Tuesday, November 24, 2020

Die fast autonomen Autos kommen

Der japanische Autohersteller Honda will der erste  Autohersteller der Welt sein, der serienmässig autonome Autos der Stufe 3 produzieren wird. Honda plant den Verkaufsstart einer Honda Legend Limousine, die mit einer in Japan neu zugelassenen automatisierten Fahreinrichtung ausgestattet ist, noch vor Ende März 2021. Auch Mercedes plant ein derartiges Fahrzeug.

Honda will als erster Hersteller ein Auto mit Level-3-Autonomie herstellen.
                                                                                        Bild pixy.org

Japans Regierung hat die Sicherheitszertifizierung für Hondas autonomen "Traffic Jam Pilot" letzte Woche verliehen. Die Zertifizierung erlaubt es den Fahrern (in Japan), unter bestimmten Umständen ihre Augen von der Strasse zu nehmen. 

Fahrzeugautonomie ist in sechs Stufen eingeteilt; die Stufe 0 trifft für Autos zu, die manuell gesteuert werden, Stufe 5 fährt vollautomatisch und hat gar kein Steuerrad oder Gaspedal. Fahrzeuge der Stufe 2 fahren jetzt schon auf öffentlichen Strassen und können nur teilweise autonom fahren. Sie erfordern immer noch einen aufmerksamen Fahrer, der jederzeit ins Steuerrad greifen oder auf die Bremse treten kann. (Auch der Tesla Autopilot wird gegenwärtig nur als Stufe 2 eingestuft.) Automatisierungsgrad 3 bedeutet hingegen, dass das Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen alle Fahrfunktionen übernehmen kann. Für eine Autobahn oder Schnellstrasse, wo sich alle Fahrzeuge in die gleiche Richtung bewegen und es keine Fussgänger oder komplexen Kreuzungen gibt, würde dies zutreffen.

Gegenwärtig sind noch keine Level-3-Autos auf öffentlichen Strassen unterwegs, die Technologie existiert allerdings nicht nur bei Honda. Audi plante im letzten Jahr, Level 3 für die A8-Limousine anzubieten. Da Audi zu viele rechtliche Probleme sah (Haftpflicht) wurde die Absicht aufgegeben.  Auch Mercedes gab bekannt, die neue S-Klasse-Limousine im Sommer 2021 mit Level-3-Fähigkeit auszustatten. Das als “Drive-Pilot* bezeichnete System ist nur für Geschwindigkeiten unter 60 km/h verfügbar und nur mit bestimmten deutschen Strassen kompatibel. 

Level 3 steht also vor der Tür, aber bis das voll-autonome Auto serienmässig hergestellt wird, könnte es noch eine ganze Weile dauern. Autos mit Level 5-Autonomie müssen weder Lenkräder noch Pedale haben. Passagiere können im Auto schlafen, während es sie an ihren Bestimmungsort bringt, oder sie können das Auto alleine losschicken, zum Beispiel um jemanden abzuholen. Stufe 5 ist wie folgt definiert: "Ein automatisiertes Fahrsystem (ADS) im Fahrzeug kann das gesamte Fahrverhalten unter allen Umständen übernehmen. Die menschlichen Insassen sind nur Passagiere und müssen niemals am Fahren beteiligt sein". Tesla-Chef Elon Musk glaubt, dass Tesla schon bald solche Wagen anbieten wird. Auf einer KI-Konferenz sagte er kürzlich: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Stufe 5 mit vollständiger Autonomie erreicht wird, und ich denke, dass dies sehr schnell geschehen wird.“


Saturday, November 21, 2020

Die Cloud macht IT-Verantwortliche glücklich

Immer mehr Unternehmen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich nutzen die Cloud – und sie sind sehr zufrieden damit. Zwar führt im deutschsprachigen Raum immer noch die private Cloud die Rangliste an – doch Multicloud-Modelle holen auf. 

