Tuesday, September 20, 2022

Die Datenspeicherung auf Vorrat ist auch in Deutschland ungesetzlich

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat ein Datenschutzurteil gefällt, das es den Deutschen Behörden verbietet, Userdaten wie IP-Adressen sowie Standort und Verbindungsdaten präventiv für die Ermittlungsbehörden auf Vorrat zu speichern. In der Schweiz wird derweil weiter auf Vorrat gespeichert.

Der europäische Gerichtshof in Luxembourg.     Bild Wikimedia Commons
Im Gerichtsurteil geht es darum, dass das deutsche Telekommunikationsgesetz Internetprovider und Telefonanbieter dazu verpflichtet, Verkehrsdaten aller Kunden zu erfassen und zu speichern. Ermittler und Behörden haben so die Möglichkeit, genau nachzuvollziehen, wer zu welchem Zeitpunkt mit wem per Telefon kommuniziert oder sich mit welcher IP-Adresse im Internet bewegt hat. Sogar die Mobilfunkzelle, in der sich Handy-User bewegt haben, sollte gespeichert werden. Diese umfangreichen Daten sollten dann vier Wochen lang aufbewahrt werden - Verbindungsdaten gar zehn Wochen.

Nun hat der EuGH einen Schlussstrich unter die Überwachungsabsichten gezogen, die in den letzten Jahren schon von einem niedrigeren Gericht aufgehalten worden waren.  Das Recht der EU erlaube derartige Überwachungen nicht, die präventiv zur Bekämpfung schwerer Kriminalität und zur Verhütung schwerer Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit eine allgemeine und unterschiedslose Vorratsspeicherung von Verkehrs- und Standortdaten vorsehen, wie das Gericht mitteilt. Erst wenn die nationale Sicherheit bedroht sei, dürfe auf Vorrat gespeichert werden - aber auch dann nur nach richterlicher Genehmigung und beschränkt auf das absolut Notwendige. Gezielte Datenspeicherungen dürfen mit weniger Einschränkungen durchgeführt werden, und für die Speicherung von IP-Adressen erlaubt das Gericht eine allgemeine und unterschiedslose Vorratsspeicherung der IP-Adressen, sofern sie zeitlich auf das Nötigste beschränkt ist und zum Schutz der nationalen Sicherheit, zur Bekämpfung schwerer Kriminalität und zur Verhütung schwerer Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit dient.

In der Schweiz sehen die Bestimmungen zur Vorratsdatenspeicherung keine Zweckbindung der Daten, keine Löschpflicht und auch keine Sorgfaltspflicht für die Provider vor. Ein Auskunftsrecht für die Betroffenen gibt es nicht und muss vor Gericht erkämpft werden. 

Die Digitale Gesellschaft hat deshalb ein Gerichtsverfahren angestrengt. Die Beschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung ist aktuell am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hängig.

Thursday, September 15, 2022

Nach 142 Jahren: Das Ende für das Telefonbuch

Die Digitalisierung gibt auch dem Telefonbuch den Rest: Immer weniger Personen in der Schweiz veröffentlichen ihre private Telefonnummer, und in den letzten Jahren haben Umfang, Nutzung und Relevanz der "Weissen Seiten" konstant abgenommen. Aus diesem Grund werden ab 2023 private Telefonnummern nur noch online publiziert. Der Druck des Schweizer Telefonbuches wird nach 142 Jahren per Ende 2022 eingestellt.

Telefonbücher sind ab Ende dieses Jahres Geschichte.       Bild PD
Hand aufs Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal das Telefonbuch benutzt, um eine Telefonnummer zu suchen? Wahrscheinlich ist das schon eine ganze Weile her. Mit dem Handy oder dem Computer geht’s einfach schneller. Ausserdem ist es nicht mehr so einfach wie früher, Telefonnummern zu finden. Nachdem 1997 die Veröffentlichungspflicht für Telefonnummern aufgehoben wurde, ging die Zahl der Einträge ging stetig zurück. Das digitale Zeitalter und die Zunahme von unerwünschten und lästigen Werbeanrufen trugen zu dieser Entwicklung bei.

