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Tuesday, September 20, 2011

Das Internet und das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen

Wie nett ist das Internet? Und: Macht es das Leben todlangweilig? Das sind zwei aktuelle Artikel zum Thema Web, die lesenswert sind.

Der schlechte Ruf des Internets sei nicht gerechtfertigt, erklärt der Psychologe Paul Bloom im Spiegel. Dass im Web soviel Wissen grosszügig geteilt wird, sieht er als Beweis für die grosszügige Gutartigkeit der Internetgemeinde. Zitat:
“Anscheinend ruft das Internet dieselben sozialen Impulse hervor, die auch bei Interaktionen von Angesicht zu Angesicht vorkommen. Wenn sich jemand verirrt hat und Sie nach dem Weg fragt, werden Sie wahrscheinlich nicht ablehnen zu antworten oder lügen. In den meisten wirklichen sozialen Kontexten ist es ganz natürlich, dass man seine Meinung über Bücher oder Filme äussert, die man mag, oder dass man das Wort ergreift, wenn es um etwas geht, worüber man viel weiss. Das Anbieten von Informationen im Internet ist die Fortsetzung dieses alltäglichen Altruismus. Es illustriert das Ausmass der menschlichen Grosszügigkeit in unserem Alltagsleben und zeigt auch, wie die Technik diesen positiven menschlichen Zug durch wirklich nutzbringende Ergebnisse fördern und erweitern kann. Man hat schon lange gesagt, dass uns das Web klüger macht; es macht uns auch liebenswürdiger.“
Das Web als lieber Nachbar, der uns hilft, durchs Leben zu kommen… Na ja, vielleicht! Die Kommunikationsprofessorin Miriam Meckel ist auf jeden Fall nicht ganz dieser Meinung. In der NZZ vertitt sie die Ansicht, dass die digitalen Medien und berechenbar und langweilig machen. Zitat:
“Amazon schlägt uns Bücher vor, die wir lesen sollen, und die Vorschläge sind erstaunlich gut. Genius schlägt uns Musik vor, die zu unseren Vorlieben passt. Foursquare schlägt uns die Bars vor, in denen wir unsere Freunde treffen, NewsMe schlägt uns vor, was wir lesen und anschauen sollten, und Parship schlägt uns die Menschen vor, die wir künftig lieben könnten. Das alles ist sehr bequem und macht das Leben leichter. Aber es ist ein anderes Leben, als wir es bisher kannten.Die Algorithmen, die uns diese Empfehlungen und Vorschläge ausrechnen, orientieren sich in ihren Berechnungen an der Vergangenheit, an unserem zurückliegenden Verhalten. In der Auswertung riesiger Datenmengen verlängert der Computer das, was wir getan, gewollt, geliebt haben, in die Zukunft. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was er einmal mag, mag er oft ein Leben lang. Mithilfe der Algorithmen werden wir zu einer endlosen Zeitschleife unserer selbst, zu unserem immerwährenden Status quo…“
Das will nun ja wirklich niemand – zu seinem eigenen Status Quo werden! Deshalb: Ab ins reale Getümmel und ins richtige Leben, das immer etwa ein paar Überraschungen bereithält. Für PC und Smartphone ist dann immer noch genügend Zeit.

Sunday, February 6, 2011

Immer verbunden - immer abgelenkt!

Sich ablenken zu lassen gehört heutzutage schon fast zum guten Ton: e-Mails, Handys und Textnachrichten machen konzentriertes Arbeiten oder Kommunizieren oft beinahe unmöglich. Das schlägt sich in unserer Produktivität nieder.

Man weiss es schon seit einiger Zeit: Die schöne neue digitale Welt bringt zwar unzählige Vorteile und macht uns das Leben oft viel einfacher. Ob all unsere Gadgets allerdings zu einer verbesserten Produktivität beitragen, ist immer noch sehr schwierig zu belegen. Ein Grund dafür: Die ständige Erreichbarkeit, die während eines durchschnittlichen Tages für unzählige Unterbrüche sorgt. Multitasking mag beim Computer funktionieren, beim Menschen zahlt es sich in den meisten Fällen nicht aus und kann  sogar der Gesundheit schaden.
In einem Artikel zu diesem Thema, zitiert die Computerwoche die Kommunikationsprofessorin Miriam Meckel aus St. Gallen, die ihre Thesen an einer Veranstaltung in München darlegte. Zitat:
"Wer aus einem Thema herausgerissen wird, braucht ein Vielfaches der Zeit, um sich wieder hineinzufinden", sagte Meckel und erzählte von amerikanischen Wissenschaftlern, die herausgefunden hätten, dass sich Büroangestellte im Durchschnitt nur noch zweieinhalb Minuten ungestört auf eine Aufgabe konzentrieren könnten. Einmal unterbrochen, brauchten sie 25 Minuten, um wieder in ihr Thema hineinzufinden. Das bedeute für die amerikanische Volkswirtschaft ein Minus von 28 Milliarden Arbeitsstunden und damit ein Defizit von 588 Milliarden Dollar.Meckel hat die Hoffnung, dass Unternehmensführungen und Mitarbeiter zur Einsicht kommen, dass ständige Erreichbarkeit kein anstrebenswertes Ziel sein kann. Erste Anzeichen der Umkehr seien in einigen Firmen sichtbar. So habe Chiphersteller Intel den E-Mail-freien Freitag eingeführt. Mitarbeiter sind angehalten, über andere Kommunikationskanäle ihre Kollegen zu erreichen…“  
Das wäre doch ein Vorsatz für die neue Woche: Lassen wir uns nicht mehr so einfach stören, schalten wir die Kommunkationslinien mal aus, wenn wir uns konzentrieren, oder mal nicht kommunizieren möchten. Ganz nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft!