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Monday, June 7, 2021

KI kommt ins Hamburger-Restaurant

KI hält Einzug im Burger-Business: McDonalds rüstet zehn Filialen in Chicago mit Computern aus, die Bestellungen der Kunden entgegennehmen und in die Küche weiterreichen. Das System funktioniert noch nicht hundertprozentig, man darf aber davon ausgehen, dass sich der Trend zu KI und allgemeiner Automatisierung im Fastfood-Geschäft nicht verlangsamen, sondern beschleunigen wird.

Automatisierung scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.                           pixabay.com
Die Screens, auf denen die McDonald’s Kunden ihre Bestellungen eingeben können, sind schon länger im Einsatz – waren allerdings während der Covid-Pandemic nicht sehr populär. Berührungsbildschirme sind ja bekanntlich Virenschleudern, wenn sie nicht ständig geputzt werden. Beim neuen KI-Projekt von McDonalds in Chicaco geht es aber darum, dass die Computer die menschliche Sprache verstehen. Die KI kommt nämlich im Drive-thru zum Einsatz. Die Kunden bestellen also aus ihren Autos – und die Computer müssen die Bestellung verstehen. McDonald’s CEO Chris Kempczinski sagte an einer Konferenz, dass jene Restaurants, welche die Voice-Ordering-Technologie verwenden, eine Bestellgenauigkeit von etwa 85 Prozent erreichen. Nur etwa ein Fünftel der Bestellungen müsse an diesen Standorten von einem Menschen entgegengenommen werden. Bis die Technologie durchwegs implementiert sei, werde es etwa zwei Jahre dauern, sagte er. Es sei ein grosser Sprung von zehn Restaurants in Chicago zu 14‘000 Restaurants in den USA, mit einer unendlichen Anzahl von Aktionen, Menüänderungen, verschiedenen Dialekten  und anderen Unterschieden. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Restaurantangestellten daran zu gewöhnen, dass sie nicht vorschnell versuchen, der KI zu helfen.

McDonald's hat sich natürlich auch mit der Automatisierung der Küche befasst. Kempczinski hielt fest, dass dieser Schritt jetzt schon möglich - aber noch nicht rentable wäre:

"Die Höhe der Investitionen, die erforderlich wären, die Investitionskosten, wir sind nicht annähernd in der Lage, den Break-even aus der Sicht der Arbeitskosten zu erreichen, um dies zu einer guten Geschäftsentscheidung für Franchisenehmer zu machen“. (CNBC)

Monday, January 6, 2020

Google AI ist besser bei der Erkennung von Brustkrebs besser als ein Radiologe

Wir wissen, dass der Fachbereich Medizin eines der wichtigsten Spezialgebiete sein wird, das in den nächsten Jahren durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz grosse Veränderungen erfahren wird - zum Vorteil der Patienten. An dieser Entwicklung beteiligt sich auch Google. Der Konzern entwickelt künstliche Intelligenz, der bei der Erkennung von Brustkrebs helfen wird.

Die Zusammenarbeit von Mensch und KI wird das Gesundheitswesen stark
verändern.                                                                                          Bild pixabay
 Das Modell, das Röntgenbilder  (Mammographien) liest, reduziert die Zahl der falschen negativen Ergebnisse um 9,4 Prozent - ein hoffnungsvoller Sprung nach vorn für einen Test, der derzeit 20 Prozent der Brustkrebsfälle verfehlt, wie die New York Times berichtet. Brustkrebs ist gemäss Statistiken eine häufige Todesursache bei Frauen. Die Früherkennung gilt als die beste Verteidigung bei der Behandlung der Krankheit. Doch obwohl die Mammographie das häufigste Entdeckungsinstrument ist, wird immer noch eine grosse Anzahl von Fällen nicht erkannt. Mammographien seien sehr effektiv, aber es gebe immer noch ein erhebliches Problem mit falschen negativen und falschen positiven Ergebnissen, erklärt Shravya Shetty, ein Forscher bei Google, der das Papier mitverfasst hat, dem Magazin The Verge.
In der von Google finanzierten Studie verwendeten die Forscher anonymisierte Mammographien von mehr als 25‘000 Frauen in Großbritannien und 3‘000 Frauen in den USA. Laut Google-Blog trainierte das Team zunächst die KI, Röntgenbilder zu scannen, und suchte dann nach Anzeichen von Brustkrebs, indem es Veränderungen in den Brüsten der 28‘000 Frauen identifizierte. Dann überprüften sie die Vermutungen des Computers mit den tatsächlichen medizinischen Ergebnissen der Frauen.
Letztendlich konnte so die Zahl der falschen negativen Ergebnisse um 9,4 Prozent und die der falschen positiven Ergebnisse bei den Frauen in den USA um 5,7 Prozent reduziert werden. In Grossbritannien, wo die Ergebnisse in der Regel doppelt überprüft werden, reduzierte das Modell die falsch negativen Ergebnisse um 2,7 Prozent und die falsch positiven um 1,2 Prozent. Das Modell schneide sowohl in Großbritannien als auch in den USA besser ab als ein einzelner Radiologe, erklärt Christopher Kelly, ein Wissenschaftler bei Google, der das Papier mitverfasst hat, gegenüber Wired Magazine.
Das System war nicht perfekt. Zwar stellten die Forscher fest, dass die KI in den meisten Fällen die Ärzte bei der Identifizierung von Brustkrebs übertrifft, aber es gab auch Fälle, in denen Ärzte den Krebs, den das Modell ursprünglich übersehen hatte, als unzulänglich bezeichneten. "Manchmal erkannten alle sechs US-Spezialisten eine Erkrankung, die von der KI nicht gesehen wurde - und umgekehrt, wie ein Forscher dem Wall Street Journal erzählte. 
Google hat darauf geachtet, dieses Projekt so zu gestalten, dass es den Radiologen hilft und sie nicht ersetzt. Wie die Resultate zeigen, könnte die Zusammenarbeit von Mensch und KI das Gesamtergebnis entscheidend verbessern.


