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Sunday, December 17, 2017

Netzneutralität: Wenn die Gratispornos gefährdet sind, fängt die Panik an

Sicher haben Sie in den letzten Tagen davon gelesen, dass eine Amerikanische Behörde die sogenannte Netzneutralität aufheben will. Wissen Sie auch, was das genau bedeutet, und ob das nicht-neutrale Netz sich auf Ihren Alltag auswirken wird? Falls Sie diese Frage mit "nein“ beantworten müssen, ist das nicht allein Ihre Schuld.

Satire oder Realität? Bei der Berichterstattung zum Thema Netzneutralität
verschwimmen die Grenzen.                                   Screengrab Spiegel Online  
Netzneutralität ist ein nicht ganz unkompliziertes Thema. vor allem wenn man es mit der Politik vergleicht, wo alles so viel klarer ist. Demzufolge ist auch die Berichterstattung nicht ganz so einfach, wie das Kommentieren politischer Ereignisse, wo jeder gerne zum Besten geben darf, was beim Zielpublikum ankommt.  Das war wahrscheinlich der Grund dafür, dass das Niveau der Berichterstattung zum Thema Netzneutralität erschreckend tief war - in den letzten Tagen war es fast unmöglich, klare und unvoreingenommene Erklärungen zu finden. Die meisten Medien genügten sich damit, das Ende des Internets, wahrscheinlich sogar das Ende unserer Zivilisation und des allgemeinen Wohlergehens vorherzusagen. Geradezu panisch kommentierte der Spiegel, notabene unter dem Titel “Die Abschaffung der Demokratie“:
“Es war längst klar, dass der Krieg gegen Wahrheit, Wissenschaft und Vernunft eines der Grundelemente für Donald Trump und die Seinen ist, um sich der lästigen Demokratie zu entledigen, die nur stört in dem ehrgeizigen, totalitären Plan, den Kapitalismus endgültig zur alleinigen Ideologie zu machen.“
Die Süddeutsche Zeitung bangt gar um die Eigentumsrechte am Internet und titelt: “ Zu Weihnachten schenken die USA ein paar Konzernen das Internet“. Im Artikel tönt es dann nicht mehr ganz so dramatisch, wenn auch wirtschaftstheoretisch unbedarft:
“Das heißt in der Praxis: Kunden können extra abkassiert werden, nur um überhaupt in akzeptabler Qualität an bestimmte Dienste zu kommen […]Je mehr Kapital ein Anbieter hat, desto mehr Vorteile kann er sich erkaufen - unabhängig von der Qualität seiner Dienste. Sollte es so kommen, dürften kleine Unternehmen und nichtkommerzielle Anbieter sich das nicht leisten können.“
Den Vogel abgeschossen haben allerdings mit ihrer Berichterstattung der Stern und derStandard.de. Sie sorgen sich um die pornographische Versorgung Europas. Titelt der Standard: “Aus für Netzneutralität gefährdet Gratispornos“ und führt aus:
“Schon 2012 verursachten Pornovideos laut einer Schätzung der Seite "Extreme Tech" 30 Prozent des weltweiten Online-Datenverkehrs. Der Anteil an absoluten Zahlen, 50 Gigabyte pro Sekunde, ist seitdem wohl stark angestiegen. Doch die von der FCC beschlossene Abschaffung der Netzneutralität könnte das Zeitalter der Gratis-Sexfilme beenden…“
Wir haben dann im seichten Tümpel der Medienberichterstattung doch noch eine tiefere Stelle gefunden, wo das Thema unvoreingenommen und gut verständlich erklärt wird. Die NZZ beantwortet in ihrem Artikel acht Fragen; zum Beispiel: Was sind die Folgen für die Konsumenten?
“Die neue Regelung betrifft in erster Linie die Inhalte-Anbieter, aber dadurch indirekt auch die Endkunden. Gewisse Internetkonzerne könnten die höheren Kosten an die Kunden überwälzen. Zumindest solange der freie Wettbewerb dies nicht verunmöglicht. Die Preise für den Internetanschluss könnten hingegen sogar sinken, da neu auch die Inhalte-Anbieter den Telekomfirmen Gebühren entrichten. Schliesslich könnten Konsumenten bei der Qualität ihrer Internetverbindung Veränderungen sehen. Zum einen könnten gewisse Websites langsamer laden, da die Betreiber nicht für Daten-Vorfahrt bezahlen. Zum anderen könnten aber mit den Zusatzeinnahmen auch die Infrastrukturausgaben steigen, was künftig schnellere Internetverbindungen ermöglichte. Welche Effekte am Ende überwiegen, wird massgeblich davon abhängen, wie intensiv der Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern ist. Je weniger dynamisch der Markt ist, desto eher dürften die negativen Effekte für die Konsumenten überwiegen – und umgekehrt.“ 
Es gibt übrigens auch Experten, die sich zum Thema befragen lassen. Ausgerechnet das ZDF fand einer dieser Spezialisten. Was er sagt, lässt uns wieder ruhiger schlafen:
"Nach dem Aus für die Netzneutralität in den USA sieht René Arnold vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste wenig Grund zur Beunruhigung. Großkonzerne wie Google und Amazon hätten bereits jetzt die Möglichkeit, Inhalte in besserer Qualität an Verbraucher zu liefern. Google beispielsweise betreibe zahlreiche eigene Infrastrukturen wie Unterseeleitungen und Rechenzentren, die beliebte Inhalte vorladen können [...] Die Auswirkungen in Europa schätzt Arnold gering ein..."

