Tuesday, October 10, 2017

Das Internet und Social Media : Opium für das Volk

Die britische Zeitung Guardian nennt sie “Refuseniks“, jene ins mittlere Alter gekommenen digitalen Entwickler, die sich am liebsten von Internet lossagen möchten, obwohl sie genau diesem Internet ihre Berühmtheit und in einigen Fällen auch ihr Reichtum verdanken. Der Grund: Das Internet im Allgemeinen und Social Media im Besonderen hätten einen massiv negativen Einfluss auf unsere Gesellschaft, die Demokratie und das Wohlergehen der User.

Social Media sind zum Abgewöhnen, sagen die Macher der ersten Stunden. 
Einer dieser Refuseniks hat diese Woche besondere Aufmerksamkeit erregt: Justin Rosenstein, der Mann, der den Like-Knopf auf Facebook miterfunden hat, warnt jetzt die Öffentlichkeit vor den “verheerenden Folgen“ seiner Erfindung, wie der Guardian berichtet. Es sei besonders wichtig, jetzt vor der allesbeherrschenden digitalen Technologie zu warnen, sagt der gut 30jährige Rosenstein, weil er zur letzten Generation von Usern gehöre, die sich an “das Leben vor der Digitalisierung“ erinnere. Es sei interessant, schreibt der Guardian, dass sich gerade junge Spitzenkräfte wie Rosenstein von dieser Digitalisierung lossagen, sich die eigenen Produkte abgewöhnen und ihre Kinder an Elite-Schulen schicken, wo iPhones, iPads und sogar Laptops verboten sind.
Snapchat, zum Beispiel, sei wie Heroin, sagt Rosenberg und tut etwas dagegen:
“Das Interessante sind vor allem die Abwehrmechanismen, die Rosenstein und noch einige andere Silicon-Valley-Mitarbeiter in ihren Dreißigern um sich errichtet haben. Rosenstein hat das Betriebssystem seines Laptops so umkonfiguriert, dass es Reddit blockiert. Er hat seinen eigenen Snapchat-Account blockieren lassen. Er hat sich eine Art Kindersicherung auf dem Smartphone installiert, die es ihm unmöglich macht, neue Apps herunterzuladen.“
Selbstverständlich hat der Aktivismus dieser Silicon-Valley- Propheten eine starke politische Komponente; sogar das demokratische System sieht Rosenstein als gefährdet an:
“Rosenstein sagt, unsere Affekte, unsere Vorlieben seien mittlerweile in einem Masse von den Paradigmen der Aufmerksamkeitsökonomie bestimmt, dass er sich Sorgen um die psychologischen Auswirkungen mache. Das ständige Wischen, Klicken, Liken und Immer-weiter-Gucken von Onlineserien habe uns längst süchtig gemacht […] Das habe dramatische Auswirkungen auf die Demokratie, könne sie möglicherweise sogar zum Verschwinden bringen.“
Die Voten zu Brexit und Trump seien Beispiele für diese Gefährdung der Demokratie. Man darf davon ausgehen, dass auch diese digitale Suppe nicht so heiss gegessen wird, wie sie angerichtet wurde. Sicher ist, dass die Mitwirkungsmöglichkeiten der Social Media mit mehr gegenseitigem Respekt weit  sinnvoller genutzt werden könnten, als das heute der Fall ist - auch wenn es um den politischen Diskurs geht.  

Friday, October 6, 2017

Krankenkassenwechsel per App in fünf Minuten

Und sie steigen immer weiter – die Krankenkassenprämien. Im nächsten Jahr um durchschnittlich 4 Prozent. Um wenigstens einige hundert Franken pro Jahr an der Grundversicherung zu sparen, lohnt es sich in vielen Fällen, die Kasse zu wechseln. Das war bis jetzt oft nicht unkompliziert. Jetzt gibt es eine App dafür.

