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Monday, February 25, 2019

Personalisierte Werbung: ein Internet-Dilemma

Die Idee scheint an sich sehr viel Sinn zu machen: Wer im Internet surft, wird mit Werbung bedient, welche die persönlichen Interessen bedient. Doch personalisierte Werbung ist bei  vielen Anwendern gar nicht beliebt. Sie fühlen sich verfolgt und beobachtet, weil sich die Werbung ihren Surfgewohnheiten anpasst.

Die richtige Zielgruppe erreichen war gestern. Am Internet wird Werbung oft
sehr persönlich - auch zum Unwillen der betroffenen Anwender.
                                                                                                   Grafik Pixabay
Am störendsten sind jene Anzeigen, die uns tagelang auf dem Bildschirm verfolgen, nachdem wir im Net ein bestimmtes Produkt gesucht, gefunden und gekauft haben. Aber personalisierte Werbung geht nicht nur dann auf die Nerven. Persönliche Gespräche mit Usern zeigen, dass diese sich verfolgt fühlen, wenn die Werbung ihre Interessen und ihr Leben verfolgt und interpretiert. Das kann dann auch total schief gehen, wie ein Fall in den USA zeigt, wo eine Frau nach der Todgeburt ihres Babys mit Anzeigen für Babybedarf überflutet wurde. Bekannt wurde die Angelegenheit - bei der es sich mit Bestimmtheit nicht um einen Einzelfall handelt - weil sich die Betroffene in der Öffentlichkeit beschwerte.
Es besteht also ein echtes Werbedilemma: So gezielt wie möglich werben - und dafür das Risiko eingehen, die potentiellen Kunden zu verprellen. Tatsächlich geben die meisten Nutzer an, dass sie personalisierte Werbung nicht mögen. Eine Online Umfrage auf techbook.de, die zusammen mit einem Artikel zum Thema geschaltet wurde, ergab gerade mal 4 Prozent aller Leser, die personalisierte Werbung gut finden. Die restlichen 96 Prozent sind nicht begeistert. Trotzdem ist personalisierte Werbung der heilige Gral der Werbeindustrie. Werber möchten soweit kommen, dass sie schon wissen, was Konsumenten kaufen wollen, bevor diese es selber wissen. Da nützt es auch nicht immer, wenn man sich als User diskret verhält, was die eigenen Daten betrifft:
“Die Fühler der Online-Giganten sind weit verzweigt. Facebook erhält nicht nur Metadaten über das weltgrößte soziale Netzwerk, sondern auch durch die Apps seiner Töchter WhatsApp und Instagram. Google bereichert seinen Datenschatz durch Informationen von seinem Betriebssystem Android. Standorte, Kontakte und Nachrichten: Sämtliche Smartphone-Aktivitäten von Nutzern sind den großen Werbenetzwerken bekannt. Um Nutzerprofile für die Werbeindustrie zu schärfen, kaufen sie auch Daten von Drittanbietern zu. Beim Tracking von Internetnutzern haben Werbenetzwerke allerdings nicht völlig freie Hand. Mit der Datenschutzgrundverordnung hat die Europäische Union etwa verschärfte Regeln für Online-Unternehmen aufgestellt. Die breitere Debatte über die Gefahr wachsender Mengen an persönlichen Nutzerdaten, etwa nach dem Cambridge-Analytica-Skandal im Frühjahr 2018, hat viele Unternehmen zu mehr Transparenz bewogen. In den Privatsphäre-Einstellungen von Google und Facebook kann man personalisierte Werbung etwa deaktivieren.“ (kurier.at)
Die Deaktivierung im Browser und bei verschiedenen grossen Werbeanbietern ist tatsächlich ein wirksames Tool. Eine gute Anleitung, wie das zu tun ist, findet sich hier. Wer Werbung wirklich nicht mag, kann noch weiter gehen und auch einen Werbeblocker installieren. Dabei handelt es sich um die effizienteste Art, dem Werbesumpf zu entkommen. Auch das Aufbauen einer Anti-Werbe-Mauer kann allerdings Folgen haben. So können gewisse Inhalte nicht mehr konsumiert werden, wenn keine Werbung erlaubt wird.

