiko in der Schweiz.
Widersprüchlich ist allerdings die Beurteilung der eigenen Gefahrensituation der Schweizer KMU: Zwei Drittel aller Firmenlenker  glauben, dass ihr Unternehmen für Cyber-Kriminelle eher unbedeutend sei. Über mögliche Angriffe auf das eigene Firmennetzwerk ist nur jeder fünfte Geschäftsinhaber besorgt.
Schlechte Noten geben sich die KMU-Unternehmer beim digitalen Marketing: Fast jeder Zweite gibt an, seine Firma würde diese Disziplin nicht beherrschen. Nur 5 Prozent sind davon überzeugt, alles richtig zu machen, 26 Prozent wähnen sich zumindest auf dem richtigen Weg. Fast jeder Fünfte gibt zu, die digitalen Marketing-Fähigkeiten seines eigenen Unternehmens nicht abschliessend einschätzen zu können. Was die Digitalisierung im Allgemeinen betrifft, meint jeder dritte KMU-Manager, dass in seiner Branche die Digitalisierung massiv unterschätzt werde. Tatsächlich unterstreicht die vorliegende Umfrage diese Einschätzung: 24 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, die Digitalisierung werde spurlos an ihren Geschäftsaktivitäten vorbeigehen, und jeder dritte Unternehmer  ist sich sicher, dass die Digitalisierung in seiner Branche keine besonderen Veränderungen herbeiführen wird!
Die Mehrheit der befragten Mittelständler ist allerdings realistischer. Diese Unternehmer sind sich  bewusst, dass die digitale Revolution nicht vor ihrem Unternehmen Halt machen wird. Mehr als zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer sagen, sie gingen die Herausforderungen der Digitalisierung zuversichtlich an. Zwei Drittel sind davon überzeugt, zumindest in diesem Jahr mit der digitalen Entwicklung Schritt halten zu können.

Wednesday, December 18, 2019

Für die Digitalisierung wird viel Geld budgetiert - und die Erwartungen sind hoch

Digitale Fähigkeiten sind zentral für die Unternehmensstrategie und die Produktivität. Diese Erkenntnis hat sich in den meisten Unternehmen durchgesetzt. Entsprechend wird dafür geplant und budgetiert. 70 Prozent der Schweizer Unternehmen wollen für den Ausbau der digitalen Kompetenzen in naher Zukunft mehr Geld ausgeben. 41 Prozent erwarten, dass dafür ihre Produktivität gesteigert wird.

          Quelle: Sage
Mehr als zwei Drittel der befragten Schweizer Unternehmen gehen davon aus, dass sie in digitale Kompetenzen investieren werden. Damit liegt die Schweiz vor ihren Nachbarn Frankreich und Deutschland. Das ergab eine Befragung im Auftrag von Sage bei 3000 Unternehmen in 12 Ländern.
Die Investition in die Ausbildung der digitalen Fähigkeiten von Mitarbeitenden steht dabei im Vordergrund, gefolgt von Investitionen in digitale Ressourcen. 40 Prozent der Unternehmen nennen als Hauptgrund für dieses Investitionsverhalten, dass die digitalen Kompetenzen zentrale Bedeutung für die Geschäftsstrategie haben. Die Sicherung eines Wettbewerbsvorteils folgt an zweiter Stelle.
Unabhängig davon, ob sie im nächsten Jahr in digitale Kompetenzen investieren wollen oder nicht, wurden alle Unternehmen nach den deutlichsten Vorteilen von Investitionen in digitale Kompetenzen gefragt. Die Befragten sehen die grössten positiven Auswirkungen in Form von Produktivitätssteigerung, flexiblerem Arbeiten und besserem Kundenservice. Gerade Produktivitätssteigerungen werden besonders häufig bei grossen Unternehmen genannt.
Die Erhebung von Sage hat gezeigt, dass erst 30 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen Cloud-Anwendungen für administrative Aufgaben wie Löhne, Buchhaltung und Personalmanagement nutzen.
Der Wunsch nach staatlicher Unterstützung bei der Ausbildung im Digitalsektor ist erstaunlicherweise in der Schweiz im Vergleich mit andern Europäischen Ländern am grössten. Rund ein Drittel der Schweizer Unternehmen wünschen sich den Zugang zu kostenloser Ausbildung, gefolgt von Steuervergünstigungen und Finanzmitteln für Lernende und Lehrstellen.

Friday, June 15, 2018

Digitalisierung, Individualität und Solidarität


Immer mehr Menschen beteiligen sich aktiv an der digitalen Vermessung ihres Lebens - obwohl sie klare Bedenken darüber haben. Wie gehen sie mit dem Sammeln und Teilen ihrer persönlichen Daten um? Was erwarten sie von einer Gesellschaft, in der persönliche Datenprofile in immer mehr Lebensbereichen eine zentrale Rolle spielen?  

