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Wednesday, December 23, 2020

Arbeit: Homeoffice oder Teamsport?

 Was wird das neue Jahr für jene Angestellten bringen, die im Zuge der Corona-Krise ins Homeoffice gezogen sind und jetzt ihre Aufgaben von zuhause erledigen? Es kommt darauf an. Die wichtigste Voraussetzung wird sein, dass sich die epidemiologische Lage normalisiert.

Teamsport oder jeder allein? Homeoffice oder Büro in der Firma? Die Zeit nach Corona
wird es zeigen.                                                                                                Bild Pixabay

Homeoffice oder ganz einfach Office? Die Auguren sind sich nicht einig, was die Zukunft bringen wird, genau so wenig wie die betroffenen Mitarbeiter. Für viele von ihnen ist der Reiz der heimischen Stube nicht mehr ganz so gross, wie am Anfang der Pandemie. Andere geniessen es nach wie vor, nicht jeden Tag in die Firma pendeln zu müssen. Die FAZ publizierte diesen Sommer einen Artikel unter dem Titel: “Jedes fünfte Büro wird nicht mehr gebraucht werden“. Der Artikel basierte auf einer ZEW-Studie zum Thema. Das Ergebnis: Homeoffice wird populär bleiben – auch nach Corona:

“Eine mögliche Ursache für die auch nach der Krise stärkere Nutzung von Homeoffice ist die Erfahrung aus der Krise, dass weniger Tätigkeiten als bislang angenommen im Büro erledigt werden müssen. Auch diese Lehre aus der Krise ziehen vor allem größere Unternehmen. Insbesondere den Unternehmen ab 100 Beschäftigten in der Informationswirtschaft und im Verarbeitenden Gewerbe hat die Krise gezeigt, dass mehr Tätigkeiten fürs Homeoffice geeignet sind als bislang angenommen…“

Eigentlich leuchtet es ein: Wieso soll ein Unternehmen für Infrastrukturkosten aufkommen, die eigentlich gar nicht nötig wären – zumal es den Mitarbeitern zu gefallen scheint, zuhause zu arbeiten? Doch ganz so einfach ist es nicht – darauf weist Adidas Chef Kaspar Rorsted in einem Interview hin:

“Ich halte nichts vom ständigen Arbeiten zu Hause. Für mich ist das Arbeiten eine soziale Sache, bei uns ist sie Teamsport“, sagte Rorsted in einem Doppelinterview mit Fußballtrainer Jürgen Klopp. der Zeitung „Welt am Sonntag“. Wenn alle immer zu Hause arbeiten würden, entstehe keine Gemeinschaft. Die Konsequenzen dessen würden völlig unterschätzt. „Für mich ist nicht die Frage, ob Arbeit von zu Hause aus möglich ist. Sondern, ob dieses Modell menschlich sinnvoll ist“, sagte der Chef des Sportartikelherstellers mit Sitz in Herzogenaurach.“

Es wird sich erst zeigen, wer Recht behält, wenn die Pandemie wirklich vorüber ist. Eines ist sicher. Die Arbeitswelt wird nach Corona nicht mehr die gleiche sein, wie vorher.

Friday, September 30, 2016

Die Angst vor der Roboterisierung

Die Wirtschaft ist wieder mal im Umbruch: Immense Technologische Fortschritte, vor allem in der Digitalisierung, führen zu einer immer weitergehenden Automatisierung des Arbeitslebens. Experten gehen davon aus, dass auch Professionen betroffen sein werden, die gemeinhin nicht mit Robotern in Verbindung gebracht werden – zum Beispiel Ärzte und Lehrer. Noch ist nicht abzusehen, wie viele Arbeitsstellen von dieser Entwicklung betroffen sein werden. Aber es gibt Prognosen, die durchaus sich durchaus bedrohlich anhören.

Der Roboter, das unheimliche Wesen: Wir werden uns an die digitalen Arbeiter
gewöhnen müssen.                                                           Bild Adidas Speedfactory
Die letzte dieser Voraussagen kommt vom Marktforschungsunternehmen Forrester – und sie ist, was Arbeitsplätze betrifft, nicht optimistisch. Sechs Prozent sämtlicher Arbeitsstellen sollen allein in den USA schon in den nächsten fünf Jahren obsolet gemacht werden. Zitat aus einem Bericht von futurezone.at:
“Heutige Systeme wie Chatbots, selbstfahrende Autos und die persönlichen Softwareassistenten von Amazon, Apple und Google seien nur die Vorboten von weitaus leistungsfähigeren Systemen, die etwa den Kontakt zu Kunden oder eben Fahrdienste in den kommenden Jahren übernehmen werden, heißt es in der Analyse. Bis 2021 wird eine disruptive Flutwelle über uns hereinbrechen. KI-Systeme werden Jobs übernehmen, die größten Auswirkungen wird es in den Bereichen Transport, Logistik und Kundendienst geben.“
Schon Ende des letzten Jahres hatte eine Studie darauf hingewiesen, dass die fortschreitende Digitalisierung einschneidende Veränderungen im Arbeitsmarkt zur Folge haben wird:
“Die Aussichten für den Arbeitsmarkt durch die fortschreitende Computerisierung sehen nicht grossartig aus: Fast die Hälfte aller Beschäftigten muss damit rechnen, dass ihre Jobs mittelfristig durch Maschinen erledigt werden. Nach einer Analyse des Unternehmensberaters A.T. Kearney  sind in den nächsten 20 Jahren 318 und damit ein Viertel aller Jobprofile einem hohen Automatisierungsrisiko für die nächsten zwei Dekaden ausgesetzt. Der mögliche Effekt für den Arbeitsmarkt ist drastisch, weil in diesen Bereichen fast die Hälfte der Arbeitnehmer tätig ist.“
Über ein aktuelles Beispiel der Digitalisierung/Roboterisierung haben wir an dieser Stelle erst kürzlich berichtet:
“Die Autoindustrie hat es vorgemacht. Nun hält die automatische Fertigung auchim Sportartikelbereich Einzug - und zwar auf lokaler Ebene. Speedfactory heisst das Konzept, das Adidas dieser Tage in Franken in Deutschland vorstellte. In diesen Fabriken sollen Sportartikel schneller als je zuvor hergestellt werden. Und zwar genau dort, wo diese Artikel gebraucht werden und verkauft werden können. In der Speedfactory kommt intelligente  Robotertechnologie zum Einsatz, mit der Qualitätsprodukte  gefertigt werden können;  auch individuelle Schuhdesigns sind möglich…“
Die Angst vor der Digitalisierung ist also durchaus berechtigt und existiert auch auf höchster Ebene, wie die Handelszeitung zu berichten weiss:
“Der Nobelpreisträger und Ökonom Robert Shiller warnt im Interview mit ‘Millionär‘, dem Anlegermagazin der Handelszeitung, vor der Roboterisierung der Arbeitswelt. Die Technologie zerstöre das Gleichgewicht in allen Branchen, und heute angesehene Berufe wie Arzt, Anwalt und Professor würden durch künstliche Intelligenz ersetzt. «Selbst ich als Professor bin nicht geschützt», sagt er im Interview. Zwar sei es heute noch nicht so weit. Aber innert der kommenden Jahrzehnten werde künstliche Intelligenz omnipräsent sein: «Ich persönlich habe Angst – und nicht nur um meine Enkelkinder. Und ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin.“

