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Monday, November 12, 2018

Alibaba: Singles-Day-Umsätze, die eigentlich gar keine sind

Die Europäischen Medien und E-Commerce-Veranstalter sind schon länger vom Singles-Day in China fasziniert. Das ist verständlich: Jedes Jahr gibt es neue Umsatzrekorde, und es scheint als ob der steile Anstieg der Verkaufskurve für Online-Plattformen wie Alibaba gar nicht mehr zu stoppen wäre. Die Zahlen sind tatsächlich eindrücklich, aber längst nicht so gewaltig, wie es die Händler gerne hätten.


Alibaba ist das grösste chinsesische IT-Unternehmen.                     alibaba.com
Alibaba ist eine riesige Chinesische Verkaufsplattform, wo es quasi nichts gibt, das es nicht gibt. Alibaba ist das grösste IT-Unternehmen in China und bedient nicht nur den riesigen und weiter wachsenden chinesischen Markt, sondern, zu einem gewissen Grad, auch die restliche Welt. Und jedes Jahr am Chinesischen Singles Day publiziert das Unternehmen aufsehenerregende “Umsatzzahlen“, die von den globalen Medien gefeiert und weiterverbreitet werden. Aber es gibt ein Problem: Auch wenn fast alle Publikationen von Umsätzen, Einnahmen oder gar von Profiten sprechen, handelt es sich bei den Alibaba-Zahlen um etwas anderes. ZDNet.de definiert richtig:
“Bis um Mitternacht gingen laut Alibaba Bestellungen mit einem Brutto-Handelsvolumen (Gross Merchandise Value, GMV) von 30,8 Milliarden Dollar ein – und damit 27 Prozent mehr als im letzten Jahr […]Tatsächlich entspricht das Gross Merchandise Volume nicht den Umsatzerlösen (Net Sales), da Rabatte, verbundene Kosten und retournierte Produkte keine Berücksichtigung finden.“
Mit anderen Worten: Wenn Alibaba 100 Fernseher für 250 Dollar verkauft, die es vorher mit 1000 Dollar pro Stück bewertet hat, landen 100‘000 Dollar in der Verkaufsstatistik. Die Amerikanische Wirtschaftsagentur Bloomberg kritisiert denn auch die Veröffentlichung dieser Zahlen scharf, da sie keine Aussagekraft hätten. Alibaba-Gründer Jack Ma habe das schon vor zwei Jahren zugegeben, schreibt die Publikation:
“Das hat Alibaba und zahlreiche Medien aber nicht davon abgehalten, diese Zahlen jeden 11. November herauszuposaunen. Sie sollten alle damit aufhören. Während Singles-Day-GMV seit seiner ersten Inkarnation im Jahr 2009 exponentiell gestiegen ist, haben Umsatz und Gewinn nicht Schritt gehalten […] Das ist wichtig, denn Chinas Wirtschaft verlangsamt sich. Alibaba und seine Mitbewerber, darunter Baidu Inc. und Ctrip.com International Ltd., beginnen dies zu spüren.“
Der Bloomberg-Autor sagt voraus, dass Alibaba in Zukunft aufhören wird, Singles-Day-GMV zu veröffentlichen. Irgendwann werde es keinen neuen Rekord mehr geben, was der Stimmung und dem Image abträglich wäre. 
Tatsächlich kann Alibaba riesige "echte“ Umsätze verbuchen. Und die weltweiten Medien würden bestimmt auch darüber berichten. Nutzbringend wäre es allerdings, wenn die Berichterstattung zu diesem Thema schon heute realistischer wäre.

Wednesday, September 24, 2014

E-Commerce mit “dem Geruch unaufgeräumter Billigläden“?

Es sind einige Tage vergangen, seit Alibaba aus dem fernen China in New York an die Börse aller Börsen ging und dort einen fulminanten Start hinlegte. Inzwischen ist Alibaba-Gründer Jack Ma 25 Milliarden US-Dollar wert und ist zum reichstenMann Chinas avanciert. Doch was steckt eigentlich hinter dem gigantischen Chinesischen E-Commerce-Unternehmen, und wie geht es nun weiter? Werden die Karten im globalen Internet-Shopping neu gemischt? Wird Alibaba zum Joker, der Amazon schlagen kann?

