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Saturday, February 17, 2018

Die Angst vor dem Spion im Smartphone

Eigentlich ist sie ja begründet, die Angst vor einem unbekannten Programm, das im Smartphone oder PC stecken könnte, ohne dass wir eine Ahnung davon haben.  Die amerikanischen Geheimdienste lassen es nicht beim unguten Gefühl bewenden: Sie möchten, dass Anwender in den USA keine Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei verwenden. Sie befürchten, dass die chinesische Regierung mithören und mitlesen könnte. Belege dafür gibt es allerdings keine.

Huawei liefert schöne und leistungsstarke Smartphones (im Bild das Mate 10 Pro). Die
amerikanische Regierung traut aber dem Unternehmen nicht.                     Bild Huawei
Spionage-Apps existieren ja nicht nur in Agenten-Filmen, sondern sind längst in der Realität angekommen. Eingesetzt werden sie meistens von Privatpersonen, die sie installieren, um jemanden zu überwachen. Über die Möglichkeiten, die ein Hersteller von Kommunikationselektronik hätte, versteckte Spionage-Features in ein digitales Gerät einzubauen, kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich wäre das technisch kein Problem. Auf jeden Fall fürchten sich die amerikanischen Geheimdienste genau vor dieser Möglichkeit und davor, dass chinesische Firmen sich Schlüsselpositionen in amerikanischen Kommunikationsnetzwerken sichern könnten. Angesprochen und betroffen sind die LTE-Infrastruktur-Dienstleister Huawei und ZTE, wie verschiedene Medien berichtet haben:
“Nachdem sich zunächst bereits die US-Regierung deutlich gegen einen Eintritt von Smartphone-Hersteller Huawei in den US-Markt ausgesprochen hatte und diesen wohl somit verhinderten, sprechen sich nun auch die großen Nachrichtendienste des Landes gegen den chinesischen Hersteller aus.Aber woher kommt das Misstrauen? Gerade NSA, CIA und Co. befürchten, dass Huawei in den Staaten Spionage betreiben könnte - viele wie FBI-Direktor Chris Wray befürchten sogar: Im Namen der chinesischen Regierung. Daher raten die Vertreter der Nachrichtendienste Amerikanern dazu, die Dienste und Produkte des Herstellers vorerst nicht zu nutzen, wie CNBC berichtete.“
In den USA scheint sich unter der Trump-Administration die Erkenntnis festzusetzen, dass China zumindest auf wirtschaftspolitischer Ebene als Gegner betrachtet werden muss, der mit allen Mitteln dafür kämpft, gegenüber den USA wirtschaftliches Terrain zu gewinnen. Allerdings legen die amerikanischen Geheimdienste keine Belege dafür vor, dass China seine Staatsmacht für die Korrumpierung  chinesischer Technologie verwendet. Zitat aus der Presse:
“Huawei ist nicht börsenkotiert und hat in seinen Anfangsjahren die Medien und Öffentlichkeit gescheut. Das habe Gerüchten und Unwahrheiten Tür und Tor geöffnet, heisst es heute. Eines davon ist die komplizierte Eigentümerstruktur. Huawei [...] gehört 65‘000 chinesischen Mitarbeitern, die auch den Verwaltungsrat wählen [...] Ausser dem Konzernchef hält angeblich kein Manager oder Verwaltungsrat mehr als 1 Prozent. Den Handel mit den Anteilen untersagt die Firma. Einen Börsengang, der für Kritiker mehr Transparenz bedeuten würde, lehnt Huawei bisher ab.“
 Huawai selber argumentiert damit, dass seine Produkte weltweit in über hundert Ländern sehr verbreitet sind. Das gilt natürlich auch für die Schweiz und Deutschland, wo der chinesische Hersteller Präsenz markiert und zahlreiche Kunden hat, die sich offensichtlich nicht vor eingebauten Spionagegefahren fürchten. Ob ihre Furchtlosigkeit begründet ist, wissen wir nicht.

Sunday, August 27, 2017

Orwell, Kafka und die digitalen Wächter

Dass an einem Berliner Bahnhof ein Versuch mit Überwachungskameras läuft, welche die Gesichter vom Staat gesuchter Subjekte erkennen sollen, sorgt für Kritik. Man darf allerdings davon ausgehen, dass wir uns im Zeitalter des unberechenbaren islamistischen Terrorismus auch an dieses digitale Überwachungswerkzeug des immer allgegenwärtiger werdenden Staates gewöhnen werden – in der Hoffnung, dass es uns sicherer macht.
 