Monday, November 25, 2013

Geschwätz über den Wolken?

Flugzeugkabinen, heutzutage meistens voll besetzt und naturgemäss längst keine Oasen der Ruhe und Entspannung mehr, könnten bald noch viel nerviger werden. Was wir alle schon vom Nahverkehr kennen, kommt möglicherweise demnächst auch zum Fernverkehr, genauer gesagt ins Flugzeug: Der ununterbrochen am Handy plappernde Sitznachbar. Die amerikanische Telekomaufsicht hat nämlich vorgeschlagen, das Telefonierverbot in Flugzeugen ganz einfach aufzuheben, weil es nicht mehr zeitgemäss sei. Die Flugbegleiter sind nicht begeistert.

Aus technischen Gründen soll das Telefonieren am Handy in amerikanischen
Airlinern bald nicht mehr verboten sein. Ob es allerdings zugelassen wird,
hängt nicht nur von der Technik ab. 
Auf einem Flug von Zürich nach London könnte man es wohl gerade noch aushalten: Nachbarn, die am Handy schwatzen, um sich die relativ kurze Flugzeit zu vertreiben. Was aber passiert, wenn der Flug nach den USA oder gar nach Australien führt?
Das Kabinenpersonal amerikanischer Fluggesellschaften hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sich derartige Flüge entwickeln könnten. Die Vereinigung der amerikanischen Flugbegleiter spricht von einemSicherheitsrisiko und hält fest, dass ein Flugzeug voller telefonierender Passagiere zu Streitigkeiten führen könnte. Ausserdem weisen die Flugbegleiter darauf hin, dass gemäss Umfragen eine grosse Mehrheit der Passagiere die Nutzung von Handys im Flieger ablehne. Jede laute Situation, die zu Streit führen und stören könne, sei nicht nur unerwünscht, sondern auch unsicher, sagen die professionellen Flieger. Das scheint uns eine realistische Einschätzung der Situation zu sein. Deshalb ist auch noch nicht abzusehen, ob es je zum grossen Geplapper über den Wolken kommen wird. Zitat aus der Süddeutschen:
“Wann das Handyverbot fallen wird und was das in der Praxis genau bedeuten könnte, ist noch unklar. Die FCC will den Fluggesellschaften erlauben, die Telefontechnik zu installieren, sie wird ihnen dies jedoch nicht vorschreiben. Konkret installieren die Techniker dabei im Flugzeug eine kleine Basisstation namens "Picocell", die die Funksignale der Handys sammelt und zur Erde schickt.“
Allerdings kann man ja mit einem Smartphone nicht nur telefonieren – sondern auch e-mailen und im Net surfen. Genau diese Möglichkeiten wollen viele Fluggesellschaften ihren Kunden bieten. Das erklärt auch ein Lufthansasprecher gegenüber der SZ:
 “Worauf es ankomme, sei der GSM-Standard, den die Lufthansa so schnell wie möglich auf allen Maschinen installieren will. Dadurch könnten Fluggäste auf ihren iPhones und Blackberrys E-Mails verwalten und im Internet surfen. Die Lufthansa bietet bereits auf Langstreckenflügen Wlan an; auf diese Weise können Reisende am Laptop ins Internet gehen. "Theoretisch könnte jemand so auch über Skype telefonieren. Aber das erlauben wir nicht", sagte der Lufthansa-Sprecher. Allerdings sind auf vielen Flügen bereits normale Telefonate von einem Wand-Fernsprecher möglich. Die Gebühren, die für ein Gespräch verlangt werden, sollen davon jedoch abschrecken: Pro angefangener Minute zahlen Fluggäste 9,95 Dollar…“