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Wednesday, June 25, 2014

Die Herren des Internets

Der Herr der Ringe war gestern, heute gibt es interessantere Dinge, als ein Ring, der alle beherrscht – das Internet zum Beispiel. Obwohl sich die meisten von uns immer noch (schwach) an ein Zeitalter ohne Internet erinnern können, gehen wir heute davon aus, dass es überall vorhanden ist, immer funktioniert und uns den digitalen Lebensstil ermöglicht, an den wir uns so schnell und intensiv gewöhnt haben. Die Internet-Infrastruktur ist hochkompliziert und muss gewartet und geschützt werden, und da schliesst sich dann der Kreis mit J.R. R. Tolkien wieder: Die Herren des Internets wären auch in einem fantastischen Buch nicht fehl am Platz.

Einer der Schlüssel zum Internet? Die ICANN-Crypto-Officer haben alle je
zwei dieser Schlüssel in ihrer Obhut. 
Sie heissen “Crypto-Officers“, und sie halten die Schlüssel zum Internet, beziehungsweise dessen Adresssystem unter ihrer Kontrolle. Sie gehören zur ICANN, der Internetverwaltungsorganisation, die das Domain Name System (DNS) kontrolliert. Dieses System wandelt Namen in Zahlen um, und macht sie so im unendlich grossen weltweiten Internet erst auffindbar. Wikipedia beschreibt die Aufgaben von ICANN wie folgt:
“Zu den Aufgaben der ICANN gehört die Durchführung der IANA-Funktion, die folgendes umfasst:
  • Zuteilung von IP-Adressblöcken an die fünf Regional Internet Registries, damit diese kleinere Adressbereiche an die Local Internet Registries zuteilen können.
  • Zuteilung von Nummern und Bezeichnern, die von Netzwerkprotokollen verwendet werden, etwa Portnummern oder die Zeitzonen-Datenbank.
  • Zuteilung von Top-Level-Domains an Domain Name Registries, damit diese Domain-Registrierungen von Domain-Name-Registraren verwalten.
Daneben koordiniert die ICANN den Betrieb der Root-Nameserver und betreibt selbst einen davon.“
Dieses System ist also das Nervenzentrum, wenn nicht sogar das Gehirn des Internets. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat kürzlich in einer faszinierenden und sehr lesenswerten Reportage über eine  "Sicherheitszeremonie" berichtet, die regelmäßig durchgeführt wird, um dessen Schutz zu gewährleisten. Zitat:
“Eine Gruppe von Technikern, genannt »Crypto Officers«, besitzt Schlüssel für ein Schließfach. Darin befinden sich Computer, die sich nur starten lassen, wenn eine bestimmte Zahl dieser Schlüsselträger anwesend ist. Die Schlüssel sind über die Welt verteilt, und die Schlüsselträger dürfen nie im selben Flugzeug reisen – damit im Falle eines Absturzes nicht alle tot sind. Sieben Schlüssel gibt es für Culpeper an der amerikanischen Ostküste. Zur Sicherheit steht an der Westküste ein fast identisches Datenzentrum mit sieben anderen Schlüsselträgern. Für die Zeremonie müssen mindestens drei Schlüsselträger alle drei Monate abwechselnd in Ost und West zusammenkommen, um einen sogenannten Masterschlüssel zu erzeugen, einen digitalen Code, der die Einträge des DNS-Servers aufs Neue absichert – sonst könnten Hacker Millionen von Websites kapern und Schadsoftware verbreiten. Für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass allen 14 Schlüsselträgern etwas zustößt (oder beide Rechenzentren zerstört werden), gibt es noch sieben »Recovery Key Share Holders« mit speziellen Speicherkarten, die das System im Notfall an einem geheimen Ort wiederherstellen könnten..."

Monday, June 20, 2011

Neue (teure) Adressen fürs Internet

Bis heute hiess es “.ch“, “.net“, “.org“ und natürlich “.com“ am Ende von Webadressen. Diese sogenannten Top-Level-Domains (TLDs) sollen jetzt massiv erweitert werden. Die zuständige Behörde “Icann“ hat die Zulassung aller möglichen Endungen  beschlossen – so zum Beispiel auch von Städte- oder Firmennamen.

Man rechnet bei Icann damit, dass ab 2013 bis zu tausend neue Endungen zugelassen werden. In einer Mitteilung heisst es, man wolle damit neue Ideen und Internetauftritte fördern. Wer sich dieser kreativen Anregung bedienen möchte, muss allerdings viel Geld auf den Tisch legen: Laut Medienberichten beträgt die Antragsgebühr fast 200'000 Dollar. So wundert es nicht, dass sich vor allem grosse Unternehmen für die neuen Endungen interessieren. Zitat aus der Zeit:
“Beispielsweise will sich das Unternehmen Canon um die Endung ".canon" bewerben. Weitere elf Prozent gaben an, sie hätten Interesse an der Bewerbung um einen Oberbegriff als TLD, wie ".bank", ".hotel" oder ähnliches.Es zeichnen sich zwei Hauptgründe für die Bewerbung um eine der neuen TLD ab: 48 Prozent der Bewerber gaben an, ihr Hauptziel sei, sich gegen Markenrechtsverletzungen zu schützen. Weitere 45 Prozent hoffen, sich Marktvorteile zu verschaffen. Die 150 befragten Unternehmen stammen aus den USA, Europa und dem Asien-Pazifik-Raum…“
Ob die neuen Endungen die in sie gesetzten Erwartungen auch erfüllen, ist zweifelhaft (ausser natürlich für Icann, die sich damit eine weitere Geldquelle erschliesst).

Ansonsten glauben wir hier nicht daran, dass sich mit einer neuen Domain grosse Marketingvorteile ergeben. Internetnutzer arbeiten heute meistens nicht mehr mit URLs (also Internetadressen), wenn sie im Web etwas suchen. Google und die richtigen Stichwörter führen am schnellsten zum Ziel. Welcher Domainname hinter dem Punkt steht, ist längst nicht mehr von Wichtigkeit - ausser vielleicht, wenn sich jemand im Rotlichtviertel des Internets umsehen will.