Monday, March 29, 2010

Wer weiss mehr? Der Doktor oder das Internet?

Hand aufs Herz: Haben Sie auch schon versucht, sich im Internet selber zu diagnostizieren? Oder sich nach den Nebenwirkungen eines Medikamentes erkundigt, dass Sie dann gar nicht mehr einnehmen mochten, weil Sie eine lange Liste möglicher negativer Folgen davon abhielt. Willkommen im Club! Millionen Menschen tun dies, und bei vielen wirkt sich dieses Verhalten negativ auf die Gesundheit aus.

Ärzte wissen ein Lied darüber zu singen: Patienten, die alles schon wissen, bevor der Doktor seine Diagnose stellen kann. Wenn er sie dann gestellt hat, glauben sie ihm nicht. Schliesslich haben sie Internet nachgelesen, woran sie leiden. Das Web sei für “eingebildete Kranke“ eine wahre Angstquelle, schreibt der Spiegel in einem Artikel zum Thema:
“Das Web verhilft ihnen zu Diagnosen, von denen sie vorher noch nie gehört haben. Sie nutzen das Web als eine Art Differentialdiagnose-Datenbank, bei der die Summe tatsächlicher oder eingebildeter Symptome ein scheinbar konkretes, vermeintlich verlässliches Ergebnis ergibt, in schriftlicher Form ausgespuckt von einer Suchmaschine. Seit 2001 kursiert in Fachkreisen für dieses Syndrom eine Bezeichnung, die 2007 durch den amerikanischen Mediziner Brian Fallon popularisiert wurde: ’Cyberchondrie’. Laut Fallon werden über 90 Prozent aller Hypochonder, die Zugang zum Internet haben, zu Cyberchondern, die sich ihre Symptome quasi extern zuliefern lassen - oder ’ergoogeln’.“
Laut einer WHO-Studie suchen bereits mehr als die Hälfte aller Internet-Nutzer im Web nach Gesundheits- oder Krankheitsinformationen – was oft die Hypochondrie fördert und sowohl den Cyberchondern als auch ihren Ärzten das Leben noch etwas schwerer macht!

Friday, March 26, 2010

Mit Google nach Sibirien

Die Transsibirische Eisenbahn ist legendär. Sie spielt die Hauptrolle in zahlreichen Büchern und Filmen, und eine Reise auf der 9288 Kilometer langen Strecke steht auf dem Wunschzettel zahlreicher Eisenbahn- und Reisefans. Dieser Wunsch wird jetzt erfüllt – und zwar am eigenen PC.

Google macht eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn möglich. Sie ist gratis – findet aber natürlich nur am Bildschirm des Computers statt. Immerhin: Google Russland bietet die ganze Reise in Echtzeit an, zusammen mit den Russischen Eisenbahnen, und Nacht wird es unterwegs auch nie – damit der virtuell Reisende auch sicher nichts verpasst. Eine Google-Karte zeigt immer den genauen Standort an, damit niemand die Orientierung verliert. Das Video ist in achtminütige Youtube-Abschnitte unterteilt, läuft aber auf der Google-Site ohne Unterbruch; d.h., die neuen Abschnitte starten automatisch.
Im Fahrplan auf der Webseite wird auch auf besondere Sehenswürdigkeiten aufmerksam gemacht – mit einem Klick lässt sich die Umgebung der Reiseroute erkunden.
Der ganze Film wird in verschiedenen Auflösungen angeboten – bis hinauf zur superscharfen Auflösung von 1080p HD. Auch der Soundtrack zum Trip, das Rattern der Eisenbahnräder fehlt natürlich nicht. Zur Auswahl stehen aber auch andere, typisch russische Töne: zum Beispiel russiches Radio oder Balalaikamusik.
Dann wünschen wir mal gute Reise! Und nehmen Sie sich genügend Zeit – die Reise dauert mehre Tage – wenn Sie nicht zwischendurch mal aussteigen müssen, zum Beispiel um zu arbeiten.

Wednesday, March 24, 2010

Grosser Bildschirm, grosser Browser

Je grösser der Bildschirm wird, desto schwieriger wird es,  mit herkömmlichen Benutzeroberflächen zu navigieren. Webseiten werden ja gewöhnlich ganz aus der Nähe betrachtet, im Gegensatz zu einem Fernsehmonitor, von dem man schon mal ein paar Meter entfernt ist. Für dieses Problem gibt es jetzt Lösungsansätze.