Friday, December 20, 2019

Überwachungskameras: Das Ende der Anonymität

Man gewöhnt sich an fast alles, vor allem, wenn sich ein Zustand langsam ändert. So ist es auch mit Überwachungskameras. Auch in der Schweiz, die bezüglich Videoüberwachung und Gesichtserkennung noch längst nicht so weit ist, wie andere, oft nicht demokratisch regierte Länder, gibt es immer mehr Videoüberwachung. Andernorts ist die Überwachung der Bürger allerdings schon viel weiter fortgeschritten.

1984 war vor 36 Jahren - aber Big Brother beobachtet uns, wie nie zuvor.
                                                                                                        Bild Pixabay
Wenn heute von Videoüberwachung gesprochen werde, sei den meisten Menschen bewusst, dass Videokameras sowohl in privaten Bereichen wie in Einkaufszentren, am Arbeitsplatz, im Aussenbereich von Privathäusern als auch im öffentlichen Raum, auf Plätzen, an Strassen, Bahnhöfen und Flughäfen installiert seien, schreibt der Verein humanrights.ch auf seiner Informationsplattform:
“Die stetige Zunahme der Anzahl an Überwachungskameras geht einher mit neuen technologischen Entwicklungen, welche mit den Stichworten «intelligenteKameras» und «Gesichtserkennung» benannt werden. Bereits heute kann ein Netzwerk von mehreren Videokameras gemeinsam Bewegungsprofile erstellen und einer Person auf diese Weise folgen…“
Die ständig zunehmende Überwachung macht also auch in der Schweiz nicht halt. Gemäss ‘Beobachter‘ gibt es hier bereits mehr als eine halbe Million legale Überwachungskameras - obwohl der Einsatz eigentlich nur zugelassen werden sollte, wenn keine “milderen“ Massnahmen möglich sind. Das Ziel ist an sich ein löbliches: Die Sicherheit der Bürger soll verbessert, Straftäter vermehrt gefasst werden. Genau diese Ziele werden auch verfolgt, wenn Überwachungskameras auf der Strasse eingesetzt werden, was immer öfter der Fall ist, da diese Kameras dank künstlicher Intelligenz immer mehr erkennen können. Die NZZ berichtet über ein Beispiel aus Australien, wo die Polizei mit diesen Kameras Autofahrer dabei ertappt, dass sie beim Fahren ihr Handy benutzen:
“ Erkennen die installierten Kameras einen Handy-Sünder, schiessen sie ein Foto, auf dem nebst dem Fahrer auch das Kfz-Kennzeichen erfasst wird. Die Aufnahmen werden dann von Mitarbeitern der australischen Polizei überprüft. Die Behörde will auf diese Weise jährlich 135 Millionen Fahrzeuge kontrollieren. Nach einer Schonfrist, in der Handy-Sünder noch mit einer Verwarnung davonkommen, werden ab März 2020 Geldstrafen in der Höhe von bis zu 457 australischen Dollar verhängt, zudem werden fünf Strafpunkte im Verkehrsregister eingetragen. Der Einsatz der smarten Blitzer soll dazu beitragen, tödliche Unfälle im Strassenverkehr innerhalb von zwei Jahren um 30 Prozent zu verringern…“
Ein hehres Ziel, das auch die Behörden anderer Länder vor Augen haben, wenn sie Ihre Bürger überwachen. Deshalb ist die ständige Überwachung wohl unaufhaltsam - obwohl die Bürger dafür einen hohen Preis bezahlen:
“Einst war man im öffentlichen Raum anonym. Solange niemand nach Namen oder Ausweis fragte, und man keinen Bekannten traf, konnte man sich dort unerkannt bewegen. Diese Zeit ist vorbei. Auf der Straße gibt es keine Anonymität mehr, soll es keine mehr geben. In wenigen Jahren wird es nahezu unmöglich sein, sich durch eine deutsche Grossstadt zu bewegen, ohne dabei nicht mindestens einmal gefilmt zu werden. Staatliche und private Überwacher wollen jeden jederzeit erkennen und wiederfinden können – aus Bequemlichkeit, um Geld für Personal und Prävention zu sparen, um Ängste zu beschwichtigen. In Großbritannien ist es bereits so…“ (zeit.de)


Wednesday, October 23, 2019

Windows war gestern - Microsoft plant den 'Welt-Computer'

Intelligent Edge, heisst das Computer-Konzept, von dem Microsoft Chef Satya Nadella glaubt, das ihm die Zukunft gehört. Bestandteile davon sind sie Cloud, künstliche Intelligenz und Edge Computing - speziell die Microsoft Cloud Azure. Windows hat in diesen Zukunftsplänen nicht mehr viel Platz.