Die Cloud bring sehr direkte Vorteile für die IT-Infrastruktur in Unternehmen.
                                                                                                       Bild pixabay 

Die Cloud war das Thema einer Befragung von IT-Verantwortlichen aus Unternehmen unterschiedlicher Grösse, die vom IT-Marktforschungsunternehmen IDG Research Services in Zusammenarbeit mit USU durchgeführt wurde. Die Ergebnisse liefern eine aktuelle Vergleichsbasis für die eigene Standortbestimmung und geben Einblick in die Erfolgsfaktoren für den Hybrid-IT-Einsatz. 

Rund zwei Drittel der Befragten bestätigen eine aktuell schon starke bis sehr starke Nutzung von Cloud-Services. 57 Prozent der IT-Verantwortlichen favorisieren dabei noch das abgeschottete Modell einer Private Cloud. Doch die Hybride Cloud sowie die Public Cloud erhalten mit je 43  Prozent ebenfalls eine hohe Zustimmung – Tendenz steigend. Damit wächst auch die Komplexität im Infrastruktur-Management: Über 70  Prozent der Befragten arbeiten mit mehreren Cloud-Services-Anbietern zusammen. 

Weshalb nutzen Unternehmen die Cloud, was sind aus Sicht der IT-Verantwortlichen die konkreten Vorteile? Am häufigsten werden geringere Kosten  oder flexiblere Kosten als Grund angegeben. Direkt danach folgen Ziele wie die flexiblere Ressourcen-Nutzung, ein höheres Sicherheitsniveau und automatische Software-Updates. Der Nutzungsgrad sowie die Zufriedenheit mit Cloud-Services entwickeln sich gleichermassen positiv: Knapp die Hälfte der Teilnehmer schätzt, dass aktuell bereits 50 bis 70  Prozent der Workloads über die Cloud abgewickelt werden. Bei weiteren 20  Prozent der Teilnehmer liegt dieser Anteil bereits zwischen 80 und 90  Prozent. Die Zufriedenheit der Cloud-Anwender ist ebenfalls hoch: Rund 60  Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden, nur 6  Prozent sind unzufrieden.

Monday, November 16, 2020

Phishing-Köder, bei denen Sie nicht anbeissen dürfen

Das am weitesten offene Einfallstor zu Firmen-IT-Systemen sind immer noch die Mitarbeiter. Das wissen auch Cyber-Kriminelle, die ständig versuchen, mit Phishing-E-Mails solche Lücken auszunützen. Eine neue Studie zeigt nun, dass Phishing-E-Mails, die Social Media betreffen und angeblich von Linkedin stammen, am ehesten von unvorsichtigen Mitarbeitern geöffnet werden.  

Linkedin: Interessiert die Menschen und wird deshalb oft als
erfolgreicher Phishin-Köder benutzt.           Bild needpix.com

Die Angaben stammen aus einer Untersuchung der Firma KnowBe4, die sich auf die IT-Sicherheitsausbildung von Mitarbeitern spezialisiert hat. Das KnowBe4-Team verschickte dafür zehntausend Test-Phishing-Mails und analysierte das Verhalten der Empfänger. Der VPN-Provider Atlas hat nun die Resultate veröffentlicht. Nach den vom Atlas-VPN-Team vorgelegten Daten waren E-Mails, die sich als Linkedin ausgaben, mit einer Öffnungsrate von 47 Prozent die am häufigsten angeklickten gefälschten Mails. E-Mails mit dem Schlüsselwort "Linkedin'' in der Betreffzeile führen die Liste der am häufigsten geöffneten Social-Media-Phishing-E-Mails schon seit drei Jahren an. Das sagt viel über die grosse Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens, erschwert aber natürlich auch die Kommunikationsstrategie. Oft angeklickte Linkedin-Phishing-E-Mails enthalten Betreffzeilen wie "Sie sind diese Woche bei neuen Suchanfragen erschienen", "Menschen schauen sich Ihr Linkedin-Profil an", "Bitte fügen Sie mich zu Ihrem Linkedin-Netzwerk hinzu" und "Meinem Netzwerk auf LinkedIn beitreten". 
Die am zweithäufigsten geöffneten Social-Media-Phishing-E-Mails enthalten das Schlüsselwort "Twitter". E-Mails mit der Betreffzeile "Jemand hat Ihnen eine direkte Nachricht auf Twitter geschickt" hatten eine Öffnungsrate von 15 Prozent. Gemäss Atlas VPN folgten auf Phishing-Angriffe, die Twitter ausnutzen, Betrügereien mit Facebook-Nachrichten. E-Mails mit dem Titel "Ihr Freund hat Sie auf Fotos auf Facebook markiert" hatten eine Klickrate von 12 Prozent.
Gerade persönliche Nachrichten, die vielleicht nicht wichtig sind, aber eine persönliche Reaktion auslösen, scheinen besonders gute Köder für gefälschte Nachrichten zu sein – die meisten Menschen sind schliesslich neugierig, vor allem wenn es um sie selber geht.

