Wenn der
Mensch einen schlechten Tag hat, nützt auch das beste digitale Echtzeit-Tracking
nichts mehr. Experten wissen: Solange Menschen involviert sind, passieren Fehler,
die einem digitalen System nie unterlaufen würden.
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Ein Paket auf Weltreise per Kurier: Von den Philippinen nach China, nach Alaska, nach Kentucky, nach Ontario, Kanada, nach Quebec, dann New Brunswick (immer noch in Kanada), nach Nova Scotia, nach Neufundland - und wieder zurück nach New Brunswick. Die Lieferadresse befindet sich in Nova Scotia.
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Es ist
sehr ärgerlich, während Stunden auf ein Paket zu warten, das von einem Kurier
in einem bestimmten Zeitfenster geliefert werden sollte und dann doch nicht
ankommt. Die grossen Kurierfirmen der Welt transportieren jedes Jahr Milliarden
Pakete; allein in Deutschland werden jeden Tag im Durchschnitt 10
Millionen Pakete zugestellt. Das sind gleichviele, wie allein das amerikanische
Kurierunternehmen FedEx
täglich an Kunden abliefert. Die wichtigen Kurierunternehmen sind natürlich
voll digitalisiert: Jede Sendung wird gescannt und kann (theoretisch) vom Absender
bis zum Empfänger genau verfolgt werden. Die Technologie soll auch dazu
beitragen, Transportwege effizient zu bewältigen – in der kürzest möglichen
Zeit. Die Unternehmen versprechen denn ihren Kunden auch, dass sie genau
kalkulieren können, wann ein Paket, zum Beispiel ein dringend benötigtes
Ersatzteil, bei ihnen ankommen wird. Wie wir letzte Woche mit einem der
grössten Kurierunternehmen persönlich erleben konnten, funktioniert das genau
so lange, wie es funktioniert – wenn der Prozess einmal entgleist ist, trägt
auch die Digitalisierung nicht mehr zum Kundendienst bei. Das läuft dann wie folgt
ab: Das Paket ist gemäss Echtzeit-Tracking im Lieferwagen und soll demnächst ausgeliefert
werden. Was dann nicht passiert. Mehrere Stunden nach dem Zeitfenster, dass für
die Lieferung geplant war, wenden wir uns an den virtuellen Bot auf der Website
des Kurierunternehmens. Dieser verweist auf das Echtzeit-Tracking auf der
Webpage und betont, dass es keine besseren Informationen gebe. Irgendwann wird
der Bot dann doch weich und rückt eine Kundendienst-Telefonnummer heraus, die
wir anrufen können. Der Anruf wird (überraschenderweise) nach nur etwa fünf
Minuten Wartezeit beantwortet, hilft aber nicht weiter. Der freundliche Mitarbeiter
(in einem Callcenter auf einem anderen Kontinent) hat offensichtlich keine
zusätzlichen Informationen zur Verfügung und rät, einfach mal zu warten…
Zwischenzeitlich zeigt das Echtzeit-Tracking, dass das Paket am Morgen vor der
Auslieferung in einer Filiale des Kurierunternehmens rund 70 Kilometer von der
Lieferadresse entfernt gescannt worden ist. Da es nicht ausgeliefert wurde, müsste
es offensichtlich noch dort sein. Ist es aber nicht – aber das erfahren wir
erst zwei Tage später, als das Echtzeittracking plötzlich anzeigt, unser Paket
sei vom Zoll abgefertigt worden und befinde sich jetzt etwa 1000 Kilometer
entfernt in einem Sortierzentrum des Kuriers. Nach Kontaktaufnahmen unsererseits
auf allen möglichen Kanälen, zeigt das Echtzeittracking dann plötzlich an, dass
etwas schief gelaufen ist: Ihre Sendung wurde falsch sortiert“, heisst es da, "das könnte zu Verspätungen führen…“ Ein neues Lieferdatum wird nicht angegeben
– was zum Verdacht führt, unser Paket sei in der Flut der Kuriersendungen nicht
nur gestrandet, sondern untergegangen. Glücklicherweise hält dieser Zustand nur
etwas mehr als 24 Stunden an – dann tut sich was, auf der Kurierwebsite: Ein
neues Lieferdatum (allerdings erst in drei Tagen) wird angegeben, und das Paket
wird in einem Verteilzentrum, das einige 100 Kilometer näher bei uns liegt,
gescannt.
Das Paket ist also immer noch beim Kurier – glücklicherweise handelt es sich
nicht um ein wichtiges Ersatzteil oder ein lebenswichtiges Medikament. Morgen,
eine Woche nachdem die Auslieferung gemäss Logistikplanung hätte stattfinden
sollen, findet der zweite Versuch statt, das Paket heimzubringen. Wir drücken
allen Beteiligten, am meisten uns selber, die Daumen.
Es
braucht nur eine Person, die einen schlechten Tag hat, einen Scan nicht durchführt
oder eine Sendung falsch sortiert – und schon sind die Informationen an Ihrem
Bildschirm nicht mehr viel Wert. Die digitale Logistik grosser
Kurierunternehmen und die damit zusammenhängenden Informationssysteme erwecken
den Eindruck totaler Transparenz. Lassen Sie sich davon nicht täuschen.