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Wednesday, June 4, 2014

"Brauchen wir ein neues Internet?"

Wie viel Vertrauen haben Sie noch in die Datensicherheit im Internet? Edward Snowden hat mit seinen Enthüllungen über die digitalen Spionagetätigkeiten der US-Regierung nicht dazu beigetragen, dass sich die Benutzer des Internets sicherer fühlen. Tatsächlich hat sich der Vertrauensverlust der User seit den ersten Veröffentlichungen über den Abhörskandal noch einmal beschleunigt. Nur eine kleine Minderheit glaubt noch daran, dass Ihre Daten im Netzt sicher sind.

Die Verunsicherungskurve zeigt stetig nach oben.               Graphik BITKOM
Das Internet ist für die zivilisierte Welt immens wichtig geworden. Die Wirtschaft hängt genauso davon ab, wie das persönliche Wohlergehen einer grossen Mehrheit der Weltbürger (stellen Sie sich vor, wie sich ihr Leben verändern würde, wenn Sie plötzlich wieder vollständig ohne digitale Kommunikation und Internet auskommen müssten). Trotz dieser enormen Wichtigkeit besteht die Gefahr, dass das Internet immer mehr zum digitalen Schmuddelquartier verkommt, wo man sich lieber nicht aufhält, weil man sich da nicht sicher fühlt – eine virtuelle No-Go-Zone sozusagen. Abgesehen von Edward Snowden, der der Welt eindrücklich demonstriert hat, dass nichts und niemand vor der riesigen Abhörindustrie der amerikanischen Behörden sicher ist, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht von Hackerangriffen, kompromittierten Kreditkartendaten, gestohlenen Passwörtern und verseuchten E-Mails berichtet wird. Auf der anderen Seite wird eher selten von verhafteten oder gar verurteilten Hackern berichtet, die bei ihren Verbrechen ertappt wurden und dafür teuer bezahlen müssen. Kein Wunder, dass die Benutzer der globalen digitalen Infrastruktur sich nicht mehr sicher fühlen. Das Vertrauen in die Verwalter unserer Daten schwindet kontinuierlich. Das zeigt auch die neuste Studie des deutschen Hightech-Verbandes Bitkom. Danach halten inzwischen 86 Prozent der Internetnutzer ihre persönlichen Daten im Internet für unsicher. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2011 waren es nur 55 Prozent. Laut Umfrage misstrauen aktuell 71 Prozent der Internetnutzer Staat und Behörden beim Umgang mit ihren persönlichen Daten. Im Jahr 2011 war es mit 40 Prozent noch eine Minderheit, die staatlichen Stellen misstraute. Ähnlich schlecht ist das Ergebnis für die Wirtschaft: 67 Prozent der befragten Internetnutzer misstrauen der “Wirtschaft allgemein“, wenn es um den Umgang mit ihren Daten im Web geht. Im Jahr 2011 war es mit 46 Prozent ebenfalls weniger als die Hälfte. Auch hier haben sich die Werte innerhalb des vergangenen Jahres kontinuierlich verschlechtert.
Dass der Vertrauensverlust im Zusammenhang mit der Sicherheit digitaler Daten auch auf die Wirtschaft abgefärbt hat, ist nicht verwunderlich, aber sicherlich nicht gut fürs Geschäft.
Was also tun?

