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Saturday, November 2, 2019

Online-Bewertungen: Immer mehr Fakes werden herausgefiltert

Schätzungsweise 90 Prozent aller Konsumenten konsultieren Online-Bewertungen, bevor sie Geld ausgeben. Umso grösser sind die Auswirkungen von gefälschten Bewertungen, mit denen potentielle Kunden in die Irre geführt werden. TripAdvisor, zum Beispiel, hat im ersten jährlichen ‘Transparenzreport' bekanntgegeben, dass im letzten Jahr 1,8 Millionen gefälschte Reviews entfernt oder blockiert worden seien.


Sterne im Internet: Zu oft sind sie nicht echt.
Die Zahlen sind tatsächlich beeindruckend: Von den 66 Millionen Bewertungen, die im letzten Jahr bei TripAdvisor eingereicht wurden, waren 2,1 Prozent  als betrügerisch eingestuft worden. Die meisten (73 Prozent) dieser betrügerischen Bewertungen wurde vor der Veröffentlichung identifiziert und blockiert - so dass sie auf TripAdvisor nie sichtbar wurden. Das sind mehr als eine Million betrügerische Bewertungen, die nicht auf die Plattform gelangen konnten. 0,6 Prozent aller eingereichten Bewertungen (immerhin noch 374‘220) schafften es auf die Bewertungsplattform, bevor sie wegen Betrugs entfernt wurden.
Gefälschte Bewertungen können grosse Unternehmen Millionen an entgangenen Einnahmen kosten oder kleine Unternehmen und ihre Eigentümer über Nacht ruinieren. Die Macht, die von solchen Internet-Noten ausgeht, ist enorm, und viele Unternehmen achten deshalb stark darauf, wie sie auf Online-Bewertungen reagieren. "Die Wirkung von gefälschten Bewertungen sollte nicht unterschätzt werden. Insbesondere für Inhaber kleiner Unternehmen und diejenigen, die von ihnen abhängig sind, kann es finanziell und emotional verheerend sein", sagt Dan Raisbeck, Mitbegründer der Cybersmile Foundation, die sich gegen den Missbrauch von Internet-Ressourcen einsetzt. Gefälschte Reviews geben aber nicht nur schlechte Noten - mit erfundenen Berichten über miserablen Kundenservice oder mangelhafte Dienstleistungen, die darauf abzielen, ein Unternehmen zu zerstören. Die meisten der Bewertungen loben die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung, ohne Rücksicht auf die Wahrheit. Wie TripAdvisor berichtet, waren über 90 Prozent der im Jahr 2018 gesperrten oder entfernten Bewertungen gefälschte positive Bewertungen. Aber was ist eigentlich eine gefälschte Bewertung? TripAdvisor definiert sie wie folgt:
“Eine gefälschte Bewertung ist jede Bewertung, die von jemandem verfasst wird, der versucht, die durchschnittliche Bewertung oder das Ranking eines Unternehmens ungerechtfertigt zu manipulieren. Bewertungen, die die Erfahrung eines echten Kunden widerspiegeln, auch wenn Teile davon vom betroffenen Unternehmen bestritten werden, werden nicht als Fälschung eingestuft.“
Um betrügerische Bewertungen zu erkennen, verwendet TripAdvisor  Technologien, die auch von Banken- und Kreditkartenunternehmen eingesetzt werden, mit denen Hunderte von Online-Informationen abgebildet werden, wie beispielsweise IP-Adressen und Gerätespezifikationen. Im Laufe der Jahre hat das System das typische elektronische Verhalten von echten Prüfern identifiziert. Wenn die Technologie ein elektronisches Muster entdeckt, das nicht diesem typischen Überprüfungsmodell entspricht, wird es sofort als potenziell verdächtig gekennzeichnet. Die Rezension kann nicht veröffentlicht werden und wird zur näheren Prüfung an ein Mitglied des Moderationsteams geschickt. Zusätzlich zur Betrugserkennungstechnologie werden erfahrene Betrugsermittler eingesetzt, die sich proaktiv an die Websites, Unternehmen und Einzelpersonen richten, die versuchen, gefälschte Bewertungen zu verkaufen. Diese Ermittler konzentrieren sich darauf, diese Art von Betrug, den bezahlten Betrug, an der Quelle zu unterbinden.

Der Kampf gegen gefälschte Reviews wird nie ganz zu gewinnen sein. Immerhin scheint es nicht mehr so einfach zu sein, wie noch vor wenigen Jahren, gut organisierte Review-Plattformen wie TripAdvisor zu betrügen.

Friday, September 28, 2018

Vom Internet zur Wirklichkeit: Rosinen picken im Amazon-Laden

Amazon, der grösste Internethändler der Welt, versucht sich mit einem weiteren Experiment darin, die Kunden wieder in die Läden (zumindest in einen Amazon-Laden) zu bringen. Vielleicht hat der Konzern Angst vor dem eigenen Erfolg und dem drohenden Kahlschlag der Malls und Innenstädte bekommen?