An Instrumenten zur digitalen Selbstvermessung mangelt es nicht.
                                                                                 Google Search Screengrab
Laut einer neuen Studie der  Forschungsstelle sotomo, die im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung erstellt wurde, zeichnen heute bereits rund die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz mit dem Smartphone oder einem anderen tragbaren Gerät ihre Aktivitäten und Zustände auf. Zwei Drittel der Befragten würden gerne noch mehr aufzeichnen.
Gleichzeitig wird aber das Sammeln persönlicher Daten durch Dritte kritisch gesehen. So nutzen zwar über 70 Prozent der Befragten Gratis-Email und Instant-Messaging-Dienste, nur 14 Prozent finden es jedoch in Ordnung, wenn ihre Datenspuren als Gegenleistung für die Nutzung von Gratisangeboten verwendet werden. Ein Teil der Befragten nutzt einzelne Dienste infolge von Sicherheitsbedenken bewusst selektiv. Nur 22 Prozent der Befragten glauben, selber steuern zu können, welche persönlichen Daten gesammelt werden. Trotz Offenheit für die digitale Datenerfassung werden die persönlichen Folgen der Digitalisierung für die Bevölkerung kritisch eingeschätzt. Den Befragten wurde eine Auswahl von zehn Stichwörtern vorgelegt. Aus diesen konnten sie jeweils jene drei Begriffe auswählen, die sie am meisten und am wenigsten mit einer Welt der totalen Datenerfassung verknüpfen. Es sind überwiegend negative Begriffe, die damit in Verbindung gebracht werden. Am häufigsten ist dies «Kontrolle und Überwachung», gefolgt von «Verlust von Individualität». Dies obwohl die Individualisierung der Werbung, die zugeschnittene Information sowie personalisierte Produkte zu den wichtigsten Versprechungen der Digitalisierung gehören. Es wird befürchtet, dass Algorithmen den Menschen verdrängen – die Personalisierung erscheint da für die Mehrheit als eher leere Versprechung. Eine Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass die fortschreitende Akkumulation persönlicher digitaler Daten einen negativen oder sehr negativen Einfluss auf die Solidarität innerhalb der Gesellschaft hat. Eine solche Welt wird oft mit Kontrolle, Effizienz und Leistungsdruck in Verbindung gebracht. Fast ebenso häufig wie die Solidarität sehen die Befragten allerdings auch die Eigenverantwortung durch das Aufzeichnen persönlicher Daten negativ beeinflusst. In der Politik werden Eigenverantwortung und Solidarität oft als Gegensatzpaar verstanden. Die klar negative Beurteilung beider Aspekte zeigt, dass weniger Solidarität in der Wahrnehmung der Bevölkerung nicht automatisch zu mehr Eigenverantwortung führt. Eine Mehrheit der Befragten findet, dass Solidarität und Eigenverantwortung in der Gesellschaft von der Digitalisierung beeinträchtigt werden. Eine Mehrheit findet zugleich, dass Gegenmassnahmen dazu nötig sind. Das auffälligste Resultat ist dabei, dass die Mehrheit der Befragten für eine Verbesserung der Situation weder hauptsächlich den Staat noch die Unternehmen in der Verantwortung sehen. Die Verantwortung liege vielmehr bei jedem und jeder Einzelnen.
Die vollständige Studie «Digitale Lebensvermessung und Solidarität» können Sie hier downloaden:

Monday, April 23, 2018

Was ist der der Preis der Digitalisierung?

Innovationschub und Digitalisierung führen dazu, dass immer mehr Computer und Roboter Arbeiten übernehmen, die noch vor kurzem von Menschen erledigt worden sind. Trotzdem herrscht bei den meisten Arbeitnehmern keine Panik - vielleicht auch deshalb, weil diesbezüglich viel Optimismus verbreitet wird. Es gibt allerdings Industrieführer, die das Thema nicht ganz so unproblematisch sehen, wie viele andere.

Die erste industrielle Revolution führte zur vierten: Die digitale Revolution
bringt erneut grosse wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen.
                                                                       Illustration Wikimedia Commons
Bis in etwa 30 Jahren werde jeder zweite Arbeitnehmer durch Roboter ersetzt, und ganze Berufsgruppen könnten ganz auf Menschen verzichten, errechnete vor fünf Monaten eine globale McKinsey-Studie. Millionen von Beschäftigten müssten sich deshalb in den nächsten Jahren umschulen lassen, neue Fähigkeiten lernen und ihren Beruf wechseln, wenn sie beschäftigt bleiben wollen.
Das sind, wie die Amerikaner sagen, the bad News. The good News, gemäss McKinsey, ist die Tatsache, dass diese digitale Revolution keine Krise auslösen werde:
“Mit ausreichendem wirtschaftlichem Wachstum, Innovation und Investitionen können ausreichend neue Jobs geschaffen werden, um den Einfluss der Automatisierung zu kompensieren, auch wenn in fortgeschrittenen Ökonomien zusätzliche Investitionen benötigt werden, um das Risiko von Arbeitslosigkeit zu reduzieren."
Auch andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: “In der Summe“ werde die Digitalisierung bis zum Jahr 2035 zu keinem gravierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, da sich der Stellenabbau mit dem Aufbau neuer Jobs die Waage halten dürfte, gab zum Beispiel letzte Woche das  Bundesinstitut für Berufsbildung in Deutschland bekannt, und die Deutschlandchefin von Dell-EMC erklärt, dass es notwendig sei, auf allen Ebenen „disruptiv“ zu denken und auch eine generelle Neubewertung der Erwerbsarbeit vorzunehmen.
Alles palletti also?
Das sehen nicht alle so. In den Büros drohe der grosse Jobabbau, titelt die Welt und lässt sich nicht vom verbreiteten Optimismus beschwichtigen:
“Zwar werden auch künftig Mitarbeiter die Software-Roboter programmieren und überwachen, aber trotzdem können die Firmen künftig auf viele Sachbearbeiter oder kaufmännische Angestellte verzichten. „Die grosse Herausforderung wird sein, dass man künftig nur noch einen statt zehn Mitarbeitern braucht, um eine Funktion abzudecken“ […]. Die Frage, die mit dieser neuen Digitalisierungswelle auf Politik und die Gesellschaft zurollt, wird sein: Was machen künftig die anderen neun? Es geht dabei potenziell um Millionen Betroffene.“
Überhaupt zeigt die erst in ihren Anfängen steckende digitale Arbeitsmarktdiskussion, dass die Fronten nicht entlang den üblichen Linien verlaufen. Nachdem zum Beispiel Siemens Chef Joe Kaeser in einem Handelsblatt-Interview dargelegt hatte, dass sich der gesellschaftliche Wert eines Unternehmens nicht nur daran messen dürfe, wie viel Gewinn es erziele, sondern auch daran, wie viele Arbeitsplätze es bereitstelle, fühlte sich dasselbe Handelsblatt dazu bemüssigt, in einem Kommentar zu widersprechen:
“Arbeit ist kein Selbstzweck. In der Vergangenheit sind Jobverluste durch Rationalisierungswellen stets kompensiert worden, teils durch neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen, teils durch kürzere Arbeitszeiten. Sollte der derzeitige Trend zur Digitalisierung tatsächlich erstmals so rasant verlaufen, dass es zu grösseren Anpassungsschwierigkeiten kommt, dann wäre am ehesten die Politik gefordert: Sie muss das deutsche Sozialsystem umbauen, damit nicht mehr ein Grossteil der Beiträge und Leistungen am Normarbeitsverhältnis hängt.“
Ob der gesellschaftliche Wert von Unternehmen in Zukunft nur an deren Effizienz gemessen wird, hängt wohl stark davon ab, ob die digitale Revolution die nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Arbeitnehmer profitieren lässt - durch den Gewinn von mehr Freizeit, zum Beispiel. Wenn die Optimisten Recht behalten, wird genau das der Fall sein. Wenn nicht, wird sich wohl der Preis der Digitalisierung heraus kristallisieren.