Die App für den leichten Kassenwechsel: Brocando.   Bild PD
Das Sparpotenzial bei den Krankenkassenprämien ist auch nach jahrelangem Prämienanstieg durchaus noch nicht ausgeschöpft. Mit einem Wechsel der Grundversicherung in eine günstigere Krankenkasse könnten die Konsumenten 2018 im Durchschnitt je 455 Franken sparen, wie der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch errechnet hat. Zusammengerechnet beläuft sich das Sparpotenzial auf 3,8 Milliarden Franken:
“Besonders Gewiefte können statt der durchschnittlichen Prämienerhöhung um 4,3 Prozent sogar weniger zahlen als 2017. Moneyland.ch berechnete dazu das Sparpotenzial für die gesamte Bevölkerung, alle Krankenkassen, Altersgruppen, Kantone und Versicherungsmodelle. Fazit: Versicherte können insgesamt 3,8 Milliarden Franken sparen, wenn sie 2018 zur für sie günstigsten Krankenkasse wechseln und beim bestehenden Versicherungsmodell bleiben. Pro Person liegt hier eine durchschnittliche Einsparung von 455 Franken drin. Würden die Versicherten zusätzlich noch zum günstigsten Sparmodell wechseln, ergibt sich ein Sparpotenzial von 6,15 Milliarden Franken oder 735 Franken pro Person. Sparmodelle sind Telemed-, HMO-, Apotheken- oder Hausarzt-Modelle.“
Die Suche nach der günstigsten Prämie im gewünschten Versicherungsmodell, die Kündigung der alten Versicherung und die Unterzeichnung des neuen Vertrages kann allerdings recht aufwendig sein.
Als Antwort darauf hat ein junges, aber erfahrenes Team von Informatikern unter der Leitung ausgewiesener Versicherungsexperten eine innovative Lösung entwickelt: Eine kostenlose App für den Krankenkassenwechsel. Mit ihr kann der Wechsel (gemäss Pressemitteilung - wir haben es nicht ausprobiert) in fünf Minuten, komplett online und ohne Papierkrieg vollzogen werden. Möglich wird das durch die Rechtsgültigkeit der elektronischen Unterschrift in der App von Brocando.
Die App ist für die Betriebssysteme Apple (App Store) und Android (Google Play Store) verfügbar. Sie bietet einen Vergleich der Angebote und Prämien der Krankenkassen. Spätestens hier war bei den herkömmlichen Vergleichsdiensten Endstation. Nicht so in der Brocando-App. Eine digitale Unterschrift ermöglicht den Vollzug des Wechsels vollständig online. Die Kündigung der bestehenden Krankenkasse läuft automatisch im Hintergrund ab. So erledigen die Versicherten ihren Krankenkassenwechsel in wenigen Minuten.
Die Daten der Benutzer sind streng geschützt. Die Brocando-Server befinden sich in der Schweiz, und eine Weiterleitung der Daten an dritte Personen ist strengstens untersagt. Die Versicherten haben so die Garantie, dass sie nicht unerwünscht kontaktiert werden.
Der Dienst ist für die Benutzer absolut kostenlos. Die App, und der Vertragsabschluss sind gratis.

Tuesday, October 3, 2017

Woher der Wind bläst

Zwei Themen sind es, die im Internet am meisten Betrachter und Leser anziehen: Sex und Wetter. Natürlich ist  ersteres viel populärer als letzteres; 35 Prozent(!) des weltweiten Datenverkehrs ist pornografischen Ursprungs. Da kann das Wetter nicht ganz mithalten. Trotzdem stellen wir hier eine faszinierende Wettersite vor, die durchaus sexy ist – vor allem für Wetter-Fans – und solche gibt es viele.

Windy.com: unsere neue Lieblingswebsite, die sich ums Wetter dreht.
                                                                                         Screenshot windy.com
Das Wirtschaftsmagazin Forbes widmete der Tatsache, dass das Thema Wetter vor allem auch in den digitalen Medien extrem populär ist, im letzten Jahr einen ausführlichen Artikel. Einer der Gründe für die Popularität dafür liegt in der Tatsache, dass heute Millionen von Menschen immer eine Kamera dabei haben, mit der sie Wetterereignisse fotografieren und dann auf Social Media publizieren können. Das Wetter betrifft die meisten von uns – deshalb wird es oft intensiv verfolgt.

Dazu gibt es unzählige Websites, die einen besser, die anderen weniger gut. Eine der faszinierenderen ist windy.com, die sich weniger auf Wetterprognosen im üblichen Sinn als auf die Abbildung von Wetter spezialisiert hat - und zwar weltumspannend. Neben zahlreichen anderen Daten, werden Luftströmungen, Temperaturen, Wolken, Niederschläge und Wellen gezeigt. Am unteren Rand des Bildschirms wird eine fünftägige Wetterprognose für die jeweilige Lokalität eingeblendet, wie auch Bilder der nahegelegenen Webcams. Der gewünschte Ausgangsort kann ganz einfach durch einen Klick auf die Karte bestimmt werden.