Vor 142 Jahren, am 6. November 1880, war in Zürich das erste öffentliche Telefonverzeichnis der Schweiz erschienen. Es beinhaltete gerade mal 98 Einträge ohne Telefonnummern und Telefonanrufe waren zu dieser Zeit nur tagsüber möglich. Bereits 1959 waren es dann eine Million eingetragener Rufnummern. Den Höhepunkt erreichten die sogenannten "Weissen Seiten" im Telefonbuch dann in den Neunzigerjahren mit rund 4,2 Millionen Einträgen. Insgesamt gibt es heute rund drei Millionen Festnetznummern weniger als noch im Jahr 2000. Ein grosser Teil der Bevölkerung ist mit einem Mobilanschluss gut bedient - mit direkter Auswirkung auf den Umfang des Telefonbuchs. Werden Festnetzanschlüsse nämlich automatisch ins Telefonverzeichnis aufgenommen und nur auf Wunsch nicht veröffentlicht, muss der Inhaber einer Mobilnummer einen Eintrag explizit anfordern. Das macht aber kaum jemand.

Die privaten Telefonnummern wurden bisher gemeinsam mit den Gelben Seiten, dem Branchenverzeichnis publiziert. Hat die Relevanz der "Weissen Seiten" stark abgenommen, präsentiert sich die Ausgangslage bei den "Gelben Seiten" gemäss Angaben der Swisscom anders. Firmen und Anbieter von Dienstleistungen publizieren ihre Nummern und Adressen nach wie vor in den Branchenseiten, um von Konsumentinnen und Konsumenten gefunden zu werden. Das Branchenverzeichnis hat daher weiterhin eine gewisse Relevanz. 
Diesem Bedürfnis wird die Swisscom mit localsearch.ch ab 2023 mit dem Localcities Guide gerecht. Beim neuen Produkt handelt es sich um ein Branchen-, Vereins- und Gemeindeverzeichnis für die Region. Die Publikation enthält neben Firmenadressen und Vereinsinformationen auch Gemeinde-Informationen, ein Nummernverzeichnis der Bundesverwaltung und einen Schulferienkalender.

Saturday, September 10, 2022

Das Handy wird zum Satellitentelefon

Apple sorgte diese Woche für die Schlagzeilen, aber es sind verschiedene Hersteller und Kommunikationsfirmen, welche die ersten Schritte unternommen haben, um aus unseren Handys Satellitentelefone zu machen.

Die interessanteste Lösung kommt aus den USA und hat nichts mit Apple zu tun. Wer ein Smartphone benutzt und dazu einen Vertrag mit dem Provider T-Mobile abgeschlossen hat, wird schon bald in der Lage sein, über Elon Musks SpaceX Satelliten mit dem eigenen Handy zu kommunizieren.

T-Mobile und SpaceX haben ein System entwickelt, mit dem Starlink Dienste für Kunden in bestehenden T-Mobile-Netzen bereitstellen kann, und zwar mit den Handys, die sie bereits nutzen. Die Einführung des Systems wird langsam beginnen, wobei vorerst «nur» mit Textnachrichten kommuniziert werden kann. Immerhin. Sprachanrufe und Datenverkehr soll bald nachher möglich werden.

Auch Huawei hat Apple geschlagen, was die Satellitenkommunikation betrifft - mit dem Huawei Mate 50 und Mate 50 Pro. Diese beiden neuen Smartphones werden es möglich machen, Texte über Chinas globales BeiDou-Satellitennetzwerk zu versenden. Die Funktion ist für Notfälle ausgelegt (wie bei Apple), etwa wenn die Mobilfunknetze ausfallen, zum Beispiel in Kriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen.

Apple setzt mit der Satellitenkommunikation für sein iPhone 14 auf den Satellitenbetreiber Globalstar, der gemäss Medienangaben den grössten Teil der Erdoberfläche abdeckt. Dennoch soll das Feature ab November zunächst nur in den USA und Kanada aktiviert werden. Die europäischen iPhones haben jedoch, anders als in den Varianten für den chinesischen Markt, die Unterstützung für das zur Satellitenkommunikation nötige Frequenzband n53 an Bord, so dass rein technisch nichts gegen eine Einführung des Features auch hierzulande spricht.

Tuesday, September 6, 2022

IFA 2022: Der Fernseher kann gar nicht gross genug sein

Nach drei Jahren Pause hat sich die IFA in Berlin als eine der wichtigsten Ausstellungen für die Consumer und Home Electronics-Branche zurückgemeldet. Die Aussteller nutzten die Gelegenheit, endlich wieder mit Händlern, Medien und den Konsumenten in Kontakt zu treten.