Thursday, February 1, 2018

Die Werbung stört - und die Werber werben weiter

Werber und Marketingfachleute freuen sich: Internet-Werbung läuft endlich besser, und immer mehr digitale Medien gehen dazu über, Anwendern, die Werbeblocker einsetzen, den Zugriff auf ihre Seiten zu verwehren. Nach dem Motto, wer lesen will, wird dazu gezwungen, unsere Werbung zu konsumieren. Das Problem ist, dass Werbung nur bei einer Minderheit der User ankommt - der Rest fühlt sich einfach nur genervt. Das gilt besonders für digitale Medien.

                                                                                               Quelle: OmniQuest
Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen OmniQuest-Studie die im Januar in Deutschland durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass es schwierig ist, mit Werbung im Internet Menschen zu erreichen - vor allem wenn diese gar nicht an Werbung interessiert sind.
Ähnlich wie bei der Fernsehwerbung, fühlt sich die Hälfte aller Befragten durch Werbung im Internet, also per E-Mail, in sozialen Medien oder auf Webseiten gestört. 60 Prozent aller Studienteilnehmer klicken Werbung im Internet so schnell wie möglich weg - wenn das möglich ist. (Bei der eher klassischen Werbung im Radio, in Zeitungen und Zeitschriften und im Aussenbereich ist das Gefühl der Störung dagegen weniger ausgeprägt.) Was die Werber aber besonders interessieren müsste: Lediglich 15 Prozent der Befragten beachten die Werbung im Internet mit Aufmerksamkeit.
Besonders Onlinewerbung wird ja bekanntlich möglichst zielgenau entsprechend der Eigenschaften und Bedürfnisse der Empfänger platziert. Das gelingt nach Aussage der Mehrheit der Befragten allerdings nur schlecht oder sehr schlecht. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass 39 Prozent der Befragten beim Surfen im Internet einen Werbeblocker verwenden, um so viel Werbung wie möglich zu blockieren. Der Anteil der männlichen Befragten ist dabei mit 45 Prozent höher als jener der der weiblichen Befragten (39 Prozent). Das Problem: Nur 19 Prozent der Befragten sind bereit, für werbefreies Surfen im Internet zu zahlen.
Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass Werbung sehr oft als lästig empfunden wird. Mehr als 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie versuchen, Werbung unbedingt zu vermeiden. Weniger als ein Viertel geben an, dass sie sich durch Werbung zum Kauf inspirieren lassen.

Eigentlich könnte man meinen, dass es der Werbebranche darum gehen müsste, die letztgenannten 24 Prozent der Konsumenten zu bedienen - jene, die angeben, sich von Werbung beeinflussen zu lassen. Dass es immer mehr Websites gibt, die Werbeblocker nicht zulassen, ist zwar verständlich, aber völlig unlogisch. Menschen mit Werbung zuzudecken, die diese hassen, wirkt sich letztendlich nur negativ aus: Sowohl auf den Werbeträger als auch auf das Produkt, das beworben wird. In diesem Sinne sind Apps, die das Blockieren von Werbung zulassen, geradezu genial: Sie ermöglichen nämlich sowohl dem Werbeträger als auch der Werbung ihr Zielpublikum zu erreichen - und zwar ohne jegliche Streuverluste.  

Tuesday, March 28, 2017

Mehr Werbung im Internet, als im Fernsehen

2017 ist das erste Jahr, währenddem weltweit mehr Geld für Werbung im Internet ausgegeben wird, als für Werbung im Fernsehen. Die globalen Ausgaben für die Internetwerbung werden um 13 Prozent steigen und 205 Milliarden US-Dollar erreichen.  Somit wird die Werbung im Internet fast ein Drittel der totalen globalen Werbeausgaben ausmachen. Das Medium Fernsehen ist natürlich nicht das einzige, das werbemässig Abstriche machen muss; bis in zwei Jahren werden weltweit auf Facebook & Co. mehr Anzeigen geschaltet, als in den gedruckten Medien.