Sunday, January 7, 2018

Gehören Sie auch zu den „digitalen Dinosauriern“?

Die ganze Welt redet von der Digitalisierung - und nur wenige machen mit - zumindest was Schweizer KMU betrifft. So könnte man das Ergebnis einer neuen Schweizer Studie  zusammenfassen, welche den Digitalisierungsstand bei kleinen und mittleren Unternehmen unter die Lupe genommen hat. Das Resultat ist ernüchternd: 87  Prozent der Befragten sind laut den Autoren der Untersuchung als digitale Dinosaurier einzustufen. Die Gründe für das Hinterherhinken sind naheliegend: Fehlende finanzielle Mittel, technische Ausstattung und Fachwissen sind vor allem für die ganz kleinen Unternehmen die grössten Herausforderungen.

87 Prozent kleiner und mittlerer Schweizer Unternehmen sind digitale Dino-
saurier, obwohl das Thema Digitalisierung seit Jahren zuoberst auf der
Businessagenda steht.                                                        Grafik DigitalCH17
Die Studie “Digital Switzerland“ untersuchte Ziele und Herausforderungen der digitalen Transformation für Schweizer Unternehmen. Das Resultat zeige, dass viel Potenzial ungenutzt bleibe, aber gleichzeitig ein Ressourcenproblem bestehe, um die digitale Transformation voranzutreiben, erklärt Manuel Nappo, Leiter des Digital Business Institutes der HWZ, das die Studie verantwortet. Geld und Personal sind die grössten Probleme, was die Digitalisierung von schweizerischen KMUs betrifft. Bei Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden zählen neben fehlendem Fachwissen, die fehlende Veränderungskultur und unklare Verantwortlichkeiten zu den grössten Herausforderungen.
Immerhin weiss man in den befragten Unternehmen, welche Ziele man mit der digitalen Transformation erreichen will: Kundenbindung, Kostenreduktion und erhöhte Reichweite für die Neukundenakquise werden aufgelistet. Für die künftige Entwicklung der Unternehmen wird digital Security von den Befragten am wichtigsten eingestuft, gefolgt von Social Media und digitalem Marketing. Nach Kenntnissen gefragt, geben die Umfrageteilnehmer an, dass sie sich vor allem mit Social Media, Wearables und E-Commerce auskennen.
Die Studie zeigt, dass die digitalen Möglichkeiten im Unternehmensalltag noch kaum ausgeschöpft werden: so ist es bei 77 Prozent jener Unternehmen, die terminlich definierte Leistungen anbieten - wie Coiffeure-Betriebe oder Physiotherapeuten - immer noch nicht möglich, online einen Termin zu buchen. 60 Prozent verfügen noch nicht einmal über eine Softwarelösung, um Termine zu verwalten. Gerade die kleinsten Unternehmen tun sich schwer mit dem Online-Marketing: Nur etwa ein Drittel der Befragten kontaktiert Kundinnen und Kunden online mit personalisierten Angeboten und nur elf Prozent setzen ein digitales Treuesystem ein. Im Bereich Social Media und Bewertungen sind ebenfalls Defizite vorhanden. 74 Prozent der Umfrageteilnehmer verfügen über keinen Mechanismus oder Ablauf, der sie über Online-Bewertungen informiert und lediglich 34 Prozent reagieren aktiv auf Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet. 78 Prozent verzichten daher auch darauf, Kundinnen und Kunden aktiv dazu aufzufordern, ihr Unternehmen, ihre Produkte oder Dienstleistung online zu bewerten.

Die Studie “Digital Switzerland“ wurde von der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und localsearch (Swisscom Directories AG) durchgeführt.

Tuesday, November 28, 2017

Seichter Kundenservice, Social Media und der Kunde als Bittsteller

Der amerikanische Zeichner Scott Adams beschreibt in einem seiner Cartoons eine  Firmensitzung, während der  eine neue Geschäftsstrategie aufgegleist wird. Das Resultat: Von jetzt an produziere man nur noch miserable Produkte, und verdiene dann das Geld mit der Supportabteilung. Das ist zwar witzig - liegt aber weit neben der Realität. Viele Firmen bieten heute durchaus gute Produkte, dafür aber  kostenlosen Support, der so gut wie nutzlos ist.