Friday, May 27, 2016

Die Digitalisierung bringt die lokale Produktion zurück

Die Herstellung von Produkten im fernen Asien ist nicht mehr, was sie einmal war; die Preise sind gestiegen, Zölle und Zollformalitäten erschweren den Import der Waren, und die Bevölkerung glaubt nicht mehr uneingeschränkt an die Vorteile des globalen Handels – wie der Streit um TTIP, das Transatlantische Handelsabkommen beweist. Zum Glück gibt es die digitale Transformation. Diese macht es möglich, Produkte wieder vor Ort herzustellen, effizient und in hoher Qualität. Der Markengigant Adidas will es vormachen.

Die Autoindustrie hat es vorgemacht. Nun hält die automatische Fertigung auch
im Sportartikelbereich Einzug - und zwar auf lokaler Ebene.             Bild Adidas
Speedfactory heisst das Konzept, das Adidas dieser Tage in Franken in Deutschland vorstellte. In diesen Fabriken sollen Sportartikel schneller als je zuvor hergestellt werden. Und zwar genau dort, wo diese Artikel gebraucht werden und verkauft werden können. In der Speedfactory kommt intelligente  Robotertechnologie zum Einsatz, mit der Qualitätsprodukte  gefertigt werden können;  auch individuelle Schuhdesigns sind möglich. Die ersten 500 Paar Laufschuhe, die so hergestellt werden,   will   Adidas  in   der   ersten   Jahreshälfte   2016  präsentieren.   Die kommerzielle Serienproduktion soll in naher Zukunft starten. Das Ziel: “flexibel, lokal und auf kleinstem Raum zu produzieren.“
Das Konzept besticht durch verschiedene Vorteile. Die hochentwickelten Industriegesellschaften haben die Ressourcen, derartige High-Tech-Kleinfabriken aufzustellen. Die schafft wirtschaftliche Aktivität vor Ort, mit qualifizierten (allerdings verhältnismässig wenigen Arbeitsplätzen). Auch auf die Umwelt könnte sich die Herstellung in lokalen Kleinfabriken durchaus positiv auswirken, da lange Transportwege entfallen. Heute braucht ein Schuh rund drei Monate, von der Bestellung bis zur Lieferung in Europa. Die Herstellung eines Schuhs in der neuen Fabrik dauert knapp fünf Stunden:
“Wie eine Turnschuhfabrik sieht die Halle im mittelfränkischen Ansbach nicht aus, sondern eher wie eine Produktionsanlage für Computerchips: Die Wände sind schneeweiß, es gibt keine ratternden Nähmaschinen, nur eine Handvoll Mitarbeiter arbeitet an den Apparaten, ein Roboterwagen fährt zwischen zwei Maschinen hin und her und transportiert zugeschnittene Stoffe […] Doch in nur etwa fünf Stunden entsteht hier aus Garn, vier verschiedenen Kunststoffkügelchen und einem Paar Schnürsenkel ein Adidas-Laufschuh.In der Halle in Ansbach arbeiten gleich ein halbes Dutzend Maschinen zusammen, um die Schuhe zu produzieren. Eine Strickmaschine stellt zunächst den Stoff für die Oberfläche der Sneaker her, eine weitere schneidet ihn mit einem Laser zu. Auf der anderen Seite der Halle wird derweil aus Kunststoffteilen die Sohle gespritzt und zusammengesetzt. Auch Sohlen aus dem 3D-Drucker sollen künftig möglich sein. Statt Oberteil und Sohle am Schluss wie bisher zu verkleben, erhitzt eine weitere Maschine die Teile und schweißt sie zusammen.“  
Die Gefahr, dass man in Zukunft gar ganz ohne Menschen Sportartikel herstellen wird, bestehe aber nicht, beteuert man bei Adidas:
“Wir werden in der Speedfactory auch Menschen in der Produktion beschäftigen, die bestimmte Arbeitsschritte händisch ausführen.“ Ähnlich wie in anderen Bereichen auch sei zwar vieles technisch machbar, kostentechnisch aber nicht immer unbedingt sinnvoll.“