Eine Analyse der internationalen Werbeagentur Zenith, die gestern veröffentlicht wurde, zeigt allerdings, dass auch Fernsehzuschauer weiterhin nicht zu kurz kommen werden, was Werbung betrifft: Immerhin 192 Milliarden Werbedollar fliessen dieses Jahr noch in die Schatullen der TV-Produzenten. Die Zenith-Experten gehen davon aus, dass die Werbeausgaben in den sozialen Medien 2019 eine Höhe von 55 Milliarden Dollar erreichen und damit die Werbeausgaben für Printmedien mit insgesamt 50 Milliarden Dollar überholen werden. Aufgrund geringerer Auflagen sinken weltweit die Ausgaben für Zeitungsanzeigen um jährlich fünf Prozent. Nach dem Höhepunkt im Jahr 2007, mit Ausgaben von 113 Milliarden Dollar, sind die Werbeausgaben für Printmedien jedes Jahr gesunken und werden sich 2019 auf der Höhe von 1985 bewegen –  Geldentwertung nicht berücksichtigt.
Immer mehr Werbung im Internet, immer mehr Blockierer. Printmedien und TV
haben so oder so das Nachsehen.                                                        Screengrab SZ
Werbung in Social Media ist die am schnellsten wachsende Sparte der Internetwerbung. Facebook und Youtube – werden ihre Position weiter ausbauen.
Die rasante Zunahme der Werbung im Internet steht im Konflikt mit Millionen von Usern, die gar nicht daran interessiert sind. Das zeigt sich unter anderem an der enormen Popularität von Apps, die möglichst viel Werbung vom Bildschirm fern halten – sie haben inzwischen viele hundert Millionen User, und schon im letzten Jahr wurde der Ausfall an Werbegeldern in einer US-Studie auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt:
“Beunruhigend für die Werbebranche dürfte auch die Tatsache sein, dass vor allem junge User, sprich Millennials, Werbung blockieren (in den US sind es volle 63 Prozent). Dass die Nutzer zunehmend mobil per Handy oder Tablet surfen, verschärft die Situation weiter. Denn offensichtlich stört Werbung dort noch mehr…“
Wie die neuste Zenith-Analyse zeigt, scheinen die Werber sich nicht davon beunruhigen zu lassen, dass ein grosser Teil ihrer potentiellen Kunden ihre Werbung gar nicht sehen will. Das zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass immer mehr Websites den Gebrauch von Werbeblockern verunmöglichen oder Videos erst zeigen, nachdem ein Werbespot abgelaufen ist. Mit anderen Worten: User werden zum Konsum von Werbung gezwungen.
Das scheint widersinnig zu sein.
Schliesslich ist jene Werbung am erfolgreichsten, die vom Konsumenten freiwillig, vielleicht sogar unbewusst aufgenommen wird. TV-Unterbrecherwerbung zum Beispiel ist so ziemlich genau das Gegenteil: Immer wenn es spannend wird, werden Werbespots serviert, die gar nichts mit den Inhalten zu tun haben, die sich der Zuschauer eigentlich anschauen will. Das ist einer der vielen Gründe dafür, dass Fernsehen gesamthaft immer mehr Zuschauer verliert - weil es Alternativen gibt. Ähnliches gilt im Internet: Wer keine Werbung sehen will, kann einen Adblocker installieren und spart dadurch Zeit, Bandbreite und Nerven.  Diese User gehören definitiv nicht zum Zielpublikum der Werbebranche. Trotzdem wollen die Werber sie zwingen, ihre Werbung zu konsumieren.
Ob das auf lange Sicht erfolgsversprechend ist?

Wednesday, January 27, 2016

Die einen stört die Werbung, die anderen der Werbeblocker

Der grösste Teil von Usern, die wissen was ein Werbeblocker ist, die Software selber aber noch nicht nutzen, würden darauf verzichten, wenn sie selbst entscheiden könnten, ob und wann sie Online-Werbung anschauen wollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie im Auftrag der Videowerbe-Plattform Teads. Demnach lösen besonders Pop-up-Anzeigen den Adblocking-Impuls aus; für 80 Prozent der Ad-Blocker-Nutzer waren sie denn auch der Hauptgrund für die Installation derartiger Software. Sehr ärgerlich sind aus Nutzersicht auch sogenannte Pre-Roll-Videoanzeigen, die vor den eigentlichen Inhalten ablaufen. Für viele Ad-Blocker-Nutzer ist das die aufdringlichste Werbung überhaupt.

