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Tuesday, September 30, 2014

Jetzt darf das Handy auch im Flugzeug benutzt werden...

… allerdings nicht zum Telefonieren. Nicht weil das technisch nicht möglich oder zu gefährlich wäre, sondern ganz einfach, weil es zu stark nerven würde. Für alle anderen Aktivitäten dürfen die mobilen Gadgets jetzt aber gemäß einer neuen Regelung der zuständigen EU-Behörde EASA im Flieger benutzt werden.

Eine Swiss-Maschine im Anflug auf Zürich-Kloten: Die Handys der Passagiere stören dabei
nicht.                                                                                        Bild Reportair/Niklaus Wächter
Was gestern noch zu gefährlich war, ist heute plötzlich erlaubt: Smartphone, Tablet, Laptop oder E-Reader dürfen in Zukunft im Flugzeug durchgehend benutzt werden, zumindest wenn es nach der zuständigen Behörde geht. Mobilfunkfähige Geräte müssen deshalb nicht mehr in den Flugmodus umgestellt werden, sondern können normal benutzt werden – wenn die Fluggesellschaft dies zulässt. Denn am Ende sind es immer noch die einzelnen Airlines dafür verantwortlich, dass ihre Flugzeuge den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards entsprechen. Zitat aus demSpiegel:
“Die Lufthansa [zu der auch die Swiss gehört] begrüßte die neue Richtlinie. "Wir werden möglichst schnell versuchen, unseren Kunden das anzubieten", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Am Verbot des Telefonierens an Bord per Handy oder Skype halte die Fluglinie aber weiter fest, sagte er. Dies habe keine technischen Gründe, sondern "das entspricht sehr deutlich dem immer wieder geäußerten Kundenwunsch". […]Lufthansa und Air Berlin erlauben seit Februar und Mai die Nutzung von elektronischen Geräten an Bord - allerdings im Flugmodus. Ende 2013 hatte die EASA dazu die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen.Einige Gesellschaften haben bereits den kostenlosen Zugang zum mobilen Internet in ihren Flugzeugen während des Fluges ermöglicht - darunter Norwegian, Air China und Turkish Airlines. Andere Fluggesellschaften wie Lufthansa bieten den Service gegen Gebühr, etwa auf ausgewählten Langstreckenflügen an. Passagiere beklagten bisher die oft schlechte Qualität der Verbindungen und das schleppende Tempo der Datenübertragung.Einige Airlines hatten bereits erwogen, auch das Telefonieren einzuführen. Dies wurde aber bisher auf der Grundlage von Kundenumfragen hintenangestellt, etwa bei der US-Fluglinie Delta. British Airways erlaubt auf einem Business-Class-Flug von London nach New York zwar SMS-Nachrichten und Internetzugang, blockiert aber Telefongespräche, um die Ruhe in der Kabine nicht zu stören.“

Tatsächlich wäre es technisch kein Problem, das Telefonieren im Flugzeug möglich zu machen. Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis auch in der Kabine am Handy geplaudert werden kann – wenn überhaupt. Die Swiss sendet zum Thema eher gemischte Signale aus. Wie eine Sprecherin gegenüber SRF erklärte, wisse man bei der Swiss, dass die Fluggäste nicht wünschten, dass im Flugzeug telefoniert werde. Trotzdem prüfe die Swiss mittelfristig die Möglichkeit, das Telefonieren auf Flugzeugen zu erlauben. Möglicherweise werde dies im Rahmen der Anschaffung neuer Flugzeuge in den nächsten Jahren wieder geprüft.


Friday, August 22, 2014

BYOD – ins Flugzeug!

Persönlicher Platz und persönlicher Service im Flugzeug werden immer knapper, vor allem für jene grosse Mehrheit von uns, die sich in der “Holzklasse“ befördern lässt. Nun haben gewisse Fluggesellschaften eine weitere Möglichkeit gefunden, Geld zu sparen: Das im Sitz eingebaute Entertainment-System wird abgeschafft. Passagiere müssen sich mit ihren eigenen Geräten unterhalten.

In diesem Dreamliner von United sind sie noch drin, die persönlichen Entertainment-
Systeme. In 50 neuen Flugzeugen heisst es bald: BYOD.                       Bild Wikipedia
Nichts ist im digitalen Zeitalter, wie es früher war – das gilt auch für das Reisen im Flugzeug. Die meisten Airlines sind stehen unter Druck – Treibstoffpreise, Flughafengebühren und Billigkonkurrenz lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Dass spüren denn auch die Flugpassagiere. Vorbei ist es zum Beispiel mit grosszügigem Gepäcktransport: Extra Koffern müssen teuer bezahlt werden – genauso wie andere Dienstleistungen, die früher mal im Flugpreis eingeschlossen waren. Nun haben Amerikanische Airlines eine neue Sparmöglichkeit entdeckt, die voll auf Kosten der Passagiere geht. United Airlines, eines der ganz grossen Amerikanischen Flugunternehmen, hat laut CNN gerade 50 neue Flugzeuge ohne persönlichen Bildschirme am Sitz bestellt. Schliesslich kosten die Systeme Geld und verursachen zusätzliches Gewicht und somit Spritverbrauch. Statt jedem Passagier ein Entertainment-System zur Verfügung zu stellen, will United in diesen Maschinen einen Server laufen lassen, der mit persönlichen Geräten angezapft werden kann. Wer einen Laptop, einen iPad oder ein Smartphone dabei hat, und das sind gemäß CNN heutzutage drei Viertel aller Passagiere, kann dann jene Inhalte streamen, die ihm vom Flugzeugserver zur Verfügung gestellt werden. Delta Air Lines ist dabei, ein ähnliches System aufzubauen, will aber vorläufig die eingebauten Bildschirme noch zur Verfügung stellen.
(Was kommt als nächstes? Vielleicht “Bring your own food”? Ach, das gibt es ja schon. Air Canada zum Beispiel, serviert auf Inlandflügen, Flügen in die USA und an gewisse Strand-Destinantionen keine Mahlzeiten mehr, außer manbezahlt dafür extra. Genauso wie für den Kopfhörer für das Entertainment-System, wenn man die Bilder am Bildschirm nicht nur ohne Ton sehen möchte…)

