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Sunday, June 13, 2021

Der Fussball profitiert vom Kryptowährungsboom

 Die Euro 2020 hält viele Fussballfans im Bann, und einige von ihnen investieren ihr hart verdientes Geld in sogenannte Fan Tokens mit denen sie sich spezielle Materialien und Dienstleistungen von ihrem Fussballklub erkaufen.


YB bietet den Fans eigene Tokens an.        Logo Wikipedia Commons
Fan Tokens (und Coins) sind Kryptowährungen – und es gibt inzwischen eine ganze Reihe davon. Sie sind weniger dafür geeignet, damit zu spekulieren, als an spezielle Klub-Dienstleistungen zu kommen. Für die Klubs, die solche virtuelle Fan Token in Umlauf bringen, lohnt sich das Geschäftsmodell. Sie können damit Geld verdienen. Wolverhampton, Barcelona und die Argentinische Nationalmannschaft sind gerade dabei, auch auf diesen Zug aufzuspringen. Und da eine gute Idee immer gerne kopiert wird, bleibt es natürlich nicht beim Fussball: Auch das Sauber Racing Team hat im Mai eine Million Fan Tokens in Umlauf gebracht.  In der Schweiz sind es die Berner Young Boys, die ihre eigene Fan-Währung haben. Wie funktioniert das genau?

“Die Währung der Fussballclubs unterscheidet sich dadurch vom Bitcoin, dass man damit nicht direkt bezahlen kann. Als Fan erhält man gewisse Gegenleistungen – bei YB darf man beispielsweise an exklusiven Umfragen teilnehmen, so konnte man zum Beispiel mitbestimmen, welches Design die Meistershirts hatten. Von YB ist aktuell eine Million Token verfügbar. Wie viele davon verkauft wurden und zu welchem Preis, das hält YB geheim. Aber: Anfangs wurden sie für zwei Franken das Stück verkauft, der Wert variierte zwischen bis zu sechs Franken. Mittlerweile ist er zwischen 1.50 und zwei Franken wert. Verkauft wurden sicher mehr als 100'000 Token…“  (srf.ch)

Den Klubverantwortlichen bei YB geht es wahrscheinlich nicht so sehr ums grosse Geld – das wäre eher schwierig. Daniel Marti, der Marktingkleiter bei YB betont, dass es um die Identifikation mit dem Klub gehe. “Wenn sich ein Fan mit einem Klub identifizieren kann, kauft er gerne Tickets, Abos, eine YB-Wurst oder eben einen Fan-Token.“ Das Risiko sei klein: «Die meisten kaufen sich nur paar wenige Token.»

Was ist übrigens der Unterschied zwischen einem Token und einem Coin? Eine ausführliche Definition findet sich hier (in Englisch).

So oder so zeigt die plötzliche Popularität von Kryptowährungen im Sport, wie schnell sich digitale Trends ausbreiten. Bleibt abzuwarten, wie der gegenwärtige Negativtrend von Bitcoin und Co. sich auf diese Entwicklung auswirken wird.


Sunday, May 16, 2021

Ist Chia die grünere (und bessere) Kryptowährung?

Das “Schürfen“ von Bitcoin, wie der digitale Herstellungsprozess genannt wird, verbraucht riesige Mengen von Energie – im letzten Jahr wurde dafür mehr Elektrizität verbraucht, als die ganze Schweiz benötigt (siehe untenstehende Grafik). Elon Musk, einer der grossen Bitcoin-Förderer scheint jetzt eingesehen zu haben, dass es nicht viel Sinn macht, die Weltwirtschaft wegen des Klimawandels auf weniger Energieverbrauch zu trimmen, währenddem für Spekulationszwecke riesige Mengen von Elektrizität in digitales "Geld" verwandelt werden.  

Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch einiger Länder und von Bitcoin.
                                                                     Quelle: Cambridge Center for Alternative Finance

Ohne dem Tesla-Chef niedrige Beweggründe unterschieben zu wollen, darf man davon ausgehen, dass sein Sinneswandel bezüglich Bitcoin sich ausgezahlt hat: Seine Verlautbarungen per digitale Medien verursachen jeweils signifikante Kurssprünge. Das war auch diesmal wieder so: Mitte Woche gab Musk bekannt, seine Firma Tesla höre auf, Bitcoin von Tesla-Käufern zu akzeptieren. Der Grund: Bedenken wegen des enormen Energieverbrauchs bei der Herstellung der Währung. Die dramatische Kehrtwende des manchmal reichsten, dann wieder zweitreichsten Mannes der Welt verursachte einen Kurssturz von 8‘000 Dollar, von fast 55,000 auf 47,000 Dollar in nur zwei Stunden. In einer Twitter-Verlautbarung teilte Musk mit:

"Tesla hat Fahrzeugkäufe mit Bitcoin ausgesetzt. Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für Bitcoin-Mining und Bitcoin-Transaktionen, insbesondere Kohle, die die schlimmsten Emissionen aller Brennstoffe hat. Kryptowährung ist auf vielen Ebenen eine gute Idee und wir glauben, dass sie eine vielversprechende Zukunft hat, aber das kann nicht auf Kosten der Umwelt geschehen. Tesla wird keine Bitcoin verkaufen und wir beabsichtigen, die Währung für Transaktionen zu nutzen, sobald das Mining auf nachhaltigere Energie umgestellt wird. Wir schauen uns auch andere Kryptowährungen an, die weniger als ein Prozent der Energie von Bitcoin [pro] Transaktion verbrauchen."

Eine dieser Währungen, die jetzt in den Fokus gerückt ist, heisst Chia. Die Idee stammt von BitTorrent Erfinder Bram Cohen, der Chia als "grünes Geld für eine digitale Welt" beschreibt. Laut Chia verbraucht der Chia-Mining zehntausendmal weniger Energie als Bitcoin. Dafür braucht die Währung Speicherplatz. In China haben sich die Preise für Festplatten bei einigen PC-Modellen bereits verdoppelt, da die ersten Anbieter versuchen, mit Speicherplatz Geld zu machen. Das Problem: Jüngsten Berichten zufolge reduziert kontinuierliches Chia-Mining die Haltbarkeit einer 512-GB-Festplatte von zehn Jahren auf gerade mal 40 Tage. Trotzdem: Der Preis von Chia hat in den letzten Tagen deutlich angezogen, dann wieder nachgegeben. Das Handelsvolumen von mehr als 110 Milliarden Dollar (in den letzten 24 Stunden) ist so oder so eindrücklich.

Tuesday, February 9, 2021

Bitcoin: Mit Tesla in den Mainstream?

Elon Musk ist ein Bitcoin-Fan. Das sagt er nicht nur, sondern er handelt auch. Mit einer Investition von 1,5 Milliarden US-Dollar und der Ankündigung, man werde wahrscheinlich in Zukunft bei Tesla mit Bitcoin bezahlen können, hat Musk der Kryptowährung gewaltig Auftrieb gegeben.


Zum Vergrössern anklicken.                                                                  Screengrab Google
Heute Mittag (9. Februar) war ein Bitcoin fast 42‘000 Franken wert – vor einem Jahr waren es noch nicht einmal 10‘000 Franken gewesen. Es scheint also, dass Bitcoin trotz riesigen Kursschwankungen langsam aber sicher als Mainstream-Währung angesehen wird. Allerdings definitiv nicht von allen Experten – Elon Musk hin oder her.

 Auf Bloomberg.com schreibt Liam Denning:

“Neu, staatenlos, volatil, dem Cyberdiebstahl und potentieller staatlicher Regulierung unterworfen, ist Bitcoin nur dann eine Währung, wenn man das wirklich so sehen will und auch noch bereit ist, viele Schwierigkeiten auf sich nehmen, um die Währung tatsächlich zu benutzen. Teslas Kommentar, Bitcoin in naher Zukunft als Zahlungsmittel zu akzeptieren, ist irrelevant; um das zu tun, muss man die Währung nicht im Voraus horten…“

 In der Handelszeitung bringt Mario El-Khoury ganz andere Gründe vor, die gegen Bitcoin sprechen. Sie sind vor allem ökologischer Natur:

“Bitcoin basiert auf dem Energiekonsum. Das Netzwerk wird durch Miner aufrechterhalten. Die bekommen als Belohnung Bitcoins, wenn sie Rätsel gelöst haben. Wer die meiste Energie aufwendet und somit die grösste Umweltverschmutzung verursacht, hat die besten Chancen auf die Belohnung. Bitcoin verbraucht doppelt so viel Strom wie die Schweiz.“

Elon Musk ist ein Visionär, der Millionen von Fans hat. Bitcoin-Investoren und Spekulanten haben von seinem Investment profitiert. Die Frage ist, ob Musks Star-Power genug gross ist, um den nächsten Absturz der Kryptowährung zu verhindern.