Selbst eine professionelle Branchenorganisation wie Bitkom scheint eher ratlos zu sein, was mögliche Gegenmassnahmen anbelangt. Deren Präsident Dieter Kempf zieht denn Schluss, dass “ Die politische Aufarbeitung der NSA-Affäre weitergehen muss“. Ob das eine wirksame Medizin gegen den Vertrauensverlust der User sein kann, ist zu bezweifeln. “Arte.tv“ kommt da der Realität wohl schon näher. Über dem Interview mit Wikipedia Gründer Jimmy Wales zum Thema Datensicherheit im Internet prangt nämlich der Titel: “Brauchen wir ein neues Internet?“ 


Monday, August 12, 2013

Anonym bleiben ist gar nicht so einfach

Der Wirbel um die riesigen Abhöraktionen, die verschiedenste Regierungen im Internet und verschiedenen anderen Kommunikationsnetzen betreiben, hat dazu geführt, dass das Thema Anonymität im Internet wieder sehr aktuell geworden ist.  Wer sich damit befasst, merkt, dass es nicht ganz einfach ist, im digitalen Informationsraum unerkannt zu bleiben, obwohl - oder gerade weil -sich darin Milliarden von Menschen tummeln.

Das Tor-Projekt widmet sich ganz der Anonymität im Internet und stellt die
entsprechende Software dafür zur Verfügung.    (Screenshot torproject.org)
Die meisten Bürger – unbescholten oder bescholten – möchten wohl davon ausgehen können, dass sie nicht von einer riesigen staatlichen Maschinerie überwacht werden. Es ist ein unschönes Gefühl, wenn man davon ausgehen muss, dass Telefongespräche mitgeschnitten, E-Mails mitgelesen und persönliche Suchresultate nach verdächtigen Schlüsselwörtern durchgekämmt werden.  Trotz aller Versicherungen von Politikern auf höchster Ebene, ist genau diese Sicherheitsgefühl nicht mehr gegeben. Die digitale Technik ermöglicht den totalen digitalen Überwachungsstaat – von hier an ist es kein grosser Schritt mehr zur Verwirklichung dieses Albtraums. Natürlich gibt es auch Leute, die aus anderen Gründen anonym bleiben möchten – zum Beispiel weil sie sich im Web gerne unflätig benehmen und nicht dazu stehen.
Die Diskussion zum Thema Anonymität im Web ist also im Gange, und die Befürworter sind durchaus nicht nur bei Linken, und Chaoten zu finden, sondern zum Beispiel auch in der Schweizer Armee. Wer anonym bleiben möchte, hat immer das Gefühl, gute Gründe dafür zu haben. Ausserdem hat das Internet die Anonymität salonfähig gemacht. Deswegen und wegen der weltweiten Datensammler, die wegen Edward Snowden in einen momentanen Erklärungsnotstand geraten sind, möchten immer mehr Anwender ihre Internet-Sitzungen anonymisieren. Eine Google-Suche zum Thema generiert unzählige Anleitungen, wie das zu erreichen ist.
Der aktuellste Artikel zum Thema findet sich auf Spiegel-Online, er wurde ursprünglich im Magazin c’t Security veröffentlicht. Das Fazit des ausführlichen Artikels:
“Die IP-Adresse zu verschleiern ist nur ein erster kleiner Schritt in Richtung Anonymität im Internet. Ein herkömmliches VPN reicht dazu vollkommen aus. Denn man verbirgt sich gemeinsam mit allen anderen Kunden desselben Angebots hinter einer einzigen IP-Adresse. Da sich diese Angebote allerdings normalerweise an technisch beschlagene Geschäftskunden wenden, sind die technischen Daten nicht immer für jeden auf Anhieb zu durchschauen.Spezielle Anonymisierungs-VPNs kosten in der Regel mehr. Für diesen Aufpreis bekommt man eine einfachere Einrichtung des VPN und manchmal die Wahl zwischen verschiedenen VPN-Gateways. Doch alle VPNs setzen viel Vertrauen in den jeweiligen Anbieter voraus, denn der kann immer sehen, welcher Kunde wann welchen Server kontaktiert hat.Wer so viel Vertrauen nicht aufbringt, verlässt sich lieber auf eine Proxy-Kaskade. TOR ist komplett kostenlos und das meistgenutzte dieser Systeme. Pakete wie das TOR Browser Bundle enthalten sinnvolle Ergänzungen und vereinfachen die Nutzung.“