Microsoft am Rheinauhafen in Köln: Das Unternehmen ist
heute an der Börse mehr als eine Billion Dollar wert.    Bild pd
Nadellas Vision schlägt sich in Microsofts Büchern nieder, und zwar äusserst positiv. Microsoft kombiniert Server-Produkte, Cloud-Dienstleistungen und Enterprise Services im Rahmen seines Intelligent-Cloud-Business-Unternehmens. Das Segment trägt bereits 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Im Geschäftsjahr 2019 stieg der Umsatz mit der Intelligent Cloud um 21 Prozent auf 38,9 Milliarden US-Dollar und trägt heute am meisten zum Umsatz und zur Rentabilität von Microsoft bei. Microsoft Azure allein verzeichnete ein Umsatzwachstum von 72 Prozent. Doch der Microsoft Boss will mehr. Er sieht Azure als zukünftigen Welt-Computer:
“Denn die Zukunft gehört nicht den Geräten in unserer Tasche sondern ihrem Zusammenspiel mit der intelligenten Cloud, so Nadella. Lange Zeit mussten unsere Rechner ihre Berechnungen entweder selbst erledigen, oder sie waren auf die Leistung der Cloud angewiesen. Die Intelligent Edge bricht diesen Gegensatz auf - und öffnet so unzählige neue Möglichkeiten. Aus Cloud und Gerät wird ein Zusammenspiel. Die smarten Geräte - Edge genannt - arbeiten im Alltag vor sich hin und sammeln dabei Daten. Die werden dann an die Cloud geschickt und dort von künstlicher Intelligenz weiterverarbeitet. Die dabei entstandenen Verbesserungen der KI werden dann wieder auf die Edge übertragen, die dadurch noch smarter vor Ort agieren kann. So verbessert sich das System ständig selbst.“ (stern.de)
Was es braucht, damit dieses Intelligent-Edge-Konzept funktioniert, weiss Nadella auch. An einer Regierungskonferenz in Washington nannte er Zahlen. Der Schlüssel dazu sei, dass bis in zehn Jahren 50 Milliarden Geräte global vernetzt seien, ob man sie nun Edge-Geräte oder das Internet der Dinge nenne. Diese Geräte würden Unmengen von Daten erzeugen. Nadella nennt diese Datenflut und deren Verarbeitung den Treibstoff für künstliche Intelligenz.
Man darf davon ausgehen, dass auch Amazon, Google und andere Mitbewerber sich Gedanken über Nadellas Vision machen und dabei hart an ihren eigenen Konzepten arbeiten. Microsoft hat sich aber  mit Azure eine sehr solide Geschäftsbasis zurechtgelegt, die auch an der Börse erkannt wird. Seit Nadella im Jahr 2014 ins Chefbüro einzog, stieg die Microsoft Aktie um 280 Prozent, allein dieses Jahr waren es 40 Prozent.

Sunday, August 18, 2019

KI wird zum besseren Arzt werden

Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Roboter werden oft in einem Atemzug mit dem Verlust von Arbeitsstellen genannt. Wie weit diese Prognosen eintreffen werden, wird sich zeigen, aber eines ist sicher: KI macht sich in einigen Spezialgebieten bereits unentbehrlich und wird unaufhaltsam sein. Dazu gehört auch die Medizin - und unser aller Gesundheit sollte im Endeffekt davon profitieren. 

Add captIhr Doktor mag noch keinen direkten Zugriff auf KI haben - aber sein
Smartphone gehört bestimmt zu seinen Tools.                            Bild Max Pixel
KI ist deshalb besonders gut für das Fachgebiet Medizin geeignet, weil dort besonders viele Informationen anfallen und auch berücksichtigt werden müssen. Weltweit werden schätzungsweise jeden Tag 6000 medizinische Artikel veröffentlicht. Wer soll die alle lesen? Sicher nicht Ihr Arzt - auch wenn er noch so gerne auf dem Laufenden bleiben möchte. KI hingegen kann automatisch Zusammenfassungen erstellen und automatisch die wichtigsten Artikel anzeigen, wenn es um bestimmte Krankheitsbilder geht. Der Arzt muss nur abrufen, was er braucht.
Computer sind besonders gut darin, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten - sie werden nicht müde, und sie sind zuverlässig. Auch wer (noch) nicht zum Arzt geht, lässt sich oft von computergenerierten Infos diagnostizieren: In Deutschland zum Beispiel hat eine Krankenversicherung Millionen von Suchanfragen bei Google Analysiert und eine Rangliste der Diagnosen erstellt (auf Platz eins stand die Schilddrüsenvergrösserung, auf Platz zwei, Diabetes). Solche Diagnosen sind nicht sehr zuverlässig, zeigen aber, wie sich die Welt der der medizinischen Diagnostik im digitalen Zeitalter verändert hat. KI hingegen ist in der Diagnostik kaum zu schlagen:
“Bestimmte radiologische Befunde lassen sich schon heute schneller und treffsicherer vom Computer ermitteln als vom Menschen. KI kann Ärzten helfen, schwarzen Hautkrebs zu erkennen. So war ein trainiertes, selbstlernendes Computerprogramm irgendwann besser darin, bösartige Melanome von gutartigen Muttermalen zu unterscheiden, als Hautärzte. „In der Radiologie erleben wir derzeit eine mathematische Revolution, die schneller und tiefgreifender ist als alle Umbrüche zuvor“, sagte Anfang 2019 Stefan Schönberg, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft, dem Wirtschaftsmagazin „Bilanz“. Wissenschaftler aus China und den USA entwickelten ein System, das unter anderem anhand von elektronischen Gesundheitsakten zuverlässiger feststellt, was jungen Patienten fehlte, als – relativ unterfahrene – Kinderärzte. Lernende Roboter können bestimmte Routineverfahren im Rahmen von Operationen besser durchführen als ein Mensch, der müde werden kann und menschlichen Stimmungen und Fehlern unterliegt.“ (tagesspiegel.de)
Auch die Frankfurter Allgemeine berichtet zum Thema unter dem Titel: Ersetzt künstliche Intelligenz den Radiologen? Und weil auch hier die Regel für Zeitungsschlagzeilen anwendbar ist, wonach Titel mit einem Fragezeichen generell mit "nein" beantwortet werden können, ist die Antwort schon zum vornherein klar. Aber man könnte auch antworten "noch nicht":
“Seit vergangenem Jahr hat [Radiologe Michael]Lell einen neuen Mitarbeiter, dem die eintönige Arbeit der Bildauswertung nichts ausmacht, der nie müde wird, obwohl er niemals Feierabend hat. Eine Software nimmt ihm einen Teil der Analyse der Bilder und das Vermessen ab und erstellt anschließend vollautomatisch einen Bericht. Die Ergebnisse sind ermutigend. Zwar arbeitet das Programm noch nicht fehlerlos, unterstützt aber auch erfahrene Fachärzte bereits. „Die Software ermittelt automatisch das Volumen eines Tumors, damit ist die Wirkung moderner Tumortherapien viel besser zu objektivieren“, sagt Lell. Zudem ist eine Maschine nie auf eine bestimmte Verdachtsdiagnose fixiert: Erfolgt die Untersuchung des Brustkorbs aufgrund einer Lungenerkrankung, analysiert sie das Herz mit derselben Aufmerksamkeit – und entdeckt möglicherweise eine Verkalkung der Herzkranzgefäße, die ansonsten im Bericht nicht erwähnt worden wäre. Ein erhöhter Aufwand ist damit nicht verbunden – das CT liefert die für die Diagnose notwendigen Daten ohnehin.“
Der Einsatz von KI in der Medizin steht erst am Anfang - wird aber gewaltige Auswirkungen auf den ärztlichen Berufsstand haben. Immerhin glaubt der von der FAZ porträtierte Radiologe nicht daran, dass er bald überflüssig wird: „Die Übernahme durch die Maschinen werde in absehbarer Zeit nicht stattfinden, schließlich möchte kein Patient auf das persönliche Gespräch mit seinem Arzt verzichten, gibt er zu Protokoll.