Es ist ganz einfach, mit dem TV-Monitor Internet-Inhalte zu betrachten – wir haben an dieser Stelle schon darüber berichtet. Im Grunde genommen reicht es, den Fernseher als PC-Monitor anzuschliessen, und schon funktioniert die Sache.
Was am PC-Monitor noch ganz gut und lesbar erscheint, ist allerdings am Fernseher oft nur noch schlecht auszumachen: Viele Schriften sind zu klein und aus der Entfernung nicht mehr zu lesen; ausserdem wirken viele Webseiten völlig überladen, wenn sie aus einiger Distanz betrachtet werden.
Einer der Lösungsansätze für dieses Problem besteht in der Entwicklung von CE-HTML-Inhalten, speziell für TV-Geräte. Experten rechnen damit, dass in Kürze mehr und mehr TV-Monitore vorgestellt werden, die CE-HTML fähig sind. Damit wird es unter anderem auch möglich sein, im Net per TV-Fernbedienung zu surfen.
Es gibt aber auch andere Ansätze, die bereits funktionieren: YouTube XL zum Beispiel, das den genannten Problemen Rechnung trägt und den Anwendern eine sehr übersichtliche Videoseite mit grossen Bedienungselementen bietet (siehe Bild). Und schliesslich gibt es jetzt auch noch Kylo, einen speziellen Browser für das Surfen am TV-Monitor, den die amerikanische Firma Hillcrest Labs anbietet:
“Hillcrest Labs sagen dem normalen Desktop-Look den Kampf an. […] Der Browser setzt darauf, durch Ausblenden nicht benötigter Elemente den sichtbaren Bildbereich zu maximieren und größere Schriften, Cursor und Bedienelemente als normale Browser zu bieten. Ebenso verspricht Kylo leichtes Zoomen und Schwenken. Auf ein Keyboard können User verzichten, nötigenfalls wird eine Onscreen-Tastatur eingeblendet. Ferner bietet eine spezielle Startseite einen schnellen Zugriff auf eine Auswahl in den USA beliebter Webangebote.“
Der Browser ist gratis, vorläufig nur in Englisch erhältlich und kann hier heruntergeladen werden.

Geld verdienen in der "Freeconomy"

Es ist noch nicht so lange her, da bestimmte der Preis eines Produktes dessen Wert – oder wie die Amerikaner sagten: “You get what you pay for“. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein. Im digitalen Zeitalter sind viele Dienstleistungen und auch Produkte völlig gratis und trotzdem nicht schlecht. Wie kann man in diesem Umfeld, der sogenannten “Freeconomy“, trotzdem noch Geld verdienen?

Die Kostenlos-Mentalität hat gesiegt. Der für ältere Generationen noch völlig selbstverständliche Gedanke, dass es zwischen dem Preis eines Produkts und seinem Wert einen engen Zusammenhang gibt, hat sich, gerade bei der jungen Generation, total verflüchtigt. Vieles, was für sie im Leben wirklich wichtig ist, zum Beispiel Musik, Videos oder Facebook, bekommen sie völlig kostenlos. Vielen Branchen scheint damit, früher oder später, das Schicksal bevorzustehen, das die Musikindustrie an den Rand des Untergangs gebracht hat. Trotzdem gibt es Firmen, die geradezu grossartig beweisen, wie auch in diesem Umfeld enorm viel Geld verdient werden kann. Zum Beispiel Google. Die Firma wird immer reicher und erfolgreicher, obwohl sie den Kosnumenten eine breite Auswahl an Dienstleistungen völlig umsonst anbietet. (Dieser Blog zum Beispiel wird auf einem Server von Google gehostet – was uns keinen Rappen kostet.)
“Die Gratis-Mentalität hat gesiegt. Höchste Zeit, daraus ein gutes Business zu machen.“
Das ist der Übertitel der neusten Ausgabe von GDI Impuls, dem Wissensmagazin für Wirtschaft, Gesellschaft und Handel, des Gottlieb Duttweiler Instituts. Zahlreiche Artikel namhafter Autoren versuchen aufzuzeigen, wie Unternehmen die Kostenlos-Falle umgehen können. Nils Winkler erklärt, wie Anbieter von Online-Spielen Gewinne machen. Annette Ehrhardt und Stefan Beeck zeigen neue Wege für das Preismanagement auf, und Anja Dilk besuchte ein erfolgreich wirtschaftendes Restaurant, in dem die Gäste selbst entscheiden, wie viel sie bezahlen. Eine Perspektive weit über die aktuelle unternehmerische Gewinn- und Verlustrechnung hinaus eröffnet der Beitrag von Michael Böhm. Er vergleicht die heutige Datenpiraterie mit dem Freibeuter-Boom des 16. und 17. Jahrhunderts, der auch als pure Gesetzlosigkeit begann und doch eine der Keimzellen des liberalen Kapitalismus darstellt. Die Freeconomy könne deshalb eines Tages ebenfalls zu einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung beitragen.
Das Heft erscheint viermal jährlich und kann über das GDI Gottlieb Duttweiler Institute bezogen werden. Es ist definitiv nicht Teil der beschriebenen Gratiskultur – das einzelne Heft kostet 35 Franken.
Artikelzusammenfassungen können hier gelesen werden und sind gratis.

Monday, March 22, 2010

Leben Zeitungsleser hinter dem Mond?

Wie die neuste TNS-Emnid-Umfrage zeigt, scheinen sich eine Mehrheit von Menschen, die Zeitungen lesen, gar nicht für die moderne digitale Wirklichkeit des Internets zu interessieren – zumindest nicht im Zusammenhang mit ihrer Zeitung. Twitter, RSS-Feeds oder Web-Viedos werden nicht nur nicht genutzt, sondern sind vielen dieser Nutzer anscheinend gänzlich unbekannt.