Im Internet gibt es tausende von Beispielen von schlechtem, ja miserablem Kundenservice. Einige dieser Leidensgeschichten sind kaum zu glauben, die meisten haben aber eines gemeinsam: Die betroffenen Firmen geben sich erst dann ernsthaft Mühe, die Probleme ihrer Kunden zu lösen, wenn diese auf Facebook oder Twitter ihrer Frustration Luft gemacht haben.  Dann geht es nämlich um das Image der betroffenen Firma - und plötzlich sind auch Probleme lösbar, die es vorher nicht waren; “mühsame“ Kunden die man abgewimmelt hat, werden plötzlich sehr zuvorkommend behandelt.  Social Media ist deshalb für viele Kunden zu einem Werkzeug geworden, wenn es darum geht, sich über schlechten Kundenservice zu beschweren. Im Internet gibt es sogar Anleitungen, wie solche Beschwerden wirkungsvoll platziert werden können (“Immer schön höflich bleiben, sich kurz fassen!“)   
Trotz globalem Handel und internationalem Hersteller: Eine Logitech-Tastatur
mit Schweizer Layout ist im Ausland vielerorts nicht zu bekommen. Kunden
mit speziellen Bedürfnissen werden von grossen Firmen oft nicht gut bedient.
Logitech ist da kein Einzelfall. 
Schlechter Kundendienst hat viel damit zu tun, wie die Dienstleistung organisiert ist. Die meisten Konsumenten sind sich inzwischen bewusst, dass ihre Telefonanrufe meistens nicht in der betreffenden Firma, sondern in einem Callcenter beantwortet werden. Da werden sie nicht mit einem Spezialisten verbunden, der ihr Problem lösen könnte, sondern mit einem Mitarbeiter, der für jede Frage zuerst auf seinem Computer die richtige Antwort finden muss. Dasselbe gilt für E-Mail-Support.
Das führt dazu, dass Kundenprobleme ausserhalb eines bestimmten Musters durchs Raster fallen. Die Digitalisierung mit ihren genau definierten Prozessen hat den Dienst am Kunden in vielen Fällen seicht gemacht. Die Supportmitarbeiter sind zwar höflich, manchmal auch schnell, oft aber nutzlos. Dafür flattert  zwei Sekunden nach der Supportanfrage eine E-Mail-Nachricht in die Inbox, die  nach der Qualität des Kundendienstes fragt. Selbstverständlich ist es völlig unnütz, ein negatives Feedback abzugeben.
Dieser Eindruck wird durch eine neue repräsentative Studie des Marketingspezialisten Salesforce verstärkt. Fast 40 Prozent der befragten deutschen Konsumenten fühlen sich nicht als Kunden, sondern als Bittsteller, wenn es um den Dienst am Kunden geht. Im Onlinehandel fühlen sich zwei von drei Kunden von den Händlern unverstanden.  Im Zeitalter des digitalen Kundenbeziehungsmanagements (CRM) ist das ein Armutszeugnis - vor allem wenn man bedenkt, dass ein guter Kundendienst unzufriedene Kunden in zufriedene Kunden verwandeln kann. Reklamierende Kunden sind besser als keine Kunden - und es ist um ein Vielfaches billiger, einen Kunden zu behalten, als einen neuen zu gewinnen.  
 Mein aktuellstes Kundenservice-Erlebnis, habe ich kürzlich mit dem angesehenen Computerzubehörhersteller Logitech gemacht. Ich werde meine und Ihre wertvolle Zeit nicht mit der eher traurigen Story verschwenden - nur so viel sei gesagt: Logitech ist ein internationaler Hersteller von IT-Zubehör - vor allem Tastaturen und Mäuse - mit Hauptsitz in der Schweiz. Obwohl es weltweit mit Sicherheit viele tausend Kunden gibt, die froh wären wenn sie auch im Ausland eine Tastatur mit ihrem nativen Layout kaufen könnten, wimmelt Logitech Kunden mit diesem Anliegen kurz und bündig ab. Was bleibt, ist ein unzufriedener Kunde - und eine letzte Nachricht im Postfach:
“Thank you for your feedback.We are sorry that we are unable to provide a resolution for you. Have a good one and thank you for contacting Logitech. Best regards“

Friday, September 30, 2016

Die Angst vor der Roboterisierung

Die Wirtschaft ist wieder mal im Umbruch: Immense Technologische Fortschritte, vor allem in der Digitalisierung, führen zu einer immer weitergehenden Automatisierung des Arbeitslebens. Experten gehen davon aus, dass auch Professionen betroffen sein werden, die gemeinhin nicht mit Robotern in Verbindung gebracht werden – zum Beispiel Ärzte und Lehrer. Noch ist nicht abzusehen, wie viele Arbeitsstellen von dieser Entwicklung betroffen sein werden. Aber es gibt Prognosen, die durchaus sich durchaus bedrohlich anhören.