Der LG OLED Flex, ein Bildschirm der in
20 Stufen gebogen werden kann.   Bild LG
Die IFA 2022 war denn auch sehr gut besucht, insbesondere angesichts der anhaltenden Reisebeschränkungen in Asien. An den fünf Messetagen bis zum 6. September kamen über 161’000 Besucher. Im Vor-Pandemie-Vergleich war der Anteil der Fachbesucher höher. Die Plattform digitaltrends.com publizierte eine Liste von auffallenden Produkten, die an der IFA 2022 gezeigt wurden – zum Beispiel die neue Lenovo AR-Brille, die als virtueller Bildschirm für den PC oder das Smartphone dienen kann. Ebenfalls gelistet wird das faltbare Asus Zenbook Fold 17, ein PC, der durch seine veränderbare Grösse praktischer zu nutzen sein soll. In die Kategorie mit praktischem Nutzen passt auch der LG OLED Flex, ein 42-Zoll-Bildschirm, der vor allem für Gamer interessant sein soll, vor allem auch, weil er sowohl flach, als auch gebogen eingesetzt werden kann. LG sieht das Gerät als PC- und Fernsehbildschirm. Dafür lässt sich der Flex-Fernseher in 20 Stufen biegen.

Überhaupt waren Bildschirme ein grosses Thema an der aktuellen IFA. Das spiegelte sich auch im Besucherinteresse. TV-Geräte sind immer ein Besuchermagnet. Deren Grösse wächst übrigens stetig weiter:

«Sowohl LG als auch Samsung stellen fest, dass der Bedarf an grösseren Fernsehern stetig steigt. Auch die Verkaufszahlen der TV-Giganten jenseits der 75 Zoll zögen an, wenn auch niemand hier von einem Massenphänomen spricht. Letzten Endes bleibe der Preis entscheidend, verraten die Experten. Wichtig zu wissen: Die alten Abstandsregeln gelten nicht mehr. "Die Regel kommt noch aus der DVD-Ära", sagt Gerald Strömer von LG. "Die Bildschirme sind inzwischen so scharf, dass man Unschärfe kaum noch erkennt. Oder man sitzt so nah vor dem Display, dass man die Pixel zählen kann und ohnehin nichts mehr von Gesamtbild erkennt." Gleiches hört man von Samsung. Soll heissen: Solange man den gesamten Fernseher im Blickfeld hat, gibt es "zu gross" eigentlich nicht mehr. (stern.de)

Monday, August 29, 2022

Smartphone-Reparaturen sind zu teuer

Reparaturen für Smartphones sind teuer. Insbesondere bei günstigeren Modellen müssen oft hohe Reparaturpreise in Kauf genommen werden. So spricht die Höhe der Reparaturkosten oft gegen eine Reparatur. Das zeigt eine aktuelle deutsche Untersuchung, die von den Konsumentenschützern des vzbv in Auftrag gegeben wurde.

Besonders bei billigeren Handys lohnen sich
Reparaturen oft nicht, weil sie zu teuer sind
Bild Pexels

Sie zeigt, dass 47 Prozent der befragten Smartphone-User, an deren Gerät in den letzten 24 Monaten ein Defekt aufgetreten ist, dieses nicht reparieren lassen. Knapp die Hälfte davon gibt an, dass eine Reparatur zu teuer gewesen wäre. Zudem ergab der Vergleich der Umfrageergebnisse mit einem Marktcheck, dass die tatsächlichen durchschnittlichen Kosten für den Austausch eines Akkus oder eines Displays meist erheblich höher sind als der Preis, den Smartphone-User bereit sind zu zahlen.

Auf der Suche nach einem günstigen Angebot, das sich im Vergleich zu einer Neuanschaffung lohnt, müssen Betroffene unter Umständen viele Preise und Dienstleister miteinander vergleichen.

In einem Marktcheck hat der vzbv Reparaturangebote für Smartphones mit dem Preis für eine Neuanschaffung verglichen. Die Untersuchung zeigt: Eine Reparatur lohnt sich finanziell oft nur bei teureren Geräten.

Grosse Preisunterschiede finden sich vor allem unter den Smartphones der untersuchten mittleren Preiskategorie zwischen 300 und 600 Euro. Hier muss für die Reparatur im schlechtesten Fall mehr bezahlt werden, als für ein neues Gerät. So lagen die Kosten für einen Displaytausch beim teuersten Angebot bei 107 Prozent des Neupreises. Bei einem Neupreis von 345 Euro hätte die Reparatur des Displays demnach 369 Euro gekostet.