Die Website, deren Betreiber ihren Firmensitz in Prag haben, ist deshalb so faszinierend, weil sie jenen, die ein elementares meteorologisches Verständnis aufweisen, zeigt, was das Wetter im Moment macht und wie es sich entwickeln wird. Sie benutzt verschiedenste Prognosen-Modelle, die auf der Website verglichen werden können.

Windy entstand als „Windyty“ vor drei Jahren und will vor allem Menschen ansprechen, die auf genaue Wetterbeobachtungen und -prognosen angewiesen sind – zum Beispiel Piloten, Seeleute, Fischer, Segler oder Surfer, wie der tschechische Unternehmer Ivo Lukacovic, der Windy gegründet hat, erklärt. Für Windy gibt es eine iPhone- und Android  App

Friday, September 29, 2017

Die Roboter-Revolution ist in vollem Gang

Roboter-Themen in den News-Medien haben sich in den letzten Jahren zu einem Dauerbrenner entwickelt. Ob Sex-Roboter oder Industrie-Roboter, die Thematik unterscheidet sich je nachdem, ob es sich bei der entsprechenden Publikation um ein Boulevard-Medium oder eine Fachzeitschrift handelt. Der Hintergrund bleibt aber der Gleiche: Die Roboter-Revolution wird die Arbeitswelt im ganz grossen Stil umkrempeln – und zwar schon in den nächsten Jahren.

Es sind immer verschiedene soziale, technische und wirtschaftliche Vorbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Revolution stattfinden kann. Geburtenrückgang, immer leistungsfähigere digitale
Technik und mehr Wohlstand gehören zu diesen Voraussetzungen. Gemäss Professorin Dalia Marin trägt aber auch die Europäische Geldpolitik zur beschleunigten Roboterisierung bei:
“Die Geschwindigkeit bei der Einführung von Robotern wird derzeit durch die extrem niedrigen Zinsen unterstützt, die den Einsatz von Robotern relativ zu Arbeitskräften kostengünstiger machen.“
Die Universität von Oxford hat schon vor drei Jahren eine umfangreiche Studie veröffentlicht, in der unter die Lupe genommen wurde, welche Berufe besonders von der Roboterisierung betroffen sein werden. Es sind deren viele; die Forscher sagen voraus, dass die Hälfte aller Jobs an Maschinen gehen könnte.  Aber auch zu diesem Thema gibt es sowohl Optimisten als auch Pessimisten:
Während die einen beruhigen und erklären, dass wegbrechende Jobs durch andere Tätigkeiten ersetzt würden, warnen andere vor Arbeitslosigkeit und einer weiteren Spirale in Richtung Niedriglohnbereich und Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. Im Rahmen dieser Diskussion taucht das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens als Sozialhilfe auf, um die Gesellschaft zu befrieden, finanziert womöglich durch eine Steuer auf Roboter oder smarte Maschinen"
Tatsächlich bringt die Roboter-Revolution auch neue Arbeitsplätze – zum Beispiel bei ABB. Wie die NZZ berichtet, wittere ABB mit Robotern gar “das grosse Geschäft“, und sei bereits einer der führenden Hersteller:
“Zur wachsenden Verbreitung trage vor allem die Vereinfachung der Programmierung und Bedienung bei, sagte Per Vegard Nerseth, Leiter der Geschäftseinheit Robotik bei ABB, im Gespräch. Unternehmen könnten heute auf einfachem Weg Roboter einsetzen, ohne, wie dies bei den Branchenriesen aus dem Automobilsektor noch immer der Fall sei, speziell dafür geschulte Programmierer zu beschäftigen. Neue, flexible Lösungen ermöglichen zudem, dass sich Roboter auch für die Herstellung kleiner Losgrössen eignen. «Sie finden heute Roboter in Bäckereien, Pizzerien oder in Betrieben, die Lunchboxen zubereiten», fügte der Robotik-Leiter von ABB hinzu. Auch ganz neue Geschäftsmodelle tauchen am Horizont auf. Die robotisierte Mini-Schuhfabrik liesse sich nach Einschätzung des ABB-Managements problemlos in Bahnhöfen, Flughäfen oder in Einkaufszentren aufstellen. Damit könnten Passanten direkt verfolgen, wie ein für sie massgeschneiderter Schuh hergestellt wird…“
Einen kleinen Trost gibt es für all jene Zeitgenossen, die daran verzweifeln, dass die digitale Technologie unser Leben zu übernehmen scheint. Zuoberst auf der Liste der durch Roboter gefährdeten Berufe stehen nämlich die Telemarketer – jene lästigen Anrufer, auf die wir gerne verzichten können. Dem Roboter, der sie ersetzten wird, können wir zumindest das Telefon auflegen, ohne dass wir seine Gefühle verletzen. 