Überraschenderweise werden aber gemäss Atlas-VPN-NBlog auch Sicherheitsalarm-E-Mails von zehn Prozent der Adressaten geöffnet. Phishing-E-Mails in sozialen Netzwerken, die vor einer Anmeldung bei Chrome on Motorola Moto X warnen, hatten eine Öffnungsrate von sieben Prozent, während E-Mails mit der Betreffzeile "Jemand hat möglicherweise auf Ihr Konto zugegriffen" eine Klickrate von sechs Prozent erreichten.
Wenn es um die allgemeinen Betreffzeilen von E-Mails geht, ist die am häufigsten geöffneten Phishing-E-Mail im dritten Quartal dieses Jahres eine Nachricht die das eigene Gehalt betrifft. E-Mails mit dem Titel "Formular zum Lohnabzug" erreichten eine beeindruckende Öffnungsrate von 33 Prozent.
Und da die weltweite Pandemie immer noch andauert, lockten COVID-19-Mails weiterhin Menschen in die Falle. Bei E-Mails mit den Schlüsselwörtern "COVID-19" und "Pandemie" wurde eine Öffnungsrate von 32 Prozent verzeichnet.

Thursday, November 12, 2020

Corona beeinflusst den Smartphone-Markt

 Bei den Smartphones ist die Nachfrage in der Schweiz im Seuchenjahr eingebrochen: Im Vergleich zu 2019 wollen zehn Prozent weniger Konsumenten in den nächsten zwölf Monaten ein neues Smartphone kaufen. Es gibt aber auch User, die bereit sind, für ein neues Smartphone noch tiefer in die Tasche zu greifen.


Die Schweizer seien "knapp bei Kasse“, titelt die Handelszeitung ihren Artikel Smartphonestudie 2020 des Online-Vergleichsportals comparis.ch. Comparis meldet nämlich, dass deutlich weniger Konsumentinnen und Konsumenten planen, in den nächsten zwölf Monaten ein neues Smartphone zu kaufen, als noch 2019. Im Oktober des letzten Jahres waren es noch gute 57 Prozent; jetzt sind es nur noch  nur noch knappe 47 Prozent. Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick kennt den Grund dafür:

«Der Wirtschaftseinbruch durch die Corona-Pandemie und die verbreitete Kurzarbeit führen dazu, dass viele Leute über weniger Geld verfügen. Daher wird die Anschaffung eines neuen Smartphones aufgeschoben».

Mehr Smartphone-User wollen zudem ihr Gerät wegen der gestiegenen Preise länger nutzen als noch im letzten Jahr. Der grösste Anteil von Personen, die ihr Handy vier Jahre und länger nutzen wollen, findet sich bei den über 55jährigen Konsumenten.