Friday, September 7, 2018

Künstliche Intelligenz: überschätzt oder unterschätzt?

Erst kürzlich haben die Grossen des Silicon Valley vor dem Zeitalter der künstlichen Intelligenz gewarnt: KI sei gefährlich - und wir sollten uns davor fürchten. Wir gehen davon aus, dass diese Warnungen  wirkungslos verpuffen werden - weil KI nämlich viel, viel Geld verspricht. Neuste Prognosen gehen davon aus, dass mit den smarten Maschinen schon in den nächsten 12 Jahren Billionen verdient werden.

Maschinen mit Hirn, auch Künstliche Intelligenz genannt, werden schon in den
nächsten Jahren immense Umsätze generieren.                            Bild pixabay
Nach Prognosen des McKinsey Global Institute (MGI) kann Künstliche Intelligenz das globale Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte pro Jahr steigern. KI übertrifft somit den jährlichen Wachstumseffekt, den im Zeitalter der ersten industriellen Revolution  Dampfmaschinen, und später, Industrieroboter und die Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien erzielten, um ein Mehrfaches. Insgesamt ist mit Künstlicher Intelligenz bis 2030 ein zusätzlicher globaler Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen US-Dollar möglich.
Für die Studie teilte das MGI die KI-Technologie in fünf Kategorien ein:  Automatische Bilderkennung, natürliche Sprache, virtuelle Assistenten, Roboter-basierte Prozessautomatisierung und fortgeschrittenes maschinelles Lernen. Diese Technologien werden zukünftig von Unternehmen am wahrscheinlichsten eingesetzt. Bis 2030 werden circa 70 Prozent der Unternehmen mindestens eine der genannten KI-Technologien nutzen, prognostizieren die Forscher des MGI. Unternehmen, die KI früh implementieren, könnten ihren Cashflow verdoppeln, während die Nachzügler einen Rückgang ihres Cashflows um etwa 20 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau verzeichnen müssten, sagt Peter Breuer von McKinsey.
Zum KI-getriebenen Produktivitätswachstum tragen unterschiedliche Mikro- und Makro-Faktoren bei, etwa die Adaptionsgeschwindigkeit von KI-Technologie durch Unternehmen oder die Arbeitsmarktstruktur eines Landes.
Wirtschaftlich ist KI also extrem vielversprechend. Viele Fachleute fürchtensich aber auch davor.
“Bill Gates hält sie für gefährlicher als einen Nuklearkrieg, Elon Musk für die «vielleicht grösste Bedrohung der Menschheit». Wer sich noch keine Sorgen über die Gefahren der künstlichen Intelligenz (KI)mache, sollte es tun, liess er vergangene Woche via Twitter wissen. «Das Risiko ist weit grösser als Nordkorea.» Auch Wissenschaftler prognostizieren, dass intelligente Maschinen die Menschen versklaven werden. Gemäss dem Physiker Stephen Hawking könnte eine hochentwickelte KI sich selber weiterentwickeln und vermehren und schliesslich das Ende der Menschheit bedeuten. Namhafte Experten gehen von nur mehr einigen Jahrzehnten aus bis zur sogenannten Singularität - dem Zeitpunkt, ab dem uns die Maschine überlegen ist und den Menschen beherrschen wird…“
Die NZZ, aus der das obige Zitat stammt, gibt allerdings wieder Entwarnung: Dass Menschen mit Informatikverständnis und überdurchschnittlicher Intelligenz solche Katastrophen prognostizierten, sei unverantwortlich. Die Untergangsszenarien basierten auf einer immensen Überschätzung des Potenzials maschineller Intelligenz, sagt der Autor.
Hoffen wir, dass dem so ist.

Saturday, March 31, 2018

Künstliche Intelligenz: Wer zahlt, wenn's kracht?