Pech gehabt: Wer die Werbung nicht will, kommt nicht rein. Beim amerikanischen
Nachrichtenmagazin Forbes versteht man bezüglich Werbeblockern keinen Spass.
                                                                                                       Screenshot Forbes.com
Software, die am Computer Werbung blockiert, ist extrem populär. Untersuchungen zeigen, dass im letzten Jahr rund 200 Millionen Menschen davon Gebrauch machten – Tendenz stark steigend. In der Schweiz sind es rund 15 Prozent der User (ein gleich hoher Prozentsatz wie in Grossbritannien), die Internetwerbung blockieren. Das sind rund 1,1 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In Deutschland benutzen 25 Prozent und in Griechenland gar 37 Prozent der User einen Adblocker. Wie die oben erwähnte Teads-Studie zeigt, braucht die Werbeblocker-Software nicht viel Werbung, um Verbreitung zu finden: Ein grosser Teil des Publikums scheint Werbung derartig ärgerlich und irrelevant zu finden, dass gerne nach einem Adblocker gegriffen wird; bei der Verbreitung spielen denn auch persönliche Empfehlungen eine wichtige Rolle.
Dieser massenhafte Einsatz von Ad-Blockern bedroht vor allem die Verlagsbranche, die ihre Online-Inhalte über Werbung finanzieren. Immerhin wird der Ausfall an Werbegeldern in einer US-Studie im letzten Jahr auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt. Beunruhigend für die Werbebranche dürfte auch die Tatsache sein, dass vor allem junge User, sprich Millennials, Werbung blockieren (in den US sind es volle 63 Prozent).
Dass die Nutzer zunehmend mobil per Handy oder Tablet surfen, verschärft die Situation weiter. Denn offensichtlich stört Werbung dort noch mehr. 69 Prozent der in der Teads-Studie Befragten, die auf ihren mobilen Geräten einen Ad-Blocker installiert haben, finden Werbung auf dem Smartphone noch störender als am heimischen PC. Nur jeder Dritte, der einen Adblocker auf mobilen Geräten verwendet (36 Prozent), hat diese auch auf dem Desktop installiert. Eine Untersuchung der New York Times gibt klare Hinweise darauf, dass Werbung nicht nur blockiert wird, weil sie stört, sondern auch, weil sie das Surfen verlangsamt. Durch den Einsatz von Werbeblockern steigerte sich die Geschwindigkeit von mobilen Websites signifikant, genauso wie die Akkulebensdauer der getesteten iPhones.
Es gibt also durchaus Gründe dafür, Werbeblocker einzusetzen – und in der Werbebranche gibt es verschiedene Ansätze, das Problem anzugehen. Eine sehr robuste Option benutzt zum Beispiel der Axel Springer Verlag mit der Bild-Zeitung. Wer einen Werbeblocker eingeschaltet hat, kann Bild.de nicht besuchen. Das Selbe gilt für das amerikanische Magazin Forbes.com sowie für die britische Zeitung The Telegraph. (Beim Telegraph scheint man noch zu experimentieren; die Werbeblocker-Barriere ist nur zeitweise installiert.)
Experten gehen davon aus, dass diese Sperren sich negativ auf die Besucherzahlen der entsprechenden Websiten auswirken. Ausserdem ist nicht klar, ob dieser autoritäre Ansatz auch den Werbern hilft.
Einen kommunikativeren Ansatz hält man beim Videowerbungsspezialisten Teads für wirksamer:
 "Die Verbraucher wünschen sich Werbung, die ihr Online-Erlebnis nicht stört. Wenn wir das Adblocking-Problem lösen wollen, müssen wir diesen Wunsch endlich respektieren. Wir müssen dem User die Chance geben, sich aktiv dafür oder dagegen zu entscheiden,Werbung anzusehen“, sagt Managing Director Christian Griesbach.
Vorbilder dafür gibt es schon längere Zeit, zum Beispiel bei YouTube. Dort haben User die Wahl, Werbespots nach fünf Sekunden wegzuklicken, wenn sie sich nicht anschauen wollen. Das macht durchaus Sinn. Wer glaubt denn daran, dass aufgezwungene Werbung, die den Verbraucher nicht interessiert, wirksam ist?

Sunday, October 18, 2015

Diese Werbung müssen Sie sich ansehen!

Ob die Strategie wohl aufgehen wird? Das grösste Boulevard-Blatt Deutschlands will die Leser seines Internetangebots zwingen, die mitgelieferte Werbung anzusehen. Wer einen Werbeblocker eingeschaltet hat, wird gesperrt. Damit blockiert der Axel Springer Verlag ungefähr 25 Prozent seiner digitalen Leser. Ob das eine erfolgsversprechende Strategie ist?