Corona hin oder her: Fast ein Fünftel der Smartphone-User ist inzwischen bereit, für ihr nächstes Handy 800 Franken und mehr auszugeben. Das sind rund 50 Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Was den Schweizer Markt für Smartphones betrifft, hält sich Apple stabil. Fast 45 Prozent der Smartphone-User nutzen ein Apple-Gerät. Apple, Samsung und Huawei zusammen kontrollieren seit 2018 rund 88 Prozent des Marktes. Das Android-Lager wird dabei nach wie vor von Samsung dominiert. Der Marktanteil des südkoreanischen Herstellers schrumpfte zwar weiter, liegt aber nach wie vor bei 32 Prozent. Auf dem dritten Platz im Schweizer Handy-Markt liegt Huawei mit knapp elf Prozent Marktanteil.

Friday, November 6, 2020

Streaming aus der Schweiz, für die Schweiz

Sie ist online,  die neue Streaming-Plattform der SRG. Ob am Fernseher, Smartphone oder am Computer: Auf Play Suisse können massenweise Eigen- und Koproduktionen aus der Schweiz über die Sprachgrenzen hinweg, jederzeit und überall, nahtlos von einem Gerät zum anderen, kostenlos genutzt werden.

Noch mehr Inhalte zum Streamen - diesmal aus der Schweiz. 
                                                                                      Screengrab Play Suisse

Das Angebot ist tatsächlich gross: Highlights wie die Serien "Wilder", "Helvetica", "Quartier des banques", preisgekrönte Dokumentarfilme wie "La Forteresse" und "43, il ponte spezzato" oder Spielfilme wie "Blue My Mind", "Der letzte Weynfeldt" und die rätoromanische Liebeskomödie "Amur senza fin" stehen auf Play Suissebereit. Und auch von der neuen Nachkriegs-Serie "Frieden" werden bereits alle sechs Folgen verfügbar sein. Dazu sorgfältig ausgesuchte Archivperlen, Konzertmitschnitte, Musikfestivals, Reiseserien und Sendungen, welche die Schweiz neu entdecken lassen. Das Angebot umfasst zum Start rund 1000 Titel und wird laufend ausgebaut. Viele Inhalte werden noch vor der Fernsehausstrahlung auf Play Suisse angeboten. Von neuen Schweizer Serien werden von Anfang an alle Folgen zum Abruf bereit, in Originalsprache mit Untertiteln zur Verfügung stehen. Play Suisse bietet das Beste an Eigen- und Koproduktionen der SRG-Unternehmenseinheiten SRF, RTS, RSI und RTR - zum ersten Mal überhaupt ohne Sprachbarrieren. Play Suisse empfiehlt je nach Nutzerin oder Nutzer unterschiedliche Inhalte über alle Sprachregionen hinweg. Die Navigation durch die thematischen Kategorien ist einfach: Vorschaubilder, Trailer und Zusammenfassungen erleichtern die Entdeckungsreise durch das heimische Filmschaffen. Play Suisse zeige ein einzigartiges Abbild unseres vielfältigen Landes in einer Mischung, wie sie nur die Schweiz hervorbringe, sagt die SRG. Der Zugang ist kostenfrei, da er bereits mit der Medienabgabe bezahlt wird. Diese Gebühr kostet 365 Franken pro Jahr und Haushalt. Die Schweizer bezahlen im europäischen Durchschnitt am meisten für die öffentlich-rechtlichen Medien.

Das Konzept der SRG-Streaming-Plattform erinnert an jenes der britischen BBC, den BBC iPlayer. Diese Plattform, die sehr erfolgreich ist,  ist schon seit vielen Jahren verfügbar und wird ebenfalls durch eine Mediengebühr des Publikums mitfinanziert, die umgerechnet knapp 200 Franken pro Jahr und Haushalt beträgt.

 

Monday, November 2, 2020

Eine Gelegenheit, Ihr altes Smartphone loszuwerden

Smartphones sind ein Statussymbol, und viele User lieben es, ein Handy mit der neusten  Technik zu besitzen. Genau deshalb schlummern Millionen von alten Smartphones in den Schubladen der Nation. Jetzt bietet eine Schweizer Website, die sich auf Spezialangebote spezialisiert hat, eine Gelegenheit, alte Geräte loszuwerden – auf sinnvolle Art und Weise.

