Zwar hat
der Bitcoin-Kurs nach dem kürzlichen Höhenflug wieder etwas nachgegeben, er
liegt heute Donnerstag bei gut 44‘000 Franken. Trotzdem scheint sich die
Kryptowährung momentan in einer Phase zu befinden, die man als Solidifikation bezeichnen
könnte. Das zeigt sich unter anderem dadurch, dass man im Schweizer Kanton Zug jetzt sogar
seine Steuern mit Bitcoin begleichen kann.
Bitcoin entwickelt sich zum vollwertigen Zahlungsmittel. Bild Pixabay
“In Zug
kann man ab 2021 mit der «Währung der Kriminellen» Steuern zahlen“ titelt die NZZ. Dass die Titelschreiber
seltsam berührt sind, überrascht nicht. Bitcoin hat sich in den letzten Jahren
vor allem als Spekulationsobjekt und als Erpresserwährung
im Falle von Ransomware-Attacken etabliert. Das scheint die Finanzbehörden im Kanton
Zug nicht zu stören: Der Kanton Zug
könne so die Dynamik im Crypto Valley nutzen sowie die Vorreiterrolle des
Kantons im Krypto-Bereich festigen und in die Welt hinaustragen, sagt der
Finanzdirektor Heinz Tännler. Der Kanton Zug beheimatet eine
überdurchschnittlich grosse Anzahl Unternehmen aus der Krypto-Branche. «Als
Heimat des Crypto Valleys ist es uns wichtig, den Einsatz von Kryptowährungen
im Alltag weiter zu fördern und zu vereinfachen», sagt Finanzdirektor Heinz
Tännler und fügt an: «Durch die Möglichkeit, Steuerschulden mit Bitcoin oder
Ether bezahlen zu können, machen wir einen grossen Schritt in diese Richtung.»
Die Steuerbegleichung mittels Kryptowährung wird sowohl Gesellschaften als auch
Privatpersonen bis zu einem Forderungsbetrag von 100'000 Franken zur Verfügung
stehen. Teilzahlungen werden nicht akzeptiert.
Möglich gemacht wird die Steuerbegleichung mit Kryptowährungen durch die
Crypto-Payments-Lösung des im Kanton Zug ansässigen Unternehmens Bitcoin
Suisse. Wollen Steuerzahlende ihre Rechnung in Kryptowährung bezahlen, können
sie dies der Steuerverwaltung mitteilen. Sie erhalten danach den dafür
notwendigen QR-Code zugestellt. Finanzdirektor Heinz Tännler stellt klar: «Wir
gehen mit der neuen Zahlungsmethode kein Risiko ein, da wir den Betrag auch bei
einer Bezahlung in Bitcoin oder Ether immer in Schweizer Franken erhalten.»
Somit haben auch grössere Schwankungen im Krypto-Wechselkurs keinen Einfluss
auf die geleistete Zahlung in Schweizer Franken.
Die Handelszeitung
sieht in diesen Kursschwankungen einen guten Grund, das Angebot der Steuerbehörden anzunehmen, da es eine einfache Möglichkeit biete, Bitcoin und Ether zu
den aktuellen Höchstkursen zu Geld zu machen:
“Wer die Geschichte von Bitcoin und Ethereum kennt, weiss: Nach dem Hoch folgte
oft ein Tief – die Kursen der Kyptowährungen gleichen Achterbahnfahrten. Wer
sein Geld in Zug versteuert und einen Kurstaucher befürchtet, sollte rasch zur
Steuerrechnung greifen…“
Nachdem Facebook im Juni bekanntgegeben
hatte, man wolle in Genf eine neue Welt-Kryptowährung lancieren, um den Umgang
mit Geld endlich auch auf der Verbraucherseite ins digitale Zeitalter zu
katapultieren, herrschte eine gewisse Ratlosigkeit. Facebook? Ausgerechnet!
Diese Ratlosigkeit hat sich inzwischen bei gewissen Banken und Behörden in Gegnerschaft
verwandelt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.
Facebook hat - selbstverständlich - ganz
grosse Pläne. Libra soll die erste
digitale Weltwährung überhaupt werden, um Milliarden von Menschen den Umgang
mit Geld zu erleichtern:
“Die Technologieunternehmen haben ganze
Arbeit geleistet, indem sie den Konsumenten den Zugang zu traditionellen
Warenangeboten und Dienstleistungen vereinfacht und vergünstigt haben oder
indem sie neue einführten. Nur im Geld- und Finanzbereich scheint das bis jetzt
noch nicht überall so zu sein. Dort ist vieles noch umständlich, teuer, und es
dauert lange – zum Beispiel der Geldtransfer in bestimmte Regionen im Ausland.
Für zu viele Menschen sehen heute Teile des Finanzsystems immer noch aus wie
die Telekommunikationsnetze vor der Einführung des Internets. 1,7 Milliarden
Erwachsene weltweit haben nur eingeschränkten oder überhaupt noch keinen Zugang
zu Finanzdienstleistungen, obwohl sie solche dringend benötigten und obwohl die
meisten von ihnen ein Mobiltelefon besitzen. Ihr hart verdientes Einkommen wird
zudem oft aufgefressen durch hohe Gebühren, angefangen bei den Kosten von
Überweisungen bis hin zu Überziehungs- und Geldautomatengebühren.“ (NZZ)
Gebühren und Strukturen im althergebrachten
System wären also gefährdet, falls der Facebook-Plan Wirklichkeit würde, und
auch die Behörden hätten in vielen Fällen das Nachsehen, wenn grosse Teile des zukünftigen
digitale Geldverkehr anonymisiert werden könnte (siehe auch: Erpresserwährung
Bitcoin). Kein Wunder, dass beim Establishment Gegenwind aufkommt:
“Laut einem […] Bericht der
Nachrichtenagentur Bloomberg formiert sich bei den Wettbewerbshütern der
Europäischen Union (EU) Widerstand gegen die vom Internet-Riesen Facebookangekündigte Einführung der Digitalwährung
„Libra“. Die EU-Kommission untersuche derzeit „potenziell wettbewerbswidriges
Verhalten“, hieß es in dem Artikel. Bloomberg beruft sich auf ein Dokument, das
der Agentur vorliege. In der EU-Kommission gebe es demnach Bedenken, dass
Facebook mit dem Bezahlsystem Libra Wettbewerber ausschließen werde. Der
Internetkonzern könnte damit „mögliche Wettbewerbsbehinderungen“ schaffen. Wie
Bloomberg weiter berichtet, befindet sich die Untersuchung der EU-Kommission
noch in einem frühen Stadium. Weder die EU-Kommission noch Facebook wollten
einen Kommentar dazu abgeben…“ (focus.de)
Auch im Schweizerischen Crypto Valley, wo
sich die Blockchain-Technologen zusammenfinden, herrscht nicht nur eitel Freude
über die Ankunft von Libra in der Schweiz - auch weil es schwierig zu sein
scheint, Kontakt zu den Initianten herzustellen. Auch sonst hat man Respekt vor
der Übermacht der Amerikaner. Mit Libra sei ein Elefant in die Schweizer
Krypto-Branche eingetreten, der viele kleinere Projekte in den Schatten stelle,
schreibt die NZZ
gerade mal zwei Monate nach der Libra-Ankündigung:
“Dass wir auf den Radar des US-Regulators
geraten, ist das Letzte, was wir brauchen können», sagt ein Interessenvertreter
aus dem Crypto Valley. Das Projekt des globalen Blockchain-basierten
Zahlungssystems drohe von einem globalen Fintech-Vorhaben zu einem Aspekt der
US-Aussenpolitik zu werden.“