Die Macher von bild.de möchten ihre Leser dazu zwingen, Werbung anzusehen.
                                                                                                        Screenshot bild.de
Es ist wohl unbestritten; Am erfolgreichsten ist jene Werbung, die vom Konsumenten sozusagen nebenbei, vielleicht sogar unbewusst aufgenommen wird. TV-Unterbrecherwerbung zum Beispiel ist so ziemlich genau das Gegenteil: Immer wenn es spannend wird, werden Werbespots serviert, die gar nichts mit den Inhalten zu tun haben, die sich der Zuschauer eigentlich anschauen will. Das ist bestimmt einer der Gründe dafür, dass Fernsehen gesamthaft immer mehr Zuschauer verliert. Ähnliches gilt im Internet: Wer keine Werbung sehen will, kann einen Adblocker installieren und spart dadurch Zeit, Bandbreite und Nerven.  Diese Leser gehören definitiv nicht zum Zielpublikum der Werbebranche. Beim grossen Deutschen Axel-Springer-Verlag scheint man das allerdings nicht begriffen zu haben. Das wunderbare Geschäftsmodell der letzten 50 Jahre ist zusammengebrochen, Werbung kann digital blockiert werden und Zeitungen kann man auf dem PC lesen, ohne dass man sie kauft. Deshalb will man jetzt bei bild.de die Leser zwingen, sich die Internetwerbung anzusehen – auch wenn sie nicht daran interessiert sind. Wer also bild.de mit einem Adblocker aufruft, sieht die folgende Nachricht:
“Sie sehen diese Seite, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben. Deaktivieren Sie diesen bitte für BILD.de, um unsere Artikel wieder lesen zu können. BILD bietet Ihnen Nachrichten rund um die Uhr. Unsere 500 Reporter berichten für Sie aus aller Welt. Um das zu ermöglichen, sind wir auch auf Werbeeinnahmen angewiesen. Ihr Adblocker sperrt die Werbung auf BILD.de. Doch ohne Erlöse aus dem Verkauf von Werbeplätzen können wir die Arbeit unserer Journalisten nicht finanzieren.“
Wie golem.de berichtet, ist diese drastische Massnahme auf einen verlorenen Prozess zurückzuführen:
“ Damit zieht der Verlag eine drastische Konsequenz aus der juristischen Niederlage, die er im September 2015 vor dem Landgericht Köln gegen den Werbeblocker Adblock Plus erlitten hatte. Nach Verfahren in München und Hamburg hatten auch die Kölner Richter festgestellt, dass der Adblocker und das damit verbundene Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH legal sei. Axel Springer hält sowohl das Unterdrücken von Werbung als auch das Angebot des Whitelisting, bei dem sich große Verlage von der Werbeblockade freikaufen können, für rechtswidrig…“
Bei Bild verspricht man sich von dieser Strategie offensichtlich mehr Einnahmen. Allerdings geht der Trend im Internet genau in die gegenteilige Richtung. Auf Youtube und auch anderen Websites machen es Videowerber den Zuschauern zum Beispiel möglich, Werbespots, die sie nicht ansehen wollen, zu überspringen. Wohl weil das Berieseln uninteressierter Kunden zum Vornherein fruchtlos ist. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie lange Axel Springer die Blockade seiner bild.de-Site aufrecht erhalten kann.

Monday, November 24, 2014

Geld her, oder wir werben!

Werbung im digitalen Zeitalter ist eine vielschichtige Angelegenheit. Die Einen hassen die Werbung im Web, die Anderen können davon nicht genug verkaufen, um ihre Webangebote zu finanzieren. Die ganz Schlauen kümmert das alles nicht: Sie installieren einen Werbeblocker und können fortan so gut wie werbefrei leben. Der Internet-Gigant Google möchte das Problem nun ähnlich lösen, wie das im App-Sektor schon gang und gäbe ist:  Wer bezahlt, muss sich die Werbung nicht mehr ansehen.