Wednesday, September 27, 2017

Teuer hin oder her: Das iPhone X wird ein Verkaufshit werden

Apples iPhones sind voll im Trend, sehen gut aus und funktionieren meistens auch ganz gut. Genauso wie das Apple Marketing. Denn obwohl in den Wochen seit der Vorstellung der neusten Apple Handys einige sehr kritische Artikel über die Preispolitik des Konzerns erschienen sind, scheint die Marketing-Strategie des Konzerns aufzugehen und die Nachfrage ungebrochen.

Das iPhone X wird Apple noch
viel reicher machen.     Bild PD
Schon vor zehn Tagen meldete das deutsche Fachmagazin Heise, dass es wohl schwierig werde, die iPhone X Nachfrage zu befriedigen. Das iPhone X werde sehr knapp werden, weil Apple nicht vor 2018 ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei dem erstmals mit OLED-Bildschirm ausgestatteten Gerät erreichen werde:
“Die Stückzahlen, die 2017 zur Verfügung stehen, sollen nur bei 40 Millionen Einheiten weltweit liegen. Was womöglich nach viel klingt, sind bei Apples Nachfrage "Peanuts". Apple startet die Vorbestellung des iPhone X Ende Oktober, die Auslieferung beginnt am 3. November. 2018 sei mit der Auslieferung von 80 bis 90 Millionen Einheiten zu rechnen.“
Die Apple-Verkaufsmaschinerie läuft also wie geschmiert, obwohl immer mehr User merken, dass die Preise für das iPhone wirklich hoch angesetzt sein. Auch Journalisten und Publikationen, die in den letzten Jahren als willige Wasserträger im Apple-Marketing-Team gewirkt haben, schreiben jetzt mit eher spitzen Feder. „Enorme Gewinnmarge: So viel verdient Apple an einem einzigen iPhone X“ titelt zum Beispiel der Stern und rechnet vor, dass Apple an einem in Deutschland verkauften Modell knapp 900 Euro(!) verdiene. Auch bei heise.de fragt man sich, ob Apple zu teuer geworden ist:
“Apple setzt seine perfide Aufpreispolitik für Speicherplatz selbst jenseits der 1100-Euro-Marke fort: Wer sein iPhone X lieber mit 256 GByte haben möchte, soll dafür mal eben weitere 170 Euro drauflegen – für ein ansonsten völlig identisches Gerät und etwas Flash-Speicher, den Apple im Einkauf geschätzt für einen niedrigen zweistelligen Dollarbetrag erhält…“
Heise lässt aber auch einen Apple-Fan zu Wort kommen, der gerne viel bezahlt für ein iPhone X, weil es sich dabei um "die Mercedes S-Klasse unter den Smartphones" handle:
Apple verbaut hier die beste Technik, die man derzeit für Geld kaufen kann: Vom vollflächigen OLED-Bildschirm, welcher, so ist es jedenfalls zu erwarten, die Konkurrenz um Längen schlagen wird, über den A11-Bionic-Chip, der manches MacBook Pro übertrumpfen kann, bis hin zu Face ID, was die Sicherheit erhöht, ohne die Einfachheit der Benutzung zu stören. Die TrueDepth-Kamera-Einheit verspricht zudem tolle neue Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der erweiterten Realität – und das erstmals auch bei der Frontkamera…“
Unterdessen treiben sich jene Apple-Fans, denen neue iPhones schlicht zu teuer sind, auf Websiten herum, wo sie billigere kaufen können. Tutti.ch gehört in diese Kategorie und hat kürzlich einige interessante Statistiken über den privaten Handel mit iPhones veröffentlicht:
Im Total gab es von September 2016 bis August 2017 über 12'300 iPhone 7 zu einem Durchschnittspreis von 698 Franken auf tutti.ch zu kaufen. Die durchschnittliche Onlinezeit eines iPhone 7 lag dabei bei 5,9 Tagen. Am teuersten waren neue iPhone 7 Geräte erwartungsgemäss nach ihrem Launch mit einem durchschnittlichen Wochenpreis von 961 Franken, der in der Zwischenzeit auf 640 Franken gesunken ist."
Ob es sich bei den Verknappungsprognosen für das iPhone X um geschicktes Marketing oder um Tatsachen handelt, eines ist klar: Alles deutet daraufhin, dass das iPhone X zu einem Verkaufshit werden wird - hoher Preis und obszöne Gewinnmargen hin oder her.