Der Roboter, das unheimliche Wesen: Wir werden uns an die digitalen Arbeiter
gewöhnen müssen.                                                           Bild Adidas Speedfactory
Die letzte dieser Voraussagen kommt vom Marktforschungsunternehmen Forrester – und sie ist, was Arbeitsplätze betrifft, nicht optimistisch. Sechs Prozent sämtlicher Arbeitsstellen sollen allein in den USA schon in den nächsten fünf Jahren obsolet gemacht werden. Zitat aus einem Bericht von futurezone.at:
“Heutige Systeme wie Chatbots, selbstfahrende Autos und die persönlichen Softwareassistenten von Amazon, Apple und Google seien nur die Vorboten von weitaus leistungsfähigeren Systemen, die etwa den Kontakt zu Kunden oder eben Fahrdienste in den kommenden Jahren übernehmen werden, heißt es in der Analyse. Bis 2021 wird eine disruptive Flutwelle über uns hereinbrechen. KI-Systeme werden Jobs übernehmen, die größten Auswirkungen wird es in den Bereichen Transport, Logistik und Kundendienst geben.“
Schon Ende des letzten Jahres hatte eine Studie darauf hingewiesen, dass die fortschreitende Digitalisierung einschneidende Veränderungen im Arbeitsmarkt zur Folge haben wird:
“Die Aussichten für den Arbeitsmarkt durch die fortschreitende Computerisierung sehen nicht grossartig aus: Fast die Hälfte aller Beschäftigten muss damit rechnen, dass ihre Jobs mittelfristig durch Maschinen erledigt werden. Nach einer Analyse des Unternehmensberaters A.T. Kearney  sind in den nächsten 20 Jahren 318 und damit ein Viertel aller Jobprofile einem hohen Automatisierungsrisiko für die nächsten zwei Dekaden ausgesetzt. Der mögliche Effekt für den Arbeitsmarkt ist drastisch, weil in diesen Bereichen fast die Hälfte der Arbeitnehmer tätig ist.“
Über ein aktuelles Beispiel der Digitalisierung/Roboterisierung haben wir an dieser Stelle erst kürzlich berichtet:
“Die Autoindustrie hat es vorgemacht. Nun hält die automatische Fertigung auchim Sportartikelbereich Einzug - und zwar auf lokaler Ebene. Speedfactory heisst das Konzept, das Adidas dieser Tage in Franken in Deutschland vorstellte. In diesen Fabriken sollen Sportartikel schneller als je zuvor hergestellt werden. Und zwar genau dort, wo diese Artikel gebraucht werden und verkauft werden können. In der Speedfactory kommt intelligente  Robotertechnologie zum Einsatz, mit der Qualitätsprodukte  gefertigt werden können;  auch individuelle Schuhdesigns sind möglich…“
Die Angst vor der Digitalisierung ist also durchaus berechtigt und existiert auch auf höchster Ebene, wie die Handelszeitung zu berichten weiss:
“Der Nobelpreisträger und Ökonom Robert Shiller warnt im Interview mit ‘Millionär‘, dem Anlegermagazin der Handelszeitung, vor der Roboterisierung der Arbeitswelt. Die Technologie zerstöre das Gleichgewicht in allen Branchen, und heute angesehene Berufe wie Arzt, Anwalt und Professor würden durch künstliche Intelligenz ersetzt. «Selbst ich als Professor bin nicht geschützt», sagt er im Interview. Zwar sei es heute noch nicht so weit. Aber innert der kommenden Jahrzehnten werde künstliche Intelligenz omnipräsent sein: «Ich persönlich habe Angst – und nicht nur um meine Enkelkinder. Und ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin.“

Friday, May 20, 2016

Kunden möchten Menschen – und bekommen Technologie

Die Digitalisierung ist in aller Munde – viele Unternehmen haben Angst, den Anschluss zu verpassen. Dabei sind es nach wie vor menschlichen Kontakte, welche Kunden glücklich machen und die Umsätze nach oben treiben. Das gilt vor allem im Detailhandel. Laut einer globalen A.T.Kearney Studie geben zu viele Händler zu viel Geld für Technologien aus – und vernachlässigen ihre wichtigsten Werttreiber: die Mitarbeiter in der Filiale.

Einkaufen im Netz ist einfach und attraktiv. Viele Kunden bevorzugen es aber
immer noch, mit einem menschlichen Verkäufer sprechen zu können.    
                                                                                            Screenshot via Amazon
Detailhändler befänden sich in einem regelrechten “Multichannel- und Technologie-Hype“, sagt zum Beispiel Mirko Warschun von der Managementberatung A.T. Kearney. Deren neuster Report zeigt, dass zwei Drittel der Handelsunternehmen in Technologie investieren, deren Rentabilität sie nicht kennen, aber darauf zählen, dass die Interaktion mit den Kunden vereinfacht werden. Das Ergebnis, so Warschun, sei “weniger Kundennähe denn je“.
Die globale Umfrage zeigt, dass vor allem in mobile Applikationen und Checkout-Prozesse investiert wird – obwohl 90 Prozent des Verkaufs immer noch in der Filiale stattfindet. Der A.T. Kearney-Experte findet das unlogisch:
“Die Filialisten setzen auf Technologien, wo es doch auf Menschen ankommt. Und das obwohl die Kunden angeben, einen schwachen Service zu erleben, wenn sie es in der Filiale nicht mit Menschen, sondern mit Technik zu tun hätten.“
Es ist tatsächlich erstaunlich, dass bei Investitionen für die Digitalisierung im Handel oft blind geflogen wird. Eine Mehrheit von Unternehmen gibt nämlich an, hinsichtlich des Wertbeitrags ihrer Investitionen keine Durchsicht zu haben – unter anderem deshalb, weil sie nicht genau wüssten, wie sie die Rentabilität der Ausgaben für neue Technologien messen könnten.
Konsumentenbefragungen  (in den USA) ergeben ebenfalls eine eklatante Diskrepanz zwischen den Anstrengungen der Handelsunternehmen und den Kundenerwartungen. Während die Anbieter um die kürzesten Lieferzeiten wetteifern – von Lieferung am nächsten Tag bis zu innerhalb einer Stunde – sagen drei Viertel der befragten Kunden, mit zwei Tagen Lieferzeit durchaus zufrieden zu sein. Ihnen käme es vor allem darauf an, dass die angekündigte Frist zuverlässig eingehalten werde – das sei ihnen wichtiger als die Bestellung sofort zu erhalten. Die Schlussfolgerung von Mirko Waschun: Der Faktor Mensch müsse auch bei der Digitalisierung im Vordergrund stehen:

“Menschen sind immer noch die beste Investition im Einzelhandel. Filialmitarbeiter sind die wertvollste Ressource, die Handelsunternehmen haben, doch im Wettrennen um die besten Multikanal-Angebote verlieren die Händler aus dem Blick, was im Handel wirklich werttreibend ist: herausragende Kundenerlebnisse und für die braucht es Menschen, nicht Maschinen. Deswegen empfehlen wir Technologie so einzusetzen, dass sie den Verkäufer stärkt, anstatt ihn zu ersetzen.“

Tuesday, March 8, 2016

Das ewige Piepsen der ständigen Bevormundung

Es sieht aus, als ob sich im IT-Slang ein neues Wort eingenistet hätte: Es heisst “Nudging“ und kommt aus dem Englischen ins neudeutsche IT-Vokabular, wie alle derartigen Fachausdrücke, die etwas auf sich halten. In der Politik gibt es Nudging schon lange; mit der zunehmenden Digitalisierung fängt es an, auch in unserem täglichen Leben eine immer grössere Rolle zu spielen.