Zahlen, um nicht beworben zu werden: Google Contributor.      Screenshot via Google
Wer mit einem Werbeblocker im Internet unterwegs ist, kann viel Zeit sparen. Eine gute App in dieser Kategorie löscht nämlich nicht nur statische Anzeigen, wie zum Beispiel Werbebanner, sondern auch Video-Werbespots – auf Fernsehkanälen oder Youtube. Da zeigt sich dann schnell, dass eine halbstündige Episode einer amerikanischen TV-Serie wie “The Big Bang Theory“ oder “The Simpsons“ in Echtzeit – heisst ohne Werbung – nur gute 18 Minuten lang ist...
Google will mit seiner Anti-Werbungsinitiative allerdings nicht unbedingt jenen Usern entgegenkommen, denen Werbung so richtig auf die Nerven geht. Vielmehr, geht es darum, die Website-Betreiber dafür zu entschädigen, dass gewisse Werbung, nämliche diejenige von Google-Adsense, nicht mehr gezeigt wird. Ob es funktionieren wird, bleibt allerdings dahingestellt – obwohl, teuer wäre es eigentlich nicht:
“Kosten soll der Dienst einen bis drei Dollar im Monat. Wie viel die Nutzer zahlen wollen, entscheiden sie der Contributor-Seite zufolge selbst. "GigaOm" zufolge wird Geld nur dann an die teilnehmenden Websites ausgeschüttet, wenn der betreffende Nutzer eine Seite auch tatsächlich besucht, so wie das beispielsweise auch bei Streaming-Diensten wie Spotify funktioniert: Geld bekommt nur derjenige, dessen Angebot auch tatsächlich genutzt wird. Google nennt das Geld, das die Nutzer bezahlen, nicht Abonnement sondern "Beitrag". Contributor wird also explizit als eine Art Crowdfunding-System für Websites beworben. Bei der Google-Tochter YouTube gibt es schon seit einiger Zeit eine Spendenmöglichkeit für Nutzer namens Fan Funding.“
Das Marketing-Magazin acquisa befragte Experten zu Google Contributor:
"Das Experiment "Contributor" ist ein sehr schlauer Schachzug von Google, denn Publisher suchen Möglichkeiten, um bezahlpflichtige Modelle zu finden", sagt Bernd Stieber, Managing Director der Online-Marketing-Agentur Netzeffekt in München. Sollten andere Anbieter aktiv werden, um Technologien zu entwickeln, die Werbung verhindern, hieße es unter Umständen das Aus für Google. "Daher ist der jetzige Schritt von Google sehr raffiniert".
Aus Nutzer-Sicht werden laut Stieber die Klickraten auf Displaywerbung tendenziell weiter sinken und dementsprechend werde das Geschäftsmodell Suchmaschine für Google immer schwieriger. "Hinzu kommt, dass Google unter keinen Umständen als Werbevermarkter wahrgenommen werden möchte, sondern vielmehr als ein Anbieter für Tools, die einen Mehrwert bieten und den Menschen den Alltag erleichtern", so Stieber."
Für Anwender, die spezifische Websites und Inhalte finanziell unterstützen möchten,  könnte Google Contributor durchaus Sinn machen – ob sie nun werbemüde sind oder nicht. User, die ihre Geräte mit Werbeblockern sowieso (fast) werbefrei halten, werden wohl eher nicht für das Projekt zu gewinnen sein. Allerdings sind diese User auch nicht das Zielpublikum der Werber, die für Geld Nachrichten auf Websites platzieren. Wer keine Werbung sehen will oder gar durch Werbung geärgert wird, spricht wohl auch nicht darauf an.


Wednesday, August 14, 2013

Surfen mit niedrigerem “Belästigungsfaktor“

Obwohl  es Marketing-Spezialisten gibt, die behaupten, dass Surfen mit einem Werberblocker schon fast unmoralisch oder unethisch sei, möchten wir hier nicht darauf verzichten, darauf hinzuweisen, dass “Adblock Plus“, ein Werbeblocker der schon millionenfach auf den Browsern Firefox und Chrome installiert, nun auch für Microsofts Internet Explorer verfügbar ist.

Surfen ohne Werbung: Adblock Plus macht es möglich.
Wir haben uns ja an dieser Stelle schon ausführlicher mit dem Thema Werbungauseinandergesetzt. Tatsache ist: Werbung ist inzwischen für die meisten User zu einem echten Balästigungsfaktor geworden (das Wort stammt aus dem Englischen. Dort heisst es “annoyance factor“ und wird unter anderem auch für die  Bewertung von Websites eingesetzt – je mehr störende Werbung, Pop-Ups etc. auf einer Seite erscheinen, desto höher ist der Belästigungsfaktor.) Adblock Plus ist ein Add-on und lässt sich in Sekundenschnelle im Browser installieren; anschliessend blockiert es aufdringliche Online-Werbung: Blinkende Animationen, nervende Sounds, auffällige Pop-ups und störende Werbespots vor Internetvideos. Die kostenfreie Browsererweiterung ist bereits für Firefox, Chrome und Opera sowie als Android-App erhältlich und hat weltweit mehr als 60 Millionen aktive Nutzer. Das Add-on ist für den Internet Explorer mit allen Windows-Versionen (außer Windows 8 Modern UI) kompatibel und kann hier gratis geholt werden. Ein Tipp noch: Wenn das Blockieren von Videowerbung oder von Werbung auf Facebook nicht funktionieren will: Den Browser nicht aus der Taskliste sondern aus dem Windows Programm-Menü (Start-Menü) starten – dann klappts.