Monday, September 25, 2017

Google und das Smartphone: irgendwann den Handymarkt aufmischen

Währenddem viele User auf die neuen iPhones warten – wenn auch nicht so sehnlichst, wie in vergangenen Jahren – hat sich Alphabet, der mächtige Mutterkonzern der mächtigen Suchmaschine Google ohne grosses Aufhebens die Hälfte des taiwanesischen Smartphone-Herstellers HTC unter den Nagel gerissen. Den Preis kann das Unternehmen gewissermassen aus der Portokasse bezahlen – es ist nur gerade eine gute Milliarde Dollar.

Das HTC-Vorzeigehandy U11: Ab jetzt mischt Google mit.                  Bild PD
“Google kauft HTC seine Experten ab“ titelte eine deutsche Tageszeitung nachdem die Transaktion bekannt wurde. Tatsächlich zahlt die Google-Milliarde für mehrere hundert Mitarbeiter und für Smartphone-Patente, allerdings nicht in exklusiver Nutzung. Google gehe es mit dem HTC-Kauf darum, einen besseren Stand im Hardwaregeschäft zu bekommen. Gerade was Smartphones betrifft, hat Google allerdings ein Android-Problem, wie verschiedene Zeitungen berichten:
“Zugleich muss der Konzern aufpassen, nicht die vielen Hersteller von Geräten mit seinem Mobil-System Android zu verärgern. Die Hardware-Sparte sei deshalb innerhalb von Google von der Android-Entwicklung isoliert und werde genauso wie andere Hersteller behandelt, heisst es. Das „Pixel“ war allerdings im vergangenen Jahr zunächst das einzige Telefon mit dem neuen Google-Assistenten, mit dem sich der Nutzer unterhalten kann.“
Die NZZ analysiert, dass es Google mit der HTC-Transaktion weniger um das Smartphone-Geschäft gehe:
“Der Sinn der Akquisition und der sich damit ergebenden Stärkung der Hardware-Kompetenz liegt eher in den indirekten, langfristig beabsichtigten positiven Auswirkungen auf die Software-Kompetenz und deren Innovationskraft. So steht hinter Googles Ausbau des Hardware-Geschäfts zum einen die Tatsache, dass die in erster Linie auf Software basierenden Zukunftstechnologien wie erweiterte Realität (Augmented Reality, AR) oder künstliche Intelligenz verstärkt spezifische Anforderungen an die Hardware der Smartphones stellen. Für die Nutzung der AR etwa braucht es spezielle Kameras. Und diese wiederum prägen die Spezifikationen, nach denen die AR-Software programmiert wird. Eine Verstärkung der vertikalen Integration, wie sie Alphabet mit dem Ausbau der Hardware verfolgt, kann zu einer Dynamik führen, bei der sich Hard- und Software immer wieder gegenseitig befruchten. Von diesem Austausch im Bereich von Zukunftstechnologien und von den rund 2000 Mitarbeitern dürften zum andern auch die weiteren Produkte der wachsenden Hardware-Sparte von Alphabet profitieren.“
Die faz glaubt hingegen schon, dass Google das eigene Handy stärken will:
“Samsung ist der grösste Smartphone-Hersteller der Welt und arbeitet zurzeit mit Googles Betriebssystem Android. Das muss aber nicht so bleiben. Immer wieder spielt Samsung mit dem Gedanken, ein eigenes System aufzubauen, oder experimentiert mit anderen Betriebssystemen. Google seinerseits zahlt immer mehr Geld an Handy-Hersteller und andere Firmen, damit sie Google-Dienste verwenden und Google auf diese Weise Chancen verschaffen, Werbung zu verkaufen. Hätte Google ein stärkeres eigenes Handy, wäre es unabhängiger. Google bietet selbst Handys an, die von HTC produziert werden: Sie heissen „Pixel“. Bislang sind sie eine Randerscheinung am Handy-Markt. Durch die eigene Produktion von Handys könnte Google bestimmte Vorzüge seines Betriebssystems Android besser hervorheben und weiterentwickeln.“
Klar ist, dass Google zumindest im Moment das Smartphone-Geschäft nicht einfach so der mächtigen Konkurrenz überlassen will. Das Unternehmen ist selbst derart mächtig im digitalen Raum, mit Berührungspunkten zu Milliarden von Usern, dass ein Versuch, den Handy-Markt aufzumischen, sogar Chancen haben könnte – vielleicht.