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To nudge heisst, jemanden anzustossen, ein wenig nachzuhelfen. Dem Nudging liegen zwei ganz grundsätzliche Annahmen zugrunde.
Erstens: Dass es Menschen gibt, die sehr viel schlauer sind, als der grosse Rest, und dass diese Besserwisser deshalb dazu qualifiziert sind, die Massen in jene Richtung anzustossen, die sie als vorteilhaft erachten. Stichwort: Politik und Medien. Zweitens: Ein ständig wachsendes Sicherheitsbedürfnis, das dazu führt, dass Konsumenten und Konsumentinnen erstmals nichts dagegen haben, sich an elektronisch vorgegebene Verhaltensregeln zu halten, solange sie dadurch ihr Sicherheitsgefühl steigern können. Stichwort: Elektronik.
Es gibt sogar schon ein Buch zum Thema: “Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstösst“ heisst der Titel, geschrieben wurde es von Richard Thaler und Cass Sunstein. Den beiden professoralen Autoren zu Folge, geht es beim Nudging um “liberalen Paternalismus“; US-Präsident Barack Obama soll das Konzept gerne einsetzen – wen wundert‘s. Das Handelsblatt hat allerdings schon in der Kurzrezession des Buches auf einen ganz grossen Haken des Konzepts hingewiesen:
“Der Ansatz geht davon aus, dass der Entscheidungsarchitekt keinen eigenen Nutzen aus der Sache ziehen will. So altruistisch sind aber die wenigsten Menschen. So soll es auch Kantinen geben, in denen nicht das gesündeste, sondern das teuerste Gericht ganz vorne steht. Auch jeder Kantinenbetreiber ist sich letztlich selbst der Nächste…“
Nudging im digitalen Bereich kann noch aus ganz anderen Gründen problematisch sein. Klaus Geiger und Holger Tschäpitz gehen in einem ausführlichen Artikel auf welt.de darauf ein. Sie zitieren zum Beispiel den Ökonomen und Nudging-Experten Jan Schnellenbach, der vor einer Bevormundung der Bürger warnt. Mit Nudging würden Entscheidungen moralisch bewertet, sagt er. Man signalisiere, was man für gut und richtig halte. Das sei Bevormundung. Schnellenbach ist nicht der Einzige, der das für problematisch hält. Auch andere Fachleute kritisieren den Trend zu dieser ständigen elektronischen Fürsorge, die uns davor behüten soll, eigene (schlechte) Erfahrungen zu machen:
“Die Waschmaschine ist fertig: Es piept so lange, bis die Trommeltür geöffnet ist. Die Spülmaschine ist fertig: Es piept dreimal. Ein Gegenstand liegt auf der Kochplatte: Wieder ein Warnton. Wir werden informiert, wir werden gewarnt, uns wird geholfen, uns richtig zu verhalten. Und wir werden zum Handeln gezwungen. Auch wer das Haus verlässt und ins Auto steigt, entkommt den akustischen Erziehern kaum noch. An die Anschnall-Warnung haben sich die meisten Menschen inzwischen gewöhnt. Neuerdings bleibt es nicht dabei. Das Navigationssystem meldet sich zu Wort, wenn die Geschwindigkeit zehn Kilometer pro Stunde zu hoch ist oder der Abstand zum Vordermann nicht mehr gewissen Vorgaben entspricht. Das Cockpit meldet zugleich, dass es mal wieder Zeit für eine Pause ist.
Aber wollen wir das? Mancher Nutzer mag es hilfreich finden, andere finden es nervig. Das aber ist den Herstellern egal. Denn die Designer und Ingenieure haben sich längst entschieden: für den ewigen Piepton.“
Die Digitalisierung hat elitären Besserwissern die Tools gegeben, die sie zum Nudging einsetzen können. Die Frage ist, ob die Verbraucher sich dies längerfristig gefallen lassen werden.

Monday, February 29, 2016

Datenströme statt Warenströme - "140 Zeichen statt fliegende Autos"

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit tragen internationale Datenströme mehr zum globalen Wirtschaftswachstum bei, als der klassische Warenhandel. Insgesamt erhöhen die globalen Güter-, Kapital- und Datenflüsse die weltweite Wirtschaftsleistung um zehn Prozent. Dies entsprach 2014 einem Wert von 7,8 Billionen Dollar. Davon waren allein 2,8 Billionen Dollar auf die internationalen Datenströme zurückzuführen, 2,7 Billionen Dollar auf den Warenverkehr. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des McKinsey Global Institute.

