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Tuesday, December 4, 2018

Blockchain: zu grosse Erwartungen, zu wenig Resultate

Die Blockchain-Technologie habe gesellschaftsveränderndes Potential  und werde in zahlreichen Branchen und Industrien in den nächsten Jahren zu Umwälzungen führen, hiess es noch vor kurzem. Angestossen worden war der Blockchain-Hype durch den raketenmässigen Anstieg der Bitcoin-Kurse, die allerdings inzwischen massiv abgestürzt sind.

Grosse Erwartungen, wenig Ergebnisse: Blockchain bringt nicht viel für andere
kommerzielle Anwendungen als Kryptowährungen.                        Bild Pixabay
Dieser Absturz ist einer der Faktoren, die den Blockchain-Hype abkühlen. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass die mit viel Lob bevorschusste Technologie kaum Resultate bringt. Die neuste Studie, die über mangelnde Ergebnisse berichtet, stammt von einem Expertentrio aus der Entwicklungshilfe. Die Resultate sind ernüchternd: Von 43 zufällig ausgesuchten Blockchain-Projekten, die von NGOs, Behörden und Privatfirmen für verschiedenste Zwecke eingesetzt wurden brachte kein einziges Ergebnisse. Wired berichtet:
Wir fanden eine Vielzahl von Pressemitteilungen, White Papers und überzeugend geschriebenen Artikeln", schreiben die drei Autoren in ihrem Bericht. Und fahren fort: "Allerdings fanden wir keine Dokumentation oder Beweise dafür, dass die Blockchain die angekündigten Ergebnisse lieferte. Wir entdeckten auch keine Berichte über Erfahrungen oder praktischen Erkenntnisse, wie sie bei anderen, sich in der Entwicklung befindlichen Technologien üblicherweise vorliegen." Besonders enttäuscht zeigten sich die drei Experten von der Art und Weise, wie die betroffenen Blockchain-Start-ups auf ihre Nachfragen per Mail und Telefon reagierten: nämlich gar nicht.“
Das Wirtschaftsmagazin Forbes beschreibt Blockchain als eine Erfindung, die nach einer tragfähigen kommerziellen Anwendung sucht:
“Da die Blockchain zur Herstellung von Bitcoin erfunden wurde, muss erst noch herausgefunden werden, was die Blockchain sonst noch alles tun kann. Bislang wurde diesbezüglich noch nichts demonstriert. Momentan finden nur einige Experimente statt, und signifikant ist, dass sie alle unter direkter Beteiligung einer Regierung oder Behörde durchgeführt werden."
Sind Kryptowährungen und Blockchain also bloss “heisse Luft“, oder haben sie eine Zukunft? Die Experten des Sicherheitsunternehmens Kaspersky gehen in ihrem Cryptocurrency Report 2019 auf diese Frage ein und kommen zu einem pessimistischen Schluss:
“Zu grosse Erwartungen an die Verwendung von Blockchain ausserhalb des Kryptowährungsbereichs werden verschwinden. Wir erwarten, dass dieser Trend nicht von der Leistungsfähigkeit der Technologie, sondern vom Menschen getrieben wird, da Organisationen und Branchen zum Schluss kommen werden, dass Blockchain einen engen Anwendungsbereich hat und die meisten Versuche, sie auf unterschiedliche Weise zu nutzen, nicht gerechtfertigt sind. Die zuverlässige Anwendung der Blockchain über die Kryptowährung hinaus wird seit Jahren erforscht und erprobt, aber es gibt wenig Hinweise auf Erfolge. Wir erwarten, dass 2019 das Jahr ist, in dem man aufhören wird,  es zu versuchen.“

Monday, May 21, 2018

Blockchain und Kryptogeld: “massiver Hype“ oder “massives Potential“?

Der Lack scheint nicht mehr ganz so glänzend zu sein, wie noch vor einigen Monaten, was Kryptowährungen im Allgemeinen und Blockchain im Besonderen betrifft. Der Bitcoin-Kurs hat sich weit unter seinen Höchststand zurückgezogen, und die Blockchain-Verfechter fangen an, sich ernsthaft um den Energieverbrauch der neuen Technologie zu sorgen. Ausserdem häufen sich die Betrugsfälle.