Friday, June 21, 2019

Facebook lanciert eine Währung für die Welt

Was kommt als Nächstes? Die Facebook-Bank - natürlich ohne Bankgeheimnis? Nicht ganz - aber beinahe. Immerhin hat Facebook bekanntgegeben, dass man eine eigene Währung lancieren wolle. Dass es sich dabei um eine digitale Währung handelt, die auf dem Blockchain-Prinzip funktionieren soll, ist selbstredend.

Facebook schafft eine eigene Währung. Potentielle Nutzer gibt es viele.
                                                                                                       Bild Pixabay
Genf soll die Zentrale für das neue Facebook-Geld werden - eine Tatsache, die dafür spricht, dass der Schweiz immer noch das Image des erfolgreichen und stabilen Finanzplatzes anhaftet. Die neue Währung heisst Libra und wird bereits von bedeutenden Unternehmen unterstützt, die im gleichnamigen Verein millionenteure Mitgliederbeiträge bezahlt haben. Dazu gehören Kreditkartenunternehmen, aber auch Uber und Spotify. Und wieso ist Libra eine ganz spezielle Kryptowährung? Unter anderem deshalb, weil Facebook schlagartig auf mehr als zwei Milliarden potentielle User zugreifen kann. Es gibt aber noch weitere wichtige Gründe, wie die NZZ erklärt:
“Die Libra-Währung wird von zahlreichen etablierten und finanzkräftigen Unternehmen entwickelt. Die Währung bildet die Basis einer offenen Plattform, auf der jede beteiligte Firma – es sollen bei der Lancierung 100 sein – eigene Anwendungen entwickelt. Allein Facebook hat über 2,4 Mrd. Nutzer. Libra soll zudem durch einen Währungskorb abgesichert werden und dürfte damit eine höhere Stabilität als die meisten Währungen aufweisen. Damit eignet sich Libra im Gegensatz zu Bitcoin und Co. als Zahlungsmittel - nicht zuletzt auch in Schwellenländern mit schwachen Währungen. Das macht die Währung zur Wertaufbewahrung vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern attraktiv.“
Die Facebook-Ankündigung betreffend Libra hat nicht überall eitle Freude ausgelöst. Die Banken zum Beispiel, sehen durchaus ernstzunehmende Konkurrenz im Kryptosektor. Wie die Handelszeitung berichtet, habe Facebook keine Banken für die Digitalwährung Libra gewinnen können. UBS und CS gleisen mit Partnern gerade eine andere digitale Münze auf, nämlich den Utility Settlement Coin (USC):
“Der Coin ist eine mit echtem Geld gesicherte Cyberwährung, die auf dem dezentralen Computernetzwerk Blockchain funktioniert. Der Wert dieser digitalen Münze soll einer von fünf Währungen entsprechen, dem US- und dem kanadischen Dollar, dem Euro, dem Yen, und dem Pfund.
Für jede Einheit des USC müssen die Banken den Wert bei der entsprechenden Zentralbank hinterlegen. Um einen USC-Euro zu verwenden, müsste die UBS also einen Euro bei der Europäischen Zentralbank deponieren.“
Geld kann einem, wie wir wissen, immer ausgehen, Kryptowährungen scheint es dafür immer mehr zu geben. Was den Facebook-Coin betrifft, sind nicht alle Experten zukünftige User. Facebook hat ja bekanntlich bezüglich Datenschutz ein Image-Problem, wie verschiedene Medien, herausstreichen:
“ Facebook beteuert zwar, dass Informationen zum Einkaufsverhalten der Libra-Nutzer nicht dazu verwendet werden, um Nutzern auf sie zugeschnittene Werbung auszuspielen, aber auch diesem Versprechen dürfte nicht jeder Glauben schenken wollen. Immerhin gehört es zu Facebooks Geschäftsmodell, Nutzerdaten zu verkaufen. Aktuell sieht es also so aus, als würde Facebook ein Zahlungssystem entwickeln, das Zentralisierung und Monitoring integriert. Libra widerspricht der allen Kryptowährungen zugrundeliegenden Ideologie und ist nicht dezentral. Die digitale Währung wird zudem von einem Unternehmen lanciert, das bekannt für seinen fragwürdigen Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer ist. Eine in jeder Hinsicht verfolgbare Digitalwährung von einem sozialen Netzwerk, dessen Geschäftsmodell es ist, Nutzerdaten zu verkaufen, sollte jedem potenziell interessierten Nutzer schlaflose Nächte bereiten. Warum sollte Facebook mit diesem neuen Werkzeug nicht Kaufentscheidungen erfassen und an Dritte weiterverkaufen?“ (t3n.de)

