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Thursday, July 11, 2019

DSGVO: Wer am Ende die Millionenbussen bezahlt

Die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union ist vor gut einem Jahr in Kraft getreten und zeigt auch Wirkung. Gestiegen ist aber nicht nur der Schutzfaktor für Daten sondern auch der Aufwand für die beteiligten Firmen. Bereits wurden Bussen in Millionenhöhe ausgesprochen.

Marriott soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 110 Millionen Busse
bezahlen.                                                                          Wikimedia Commons
Die neuste Busse im Zusammenhang mit der Datenschutzverordnung trifft den Hotelkonzern Marriott International, der für den mangelhaften Umgang mit Kundendaten in einem Tochterunternehmen 110 Millionen Euro Busse bezahlen soll:
“Nach einer umfassenden Untersuchung hat die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office (ICO) mitgeteilt, dass sie beabsichtigt, den Hotelkonzern Marriott International wegen Verstößen gegen die Allgemeine Datenschutzverordnung (DSGVO) mit einer Geldbuße von 99.200.396 Pfund (110 Millionen Euro) zu belegen. Die Geldbuße bezieht sich auf einen Cyber-Vorfall, der dem ICO von Marriott im November 2018 gemeldet wurde. Eine Vielzahl von personenbezogenen Daten, die in rund 339 Millionen Gästeprofilen weltweit enthalten sind, wurden durch den Vorfall preisgegeben…“ (ZDNet.de)
Eine weitere Busse in Millionenhöhe war in England schon letzte Woche angekündigt worden. British Airways soll wegen eines Verstosses gegen die DSGVO 183 Millionen Pfund (204 Millionen Euro) bezahlen. Die Geldbusse bezieht sich auf einen Sicherheitsvorfall, der dem ICO von British Airways im September 2018 gemeldet wurde. British Airways hatte damals eingeräumt, dass bei einem Hackerangriff die Adress- und Kreditkartendaten von 380‘000 Kunden kompromittiert wurden. Betroffen waren Kunden, die zwischen dem 21. August und dem 5. September eine Online-Buchung vorgenommen hatten.
Die Bussen scheinen einen Trend festzulegen. Nach einem Jahr DSGVO waren schon im Frühling dieses Jahres über 200'000 Verstösse gemeldet und Bussen in Höhe von knapp 56 Millionen Euro verteilt worden. Der teuerste Strafzettel in Höhe von knackigen 50 Millionen ging damals an Google. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten ihrer Gültigkeit 206'326 Verstösse gegen die DSGVO gemeldet. Bei 65'000 davon handelt es sich um Selbstanzeigen von Datenschutzbeauftragten der Firmen, die Datenlecks meldeten. Bei 95'000 handelt es sich um eigentliche Verstösse gegen die neue Verordnung, wie einem Bericht der EU zu entnehmen ist.

Verbraucher sollten bei derartigen Meldungen gemischte Gefühle haben: Einerseits zeigen die riesigen Bussen, dass die DSGVO tatsächlich ernst genommen werden muss und damit dem Datenschutz in der Wirtschaft einen neuen Stellenwert gibt. Auf der anderen Seite ist klar, wer am Ende die vielen Bussen bezahlt, die mit Sicherheit in den bodenlosen Kassen des behördlichen Verwaltungsapparates versickern werden: Es sind die Verbraucher. Bussen sind Kosten, und Kosten werden auf die Preise umgelegt. Deshalb sind solch hohe Bussbeträge durchaus nicht nur für die betroffenen Firmen eine Strafe, sondern eine zusätzliche Steuer für die Kunden der gestraften Unternehmen, die am Ende höhere Preise bezahlen müssen.

In der Wirtschaft gibt es durchaus auch nach einem Jahr DSGVO noch kritische Stimmen. Zwar lobt der Bundesverband der deutschen Industrie BDI gemäss Medienberichten die DSGVO als wichtigen Grundstein für einen gemeinsamen Markt in der EU, betont aber auch, dass die Verordnung teuer für die Unternehmen sei. Auch der BDI fordert mehr Rechtssicherheit ein. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) ermittelte in einer Befragung unter seinen Mitgliedern sogar spürbare negative Auswirkungen. So rechneten 39 Prozent der Digitalexperten in den 237 Mitgliedsunternehmen mit Umsatzeinbußen. 32 Prozent haben demnach ihre digitalen Aktivitäten eingeschränkt - was wohl nicht das Ziel der Datenschutzgesetze war.