Wednesday, September 20, 2017

Vorschriften machen ist einfach – sie zu erfüllen nicht

Der grossen Mehrheit der Unternehmen in Deutschland drohen in wenigen Monaten Millionen an Bussgeldern. Am 25. Mai 2018 müssen nämlich die Vorgaben der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) umgesetzt sein – doch nur eine Minderheit wird diesen Termin einhalten können. Selbst von den Unternehmen, die sich aktuell mit der DS-GVO beschäftigen, gehen nur 19 Prozent davon aus, dass sie die Vorgaben der Verordnung an diesem Datum vollständig umgesetzt haben. Die Notwendigkeit für Datenschutz ist gegeben, die gesetzlich geregelte Durchführung auf EU-Ebene wird allerdings von vielen Unternehmen als Innovationsbremse und sogar als Gefahr fürs eigene Geschäft eingestuft.


Falls Sie noch nicht mit dem Lesen begonnen haben: Die vierte und finale 
Version der DS-GVO als PDF umfasst 261 Seiten.  
Man weiss es: Vorschriften machen ist nicht schwer – diese einzuhalten hingegen sehr. Was dem bürokratischen Apparat einer Regierung oder eines Verwaltungsgiganten wie der EU als durchaus vernünftig und machbar erscheint, kann für ein Unternehmen zu einem schweren und teuren Klotz am Bein werden. So ist es wohl zu verstehen, dass gemäss einer grossen Bitkom-Befragung nur gerade 20 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten, dass sie die Anforderungen der neuen Datenschutzverordnung am Stichdatum zum grössten Teil erfüllen werden. Mehr als jedes zweite dieser Unternehmen gibt an, in acht Monaten werde die Umsetzung nur teilweise erfolgt sein.  Bitkom-Sprecherin Susanne Dehmel warnt die trödelnden Unternehmen: „Wer den Kopf in den Sand steckt, verstösst demnächst gegen geltendes Recht und riskiert empfindliche Bussgelder zu Lasten seines Unternehmens.“
Aktuell haben erst 13 Prozent der Unternehmen erste Massnahmen zur Umsetzung der DS-GVO begonnen oder abgeschlossen. Jedes dritte Unternehmen gibt an, sich bislang noch überhaupt nicht mit den Vorgaben der Verordnung beschäftigt zu haben. Von den Unternehmen, die sich bereits mit der DS-GVO beschäftigt haben, sagt rund die Hälfte, dass sie bisher höchstens zehn Prozent aller notwendigen Arbeiten erledigt hat. Nur drei Prozent gehen davon aus, dass sie mehr als die Hälfte der Aufgaben abgearbeitet haben.
Das ist eine magere Bilanz für die Umsetzung einer Verordnung, die bei der Einführung nicht nur von den verantwortlichen Beamten Lob erhalten hat. Woran liegt es?
Die Unternehmen, die sich mit der DS-GVO beschäftigt haben oder dies noch tun wollen, nennen als grösste Herausforderungen bei der Umsetzung den schwer abzuschätzenden Aufwand, die Rechtsunsicherheit und mangelnde praktische Umsetzungshilfen. Künftig rechnen 35 Prozent mit Mehraufwand im Unternehmen durch die DS-GVO. Jedes fünfte Unternehmen erwartet dabei sogar deutlich mehr Aufwand.

So befürchten 57 Prozent kurzfristig mehr Rechtsunsicherheit, 42 Prozent glauben, dass Geschäftsprozesse komplizierter werden. Mehr als jeder dritte Befragte sagt zudem, die DS-GVO bremse die Innovationskraft in Europa, jeder Vierte sieht einen Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen. Und 14 Prozent gehen sogar so weit zu sagen, die Datenschutzverordnung stelle eine Gefahr für die eigene Geschäftstätigkeit dar.