Künstliche Intelligenz soll so vieles besser können, als wir Menschen. Zum Beispiel Autofahren. Wenn es dann aber kracht, beginnt der Streit um die Schuldfrage: Wer ist im Fehler: Der Mensch oder die Maschine? Welche ethischen Grundsätze sollen autonome Fahrzeuge in Dilemma-Situationen befolgen, wenn Gesundheit und Leben anderer Verkehrsteilnehmer auf dem Spiel stehen? Eine neue Studie des Allianz-Versicherungskonzerns zeigt auf, dass die Frage der Haftpflicht im Zusammenhang mit KI kompliziert werden kann - und das ist nicht das einzige, potenziell sehr teure Risiko, das die Versicherer bezüglich Künstlicher Intelligenz voraussagen.

Wer kann es besser und wer ist schuld, wenn es schief geht -
Der Mensch oder die Maschine?                                Pixabay
Der Einsatz von KI eröffnet riesige Chancen und Möglichkeiten. Gelangt die Technologie jedoch in die falschen Hände, können die potenziellen Gefahren den grossen Nutzen schnell beeinträchtigen. So steigert die allgegenwärtige Vernetzung die Anfälligkeit gegenüber Cyberangriffen oder technischem Versagen, die zu grossflächigen Ausfällen und enormen finanziellen Verlusten führen können. Unternehmen sehen sich zudem mit neuartigen Haftungsfragen konfrontiert, da sich die Verantwortung für Handlungen vom Menschen auf die Maschine verlagert.
Die neue neue Studie "The Rise of Artificial Intelligence: Future Outlook and Emerging Risks" nimmt diese Risiken unter die Lupe und kommt zum Schluss, dass es vorbeugende Massnahmen zur Risikominderung braucht.
Schon heute können sogenannte "schwache" KI-Anwendungen bestimmte Aufgaben wie das Erkennen von Texten ausführen. In Zukunft werden "starke" KI-Anwendungen sogar in der Lage sein, autonome Fahrzeuge zu steuern, genauere Wettervorhersagen zu treffen, Krankheiten zu diagnostizieren, Finanzgeschäfte durchzuführen oder Industriemaschinen zu bedienen und zu überwachen. KI tritt häufig in Verbindung mit anderen neuen Technologien auf, wie dem Internet der Dinge, der Datenanalytik oder der Blockchain. Laut Accenture könnte KI die jährliche Wirtschaftswachstumsrate in zwölf Industrienationen bis 2035 verdoppeln.
Dieses enorme Potenzial hat jedoch seinen Preis. KI erhöht die ohnehin wachsende Gefahr durch Cyberrisiken weiter. So kann KI-gestützte Software zwar einerseits das Cyberrisiko für Unternehmen durch eine bessere Erkennung von Angriffen reduzieren, andererseits aber ebensolche Angriffe erleichtern, weil Planung und Durchführung einfacher werden. Ein- und derselbe Hackerangriff - oder alternativ auch ein Programmierungsfehler - könnten auf zahlreichen Rechnern repliziert werden. Dadurch werden grosse globale Cybervorfälle wahrscheinlicher, die laut Lloyds Schäden in Höhe von mehr als 50 Milliarden(!) US-Dollar verursachen könnten.
Was die Frage der Haftung betrifft, können intelligente KI-Agenten zwar künftig dem Menschen viele Entscheidungen abnehmen, dafür aber rechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. In der Regel haftet der Hersteller oder Softwareprogrammierer von KI-Agenten für Fehler, die bei Nutzern Schäden verursachen. Für auf KI basierende Entscheidungen, die sich nicht direkt auf das Design oder die Herstellung zurückführen lassen, die aber von einem KI-Agenten aufgrund seiner Interpretation der Realität getroffen werden, könne nach aktuell geltendem Recht niemand explizit haftbar gemacht werden, teilt der Versicherungskonzern mit. Wenn die Anzahl der durch KI hervorgerufenen Schäden zunehme, könne es schnell teuer werden und langwierig sein, die Entscheidungsfindung den Gerichten zu überlassen, fürchten die Versicherungen. Deshalb müssten Expertengremien geschaffen werden, die die rechtliche Eintrittspflicht klären und einen Haftungsrahmen ausarbeiten, der Designer, Hersteller oder Verkäufer von KI-Produkten einer beschränkten Delikthaftung aussetze.

Monday, February 5, 2018

Die Kamera von Google, die selber fotografiert

Erinnern Sie sich noch an Google Glass? Die Brille mit der eingebauten Kamera war einer der wenigen Google-Flops. Einer der Gründe für den Misserfolg war eben die besagte Kamera die Bedenken über mögliche Verletzungen der Privatsphäre verursachte. Nun bringt Google wieder eine Kamera auf den Markt, die immer dabei sein soll: Google Clips soll sogar selbständig erkennen, was wir fotografieren wollen.

Google Clips lernt, wann abzudrücken.                             Bild Google
Die Kamera ist klein und unauffällig; sie kann entweder getragen oder aufgestellt werden, um zu fotografieren was rundherum so läuft. Das besondere an Google Clips: Eingebaute künstliche Intelligenz lässt das Gerät lernen, was für den Benutzer wichtig ist, um im richtigen Moment abzudrücken. Aus der NZZ:
“Dazu beobachtet und analysiert Google Clips ständig das Geschehen vor der Linse und soll durch Lernen immer besser werden. Die Kamera erkennt beispielsweise, welche Personen oder Haustiere immer wieder auftauchen. Nutzer können Google Clips zusätzlich trainieren, indem sie etwa für gewünschte Szenen oder Ausschnitte manuell auslösen. Unabhängig davon, ob die Kamera dann tatsächlich entscheiden kann, welche Szene sich für eine hübsche Erinnerung als Foto anbietet – Nutzer der Google Clip müssen zumindest nicht ans Fotoschiessen denken und können sich aus der von der Kamera getroffenen Auswahl die besten Bilder herauspicken.“
Die Kamera ist ideal für Social-Media-User, die ihr Leben im Internet dokumentieren wollen - aber nicht nur. Sie hat 16 GB Speicher und integrierte Wifi-Fähigkeiten und kann Bilder, Videos und Gifs (ohne Ton) direkt auf das Smartphone übertragen, sofern dieses mindestens mit Android 7.0 Nougat oder iOS 10 läuft. Die Linse nimmt 130 Grad der Umgebung auf, und die Bilder werden im Burst-Modus mit 15 Belichtungen pro Sekunde aufgenommen. Die Kamera wählt dann selber die beste Aufnahme aus.
Google Clips zeigt übrigens an, wenn das Gerät fotografiert - mit einer LED-Anzeige. Damit haben jene, die nicht aufgenommen werden wollen, wenigstens eine Chance, zu protestieren.

