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Tuesday, February 4, 2014

Die Hassliebe der Narzissten

Zehn Jahre gibt es Facebook schon, das perfekte Tool der Neidgesellschaft. Gemäss eigenen Zahlen zählt das soziale Netzwerk über eine Milliarde registrierte Nutzer - wenn man die gefälschten, unechten oder sonst illegitimen Konten nicht abzieht, die immerhin gegen 10 Prozent der Gesamtzahl ausmachen sollen. In der Schweiz gibt es rund 3 Millionen Nutzer. Facebook ist von einem Studenten-Tool zu einer Börsenkotierten Firma geworden, die verrückte 130 Milliarden Dollar Wert ist. Die interessanteste Frage, die sich heute stellt, ist jene nach der Zukunft. Wird Facebook die nächsten 10 Jahre als milliardenschweres Unternehmen überleben? Oder wird es überaltern, uncool werden, Nutzer verlieren und enden wie MySpace?

Es deutet vieles daraufhin, dass Facebook an seinem zehnten Geburtstag den Zenit schon überschritten hat. Vor allem junge Anwender wenden sich ab, hört man; Teenager wollen sich nicht mit Papi und Mami im gleichen digitalen Umfeld tummeln. Wer kann es ihnen verübeln. Trotzdem ist es heute äusserst schwierig, eine Prognose für die nächsten 10 Facebook-Jahre zu erstellen Twitter hin oder her.  Interessante Berichte zum Thema gibt es aber allemal. Zum Beispiel vom Spiegel-Online Amerika-Korrespondenten, der selber nicht so richtig weiss, wieso er mitmacht:
“Facebook hat mich zu einem Narzissten gemacht. Oder besser, es hat den Narzissten in mir hervorgebracht. Gleichzeitig rege ich mich natürlich über den offenen Narzissmus anderer auf. Facebook ist zu einer Doku-Soap geworden, die ich hasse, bei der ich aber mitspiele […]. "Time" hat ein Onlinewerkzeug veröffentlicht, das berechnen soll, wie viel Zeit man auf Facebook verschwendet hat. Mein Ergebnis: 169 Tage, sechs Stunden und 35 Minuten. Fast ein halbes Jahr, verschluckt im blauen Loch. Darüber denke ich jetzt mal nach und teile das dann.“
Auch bei zeit.de stellt man sich die Frage: "Wollen wir wirklich noch einmal zehn Jahre mit Facebook verbringen?“
“Heute sind wir dank Facebook mittendrin im Leben der anderen und finden es völlig normal: Wir sehen, wie Bärbel aus der achten Klasse durch Venedig läuft und dass Jörg am Wochenende wieder mit den Fußballern saufen war. Wir bekommen mit, wie so mancher Beziehungsstatus zwischen Freitag und Montag von "Single" zu "In einer Beziehung" und wieder zu "Getrennt" wechselt. Je mehr obskure Freunde und Likes man bekommt, desto satisfaktionsfähiger glaubt man zu sein. Deine Schwiegermutter ist Facebook beigetreten – jefällt ma! Lieschen Müller hat zum fünften Mal ein Foto einer veganen Currywurst gepostet – jeht ab! Oversharing heißt der Begriff für das Teilen privater Details mit einer Öffentlichkeit, und nach einer aktuellen Umfrage geht es 36 Prozent aller Nutzer auf den Keks. Davon abhalten tut es trotzdem nur die Wenigsten.“
Die NZZ fokussiert mehr auf die wirtschaftliche Seite des Geburtstagskinds:

“Mark Zuckerbergs Vermögen entspricht heute etwa dem Bruttosozialprodukt Nepals. Die neusten Geschäftszahlen stimmten die Anleger froh, Facebook wächst. Zurzeit erobert das Netzwerk gerade den Markt der Nutzer mobiler Geräte. Die seit Anfang 2012 an der Börse gehandelte Aktie wird allseits zum Kauf empfohlen. Facebook macht aus Nutzerdaten Dollars. Doch die eigentliche Währung ist die Treue seiner Nutzer. Solange diese ihre Daten zur Verfügung stellen, läuft die Maschinerie lustig weiter. Doch das Internet ist ein Haifischbecken motivierter Jungunternehmer, wie Mark Zuckerberg selbst einer ist. Und die Konkurrenz versucht mit aller Kraft, dem Giganten den Rang abzulaufen…“

Friday, August 21, 2009

Ist das Medium die Nachricht?

Zu dieser Theorie des Kanadischen Kommunikationsforschers Marshall McLuhan ("The medium is the message") sind uns zwei aktuelle Meldungen aufgefallen. Die erste betrifft Twitter, jenes Internet-Phänomen, das in den letzten Jahren so stark an Popularität gewonnen hat. Twitter hat ein bestimmendes Merkmal: Die Länge der verbreiteten Nachrichten entspricht etwa jener einer SMS-Nachricht. Das heisst, dass Twitter-Texte entweder kurz und konzis oder eben kurz und nichtssagend sind. Eine Untersuchung scheint zu beweisen, dass das Zweite der Fall ist. Die Marktforscher der Texanischen Firma Peer Analytics haben den Twitter-Verkehr analysiert und herausgefunden, dass es sich bei 40 Prozent aller Tweets um "sinnloses Geplapper" ("pointless babble") handelt. 37 Prozent der Tweets gingen hin und her, wurden also immerhin als Kommunikationsform eingesetzt. Immerhin 9 Prozent aller Tweets wurden weitergeleitet (was, wie jeder Empfänger von weitergeleiteten Mails weiss, auch nicht viel über deren Qualität aussagt). Der Rest war Werbung, Spam und News. In denn USA beteiligen sich laut Nielsen Company immerhin 10 Prozent der aktiven Internet-User am Twitter-Phänomen. Wer nun automatisch annimmt, dass es sich bei den meisten dieser Anwender um junge Leute handelt, die sowieso meistens im Kurzformat kommunizieren, hat sich getäuscht. Nur ganze 16 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Zum Vergleich: 20 Prozent der Twitterer sind über 55 Jahre alt.Das sieht bei anderen Social-Networking-Sites anders aus. Eine Umfrage in England hat ergeben, dass sich viele Jugendliche bei der Kommunikation im Net wohler fühlen, als im richtigen Leben - vor allem wenn sie über sich selbst sprechen (schreiben). Zitat aus einem Artikel des London Telegraph:
"A survey of British MySpace users aged 14 to 21 found that 36 per cent found it
easier to talk about themselves online than in the real world and thought their
online friends knew more about them than their off-line ones.In their real life
social scene, nearly three quarters (72 per cent) of youngsters said they felt
"left out" and that they did not fit into any particular social group.And more
than four fifths (82 per cent) reported moving between four or more different
groups of friends as they found it more and more difficult to be accepted."

Die Jugendlichen finden es also leichter, im digitalen Umfeld akzeptiert zu werden, als in der harschen Wirklichkeit. Deshalb sind sie Online auch gesprächiger als im richtigen Leben. Mag darin ein Rezept liegen, um mit der MySpace-Generation zu kommunizieren? Oder könnte es heissen, dass die Social-Network-Kinder im richtigen Leben immer Kommunikationsschwierigkeiten haben werden?