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Wednesday, June 8, 2022

Armee, Bund und Polizei: Threema populär bei Sicherheitsorganisationen

Nach der Schweizerischen Bundesverwaltung, der Schweizer Armee sowie zahlreichen Stadtverwaltungen und Gemeinden hat sich nun auch die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten dafür entschieden, in Zukunft mit der Schweizer Chat App Threema zu kommunizieren, um ihre Kommunikationsbedürfnisse datenschutzkonform erfüllen.

Threema: 100 Prozent made in Switzerland.
Bei der Polizei wird Threema Work zum Einsatz kommen, eine speziell für die Nutzung in Unternehmen konzipierte Version von Threema, die umfangreiche Administrationsmöglichkeiten, Schnittstellen und Broadcast-Funktionen bietet. Threema Work wird weltweit bereits von über 7'000 Unternehmen eingesetzt. Auf der Threema Website wird erklärt, was die App attraktiv macht:

«Dank modernster Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann niemand ausser dem vorgesehenen Empfänger übermittelte Nachrichten lesen oder mithören, auch nicht Threema als Dienstbetreiber. Für die Nutzung ist keine Angabe personenbezogener Daten erforderlich: Auf Wunsch lässt sich Threema völlig anonym, ohne Preisgabe der eigenen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse nutzen. Weiter ist Threema von vornherein auf Datenvermeidung ausgelegt, weshalb nur so wenige Metadaten wie zwingend nötig anfallen.»

Threema ist 100prozentig Swiss made. Auch die Threema-Server stehen in Schweizer Rechenzentren. Im Gegensatz zu amerikanischen Diensten ist Threema vollständig DSGVO-konform. Mit Threema OnPrem können Organisationen mit hohen Sicherheitsanforderungen Threema Work auf ihren eigenen Servern betreiben – getrennt von Threemas Infrastruktur.

Wie Threemas Sicherheits- und Verschlüsselungsaspekte in die zukünftige EU-Gesetzgebung passen werden, wird sich zeigen. Um gegen Kriminelle vorzugehen, schlägt die EU vor, dass alle Plattformen Überwachungsschnittstellen einrichten müssen – was die Verschlüsselung so gut wie obsolet machen würde. Ausserdem ist eine Vorratsdatenspeicherung grosser Datensätze mit privaten Chats geplant.


Saturday, May 22, 2021

Gesichtserkennung für jedermann

Die Firma heisst PimEyes, und sie hat es geschafft, Gesichtserkennung für jedermann zugänglich zu machen. Die Website findet mit einer sogenannten Rückwärtssuche Gesichter im Internet – und zwar alle, die jemals hochgeladen wurden. Wer noch an eine Privatsphäre glaubt, ist entweder beunruhigt oder desillusioniert.

Gesichtserkennung für alle: PimEyes bietet verschiedene Dienste an.  Screenshot Pimeyes.com
Die Suche funktioniert wie eine Google Bildersuche – nur besser. Wer ein Bild auf PimEyes hochlädt erhält Resultate in Sekunden. Tests verschiedener Publikationen haben gezeigt, dass die Gesichtserkennung über viele Jahre zurück und durch das ganze Internet funktioniert. Das löst Bedenken aus. Ein Polnische Firma schaffe gerade unsere Anonymität ab, titelte eine deutsche Publikation. Andere Medien, weltweit, berichten über die Gesichtserkennung für alle:

“Die Entscheidung von PimEyes, Gesichtserkennungssoftware der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, überschreitet eine Grenze, die Technologieunternehmen in der Regel nicht zu überschreiten bereit sind, und eröffnet endlose Möglichkeiten, wie die Software eingesetzt und missbraucht werden kann. Stellen Sie sich vor, ein potenzieller Arbeitgeber wühlt in Ihrer Vergangenheit, ein Ex verfolgt Sie, oder ein zufälliger Fremder macht ein Foto von Ihnen in der Öffentlichkeit und kann Sie dann im Internet identifizieren. All dies ist mit PimEyes möglich: Obwohl die Website die Nutzer anweist, nur nach sich selbst zu suchen, hält sie sie nicht davon ab, Fotos von anderen Personen hochzuladen…“ (ctvnews.ca)

Datenschützer weisen darauf hin, dass die Europäische Datenschutzverordnung solche Vorgänge (wahrscheinlich) nicht zulässt. Es gibt keinen Zweifel, PimEyes.com hat ein Geschäftsmodell am Laufen, mit dem sich Geld verdienen lässt. Wie lange das Polnische Unternehmen dies so durchführen kann, wird sich zeigen.

