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Sunday, November 29, 2015

Cash, Bitgold oder Bitcoin?

Bargeld ist zwar immer noch beliebt – vor allem in der Schweiz – aber inzwischen gibt es zahlreiche andere Bezahlmethoden, die langfristig sogar an der Vorherrschaft der staatlich sanktionierten Währungen rütteln könnten. Zum Beispiel Bitcoin und Bitgold, die immer mehr Anwender finden. Der digitale technologische Fortschritt, der virtuelle Währungen erst möglich macht, eröffnet auch die theoretische Möglichkeit, Bargeld ganz abzuschaffen.

Cash, der in der Tasche klingelt, bekommt immer mehr Konkurrenz.
                                                                                                      Bild PfW
Etatisten und Bürokraten sehen diese Entwicklung wahrscheinlich nicht ungern:  Geldströme lassen sich nämlich umso besser verfolgen, je weniger Bargeld darin fliesst. Das ist wohl ein Grund dafür, dass sowohl in Italien als auch in Frankreich Barzahlungen von über 1000 Euro illegal sind. Und der Trend wird wohl weiter in die gleiche Richtung gehen, wie in einer Kolumne der Handelszeitung erklärt wird:
“Im letzten Jahr hielt der bekannte amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff am ifo Institut in München einen Vortrag, in dem er auch die Abschaffung des Bargeldes vorschlug und die Vorteile einer bargeldlosen Wirtschaft anpries. Bargeld, so Rogoff, würde die Kriminalität begünstigen. Ohne Bargeld könne man Kriminalität wesentlich besser bekämpfen. Auch Negativzinsen könnten besser durchgesetzt werden. “Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zinsen weiter zu senken“, so der bekannte Krisenökonom. Vor kurzem hat Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, als erster Notenbankpolitiker die Abschaffung des Bargeldes gefordert.“
Doch ganz so einfach wird es für die Politik nicht sein, die Geldströme in den Griff zu bekommen – schliesslich gibt es immer noch Bitcoin, jene virtuelle Währung die seit Jahren weltweit eingesetzt wird. Bitcoin ist vielen Vertretern staatlicher Wirtschaftsordnungen ein Dorn im Auge. Gemäss aktuellen Schätzungen sind heute rund 15 Millionen Einheiten der Währung im Umlauf,  was zirka 4,5 Milliarden Euro entspricht. Zitat aus einem Artikel auf zeit.de:
“Die Justiz- und Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten haben die Europäische Kommission aufgefordert, Vorschläge zu machen, wie sich virtuelle Währungen stärker kontrollieren lassen. Auch die Gruppe der sieben größten westlichen Wirtschaftsnationen soll sich auf ähnliche Ziele verständigt haben, meldete der Spiegel. Die Regierungen nehmen vor allem Bitcoins ins Visier – weil sie überzeugt sind, dass Terrororganisationen damit Geld bei ihren Unterstützern einsammeln und an Kämpfer weitergeben können. […]  Es liegt in der Natur der digitalen Währung, dass sich kaum nachvollziehen lässt, wer mit wem handelt. Bitcoins werden von einem Netz aus Tausenden dezentralen Computern verwaltet, den Minern. Deswegen sind alle Bitcoin-Zahlungen öffentlich: Jede Transaktion wird in einer einsehbaren Datenbank im Netz dokumentiert – wie in einem dicken Buch, das permanent um neue Seiten ergänzt wird. In diesem Buch lässt sich zwar nachlesen, welcher Adressat wie viele Bitcoins erhalten hat und wie viele er aktuell besitzt. Doch das gesamte Buch ist in einer Geheimsprache geschrieben: Wer genau sich hinter einer Adresse verbirgt, ist unklar, solange er sich nicht selbst zu erkennen gibt.“
Es ist nicht verwunderlich, dass es Landeswährungen gibt, die man nur zu gerne gegen Bitcoins eintauschen würde. Für User, die ihrem herkömmlichen Geld nicht mehr trauen, gibt es allerdings seit kurzem eine bessere Alternative: Bitgold bietet die Möglichkeit, echtes Gold zum Sparen und Bezahlen einzusetzen. Aus einem Bericht der NZZ:
“Der im Mai 2015 gestartete Dienst erlaubt es, in Gold zu sparen und damit weltweit zu bezahlen. Seither haben sich über 400 000 Nutzer angemeldet, die für 15 Mio. $ Gold gekauft haben. Damit wächst die Nutzerzahl schneller als bei Facebook oder Uber in den Anfängen. Der Nutzer kann sein Bitgold-Konto per PC oder Smartphone-App verwalten. Gold kauft er mittels Überweisung oder Kreditkarte. Es wird weltweit in mehreren Tresoren der Sicherheitsfirma Brinks gelagert – auch in Zürich. Bitgold selbst hat keinen Zugriff darauf, sondern zeichnet in einem zentralen digitalen Register auf, welches Gramm im Tresor wem gehört. Geht die Firma bankrott, gehört das Gold dem Nutzer.“