Gesichtserkennung funktioniert immer besser, weil die digitale Technik enorme
Fortschritte macht.                                                      Bild Wikimedia Commons
Vorläufig handelt es sich nur um einen Test. Doch, gemäss deutschem Innenminister scheint die Sache ganz gut zu funktionieren:
“In den ersten Wochen an überwiegend hellen August-Tagen habe sich eine erstaunliche Treffsicherheit gezeigt, berichtete de Maiziere. Es gehe aber jetzt darum, die Gesichtserkennung noch unter anderen Bedingungen zu erproben, etwa an dunklen November-Tagen. Auch müsse die Zuverlässigkeit getestet werden, wenn jemand Sonnenbrille, Mütze oder Kapuze aufgesetzt habe…“
Möglich geworden ist diese Art der Überwachung durch die enorme Leistungszunahme der digitalen Technik – künstliche Intelligenz und Bildverarbeitung erfordern gewaltige Rechnerleistungen, die in den letzten Jahren immer billiger geworden sind. IBMs z14-System ist zum Beispiel in der Lage, mehr als zwölf Milliarden verschlüsselte Transaktionen pro Tag auszuführen.
Trotzdem kommt der nächste Schritt zum Überwachungsstaat nicht überall gut an. Der Spiegel titelt zum Beispiel Treffen sich Orwell und Kafka am Bahnhof...“. Zitat aus dem Artikel:
“Im Kern möchten de Maizière und seine Polizisten in etwa das Gleiche, was sich beispielsweise auch die NSA wünscht: ein fast magisches System aus künstlicher Intelligenz und Echtzeit-Datensammlungen, das eines Tages vorhersagt, wer demnächst etwas Böses tun wird. Daten aus dem "Cyberraum", wie de Maizière gerne sagt, Daten aus Kameras, Telefonverbindungsdaten und so weiter. Deep Learning und neuronale Netze werden aus all den Informationen schon irgendwie die nötigen Muster extrahieren. Für die aktuelle Terrorvorhersage in Analogie zur Wettervorhersage gewissermassen. Man will dem Unbeherrschbaren mit neuen Herrschaftsmethoden begegnen. Es geht darum, und darüber sollten wir als Gesellschaft vielleicht vorher doch noch mal reden, zwischen Polizei und Bürgern eine Schicht Künstliche Intelligenz (KI) einzuziehen. Diese KI kann Polizisten warnen und losschicken, wenn sie es für nötig hält. Eine Art allsehender, immer aufmerksamer digitaler Wächter, der weiss, wer mit wem spricht, telefoniert oder Mails austauscht, wer sich wo aufhält - ausser natürlich, der- oder diejenige trägt gerade eine Schirmmütze.“
Doch wie funktioniert die Gesichtserkennung überhaupt? Die Frankfurter Allgemeine offeriert eine Erklärung:
“Mit dreidimensionalen Kameras wird eine höhere Erkennungsgenauigkeit erzielt. Die Computer vergleichen nicht etwa die Fotos, wie das ein Mensch tun würde, sondern sie rechnen jedes erfasste Gesicht in ein sogenanntes biometrisches Datum um. Aus den Merkmalen des Gesichts wird ein digitales Muster, ein sogenannter Hashwert, der für jedes Gesicht einzigartig ist. Je grösser die Datenbank ist, mit der die Gesichter abgeglichen werden, desto langsamer und fehleranfälliger arbeitet jedoch das Verfahren.“
Gemäss FAZ liegt die Trefferquote derzeit bei rund 70 Prozent – vorausgesetzt, dass die Gesichter nicht verdeckt sind.

Thursday, December 18, 2014

E-Mail: So sicher wie eine Postkarte

Der Hacking-Angriff auf Sony hat die Vielschichtigkeit der Kommunikation an der Führungsspitze des Unternehmens offengelegt. Mit anderen Worten:  Die gehackten und veröffentlichten E-Mails enthielten Texte, die so nie geschrieben worden wären, wenn die Autoren damit hätten rechnen müssen, dass diese Inhalte je an die breite Öffentlichkeit gelangen. Deshalb kann es nicht schaden, dass wir uns wieder einmal an einige Verhaltensregeln erinnern, die das Risiko peinlicher und teurer Datenlecks minimieren.