“PimEyes lässt Benutzer eine begrenzte Anzahl von kleinen, leicht verpixelten Suchergebnissen kostenlos sehen, oder sie können eine monatliche Gebühr bezahlen, (ab $29.99) um umfangreichere Suchergebnisse und Funktionen zu erhalten (um sich durchzuklicken, um Bilder in voller Größe auf den Websites zu sehen, auf denen PimEyes sie gefunden hat, und um Benachrichtigungen zu erhalten, wenn PimEyes neue Bilder von Gesichtern online findet). Das Unternehmen bietet auch einen kostenpflichtigen Plan für Unternehmen an: Für $299.99 pro Monat können Unternehmen eine unbegrenzte Anzahl von Suchvorgängen durchführen und 500 Warnmeldungen einrichten.“

PimEyes sieht das Ganze natürlich etwas anders. Auf der Website heisst es:

"Wir glauben, dass Sie das Recht haben, sich selbst im Internet zu finden und Ihre Privatsphäre und Ihr Bild zu schützen. Mit den neuesten Technologien, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen helfen wir Ihnen, Ihre Bilder im Internet zu finden und sich vor Betrügern, Identitätsdieben oder Personen zu schützen, die Ihr Bild illegal verwenden." 

Thursday, July 11, 2019

DSGVO: Wer am Ende die Millionenbussen bezahlt

Die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union ist vor gut einem Jahr in Kraft getreten und zeigt auch Wirkung. Gestiegen ist aber nicht nur der Schutzfaktor für Daten sondern auch der Aufwand für die beteiligten Firmen. Bereits wurden Bussen in Millionenhöhe ausgesprochen.

Marriott soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 110 Millionen Busse
bezahlen.                                                                          Wikimedia Commons
Die neuste Busse im Zusammenhang mit der Datenschutzverordnung trifft den Hotelkonzern Marriott International, der für den mangelhaften Umgang mit Kundendaten in einem Tochterunternehmen 110 Millionen Euro Busse bezahlen soll:
“Nach einer umfassenden Untersuchung hat die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office (ICO) mitgeteilt, dass sie beabsichtigt, den Hotelkonzern Marriott International wegen Verstößen gegen die Allgemeine Datenschutzverordnung (DSGVO) mit einer Geldbuße von 99.200.396 Pfund (110 Millionen Euro) zu belegen. Die Geldbuße bezieht sich auf einen Cyber-Vorfall, der dem ICO von Marriott im November 2018 gemeldet wurde. Eine Vielzahl von personenbezogenen Daten, die in rund 339 Millionen Gästeprofilen weltweit enthalten sind, wurden durch den Vorfall preisgegeben…“ (ZDNet.de)
Eine weitere Busse in Millionenhöhe war in England schon letzte Woche angekündigt worden. British Airways soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 183 Millionen Pfund (204 Millionen Euro) bezahlen. Die Geldbusse bezieht sich auf einen Sicherheitsvorfall, der dem ICO von British Airways im September 2018 gemeldet wurde. British Airways hatte damals eingeräumt, dass bei einem Hackerangriff die Adress- und Kreditkartendaten von 380‘000 Kunden kompromittiert wurden. Betroffen waren Kunden, die zwischen dem 21. August und dem 5. September eine Online-Buchung vorgenommen hatten.
Die Bussen scheinen einen Trend festzulegen. Nach einem Jahr DSGVO waren schon im Frühling dieses Jahres über 200'000 Verstösse gemeldet und Bussen in Höhe von knapp 56 Millionen Euro verteilt worden. Der teuerste Strafzettel in Höhe von knackigen 50 Millionen ging damals an Google. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten ihrer Gültigkeit 206'326 Verstösse gegen die DSGVO gemeldet. Bei 65'000 davon handelt es sich um Selbstanzeigen von Datenschutzbeauftragten der Firmen, die Datenlecks meldeten. Bei 95'000 handelt es sich um eigentliche Verstösse gegen die neue Verordnung, wie einem Bericht der EU zu entnehmen ist.

Verbraucher sollten bei derartigen Meldungen gemischte Gefühle haben: Einerseits zeigen die riesigen Bussen, dass die DSGVO tatsächlich ernst genommen werden muss und damit dem Datenschutz in der Wirtschaft einen neuen Stellenwert gibt. Auf der anderen Seite ist klar, wer am Ende die vielen Bussen bezahlt, die mit Sicherheit in den bodenlosen Kassen des behördlichen Verwaltungsapparates versickern werden: Es sind die Verbraucher. Bussen sind Kosten, und Kosten werden auf die Preise umgelegt. Deshalb sind solch hohe Bussbeträge durchaus nicht nur für die betroffenen Firmen eine Strafe, sondern eine zusätzliche Steuer für die Kunden der gestraften Unternehmen, die am Ende höhere Preise bezahlen müssen.

In der Wirtschaft gibt es durchaus auch nach einem Jahr DSGVO noch kritische Stimmen. Zwar lobt der Bundesverband der deutschen Industrie BDI gemäss Medienberichten die DSGVO als wichtigen Grundstein für einen gemeinsamen Markt in der EU, betont aber auch, dass die Verordnung teuer für die Unternehmen sei. Auch der BDI fordert mehr Rechtssicherheit ein. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) ermittelte in einer Befragung unter seinen Mitgliedern sogar spürbare negative Auswirkungen. So rechneten 39 Prozent der Digitalexperten in den 237 Mitgliedsunternehmen mit Umsatzeinbußen. 32 Prozent haben demnach ihre digitalen Aktivitäten eingeschränkt - was wohl nicht das Ziel der Datenschutzgesetze war.

