Showing posts with label Nicholas Carr. Show all posts
Showing posts with label Nicholas Carr. Show all posts

Sunday, November 22, 2015

Die Wurzel allen Übels - das Internet!

Das Internet ist jene Erfindung, die unsere Welt in den letzten 25 Jahren am stärksten verändert hat. Die Kommunikation per PC, Smartphone oder Tablet, wie sie in ihrer heutigen Form existiert, gäbe es ohne Internet nicht. Milliarden von Menschen haben dank dieser gewaltigen Infrastruktur Zugriff auf fast unendliche Informations-Ressourcen - Google weiss auf jede Frage, die gestellt wird, eine Antwort. Und trotzdem hat das Internet mit all seinen Begleiterscheinungen bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Inzwischen ist ein ganzes Genre von Literatur entstanden, das sich mit den negativen Auswirkungen des Internets auf unsere Kultur, unser Wissen und unser Sozialgefüge befasst. Diese Behauptungen bleiben allerdings nicht ohne Widerspruch.

Google hat auf jede Frage eine Antwort. Ob sie stimmt, müssen Sie selber
beurteilen.                                                                               Screenshot google.ch
Eigentlich ist es typisch für die Menschheit: Da steht uns seit kurzem das mächtigste und umfassendste Kommunikationsinstrument zur Verfügung, das je existiert hat, und was tun wir damit? Wir chatten, schauen Pornos und teilen Katzenvideos. Kein Wunder dass das Internet voll von Artikeln über den Verblödungsfaktor des Internets ist.
“Das Internet ist unser ständiger Begleiter – es lenkt uns so ab, dass wir das Leben nicht mehr geniessen können“, sagt zum Beispiel Anita Eggler Sie ist überzeugt davon: Das Internet schadet.
Macht Google dumm? Das fragt die TAZ und zitiert den Autoren Nicholas Carr. Der ist überzeugt davon, dass das Internet eine große Zerstreuungsmaschine ist, und dass uns die ganzen Hyperlinks eher hyperhektisch machen als ein bisschen klüger.
Manfred Spitzer, ein weiterer Autor, der immerhin auch Hirnforscher (Neuropsychiater) ist, geht noch weiter. Seine These lautet: Computer schaden der menschlichen Entwicklung. Spitzer spricht gar von "digitaler Demenz".
Das Internet macht aber nicht nur dumm, es verdirbt uns auch die Reiselust – weil es uns eine allzu perfekte Planung der Reise ermöglicht – sagt zumindest Melanie Mühl in der FAZ.
Und schliesslich schadet das Internet auch unserer Rechtschreibung und macht uns gar krank.
All diese kulturpessimistischen Artikel über das Internet stellen nur die Spitze des Eisbergs dar – und trotzdem ist das Internet jenes Medium, das unser Zeitalter definiert. Die Warnungen stossen also auf taube Ohren – das Internet ist einfach zu gut, um es aufzugeben. Deshalb möchten wir an dieser Stelle auf einen Artikel von Peter Praschl hinweisen, der kürzlich auf Welt-Online erschienen ist und sich den Kritikern angenommen hat. Die Schlussfolgerung ist einigermassen tröstlich und gibt uns einen Grund, weiterhin an das Gute im Menschen und im Internet zu glauben. Zitat:
“Das Seltsame an den Sorgen-Studien: Man merkt es der Welt nicht an, wie sehr sie aus dem Tritt geraten ist. Weder ist durch das Internet, das es nun auch schon ein paar Jahrzehnte lang gibt, massenhafter Analphabetismus ausgebrochen, noch sind die Spielplätze leer, noch haben Teenager aufgehört, sich romantisch ineinander zu verlieben.
An den Universitäten gibt es zwar viel Mittelmaß, aber auch exzellente Jungwissenschaftler, es werden immer noch tolle Romane geschrieben, Lehrer, Journalisten und Forscher machen ihren Job, und viele von ihnen machen ihn gut; und dass Sechs-, Zehn- oder Sechzehnjährige 2015 im Schnitt dümmer, gestörter oder kränker sind als vor einem Vierteljahrhundert, lässt sich zwar behaupten, aber nicht überzeugend belegen.
So läuft das allermeiste von dem, was in den Apokalypse-Texten über das Internet steht, auf eine Binse hinaus: Menschen, die 24/7 vor Facebook sitzen, ständig an ihrem Handy herumfummeln oder sich jede Nacht bei Ballerspielen verausgaben, brauchen dringend Abwechslung und vielleicht auch Hilfe. Doch dasselbe ließe sich auch über Menschen sagen, die rund um die Uhr das Internet verdammen müssen. So wie sie sich anhören, könnte man auf die Idee verfallen, ihnen fixe Ideen, missionarischen Drang und Überängstlichkeit zu attestieren. Geisteszustände also, die nicht wirklich gesund sein können.“

Friday, June 10, 2011

Macht das Internet dumm?

Das anstehende lange Wochenende ist vielleicht die richtige Gelegenheit, um sich einmal für länger als nur ein paar Minuten oder Stunden vom digitalen, allumspannenden, allwissenden und zeitfressenden Internet abzukoppeln. So eine Auszeit wäre dringend nötig, um unsere Köpfe zu entlasten, sagt der Autor Nicholas Carr.

Carr erzählt in seinem neusten Buch von seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit der digitalen Technologie. Was er sagt, wird durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert. Der ständige Umgang mit dem Internet – durch den PC oder durch das Smartphone – verändert die Art und Weise, wie wir denken.
“Wir verlieren die Fähigkeit, tief nachzudenken, weil wir uns in einem andauernden Zustand von Informationsüberflutung befinden und auch noch ständig abgelenkt werden“,
 sagt Carr. Er hatte seine Theorie erstmals vor drei Jahren in einem längeren Aufsatz unter dem Titel “Is Google Making Us Stupid“ dargelegt, der ein grosses Echo fand. Nun hat er zum gleichen Thema ein Buch geschrieben. Unter dem Titel “The Shallows“ (etwa “Die Untiefen“) ergründet er die Oberflächlichkeit der digitalen Informationsgesellschaft. Er ist natürlich nicht der erste, der das getan hat: Mark Bauerlein publizierte for drei Jahren ein Buch über die Internetgeneration. Der vielsagende Titel: „Die dümmste Generation“. Wer Bauerleins Buch liest, hat das Gefühl, dass für viele der sogenannten Digital Natives wohl Hopfen und Malz verloren ist. 
Nicholas Carr sieht das nicht so. Er beschreibt einen digitalen Entwöhnungsprozess, der an eine Alkoholentziehungskur erinnert: So nach und nach kommt die Konzentrationsfähigkeit wieder zurück, die Lust am tiefen Denken und damit die Lebensqualität. Auf das Internet verzichten muss man deswegen noch lange nicht.
Auf die Gefahr hin, dass wir damit unsere eigenen Leser für eine Weile verlieren, schlagen wir vor, den PC (und das Smartphone mit allem anhängenden Ballast wie Facebook, etc.) durch ein Buch zu ersetzen. Probieren Sie doch mal aus, wie es so geht, wenn man einfach nur liest – ganz ohne Hyperlinks, e-Mails und anderen Ablenkungen. Viel Vergnügen – und wir hoffen natürlich, dass sie bald wieder zu uns zurückkehren.