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Thursday, August 18, 2022

Arbeitgeber finden Homeoffice nicht mehr so toll

Nicht nur bei Apple, dem trendigen amerikanischen IT-Unternehmen, das bei vielen Entwicklungen den Ton angibt, versucht die Geschäftsleitung seit einigen Monaten, die Homeoffice-Kultur einzudämmen. Auch viele Schweizer KMU haben nach dem Abklingen der Corona-Pandemie Mühe damit, die Mitarbeiter weiterhin von zuhause aus arbeiten zu lassen.

Das Office zuhause: Bei den Mitarbeitern
beliebter als bei den Chefs.    Bild Pixabay
 Im Fall von Apple haben sich einige Mitarbeiter mit Händen und Füssen dagegen gesperrt, sich auf ein sogenanntes Hybrid-Arbeitsmodell einzulassen – jetzt wurde es von der Geschäftsleitung angeordnet:
 «Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende von Apple, informierte die Mitarbeiter diese Woche per E-Mail über die neue Regelung. "Die Teams, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, werden an drei Tagen in der Woche ins Büro kommen, wobei Dienstag und Donnerstag unternehmensweit als feste Tage gelten." Cook betonte, dass dieser Schritt "die Fähigkeit, flexibel zu arbeiten, verbessern und gleichzeitig die persönliche Zusammenarbeit, die für unsere Kultur so wichtig ist, bewahren wird". (The Telegraph)

Im Fall der Schweizer KMU hat eine Studie interessierter Organisationen ergeben, dass bei den Arbeitgebern «eine gewisse Homeoffice-Müdigkeit» Einzug gehalten habe:

«Sie können oder wollen Homeoffice im Mix ihrer Arbeitswelt-Konzepte nicht (mehr) aktiv anbieten. Während Mitte 2020 bei 67 Prozent und Mitte 2021 bei 65 Prozent der befragten KMU alle oder ein Teil der Mitarbeitenden theoretisch von zuhause aus hätten arbeiten können, waren es Anfang 2022 nur noch 61 Prozent. Die Anzahl an homeoffice-tauglichen Stellen sinkt in diesen KMU von durchschnittlich 3.8 in 2020 auf 3.4 in 2021 und 2.9 im Jahr 2022.»

Es könnte sein, dass sich die Einschätzung der Eignung der Arbeitsstellen fürs Homeoffice geändert hat oder die Erfahrungen zeigen, dass die Arbeitsausführung vor Ort optimaler ist – oder dass zumindest davon ausgegangen wird, schreiben die Studienautoren.

Es ist klar, dass viele Mitarbeiter, die sich ans Homeoffice gewöhnt haben, diesen Trend nicht schätzen werden. Es sieht aber im Moment so aus, als ob die Rückkehr in die Firmenbüros im Trend liegt.

Wednesday, March 2, 2022

Das Homeoffice ist bei den Mitarbeitern beliebter als bei den Arbeitgebern

Mit dem Wegfall der meisten Corona-Massnahmen kehrt in Schweizer Unternehmen wieder weitgehend Normalität ein. Die Arbeitswelt ist aber heute für viele Firmen eine deutlich andere als vor dem Ausbruch der Pandemie. Das Rekrutieren neuer Mitarbeitender fällt oft schwerer als vor Corona und Personalmanager berichten von einer geringeren Loyalität der Mitarbeitenden. Bei der Frage, wie viel Homeoffice langfristig möglich bleibt, klafft eine Lücke zwischen den Plänen der Unternehmen und den Wünschen der Berufstätigen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von New Work unter Personalmanagern und Berufstätigen in der Deutschschweiz.

Das Homeoffice ist bei vielen Mitarbeitern beliebter, als bei ihren Vorgesetzten.  Bild Pixabay

Nur zwei Prozent der Unternehmen planen, dass langfristig mehr als die Hälfte der Arbeitszeit von fern stattfinden kann. Knapp die Hälfte der befragten Personalmanager gab an, dass es in ihrem Unternehmen langfristig keine Möglichkeit für Homeoffice geben wird. Darin enthalten sind auch Betriebe mit Angeboten, die eine physische Präsenz erfordern. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen plant, Homeoffice langfristig zu ermöglichen. 28 Prozent geben an, dass Mitarbeitende auch nach Pandemieende bis zu einem Viertel ihrer Arbeitszeit ausserhalb des Büros leisten können, bei 18 Prozent kann bis zur Hälfte der Arbeitszeit im Homeoffice stattfinden.

Mit ihrem langfristigen Bekenntnis zu Homeoffice kommen zwar viele Unternehmen den Wünschen der Mitarbeitenden entgegen, gehen aber nicht so weit, wie es sich die Berufstätigen wünschen. Von diesen würden nämlich 16 Prozent gerne auch in Zukunft vollständig zuhause arbeiten können, weitere 16 Prozent bis zu drei Viertel und 22 Prozent bis zur Hälfte ihrer Arbeitszeit. 6 Prozent wären zufrieden, wenn sie langfristig bis zu einem Viertel ihrer Zeit ausserhalb des Büros arbeiten könnten. 34 Prozent geben an, dass Homeoffice in ihrem Beruf nicht möglich ist.