Tuesday, June 19, 2018

Europa und die Zensurmaschine fürs Internet


Dass die Politiker der EU in Brüssel grosse Freude am Regulieren und Verbieten haben, ist allgemein bekannt. Nach der Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung, die erst so richtig anfängt, für Verwirrung und zusätzliche Betriebskosten zu sorgen, planen die Europäischen Spezialisten schon wieder einen Eingriff ins freie Internet: diesmal sollen nicht die Daten, sondern das Urheberrecht geschützt werden.

Europa will eine Urheberrechtsreform, die sich sehr negativ auf das Internet
auswirken könnte.                                                                          Bild pixabay
Doch es regt sich zum Teil massiver Widerstand. Die Angst vor der grossen Europäischen Zensurmaschine geht um. Europa will nämlich mit automatischen Filtern verhindern, dass geschützte Inhalte ins Netz geladen werden können:
“Am 20. Juni wird der Rechtsausschuss der Europäischen Parlaments in Brüssel über die EU-Urheberrechtsreform abstimmen. Für den größten Streit sorgt ein Artikel mit der Unglücksnummer 13, der Online-Plattformen dazu zwingen soll, Inhalte zu filtern, bevor sie von Nutzerinnen und Nutzern hochgeladen werden. Die Idee der Reform war eigentlich, die Urheberrechtsvorschriften in Einklang mit der digitalen Realität zu bringen und grenzübergreifende Hindernisse zu beseitigen. Stattdessen droht ein großer Schritt Richtung Kontrolle und Beschränkung des Netzes.“
So beurteilt der Österreichische „Standard“ die Urheberrechtsbemühungen der EU. Auch die Deutsche „Zeit“ ist nicht begeistert:
“ Die Kritik an der Reform ist heftig. In einem offenen Brief drückten zunächst Verlags- und IT-Verbände "tiefste Besorgnis" über die geplanten Änderungen aus. Vergangene Woche sprachen sich dann knapp 100 Europaabgeordnete dagegen aus. Sollte die Reform wie geplant durchgesetzt werden, könnte sie verändern, wie wir Inhalte im Internet finden, lesen und teilen. Während die Befürworter die Position der Rechteinhaber gegenüber Plattformen wie Google, YouTube und Facebook gestärkt sehen, warnen die Kritiker vor den Folgen: Das Internet der europäischen Verbraucher und Verbraucherinnen könnte um einiges kleiner werden.“
Die Zeit weist ausserdem darauf hin, dass es ähnliche Urheberrechtsprojekte gibt, die bereits gescheitert sind:
“Das Vorbild des Leistungsschutzrechts (auch: "verwandtes Schutzrecht für Verleger") kommt aus Deutschland: Im Jahr 2013 wurde hier das Urheberrechtsgesetz um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR) erweitert, mit dem eindeutigen Ziel, die deutschen Verlage zu schützen. Suchmaschinenanbieter und ähnliche Dienste sollten Lizenzverträge mit Verlagen abschließen, wenn sie deren Inhalte mit kurzen Vorschautexten zeigen wollen. Vor allem Google als Marktführer sollte dafür zahlen, in Diensten wie Google News Auszüge von Nachrichtenseiten zeigen zu dürfen. Auch in Spanien wurde ein ähnliches Gesetz eingeführt. In beiden Ländern gilt das Leistungsschutzrecht als gescheitert. Nicht nur zahlten die Onlinedienste weit weniger, als von den LSR-Befürwortern erhofft. Viele Publikationen erlaubten weiterhin die kostenlose Nutzung durch die Dienste – nicht zuletzt aus Angst, ohne deren Vorschauen Besucher auf ihren eigenen Homepages zu verlieren. In Spanien stellte Google seinen Newsdienst zudem komplett ein, was vor allem kleineren und unabhängigen Medien geschadet hat. Zu diesem Fazit kam eine Untersuchung, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben wurde, bis vergangenen Herbst aber unter Verschluss blieb.“
Was tun, wenn selbst die Medien, die eigentlich auch geschützt werden sollen, die EU-Pläne als gefährlich ansehen?
Wired Magazin hat einen Vorschlag:
“Manchmal möchte ich nur noch, dass sich die ganzen Großkonzerne ein eigenes Internet bauen. Dort können Sie dann ihre eigenen Shopping Malls errichten, die sie mit Kommerztempeln und Restriktionen zuballern können, um dann dafür monatlich 150 Euro Eintritt zu verlangen. Wäre bestimmt sehr erfolgreich – und der Rest der Welt hätte seine Ruhe. Im Ernst: Baut doch euer eigenes Internet und seht zu, wie ihr klarkommt.“