Zeitungsleser scheinen mit ihrer Zeitung ganz zufrieden zu sein, Internet-Hype und Social-Media hin oder her.  Dies scheint eine neue Studie des Marktforschers TNS-Emnid zu ergeben:
“40 Prozent der befragten Zeitungsleser ist Web-TV, also ein eigenes, breitbandig über das Internet übertragenes Fernsehprogramm, unbekannt. Ein Viertel der Befragten weiß nichts von der Möglichkeit, sich Videos zu den Nachrichten auf den Websites anschauen zu können. Entsprechend niedrig ist der Anteil der Nutzer: Lediglich vier Prozent haben diese Angebote auf den Websites der Tagszeitungen bereits genutzt – ähnlich gering ist der Anteil derjenigen, die sich diese Angebote dort überhaupt wünschen. Auf niedrigem Niveau liegen auch die Zahlen für RSS-Feeds, also der Möglichkeit, zeitnah über Nachrichten und Neuigkeiten auf der Website informiert zu werden. Ebenso wenig wie Multimedia-Angebote werden etwa der Microbloggingdienst Twitter mit der regionalen bzw. lokalen Tageszeitung assoziiert: Lediglich zwei Prozent der Zeitungsleser mit Online-Zugang haben diesen auf den Zeitungswebsites genutzt oder wünschen sich dort ein derartiges Angebot.“
Die Frage stellt sich, was diese Resultate denn nun genau aussagen: Sind die neuen Internetmedien für einen wichtigen Teil der Konsumenten nur Hype; Kommunikationsmittel, über die mehr geredet wird, als dass sie genutzt werden? (Oder, wie der Österreichische "Standard" titelt: "Zeitungsleser pfeifen auf Twitter und Co.") (Ja).
Wieviele intensive Internetnutzer lesen überhaupt noch eine gedruckte Zeitung? (Viel weniger)
Sind Zeitungsleser besonders qualitätsbewusst? (Wer weiss?)
Oder brauchen sie vielleicht ganz einfach etwas länger, um sich an die neuen Realitäten der digitalen Gesellschaft anzupassen...? (Wahrscheinlich)

Thursday, March 18, 2010

The Color of Money

Farbe scheint auch im Internet sehr wichtig zu sein – so wichtig, dass daraus Millioneneinnahmen resultieren können. Microsoft hat herausgefunden, dass die Links auf den Resultatseiten der Suchmaschine Bing öfter angeklickt werden, wenn sie mit der richtigen Farbe locken.

Der Bericht über das Millionenblau erschien auf dem Microsoft PriO-Blog der Seattle Times. In Europa berichtet Spiegel-Online unter dem Titel: Microsoft findet das 80-Millionen blau:
"So fanden die Microsoft-Mitarbeiter auch heraus, dass sie beim Bing-Vorgänger Live Search auf ein zu blasses Blau gesetzt hatten. Die besten Ergebnisse erzielten sie mit einem dunkleren Farbton: #0044CC. Diese im Web übliche hexadezimale Darstellung beschreibt mit je zwei Zeichen eine Mischung aus Rot-, Grün- und Blauanteilen. Der Vorteil der Farbe soll sich auch in Geld ausdrücken lassen: 80 bis 90 Millionen Dollar mehr schätzt man bei Microsoft, durch zusätzliche Anzeigenverkäufe einnehmen zu können.“

Wednesday, March 17, 2010

Digitale Mediennutzung nimmt weiter zu

Die Mediennutzung im Internet nimmt immer weiter zu. Kein Wunder: Die meisten Angebote kosten nichts und bieten erst noch mehr als die “alten“ Medien. Ein gutes Beispiel ist die gerade beendete Winter-Olympiade. Die ganze Welt wurde von Kanada aus mit HD-Inhalten versorgt. Verpasste TV-Übertragungen waren kein Problem mehr - im Web standen die Beiträge ebenfalls zur Verfügung.

Ein neuer IAB-Europe Report zeigt zum Beispiel auf, dass sich in Deutschland bereits jeder vierte Internetnutzer Filme, Serien und Fernsehen online anschaut oder Webradio hört. Rund 80 Prozent aller User lesen Nachrichten im Web oder beschaffen sich Informationen online. Man kann wohl davon ausgehen, dass eine Befragung in der Schweiz ganz ähnliche Resultate ergeben würde.
Im Ganzen zeigen diese Zahlen, dass sich die Mediennutzung immer weiter auf das Internet verlagert (das ist einer der Gründe dafür, dass die Leserzahlen der gedruckten Medien seit Jahren abnehmen). Interessant ist aber auch die stärkere Nutzung bewegter Bilder im Web. Die YouTube-Generation verlangt nach Video-on-Demand, und dieser Trend wird sich immer mehr auch auf das herkömmliche Fernsehen und dessen Finanzierung, also Werbung, auswirken. Zum Beispiel dadurch, dass immer mehr junge Konsumenten auf das Web - zunehmend auch mit mobilen Geräten - umsteigen, und das Fernsehpublikum im Durchschnitt immer älter wird. Der durchschnittliche ZDF-Zuschauer, so wurde letztes Lahr vermeldet, sei jetzt schon über 60 Jahre alt.