Was für eine Idee: Geld mit Gold abzusichern - aber hat es das im vordigitalen Zeitalter nicht schon einmal gegeben? 

Monday, January 18, 2010

Cash ist immer noch King

Geld ist populär – und zwar vor allem in seiner althergebrachten Form. Obwohl im digitalen Zeitalter virtuelles Geld für den erfolgreichen e-Commerce unabdingbar ist. Gerade in der Schweiz scheinen sich die Verbraucher aber nur schwer von Münzen und Noten trennen zu wollen, obwohl die Infrastruktur für eine bargeldlose Gesellschaft weitgehend besteht. In anderen Ländern ist das Publikum flexibler.

Viele Schweizer trauen den Plastikkarten noch nicht so recht – ausser vielleicht in den Ferien, wenn es nicht anders geht. Und wenn man sich die grosse Computerpanne anschaut, die den Deutschen nach dem Jahreswechsel die Geldgeschäfte mit der Bankkarte für ein paar Tage gründlich verdorben hat, gibt es ja tatsächlich gute Gründe dafür, immer ein paar Nötli im Portemonnaie mitzutragen. Obwohl der Visa-Manager Steve Perry gute Gründe gegen Bargeld ins Feld führt: Gemäss einer umfangreichen Visa-Studie kostet uns Bargeld viel Geld – nämlich etwa 2 Prozent des Bruttosozialproduktes.
Kreditkarten sind ja auch in Europa nicht gerade unbeliebt. Gemäss Angaben der Europäischen Zentralbank sind die Umsätze in den letzten 5 Jahren jeweils um 12 Prozent gestiegen – bis auf 1,68 Billionen Euro.
Plastik boomt nicht nur in Europa. Eines der führenden Länder diesbezüglich ist Kanada, wo vor allem Debitkarten sehr beliebt sind und auch für kleinste Beträge eingesetzt werden können. Ob Zahnarzt, Tankstelle oder Lebensmittel: es gibt kaum ein Laden im ganzen Land, wo nicht mit Plastik bezahlt werden kann: In Kanada werden jährlich etwa 110 Einkäufe pro Einwohner per Debitkarte bezahlt, nur die Schweden brauchen ihre Bankkarten noch intensiver: für rund 130 Einkäufen pro Einwohner. Die Kanadier lieben auch ihre Kreditkarten: Auf 30 Millionen Einwohner kommen 70 Millionen Master- und Visa-Karten. Debit und Kreditkarten werden in Kanada auch an den Bankautomaten oft und gerne eingesetzt – fast eine Milliarde Mal im Jahr 2008.
Doch nicht nur im Norden wird Bargeld langsam überflüssig. Auch in Afrika gibt es ein Schulbeispiel für die Popularisierung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, wie der Spiegel berichtet:
“Das Verfahren ist denkbar einfach: Der Kunde lässt sich bei M-Pesa registrieren, bekommt eine Nummer und ein Passwort und verfügt damit - dank einer speziellen Funktion auf der SIM-Karte - über ein Konto. Ist das Konto gefüllt, kann er von zu Hause oder unterwegs aus mit dem Handy Überweisungen vornehmen. Für die Ein- und Auszahlung der Summen sorgen landesweit über 11.000 Agenten mit ihren Shops. Jeder Agent musste umgerechnet knapp 1000 Euro investieren und bekam dafür eine Betreiberlizenz. Das neue Angebot entwickelte sich rasant. Die Zahl der M-Pesa-Teilnehmer explodierte auf rund 8 Millionen Teilnehmer, umgerechnet über 200 Millionen Euro werden inzwischen monatlich in Kenia via Handy überwiesen.“
Es ist abzusehen, dass sich mit dem wachsenden Internet-Handel immer mehr bargeldlose Zahlarten durchsetzen werden, auch in der Schweiz. Darauf wetten wir ein 100er-Nötli!