Die McKinsey-Forscher sind sich ganz sicher: Die Globalisierung stagniere nicht – sie verändere sich, schreiben sie in der Mitteilung zur Studie. Tatsächlich sind die Wachstumszahlen im Digitalsektor beeindruckend: Bis zur Finanzkrise hatte der Anteil der globalen Waren-, Finanz- und Dienstleistungsströme an der Weltwirtschaftsleistung kontinuierlich zugenommen. Mit 53 Prozent Anteil an der weltweiten Bruttowirtschaftsleistung erreichte er 2007 ein Rekordhoch. Seitdem gingen die internationalen Finanzströme um gut die Hälfte zurück; Güterhandel und der internationale Dienstleistungsverkehr erholten sich nur langsam von der Krise. Die Folge: Der Anteil dieser Ströme machte 2014 nur noch 39 Prozent der Weltwirtschaftsleistung aus. Gleichzeitig vervielfachten sich die Datenströme über Ländergrenzen hinweg und waren 2014 rund 45 Mal(!) so groß wie 2005. Bei McKinsey ist man sich sicher, dass sich dieses Wachstum fortsetzen wird:
“In den nächsten fünf Jahren werden die globalen Datenströme sich noch einmal um den Faktor 9 vervielfachen. Grundlage für diese Entwicklung sind im Wesentlichen neue digitale Plattformen, die Menschen, Informationen und Märkte miteinander vernetzen. Bereits 12 Prozent des globalen Warenverkehrs sind heute beispielsweise auf internationalen E-Commerce zurückzuführen. Die internationale Vernetzung bietet gerade für kleine und mittlere Unternehmen große Chancen – sie können über das Internet relativ leicht neue Märkte und Kundengruppen erschließen.“
Gemäß der McKinsey-Studie bietet die Vernetzung nicht nur für Kunden und Unternehmer Vorteile, auch Volkswirtschaften profitieren vom internationalen Austausch. Länder, die besonders stark international vernetzt sind, weisen nämlich im Schnitt ein höheres Bruttoinlandprodukt pro Kopf auf als weniger eingebundene Staaten.
Die McKinsey –Studie kommt zu einer Zeit, in der intensiv über die Nutznießer des weltweiten wirtschaftlichen Wachstums diskutiert wird und eine vielerorts frustrierte Mittelklasse das Gefühl hat, dass ihr Leben trotz technologischer Entwicklungen nicht einfacher wird. Peter Thiel, ein Silicon-Valley-Investor, hat dieses Gefühl in ein inzwischen berühmtes Zitat gegossen: “Wir wollten fliegende Autos, stattdessen bekamen wir 140 Zeichen“.  
Thiel ist nicht der einzige, der mit der technologischen Entwicklung und der gegenwärtigen Entwicklung in unserer Gesellschaft unzufrieden ist - wachsende Datenströme hin oder her. Auch der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert Gordon geht davon aus, dass die technologische Zukunft nicht halten wird, was sie verspricht (siehe untenstehendes Video). Moderne Gesellschaften hätten die Vorteile der Digitalisierung bereits absorbiert, sagt er:
“In den 80 Jahren vor 1972 betrug das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in den USA im Schnitt 2,35 Prozent. In den 40 Jahren seither waren es nur noch 1,55 Prozent — trotz all der grossartigen Entwicklungen, die gemacht wurden. Die wirklich bedeutsamen Erfindungen fanden vorher statt: die Dampfmaschine, Elektrizität, die Kanalisation. Sie haben viel stärkeres Wachstum ausgelöst als der Computer, das Internet und Smartphones. Erfindungen, die das Leben aller Menschen vergleichbar stark verbessern, werden je länger, je seltener…“
Man weiss es:  Megaprognosen lassen sich leicht machen. Deshalb wagen wir hier auch eine Voraussage: Die Welt steht erst am Anfang des digitalen Zeitalters. Wenn die Entwicklung nicht durch Katastrophen aufgehalten wird, dürfen wir davon ausgehen, dass es auch in den nächsten Jahren entscheidende technische Sprünge geben wird, von denen heute noch niemand etwas weiss. Genauso, wie die Welt vor drei Jahrzehnten vom PC und wenig später vom Internet überrascht wurde… 

Sunday, February 21, 2016

Bremst der Fachkräftemangel die Digitalisierung?

IT-Verantwortliche im deutschsprachigen Raum wollen dieses Jahr weniger Geld für Innovationen ausgeben. Der Rückgang überrascht angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der CIOs den Ausbau der Digitalisierung als eines ihrer wichtigsten Ziele bezeichnen. Eine der Schwierigkeiten, mit der die Firmen zu kämpfen haben, ist der Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Die Digitalisierung für die IT-Zukunft wird dadurch gebremst.

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Das ist eines der Ergebnisse der jährlichen IT-Trends-Studie von Capgemini, in deren Rahmen IT-Verantwortliche in der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt wurden.  Dabei stellte sich heraus, dass der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern die grösste Hürde für die Digitalisierung darstellt. Fachleute fehlen insbesondere für Internet-of-Things-Technologien, Big-Data-Analytics und mobile Technologien. Immerhin hat das IT-Know-how in den Chefetagen in mehr als der Hälfte der Unternehmen zugenommen. In der Folge ist auch die geschäftliche Relevanz der IT weiter gestiegen. Gleichzeitig haben sich in 64 Prozent der Unternehmen die geschäftlichen Anforderungen an die IT erhöht, während die technologischen Anforderungen nur bei rund einem Viertel gestiegen sind.
Dass auch die Schweiz unter einem IT-Fachkräftemangel leidet, ist eigentlich erstaunlich; gemäss einer globalen Studie verdienen IT-Spezialisten in der Schweiz die höchsten Löhne weltweit. Ausserdem geben immer wieder die Arbeitslosenzahlen in der Branche zu reden. Die NZZ suchte kürzlich eineErklärung für die Widersprüche:

