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Friday, August 21, 2020

Die Schweizer Demokratie als strategisches Handy-Game

Die Liberale Schweizer Denkfabrik Avenir Suisse will das Verständnis für die Demokratie mit einem Handy-Game steigern. "Democratia - The Isle of Five" heisst das Spiel, das für Smartphones und Tablets konzipiert ist. Es bietet den spielerischen Zugang zur direkten Demokratie der Schweiz und simuliert den politischen Diskurs. Das Game steht ab sofort gratis und in fünf Sprachen - inklusive Rätoromanisch - zum Download im Apple Store und im Google Play Store bereit.
Computerspiele sind dafür geeignet, komplexe Themen in einem interaktiven Rahmen zu behandeln. Warum also nicht Inhalte, mit denen man sich üblicherweise in Studien und Blogs beschäftigt, als Spiel simulieren? "Democratia - The Isle of Five" thematisiert zentrale Elemente der schweizerischen Demokratie auf unterhaltsame Weise und wurde in Zusammenarbeit mit den renommierten Zürcher Blindflug Studios entwickelt.
Das Game ist ein virtuelles Brettspiel für bis zu fünf Spieler und stellt die Schweiz als eine Insel mit fünf verschiedenen Clans dar. Jede Spielerin oder jeder Spieler führt einen dieser Clans an, mit dem Ziel, dessen Ressourcen zu vermehren und die eigene politische Agenda durchzusetzen. Wie in der Schweiz gibt es regelmässige Volksabstimmungen. Aber nicht nur diese beeinflussen den Spielverlauf und die Ressourcenverteilung, sondern auch allerlei zufällige Ereignisse, von denen einige sich an die Realität anlehnen, während andere der freien Phantasie entspringen. Aber so sehr sich die verschiedenen Gruppen für die eigene Sache einsetzen, immer müssen sie auch das Schicksal der anderen Stämme im Auge behalten. Der Kern des Spiels lehnt sich an die Wirklichkeit an: Zusammenarbeit ist unabdingbar; wenn ein Clan zugrunde geht, bedeutet das auch für die anderen Teilnehmer das Ende – Game over.
"Democratia" soll Spass machen, aber auch zu Diskussionen anregen, und auzeigen, dass es für die erfolgreiche Weiterentwicklung unseres Landes nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kooperation braucht. Die Spieler müssen verschiedene strategische Entscheidungen treffen: Ziehe ich die Ressourcen von anderen ab (indem ich ihre Clanmitglieder stehle) oder setze ich eher auf die hohe Motivation des eigenen Clans? Und wie kann ich die Abstimmungsergebnisse am besten im Sinne meines Clans beeinflussen? Der Kern des Spiels lehnt sich an die Wirklichkeit an: Zusammenarbeit ist unabdingbar; wenn ein Clan zugrunde geht, bedeutet das auch für die anderen Teilnehmer das Ende – Game over. Für intensive Diskussionen ist gesorgt - ob am Familientisch, im Freundeskreis oder in einem Schulzimmer.
Die Zeitung Blick hat das Spiel bereits ausprobiert und ist angetan:
“Erstaunlich ist, wie gut das Game optisch und technisch funktioniert. Auch wenn Avenir Suisse nicht sagen will, wie viel Geld dafür investiert wurde, die App ist eine Top-Produktion auf internationalem Niveau. Kein Wunder bei dem Partner: Entwickler sind die Blindflug Studios aus Zürich. Die Game-Spezialisten sind international bekannt und haben mit ihren Ideen die Ausschreibung von Avenir Suisse gewonnen.“
Das Game ist nicht nur für Schweizerinnen und Schweizer gedacht, sondern für alle, die Interesse an politischen Fragestellungen und an Strategiespielen haben. Es ist in fünf Sprachen spielbar: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und - auch in Rätoromanisch. Das Spiel ist gratis und enthält keinerlei In-App-Käufe.

Tuesday, April 28, 2020

Gehört wird, wer am lautesten reklamiert

Die Coronavirus-Pandemie beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen - auch in der Schweiz. Andere Themen werden in diesen Zeiten der alles bestimmenden Seuche kaum mehr diskutiert, auch wenn sie sich ebenfalls stark auf die Zukunft der Gesellschaft auswirken können. Dazu gehört auch der neue Mobilfunkstandard 5G, der in der Schweiz bereits punktuell angewandt wird, nun aber durch den Bundesrat gebremst wird.