Bis jetzt wurde Google Clips nur in den USA angeboten - für 250 US-Dollar. Sie war im Google Store in kurzer Zeit ausverkauft. 

Sunday, August 27, 2017

Orwell, Kafka und die digitalen Wächter

Dass an einem Berliner Bahnhof ein Versuch mit Überwachungskameras läuft, welche die Gesichter vom Staat gesuchter Subjekte erkennen sollen, sorgt für Kritik. Man darf allerdings davon ausgehen, dass wir uns im Zeitalter des unberechenbaren islamistischen Terrorismus auch an dieses digitale Überwachungswerkzeug des immer allgegenwärtiger werdenden Staates gewöhnen werden – in der Hoffnung, dass es uns sicherer macht.
 
Gesichtserkennung funktioniert immer besser, weil die digitale Technik enorme
Fortschritte macht.                                                      Bild Wikimedia Commons
Vorläufig handelt es sich nur um einen Test. Doch, gemäss deutschem Innenminister scheint die Sache ganz gut zu funktionieren:
“In den ersten Wochen an überwiegend hellen August-Tagen habe sich eine erstaunliche Treffsicherheit gezeigt, berichtete de Maiziere. Es gehe aber jetzt darum, die Gesichtserkennung noch unter anderen Bedingungen zu erproben, etwa an dunklen November-Tagen. Auch müsse die Zuverlässigkeit getestet werden, wenn jemand Sonnenbrille, Mütze oder Kapuze aufgesetzt habe…“
Möglich geworden ist diese Art der Überwachung durch die enorme Leistungszunahme der digitalen Technik – künstliche Intelligenz und Bildverarbeitung erfordern gewaltige Rechnerleistungen, die in den letzten Jahren immer billiger geworden sind. IBMs z14-System ist zum Beispiel in der Lage, mehr als zwölf Milliarden verschlüsselte Transaktionen pro Tag auszuführen.
Trotzdem kommt der nächste Schritt zum Überwachungsstaat nicht überall gut an. Der Spiegel titelt zum Beispiel “Treffen sich Orwell und Kafka am Bahnhof...“. Zitat aus dem Artikel:
“Im Kern möchten de Maizière und seine Polizisten in etwa das Gleiche, was sich beispielsweise auch die NSA wünscht: ein fast magisches System aus künstlicher Intelligenz und Echtzeit-Datensammlungen, das eines Tages vorhersagt, wer demnächst etwas Böses tun wird. Daten aus dem "Cyberraum", wie de Maizière gerne sagt, Daten aus Kameras, Telefonverbindungsdaten und so weiter. Deep Learning und neuronale Netze werden aus all den Informationen schon irgendwie die nötigen Muster extrahieren. Für die aktuelle Terrorvorhersage in Analogie zur Wettervorhersage gewissermassen. Man will dem Unbeherrschbaren mit neuen Herrschaftsmethoden begegnen. Es geht darum, und darüber sollten wir als Gesellschaft vielleicht vorher doch noch mal reden, zwischen Polizei und Bürgern eine Schicht Künstliche Intelligenz (KI) einzuziehen. Diese KI kann Polizisten warnen und losschicken, wenn sie es für nötig hält. Eine Art allsehender, immer aufmerksamer digitaler Wächter, der weiss, wer mit wem spricht, telefoniert oder Mails austauscht, wer sich wo aufhält - ausser natürlich, der- oder diejenige trägt gerade eine Schirmmütze.“
Doch wie funktioniert die Gesichtserkennung überhaupt? Die Frankfurter Allgemeine offeriert eine Erklärung:
“Mit dreidimensionalen Kameras wird eine höhere Erkennungsgenauigkeit erzielt. Die Computer vergleichen nicht etwa die Fotos, wie das ein Mensch tun würde, sondern sie rechnen jedes erfasste Gesicht in ein sogenanntes biometrisches Datum um. Aus den Merkmalen des Gesichts wird ein digitales Muster, ein sogenannter Hashwert, der für jedes Gesicht einzigartig ist. Je grösser die Datenbank ist, mit der die Gesichter abgeglichen werden, desto langsamer und fehleranfälliger arbeitet jedoch das Verfahren.“
Gemäss FAZ liegt die Trefferquote derzeit bei rund 70 Prozent – vorausgesetzt, dass die Gesichter nicht verdeckt sind.

Tuesday, July 25, 2017

Künstliche Intelligenz, skeptische Konsumenten und das Ende der Welt

Es waren wohl die immer zahlreicheren Roboter und vielleicht auch die selbstfahrenden Autos, die das Thema künstliche Intelligenz in den letzten Jahren und Monaten immer populärer gemacht haben. Trotzdem wissen wir nicht, wohin die Entwicklung führen wird. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Künstliche Intelligenz mit viel Skepsis betrachtet wird. Eigentlich kein Wunder – wenn sogar wichtige Wirtschaftsführer eindringlich davor warnen.