Noch wissen wir nicht, wie lange es geht, bis wir den In-Flight-Movie bei der Swiss, der Lufthansa oder bei British Airways am eigenen Smartphone anschauen müssen. Da viele Fluggesellschaften im Flugzeug Wifi-Verbindungen anbieten oder planen, kann man davon ausgehen, dass sie das Experiment bei United Airlines genaustens verfolgen werden. Wenn die Passagiere den Dienstleistungsabbau akzeptieren, wie so vieles andere auf einer Flugreise, wurde hier wohl ein neuer Trend geboren: Bring your own device im Flugzeug.


Monday, August 8, 2011

Flug in die Vergangenheit


Ab November wird die Fluggesellschaft Swiss eine weitere Gebühr auf den Ticketpreis schlagen. Wer seinen Flug mit der Kreditkarte bezahlt, dem werden 6 bis 22 Franken zusätzlich berechnet. Natürlich trifft das all jene Swiss-Kunden, die ihre Flüge am Internet buchen und bezahlen. Die Swiss macht damit einen riesigen Schritt rückwärts – vom digitalen ins Cash-Zeitalter.




Kurzsichtige Profitmaximierung: Die Swiss benachteiligt ihre
Onlinekunden mit einer Strafgebühr für den
Kreditkartengebrauch.
Es ist erstaunlich, wie wenig Echo diese Meldung letzte Woche ausgelöst hat: Die Swiss will jene Kunden, die ihre Flug-Tickets auf moderne Art und Weise kaufen, mit einer Strafgebühr büssen. Nicht von diesem Aufpreis betroffen sind nur Kunden, die entweder eine Post-Card haben, oder jene, die persönlich an einem Swiss-Schalter vorsprechen und ihren Kauf mit Cash bezahlen. Zitat aus der NZZ:
“Die Swiss begründete den Aufpreis damit, dass die Kosten, die beim Ticketkauf von den Kreditkartenanbietern erhoben werden, in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Aus diesem Grund werde den Kunden nun ein Teil dieser Kosten in Rechnung gestellt. Die Gebühr beläuft sich bei Inlandflügen auf 6 Franken pro Ticket, bei Europaflügen auf 11 Franken und bei Flügen ausserhalb Europas auf 22 Franken…“
Diese Regelung, die auch von anderen Gesellschaften des Lufthansakonzerns eingeführt worden sei, erscheint uns doch sehr kontraproduktiv. Haben denn die Swiss-Verantworlichen vergessen, dass das Hantieren mit Cash auch Geld kostet – wahrscheinlich ziemlich viel mehr, als die Umsatzgebühr, die an die Kreditkartenunternehmen zu bezahlen ist. Ausserdem: Was belastet wohl die Infrastruktur (und die Umwelt) mehr: Ein Kunde, der am PC sein eigenes Ticket kauft, ohne je einen Swiss-Angestellten zu belästigen, oder ein Kunde, der mit einem Portemonnaie voller Cash am Schalter vorbeikommt und sich bedienen lässt? Es ist anzunehmen, dass auch die Erbsenzähler bei der Swiss sich dessen bewusst sind. Aber sie gehen ganz einfach davon aus, dass die Kreditkartenkunden die Strafgebühr anstandslos bezahlen werden – es sind ja nur ein paar Franken – und damit noch etwas zum Swiss-Profit beitragen.
Früher einmal haben die Kreditkartenfirmen in ihren Verträgen mit den Händlern (in diesem Falle die Swiss) festgelegt, dass keine Ausnahmegebühren für den Gebrauch von Kreditkarten erhoben werden dürfen. Heute scheint das nicht mehr zu gelten. Es ist ziemlich klar, was geschehen würde, wenn die Kreditkartenunternehmen auf dieser Klausel bestehen würden: Die Swiss würde wohl lieber auf die angekündigten Aufpreise verzichten, statt auf Zehntausende ihrer Kunden.
Im heutigen digitalen Zeitalter werden täglich Abermillionen von Online-Transaktionen getätigt – fast alle werden mit Kreditkarten bezahlt. Bargeldloses Zahlen, auch in Form von Kreditkarten, ist die Bezahlform der Zukunft – daran werden auch die Swiss und die Lufthansa mit ihrer kurzsichtigen Strafgebühr für Kreditkartenkunden nichts ändern.