Blockchain und Bitcoin haben ein Energieproblem.
                                                                           Bild maxpixel.net
Der neuste Fall eines Kryptowährungsverkaufs, der problematisch aussieht, wird aus dem Kanton Zug gemeldet. Ein Zuger Startup sei nach einem Gross-ICO unter Betrugsverdacht geraten:
“Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass gegen das Startup Envion aus dem Zuger Crypto Valley Strafanzeige eingereicht wurde. Es geht dabei um Geld aus einem Initial Coin Offering (ICO). Envion habe knapp 100 Millionen Dollar gesammelt und dafür 103 Millionen Tokens ausgeben wollen, stattdessen seien 127 Millionen verteilt worden.“
Krypto-Betrug ist gemäß 'Wall Street Journal' ein weltweites Problem. Bei fast 20 Prozent von 1450 ICOs seien täuschende oder betrügerische Taktiken angewandt worden, um Investoren anzulocken.
Betrugsfälle sind aber nur ein Teil der Problematik, die durch die Popularisierung von Kryptowährungen und Blockchaintechnologie in Erscheinung tritt. Wie verschiedene Medien berichten, scheint der Energieverbrauch für die Bitcoinherstellung ins Unermessliche zu steigen. Eine Studie hat errechnet, dass das Schürfen von Bitcoin schon im nächsten Jahr mehr Energie verbrauchen wird, als sämtliche Solarzellen weltweit produzieren:
“Für das Mining von Bitcoin wird ein global verteiltes Computer-Netzwerk gebraucht. Und auch die Hardware, die dabei zum Einsatz kommt, ist äußerst stromhungrig: Der Strom, der für eine einzige Bitcoin-Transaktion notwendig ist, deckt den Strombedarf eines Durchschnitts-Haushalt in den USA […] Der Energieverbrauch von Bitcoin hängt damit zusammen, dass es sich bei der Kryptowährung um ein hochgefragtes Spekulativinvestment handelt. Auch der Preis für Bitcoin variiert stark: Innerhalb der letzten 18 Monate ist der Preis teilweise um das bis zu Zehnfache gestiegen, um 75 Prozent gefallen und hat sich danach verdoppelt. Aber wohingegen der Preis starken Schwankungen unterlegen ist, steigt der Stromverbrauch konstant weiter.“
Natürlich hat Bitcoin immer noch viele Fans. Olga Feldmeier gehört dazu. Die Blockchainexpertin schwärmt im Handelzeitungsinterview vom gewaltigen Potential der Kryptowährung:
“Bitcoin hat das Potenzial, auf 100 000 Dollar zu steigen. […] Vor einem Jahr waren sämtliche Cryptocoins nur 25 Milliarden wert. Trotz dem jüngsten Rückgang entspricht das immer noch einer Verzehnfachung innerhalb von einem Jahr. Also eigentlich kein Grund, enttäuscht zu sein.“
Bitcoin funktionieren auf der Basis von Blockchaintechnologie - und auch hier scheint die erste Begeisterung verflogen zu sein. Es gibt sogar Experten, die darin nicht viel mehr als einen Kult sehen, wie inside-it berichtet:
“Blockchain ist in den Medien und an Konferenzen so omnipräsent, dass manche es nur noch das "B-Ding" nennen und jeder weiss, was gemeint ist. Die IT-Realität sieht aber weltweit anders aus, das zeigt der jährliche CIO-Survey von Gartner: Gerade mal ein Prozent der befragten CIOs sagen, sie hätten eine Blockchain-basierte Lösung in ihrem Unternehmen implementiert […] Im Gartner-Hypecycle steigt die Blockchain momentan in Richtung der höchsten Erwartungen auf. Naturgemäss folgt dann irgendwann der Absturz ins Tal der Tränen.“

Friday, June 17, 2016

Startet Blockchain die vierte industrielle Revolution?