Künstliche Intelligenz: Frauen sind skeptischer als Männer, was die positiven
Auswirkungen von KI auf unseren Alltag betrifft.  Bild Wikimedia Commons
Tesla-Chef Elon Musk sieht künstliche Intelligenz als die grösste Gefahr für die Menschheit. Er wolle nicht alarmierend klingen, sagte Musk, tat es dann aber doch:
"Ich habe Zugang zur modernsten künstlichen Intelligenz, die es gibt. Und ich glaube, die Leute sollten besorgt darüber sein.“
Wer den neuen Technologien ein gesundes Misstrauen entgegen bringt, befindet sich also durchaus in guter Gesellschaft. Wie sich zeigt, sind das recht viele Konsumenten – wenn auch nicht aus existenziellen Gründen, wie Mr. Musk. Durchschnittliche Konsumenten sorgen sich nicht so sehr darüber, dass KI die Menschheit vernichten könnte, sondern eher darüber, ob ihre Daten bei einem Chatbot in sicheren Händen sind, oder ob sie sich auf KI-Dienste überhaupt verlassen können, wie eine aktuelle Bitkom-Studie in Deutschland zeigt:
“Grundsätzlich legen die Deutschen nach wie vor hohen Wert auf eine persönliche Interaktion, auch wenn angenommen wird, dass KI das Leben künftig in Form von Robotern, Chatbots und anderen intelligenten Maschinen immer mehr beeinflussen wird. Zudem ist jeder Zweite (55 Prozent) der Meinung, dass ein Chatbot ein größeres Sicherheitsrisiko im Hinblick auf persönliche Daten darstellt, als ein Mensch. Auch wenn zwei Drittel der Befragten Vorteile in vollautomatisierten Dienstleistungen für sich als Kunden erkennen, macht sich die Mehrheit (71 Prozent) dennoch Sorgen, dass vollautomatisierte Dienstleistungen die Sicherheit ihrer persönlichen Daten gefährden. [...] Nicht einmal jeder zweite Verbraucher (44 Prozent) würde einem vollautomatisierten Einkaufsservice vertrauen, der Lebensmittel automatisch nachbestellen würde, wenn diese aufgebraucht sind. Ebenso skeptisch stehen die Deutschen der Frage gegenüber, ob Smart-Home-Geräte ihnen den Alltag erleichtern…“
Und natürlich ist das nicht die einzige Unsicherheit gegenüber KI. Wie eine andere Umfrage im Aufrag von Trusted Shops ergab, erwarten zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten, dass durch den Einsatz von intelligenten Maschinen in den kommenden Jahren ganze Berufsgruppen verschwinden werden. Trotzdem erwarten viele Bürger, dass sie von KI profitieren werden:
“Über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) sehen die Vorteile, die mit der Ausbreitung künstlicher Intelligenz einhergehen. Sie stimmen der Aussage zu, dass der Einsatz von KI das Leben der Menschen in den kommenden Jahren deutlich angenehmer machen wird. Sie erwarten eine Erleichterung des Alltags durch die weitere Inanspruchnahme intelligenter Maschinen. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während 60 Prozent der männlichen Teilnehmer eher die positiven Begleiterscheinungen einer solchen Technologie-Entwicklung für den Alltag sehen, sind Frauen dieser Entwicklung gegenüber eher skeptisch eingestellt...“
 Nach Meinung der Befragten sind es Beschäftigte in den Sektoren Industrie und Produktion, deren Jobs am meisten durch KI gefährdet sind – am wenigsten gefährdet sei der Handel.

Friday, January 13, 2017

Das Fortschrittsdilemma: Künstliche Intelligenz oder menschliche Arbeitskraft?

Die künstliche Intelligenz macht enorme Fortschritte und zeigt jetzt schon ihr gesellschaftsveränderndes Potential. Während IBM mit dem AI-System Watson die Kommerzialisierung vorantreibt und immer wieder für Schlagzeilen sorgt, signalisieren viele Ökonomen ihren Optimismus über die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser digitalen Revolution.