“Bei den Informatikern liegt die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit etwa bei sechs Monaten, und jeder fünfte arbeitslose Informatiker ist über ein Jahr auf Stellensuche. Die Arbeitslosenquote der Informatiker lag laut Bundesstatistikern von 2010 bis 2012 im Mittel bei 2,7% und dürfte heute noch leicht darüber liegen. Diese Werte bewegen sich etwas unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, sind aber dennoch erklärungsbedürftig. Es gebe ein Auseinanderklaffen der angebotenen und der nachgefragten Qualifikationen, sagt Andreas Kaelin, Geschäftsführer des Branchenverbands ICT Switzerland. Ähnlich äussern sich spezialisierte Personalvermittler. Es gebe nicht das einheitliche Berufsbild des Informatikers, betont Edi Brandenberger, Geschäftsführer des Personalvermittlers p3b AG mit Büros in Zürich und Bern. «Ein wichtiger Faktor ist die Kurzlebigkeit der Technologien. So gibt es zum Beispiel einen Überhang bei Spezialisten für alte Programmiersprachen und Betriebssysteme.» Zudem habe es früher viele Quereinsteiger ohne Informatik-Grundausbildung gegeben. «Heute verlangen viele Firmen einen Fachhochschulabschluss oder eine höhere Fachprüfung…“

Tuesday, October 27, 2015

Medienqualität: Macht die Digitalisierung dumm?

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war der Zugriff auf Informationen so einfach wie heute. Die Digitalisierung ermöglicht den Abruf von Wissen in Sekundenschnelle, dem Umfang  sind kaum Grenzen gesetzt. Trotzdem ist der Wissensstand breiter Bevölkerungsschichten ernüchternd. Wir schwimmen in der Informationsflut und fischen am liebsten nur heraus, was uns passt. In der Schweiz zum Beispiel, nutzen junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 29 Jahren immer weniger Informationsmedien, die echte News servieren. 

Der Informationsjournalismus hat ein Nachwuchsproblem – und zwar nicht bei den Journalisten, sondern beim Zielpublikum. Zu diesem Befund kommt das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich in seiner sechsten Ausgabe des Jahrbuchs Qualität der Medien. So nahm zwischen 2009 und 2015 der Anteil jener jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren deutlich ab, die sich regelmässig über professionelle Informationsangebote von Presse, Radio oder Fernsehen informieren. Im Jahr 2015 geben beispielsweise bereits 56 Prozent der befragten jungen Erwachsenen an, nie eine Abonnementszeitung zu nutzen. 2009 lag der Wert noch bei 35 Prozent. Bemerkenswert ist, dass dieser Nutzungsrückgang traditioneller Informationsangebote nicht durch die Nutzung professioneller Online-Newsangebote kompensiert wird. Stattdessen informieren sich Junge zunehmend nur noch über alternative Kanäle, allen voran über Social Media, oder sie gehen als Informationsnutzer ganz verloren, weil sie primär Unterhaltungsangebote konsumieren. Wer Facebook und Twitter kennt, weiss, dass Social Media vor allem News servieren, die von minderer Qualität sind. Oft handelt es sich dabei um unterhaltende, emotionsgeladene oder ereignisgebundene, also wenig einordnende Kurzmeldungen. Die Autoren des Medien-Jahrbuchs halten fest, dass die Digitalisierung die Informationsmedien auch finanziell schwäche:
Die Qualität der Schweizer Medien variiert stark: Das neue Schlusslich bildet
Blick am Abend.                                 Quelle: fög - Jahrbuch Qualität der Medien
“Die Digitalisierung und die Globalisierung wirken sich in mehreren Facetten auf die Schweizer Medien aus und tragen zur Strukturschwäche des Informationsjournalismus bei. Die Zahlungsbereitschaft für Online-News ist weiterhin gering, die Online-Werbeeinahmen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück und die Aversion der Nutzer gegenüber Werbung auf Onlineplattformen ist ausgeprägt. In wachsendem Ausmass entwickeln sich die Werbemärkte zudem zu einer Domäne der globalen Tech-Giganten Google und Facebook, die neuerdings auch ins publizistische Geschäft vorstossen, um den digitalen Fingerabdruck ihrer Nutzer zu vervollständigen und so für die Werbewirtschaft noch attraktiver zu werden. Folglich vergrössern sich die Finanzierungsschwierigkeiten des Informationsjournalismus weiter.“
 Die Strukturschwäche im Informationsjournalismus wirke sich messbar negativ auf die Medieninhalte aus, sagen die Forscher. Bei den meisten der untersuchten Medientitel zeige sich seit 2010 eine insgesamt sinkende Qualität. Unter dem finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcenmangel im Informationsjournalismus leide die Einordnungsleistung am stärksten. Dadurch würden die Bürgerinnen und Bürger bei der Interpretation komplexer politischer, sozialer und ökonomischer Zusammenhänge immer häufiger allein gelassen. 
Selbstverständlich gibt es zahlreiche Kritiker, die sich der Meinung der Medienforscher nicht anschliessen. Darunter sind, wen wundert’s, vor allem Journalisten. So auch der Blogger und Journalist Reda El Arbi, der den Jahrbuchautoren vorwirft, den Medienkosumenten vorzuschreiben, was sie zu konsumieren hätten.  Es sei einfach, den Leser dafür zu beschimpfen, dass er die Geschichten, die man schreibe, nicht lesen wolle:
“Die Imhof-Jünger haben sogar ein Mittel gegen diese Infamität des Lesers: Sie nennen es «Medienkompetenz» und wollen den Kids beibringen, was «guter» Journalismus ist. Kurz: Sie wollen junge Menschen bereits in den Schulen dazu prägen, gefälligst das Produkt zu kaufen, das man für sie vorgesehen hat. Das ist paternalistisch und arrogant…“
 Vielleicht ist es das tatsächlich. Die Liste der meistbesuchten Websites der Schweiz zeigt allerdings deutlich, worauf die Medienkritiker herauswollen. Dass 20 Minuten und Blick an der Spitze der Medienwebsites stehen (abgeschlagen hinter Facebook, Google und Youtube) hat wohl mehr mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner im Journalismus zu tun, als mit Arroganz und Paternalismus.