Läden, in denen man sich registrieren kann, damit man automatisch bezahlt (Amazon Go) und jetzt, Amazon 4-Star. Das Unternehmen hat in Soho, in New York City, einen vergleichsweise kleinen, 400 Quadratmeter grossen Offline-Laden eröffnet. Das Besondere daran: Es werden dort nur Produkte verkauft, die bei den Amazon Online-Kunden populär sind und mit mindestens vier Sternen bewertet werden. Ansonsten bietet der Shop viele Besonderheiten, an die sich Onlinekunde längst gewöhnt haben - zum Beispiel die Bündelung von Angeboten mit Produkten, die oft zusammen gekauft werden. Zitat aus handelsblatt.de:
“Bei „Amazon-4 Star“ gibt es kein Bio-Gemüse oder Mandelmilch. Der Shop ist ein Sammelsurium an nicht essbaren Produkten, die von Grußkarten und Büchern über Harry-Potter-Lego reichen bis zum DNA-Kit für Hunde und der Tisch-Brauerei fürs hausgemachte Craft Beer für 169 Dollar. Der Laden ist eine Art lebendige Internet-Seite. Dabei finden sich im Shop auch bekannte Taktiken aus dem Netz wieder. „Wenn Du das magst, magst Du vielleicht auch das“ steht auf dem Schild zwischen der Whiskey-Flasche und den dazugehörenden Gläsern. „Frequently bought together“ - oft zusammen gekauft steht auf dem anderen, das über dem Kindle-Lesegerät und der passenden Schutzhülle die Kunden lockt. Hinzu kommen Kunden-Rezensionen aus dem Internet. Wie auf der Online-Seite steht auch im Laden etwa gleich neben dem Hunde-Fressnapf ein Hinweis: „Mein Freund hat so einen gefräßigen Welpen, dass dieser Napf die beste Lösung ist“.
 Man kann sich vorstellen, dass der Amazon 4-Star-Laden bei Leuten, die so richtig gerne shoppen, Erfolg haben könnte. Schliesslich funktioniert er etwa wie eine Fundgrube oder ein Trödler. Mit einem grossen Unterschied: Die Produkte müssten alle von ausgezeichneter Qualität sein - 4-Sterne eben. 
Das bringt uns auf eine revolutionäre Idee: Wie wäre es, wenn alle Händler nur noch gute Produkte anbieten würden?

Monday, April 16, 2018

Arbeitgeberbewertungen: herausfinden, “wie es wirklich ist“

Die Kollegen sind zwar nett, die Büros modern, aber unbezahlte Überstunden ohne Ende verderben den Spass an der Arbeit. Jeder dritte Internetnutzer hat schon einmal Online Bewertungen von Arbeitgebern gelesen. Arbeitgeberportale gewinnen bei der Jobsuche und Karriereplanung an Bedeutung. Seit 2015 hat die Zahl derjenigen, die sich auf Online-Plattformen wie kununu.com, jobvote.com oder companize.com informieren, um sieben Prozentpunkte zugenommen.

Digitale Bewertungen gewinnen an Wichtigkeit - auch auf dem Arbeitsmarkt.
                                                                                     Screengrab kununu.com
“Finde heraus, wie es wirklich ist“, fordert das Jobbewertungsportal kununu.com seine User auf. Immer mehr greifen die Anregung auf. Vor drei Jahren waren es noch weniger als ein Drittel der Internetnutzer, die sich darüber informiert haben, wie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter ein Unternehmen bewerten. Berufstätige Internetnutzer interessieren sich besonders für Arbeitgeber-Bewertungen im Netz. Hier sagt beinahe jeder Zweite, dass er im Internet entsprechende Bewertungen liest. Besonders relevant sind die Online-Bewertungen für die jüngeren Berufstätigen. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat jeder Zweite schon einmal Online-Arbeitgeberbewertungen gelesen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 46 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 39 Prozent. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Digitalverbands Bitkom. Arbeitgeber tun gut daran, die Internet-Bewertungen ernst zu nehmen. Im digitalen Zeitalter sind sind Online-Bewertungen für viele User die erste Visitenkarte eines Arbeitgebers.
Wie ein Arbeitgeber beurteilt wird, hat grosse Auswirkungen darauf, ob sich ein geeigneter Kandidat für einen Job überhaupt bewirbt. Mehr als acht von zehn der wechselwilligen Interessenten liess
en sich schon einmal durch derartige Bewertungen beeinflussen. Jeder zweite Befragte wurde dabei in seiner Entscheidung für ein Unternehmen bestärkt. 54 Prozent haben sich danach gegen das Unternehmen als Arbeitgeber entschieden.
Arbeitgeberbewertungen werden nicht nur gelesen, sondern immer öfter selbst verfasst. Dem eigenen Arbeitgeber hat jeder vierte Internetnutzer schon einmal online eine Bewertung hinterlassen. Vor drei Jahren war das nur jeder Sechste. Besonders aktive Rezensenten sind die 30- bis 49-Jährigen. Hier liegt der Anteil derjenigen, die ihrem Arbeitgeber Online-Bewertungen schreiben, bei 32 Prozent.
Selbstverständlich gilt auch für Arbeitsplatzbewertungen, wie auch für andere Internetbewertungen, dass sie mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen sind - schliesslich bleiben die meisten Verfasser anonym.