Das Recycling von Smartphones macht viel Sinn - und die Wiederverwertung
schafft Arbeitsplätze.
                                       Screengrab blackfriday.ch
Recycling ist notwendig - und deshalb unternimmt blackfriday.ch eine Sammel- und Recycling-Aktion in Zusammenarbeit mit Recommerce Swiss, dem Spezialisten für die Wiederaufarbeitung von Smartphones in der Schweiz. Recommerce Swiss, die Schweizer Filiale der Recommerce Group, besitzt Vorreiterstatus im Bereich des wiederaufbereiteten Smartphones und Dienstleistungen rund um die Wiederverwertung von mobilen Endgeräten. Das Unternehmen fühlt sich der verantwortungsbewussten Kreislaufwirtschaft verpflichtet und fördert die Rücknahme und den Wiedereinsatz von Mobiltelefonen. Einerseits gehe es darum, die Flut der Sonderangebote und Werbeaktionen mit einer Aktion zugunsten der Kreislaufwirtschaft und des Umweltschutzes zu kompensieren, schreiben die Initianten. Andererseits gehe es darum den Besuchern der Webseite blackfriday.ch die Gelegenheit für “eine solidarische Aktion und den verantwortlichen Konsum zu bieten“. 

"Wenn man handeln und die Dinge ändern möchte, ist es unsere Rolle als Medienvertreter, unserem Publikum einen Recycling-Kreislauf für verantwortungsvollen Konsum zu bieten" erklärt Jerome Amoudruz, der Gründer von blackfriday.ch. "Wir arbeiten mit Recommerce Swiss zusammen, um diese Telefone wiederaufzubereiten oder für das richtige Recycling der Teile zu sorgen."

Um ein Gerät loszuwerden,  können User auf der Webseite ein Formular ausfüllen, um ein vorfrankiertes Versandetikett zu erhalten. Anschliessend muss lediglich das alte Telefon, ohne Zubehör, in einen Umschlag gegeben und dieser dann in der Schweiz in einen Briefkasten geworfen werden.Das Versandformular kann unter der Adresse https://blackfriday.ch/recycle ausgefüllt werden.“Der ökologische Fussabdruck eines Smartphones entsteht zu drei Vierteln aus seiner Herstellung, und aus diesem Grund ist es wichtig, die Lebensdauer der Smartphones zu verlängern  - auch wenn sie die Nutzer nicht mehr verwenden wollen. Wir sind daher sehr glücklich darüber, dass blackfriday.ch auf diese Weise zur Kreislaufwirtschaft beiträgt“, erklärt Jérôme Grandgirard, Generaldirektor von Recommerce.Swiss.

Das Recycling von Smartphones wird in Zukunft nur noch wichtiger werden. Die neusten Zahlen von 2019 zeigen, dass neun von 10 Personen ein Smartphone besitzen. Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 3,1 Millionen neue Smartphones verkauft.

 

Tuesday, October 27, 2020

Die Wenigsten wollen für Online-News bezahlen

Schlechte Nachrichten für News-Produzenten: Obwohl sich die Bevölkerung während der Pandemie generell mehr für Informationen interessiert - und wohl auch mehr Zeit dafür hat - bringt die höhere Mediennutzung keine zusätzlichen Einnahmen. Gerade für Online-News sind nur wenige User bereit zu zahlen, und in der ganzen Branche sind die Werbeeinnahmen eingebrochen. 

Der Bericht kann als PDF heruntergeladen
werden.