Von Unterwäsche bis zu ganzen Abwasserreinigungsanlagen findet sich auf alibaba.com
so ziemlich alles. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Aktie des E-Commerce-Giganten
hält, was sie versprochen hat - trotz  kulturellen Gräben, die noch zu überwinden sind.
Auch wenn Alibaba an der Börse absolut grandios startete, ist bei weitem nicht klar, ob sich da eine Spekulationsblase gebildet hat, deren Luft schon bald zumindest teilweise entweichen könnte. Es gibt einige Börsenspezialisten, die der Sache nicht trauen. Zitat aus der Zeit:
“Normalerweise werden Erstinvestoren verpflichtet, in den ersten Monaten an ihren Aktienanteilen festzuhalten. Mit diesen sogenannten Lockup-Vereinbarungen soll verhindert werden, dass gleich zu Beginn des Börsengangs die Ursprungseigentümer ihre Anteile verkaufen und einen Kurssturz auslösen. Beim Facebook-Börsengang etwa durfte kein einziger Erstinvestor seine Aktien loswerden. Im Fall von Alibaba gilt diese Einschränkung nach Angaben des Wall Street Journals bei etwa einem Drittel der bisherigen Eigentümer nicht. Sie dürfen ihre Anteile sofort verkaufen. Und einige haben das auch vor: Allen voran Jack Ma selbst hat angekündigt, dass er 12,7 Millionen Aktien loswerden und seinen Anteil an Alibaba von rund acht auf dann etwa sechs Prozent senken will. Das macht ihn um einen Schlag um eine halbe Milliarde Dollar reicher.“
Wer investieren will, sollte sich vorher sowieso mal ganz gut informieren. Einen Gelegenheit zur rudimentären Information bietet eine detaillierte Übersicht vonSpiegel Online, die in zumeist grafischer Form den Aufbau und Hintergrund von Alibaba erklärt. Dort erfährt man unter andserem, dass das Bezahlsystem von Alibaba, genannt Alipay, oft mit Paypal verglichen wird, aber doch entscheidend anders ist:
Anders als beim US-Dienst bekommt der Verkäufer sein Geld allerdings erst ausgezahlt, wenn der Käufer seine Zufriedenheit mit dem Produkt bestätigt hat. Eine Bezahlvariante, die gerade in Ländern mit schwachem Rechtsstaat Vertrauen schaffen soll. Jede zweite Transaktion im chinesischen Internet wird inzwischen über Alipay abgewickelt, auch in anderen Entwicklungsländern ist der Dienst beliebt.“
 Die Begeisterung über Alibaba ist nicht überall gleich gross. Die Frankfurter Allgemeine hat sogar eine Sortiments-Kritik des Chinesischen E-Commerce-Unternehmens veröffentlicht - und zwar nicht irgendwo, sondern im Feuilleton:

Wer jetzt auf die Website german.alibaba.com klickt, auf der das Unternehmen seine Angebote in deutscher Sprache präsentiert, stößt schon auf den ersten Seiten auf lauter Produkte, von denen her einen weniger die dünne Luft einer Weltfirma als der strenge Geruch unaufgeräumter Billigläden anweht: Tätowiermaschinen, sexy türkische Dessous, Knoblauch. Eine „Schönheitsmaschine“, die wie ein Staubsauger aussieht, taugt sowohl für Haarentfernung, Hautverjüngung, Aknebehandlung als auch Pigmentkorrektur. Ein „schöner Engel-Flügel“ ist als Geschenk bei Gelegenheiten wie „Jahrestag, Hochzeit und Partei“ geeignet. Er kostet nur 1,29 Dollar, muss aber in einer Stückzahl von mindestens 100 abgenommen werden. Mehrmals annonciert wird unverarbeitetes Haar brasilianischer Jungfrauen, das eine Firma in Guangzhou offeriert, die, wie alle anderen Anbieter bei Alibaba, „vor Ort überprüft“ wurde…“