Das Thema “Blockchain“ taucht in der öffentlichen Diskussion immer öfter auf. Kein Wunder, hat doch die Technologie das Potential, die Geschäftswelt, wie wir sie kennen, zu verändern (wir haben hier bereits darüber berichtet). Nun widmet auch das Wissensmagazin “GDI Impuls“ dem Thema eine Ausgabe, unter dem Titel: Das Blockchain Manifest.
Das Wissensmagazin GDI Impuls widmet die neuste
Ausgabe der Blockchain Technologie.
 “Alles, was wir in den zwei Jahrhunderten seit dem Beginn der industriellen Revolution an Institutionen aufgebaut haben, um grosse Prozesse zentral zu steuern, wird von dieser Technologie der radikalen Dezentralisierung infrage gestellt.“
Das schreibt GDI-Forschungsleiterin Karin Frick in ihrem “Blockchain-Manifest“. In ihrer Machtposition bedroht seien “die alten Herren aus den Konzernzentralen genauso wie die neuen Herren aus dem Silicon Valley“. An ihre Stelle trete keine neue Zentral-Macht, sondern eine Vielfalt direkter Beziehungen ohne vermittelnde Institution. “Eine andere Welt ist möglich. Wir sollten das als Chance erkennen.“
Die Autoren der Titelstory halten fest, dass die neue Technologie schon sehr früh auch Internet-Stars wie Uber oder Facebook treffen und verändern werde, da Blockchain eine Peer-to-Peer-Organisation möglich mache, die ohne zentrale Betreiber auskommt. Auf längere Sicht würden aber vor allem auch zentrale Institutionen in ihrem Bestand bedroht – grosse Konzerne oder gar Staaten. Der Niedergang alter Institutionen bei gleichzeitigem Aufbau neuer Strukturen gleiche stark der Entwicklung in der Frühzeit der industriellen Revolution.
Ein globaler Schwerpunkt der Blockchain-Szene entwickelt sich gerade im Schweizer “Crypto Valley“ zwischen Zürich und Zug. “GDI Impuls“ hat Protagonisten dieser Szene getroffen. Dabei handelt es sich um erfahrene Veteranen früherer Tech-Wellen genauso wie um Player traditioneller Finanz- und Forschungseinrichtungen. Zum Beispiel Stefan Klauser von der ETH Zürich, der “GDI Impuls“ bei der Erstellung der “Crypto Valley Map" unterstützte .
Das Magazin kann hier gekauft und gelesen werden.

Nachtrag: Auch die NZZ geht heute ausführlich auf das Thema "Crypto Valley" ein:
"Dieses besteht im Wesentlichen aus einer schnurgeraden, rund 4 Kilometer langen Achse, die vom Zuger Postplatz zum Bahnhof von Baar führt. In den letzten zwei Jahren haben sich hier etwa zwanzig Firmen aus der digitalen Finanzbranche angesiedelt. Geprägt hat den Begriff, der den Gründermythos des Silicon Valley von Kalifornien in die Zentralschweiz verpflanzen soll, der Südafrikaner Johann Gevers. Mit seiner Firma Monetas, die 2014 aus Vancouver nach Zug gezogen ist, hat er eine App zur Transaktion für Vermögen von Smartphone zu Smartphone entwickelt."


Thursday, May 5, 2016

Internet für Werte: Blockchain wird die Welt verändern

Ein digitales System, das es möglich macht, Werte sicher zu übertragen – so lautet eine Kurzbeschreibung der Blockchain-Technologie. Die herkömmlichen Grundsteine des Finanzsystems – zum Beispiel Banken - sind dazu nicht mehr notwendig, wie die Digitalwährung Bitcoin beweist, die auf Blockchain-Basis funktioniert. Blockchain ist kompliziert, das gestehen auch Fachleute ein. Gleichzeitig sagen sie, dass das keine Rolle spiele; schliesslich müsse man auch nicht wissen, wie das Internet funktioniere, um damit Informationen auszutauschen.