Eine temporäre 5G-Antenne an der SBB Teststrecke
Biberlikopf-Kerenzerberg.             Bild Kecko/flickr
Die Epidemie hat nicht nur Panik, Ängste und eine Rezession sondern auch einen Digitalisierungsschub ausgelöst und damit die Kommunikationsnetze in vielen hochentwickelten Ländern an ihre Grenzen gebracht. Auch in der Schweiz funktionierte die Kommunikationsinfrastruktur nicht ohne Störungen. Die Situation unterstreicht die Bedeutung einer leistungsfähigen Telekominfrastruktur. Parallel zu dieser Krise läuft die Modernisierung genau dieser Kommunikationsinfrastruktur, die allerdings mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G von verschiedenen Bürgerbewegungen und Politikern nicht gern gesehen und auch lautstark bekämpft wird. Neben drastischen Einschränkungen des Mobilfunks, dessen  Allgegenwärtigkeit gerade in der Schweiz unbestritten ist, wird teilweise sogar ein landesweites 5G-Moratorium gefordert. Die Gegner des neuen Standards haben sich bis jetzt gekonntGehör verschafft, als Befürworter meldeten sich, wen wundert’s, vor allem die Telekommunikationsunternehmen, die bereits viel Geld für die 5G-Frequenzen und den Bau von Antennen ausgegeben haben:
“Der Bund hat die für 5G nötigen Frequenzen vor über einem Jahr für 380 Millionen Franken versteigert. Und die drei Mobilfunkanbieter haben in der Schweiz bereits rund 2500 Antennen mit der neuen Technologie ausgerüstet. Doch Salt, Sunrise und Swisscom haben die Katze im Sack gekauft. Weil der Bund trödelt, ist unklar, welche Rahmenbedingungen künftig für 5G-Antennen gelten werden. Der Schiedsrichter hat das Spiel gleichsam angepfiffen, bevor klar war, nach welchem Regelwerk gespielt wird.“ (nzz.ch)
Jetzt meldet sich auch die Denkfabrik Avenir Suisse mit einer Studie zu 5G zu Wort. Die Untersuchung zeige, wie bedeutend eine moderne Telekominfrastruktur für Innovation und Fortschritt sei:
“Dass ein globales Wettrennen um 5G entbrannt ist, überrascht angesichts der Chancen dieser neuen Technologie nicht. Erstaunlich ist die Situation hingegen in der Schweiz, denn das Verdikt der Wissenschaft ist klar: In über 40 Jahren Mobilfunk konnten unterhalb der geltenden Grenzwerte schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit nicht konsistent nachgewiesen werden. Trotzdem erfahren Mobilfunkgegner hierzulande kaum Widerspruch, weshalb bereits heute die Modernisierung der Telekominfrastruktur verzögert wird. Das droht den nun laufenden Digitalisierungsschub abzuklemmen.“
Aus Sicht von Avenir Suisse bestehe deshalb Handlungsbedarf: Der Bund dürfe sich nicht länger vor seiner Verantwortung drücken. Es gelte, dem wissenschaftsfeindlichen Narrativ entschiedener entgegenzutreten. Auch die NZZ bläst ins gleiche Horn. Dass der Bundesrat den weiteren Ausbau verzögere, sei ein Armutszeugnis:
“ Vorsicht mag gerade in diesen Zeiten vernünftig klingen. Doch alles hat seinen Preis. […] Ohne Lockerung des Strahlenschutzes dürften für ein zukunftsfähiges 5G-Netz rund 26‘000 zusätzliche Antennen notwendig sein. Der Aufbau würde bis zu 30 Jahre dauern und fast 8 Milliarden Franken verschlingen. Der dadurch erkaufte Vorteil in Form von tieferer Strahlenexposition der Bevölkerung wäre marginal. Etwa 90 Prozent der Mobilfunkstrahlung, der wir im Alltag ausgesetzt sind, stammen von unseren Handys. Jene, die von Antennen gesendet wird, ist dagegen vernachlässigbar.“