Wednesday, February 13, 2013

Social-Media und Werbung: Ärger oder Erfolgsrezept?

Werbung ist, man weiss es, für viele Mediennutzer ein rotes Tuch. Zwar sind sich die meisten Anwender bewusst, dass viele Dienste ohne Werbung gar nicht offeriert werden könnten; wenn sie sich aber mit Werbung herumschlagen muss, bevor, sie ein Video ansehen oder einen Artikel lesen können, ärgern sie sich trotzdem.

Es gibt natürlich schon längst effektive Werbeblocker für das Internet – sogar solche, die auch Videowerbung herausfiltern (AdBlock und AdBlock Plus für Google Chrome oder Firefox, und Simple Adblock für Internet Explorer, gehören in dies Kategorie und funktionieren sehr gut).
Trotzdem bleibt das Verhältnis vieler User zur Werbung im Allgemeinen und zur Internetwerbung im Besonderen ambivalent – um es mal gelinde auszudrücken.
Das zeigt auch wieder eine neue Studie, für die das Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne Verbraucher aus Australien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA zu ihrer Haltung hinsichtlich Marketingaktivitäten in Social-Networks befragt hat - im Auftrag des Marketingsoftware-Anbieters Pitney Bowes. Das Resultat zeigt: Es öffnet sich eine Schere. Immer mehr Unternehmen wollen sich mit Werbung in Social-Networks wie Facebook engagieren, die User aber schätzen das in vielen Fällen gar nicht.
Zitat aus einem Artikel auf haufe.de:
Zumindest aus Sicht der Marketingexperten im Einzelhandel (64 Prozent) gehört Social-Media-Werbung zu den drei wesentlichen Trends im Verbrauchermarketing. Deshalb überrascht es nicht, dass der Einzelhandel im Branchenvergleich mit das meiste Geld für Marketing in sozialen Netzwerken ausgibt. So floss 2012 rund 21 Prozent des Gesamtbudgets in diese Werbeform und 2013 werden es voraussichtlich bereits 28 Prozent sein. Gleichzeitig gibt es hier aber auch die meisten Skeptiker. Neun Prozent der Befragten gehen fest davon aus, dass es sich um einen vorübergehenden Hype handelt und sich die Kunden langfristig auf andere Kanäle konzentrieren werden. […]
Konsumenten, die Unternehmen und Marken unaufgefordert folgen, freuen sich durchaus über Werbebotschaften (48 Prozent). Das genaue Gegenteil ist jedoch dann der Fall, wenn es sich um Unternehmen handelt, denen die Konsumenten nicht folgen. 40 Prozent reagieren in diesem Fall verärgert und sogar 65 Prozent geben an, eine Marke nicht länger zu verwenden, wenn sie das Verhalten in Social-Media stört.“
Diese Einstellung gegenüber Werbung wiederspiegelt das allgemeine Konsumverhalten im digitalen Zeitalter. User wollen, was siewollen, wann sie es wollen! Ungebetene Werbebotschaften werden sofort als Spam abgestempelt und im digitalen Papierkorb entsorgt. Umgekehrt kann Werbung auch hervorragend ankommen – zum Beispiel wenn sie vom User als Information angefordert wird, oder ganz einfach cool ist (man denke nur an gewisse virale TV-Werbespots).
Werber müssen sich also tatsächlich etwas einfallen lassen, wenn sie mit ihrer Nachricht durchdringen wollen; auf der Informationsflut schwimmt so viel Zeug, dass nur die originellsten Ideen noch auffallen.  Der VW-Werbespot im untenstehenden Vido ist ein Beispiel dafür: Bis heute haben ihn sich immerhin mehr als 56 Millionen Menschen freiwillig auf YouTube angeschaut.