Blockchain-Technologie wird immer öfter als bahnbrechend qualifiziert – zuletzt  vom ehemaligen Banker Konrad Hummler, der in einem ausführlichen Artikel in der NZZ erklärt, was es mit Blockchain-Technologie auf sich hat. Auch Hummler ist überzeugt davon, dass die Technologie bahnbrechend sein wird.  Blockchain sei mehr als eine digitale Technologie. Es sei ein System, das die Chance bietet, Eigentumsverhältnisse viel einfacher und günstiger zu sichern und zu ordnen. Das werde Konsequenzen haben und sei eine Herausforderung für Banken und den Staat. Hummler definiert Blockchain wie folgt:
Alle Bitcoin/Blockchain-Informationen, die Sie je brauchen werden, finden Sie
auf  der blockchain.info-Website.                                                             Screenshot
“Um die Rechtmässigkeit des Eigentums und die Echtheit der Sache feststellen und garantieren zu können, braucht es im Alltag ordnende Institutionen, dank deren die Erwartungen in der Gesellschaft und der effektive Sachverhalt weitgehend deckungsgleich gehalten werden können. Diese Institutionen haben ihren Preis. Es kann sich dabei erstens um direkte Gebühren handeln, wie sie beispielsweise von Banken, Depotstellen oder Clearinghäusern erhoben werden. «Gebühren» können aber auch indirekt und versteckt anfallen, etwa wenn zweitens Institutionen unmerklich ihre Glaubwürdigkeit ritzen und am Ende Stabilitätskrisen verursachen, die dann als höhere Gewalt interpretiert werden. Kostspielig wird es drittens auch, wenn Institutionen eine Verwässerung des Eigentums zulassen oder herbeiführen, beispielsweise durch Inflation oder durch Vermögensverminderung infolge negativer Zinsen, was auf dasselbe hinausläuft. Viertens müssen die mit der Gewährleistung von Eigentum beschäftigten Institutionen je länger, je mehr mit dem grössten Stakeholder des Bürgers, den Steuerbehörden, zusammenarbeiten, um Anknüpfungspunkte zur legalen Enteignung mittels Steuern zur Verfügung zu stellen. Wenn aber die herkömmliche Gewährleistung von Eigentum gleich vierfach kostspielig und letztlich auch unsicher ist, so ruft dies geradezu nach einem System, das idealerweise Eigentum ohne institutionelle Verankerung zulässt. Ein solches System, das kraft seiner lückenlosen und nicht veränderbaren Historie Beweiskraft erlangt, um Eigentumsverhältnisse zu regeln, ist Blockchain.“
Tatsächlich gibt es zahlreiche Spezialisten, die Blockchain revolutionäres Potential vorhersagen – vor allem in der Finanzbranche. Zitat aus der “Zeit“:
“Glaubt man der Analysegesellschaft Oliver Wyman, ließe sich [mit Blockchain ]ein großer Teil jener 65 bis 80 Milliarden Dollar im Jahr sparen, die es die Bankenwelt heute kostet, Zahlungen abzugleichen und abzuwickeln. Ralf Frank, Generalsekretär der deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), sieht Blockchain daher sowohl als Chance für die Bankenwelt, aber auch als Bedrohung für die Arbeitsplätze der Bankmitarbeiter. Mit der Sicherheit der Blockchain-Technologie müssten Banken außerdem nicht mehr jeden Morgen Milliarden an Liquidität und Sicherheiten in unsere Zahlungs- und Abwicklungssysteme für Geld, Devisen und Wertpapiere pumpen. Die Risikopuffer, die bereitgehalten werden müssen, sollten Zahlungen ausfallen, wären weitgehend überflüssig, denn das System bucht nur, wenn die Gleichung auf beiden Seiten stimmt, dann aber sofort, in Sekunden. Die Kosten, um Geld, Wertpapiere oder andere Vermögensgegenstände zu bewegen und ihr Eigentum zu übertragen, würden drastisch sinken.“
Wenn Sie selber in die Blockchain-Welt eintauchen wollen, bietet das Internet die besten Ressourcen. Auf blockchain.info  zum Beispiel finden Sie alle Angaben, die Sie als Developer brauchen, aber auch alle aktuellen Statistiken zu Transaktionen und Blöcken. Und natürlich auch die Möglichkeit, selber mitzumachen und Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren – damit Sie die Revolution nicht verpassen!