Zwischen der Bereitschaft von Schweizer Unternehmen, Homeoffice langfristig anzubieten und den Wünschen der Berufstätigen klafft damit eine grosse Lücke. Wenn Unternehmen eine hohe Präsenzrate anstreben, so sollte das Büroumfeld so ausgestaltet werden, dass die Arbeit vor Ort auch für Mitarbeitende einen klar erkennbaren Mehrwert liefert.

 Aus Sicht der Personalmanager hat sich das Arbeitsleben im Zuge der Pandemie vor allem in Bezug auf die Kommunikation im Unternehmen, die Art und Weise der Zusammenarbeit sowie neue Arbeitskonzepte, wie Home-Office und Remote Work verändert. Neue Arbeitskonzepte bedeuten aber nicht zwingend flexiblere Arbeitszeiten: Nur 34 Prozent geben an, dass Corona in ihrem Betrieb zu einer freieren Einteilung der Arbeitszeit geführt hat. Und weniger als die Hälfte sagen, dass die Pandemie einen spürbaren Einfluss auf den Führungsstil in ihrem Unternehmen hatte.

Friday, November 26, 2021

Ist es nun produktiver - oder doch nicht, das Homeoffice?

Als das Homeoffice im Zuge der Pandemie für viele Mitarbeiter obligatorisch wurde, war das Echo fast rundum gut. Sowohl Chefs als auch Mitarbeiter hatten viel Gutes zu sagen über die Arbeit in den eigenen vier Wänden. Nach gut anderthalb Jahren hat sich das Meinungsspektrum dezidiert verbreitert. Und gemäss einer neuen europäischen Umfrage fangen viele Chefs an zu zweifeln.

Arbeiten zuhause: Produktiver oder nicht?  Bild Pixabay
Wenn es um die Produktivität im Homeoffice geht, gehen die Meinungen auseinander. Die Mitarbeiter tendieren dazu, ihre Produktivität zuhause im Büro grösser einzuschätzen, als sie eigentlich ist. Viele Chefs glauben nicht mehr so recht daran. Schon früher dieses Jahr hat die Deutsche Bank eine Studie veröffentlicht, in der sie diese Problematik unter die Lupe nahm und zum Schluss kam, dass die Arbeit zu Hause weniger bringt als im Büro:

 “Als einen wichtigen Grund für die Verringerung der Produktivität sehen die Analysten der Deutschen Bank die erschwerte Kommunikation im Homeoffice. Besonders kreative Aufgaben verlangen oft eine gute Kommunikation, die im Homeoffice aber komplizierter ist und durch technische Schwierigkeiten schwieriger werden kann. Auch IT-Probleme führen immer wieder zur Verringerung der Produktivität. So können Internet- und Stromausfälle den Menschen das Arbeiten gänzlich unmöglich machen. Des Weiteren gibt es vor allem ältere Mitarbeiter, die mit der Technik weniger vertraut sind und mehr Zeit benötigen, um sich einzuarbeiten. Ausserdem ist auch die Umstellung der Arbeitsatmosphäre ein entscheidender Faktor, der die Produktivität massgeblich beeinflussen kann.“ (businessinsider.de)

 Eine aktuelle Studie von Yougov und Linkedin unter 2000 Führungskräften aus elf Ländern zeigt Zweifel bei vielen Führungskräften – vor allem in Deutschland, wie die Welt berichtet:

“Demnach befürchtet gut ein Drittel der Managerinnen und Manager (37 Prozent) in Deutschland negative Folgen für ihr Unternehmen, wenn sie Mitarbeitern flexibles Arbeiten ermöglichen. Im internationalen Vergleich machten sich in diesem Punkt nur die Befragten in Irland noch mehr Sorgen (40 Prozent). In Italien sind es nur 20 Prozent, der Durchschnitt insgesamt liegt bei 30 Prozent. Die Skeptiker unter den deutschen Managern befürchten vor allem, dass die Mitarbeiter im Homeoffice ihrer Arbeit nicht nachgehen. 38 Prozent der Befragten äußerten diese Bedenken. Nur in den Niederlanden fiel der Wert genauso hoch aus. Deutlich weniger Bedenken haben Manager in diesem Punkt in Italien und Brasilien (jeweils 17 Prozent), Großbritannien (21 Prozent) und Frankreich (22 Prozent).“

 Die Meinungen über die Arbeit zuhause sind natürlich nicht nur bei den Managern, sondern auch bei den betroffenen Angestellten geteilt. Längst nicht allen gefällt die einsame Arbeit am Küchentisch – viele freuen sich darauf, wieder in den Büroalltag und zu ihren Kollegen und Kolleginnen zurückzukehren.