Ein Hack-Angriff,der Sony dazu brachte, die Veröffentlichung eines bereits fertig-
gestellten Filmes zu stoppen. Immerhin ist der Trailer (noch) auf YouTube zu sehen.
Edward Snowden, die NSA, Wikileaks und jetzt Sony – eigentlich sollte es uns schon lange klar geworden sein, dass es kaum sichere digitale Kommunikation gibt.  Es müssen nicht mal immer Hacker sein, die Einblick in privatgeglaubte E-Mails verlangen, auch Gerichte greifen immer wieder auf die auf Unternehmensservern gespeicherten Nachrichten zu. Gegenwärtig ist Apple von einem derartigen Verfahren betroffen, wie u.a. die FAZ berichtet:
“Steve Jobs ist vor mehr als drei Jahren gestorben, aber der Mitgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns Apple ist weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Nicht nur wird sein Nachfolger Tim Cook immer wieder an ihm gemessen und muss sich fragen lassen, ob Apple die Innovationskraft aus der Jobs-Ära bewahren kann. Jobs spielte nach seinem Tod auch in mehreren spektakulären Kartellverfahren gegen Apple eine Rolle. Wiederholt kamen dabei alte E-Mails ans Licht, die den Eindruck erweckten, dass Jobs sich kein bisschen um Regeln schert und unerlaubte Absprachen für ihn zum Alltag gehörten…“
Wer also per E-mail kommuniziert – und wer tut das nicht – tut gut daran, sich mit seinen Äusserungen an gewisse Regeln zu halten, die eigentlich alle vom gesunden Menschenverstand vorgegeben werden.
Vier solche Regeln werden in einem aktuellen Artikel der “Welt“ aufgelistet und erläutert. Eine der wichtigsten Regeln, die der Autor dabei aufführt, betrifft den digitalen Klatsch. Es empfehle sich, dabei die gleichen Massstäbe anzulegen, wie beim Klatschen in der Öffentlichkeit, da man nie wisse, wer noch mithöre.
Für Unternehmen sollten zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden:
“Wer unbedingt geheimes oder potenziell geschäftsschädigendes Material per Mail verschicken will, sollte die Nachricht von Ende zu Ende verschlüsseln und die Schlüsseldatei separat vom Firmennetz aufbewahren. Alles, was unverschlüsselt auf einem Mail-Server im Firmennetz liegt, kann und wird mitgelesen: von Administratoren, Compliance-Ermittlern, Wirtschaftsprüfern, Hackern und Staatsanwälten. Definitiv sollten keine Mails mit sensiblen Inhalten unverschlüsselt verschickt werden, vor allem nicht an Adressaten außerhalb des eigenen Firmennetzwerkes, denn Mails sind wie Postkarten: Sind sie unterwegs, kann jeder draufschauen.“


Sunday, June 9, 2013

Wir leben im Jahr 2013 - nicht 1984

George Orwell hat in seinem Roman „1984“ eine düstere Zukunft gemalt; jene des totalen Überwachungsstaates. Wir leben heute mit Sicherheit nicht in jener dystopischen Welt, die Orwell 1949 beschrieben hat. In diesem Sinne ist 1984 nicht 2013. Aber die Überwachung in der digitalen Gesellschaft hat Ausmasse angenommen, über die wahrscheinlich auch Orwell gestaunt hätte.

2013 ist nicht "1984" - eine der düstersten
literarischen Welten überhaupt. Aber die
Überwachungskapazitäten in der digitalen
Gesellschaft haben ein Ausmass angenommen,
über das wohl auch George Orwell gestaunt hätte.
Inzwischen haben Sie es auch schon mitbekommen: Dank eines „Whistleblowers“ wissen wir, dass die Amerikanische NSA (National Security Agency) in gewaltigem Umfang Daten sammelt: Es geht um Telefon- und Handygespräche, aber auch um Einträge auf Facebook, Twitter und YouTube, sowie um Internet-Kommunikationen wie E-Mails. Rund 80 Milliarden Dollar gebe die Obama-Administration jährlich aus, um diese Daten elektronisch zu sichten – alles zum Zwecke der Terrorbekämpfung. Zitat aus der NZZ:
“Die National Security Agency (NSA), die speziell zur Überwachung der elektronischen Kommunikation geschaffen wurde und heute zu einem der grössten Geheimdienste der Welt gewachsen ist, hat auch Zugang zu allen grösseren Internetdiensten und kann dort E-Mails, Nachrichten, Bilder, Kundenverhalten und Chats auswerten. Die «Washington Post» und der «Guardian» berichteten praktisch gleichzeitig und auf der Basis der gleichen Powerpoint-Präsentation über ein bisher geheimes Programm namens «Prism» (Prisma), mit dessen Hilfe die NSA direkt auf die Server von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Youtube, Skype, Apple und anderen zugreifen könne…“
Das war vor einigen Tagen. Heute nun hat sich die Quelle dieser Angaben zu erkennen gegeben. Es handelt sich um Edward Snowden, einen jungen Techniker, der für die NSA tätig war, und sein Wissen über diese Aktionen nicht mehr für sich behalten wollte:
«Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht», sagte Snowden dem «Guardian». «Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles was ich mache und sage aufgenommen wird.» Er beschrieb eine noch grössere Dimension der Datensammlung als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: «Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen.» Damit werde der Grossteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. «Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarteninformationen bekommen...»
Das sind ja tolle Aussichten!
Die gute Nachricht in diesem Szenario ist die Tatsache, dass die grossangelegten Abhöraktionen gemäss US-Regierung bereits einen Terroranschlag in der New-Yorker-U-Bahn verhindert haben.
Die schlechte Nachricht ist die Tatsache, dass es wohl nie mehr gelingen wird, den digitalen Geist in seine Flasche zurückzuschicken – das heisst, den digitalen Überwachungsstaat zurückzubinden. Die fast totale digitale Überwachung ist technisch möglich geworden – also wird es sie auch geben. Vielleicht nicht hier und heute, aber sicher dort - und wenn nicht heute, sicher morgen. Da werden auch Proteste, Gesetze und Gerichtsurteile nichts dagegen ausrichten können.