 Es brauche neue Bezahlmodelle und eine direkte Medienförderung fordern die Autoren des “Jahrbuch Qualität der Medien 2020“ des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) an der Uni Zürich. Das fög untersucht die Entwicklung der Schweizer Medien seit zehn Jahren und kommt zum Schluss, dass kein anderes Ereignis die Schweizer Medien derart geprägt habe, wie die Coronavirus- Pandemie. Die Befunde des Jahrbuchs zeigen, dass sich die Menschen vermehrt den Informationsmedien zuwenden – auch über Social Media-Kanäle. Social-Media hat allerdings ein Seriositätsproblem: Nur 19 Prozent der Schweizer vertrauen Facebook, Twitter & Co. Hingegen geben 44 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer an, den Medien im Allgemeinen zu vertrauen. Trotzdem gelingt es den meisten Medien nicht, die Ausfälle bei den Werbeerträgen über den Lesermarkt zu kompensieren. Die Corona-Krise verschärfe die seit  längerem prekäre finanzielle Lage des Informationsjournalismus zusätzlich, sagt Mark Eisenegger,  Direktor des fög.

Am schwierigsten für die News zu begeistern ist die junge Generation. Zwar zeigten auch junge User während der Pandemie kurzfristig einen höheren Nachrichtenkonsum. Gesamthaft bilden aber diese Nutzer,  die sich durch einen unterdurchschnittlichen News-Konsum auszeichnen, mit einem Anteil von 37 Prozent die grösste Nutzergruppe! Das Jahrbuch 2020 hat die Nutzungsgewohnheiten der jungen Erwachsenen genauer untersucht. Dabei wurde deutlich, dass diese nur unter bestimmten Voraussetzungen Interesse an News haben: Mobilisierende Themen wie zum Beispiel die  «Fridays for Future»-Bewegung stossen auf Interesse, wenn die Informationen zur eigenen Identität und zur eigenen Community passen. Bevorzugt werden Nachrichten, die ansprechend aufbereitet und leicht verständlich sind. Eine Bereitschaft, für News zu bezahlen, besteht bei dieser Nutzergruppe nur dann, wenn journalistische Inhalte unterschiedlicher Medien auf einer Plattform als Flatrate angeboten werden. Diese Nutzergewohnheiten sprechen nicht dafür, dass anspruchsvolle Medien in Zukunft sehr gefragt sein werden – zumindest bei dieser, gegenwärtig grössten User-Gruppe.
Im Übrigen war es für uns Konsumenten leicht festzustellen, dass die Corona-Krise eine grosse Experten-Abhängigkeit der Medien zu Tage gefördert hat. Dies überrascht nicht, denn die Wissenschaftsberichterstattung hat bei den Schweizer Medien nur einen geringen Stellenwert. Immerhin blieb der Anteil der Beiträge, die sich schwerpunktmässig auf Wissenschaft beziehen, in den letzten fünf Jahren stabil.
Das Jahrbuch untersucht jährlich die Entwicklung der Medienqualität anhand von vier Dimensionen. Der deutlichste Qualitätsrückgang wird wie bereits in den vergangenen Jahren bei der Dimension Vielfalt verzeichnet. In ihrer Berichterstattung decken die Medien ein immer kleineres Spektrum an Themen und geografischen Räume ab. Auch innerhalb der Medienarena nimmt die Vielfalt insgesamt ab, weil immer mehr Medien dieselben Beiträge teilen.
Trotzdem müssen die Schweizer Medien mehr Geld einnehmen. Angesichts der sinkenden Werbeeinnahmen gewinnen Bezahlmodelle weiter an Bedeutung. Die Zahlungsbereitschaft bleibt in der Schweiz aber auch im Jahr 2020 tief – nur 13 Prozent der User geben an, für Online-News zu bezahlen. Am meisten zugenommen hat die Zahlungsbereitschaft bei jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren und beträgt aktuell 19 Prozent.  Dies weckt immerhin die Hoffnung, dass eine Generation heranwächst, die wieder vermehrt bereit ist, für News im Web zu bezahlen. Voraussetzung dafür sind zielgruppengerecht aufbereitete Inhalte sowie neue Bezahlmodelle, die den Bedürfnissen der jungen Generationen entsprechen. Die Suche nach dem Geschäftsmodell der Zukunft werde deshalb weiter andauern.
Das Jahrbuch 2020 sowie die Vertiefungsstudien sind hier als PDF erhältlich.