Watson Avatar: Das Logo des IBM KI-Systems.                                Grafik IBM
Die letzten Tage sorgte er wieder einmal für Schlagzeilen: Watson, das KI-System von IBM, das sich in den letzten Jahren zu einem Milliardenprojekt entwickelt hat und durch die Cloud bereits von tausenden von Firmen weltweit eingesetzt wird – von der Krebsforschung bis zur Versicherungsbranche. Von einer Versicherung handelten denn auch die oben erwähnten Schlagzeilen: “Invasion der Supercomputer: Japanischer Versicherer ersetzt 34 Leute durch Künstliche Intelligenz“ titelte zum Beispiel das Manager Magazin:
“Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz bereiten vielen Menschen Sorgen. Sie befürchten, dass hochentwickelte Computer oder Roboter künftig zunehmend menschliche Arbeitsplätze obsolet machen könnten. In Japan gibt es nun einen Fall, in dem diese Bedrohung drastische Realität wird: Einem Medienbericht zufolge ist der japanische Versicherungskonzern Fukoku gerade dabei, mehr als 30 Leute vollständig durch eine künstliche Intelligenz (KI) zu ersetzen. Bei Fukoku soll das KI-Programm medizinische Berichte von Ärzten und andere Dokumente lesen, aus denen Informationen hervorgehen, anhand derer sich die Auszahlungen an Kunden berechnen lassen.“
Damit wird Watson zum direkten Konkurrenten für menschliche Büroarbeiter - auch wenn die IBM-Spezialisten Watson nur als Werkzeug sehen, wie die faz bei einem Besuch im  Thomas J. Watson Research Center herausfand:
“Ein Werkzeug, lediglich ein Werkzeug, so wiederholen es gebetsmühlenartig die Leute von IBM […] „Unser Ziel war es bisher, ein Werkzeug herzustellen, das der Mensch benutzt, um Hilfe für seine Arbeit zu bekommen.“ Keine Frage, die Rolle des Menschen müsse sich verändern, aber das letzte Wort werde immer er haben und behalten.“
Tatsächlich hat eine Studie der Universität Oxford schon vor drei Jahren für Unruhe gesorgt, die vorhersagt, dass fast 50 Prozent aller Erwerbstätigen mittelfristig durch Maschinen ersetzt werden könnten. Doch es gibt auch Thesen, die dieser negativen Sichtweise widersprechen. Zitat aus einem Artikel der NZZ zum Bericht des schweizerischen Bundesrates zur digitalen Wirtschaft:
“Zu den Optimisten zählt die Beratungsfirma Deloitte, die 2015 für die Schweiz schätzte, dass die Automatisierung innert zehn Jahren netto 270 000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen dürfte. […] Es gibt gute Chancen auf eine weiterhin hohe Beschäftigung auch in Zukunft, und der Anteil der Stellen mit hohen Qualifikationsanforderungen dürfte wie schon in den letzten Jahrzehnten weiter zunehmen. Der Bundesrat teilt in seinem Bericht diese Einschätzung, wagt aber mangels Glaskugel klugerweise keine zahlenmässigen Prognosen. Als tendenziell gefährdet gelten zum Beispiel einfachere Büroangestellte, Metallarbeiter, gewisse Techniker und Hilfskräfte…“
Das Dilemma ist also vorprogrammiert, und trotzdem wird die künstliche Intelligenz erhöhte Lebensqualität bringen. Gemeint sind damit nicht nur selbstfahrende Autos, sondern zum Beispiel eine stark erhöhte medizinische Diagnosegenauigkeit. Denn, wie der japanische Krebsforscher Professor Satoru Miyano an der letztjährigen IBM Analytik-Konferenz erklärte, sind allein im Jahr 2015 200‘000 wissenschaftliche Artikel über Krebs veröffentlicht worden. Ein Mensch könne diese Masse an Information unmöglich verarbeiten.

Watson hat keine Probleme damit. Denn er erfüllt die Bedürfnisse der Gesundheitsindustrie, die enorme Mengen von Wissen produziert und verteilt. Er kann diese Inhalte superschnell erfassen, analysieren und Zusammenhänge herstellen, die er dann mit dem diagnostizierenden Arzt teilen kann. 

Monday, June 20, 2016

Wer hat Angst vor künstlicher Intelligenz?

Künstliche Intelligenz (KI) ist gerade dabei, die Technologiewelt umzukrempeln. Experten sind davon überzeugt, dass selbstlernende Algorithmen zukünftige Entwicklungen – wie beispielsweise autonome Autos – massiv vorantreiben werden.  Künstliche Intelligenz scheint unaufhaltbar, ist aber nicht unumstritten. Trotzdem sind die meisten Europäer gegenüber KI entweder positiv eingestellt oder haben keine Meinung zum Thema.

Ein Roboter im MIT-Museum in Cambridge, Massachusetts: D ie künstliche
Intelligenz der Zukunft wird nicht so aussehen, sondern kaum mehr sichtbar
sein.                                                                                                  Bild Wikimedia
Der Astrophysiker Stephen Hawking ist diesbezüglich kritischer. Er geht davon aus, dass die maschinelle Intelligenz die Menschheit in ihrer Existenz bedroht:
“Hawking selber sagt, dass die primitiven Formen von künstlicher Intelligenz, die bisher entwickelt wurden, sehr nützlich sind. Er fürchte jedoch die Konsequenzen einer Entwicklung, die dem Menschen gleich kommt oder diesen sogar überrunde. […] Ob die Maschinen irgendwann die Kontrolle übernehmen werden, werde die Zukunft zeigen. Was aber bereits heute klar sei, dass sie die Menschen zunehmend vom Arbeitsmarkt verdränge.Hawiking ist nicht der Einzige, der die Schattenseiten der schnellen KI-Entwicklung sieht. Kevin Kelly, Publizist, Autor und Technologieexperte wirft Google vor, seine Suchanfragen dazu zu benutzen, die KI-Kompetenz und damit die Macht des Unternehmens zu vergrössern, wie die FAZ schreibt:
“Jede Netzsuche füttert die KI. Zwar behauptet Google, es teile seine Systeme öffentlich. Doch dahinter steht der Anspruch auf Beherrschung. Im Silicon Valley warfen Vertreter der Alphabet-Tochter Deep Mind den Slogan an die Wand: „First, solve Artificial Intelligence. Then solve everything else.“ Everything else, das sind wir, die ganze analoge Erde – Technologie total.“
Die Bedrohung durch künstliche Intelligenz wird jedenfalls durch die Europäische Bevölkerung mehrheitlich nicht wahrgenommen, wie eine Studie des Marketingplattform-Betreibers Rocket Fuel ergeben hat.  Die Umfragen wurden in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Skandinavien durchgeführt und ergab, dass etwas mehr als 40 Prozent der befragten Menschen angab, künstliche Intelligenz sei gut oder eher gut. 47 Prozent sind neutral; nur 10 Prozent sehen KI negativ und befürchten, dass sie eine Bedrohung für die Menschheit darstellt.
Hinsichtlich der Frage, wie sich künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt auswirken wird, sind die Europäer eher gespalten: Im Durchschnitt glaubten mehr Befragte (17 Prozent), dass KI die eigene berufliche Tätigkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre verbessern wird, als gefährden (11 Prozent). Eine Mehrheit geht davon aus, dass sie keine Auswirkungen haben wird.