Tuesday, August 22, 2017

Airbnb und die Sonnenfinsternis

Die Sonnenfinsternis, die kürzlich die Amerikaner zu Tausenden in ihren Pfad gelockt hat, beweist nicht nur die Anziehungskraft astronomischer Phänomena, sondern sagt auch etwas über die Leistungsfähigkeit der Internetplattform Airbnb.

Wer im Bereich der totalen Sonnenfinsternis eine Unterkunft vermietete, konnte
einen guten Preis dafür verlangen.                              Bild Wikimedia Commons
Der Streifen, in dessen Bereich am 21.August die totale Sonnenfinsternis in den USA zu sehen war, wurde für diesen Tag zum beliebtesten Reiseziel in den USA. Davon profitierten unzählige Hotels und Retsaurants – aber eben auch Airbnb. Denn schliesslich mussten viele der Astrotouristen irgendwo übernachten, sei  es auf einem Zeltplatz, in einer Turnhalle oder in einem Gästezimmer. Hotels, Motels und offizielle Campingplätze hatten nicht die Kapazität, um den Ansturm zu bewältigen und die Zimmerpreise stiegen zum Teil extrem an. Auch Airbnb schnitt sich eine Scheibe vom Geschäft ab, wie fortune.com berichtet:
Mehr als 29’000 Privathäuser, Einzelzimmer, Zeltplätze und Wohmmobile wurden im Pfad der Sonnenfinsternis von Airbnb zur Vermietung angeboten. Mehr als 50‘000 Menschen mieteten eine dieser Unterkünfte.
Am Beispiel der Kleinstadt Rigby (4000 Einwohner) im US-Bundesstaat Idaho zeigt sich, welche Funktion Airbnb für viele Sonnenfinsternis-Touristen übernahm. In Rigby gibt es eine Pension und ein Motel – in der Nacht auf den 21. August 2016 verbuchten diese Unterkünfte eine einzige Übernachtung. Ein Jahr später, in der Nacht vor der Sonnenfinsternis, übernachteten 700 Menschen in Rigby – weil viele Privatpersonen per Airbnb  Schlafgelegenheiten vermieteten. Zwar waren diese nicht billig. Der Durchschnittspreis eines Airbnb betrug 127 US-Dollars – doppelt so teuer wie im letzten Jahr. Das Motel in der Stadt verlangte 330 Dollar pro Nacht – das Dreifache des normalen Preises.
Airbnb, eine Internetplattform, die inzwischen rund 31 Milliarden Dollar wert ist, benutzte die Gelegenheit, um amerikaweit mit Marketingaktionen auf sich aufmerksam zu machen – als günstigere Hotelalternative.
Und genau diese Nachricht kommt bei immer mehr Reisenden an. So berichtet die Wirtschaftsagentur Bloomberg, dass auch Geschäftsreisende immer öfter bei Airbnb mieten. Das Wachstum ist eindrücklich: im Jahr 2015 waren gerade mal 250 Unternehmen mit Airbnb für Geschäftsreisen registriert. Heute sind es 250‘000 Firmen.
Das beunruhigt natürlich auch Hotelunternehmer: “Der Neue verwüstet das Hotelzimmer“, übertitelte die NZZ kürzlich einen ausführlichen Artikel zum Thema. Zitat:
Airbnb […] besitzt kein einziges seiner Objekte, sondern vermittelt sie nur. Darum kann das Modell so rasch wachsen. Jeder kann heute mit Airbnb zum Hotelier werden, ob er ein Baumhaus im Garten stehen hat (das Beispiel ist nicht erfunden), ein Schloss besitzt oder ganz einfach Mieter einer Stadtwohnung ist. Eine Finanzierungsrunde hat dieses Jahr das privat gehaltene Jungunternehmen mit 31 Mrd. $ bewertet. Falls Airbnb in der nächsten Zeit an der Börse kotiert werden sollte und weiter an Wert gewinn, ist es denkbar, dass die Firma die ehrwürdige Hotelkette Marriott entthront.“