Tuesday, December 4, 2018

Blockchain: zu grosse Erwartungen, zu wenig Resultate

Die Blockchain-Technologie habe gesellschaftsveränderndes Potential  und werde in zahlreichen Branchen und Industrien in den nächsten Jahren zu Umwälzungen führen, hiess es noch vor kurzem. Angestossen worden war der Blockchain-Hype durch den raketenmässigen Anstieg der Bitcoin-Kurse, die allerdings inzwischen massiv abgestürzt sind.

Grosse Erwartungen, wenig Ergebnisse: Blockchain bringt nicht viel für andere
kommerzielle Anwendungen als Kryptowährungen.                        Bild Pixabay
Dieser Absturz ist einer der Faktoren, die den Blockchain-Hype abkühlen. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass die mit viel Lob bevorschusste Technologie kaum Resultate bringt. Die neuste Studie, die über mangelnde Ergebnisse berichtet, stammt von einem Expertentrio aus der Entwicklungshilfe. Die Resultate sind ernüchternd: Von 43 zufällig ausgesuchten Blockchain-Projekten, die von NGOs, Behörden und Privatfirmen für verschiedenste Zwecke eingesetzt wurden brachte kein einziges Ergebnisse. Wired berichtet:
Wir fanden eine Vielzahl von Pressemitteilungen, White Papers und überzeugend geschriebenen Artikeln", schreiben die drei Autoren in ihrem Bericht. Und fahren fort: "Allerdings fanden wir keine Dokumentation oder Beweise dafür, dass die Blockchain die angekündigten Ergebnisse lieferte. Wir entdeckten auch keine Berichte über Erfahrungen oder praktischen Erkenntnisse, wie sie bei anderen, sich in der Entwicklung befindlichen Technologien üblicherweise vorliegen." Besonders enttäuscht zeigten sich die drei Experten von der Art und Weise, wie die betroffenen Blockchain-Start-ups auf ihre Nachfragen per Mail und Telefon reagierten: nämlich gar nicht.“
Das Wirtschaftsmagazin Forbes beschreibt Blockchain als eine Erfindung, die nach einer tragfähigen kommerziellen Anwendung sucht:
“Da die Blockchain zur Herstellung von Bitcoin erfunden wurde, muss erst noch herausgefunden werden, was die Blockchain sonst noch alles tun kann. Bislang wurde diesbezüglich noch nichts demonstriert. Momentan finden nur einige Experimente statt, und signifikant ist, dass sie alle unter direkter Beteiligung einer Regierung oder Behörde durchgeführt werden."
Sind Kryptowährungen und Blockchain also bloss “heisse Luft“, oder haben sie eine Zukunft? Die Experten des Sicherheitsunternehmens Kaspersky gehen in ihrem Cryptocurrency Report 2019 auf diese Frage ein und kommen zu einem pessimistischen Schluss:
“Zu grosse Erwartungen an die Verwendung von Blockchain ausserhalb des Kryptowährungsbereichs werden verschwinden. Wir erwarten, dass dieser Trend nicht von der Leistungsfähigkeit der Technologie, sondern vom Menschen getrieben wird, da Organisationen und Branchen zum Schluss kommen werden, dass Blockchain einen engen Anwendungsbereich hat und die meisten Versuche, sie auf unterschiedliche Weise zu nutzen, nicht gerechtfertigt sind. Die zuverlässige Anwendung der Blockchain über die Kryptowährung hinaus wird seit Jahren erforscht und erprobt, aber es gibt wenig Hinweise auf Erfolge. Wir erwarten, dass 2019 das Jahr ist, in dem man aufhören wird,  es zu versuchen.“